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AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen

Schon wieder hat AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen ein Versprechen nicht gehalten. Aber wahrscheinlich kann er nicht mehr daran erinnern, dass er am 6. März zum ersten Mal seit dem Einzug in den Landtag zu einer regulären und nicht durch Skandale, Trennungen oder Wiedervereinigungen notwendig geworden Pressekonferenz geladen hat. Um mitzuteilen, dass seine Fraktion selbstverständlich der Ankündigung nachkommt, dem Landtag die Gelder zurückzuzahlen, die die vorübergehende Fraktionsspaltung gekostet hat. Sogar ein Datum konnten Meuthen und Fraktionsvize Rainer Podeswa nennen: den 11. März 2017, jenen Tag also an dem die Frist für die Rechnungslegung der Fraktionen ohnehin abläuft. Bis dahin sollten 257.000 Euro fließen. Insgesamt war von 425.000 Euro, einmal auch von 571.000 Euro die Rede.

Eingelöst wurde die Zusicherung nicht. Meuthen und die Seinen, die schon bei unvergleichlich geringeren Anlässen Zeter und Mordio schreien angesichts des Sittenverfalls der von ihnen sogenannten Altparteien, haben nach Auskunft der Landtagsverwaltung gar nichts zurückgezahlt. Jetzt verlangt der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Ex-Innenminister Reinhold Gall, von der Landtagsverwaltung, eine "härtere Gangart" einzuschlagen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Vor allem auf Facebook, dem wichtigsten Kommunikationsmittel der AfD, hatte sich die Fraktion immer wieder dafür gerühmt, alle Gelder zu erstatten. Tatsächlich war das peinliche Finanzgebaren schon in der Plenarsitzung vom 9. Februar Gegenstand der Debatte, als FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke daran erinnert, dass "die operettenhafte Fraktionsteilung" viel Geld gekostet habe und konkret fragte: "Haben Sie zurückgezahlt?" Laut Protokoll rief der AfD-Fraktionschef: "Ja, natürlich!". Inzwischen will Meuthen die Äußerung auf die schon geflossenen Gelder bezogen wissen, ohne konkret zu sagen, um welche Summen es sich handelt. Wahrscheinlich hat er es nicht (mehr) gewusst. (21.4.2017)

Mehr zum Thema: "Sein Name ist Hase"


Kakteen lassen IHK-Vollversammlung platzen

Johannes Schmalzl, früher Zentralstellenleiter im FDP-geführten Justizministerium, dann Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und Stuttgarter Regierungspräsident, ist am Donnerstagabend nicht wie geplant zum Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart gewählt worden. Die kammerkritische Kaktus-Initiative hat die Vollversammlung platzen lassen. Zuvor fand der vorab angekündigte Antrag der IHK-Rebellen zur Änderungen der Tagesordnung allerdings keine Mehrheit. Darin war verlangt worden, Tagesordnungspunkte, die in der vorigen Vollversammlung nicht behandelt wurden, noch vor der Wahl abzuhandeln.

Nach der Abstimmungsniederlage zog ein Großteil der Initiative aus, während einer ihrer Sprecher mit Erfolg die Feststellung der Beschlussunfähigkeit der Versammlung forderte. Damit war die Vollversammlung beendet. Jetzt soll es zu einer Sondersitzung kommen, um Schmalzl vor der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Juli zu wählen. Am Vorgehen der Kakteen gibt es Kritik – auch in den eigenen Reihen. Mehrere Mitglieder hatten die Versammlung mit ausdrücklichem Hinweis auf die demokratische Niederlage in der Abstimmung über die Tagesordnung nicht verlassen. Jetzt sollen interne Beratungen stattfinden.

Jürgen Klaffke, einer der führenden Kakteen, hatte im Vorfeld der Vollversammlung für die Verschiebung der Wahl plädiert. Sein Argument: Es könne nicht sein, "dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert". Da der Vertrag mit dem amtierenden Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. Die Kaktus-Initiative, die unter anderem für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft eintritt, hält ein Drittel der hundert Sitze. (20.4.2017)

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Besonders viele Evet-Sager in Stuttgart

Nur in Dortmund, Essen und Düsseldorf haben mehr Deutschtürken für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt als in Stuttgart. Mit 66,22 Prozent liegt die Landeshauptstadt nach den Zahlen der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu auch über dem Deutschland-Schnitt von 63,2 Prozent. Das Ergebnis der Bundesrepublik ist international von besonderer Bedeutung, weil mit rund 1,4 Millionen Menschen nirgends mehr Auslandstürken wahlberechtigt waren. Auffallend ist das Abstimmungsverhalten in Berlin, mit 50 Prozent Nein-Sagern, in der Schweiz mit 70 Prozent und in den USA mit sogar einer 90prozentigen Ablehnung der Verfassungsreform. In den Vereinigten Staaten hat allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung einen türkischen Pass.

Dass sich aus dem Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung allein kein Zusammenhang zum Abstimmungsverhalten ablesen lässt, zeigen nicht nur Berlin und Stuttgart, sondern EU-weit auch Belgien und Österreich. In beiden Ländern gibt es mehr als 70-Prozent Evet-Sager. In Belgien haben rund zwei Prozent der Menschen türkische Wurzeln, in Österreich aber mehr als fünf Prozent. Im deutschen Zustimmungsranking deutlich hinter Stuttgart rangieren unter anderem Karlsruhe mit 61 Prozent, Hamburg mit 57 und Nürnberg mit 55 Prozent. Nach den Zahlen von Anadolu hat die Hälfte der Deutschtürken ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt.


Kakteen wollen neue IHK-Findungskommission

Die IHK-Kritiker von Kaktus fordern, die Wahl des neuen Hauptgeschäftsführers zu verschieben. "Es kann doch nicht sein, dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert", so Jürgen Klaffke von der Kaktus-Initiative. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl der Vollversammlung am 20. April als einziger Kandidat präsentiert werden soll. Die IHK-Rebellen wollen nicht nur abnicken, sondern eine wirkliche Wahl zwischen mindestens drei Kandidaten. Sie fordern daher eine gewählte Findungskommission aus aktuellen Vertretern der Vollversammlung und ein faires, transparentes Auswahlverfahren. Da der Vertrag mit dem aktuellen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. (11.4.2017)


Buchvorstellung mit Kontext-Autor: in_visible limits

Grenzen sind allgegenwärtig, ob sicht- oder unsichtbare: Menschen pflegen ihre Barrieren im Kopf, sortieren die Welt in Gut und Böse. Zuletzt haben leider auch die ganz materiellen Grenzzäune durch die sogenannte "Flüchtlingskrise" wieder eine Renaissance in Europa erlebt, von Trumps Mauer ganz zu schweigen. Das Thema reflektiert momentan der Kunstverein Kontur, in seinem Projekt "in_visible limits" zeigt er Werke von vier Schweizer und vier deutschen Kunstschaffenden, aktuell im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Aus dem Projekt heraus entstand eine Buchveröffentlichung, verschiedene Autoren sollten das Thema "Grenzen" aus ihrer Sicht beleuchten. Kontext-Mitarbeiter Dietrich Heißenbüttel ist einer von ihnen, er befasst sich mit der "Macht der Grenzen" aus historisch-politischer Sicht. Am Sonntag, den 9. April, wird das Buch um 17 Uhr im Theaterhaus in Stuttgart-Feuerbach vorgestellt, Heißenbüttel ist dabei. Der Eintritt ist frei. (08.04.2017)


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Ausgabe 222
Überm Kesselrand

Willkommen zurück, Wolf!

Von Gastautor Andre Baumann
Datum: 01.07.2015
In Sachsen gibt es welche, in Brandenburg, in Sachsen-Anhalt. Nun ist der Wolf offenbar auch zurück in Baden-Württemberg. Sein erster Vertreter wurde vergangene Woche gleich überfahren. Ein nachträgliches Grußwort von Andre Baumann, dem Landesvorsitzenden des Nabu.

Jahrelang haben wir vom Nabu gesagt: Die Wölfe kommen zurück nach Baden-Württemberg. Wann? Vielleicht schon morgen, vielleicht erst nächstes Jahr. Jetzt ist er da. Das Warten hat ein Ende. Und ich muss nie wieder erklären, wann er denn jetzt endlich kommt, der Wolf.

Foto: Joachim E. Röttgers
Foto: Joachim E. Röttgers

Wölfe sind Ureinwohner Baden-Württembergs. Sie gehören hierher wie Maultaschen und Schwarzwälder Schinken. Vor 170 Jahren wurden sie hier ausgerottet. Wenn wir die Wölfe jetzt nicht wieder abschießen, vertreiben oder überfahren, werden sie nach Baden-Württemberg zurückkommen – von ganz alleine.

Keine Frage: Für den Nabu und für die Natur ist das eine gute Nachricht. Es ist, als wäre ein Puzzleteil nach 170 Jahren wieder unter dem Sofakissen aufgetaucht. Das Puzzle unserer Artenvielfalt ist wieder um ein Teil vollständiger.

Alles prima, also? Na ja, nicht ganz. In den vergangenen 170 Jahren hat sich Baden-Württemberg verändert. Baden-Württemberg ist inzwischen ein Autoland. Da überrascht es nicht, dass der erste Wolf ausgerechnet auf der Autobahn gefunden – und überfahren – wurde. Das ist ein echtes Problem: Neben illegalen Abschüssen sind Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache bei Wölfen in Deutschland. Da müssen wir etwas tun.

Außerdem haben die Schäferinnen und Schäfer im Südwesten sich inzwischen daran gewöhnt, in einem wolfsfreien Land zu arbeiten. Das ändert sich jetzt. Die Herden vor dem Wolf zu schützen ist aufwendig und braucht Erfahrung. Deshalb brauchen die Schäfereien Unterstützung, und deshalb arbeitet der Nabu mit daran, den Herdenschutz zu verbessern und langsam wieder zu etablieren. Klar ist: Schäferei und Naturschutz sind Partner. Ohne Schäferei gäbe es keine Wacholderheiden!

Bei aller berechtigten Sorge: Ich freue mich über die Rückkehr der Wölfe – es sind beeindruckende Tiere. Mein Appell: Geben wir den grauen Gesellen noch mal eine Chance im Ländle! Möge der nächste Wolf an der Autobahn besser aufpassen und sie heil überqueren.

Andre Baumann ist Vorsitzender des Nabu Baden-Württemberg.


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Kommentare

Harald Artur Irmer,Karlsruhe, 07.07.2015 08:09
Der NABU ist finanziell interessiert an den Wölfen über die Wolfspatenschaften und Mitgliederzuwachs durch das Werben für eine "gute" Sache. Der NABU ist Partei.

Sollten sich die Wölfe als gemeinschädlich erweisen, ist der NABU "über die Bande" der Gemeinnützigkeit anzugreifen.
Wie ich ebenso sagte, ist die Politik über die Bande des Betretungsverbots der Wälder zur Gefahrenabwehr anzugreifen.

Ich hätte mich auf sachliche Gegner gefreut, es kam aber nur Persönliches (Schwabe) und Unerständliches (Ernst Hallmackeneder).

@Ernst Hallmackeneder: Kein vernünftiger Mensch hat etwas gegen die Reduzierung des Wildbestandes - es ist aber auch beobachtet worden, dass Verfolgungsdruck durch Wölfe sich das Wild in die Siedlungen "rettet".

Mein Punkt ist hier die ganze Zeit: Der Wolf ist kein scheues Tier, das den Menschen meidet, sondern immer öfter nähert es sich ihm und läuft ihm sogar nach. Schlimme Folgen werden nicht ausbleiben.

Dises noch: http://blog.natuerlich-jagd.de/%E2%80%9Eja-es-wurde-ein-transporter-angehalten-ja-darin-waren-illegal-importierte-wolfe/

"„ ... mein Informant ist Bundespolizist in Frankfurt/Oder ... : 'es wurde ein Transporter angehalten. Ja, darin waren illegal importierte Wölfe und Luchse und ja, man mutmaßt, dass diese zur Auswilderung auf deutschen Truppenübungsplätzen vorgesehen sind' “.

In den nächsten Tagen wird wohl noch nichts Schlimmes passieren; man sollte den Wölfen noch etwas Zeit geben.

Zaininger, 05.07.2015 23:55
Der gute Herr Ernst HallMACKEneder scheint ja eine abgedrhte Sicht des Themas zu haben - wievielen Menschen nimmt der Wolf die proteinhaltige fleischliche Nahrung indem er ein paar forstschädliche Rehe, Hasen und ein Dutzend Schafe reißt?
Die gemeingefährlichen Wölfe sitzen hinter dem Steuer von Hoch-PS-Karossen!

Ernst Hallmackeneder, 04.07.2015 10:47
Schon vor etwa 4000 Jahren waren beherzte toitsche Jägersleut zum Waffengang gegen diese furchterregenden Dinosaurier gegangen und rotteten diese vollständig aus; denn leider hatte unser HERR bei der Schöpfung auch mal 'nen schlechten Tag, 'nen Schwarz-Aus (unredlich: Black out), an dem er solche Kreaturen wie den Dinosaurier, die Wölfe und die Stubenfliege schuf, daher war dieser Eingriff der Menschen notwendig.
Es ist unbedingt erforderlich Wölfe gnadenlos zu erledigen, denn erstens fressen diese ja uns Menschen wertvolles, proteinreiches, gesundes und schmackhaftes Wildbretfleisch weg, außerdem reißen sie auf brutale Weise Schafe, die doch jeder aufrechte grün-linx-antideutsch-angehauchte Tierfreund lieber der liebevollen Schächtung durch den freundlichen moslemischen Metzger von gegenüber ausgesetzt sähe. Und zum zweiten stellt der Wolf natürlich auch eine fleischliche Nahrungsquelle für uns Menschen dar, also so ein leckerer Wolfsbraten oder gegrillte Wolfskeule, da läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen! Und komme mir jetzt keiner mit moralischen Bedenken daher, schließlich genießen zigtausende Chinesen täglich ihren Hundebraten, und wir sollen ja - so wird uns doch ständig und vollkommen zu Recht gesagt - auch ausländische kulturelle Traditionen, also auch Essgewohnheiten, als antidiskriminierende Zeichen der Toleranz und Vielfalt akzeptieren und praktizieren, und um ein Zeichen gegen die täglich ansteigenden Nazi-Essgewohnheiten (wie der gottlose Vegetarismus oder gar Veganismus) zu setzen.

Bin mir sicher, daß sich viele mutige Waidmänner dieser Kreatur mit einer hervorragend gearbeiteten Büchse aus baden-württembergischer Produktion entgegenstellen werden.

Harald Artur Irmer,Karlsruhe, 02.07.2015 20:59
Und diese aufdringlichen Wölfe:

http://www.nwzonline.de/region/die-woelfe-waren-20-meter-hinter-mir-die-woelfe-waren-20-meter-hinter-mir_a_29,0,1611883635.html

<<
Lüneburger Heide 
(...)
Frage: Haben die Wölfe Sie noch weiter verfolgt?

Brüggemann: Ja. Sie haben mich ein ganzes Stück verfolgt, obwohl ich ganz schön in die Pedale getreten habe. Sie waren immer 20 bis 25 Meter hinter mir. Weil der Weg durch den Wald nach Hause zu weit war, bin ich in ein Neubaugebiet reingefahren. Da haben drei Hunde bei einem Eckhaus wild gekläfft. Ich weiß nicht, ob das die Wölfe irritiert hat. Sie sind aber weggelaufen.
(...)
Frage: Sind das die ersten Wölfe in der Gegend?

Brüggemann: Nein, Wölfe sind hier schon häufiger rund um Soltau gesehen worden. Ich habe selbst schon vorher mal einen gesehen. Auch eine ältere Dame ist ihnen begegnet – mit ihrem Hund. Die hat erzählt, dass die Wölfe Beute hatten und vielleicht deshalb nicht interessiert waren. Die Wölfe haben auf jeden Fall überhaupt keine Scheu vor Menschen, sondern sind eher neugierig. Die kommen bis zu uns auf die Pferdeweide. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir fürchten, dass die Pferde durchgehen und auf die Bundesstraße laufen könnten.

Frage: Hat sich durch die Wölfe nun also einiges verändert?

Brüggemann: Wir sind eine Ferienregion hier in der Lüneburger Heide. Auf den Höfen um uns herum haben sie Angst, dass die Gäste wegbleiben. Es gibt viele Pensionsställe für Pferde. Doch viele Leute bringen ihre Pferde schon nicht mehr in die Region. Aus Richtung Hamburg kommen keine Leute mehr zu uns. Wir züchten selbst Pferde und habe höhere Kosten für Heu und Stroh, wenn wir die Pferde nicht mehr auf die Weide lassen können.
>>

Ich denke, Valerius Geist hat recht, es gibt ganz andere als die scheuen nordamerikanischen Wölfe, die nur scheu waren, weil die unerschrockenen, bewaffneten(!) Einwohner sie bekämpft hatten.

Hier auf deutsch: http://wolfeducationinternational.com/wann-werden-wolfe-gefahrlich-fur-die-menschen/

Man soll die WolfsNICHTversteher vom NaBu, wie andere Ideologen auch, gewähren lassen, vllt noch ein bißchen antreiben, dass sie sich richtig blutige Köpfe holen, sonst lernen sie es nicht.

Wahrlich, ich sage Euch: Gibt es einen ernsthaften Zwischenfall mit Wölfen, dann ist das Waldbetretungsverbot nicht fern, mag sich die grüne Landesregierung noch so winden, zur Not über die Verwaltungsgerichtsbarkeit. Das Waldbetretungsverbot ist ein großer Hebel, der wird gewaltig zurückschlagen. (Habe auch gerade in einem Forum gelesen, Jäger - ich bin keiner - ventilieren, bei zunehmender Wolfsgefahr die allg. Bevölkerung aus dem Wald auszusperren, die störe sowieso das Wild).

@Schwabe: Sie verstecken sich hinter einen Pseudonym und sind überhaupt nicht explizit. Sie sind für mich nicht satisfaktionsfähig! Ich stelle mich namentlich dem Risiko mich als Hysteriker zu erweisen. (Glaube ich aber gar nicht; die Fälle, in dem die Wölfe den Menschen "erproben", nehmen zu)

Schwabe, 02.07.2015 11:09
@Harald Artur Irmer, Karlsruhe
Die Kirche immer schön im Dorf lassen lieber Harald. Ich meinte bisher nämlich noch gar nichts, sondern "nur" Theodor Heuss, Maxim Gorki, Monthy Roberts und Mahadma Gandhi.

Meine Meinung ist, dass Sie vom Verhalten von Tieren mindestens so wenig Ahnung haben wie von menschlichem Verhalten und m.E. steht Ihr eigenes dabei an vorderster Front!

Harald Artur Irmer, Karlsruhe, 01.07.2015 23:00
Wie meinen, Herr/Frau Schwabe?

Ich würde Sie ja zu gerne einmal beobachten, ob Sie nicht einmal einer Stechmücke etwas zuleide tun. Auch dürften Sie niemals gewalttätig gegen Motten, Mäuse oder Ratten vorgehen, da diese ja auch Mitgeschöpfe im gemeinsamen Lebensraum sind. - BTW Spinnen lasse ich zuhause gewähren, verflogene Käfer befördere ich vorsichtig ins Grüne, für Mäuse hatte ich mir eigens Lebendfallen angeschaft, um sie auf dem Acker auszusetzen, nur Lebensmittelmotten etc. töte ich.

Sollen die Leute vom NaBu, wie Herr Baumann, nur so weiter machen, eines wird passieren:

Geschieht eine Wolfsattacke, dann gehe ich zum Verwaltungsgericht und lasse das betreffende Waldgebiet "zusperren" zur Gefahrenabwehr. Wir werden Mitstreiter finden, um die Grünen in der Regierung vor uns her zu treiben; es wird uns ein Vergnügen sein. (FYI Ich stehe politisch links)

Schwabe, 01.07.2015 20:27
Theodor Heuss:
"Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort "Tierschutz" überhaupt geschaffen werden musste!"
Maxim Gorki:
"Nach manchen Gespräch mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!"
Monty Roberts:
"Niemand von uns Menschen hat das Recht, zu einem Mitmenschen oder einem Tier zu sagen: Entweder du machst was ich sage, oder ich werde dir weh tun..."
Mahadma Gandhi:
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln."

Tillupp, 01.07.2015 12:07
@Harald Artur Irmer, Karlsruhe
Danke für den fundierten Kommentar.
Würden die Jäger statt der stattlichsten Tiere immer nur die schwächlichsten schießen, könnte man auf den Wolf gut verzichten. Aber einen 16-Ender zu erlegen bringt's einfach mehr. http://www.mittelhessen.de/lokales/region-limburg-weilburg_artikel,-16-Ender-muss-dran-glauben-_arid,125342.html

Harald Artur Irmer, Karlsruhe, 01.07.2015 09:54
Noch eines: http://www.vargfakta.se/wp-content/uploads/2012/05/Geist-when-do-wolves-become-dangerous-to-humans-pt-1.pdf

---

Gute Gelegenheit den Wald zuzusperren?!

Nehmen wir einmal an, es passiert eine schlimme Wolfsattacke in unseren Wäldern. Das wäre doch endlich die Möglichkeit für die Jäger und Waldbesitzer, wenn nicht den Wolf, dann die allgemeine Bevölkerung, die ja auch nur das Wild stört, auszusperren, da zu gefährlich. Nur noch geführte, bezahlte Waldtouren durch bewaffnete Förster.

Mal sehen, was kommt.

Harald Artur Irmer, Karlsruhe, 01.07.2015 09:19
Valerius Geist (Professor Emeritus of Environmental Science
The University of Calgary) schreibt:

http://www.zeit.de/2015/14/tiere-woelfe-bedrohung/seite-4

<<
(...) Ein Modell der Eskalation, mit mehreren Stufen. Demnach beobachten Wölfe zunächst eine Siedlung, bleiben ihr aber noch fern. Anschließend wagen sie sich dichter heran. Sie reißen zunächst Nutztiere, oft nachts, später auch tagsüber. Danach, so Geist, würden Menschen als Beute getestet, zuerst vorsichtig, durch ein Zerren an der Kleidung beispielsweise. Schließlich folge – wenn die Wölfe nicht vertrieben würden – ein Angriff, der tödlich ausgehen könne.

Der harmlose Wolf, meint Geist, sei eine Legende, die er sich durch "politische Korrektheit beim Blick auf Tiere" erklärt. Wölfe hätten sich nicht in der Wirklichkeit verändert, aber in den Vorstellungen vieler Menschen. Aus der Bestie, die der Wolf nie war, sei das Schmusekätzchen geworden, das er nicht ist. Wölfe, einst erbarmungslos gejagt, in Teilen Europas ausgerottet, böten sich Menschen, die auf das Leben notorisch aus der Sicht von Opfern blicken, als Projektionsfiguren an. Auch dem Wolf sei früher Unrecht geschehen, ihm stehe deshalb Wiedergutmachung zu, aber er bleibe ein Raubtier.

Es gab Vorfälle, die Geists Theorie bestätigen. Auf Vargas Island an der kanadischen Pazifikküste landete eine Wildbiologin in einem Kajak. Dort, wo sie im Juni des Jahres 2000 ihr Zelt aufschlug, hatten Spaziergänger Wölfe gefüttert. Einige der Tiere näherten sich der Biologin, beschnupperten sie und bissen ihr zaghaft in die Hand. Sie zupften an der Kleidung, umkreisten sie. Dann verließ die Forscherin die Insel wieder, und kurze Zeit später kamen Touristen, von denen sich einige in Schlafsäcken ins Freie legten. Einem von ihnen wurde von einem Wolf nachts in den Kopf gebissen. Die Wunde wurde mit 50 Stichen genäht.

Im selben Jahr spielte der sechs Jahre alte John Stenglein im Beisein eines Freundes und eines Hundes in einem Holzfällercamp an der Icy Bay in Alaska, als ein Wolf auftauchte. Er biss John in den Rücken, packte ihn und wollte ihn wegschleppen, aber herbeigelaufene Erwachsene hinderten ihn daran. Das Tier wurde erschossen. Eine Untersuchung ergab: keine Tollwut, ein gesunder Wolf.

Diese Fälle und viele weitere wurden einzeln dokumentiert, etwa von einem Biologen der Fisch- und Wildbehörde Alaskas, von der Chefin des deutschen Wolf Magazins, außerdem von 18 Wissenschaftlern, die für das Norwegische Institut für Naturforschung eine internationale Studie schrieben.

Oft sind es Hunde, die attackiert werden, manchmal Kinder, seltener Frauen, noch seltener Männer. In Indien werden seit Langem Kinder von hungrigen Wölfen angefallen. Ein amerikanischer Forscher untersuchte diese Fälle – 273 getötete Kinder in drei indischen Bundesstaaten in den Jahren 1980 bis 2000. Einige Wölfe waren in die Hütten von Dorfbewohnern eingedrungen.

In New Mexico wurden an einigen Bushaltestellen zeitweise vergitterte Verschläge errichtet, die Kinder vor Wölfen schützen sollten. In Russland bilden sich Wolfsrudel, die mehr als 100 Tiere umfassen können und sich gelegentlich in Randbezirken abgelegener Städte herumtreiben. Wollte man alle Angriffe einzeln aufführen, hätte man lange zu tun.

Im spanischen Galicien, in der Nähe des Dorfes Vilar, wurde 1957 ein fünfjähriger Junge von einem Wolf getötet, tagsüber, auf einer Straße. Ein Jahr später griff ein Wolf in einem Nachbardorf Kinder an. Einer der spielenden Jungen wurde von dem Tier weggeschleift, bevor Erwachsene es verjagten. Der Junge überlebte.

Im Jahr 1974 schleppte ein Wolf in derselben Gegend einen Säugling weg, den eine Arbeiterin am Rand eines Feldes abgelegt hatte, und zog ihn in ein Gebüsch, wo das Baby starb. Wenige Tage später schnappte sich ein Wolf ein dreijähriges Kind und tötete es. In der Region gab es damals viele Bauernhöfe mit Hühnern. Vermutlich waren die Wölfe dadurch angezogen worden. Das wäre eine Erklärung.

Seitdem es dokumentierte Wolfsangriffe gibt, haben Forscher viele Begründungen für das Verhalten der Tiere gefunden. Die Attacken gelten in erster Linie den Hunden, die ihre Besitzer beim Waldspaziergang begleiten. Denn die Hunde dringen in Wolfsreviere ein. Oder aber: Wölfe wurden gefüttert und an Menschen gewöhnt. Oder aber: Wölfe wurden von Tierfarmen angezogen. Oder, oder, oder.

Keine schlüssige Erklärung gibt es für den Tod der 32-jährigen Lehrerin Candice Berner, die im März 2010 in der Nähe des Dorfes Chignik Lake in Alaska joggen ging. Sie trug Kopfhörer, ließ sich von Musik berieseln und rannte los. Später wurde ihre Leiche gefunden, an der die Polizei mithilfe einer DNA-Analyse Wolfsspuren feststellte. Anschließend wurden acht Wölfe getötet, die sich in der Nähe des Opfers aufgehalten hatten, keiner von ihnen hatte Tollwut. Die Tiere waren in guter körperlicher Verfassung, konnten nicht unter Hunger gelitten haben. Sie waren auch nicht im Dorf gefüttert worden, waren ihm aber immer näher gerückt. Und die Lehrerin war allein unterwegs, ohne Hund. Denkbar, dass sie – weil ein kräftiger Wind wehte und die Musik sie ablenkte – überraschend auf die Wölfe stieß, die sich dadurch erschreckten.

Denkbar ist aber auch etwas ganz anderes: Wölfe sind nicht harmlos. Sie sind weder gut noch böse, sie sind wild und damit nicht berechenbar. Wer sie in der Nähe von Menschen duldet, geht ein Risiko ein. Es ist eine große Dummheit, sich über einen Wolf zu freuen, der am Rand eines Ortes herumschleicht. In Rumänien, wo etwa 4.000 Wölfe leben, kommt es deshalb so selten zu heftigen Begegnungen, weil Menschen die Tiere verjagen, sobald die sich nähern. Nicht in allen Fällen bleibt das Gewehr im Schrank. Man muss Wölfen, die ihre Scheu aufgeben, einen Grund liefern, sich wieder scheu zu verhalten. Der beste Grund ist ein Mensch, der seine eigenen Reviergrenzen ernster nimmt als die der Wölfe – und notfalls auf sie schießt.

Aufschlussreich ist, wie sich die Rhetorik deutscher Naturschützer verändert hat. Ein Wolf tut Menschen nichts. Das war lange Zeit eine unumstößliche Gewissheit. Dann hieß es: Ein Wolf ist in der Regel harmlos – vorausgesetzt, er ist gesund. Dann: Der gesunde Wolf ist in der Regel harmlos, solange er nicht hungrig ist. Dann: Der gesunde und nicht hungrige Wolf, der sich von Siedlungen fernhält, ist in der Regel harmlos. Schließlich: In absoluten Ausnahmefällen, wenn ein Wolf sich auffällig gegenüber Menschen verhält, obwohl er gesund und nicht hungrig ist, darf er vertrieben werden.
(...)
Außerhalb Russlands, Weißrusslands und der Ukraine kam es in Europa zu 59 Angriffen wild lebender Wölfe auf Menschen, seit 1950. Neun Menschen kamen ums Leben. Neun. Es ist viel wahrscheinlicher, in Deutschland von einem Blitz erschlagen als von einem Wolf angefallen zu werden. Es ist sogar wahrscheinlicher, von einem Wildschwein umgebracht zu werden (so endete im Jahr 2008 das Leben eines Jägers in Brandenburg).
>>

Ich bitte um Widerspruch. (À la longue werden wir ja sehen, wer recht hat *grins*)

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