KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 261
Debatte

Pfeife aus dem Mund, du Hund!

Von Rupert Koppold
Datum: 30.03.2016
Es gibt noch viel zu tun, wenn unsere Kultur rauchfrei werden soll. In der vergangenen Woche hat Kontext-Autor Jürgen Lessat das Qualmen in Film und Fernsehen angeprangert. Kino-Kenner Rupert Koppold hält jetzt dagegen. Warnhinweis: In diesem Text kommen Wörter wie Zigarette, Zigarre und Pfeife vor!

Dieser Kerl kann nicht nur schneller schießen als sein Schatten, er hat auch die Prärie vollgequalmt wie kein anderer. Doch im Jahr 1983 war es damit vorbei: Da hat Lucky Luke das Rauchen aufgegeben und sich statt einer Zigarette einen Strohhalm (hoffentlich ohne Herbizidrückstände!) in den Mundwinkel gesetzt. Beispielhaft!!

Ojeoje.
Ojeoje.

Trotzdem bleibt noch viel zu tun, bis die Jugend und letztlich überhaupt wir alle zu hundert Prozent vor dem Anblick falscher Bilder geschützt sind, bis also die komplette Populärkultur zur rauchfreien Zone erklärt werden kann. Der Artikel "Fluppe im Film" in der letzten Kontext-Ausgabe hat die Probleme aufgezeigt, musste am Ende aber konstatieren: "Eingeblendete Schockbilder, analog zu den neuen Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln, soll es im Kino und Fernsehen nicht geben."

Es stimmt allerdings auch, dass die Kultur hie und da schon vor Lucky Luke freiwillig das üble Rauchen getadelt hat, etwa im Song vom "Surabaya Johnny" mit der Aufforderung: "Nimm doch die Pfeife aus dem Maul, du Hund!" Wobei dies ein wenig dadurch entwertet wurde, dass der Autor Bertolt Brecht selber immer wieder mal beim Zigarrenpaffen erwischt wurde. Sowieso gingen Max und Moritz im Kampf gegen das Qualmen pädagogisch nachhaltiger vor, sie stopften ihrem Lehrer (sic!) Lämpel die Pfeife heimlich mit Schwarzpulver. "Rums, da geht die Pfeife los / mit Getöse, schrecklich groß", so heißt dann der Text zu einem superguten Rauchen-ist-schlecht-Bild, nämlich zu einer Explosion, nach welcher der in jedem Sinne angeschwärzte Lämpel wohl nicht mehr in der Lage sein dürfte, weiter als kinderverderbendes Vorbild zu fungieren.

Ein gewisses Bemühen, das Rauchen zu stigmatisieren, kann man der Kultur ja nicht absprechen. Wenn sich etwa Tippi Hedren in Hitchcocks "Die Vögel" eine Zigarette ansteckt, dann sammeln sich hinter ihr auf einer Art Gerüst schon ganz viele Unglücksboten in Form von Raben. Inzwischen ist es Kino und Fernsehen annähernd gelungen, das Rauchen nur noch als Zeichen für ein Problem der jeweiligen Figur zu setzen.

Im ZDF-Film "Das Dorf des Schweigens" sind alle Raucher furchtbar unglücklich. Screenshots: ZDF-Mediathek
Im ZDF-Film "Das Dorf des Schweigens" sind alle Raucher furchtbar unglücklich. Screenshots: ZDF-Mediathek

Glückliche Raucher sind auf Leinwand und Bildschirm mehr oder weniger verschwunden. In dem TV-Film "Das Dorf des Schweigens" dagegen, der letzte Woche im oben erwähnten Kontext-Artikel oft zitiert wird, ballen sich unglückliche Raucher zusammen, lauter Figuren, die vergeblich versuchen, ihre psychischen Defekte in Qualm aufzulösen. Dennoch fehlen die Warnhinweise: Vorsicht, Rauchen kann zu lemurenhaft langsamen und kreuzlangweiligen Familiendramen führen! Äh, Quatsch, es muss natürlich heißen: Rauchen kann ..., Sie wissen schon.

Trotzdem, eingeschnittene Warnhinweise wären bloß ein fauler Kompromiss. Es hilft letztlich nur eins: Schädliche Verhaltensweisen dürfen überhaupt nicht mehr abgebildet werden! Was ja auch Arbeitsplätze schafft. Man stelle sich diese Heerscharen von Cuttern vor, die auch rückwirkend loslegen, die also Humphrey Bogart, Lauren Bacall, James Dean, Gregory Peck, Alain Delon, Marcello Mastroianni, Jean-Paul Belmondo, Robert Mitchum, Clint Eastwood, Jean Gabin oder Audrey Hepburn ihre Rauchwaren aus dem Mund oder aus den Fingern schneiden. Jawohl, am Ende muss aus Ricks Café ein Nichtraucherlokal geworden sein! Und wie ist es mit der neuen, sich jedoch in alte Zeiten flüchtenden TV-Serie "Mad Men", in welcher hemmungslos Bars, Büros, Wohnungen und Autos vollgepafft werden? Geradezu eine Obszönität in unserer Welt, in welcher sogar der IS ein Anti-Raucherprogramm vorgestellt und die Gefahren dieser unerwünschten Tätigkeit schon mal mit einem abgehackten Kopf demonstriert hat, dem noch eine Zigarette im Mund steckte.

Sieht ungesund aus: Lehrer Lämpel nach der Pfeifen-Explosion. Zeichnung von Wilhelm Busch
Sieht ungesund aus: Lehrer Lämpel nach der Pfeifen-Explosion. Zeichnung von Wilhelm Busch

Auch in Deutschland hätten die Cutter natürlich viel zu tun, etwa in den frühen "Tatorten", die von Kommissar Trimmel und Co. unab- und lässig vernebelt wurden, ja, in denen Helmut Käutner 1971 als Medizinprofessor mal eine einhändige Untersuchung an einer Patientin vornahm, weil er in der anderen Hand eine Zigarette halten musste.

Sogar die Karl-May-Filme sind nicht ganz rauchfrei, selbst Old Shatterhand, sonst die Tugend in Person, zieht mal an einer Pfeife. Nun gut, es ist eine Friedenspfeife, aber in einem Feldzug gegen das Rauchen in allen Erzeugnissen der Kultur darf es keine Ausnahmen geben. Lieber weiter Krieg führen, auch das dezimiert letztlich den Bestand der rauchenden Population. Und all dies so lange, bis es in der Kultur überall so zugeht wie im guten Kinderbuch.

Jawohl, so wie im guten Kinderbuch! Wie? Auch da wird durch falsche Vorbilder verdorben, auch da muss durchgegriffen werden?! Tatsächlich, diese ungeniert Pfeife rauchenden Kerle wie Lukas der Lokomotivführer oder Tims Gefährte Kapitän Haddock gehören wohl zur Achse des Bösen und stehen im Sold der Tabakindustrie. Legt ihnen sofort das Hand- und Rauchwerk! Und was ist das? Auweia, jetzt wird's noch krimineller, denn immer noch treibt ein so genannter Klassiker sein Unwesen, in dem sogar ein Kind behaglich Pfeife schmauchend unterm Baum liegt. Es ist der Titelheld, ein Tunichtgut namens Huckleberry Finn, der sich auch über andere Gesetze hinwegsetzt und schwarze Sklaven befreit! Ach, wie viel Übel kommt durch falsche Bilder in die Welt!

Liebe Zensur: Es gibt noch viel zu tun, bis wenigstens in der Fiktion alles so rauchfrei, rein und gesund ist, dass es nur so eine Art hat.

Anmerkung: Der Verfasser dieses Textes ist praktizierender Nichtraucher.


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Kommentare

mowgli, 01.04.2016 22:44
Ich fürchte, noch viel schädlicher als Bilder von rauchenden Helden sind Bilder von schießenden, Schwerter schwingenden, Autos crashenden oder ungeschützten Sex habenden HeldInnen. Allerdings: Würde man die alle entfernen aus der öffentlichen Wahrnehmung, bliebe vermutlich nicht viel übrig, worüber sich aufmerksamkeitsgeile Moralapostel aufregen könnten.

Ich persönlich habe übrigens einen ganz speziellen Hass. Der richtet sich gegen spitzelnde Petzen. Zum Glück tauchen ja wenigstens die in der öffentlichen Bilderwelt vergleichsweise selten auf.

Lowandorder, 31.03.2016 20:15
Sorry - Strohhalm? - lets have a look at - Band 37 - Billy the Kid - klar Fluppe - & now - Band 83 - Lucky Luke gegen Phil Steel - klar Grashalm. Nothingelse. Die N&Z-Wortjäger - die modern-allbekannten Blockwarte - Jetzt also - auch als Fluppen/Smoke-Jäger in der Literatur et al.
Naja - solche Spezies Mensch - vulgo Leute - müssen beschäftigt werden - unbeaufsichtigt laufen sie noch vor Straßenbahnen & Autos - Das kann niemand wollen. Da hab ich Verständnis.
Ansonsten - hat Kurt Vonnegut - die unvergleichlich-unverzeihliche Anmerkung gemacht " Ich habe Philipp Morris auf 80.000 Ocken verklagt. Ich rauche Kette seit meinem neunten Lebensjahr und bin jetzt 84. Schönen Dank - Ihr Versager." So gehts doch auch. &
Harry Rowohl hat dazu ergänzt -" Macht doch eure eigenen Kneipen auf - mit Früchte-Tee & Rächerstäbchen usw."
Eben - schreibt Literatur - dreht Filme - rauchfrei -in denen nicht gequalmt wird. Wer hindert euch?!

Bernd Oehler, 31.03.2016 13:51
[Zweiter Anlauf, mit Klarstellung]
Der arme Herr Koppold: da schreibt er eine so köstliche Satire und liefert leider keine Gebrauchsanleitung mit, die manche Kommentatoren benötigt hätten.
Einem Bonmot zufolge richten illgale Drogen den meisten Schaden in den Köpfen derer an, die sie nicht konsumieren.
Offenbar kommt das bei Nikotin auch vor.

Philippe Ressing, 31.03.2016 11:46
Per Fernbedienung zappen Zuschauer schnell aus dem TV-Programm. Dies wollen die TV-Verantwortlichen verhindern. Kürzlich war zu lesen, gelingt es einem TV-Film nicht, innerhalb der ersten Minuten die Zuschauer zu binden, zappen diese weg. Die Dosis an Reizstimulierung muss also permanent erhöht werden, das vermittelt schon die Ästhetik moderner TV-Werbung: Tempo und Action. Letztlich bestimmt dieTV-Ökonomie, was, wann, wo ausgestrahlt wird, Der Marktanteil (Anteil an den Zuschauern zum Sendezeitpunkt) entscheidet über den Erfolg. Und der Erfolg über die erzielten Werbeeinnahmen. Aber ARD und ZDF erhalten doch Gebühren? Der Marktanteil ist die 'Religion' aller TV-Macherund ihr Erfolgsnachweis - egal ob im Kommerz-TV oder Öffentlich-Rechtlich. Sinkt der Zuschaueranteil von ARD und ZDF , steigt der politische Druck zur Abschaffung der Rundfunkabgabe. Also wird mit Fußball und Tatort dagegengehalten. Last but not least: Die Brutalisierung der Gesellschaft ist kein Problem des Fernsehens. Wir haben uns an eine immer aggressivere Realität gewöhnt: Kampf bis aufs Messer um den Parkplatz, Deutsche Soldaten im Kriegseinsatz allüberall, soziale Brutalität und Abgrenzung. Die Bilder ertrunkener Flüchtlingskinder wollen wir nicht mehr sehen, Hauptsache die Zahl der Flüchtlinge in unseren Vorgärten nimmt ab. Unser Fernsehprogramm ist so brutal, wie wir selbst!

Karin Koch, 30.03.2016 16:47
"(...) "Fazit: Wer die Qualmerei in aktuellen TV-Produktionen damit begründet, es werde halt die Wirklichkeit gezeigt, verkennt das heutige Fernsehen. Es ist zum kommerziellen TV-Basar mutiert, der der Vermarktung von Produkten dient. (...)"
--
Dann dient die Brutalisierung in aktuellen TV-Produktionen - nur dem Zweck - eine höhere Zuschauerzahl zu produzieren?
Ist Das denn so?
Sind z.B. die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens tatsächlich so darauf erpicht - "Immer brutalere Szenerien" - vorgesetzt zu bekommen?
--
Egal, ob die Jugend diese Filme als Vorbild nimmt?
Siehe:
http://www.kontextwochenzeitung.de/kultur/260/fluppe-im-film-3526.html
"(...) Psychologen warnen, dass Filme von herausragender Bedeutung für soziales Lernen sind, insbesondere für junge Menschen, deren soziale Identität sich gerade erst herausbildet. Schauspieler seien zum einen attraktive Rollenmodelle, die imitiert werden."(...)"

Peter Schey, 30.03.2016 14:45
Manche Diskussionen - und die darin gezeigte Radikalität - machen mich fassungslos. Wo sollen wir anfangen mit dieser Selbstzensur, wo hören wir auf ?
Früher hatte wir Sex and Drugs and Rock'n'Roll, und heute ? Veganer, Laktoseintoleranz und Helene Fischer. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis wir aus dem Kölschen Tatort die Currywurst am Schluß herauszensieren, denn wenn das die Kinder sehen...

Philippe Ressing, 30.03.2016 11:51
Der Artikel ist wirklich ärgerlich und platt. Entscheidend ist nicht die Aufzählung der verschiedenen 'Kulturträger' mit Zigarette, Pfeife oder Zigarre. Es geht auch nicht um Zensur - das ist wirklich eine obszöne Verharmlosung - da freut sich Herr Erdoghan
1. Die Darstellung unseres Alltags verändert sich. Qualmten die Tatort-Kommissare und der ZDF-Kommissar in den 70er Jahren aus allen Löchern, war es damals ebenso üblich, Frauen als Sekretärinnen oder Betthasen (Kressin-Tatorte) auftreten zu lassen. Die 'Gastarbeiter' etwa kamen bei den 'Unverbeserlichen' oder im 'Ohnsorgtheater' gar nicht erst vor. Ach ja und in Vietnam wurde unsere Freiheit verteidigt....
2. Gesellschaft und Alltagswahrnehmung ändern sich. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Heroin von Bayer als probates Hustenmittel für Kinder angepriesen. Und das Rauchen? War es vor 20 Jahren bei Pressekonferenzen normal, sich durch Rauchschwaden seinen Sitzplatz suchen zu müssen, oder im Flugzeug neben einer qualmenden Pfeife zu sitzen, erscheint dies heute grotesk.
3. Immer noch verdienen die Tabak-Konzerne weltweit Millarden und sie versuchen immer noch die tödlichen Folgen ihrer Produkte zu Verharmlosen.
4. Und die 'Abbildung der Wirklichkeit' im Fernsehen. Mal abgesehen davon, dass kaum ein wirklicher Kriminalkommissar über solche Bürolofts verfügt wie etwa im Stuttgarter Tatort. Früher wurden die MacherIhnnen beim ZDF etwa per Anweisung dazu verpflichtet, in ihren Filmen Scheidungen oder getrennte Paare nicht als selbstverständlich darzustellen. Begründung damals: Das Grundgesetz schreibe den besonderen Schutz der Familie vor. (Könnte glatt von der AfD sein) Ach ja, Frauen die Abtreiben waren und sind im deutschen Fernsehen immer noch ein Tabu. Man schaue nur einmal das Ende der aktuellen ZDF-Serie "Kuhdamm 56" an. Fazit: Wer die Qualmerei in aktuellen TV-Produktionen damit begründet, es werde halt die Wirklichkeit gezeigt, verkennt das heutige Fernsehen. Es ist zum kommerziellen TV-Basar mutiert, der der Vermarktung von Produkten dient. Das gilt für ARD und ZDF (noch) nicht völlig, bei den Kommerzsendern ist es die Programmphilosophie.

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