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AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen

Schon wieder hat AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen ein Versprechen nicht gehalten. Aber wahrscheinlich kann er nicht mehr daran erinnern, dass er am 6. März zum ersten Mal seit dem Einzug in den Landtag zu einer regulären und nicht durch Skandale, Trennungen oder Wiedervereinigungen notwendig geworden Pressekonferenz geladen hat. Um mitzuteilen, dass seine Fraktion selbstverständlich der Ankündigung nachkommt, dem Landtag die Gelder zurückzuzahlen, die die vorübergehende Fraktionsspaltung gekostet hat. Sogar ein Datum konnten Meuthen und Fraktionsvize Rainer Podeswa nennen: den 11. März 2017, jenen Tag also an dem die Frist für die Rechnungslegung der Fraktionen ohnehin abläuft. Bis dahin sollten 257.000 Euro fließen. Insgesamt war von 425.000 Euro, einmal auch von 571.000 Euro die Rede.

Eingelöst wurde die Zusicherung nicht. Meuthen und die Seinen, die schon bei unvergleichlich geringeren Anlässen Zeter und Mordio schreien angesichts des Sittenverfalls der von ihnen sogenannten Altparteien, haben nach Auskunft der Landtagsverwaltung gar nichts zurückgezahlt. Jetzt verlangt der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Ex-Innenminister Reinhold Gall, von der Landtagsverwaltung, eine "härtere Gangart" einzuschlagen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Vor allem auf Facebook, dem wichtigsten Kommunikationsmittel der AfD, hatte sich die Fraktion immer wieder dafür gerühmt, alle Gelder zu erstatten. Tatsächlich war das peinliche Finanzgebaren schon in der Plenarsitzung vom 9. Februar Gegenstand der Debatte, als FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke daran erinnert, dass "die operettenhafte Fraktionsteilung" viel Geld gekostet habe und konkret fragte: "Haben Sie zurückgezahlt?" Laut Protokoll rief der AfD-Fraktionschef: "Ja, natürlich!". Inzwischen will Meuthen die Äußerung auf die schon geflossenen Gelder bezogen wissen, ohne konkret zu sagen, um welche Summen es sich handelt. Wahrscheinlich hat er es nicht (mehr) gewusst. (21.4.2017)

Mehr zum Thema: "Sein Name ist Hase"


Kakteen lassen IHK-Vollversammlung platzen

Johannes Schmalzl, früher Zentralstellenleiter im FDP-geführten Justizministerium, dann Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und Stuttgarter Regierungspräsident, ist am Donnerstagabend nicht wie geplant zum Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart gewählt worden. Die kammerkritische Kaktus-Initiative hat die Vollversammlung platzen lassen. Zuvor fand der vorab angekündigte Antrag der IHK-Rebellen zur Änderungen der Tagesordnung allerdings keine Mehrheit. Darin war verlangt worden, Tagesordnungspunkte, die in der vorigen Vollversammlung nicht behandelt wurden, noch vor der Wahl abzuhandeln.

Nach der Abstimmungsniederlage zog ein Großteil der Initiative aus, während einer ihrer Sprecher mit Erfolg die Feststellung der Beschlussunfähigkeit der Versammlung forderte. Damit war die Vollversammlung beendet. Jetzt soll es zu einer Sondersitzung kommen, um Schmalzl vor der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Juli zu wählen. Am Vorgehen der Kakteen gibt es Kritik – auch in den eigenen Reihen. Mehrere Mitglieder hatten die Versammlung mit ausdrücklichem Hinweis auf die demokratische Niederlage in der Abstimmung über die Tagesordnung nicht verlassen. Jetzt sollen interne Beratungen stattfinden.

Jürgen Klaffke, einer der führenden Kakteen, hatte im Vorfeld der Vollversammlung für die Verschiebung der Wahl plädiert. Sein Argument: Es könne nicht sein, "dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert". Da der Vertrag mit dem amtierenden Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. Die Kaktus-Initiative, die unter anderem für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft eintritt, hält ein Drittel der hundert Sitze. (20.4.2017)

Mehr zum Thema: "Das ganze Klavier bespielen", "Rebellen im Weinberghäusle"


Besonders viele Evet-Sager in Stuttgart

Nur in Dortmund, Essen und Düsseldorf haben mehr Deutschtürken für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt als in Stuttgart. Mit 66,22 Prozent liegt die Landeshauptstadt nach den Zahlen der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu auch über dem Deutschland-Schnitt von 63,2 Prozent. Das Ergebnis der Bundesrepublik ist international von besonderer Bedeutung, weil mit rund 1,4 Millionen Menschen nirgends mehr Auslandstürken wahlberechtigt waren. Auffallend ist das Abstimmungsverhalten in Berlin, mit 50 Prozent Nein-Sagern, in der Schweiz mit 70 Prozent und in den USA mit sogar einer 90prozentigen Ablehnung der Verfassungsreform. In den Vereinigten Staaten hat allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung einen türkischen Pass.

Dass sich aus dem Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung allein kein Zusammenhang zum Abstimmungsverhalten ablesen lässt, zeigen nicht nur Berlin und Stuttgart, sondern EU-weit auch Belgien und Österreich. In beiden Ländern gibt es mehr als 70-Prozent Evet-Sager. In Belgien haben rund zwei Prozent der Menschen türkische Wurzeln, in Österreich aber mehr als fünf Prozent. Im deutschen Zustimmungsranking deutlich hinter Stuttgart rangieren unter anderem Karlsruhe mit 61 Prozent, Hamburg mit 57 und Nürnberg mit 55 Prozent. Nach den Zahlen von Anadolu hat die Hälfte der Deutschtürken ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt.


Kakteen wollen neue IHK-Findungskommission

Die IHK-Kritiker von Kaktus fordern, die Wahl des neuen Hauptgeschäftsführers zu verschieben. "Es kann doch nicht sein, dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert", so Jürgen Klaffke von der Kaktus-Initiative. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl der Vollversammlung am 20. April als einziger Kandidat präsentiert werden soll. Die IHK-Rebellen wollen nicht nur abnicken, sondern eine wirkliche Wahl zwischen mindestens drei Kandidaten. Sie fordern daher eine gewählte Findungskommission aus aktuellen Vertretern der Vollversammlung und ein faires, transparentes Auswahlverfahren. Da der Vertrag mit dem aktuellen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. (11.4.2017)


Buchvorstellung mit Kontext-Autor: in_visible limits

Grenzen sind allgegenwärtig, ob sicht- oder unsichtbare: Menschen pflegen ihre Barrieren im Kopf, sortieren die Welt in Gut und Böse. Zuletzt haben leider auch die ganz materiellen Grenzzäune durch die sogenannte "Flüchtlingskrise" wieder eine Renaissance in Europa erlebt, von Trumps Mauer ganz zu schweigen. Das Thema reflektiert momentan der Kunstverein Kontur, in seinem Projekt "in_visible limits" zeigt er Werke von vier Schweizer und vier deutschen Kunstschaffenden, aktuell im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Aus dem Projekt heraus entstand eine Buchveröffentlichung, verschiedene Autoren sollten das Thema "Grenzen" aus ihrer Sicht beleuchten. Kontext-Mitarbeiter Dietrich Heißenbüttel ist einer von ihnen, er befasst sich mit der "Macht der Grenzen" aus historisch-politischer Sicht. Am Sonntag, den 9. April, wird das Buch um 17 Uhr im Theaterhaus in Stuttgart-Feuerbach vorgestellt, Heißenbüttel ist dabei. Der Eintritt ist frei. (08.04.2017)


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Der Parcours beginnt hinter dem Esslinger Bahnhof. Unter Radlern, die sic

Der Parcours beginnt hinter dem Esslinger Bahnhof. Unter Radlern, die sic

Einmündung der innerstädtischen Neckararme: Solche Holzplanken gibt es mehrfach in Esslingen. Sie sind "bei Nässe katastrophal", sagt Jan Lutz, er habe schon öfters ältere Personen ausrutschen sehen.

Einmündung der innerstädtischen Neckararme: Solche Holzplanken gibt es mehrfach in Esslingen. Sie sind "bei Nässe katastrophal", sagt Jan Lutz, er habe schon öfters ältere Personen ausrutschen sehen.

Kurz vor Mettingen zeigt der Wegweiser ins Gebüsch. Die Werkstraße 90 der Daimler AG ist in Ric

Kurz vor Mettingen zeigt der Wegweiser ins Gebüsch. Die Werkstraße 90 der Daimler AG ist in Ric

Radweg auf eigene Gefahr: Die Ersatzstrecke auf dem Neckardamm führt durch das Betriebsgelände der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

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Markiert wie eine Autobahnbaustelle …

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… ist die Qualitätsradroute an dieser Stelle doch nur eine Schotterpiste. Bei feuchter Witterung wird der Lehm glitschig.

… ist die Qualitätsradroute an dieser Stelle doch nur eine Schotterpiste. Bei feuchter Witterung wird der Lehm glitschig.

Nun die umgekehrte Richtung, von Stuttgart nach Esslingen: der halb zugewucherte Radweg auf der Werkstraße 90.

Nun die umgekehrte Richtung, von Stuttgart nach Esslingen: der halb zugewucherte Radweg auf der Werkstraße 90.

Schilderwald. Sicher erscheint nur, dass der Neckartal-Radweg an dieser Stelle für Radfahrer gefährlich ist.

Schilderwald. Sicher erscheint nur, dass der Neckartal-Radweg an dieser Stelle für Radfahrer gefährlich ist.

Umleitung: Zwischen Ober- und Untertürkheim ist der Radweg entlang der Eisenbahnstrecke plötzlich nicht mehr befahrbar. Ein paar Bretter über die Stufen der Behelfs-Unterführung – das muss für Radfahrer genügen.

Umleitung: Zwischen Ober- und Untertürkheim ist der Radweg entlang der Eisenbahnstrecke plötzlich nicht mehr befahrbar. Ein paar Bretter über die Stufen der Behelfs-Unterführung – das muss für Radfahrer genügen.

In der Nähe des Untertürkheimer Bahnhofs wird es eng. Aber wegen Stuttgart 21 soll der Radweg ab Mettingen für die nächsten sieben Jahre sowieso über die Augsburger Straße umgeleitet werden.

In der Nähe des Untertürkheimer Bahnhofs wird es eng. Aber wegen Stuttgart 21 soll der Radweg ab Mettingen für die nächsten sieben Jahre sowieso über die Augsburger Straße umgeleitet werden.

So kennen die Stuttgarter ihre Radwege. In der Augsburger Straße zwischen Esslingen-Mettingen und Untertürkheim sollen künftig nicht nur Radfahrer verkehren, sondern auch 120 Lkw täglich den Aushub von Stuttgart 21 abtransportieren.

So kennen die Stuttgarter ihre Radwege. In der Augsburger Straße zwischen Esslingen-Mettingen und Untertürkheim sollen künftig nicht nur Radfahrer verkehren, sondern auch 120 Lkw täglich den Aushub von Stuttgart 21 abtransportieren.

Hier im Benzviertel reicht das Untertürkheimer Daimler-Werk bis direkt an den Neckar heran. Im rechten Winkel biegt der schmale Pfad, den sich Radfahrer und Fußgänger in beide Richtungen teilen müssen, um die Kante des Fabrikgebäudes.

Hier im Benzviertel reicht das Untertürkheimer Daimler-Werk bis direkt an den Neckar heran. Im rechten Winkel biegt der schmale Pfad, den sich Radfahrer und Fußgänger in beide Richtungen teilen müssen, um die Kante des Fabrikgebäudes.

Neuerdings mit Ausweichbuchten: die ca. 250 Meter lange Passage am Daimler-Werk Untertürkheim. Radfahrer, die aneinander vorbeikommen wollen, müssen schon gut peilen.

Neuerdings mit Ausweichbuchten: die ca. 250 Meter lange Passage am Daimler-Werk Untertürkheim. Radfahrer, die aneinander vorbeikommen wollen, müssen schon gut peilen.

Es führt kein anderer Weg nach Stuttgart: Am Mineralbad Leuze entsteht derzeit der Leuzetunn

Es führt kein anderer Weg nach Stuttgart: Am Mineralbad Leuze entsteht derzeit der Leuzetunn

Auf der Zielgerade: Seit 2010 ist die Eberhardstraße Fahrradstraße. Dies, sagt Jan Lutz, sei "mit Abstand der gefährlichste Teil meiner 20-Kilometer-Strecke jeden Tag".

Auf der Zielgerade: Seit 2010 ist die Eberhardstraße Fahrradstraße. Dies, sagt Jan Lutz, sei "mit Abstand der gefährlichste Teil meiner 20-Kilometer-Strecke jeden Tag".

Ausgabe 207
Schaubühne

Abenteuer Fahrradweg

Von Dietrich Heißenbüttel
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 18.03.2015
Vier Sterne hat der Neckartal-Radweg im Januar auf der CMT erhalten: eine von 51 Qualitätsradrouten in Deutschland und Europa. Jan Lutz kennt das zentrale Stück zwischen Esslingen und Stuttgart aus täglicher Erfahrung. Um diese Strecke zu befahren, bedarf es einer hohen Risikobereitschaft und Frustrationstoleranz.

Seit sechs Jahren pendelt Jan Lutz, Inhaber eines kleinen, ökologisch orientierten Designbüros, mit dem Fahrrad zwischen Esslingen und Stuttgart. Täglich. Bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Seit 2007 hat er sein Büro in Stuttgart-Mitte. Am 18. Januar 2009 hielt er es nicht mehr länger aus: Er wollte unterwegs sein, ohne die Umwelt zu belasten, aus eigenem Antrieb. Seitdem fährt er jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, morgens zwanzig Kilometer hin, abends zwanzig Kilometer zurück.

"In Stuttgart wird man als Radfahrer verdächtigt, entweder Arbeitsloser, Alkoholiker oder Kommunist zu sein", sagt Lutz. Einiges hat sich bereits verändert: Heute radeln im Winter so viele wie 2009 im Sommer, schätzt er. Allerdings müssen sie einiges ertragen: "Jeden Tag wird man angeschrien, geschnitten, mit Wischwasser besprudelt." Die Infrastruktur befindet sich in schlechtem Zustand. Lutz schrieb Briefe an Bürgermeister und Fahrradbeauftragte. Doch es kam keine Reaktion. "Und dann habe ich relativ schnell bemerkt, dass das ein emotional besetztes Feld ist." Rumstreiten half nicht. Er begann Fakten zu sammeln.

Einmal im Nieselregen an der B 10 kam ihm die Idee, die gesammelten Studien und Fakten ins Netz zu stellen. Schließlich ist er Webdesigner. Es entstand der Blog Carl vs. Karl. Carl steht für Carl Benz, das Automobil, Karl für den Fahrraderfinder Karl Drais. Eine Fundgrube. Fahrradbeauftragte und Politiker, die tatsächlich etwas für Radfahrer tun wollen, sollten hier nachsehen. Vier Jahre lang erhielt Lutz dafür im Rahmen der Ideen Initiative Zukunft eine Förderung des Drogeriemarkts dm und der Deutschen Unesco-Kommission.

Seit einigen Jahren betreut er zusätzlich die Facebook-Seite von Critical Mass Stuttgart. "Critical Mass ist eine weltweite Fahrradbewegung mit dem Ziel, eine Alternative zum motorisierten Individualverkehr aufzuzeigen", definiert die Initiative. Einmal im Monat besetzen Radfahrer die Straßen, ganz legal, denn Gruppen ab 15 Radlern dürfen im Pulk fahren, eigentlich jederzeit ohne Anmeldung. In Stuttgart ist dies jedoch nur mit Polizeischutz möglich. Seit Jan Lutz die Seite betreut, ist die Zahl der Teilnehmer ständig gestiegen.

Als "sozialer Innovator" ist er nun auch eingeladen, an dem dreijährigen "Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur" der Universität Stuttgart teilzunehmen. "Akteure der Zivilgesellschaft werden als Mitforscher in den Prozess des Wissenserwerbs, der Generierung von Forschungsdaten und Entwicklung von Szenarien und Pilotprojekten eingebunden", erklärt Antje Stokman, Leiterin des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie.

Auf dem täglichen Radweg von Jan Lutz hat sich nicht viel verbessert. Im Gegenteil. Kontext-Fotograf Joachim E. Röttgers hat ihn von Esslingen nach Stuttgart begleitet. 


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Kommentare

Schwabe, 20.03.2015 16:33
Toller entlarvender Artikel, tolle Kommentare. Bitte mehr davon Kontext.
In diesem dummdreisten Sinne geb ich die 4 Sterne doch glatt an die CMT als Veranstaltung zurück.

Ulrich Frank, 18.03.2015 17:25
Der Fahrrad(fern)verkehr zwischen Stuttgart und anliegenden Orten muß allerdings nach wie vor als problematisch und nicht sinnvoll gestaltet betrachtet werden. Der illustre Fahrradbeauftragte der Stuttgart, Herr Claus Köhnlein, scheint leider vor allem vom Büro aus zu agieren und zu regieren und sich zu oft nicht an praktischen und nützlichen Belangen des hiesigen Radverkehrs zu orientieren.

Sinnvoll war zweifellos die Verbreiterung des Weges beim Daimler-Parkhaus in Untertürkheim wo jahrzehntelang sich Fußgänger und Radfahrer aneinander vorbeiquetschen mußten. Radfahrer/In wurde bis dahin auf den holprigen Neckartalweg auf der Seite der B10 verwiesen - eine insbesondere bei Dunkelheit unzumutbare Lösung weil die auf der Bundesstrasse entgegenkommenden Fahrzeuge mit ihren Scheinwerfern eine enorme Blendwirkung entfalten so daß der nicht ganz gerade Weg zwischen den Büschen kaum sichtbar ist.

Zum vollkommenen Überfluß wurde dann allerdings vor ca. 2 Jahren auf der Daimlerseite (neben der Teststrecke) eine LED-Beleuchtung des Weges eingerichtet: kropfüberflüssig da der Weg mit Fahrradscheinwerfern gut auszuleuchten ist. Die Beleuchtung wäre auf der Seite der B10 viel sinnvoller gewesen. So wird mittlerweile die - verbliebene - Vegetation via Lichtverschmutzung dauerhaft angeleuchtet auf einem Weg der nachts wenig und wenn dann von Radfahrern benutzt wird.

Auch innerhalb Stuttgarts wäre eine prüfende Präsenz vor Ort des Herrn Claus Köhnlein - und nicht nur am Schreibtisch - wünschenswert. Vor längerer Zeit telefonisch (mit x Versuchen) darauf angesprochen daß nach vor einigen Jahren an der Kreuzung Nordbahnhofstrasse/Rosensteinstrasse stattgehabten Umbauarbeiten der von der Wolframstrasse heraufschnaufende Radfahrer/In plötzlich via Wegemarkierung auf die Auto-Fahrbahn gezwungen wurde, hinter und in den Autoverkehr vor eine Ampel wo er/sie zuvor per Beschilderung auf dem kombinierten Geh-Radweg bleiben konnte und nach der Kurve direkt auf dem markierten Radstreifen an der Rosensteinstrasse war, bekam der Anrufer die Fahrradbeauftragten-Fantasie einer angebrachten entsprechenden Markierung zu hören wo in Wirklichkeit nur eine eindeutig auf die Autospur weisende Bahnmarkierung und Rampe vorhanden und das "Fahrrad frei" Zeichen weggelassen worden war.

Einmal davon abzusehen daß es an dieser Stelle zuvor schon der Sache des Radfahrens nicht sachdienlich war von einem Stuttgarter Autostadt-Polizeibeamten trotz eben vorhandenen "Fahrrad frei"-Zeichens zunächst dumm angemackert zu werden weshalb man denn auf dem Gehweg fahre - von einem Beamten dessen Kollegen Tag für Tag, wie Graf Cox im Wagen sitzend und vorbeifahrend, ignorierten wenn der Geh- und Fahrradweg vor dem damaligen Bistro bzw. der Unternehmensberatung in einem fort zugeparkt war.

Radverkehr wird in Stuttgart, der Autostadt, nach wie vor wesentlich als Hobbybetätigung und nicht als ernstzunehmende Fortbewegungsart wahrgenommen. Ein paar Beschilderungen reißen die Sache nicht heraus.

Zu erwähnen wäre auch daß das mittlerweile gesamthaft zum Radweg gemachte Stück von Untertürkheim nach Cannstatt auf der Daimlerseite nicht nur teilweise unnötig ausgeleuchtet ist sondern von Jahr zu Jahr, aufgrunde der andauernden und zudem schlampig ausgeführten massiven Abholzungsarbeiten (im letzten Monat wieder ein Dutzend oder mehr Bäume und der gesamte Bewuchs direkt am Wasser) immer HÄSSLICHER wird - und dies trotz einer angeblich GRÜNEN Stadtregierung und eines Herrn Kuhn.

Was vor 20 Jahren noch eine durchgehende Allee war wandelt sich kontinuierlich zum versäbelten Gehölz-Wurschtelkabinett. KEINE EINZIGE Nachpflanzung in den letzten 20 Jahren - da braucht der Herr Schirner nichts zu behaupten. Baumstummel ragen hervor, noch mit Markierungsfarbe verschmiert. An anderen Gewächsen an denen sich zu vergreifen man vergaß (oder dazu keine Zeit mehr hatte), prangt ebenfalls noch die pinke aggressive Markierfarbe. Anderweitig wird man fürs Markieren bestraft von Vertretern des hiesigen staatsanwaltlichen Lotterladens.

Verfasser dieses Kommentars hat es mitterweile aufgegeben wegen Mißständen mit vor sich hin privatisierenden bzw. duddelnden Stuttgarter Behördenvertretern - oder Politikern - Kontakt auzufnehmen und sich faule Ausreden und ad-hoc Erfindungen anzuhören.

Vera***n kann man sich ja auch selber.

Paule, 18.03.2015 12:05
Warum fährst er auch den Neckartalradweg? Man kann sehr gut von Esslingen am ehemaligen hengstenberg vorbei, durch Mettingen, durch Obertürkheim nach Untertürkheim fahren. Von dort aus fährt man dann über den Neckartalradweg. Zwischen Esslingen und Stuttgart ist der teilweise schlicht unzumutbar.

FernDerHeimat, 18.03.2015 09:03
Kann ich auch aus persönlicher Erfahrung bestätigen! Ein dickes Fell muss man in Stuttgart und Umgebung sowieso haben, wenn man viel Rad fährt. (Auch wenn es genug Volk gibt, das sich auf dem Drahtesel genauso rücksichtslos und egoistisch verhält, wie in der Luxuskarosse auf der Autobahn. Aber diese Soziopathen gibt es leider überall.)

Und das Elend setzt sich "konsequent" fort, wenn man vom Neckar entlang der Fils radelt. Die Politik diverser Gemeinden an diesem Fluss ist scheint's immer noch einzig auf die Wünsche der Industrieanlieger fixiert. Da ist die Sicherheit der Radfahrer völlig irrelevant.

Wolfgang Claar, 18.03.2015 09:00
Ein Foto hat der Autor vergessen: zwischen Untertürkheim und Obertürkheim hat die Bahn wegen dem Murksprojekt S21seit 1 1/2 Jahren neben dem Fahrradweg das Gelände mehr als 1000 m lang und bis zu 15 m breit großflächig mit schwarzer Kunststofffolie abgedeckt. Darunter sterben Tiere (Eidechsen und Käfer) und Pflanzen. Und es stinkt zum Himmel und der Fahrradfahrer muß da durch.

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