KONTEXT Extra:
NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


Jörg Meuthen weiter an Björn Höckes Seite

Im vergangenen Sommer hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Bundesparteichef als "meinen verehrten Freund" begrüßt. Und Jörg Meuthen rückte sich selbst, auf dem Kyffhäuser-Treffen, zu dem ihn die Ultras geladen hatte, in die Nähe der besonders weit rechts stehenden parteiinternen Gruppierung "Der Flügel": Er wolle gar nicht als liberaler Kopf der Partei bezeichnet werden, sondern er stehe für "ein gemeinsames Wertefundament". Da hatte Höcke gerade alle anderen Parteien in Deutschland für "inhaltlich entartet" erklärt. Der Schulterschluss hält auch aktuell: Meuthen stellt sich gegen den Rausschmiss, den – wie am Montag bekannt wurde – der Bundesvorstand gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef anstrengt.

Nicht zum ersten Mal. Denn Höcke sollte 2015 schon einmal mit einem Verfahren überzogen werden. Da ging es ebenfalls um eine rassistische Rede, um Aussagen wie, man könne "nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen" und um den Vorwurf, Höcke schreibe unter Pseudonym für NPD-Publikationen. Meuthen äußerte sich reichlich schwammig, nahm für sich in Anspruch "als erster aus dem Bundesvorstand scharf reagiert zu haben". Zugleich erklärte er allerdings, dass Höckes "Äußerungen ohne weiteres als rassistisch interpretiert werden können – wobei man darüber diskutieren kann, ob sie es tatsächlich sind". Hans-Olaf Henkel, damals noch AfD-Mitglied, konterte unmissverständlich: "Herr Meuthen ist für mich ein klassischer Schattenboxer." Nach außen tue er immer wieder so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Flügel stellen, nach innen agiere er völlig anders. (13.2.2017)


NSU-Ausschuss: Schon wieder eine tote Zeugin

In seiner nächsten Sitzung wollte der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags eine Zeugin hören, die in den Neunzigerjahren vermutlich zu einer Gruppierung von Rechtsextremisten im Raum Ludwigsburg gehörte. Und sie stand im persönlichen Austausch mit der Neonazi-Szene in Jena und Chemnitz. 1996 soll die Frau sich auch mit Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos getroffen haben und später mit einem aus Thüringen stammenden und in Baden-Württemberg lebenden Mitveranstalter diverser deklarierter Konzerte rechtsextremer Skinheadbands, darunter auch der Band "Noie Werte".

Allerdings ist die Zeugin seit einigen Tagen tot. Ihr Leichnam wurde eingeäschert, ehe der Ausschuss Aufklärung verlangen konnte. "Ich habe dem Justizministerium sofort mitgeteilt", so der Vorsitzende Wolfgang Drexler (SPD), "dass wir großes Interesse daran haben, zu erfahren, ob die Zeugin eines natürlichen Todes gestorben ist und Fremdeinwirkung oder Fremdverschulden bei ihrem Tod ausgeschlossen werden kann." Am Donnerstag teilte das Ministerium mit, dass an der Leichenschau "wohl auch ein forensisch erfahrener Mediziner" mitgewirkt habe. Die Abgeordneten wollen sich jetzt in ihrer nächsten Sitzung am 24. Februar 2017 mit dem Fall befassen. Er sei sicher, so Drexler, "dass die weiteren Abklärungen ebenso wie die Information des Ausschusses und der Öffentlichkeit mit der gebotenen vollständigen Gründlichkeit, Sorgfalt und Umsicht durch die zuständigen Behörden betrieben werden", nicht zuletzt, weil "die Behörden ihre Lektionen gelernt haben".

Ende März 2015 war die 20-jährige Melisa M., eine frühere Freundin des im September 2013 auf dem Cannstatter Wasen verbrannten rechten Aussteigers Florian Heilig, überraschend verstorben, nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe als Folge eine Motocross-Unfalls. "Es dürfte sich aus dem unfallbedingten Hämatom im linken Knie ein Thrombus gelöst und letztlich die Embolie verursacht haben", hieß es damals in der Pressemitteilung. Auch ein technisches Gutachten zum Zustand ihrer Maschine wurde vorgelegt - ohne Hinweise auf technische Manipulation. Ein knappes Jahr später hatte sich ihr Verlobter Sascha W. das Leben genommen. (10.2.2017)

Mehr zum Thema gibts hier.


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Ausgabe 261
Debatte

Pfeife aus dem Mund, du Hund!

Von Rupert Koppold
Datum: 30.03.2016
Es gibt noch viel zu tun, wenn unsere Kultur rauchfrei werden soll. In der vergangenen Woche hat Kontext-Autor Jürgen Lessat das Qualmen in Film und Fernsehen angeprangert. Kino-Kenner Rupert Koppold hält jetzt dagegen. Warnhinweis: In diesem Text kommen Wörter wie Zigarette, Zigarre und Pfeife vor!

Dieser Kerl kann nicht nur schneller schießen als sein Schatten, er hat auch die Prärie vollgequalmt wie kein anderer. Doch im Jahr 1983 war es damit vorbei: Da hat Lucky Luke das Rauchen aufgegeben und sich statt einer Zigarette einen Strohhalm (hoffentlich ohne Herbizidrückstände!) in den Mundwinkel gesetzt. Beispielhaft!!

Ojeoje.
Ojeoje.

Trotzdem bleibt noch viel zu tun, bis die Jugend und letztlich überhaupt wir alle zu hundert Prozent vor dem Anblick falscher Bilder geschützt sind, bis also die komplette Populärkultur zur rauchfreien Zone erklärt werden kann. Der Artikel "Fluppe im Film" in der letzten Kontext-Ausgabe hat die Probleme aufgezeigt, musste am Ende aber konstatieren: "Eingeblendete Schockbilder, analog zu den neuen Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln, soll es im Kino und Fernsehen nicht geben."

Es stimmt allerdings auch, dass die Kultur hie und da schon vor Lucky Luke freiwillig das üble Rauchen getadelt hat, etwa im Song vom "Surabaya Johnny" mit der Aufforderung: "Nimm doch die Pfeife aus dem Maul, du Hund!" Wobei dies ein wenig dadurch entwertet wurde, dass der Autor Bertolt Brecht selber immer wieder mal beim Zigarrenpaffen erwischt wurde. Sowieso gingen Max und Moritz im Kampf gegen das Qualmen pädagogisch nachhaltiger vor, sie stopften ihrem Lehrer (sic!) Lämpel die Pfeife heimlich mit Schwarzpulver. "Rums, da geht die Pfeife los / mit Getöse, schrecklich groß", so heißt dann der Text zu einem superguten Rauchen-ist-schlecht-Bild, nämlich zu einer Explosion, nach welcher der in jedem Sinne angeschwärzte Lämpel wohl nicht mehr in der Lage sein dürfte, weiter als kinderverderbendes Vorbild zu fungieren.

Ein gewisses Bemühen, das Rauchen zu stigmatisieren, kann man der Kultur ja nicht absprechen. Wenn sich etwa Tippi Hedren in Hitchcocks "Die Vögel" eine Zigarette ansteckt, dann sammeln sich hinter ihr auf einer Art Gerüst schon ganz viele Unglücksboten in Form von Raben. Inzwischen ist es Kino und Fernsehen annähernd gelungen, das Rauchen nur noch als Zeichen für ein Problem der jeweiligen Figur zu setzen.

Im ZDF-Film "Das Dorf des Schweigens" sind alle Raucher furchtbar unglücklich. Screenshots: ZDF-Mediathek
Im ZDF-Film "Das Dorf des Schweigens" sind alle Raucher furchtbar unglücklich. Screenshots: ZDF-Mediathek

Glückliche Raucher sind auf Leinwand und Bildschirm mehr oder weniger verschwunden. In dem TV-Film "Das Dorf des Schweigens" dagegen, der letzte Woche im oben erwähnten Kontext-Artikel oft zitiert wird, ballen sich unglückliche Raucher zusammen, lauter Figuren, die vergeblich versuchen, ihre psychischen Defekte in Qualm aufzulösen. Dennoch fehlen die Warnhinweise: Vorsicht, Rauchen kann zu lemurenhaft langsamen und kreuzlangweiligen Familiendramen führen! Äh, Quatsch, es muss natürlich heißen: Rauchen kann ..., Sie wissen schon.

Trotzdem, eingeschnittene Warnhinweise wären bloß ein fauler Kompromiss. Es hilft letztlich nur eins: Schädliche Verhaltensweisen dürfen überhaupt nicht mehr abgebildet werden! Was ja auch Arbeitsplätze schafft. Man stelle sich diese Heerscharen von Cuttern vor, die auch rückwirkend loslegen, die also Humphrey Bogart, Lauren Bacall, James Dean, Gregory Peck, Alain Delon, Marcello Mastroianni, Jean-Paul Belmondo, Robert Mitchum, Clint Eastwood, Jean Gabin oder Audrey Hepburn ihre Rauchwaren aus dem Mund oder aus den Fingern schneiden. Jawohl, am Ende muss aus Ricks Café ein Nichtraucherlokal geworden sein! Und wie ist es mit der neuen, sich jedoch in alte Zeiten flüchtenden TV-Serie "Mad Men", in welcher hemmungslos Bars, Büros, Wohnungen und Autos vollgepafft werden? Geradezu eine Obszönität in unserer Welt, in welcher sogar der IS ein Anti-Raucherprogramm vorgestellt und die Gefahren dieser unerwünschten Tätigkeit schon mal mit einem abgehackten Kopf demonstriert hat, dem noch eine Zigarette im Mund steckte.

Sieht ungesund aus: Lehrer Lämpel nach der Pfeifen-Explosion. Zeichnung von Wilhelm Busch
Sieht ungesund aus: Lehrer Lämpel nach der Pfeifen-Explosion. Zeichnung von Wilhelm Busch

Auch in Deutschland hätten die Cutter natürlich viel zu tun, etwa in den frühen "Tatorten", die von Kommissar Trimmel und Co. unab- und lässig vernebelt wurden, ja, in denen Helmut Käutner 1971 als Medizinprofessor mal eine einhändige Untersuchung an einer Patientin vornahm, weil er in der anderen Hand eine Zigarette halten musste.

Sogar die Karl-May-Filme sind nicht ganz rauchfrei, selbst Old Shatterhand, sonst die Tugend in Person, zieht mal an einer Pfeife. Nun gut, es ist eine Friedenspfeife, aber in einem Feldzug gegen das Rauchen in allen Erzeugnissen der Kultur darf es keine Ausnahmen geben. Lieber weiter Krieg führen, auch das dezimiert letztlich den Bestand der rauchenden Population. Und all dies so lange, bis es in der Kultur überall so zugeht wie im guten Kinderbuch.

Jawohl, so wie im guten Kinderbuch! Wie? Auch da wird durch falsche Vorbilder verdorben, auch da muss durchgegriffen werden?! Tatsächlich, diese ungeniert Pfeife rauchenden Kerle wie Lukas der Lokomotivführer oder Tims Gefährte Kapitän Haddock gehören wohl zur Achse des Bösen und stehen im Sold der Tabakindustrie. Legt ihnen sofort das Hand- und Rauchwerk! Und was ist das? Auweia, jetzt wird's noch krimineller, denn immer noch treibt ein so genannter Klassiker sein Unwesen, in dem sogar ein Kind behaglich Pfeife schmauchend unterm Baum liegt. Es ist der Titelheld, ein Tunichtgut namens Huckleberry Finn, der sich auch über andere Gesetze hinwegsetzt und schwarze Sklaven befreit! Ach, wie viel Übel kommt durch falsche Bilder in die Welt!

Liebe Zensur: Es gibt noch viel zu tun, bis wenigstens in der Fiktion alles so rauchfrei, rein und gesund ist, dass es nur so eine Art hat.

Anmerkung: Der Verfasser dieses Textes ist praktizierender Nichtraucher.


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Kommentare

mowgli, 01.04.2016 22:44
Ich fürchte, noch viel schädlicher als Bilder von rauchenden Helden sind Bilder von schießenden, Schwerter schwingenden, Autos crashenden oder ungeschützten Sex habenden HeldInnen. Allerdings: Würde man die alle entfernen aus der öffentlichen Wahrnehmung, bliebe vermutlich nicht viel übrig, worüber sich aufmerksamkeitsgeile Moralapostel aufregen könnten.

Ich persönlich habe übrigens einen ganz speziellen Hass. Der richtet sich gegen spitzelnde Petzen. Zum Glück tauchen ja wenigstens die in der öffentlichen Bilderwelt vergleichsweise selten auf.

Lowandorder, 31.03.2016 20:15
Sorry - Strohhalm? - lets have a look at - Band 37 - Billy the Kid - klar Fluppe - & now - Band 83 - Lucky Luke gegen Phil Steel - klar Grashalm. Nothingelse. Die N&Z-Wortjäger - die modern-allbekannten Blockwarte - Jetzt also - auch als Fluppen/Smoke-Jäger in der Literatur et al.
Naja - solche Spezies Mensch - vulgo Leute - müssen beschäftigt werden - unbeaufsichtigt laufen sie noch vor Straßenbahnen & Autos - Das kann niemand wollen. Da hab ich Verständnis.
Ansonsten - hat Kurt Vonnegut - die unvergleichlich-unverzeihliche Anmerkung gemacht " Ich habe Philipp Morris auf 80.000 Ocken verklagt. Ich rauche Kette seit meinem neunten Lebensjahr und bin jetzt 84. Schönen Dank - Ihr Versager." So gehts doch auch. &
Harry Rowohl hat dazu ergänzt -" Macht doch eure eigenen Kneipen auf - mit Früchte-Tee & Rächerstäbchen usw."
Eben - schreibt Literatur - dreht Filme - rauchfrei -in denen nicht gequalmt wird. Wer hindert euch?!

Bernd Oehler, 31.03.2016 13:51
[Zweiter Anlauf, mit Klarstellung]
Der arme Herr Koppold: da schreibt er eine so köstliche Satire und liefert leider keine Gebrauchsanleitung mit, die manche Kommentatoren benötigt hätten.
Einem Bonmot zufolge richten illgale Drogen den meisten Schaden in den Köpfen derer an, die sie nicht konsumieren.
Offenbar kommt das bei Nikotin auch vor.

Philippe Ressing, 31.03.2016 11:46
Per Fernbedienung zappen Zuschauer schnell aus dem TV-Programm. Dies wollen die TV-Verantwortlichen verhindern. Kürzlich war zu lesen, gelingt es einem TV-Film nicht, innerhalb der ersten Minuten die Zuschauer zu binden, zappen diese weg. Die Dosis an Reizstimulierung muss also permanent erhöht werden, das vermittelt schon die Ästhetik moderner TV-Werbung: Tempo und Action. Letztlich bestimmt dieTV-Ökonomie, was, wann, wo ausgestrahlt wird, Der Marktanteil (Anteil an den Zuschauern zum Sendezeitpunkt) entscheidet über den Erfolg. Und der Erfolg über die erzielten Werbeeinnahmen. Aber ARD und ZDF erhalten doch Gebühren? Der Marktanteil ist die 'Religion' aller TV-Macherund ihr Erfolgsnachweis - egal ob im Kommerz-TV oder Öffentlich-Rechtlich. Sinkt der Zuschaueranteil von ARD und ZDF , steigt der politische Druck zur Abschaffung der Rundfunkabgabe. Also wird mit Fußball und Tatort dagegengehalten. Last but not least: Die Brutalisierung der Gesellschaft ist kein Problem des Fernsehens. Wir haben uns an eine immer aggressivere Realität gewöhnt: Kampf bis aufs Messer um den Parkplatz, Deutsche Soldaten im Kriegseinsatz allüberall, soziale Brutalität und Abgrenzung. Die Bilder ertrunkener Flüchtlingskinder wollen wir nicht mehr sehen, Hauptsache die Zahl der Flüchtlinge in unseren Vorgärten nimmt ab. Unser Fernsehprogramm ist so brutal, wie wir selbst!

Karin Koch, 30.03.2016 16:47
"(...) "Fazit: Wer die Qualmerei in aktuellen TV-Produktionen damit begründet, es werde halt die Wirklichkeit gezeigt, verkennt das heutige Fernsehen. Es ist zum kommerziellen TV-Basar mutiert, der der Vermarktung von Produkten dient. (...)"
--
Dann dient die Brutalisierung in aktuellen TV-Produktionen - nur dem Zweck - eine höhere Zuschauerzahl zu produzieren?
Ist Das denn so?
Sind z.B. die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens tatsächlich so darauf erpicht - "Immer brutalere Szenerien" - vorgesetzt zu bekommen?
--
Egal, ob die Jugend diese Filme als Vorbild nimmt?
Siehe:
http://www.kontextwochenzeitung.de/kultur/260/fluppe-im-film-3526.html
"(...) Psychologen warnen, dass Filme von herausragender Bedeutung für soziales Lernen sind, insbesondere für junge Menschen, deren soziale Identität sich gerade erst herausbildet. Schauspieler seien zum einen attraktive Rollenmodelle, die imitiert werden."(...)"

Peter Schey, 30.03.2016 14:45
Manche Diskussionen - und die darin gezeigte Radikalität - machen mich fassungslos. Wo sollen wir anfangen mit dieser Selbstzensur, wo hören wir auf ?
Früher hatte wir Sex and Drugs and Rock'n'Roll, und heute ? Veganer, Laktoseintoleranz und Helene Fischer. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis wir aus dem Kölschen Tatort die Currywurst am Schluß herauszensieren, denn wenn das die Kinder sehen...

Philippe Ressing, 30.03.2016 11:51
Der Artikel ist wirklich ärgerlich und platt. Entscheidend ist nicht die Aufzählung der verschiedenen 'Kulturträger' mit Zigarette, Pfeife oder Zigarre. Es geht auch nicht um Zensur - das ist wirklich eine obszöne Verharmlosung - da freut sich Herr Erdoghan
1. Die Darstellung unseres Alltags verändert sich. Qualmten die Tatort-Kommissare und der ZDF-Kommissar in den 70er Jahren aus allen Löchern, war es damals ebenso üblich, Frauen als Sekretärinnen oder Betthasen (Kressin-Tatorte) auftreten zu lassen. Die 'Gastarbeiter' etwa kamen bei den 'Unverbeserlichen' oder im 'Ohnsorgtheater' gar nicht erst vor. Ach ja und in Vietnam wurde unsere Freiheit verteidigt....
2. Gesellschaft und Alltagswahrnehmung ändern sich. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Heroin von Bayer als probates Hustenmittel für Kinder angepriesen. Und das Rauchen? War es vor 20 Jahren bei Pressekonferenzen normal, sich durch Rauchschwaden seinen Sitzplatz suchen zu müssen, oder im Flugzeug neben einer qualmenden Pfeife zu sitzen, erscheint dies heute grotesk.
3. Immer noch verdienen die Tabak-Konzerne weltweit Millarden und sie versuchen immer noch die tödlichen Folgen ihrer Produkte zu Verharmlosen.
4. Und die 'Abbildung der Wirklichkeit' im Fernsehen. Mal abgesehen davon, dass kaum ein wirklicher Kriminalkommissar über solche Bürolofts verfügt wie etwa im Stuttgarter Tatort. Früher wurden die MacherIhnnen beim ZDF etwa per Anweisung dazu verpflichtet, in ihren Filmen Scheidungen oder getrennte Paare nicht als selbstverständlich darzustellen. Begründung damals: Das Grundgesetz schreibe den besonderen Schutz der Familie vor. (Könnte glatt von der AfD sein) Ach ja, Frauen die Abtreiben waren und sind im deutschen Fernsehen immer noch ein Tabu. Man schaue nur einmal das Ende der aktuellen ZDF-Serie "Kuhdamm 56" an. Fazit: Wer die Qualmerei in aktuellen TV-Produktionen damit begründet, es werde halt die Wirklichkeit gezeigt, verkennt das heutige Fernsehen. Es ist zum kommerziellen TV-Basar mutiert, der der Vermarktung von Produkten dient. Das gilt für ARD und ZDF (noch) nicht völlig, bei den Kommerzsendern ist es die Programmphilosophie.

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