KONTEXT Extra:
Parkschützer helfen Wolfgang Dietrich beim VfB

Überraschende Hilfe für den früheren S 21-Sprecher Wolfgang Dietrich: Ermuntert durch das Kontext-Editorial ("Dietrich for President") finden sich im Bahnhofsgegner-Forum "Parkschützer" bereits Vorschläge für Sprechakte, die der 68-Jährige als VfB-Präsident vornehmen könnte. Besonders hübsch die Ansage, der Zweitligist plane den Kauf von Messi, Ronaldo und Ibrahimovic - "die Kosten dafür werden unseren Etat nicht belasten". Sehr schön auch der Plan, keinen Torwart einzusetzen, denn: "Ich bin sicher, wir bekommen eine Sondergenehmigung, unser Tor mit Brettern vernageln zu dürfen". Außerdem brauche der VfB keine elf Spieler - "unsere Mannschaft ist mit sechs Spielern 30 Prozent leistungsfähiger". Grundsätzlich habe der Abstieg in die 2. Liga keinerlei Auswirkungen auf das Ziel, 2017 Deutscher Meister zu werden: "Wir liegen da voll im Zeitplan". (28.7.2016)


Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Der Begriff "Volk" bedeutet immer Ausgrenzung. "Völker" dagegen umfasst Menschen und Bürger rund um den Globus. Foto: Joachim E. Röttgers

Der Begriff "Volk" bedeutet immer Ausgrenzung. "Völker" dagegen umfasst Menschen und Bürger rund um den Globus. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 197
Debatte

Wer ist das Volk?

Von Annette Ohme-Reinicke
Datum: 07.01.2015
Wer oder was ist eigentlich das Volk, auf das sich alle berufen? Egal ob rechts oder links. Kontext-Autorin Annette Ohme-Reinicke klärt auf: Der Begriff hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern mit Ausgrenzung. Und deshalb ist er bei der Pegida am rechten Fleck.

"Wir sind das Volk!" behaupten die Pegida-Demonstranten. "Nein, ihr seid nicht das Volk!", entgegnet Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) auf der jüngsten Kundgebung auf dem Schloßplatz. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt, die islamfeindlichen Demonstranten nennen sich zwar "das Volk", meinen aber: "Ihr gehört nicht dazu." Und der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer empört sich, ein "Freiheitsruf" der DDR-Bürgerrechtsbewegung werde jetzt schamlos missbraucht. Wer hat nun recht?

Es sind nicht nur Grenzen aus Draht und Beton oder soziale Ängste, die das Fürchten vor dem Unbekannten lehren, in Deutschland mentalitätsgeschichtlich eingegraben scheinen und sich jetzt als autoritäres Aufbegehren auf der Straße zeigen. Die "Grenzen der Welt" werden auch in den Grenzen der Sprache manifest, wie Johann Gottfried Herder feststellte. Eine Grenze der politischen Sprache, ja des politischen Denkens in Deutschland zeigt sich in dem immer wieder auftauchenden Selbstverständnis diverser oppositioneller Gruppen als "das Volk". Denn "das Volk" hat nie etwas mit Freiheit und Gerechtigkeit im Sinn gehabt, es ist immer auf Ausgrenzung aus.

Warum der VW wohl Volkswagen heißt?

Wer sich als "das Volk" bezeichnet, behauptet, im Interesse einer zu kurz gekommenen Mehrheit zu handeln. Dabei beziehen sich verschiedenste politische Richtungen auf "das Volk": Die SPD nannte ihr Zentralorgan 1889 "Volksstaat", andere Zeitungen hießen "Volksfreund" oder "Volksstimme". Angestrebt war ein "freier Volksstaat". Volksbanken wurden seit 1864 gegründet. Volksräte, Volkswehren und ein "Rat der Volksbeauftragten" wurden in den 1920er-Jahren gegründet. Die "Volkwerdung der deutschen Nation" sah Goebbels im November 1933 als ein Ziel des deutschen Faschismus. Euphemismen wie "Volksempfänger", "Volksgerichtshof" und "Volkswagen" gehörten zur Propaganda.

Volkswagen. Foto: Wikipedia
Volkswagen. Foto: Wikipedia

"Die völkische Bewegung will das Volk zur Reinheit seiner Stammesart zurückbringen", stellte Martin Heidegger, Theoretiker der SA, fest. Die KPD setzte sich in einer Programmerklärung im August 1930 für die nationale und soziale "Befreiung des deutschen Volkes" ein und entwickelt ihre "Volksfront"-Konzeption. Aus einer "Volkskongress-Bewegung" entstand die "Volkskammer" der DDR. 1945 wandte sich die KPD in einem programmatischen Aufruf an "das schaffende Volk in Stadt und Land" und sprach 1949 von der "Not unseres Volkes". Und 1989 leitet die Bürgerbewegung den Zusammenbruch der DDR ein mit der Parole "Wir sind das Volk!". Dasselbe riefen die Stuttgart-21-Gegner und jetzt die rechtsextremen Pegida-Demonstranten.

Der Volksbegriff ist ein deutsches Phänomen, und "das Volk" hat nichts mit einem selbstbestimmten politischen Gemeinwesen zu tun. Im Französischen gibt es kein Volk, sondern ein peuple. Was auf "Volk" zurückführt, hat in Frankreich eine negative Bedeutung. So bedeutet folklore so viel wie Gerücht oder Gerede, adjektivisch gebraucht steht folkloristique für barbarisch. Auch im Englischen gibt es die people, folk dagegen ist an Regionen, bestimmte Traditionen und Familienabstammungen gebunden. Deren Musik ist die folk music.

"Volk" stammt aus dem Germanischen. "Volc" war die kriegerische Heerschar eines Stammes – und hier liegt die politische Crux: "Das Volk" ist geografisch und ethnisch, also biologisch bestimmt. Zu einem Volk gehört, wer eine bestimmte biologische Abstammung hat und in einer bestimmten Region wohnt. Selbst Immanuel Kant erklärt: "Die Menschen, welche ein Volk ausmachen, können, als Landeseingeborne, nach der Analogie der Erzeugung von einem gemeinschaftlichen Elternstamm ... vorgestellt werden" (Rechtslehre § 53). Diesen Bedeutungsgehalt ist das Wort "Volk" nie losgeworden.

Richtig wäre, von Bürgern zu sprechen

Auch im deutschen Gesetz ist der Volksbegriff immer noch in biologischen Kriterien verhaftet. Die Gesetzgebung bezieht sich auf einen Volksbegriff aus der Zeit vor 1933. Im Sinne des Grundgesetzes und des Bundesvertriebenengesetzes von 1961 sind Deutsche auch die "deutschen Volkszugehörigen" aus Osteuropa, bei deren Zuordnung man mangels anderer Kriterien einfach an die NS-Zeit anknüpft. Die deutsche Staatsbürgerschaft wurde bis 1999, aufgrund des "Reichs- und Staatsbürgerschaftsgesetzes" von 1913, fast allein aufgrund der Abstammung von den Eltern vergeben. "Deutscher Volkszugehöriger" ist heute per Bundesvertriebenengesetz, wer sich unter anderem "zum deutschen Volkstum bekannt" hat. Im Grundgesetz heißt es zwar in Artikel 20, Abs. 2: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", richtig wäre aber, von "Bürger" zu sprechen. Denn das Gesetz meint alle Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft und nicht eine ethnische Gruppe.

Volkskammer. Foto: Wikipedia
Volkskammer. Foto: Wikipedia

Das ist keineswegs ein linguistisches Problem. Denn die Rede vom Volk dient dem Herstellen einer Gemeinschaft, die auf der Ausgrenzung anderer basiert. Dass Rassismus und Expansionismus dabei treibende Motive politisch-sozialen Handelns werden, ist darin angelegt. In der Abwehr einer vermeintlichen islamischen Bedrohung kehrt das Volksverständnis zu seinem etymologischen Ursprung zurück: der Einheit einer kriegerischen Gruppe, die um des Selbsterhalts willen andere ausschließen, ja sozial vernichten will. Hier wird eine Gemeinschaft autoritärer Untertanen gestiftet, die sich als Zugehörige zu den "besseren", den "überlegenen" Menschen fühlen. Diese politisch-ideologische Seite schleppt der Begriff "Volk" durch die Geschichte.

Dennoch tauchte "das Volk" als Selbstverständnis auch in emanzipatorischen sozialen Bewegungen immer wieder auf. Ein Beispiel ist die demokratische Bewegung des Vormärz 1848, die etwa für die erste deutsche Verfassung kämpfte. Die deutschen Aktivisten waren von der erfolgreichen Revolution in Frankreich mobilisiert, und die Monarchie fürchtete auch in Deutschland um ihre Macht. "Die censur in der vormärzlichen zeit (hatte) eine wahre angst vor dem worte volk, sodasz einmal sogar einem harmlosen sprachreiniger nicht gestattet wurde, statt kavallerie pferdevolk zu schreiben", weiß das Grimm'sche Wörterbuch. Das Selbstverständnis als "Volk" verpilzte sich, weil die "48er" das Wort peuple aus dem Französischen einfach mit Volk übersetzt und semantisch gleichgesetzt hatten. Peuple meint aber etwas anderes, nämlich einfach die "Leute", die gegen die Feudalität kämpften, unabhängig von ihrer Abstammung. Ein Selbstverständnis als "Volk" fällt politisch hinter die emanzipatorische Einsicht der Aufklärung zurück, dass die Menschen, unabhängig von ihrer Abstammung und Herkunft, als gleiche und freie geboren sind.

Ein Rückgriff auf die Biologie ist latent rassistisch

Man könnte das Ganze für ein bloß akademisches Problem, für einen Streit um abstrakte Definitionen halten. Das ist es aber nicht. Denn ob eine Protestbewegung biologische – und damit latent rassistische – Traditionen aufgreift oder politisch-emanzipatorische, das ist keine geringe Frage.

Ein anderes als das völkische Selbstverständnis steckt etwa in der antiken griechischen und der römischen Tradition, in der amerikanischen Verfassung von 1789 sowie in der Französischen Revolution. Der römische populus, so Cicero, sei keine "Ansammlung von Menschen, die sich irgendwie zu einer Herde zusammengefunden haben, sondern der bewusste Zusammenschluss einer Vielzahl, der auf Übereinstimmung bezüglich des Rechts (iuris consensu) und gemeinsamem Nutzen (utilitatis communione) beruht." Hier liegt – und das macht den Unterschied um das Ganze aus – eine bewusste Entscheidung für eine politische Übereinkunft zugrunde, keine Naturwüchsigkeit. Die erste amerikanische Verfassung von 1788 gaben sich die Leute, die sich von der britischen Herrschaft befreit hatten, selbst: "We the people." Ebenso konstituierten sich aus der Vielheit des französischen peuple die citoyenne, die politisch aktiven Bürger. Die politische Körperschaft, die sich gegenseitig Rechte zuerkannte, nachdem sie sich gemeinsam von der Feudalität befreit hatte, wird seit 1789 "Nation" genannt.

"Wir sind das Volk" – Montagsdemo in Leipzig 1989. Foto: Benjamin Ulmer
"Wir sind das Volk" – Montagsdemo in Leipzig 1989. Foto: Benjamin Ulmer

In Deutschland dagegen stritten vor allem Vertreter der Kleinbourgeoisie und Philosophen, die behaupteten, für das Volk zu sprechen. Kant war nicht zimperlich, als er meinte, dass der Mensch einen Herrn über sich brauche, der ihm den freien Willen breche.

Der erste Versuch einer Verfassungsgebung 1848 misslang. Die peuple, die "Leute" waren nämlich nicht auf die Straße gegangen, sondern zu Hause geblieben. Gesprochen wurde über das "Volk". Weil "die Leute" in Deutschland nicht aktiv, zumindest nicht aktiv genug, waren, scheiterte auch der Antrag Jacob Grimms in der Frankfurter Nationalversammlung 1848, folgende Sätze einer Verfassung voranzustellen: "Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei." Ein Volk hat sich in der Geschichte noch nie als emanzipatorische Bewegung durchgesetzt. Das wäre ein Widerspruch in sich.

Die Protestbewegung hat sich nie auf das "Volk" bezogen

Weder die Alternativbewegung in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts noch die Frauenbewegung oder die Anti-AKW-Bewegung bezogen sich politisch auf "das Volk". Dieses Selbstverständnis einer Protestbewegung taucht in der jüngeren Geschichte erst wieder in der DDR auf. Wenig später, in den 90er-Jahren, skandierten Demonstranten "Nieder mit Harz IV, das Volk sind wir!" und hielten Montagsdemonstrationen ab. Vermutlich wurde die Selbstbezeichnung "Volk" im Affekt übernommen, irgendwie in Erinnerung an die Bürgerbewegung der DDR. Diese wollte ausdrücken, dass sie selbst die Mehrheit, den Souverän bildete und nicht etwa jene politische Klasse, die behauptete, die Bürger zu repräsentieren. Aber Mehrheiten sind nicht per se emanzipatorisch. Auch dann nicht, wenn sie sich gegen undemokratische Herrschaft zur Wehr setzen. Das zeigt gerade die deutsche Geschichte.

Anti-Stuttgart-21-Button. Foto: taz.de
Anti-Stuttgart-21-Button. Foto: taz.de

Die Frage, was für ein Volk die DDR-Bürger sein wollten, mussten sie nie beantworten, das "wir" nicht näher bestimmen. Denn eh man sich versah, wurde die DDR ins "Wirtschaftswunderland" integriert. Aus "Wir sind das Volk" wurde "Wir sind ein Volk". Und inzwischen sehen sich viele um das betrogen, was ihnen versprochen wurde: ein grenzenloses, unbeschwertes Leben in Wohlstand. Auch diese Enttäuschung zeigt sich jetzt in einem autoritären Aufbegehren, verbindet sich mit Abstiegsängsten und findet ihre Gemeinsamkeit in einer völkisch-rassistischen Ausgrenzung. Selbstverständlich ist es ein höchst erfreulicher Akt der Befreiung, wenn sich Menschen ihrer Diktaturen entledigen. Aber ein Volk kann keine Freiheit durchsetzen, die alle Menschen meint. 

"Wir sind das Volk!" ist eben kein Freiheitsruf. Im Gegenteil: Es ist ein Schlachtruf, der den Mief des Völkischen, des Rassistischen und Ausgrenzenden mit sich schleppt. Wir, Bürger eines und Bewohner in einem bestimmten Staat, sind nicht "das Volk" und auch nicht "ein Volk". Wir sind verschiedene Leute, die davon ausgehen sollten, dass jeder Mensch gleichen Wert und Würde hat, egal welcher Abstammung. Der Streit um die Anerkennung dieser Würde verläuft nicht zwischen Volk und Obrigkeit, sondern als Streit um Verhältnisse, in denen der Mensch nicht "ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist". Diese Verhältnisse durchzusetzen ist eine politische Angelegenheit, an der sich alle beteiligen sollten. 

 

Annette Ohme-Reinicke ist Dozentin am Philosophischen Institut der Universität Stuttgart. Sie forscht u. a. über soziale Bewegungen und neue Bürgerschaftlichkeit.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Peter Jaurich, 04.02.2015 00:50
"Wir sind das Volk" klingt wie: Vater Staat ist nett zu den anderen, dabei müsste er uns viel lieber haben". Da weht ein Hauch von Kindlichkeit mit.

(aus der taz)

Ein Leser, 11.01.2015 23:36
Naja, daß sich Begriffe wie „Bürger“ bzw. „Bürgerschaft“ und „Volk“ just darin unterscheiden sollen, daß dieses exklusiv, jenes aber inklusiv zu verstehen sei, leuchtet mir nicht ganz ein. Ist es denn nicht schon in der Grammatik angelegt, daß jedes „wir“ auch schon ein „ihr“ voraussetzt, von dem es sich eo ipso unterscheidet? Natürlich war das auch beim römischen populus (siehe engl. people, frz. peuple), von dem Cicero spricht, und auch beim athenischen demos nicht anders: Schon nach antiker Auffassung, auf die sich die Autorin ja rechtfertigend bezieht, war Bürger immer nur derjenige, der die entsprechenden Rechte besaß, die er übrigens in aller Regel qua Geburt bekam. Abstammung spielte also auch in der griechisch-römischen Antike sehr wohl eine Rolle, und zwar nicht die geringste. Vom Bürgerrecht a priori ausgenommen waren übrigens Frauen, Unfreie und Fremde. Selbstverständlich war der populus, die Gemeinschaft der Bürger, hochgradig ausgrenzend. Wenn man so will, war Ausgrenzung für die römische Bürgerschaft sogar konstitutiv, denn die Verleihung des Bürgerrechts an einzelne Männer oder auch an ganze Städte, die sich im Krieg für Rom eingesetzt hatten, konnte nur dann attraktiv sein, wenn dieses Recht eben nicht jedermann besaß. Das beweist nicht zuletzt die Tatsache, daß das Bürgerrecht erst im Jahr 212 n. Chr. an ALLE Einwohner des Römischen Reiches (also immerhin gut 900 Jahre nach dessen Gründung!) verliehen wurde, zu einem Zeitpunkt also, als es gar nichts mehr wert war, weil sich Rom de facto schon längst in eine Despotie verwandelt hatte.
Daß „Volk“ demgegenüber im „Germanischen“ ursprünglich biologisch, ethnisch oder geographisch konnotiert gewesen wäre, ist auch nicht ganz richtig: Es stimmt zwar, daß die einzelnen Stämme sich selbst als Abstammungsgemeinschaft verstanden (taten übrigens auch Römer und Griechen), andererseits hatten sie überhaupt kein Problem damit, ihre Stämme zu erweitern und „Fremde“ darin aufzunehmen. Volk war eben, wie die Autorin richtig sagt, die Gefolgschaft eines Stammesoberhaupts, d. h. jeder, der kämpfen konnte und dem Stamm seine Loyalität bekundete, gehörte zum Volk, zur Gefolgschaft. Das hatte auch mit Geographie erst einmal nichts zu tun, denn diese Stämme wanderten ja bekanntlich (Stichwort: Völkerwanderung) und das Zugehörigkeitskriterium war personell, nicht territorial (eben nicht: „wer in einer bestimmten Region wohnt“).
Es hilft also nicht weiter, den beiden Begriffen kurzerhand „gut“ und „böse“ zuzuordnen und dann jeden, der sich auf das „Volk“ beruft als rassistisch oder wenigstens latent rassistisch (was wohl unwissend heißen soll) zu beschimpfen. Ich will gar nicht bestreiten, daß es darunter sicher Rassisten gab und noch immer gibt. Aber mit Pauschalurteilen und Etikettierungen ist es gewiß nicht getan...

Barmbeker, 11.01.2015 19:41
"Nieder mit Harz IV, das Volk sind wir!"

Also, abgesehen davon, dass nicht das Mittelgebirge gemeint ist, sondern es Hartz IV heißt, waren die Demonstranten dazu nicht in den 90er Jahren unterwegs - oder waren das Hellseher?

Thomas Lederer, 11.01.2015 10:59
"Weg mit Hartz 4, das Volk sind wir" das meint im Sinne der Rufer - wir sind der Souverän, wir , die nicht zur politischen Elite gehören, wir , die arbeitenden, die Arbeitslosen, die Hartz 4 Empfänger wir sagen euch hier auf der Strasse was wir von eurer Politik halten. Die Moderation grenzt sich jedes mal, auch nach über 500 Montagsdemonstrationen gegen Hartz 4 von Rassisten und Faschisten ab, ansonsten darf jeder das Mikro ergreifen und seine Meinung kund tun. Und natürlich grenzt sich die Bewegung von der herrschedenden Politik ab. Damit tut sie das Gegenteil was die rechten , nationalistischen, faschistischen und rassistischen Bewegungen im Völkischen Sinne tun. Auf den Montagsdemos gegen Hartz 4 werden internationale Kultur, Völkerfreundschaft und gemeinsames Leben und kämpfen als die die richtige Lebenseinstellung verbreitet.
Das die Autorin den Zeitpunkt der Hartz 4 Kundgebungen um 10 Jahre vordatiert und das sie dabei von Vergangenem spricht ist meiner Ansicht nach kein -kleiner Fehler- sondern zeigt schon dass ihre Recherche zu diesem Punkt nicht sehr tief gehend war.
Die Frage ist doch, was für einen Sinn macht diese Diskussion tatsächlich. Meiner Ansicht nach ist es eine akademische Auseinandersetzung die an den praktischen Wirklichkeiten dieser Welt nichts entscheidendes ändern wird. Mit dem Begriff des Bürgers würde eine neu Diskussion aufgemacht, mit fast dem selben Inhalt wie dieser Artikel. Der Bürger, der Bourgeois als wissenschaftlicher Begriff hat auch eine andere Bedeutung wie er landläufig benutzt wird. Genauso verhält es sich mit dem Begriff des Kleinbürgers. Der wird als Beleidigung empfunden, was hier in Kontext als Artikel und in Kommentaren schon manifestiert wurde. Also tun wir was wir können gegen Rassismus, gegen Faschistische Ideologie und Praxis, tun wir etwas gegen Stuttgart 21, gegen Billiglohn und Temporäre Arbeitsplätze die mit Hartz 4 gesetzlich eingeführt wurden. Den Begriff -Volk- zu ersetzen kommt keine wesentliche Bedeutung zu.

die liebe schweiz, 11.01.2015 10:30
@frau Rath
Ich habe nicht geschrieben, dass nur 0,9% pro Kopfbahnhof sind. Ich schrieb dass nur 0,9% nicht die demokratische Reife besitzen um Volksentscheide zu akzeptieren.
Ich zum Beispiel würde niemals gegen ein K21 kämpfen wenn das Volk für K21 gestimmt hätte.
Das wäre doch verrückt. Ich käme mir wie der Feind meiner Mitmenschen vor. Das wollte ich nicht, da ich unser Schwabenland und die Menschen mit allem Gebruddel und ihrer Weltoffenheit sehr schätze. Und ich halte die Leute die hier leben für gebildet genug um ihr Votum bei Volksentscheiden zu akzeptieren.
Im Gegensatz zu den genannten 0,9% die das Volk für strunzdumm halten und mit Demokratie nichts anfangen können.

CharlotteRath, 10.01.2015 19:12
@ Du „liebe Schweiz“:

Die Volksabstimmung zu S 21 betraf den Landesfinanzierungsanteil, nicht das Projekt als Ganzes. Dann ist S 21 nur vordergründig die Neuordnung eines Bahnknotens, denn der Hauptbahnhof Stuttgarts funktionierte vorbildlich. Tatsächlich ist S 21 eine wesentliche Veränderung der Stuttgarter Stadtstruktur. Zusätzlich dient das Projekt der Förderung des Flug- und Autoverkehrs (erwarteter Zuwachs 1,2 Millionen Fluggäste ab Stuttgart jährlich, außerdem sind mit S 21 sind mindestens 5 neue Autobahnzu- und -abfahrten verknüpft, womit das Projekt in Sachen CO2-Einsparung alles andere als zukunftsweisend ist). Nicht zuletzt geht es um die Geldumverteilung aus öffentlichen in private Taschen von annähernd 6 Milliarden Euro (Projektkosten ohne DB-AG-Anteil).

In der letzten Stuttgarter Kommunalwahl im Jahr 2014 wurden für diejenigen, die sich eindeutig gegen S 21 positioniert hatten, 5,4% (SÖS) plus 4,5% (Die Linke) der Stimmen abgegeben, in Summe also 9,9%. Auch Grüne (24,0%) und Piraten (2,0 %) stehen dem Projekt eher kritisch als befürwortend gegenüber. Macht insgesamt rund 36%, nicht 0,9%.
Zahlenschummeleien ist die regelmäßige Kontext-Leserschaft leider schon entwachsen. ... ;-)

Zurück zum Thema: So blöd ist ‚das Volk‘ im Sinne der Einwohnerinnen und Einwohner Stuttgarts nicht, sich einen Handstreich von oben als demokratisches Non-Plus-Ultra verkaufen zu lassen.
Heinz Dürr, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der DB AG wird zu Stuttgart 21 so zitiert: „Die Art der Präsentation im April 1994 war ein überfallartiger Vorgang. Gegner und Skeptiker sind nicht im Stande gewesen, die Sache zu zerreden. Ein Musterbeispiel, wie man solche Großprojekte vorstellen muss.“ (Stuttgarter Nachrichten vom 14.02.1995).
Bisher haben die Stuttgarterinnen und Stuttgarter zu S 21 drei Bürgerbegehren mit dem in Baden-Württemberg verhältnismäßig hohen Quorum auf den Weg gebracht - noch nicht einmal eines wurde bisher zur Abstimmung frei gegeben!

erwugo, 10.01.2015 18:06
" "Das Volk" ist geografisch und ethnisch, also biologisch bestimmt. "
Das ist, wie in diesem Absatz beschrieben, so nicht ganz richtig. Lieber noch mal nachrecherchieren. Jedenfalls hat die "biologische" Schiene mit der Ursprungsbedeutung nur sehr sehr weit entfernt etwas zu tun.

Volker Sachse, 10.01.2015 15:45
"der Ruf „Wir sind das Volk“ war dort [in Leipzig] noch vor allem eine Replik auf die Durchsage, hier spreche die Volkspolizei." Also kein Affekt, sondern bewusste Reaktion, dass es in Dresden schon bald darauf anders interpretiert wurde stimmt allerdings auch.

http://www.peterrichter.tv/schlund/

Ich halte die biologistische Definition für die gegenwärtige Bedeutung des Begriffes Volk unter Berufung auf die altgermanische Etymologie etwas weit hergeholt.

Bürger war auch ein mal sehr ausgrenzend gemeint, Bürgerrechte konnte z.B. nur beanspruchen wer auch Immobilien in einer jeweiligen Stadt besaß, im Vergleich dazu war Volk geradezu inklusionistisch. Ob die genetische Diversität innerhalb einer Burgbewohnergemeinschaft im Vergleich zu der in einem Germanenstamm nun unbedingt besser ausfällt, darf auch bezweifelt werden. Voraufklärerische Gemeinschaftsdefinitionen waren so gut wie immer auch ethnisch bestimmt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Nation. Die Idee von der Definition von Nation/Volk ohne den Bezug zur Ethnie existiert so erst seit der Aufklärung. Daher allen Benutzern des Begriffs Volkes einen latent rassistischen Subtext zu unterstellen halte ich für unverantwortlich. Das Begriffsdefinitionen sich kontinuierlich ändern ist nun wahrlich nichts Neues und Bestandteil jeder lebendigen Sprachpraxis. Nun aber jeden Aneignungsversuch eine Wortes durch eine rassistische Minderheit ohne Gegenwehr hinzunehmen käme einer Kapitulation vor dieser gleich.

"Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das Liebsten mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs."

Bertolt Brecht

CP, 10.01.2015 14:19
Vielen Dank für diesen Artikel! Er macht die vielfältigen etymologischen Windungen, die sich im Begriff des "Volks" "verstecken" hervorragend deutlich.
Sehr pauschal erscheint mir allerdings die selbstbewusste Aussage: "Weder die Alternativbewegung in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts noch die Frauenbewegung oder die Anti-AKW-Bewegung bezogen sich politisch auf 'das Volk'." Ob dem wirklich so war (meine persönliche Erinnerung ist da zumindest zum Teil anders), werden folgende Generationen von HistorikerInnen in ihren Dissertationen zu untersuchen haben.

Die liebe Schweiz, 10.01.2015 10:31
Auch in der Schweiz gibt es nach einem Volksentscheid Sieger und Verlierer.
Der große Unterschied liegt nicht im politischen System sondern in det Reife der (oder weniger) Verlierer.
Man hört dort kein Betrug- und Farce-Gejammer nach einem Volksentscheid.
Vor allem nicht wenn es um ein Sachthema wie eine Neuordnung eines Bahnknotens geht. Da wäre so ein kindisches Gegnerverhalten unvorstellbar.
Man steht zusammen und gemeinsam hinter der demokratischen Entscheidung.
Das spart bei Großprojekten Zeit und Kosten.

Das wichtigste zum Schluss: Ich denke, dass auch wir im Ländle "Schweiz" können.
Die Anzahl der "Betrug"-Schreier schätze ich ähnlich hoch wie die Anzahl derer die bei der letzten Kommunalwahl die S21-Gegner gewählt haben:
0,9%

Machnobewegung, 10.01.2015 10:00
jch lese hir immer davon das die schweizer eine bessere demokratie haben .
aber nur weil es hir und da einen bessren eindruck auf ausenstehende macht , muß das aber noch lang nicht besser sein .
zum beispiel können die auch nur darüber abstimmen was die parlamentarier ihnen zum abstimmen vorlegen . und wenn das wahlvolk falsch abstimmt dann muss es halt in den nächsten jahren solange abstimmen bis das richtige ergebniss da ist .

kennen wir in der eu auch , deshalb ist der vertrag von lissabon auch gültig auch wenn er warscheinlich gegen die meisten verfassungen europas verstößt . (und die brd hat schon gar keine verfassung sondern ein grundgesetz zur Verwaltung .)(eine Verwaltung darf normahl nichts entscheiden sondern nur verwalten)

deshalb sollten die , die wir wählen , nicht's zu entscheiden haben sondern nur die aufgabe das umzusetzen was wir entscheiden !
aber dann haben wir halt keine demokratie mehr und das lernen wir schon als kleine kinder das nichts schlimmer ist wie Selbstbestimmung !

ElisabethHD, 08.01.2015 23:19
@Martin Klähn, 08.01.2015 09:38
"Es ist schon bitter zu sehen, dass man selbst als Ostdeutscher nicht so richtig dazugehört und nun kommen noch die von Ganzwoanders, die an sonstwas glauben, und dürfen u.U. auch dazugehören."

Danke! Jetzt haben Sie mir immerhin ansatzweise das Phänomen Pegida erklärt.

Rosemarie Kirschmann, 08.01.2015 21:49
Danke für den klugen Artikel!

Heinz, 08.01.2015 11:48
Ein sehr erhellender Text zum Thema Volk, dem ich ine große verbreitung wünsche.
Ein kleine Korrektur:"Wenig später, in den 90er-Jahren, skandierten Demonstranten "Nieder mit Harz IV, das Volk sind wir!" und hielten Montagsdemonstrationen ab." Da hat sich die Autorin um 10 jahre vertan, Hartz IV wurde erst Ende 2003 verabschiedet.

Grün nein Danke!, 08.01.2015 10:26
Schon unglaublich das auf der Demo Fritz Kuhn reden durfte. Jener der Abschiebungen forcieren will:

Grüner OB Kuhn für Abschiebungen direkt aus der Erstaufnahmestelle
https://rdl.de/beitrag/gr-ner-ob-kuhn-f-r-abschiebungen-direkt-aus-der-erstaufnahmestelle

Martin Klähn, 08.01.2015 09:38
Natürlich bedeutete die Parole "Wir sind das Volk" auch 1989 Ausgrenzung. Ausgegrenzt wurde die SED samt Gefolgschaft. Daraus wurde dann zwar "Wir sind ein Volk", damit war aber nicht die SED gemeint. Es war eher ein beschwörender Ruf, daß Westdeutschland ja nicht auf den Gedanken kommen soll, die Ostdeutschen draußen bzw. sich selbst zu überlassen. Es ist schon bitter zu sehen, dass man selbst als Ostdeutscher nicht so richtig dazugehört und nun kommen noch die von Ganzwoanders, die an sonstwas glauben, und dürfen u.U. auch dazugehören. Für viele Ostdeutsche stellt sich jetzt damit heraus, dass sie die Grundsätze und Prinzipien einer offenen Gesellschaft nicht teilen können. Also geht es wieder zurück zu "Wir sind das Volk".

Alexander Schäfer, 07.01.2015 19:26
Beim Wort "Volk" fällt mir meist eher das hier ein http://youtu.be/6pwmffpugRo

Ich weiß - Humor hat nicht immer Platz. Aber sagt man nicht immer so schön: Manches kann man nur noch mit Humor ertragen!

Um aber wieder den Bogen zu kriegen. Ich bin ja schon gespannt wie der Medienhype um diese xxxgida Demos weiter geht. Schön ist auf jedenfall das die Leute evtl. eine gute positive Bewegung daraus machen können. Die Zahl 8000 (ich glaube generell keine Polizeizahlen) ist aber weit weniger wichtig für mich als die Zahl der über 180 Organisationen die sich innerhalb sehr kurzer Zeit zusammen gestellt haben! Und das selbst über die Feiertage und Urlaubszeit. LEIDER kommt die Motivation von einem gehypten Thema - den es wäre schon lange wichtig für diese ganzen Themen auf der Straße zu stehen!

Hoffen wir vom Hype bleibt danach noch was kraftvolles übrig - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Zaininger, 07.01.2015 18:25
Vielen Dank für diesen interessanten, wenn auch nicht ganz einfachen Beitrag. Wichtig für jede politische Diskussion scheint mir eine klare Abgrenzung:
Was sind Volksrechte, Volkes Wille, Volksbewegungen usw. gegen den einfachen und klaren Begriff der Bürgerrechte? Völkischer Dreck, der in der Tendenz rassistischen und anti-emanzipatorischen Argumenten Tür und Tor öffnet!
Richtig schwierig wird es, wenn da auch noch das religiöse Türchen aufgemacht wird und aus den Anhängern von Religionen diverse "Völker Gottes" (Volk der Juden, Jesiden, Alawiten, usw.) gemacht werden.

Peter S., 07.01.2015 16:31
Danke Annette Ohme-Reinicke, hab viel gelernt in Ihrem Artikel. Sie haben mit der Definition von Volk auch sicherlich recht. Ich denke, die meisten meinen mit diesem Begriff eher sich selbst als Souverän und nicht die rassistische Abgrenzung. Bürger und Souverän reimt ruft sich halt etwas sperriger.

@ Bürgerin, ich denke nicht, dass die Bürger in Deutschland bei Enscheidungen völlig überfordert wären.
Warum sollte das hier nicht auch so gehen wie bei den Schweizern?

Die Schwierigkeit ist nur darin zu sehen, dass unsere Machtclique (Politiker und die Firmen welche Lobbyisten bezahlen) alles in die Waagschale werfen werden, um diesen Wechsel zu verhindern.

Auf der anderen Seite sehe ich die Gefahr, wenn es keinen Paradigmenwechsel in der deutschen Politik im Umgang mit seine Bürgern gibt, dass das Potential für eine Radikalisierung steigt (s. Weimarer Quasselbude).

Es lohnt sich also für das Schweizer System zu kämpfen, auch wenn dies sicherlich nicht alle Probleme lösen wird.

Werner Fischbach, 07.01.2015 14:25
Wenn früher über Volksabstimmungen diskutiert wurde, dann ich immer ein latentes Gefühl der Abwehr bzw. eine nicht zu begründende Abneigung dagegen. Seit es PEGIDA gibt, weiß ich weshalb. Und da fällt mir ein - die Streitkräfte der DDR nannten sich Volksarmee. Und die Polizei hießt ja auch Volkspolizei. Beide Institutionen wurden bekanntlich ja nicht für das Volk, sondern zum Machterhalt einer abgehobenen Parteielite geschaffen.

Hoffentlich geht - wie im Grundgesetz festgelegt - die Staatsgewalt nicht von jenen aus, die nun "Wir sind das Volk" grölen und damit meinen, dass die "anderen" (wobei sie bestimmen, wer die anderen sind) nicht dazu gehören. Denn wir wissen ja - wenn irgend etwas schief läuft, dann sind immer die "anderen" schuld.

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 277 / Vom rechten Narrensaum / Rolf Steiner, 30.07.2016 14:19
Für diesen Rechtsausleger Schlierer habe ich kein gutes Wort! Auch wenn er jetzt heuchlerisch wie ein "elder statesman" versucht, sich als Demokrat darzustellen. Er war und ist dies bis heute nicht. Wäre die CDU heute unter der...

Ausgabe 278 / What the fuck, Menschheit?! / jörg Krauß, 30.07.2016 13:29
Sind Jugendliche durchgeknallter als früher?.. würde ich damit beantworten, das die Politik wie gesellschaftliche Kräfte ein weitaus "durchgeknallteres" kapitalorientiertes Netz gesponnen haben, aus dem seit 25-30 Jahren schwer...

Ausgabe 278 / 300 Euro gegen die Schmerzen / Wolfgang Schneider, Braunschweig, 30.07.2016 13:27
Die Politeibehörde scheint immer noch nichts dazugelernt zu haben. Der verhängnisvolle Strahlkern inmitten des umgebenden Tropfenmantels wird immer wieder selbst zu PRIMÄR- Ver- letzungen führen. Seit meiner Teilnahme an der der...

Ausgabe 278 / Einer von den Guten / ketzer, 30.07.2016 11:58
Oh-o. Ein Mensch, der massiv gegen die reine Lehre der des 21ten Jahrhunderts verstößt! Wie lange wird er dem Scheiterhaufen entgehen? Keine Glücksteigerung ab mehr als 60 000 pro Jahr. Entscheidungen nicht gegenrechnen! Das muß...

Ausgabe 209 / Es kommt ein Zug von irgendwo / Blender, 30.07.2016 07:48
@(DB: ...) im Nachtzugverkehr (...) Kahlschlag betreibt, Danke ÖBB dass Sie seit Jahren mit Nachtzügen in Österreich gutes Geld verdienen und dass Sie dieses Konzept ab 11Dez2016 zukünftig auch in Deutschland umsetzten wollen.

Ausgabe 278 / Winfried I. / Kornelia, 29.07.2016 13:06
Während das Wahlvolk immer noch träumt "eine Stimme" zu haben, werden und wurden hinter den Kulissen schon längst Fäden gezogen! Mausfeld: warum schweigen die Lämmer http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22751 "Einer der Väter...

Ausgabe 278 / Winfried I. / Insider, 29.07.2016 11:23
Carl Herzog von Württemberg feiert zwei Tage lang seinen 80. Geburtstag in Altshausen. Das Fest beginnt bereits am Vorabend, Sonntag, 31. Juli, mit einem Empfang für etwa 300 geladene Gäste, darunter die neue baden-württembergische...

Ausgabe 278 / Dietrich for President / Frank-Michael Lange, 29.07.2016 09:09
Stuttgarter Kickers, da habt Ihr im Unglück noch mal Glück gehabt! Aber: Halbwegs ehrlicher Fussball in der Regionalliga wäre wahrscheinlich eh nichts gewesen für einen Herrn Dietrich mit großen Ambitionen…Für alle ehrlichen...

Ausgabe 277 / Vom rechten Narrensaum / Arno Saager, 29.07.2016 02:05
Klare Aussage von Schlierer. - konsequent und nachvollziehbar begründet. Das ist anerkennenswert, - auch wenn es nicht jedem gefällt. In den inhaltlichen Aussagen ist er schwerlich bestreitbar. Er trifft den schmerzenden Kern. Genau...

Ausgabe 270 / Wie Krankenhäuser ihre Mängel verschleiern / Arnold Imort, 28.07.2016 22:28
Im Barbara Hosp. Gladbeck passierte mir (79 Jahre alt)folgendes: Bei dem Aufnahmegespräch zu einer hyperthermischen Blasenspülung sagte ich der Urologin, dass ich etwas außer Atem sei, weil ich schnell gegangen sei. Sie brach sofort...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!