KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 83
Kultur

Rassismus im Kinderzimmer

Von Katharina Mayer
Datum: 31.10.2012
Kinder lieben Hörspiele. Eltern mögen sie, weil sie eine Pause in der Nachwuchsbespaßung bedeuten. Das könnte sich ändern, würden die Großen genauer hinhören. Die beliebte Jugendserie TKKG etwa transportiert seit Jahrzehnten ein rassistisches und sexistisches Menschenbild.

30 Millionen verkaufte Hörspiele, 14 Millionen verkaufte Bücher. TKKG haben eine große Fangemeinde. Foto: webKinder lieben Hörspiele. Eltern mögen sie, weil sie eine Pause in der Nachwuchsbespaßung bedeuten. Das könnte sich ändern, würden die Großen genauer hinhören. Die beliebte Jugendserie TKKG etwa transportiert seit Jahrzehnten ein rassistisches und sexistisches Menschenbild. 

Na klar, sagt Mama oder Papa, und hört gerade noch, wie der Nachwuchs sich das soeben erlaubte Hörspiel einschaltet. Alles paletti, denken die Erziehungsberechtigten und freuen sich über eine Dreiviertelstunde Pause von bohrenden Kinderfragen. Hätten sie das mal lieber nicht getan. Denn das Kind hat eine Folge der allseits beliebten Reihe TKKG erwischt. Was allein schon wegen des unaussprechlichen Namens auf dem Müllhaufen der Geschichte landen sollte, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als erzreaktionäre Gehirnwäsche für die lieben Kleinen. 

Kinder lieben Hörspiele, denn man kann sie beliebig oft anhören. Eltern dagegen weigern sich oft, dieselbe Geschichte zum dreißigsten Mal zu erzählen, vor- und zurückspulen geht bei Menschen auch nicht. Außerdem hindert Hörspielberieselung im Gegensatz zum Lesen nicht am gleichzeitigen Legospielen. Klarer Vorteil für multitaskinginteressierte Kinder oder solche, deren Freizeit sich dank Frühförderung, Geigenunterricht nach der Suzuki-Methode und Kinderturnen auf ein absolutes Minimum reduziert hat. Auch das Erziehungspersonal schätzt die Produkte der Hörspielindustrie: als Quasselstopp auf langen Autofahrten etwa. Oder als Garant für die halbe Stunde Mittagschläfchen.

Deshalb ist TKKG schon seit 30 Jahren erfolgreich. Was steckt eigentlich hinter diesem absurden Kürzel? Eine Jugendbande mit vier Mitgliedern namens Tim, Karl, Klößchen und Gaby – in ebendieser Reihenfolge. Die vier Nachwuchsdetektive sind seit 1979 auf der Jagd nach "Verbrechern" und bleiben doch ewig 13 Jahre alt – wen wundert's, käme ihnen doch sonst die Zielgruppe abhanden. Mit annähernd 30 Millionen verkauften Tonträgern, 14 Millionen verkauften Büchern, einer eigenen Fernsehserie und einem ausgeklügelten Merchandise-Programm kann man TKKG zu den erfolgreichen Jugendserien rechnen. Erfunden wurde die Bande von Rolf Kalmuczak, der hier unter dem Pseudonym Stefan Wolf arbeitete. Doch damit nicht genug: unter rund 100 Pseudonymen schrieb Kalmuczak 160 Jugendbücher, Kriminalgeschichten, Drehbücher. Eine Vielschreiberleistung, die ihn sieben Jahre lang ins Guinnessbuch der Rekorde brachte. 

Selbstjustiz gehört zum festen Repertoire von TKKG

"Da bleibt die Qualität auf der Strecke", sagt der Tübinger Historiker Lucius Teidelbaum. Als Kind war er bekennender TKKG-Fan, kaufte "aus nostalgischen Gründen" sämtliche Kassetten, derer er auf dem Flohmarkt habhaft werden konnte. Irgendwann fing Teidelbaum an, sich kritisch mit den Helden seiner Kindheit auseinanderzusetzen. Seitdem hat der Mitdreißiger auch einen Vortrag zur TKKG-Kritik im Programm. Darin nimmt er die vier "Jung-Blockwarte" gründlich auseinander. 

Haut gern mal drauf: Tim von TKKG. Foto: webDas T steht für Tim. Ursprünglich wurde der Tarzan genannt, eine Urheberrechtsklage nach wenigen Folgen bereitete dem Spuk im Großstadt-Dschungel aber ein jähes Ende. Tim ist im streng hierarchisch organisierten Clan der Anführer und hat immer recht, respektive das letzte Wort. Er verkörpert das Ideal des großen Bruders, des Beschützers, nach dem sich auch viele seiner Zuhörer in der aufreibenden Schulzeit sehnen. Seine Vorstellung von Gerechtigkeit setzt Tim auch gerne mal gewaltsam durch, als Kampfsportass hat er das Recht des Stärkeren stets auf seiner Seite. Selbstjustiz gehört ohnehin zum festen Repertoire von TKKG: Bevor den Nachwuchspolizisten ein Verdächtiger durch die Lappen geht, wird er nach Strich und Faden verprügelt. 

Die beiden K in der Mitte gehören zu den eher farblosen Gesellen Karl und Klößchen. Karl hat als Professorensöhnchen (mit dem reichlich platt gewählten Namen Vierstein) die Intelligenz quasi mit der Muttermilch aufgesogen und ist der Schlaumeier unter den vieren. Nicht nur darin spiegelt sich eine biologistische Begründung, die Frösteln macht. Auch Verbrecher in der Serie produzieren durchweg nur Nachwuchs, der in die vorgegebenen Fußstapfen tritt. 

Mädchen haben hier nichts zu sagen

Klößchen wiederum schaut aus, wie er heißt: Seine Ess-Sucht muss auch in der 179. Folge noch als Charakterbeschreibung genügen. Ansonsten sitzt er ohnehin an der Quelle: Die Eltern stellen Schokolade her. 

Spannend wird es beim letzten Buchstaben: Das G steht für Gaby. Viel Spielraum bleibt freilich nicht für das einzige Mädchen in der Detektivserie. In erster Linie ist sie Tochter eines waschechten Polizisten, in zweiter die Freundin des TKKG-Häuptlings Tim, welcher ein reichlich patriarchales Rollenbild pflegt. Zum einen muss Gaby immer dann zu Hause bleiben, wenn es gefährlich werden könnte. Zum andern wird ihr auch mal von ihrem zukünftigen Göttergatten erklärt, sie habe jetzt "das Maul zu halten". Aufmachen darf sie den Mund nur dann, wenn es um Tiere geht. Als Besitzerin eines Hundes namens Oskar darf sie sich empören, wenn etwa Pferde beim Transport halb verdursten. 

Na gut, könnte man sagen, Gaby kommt nicht gut weg. Sie darf oft nicht mitmachen, wenn die Jungs einen Fall lösen. Da ist es für sie dann zu spät (um zehn ist Schicht) oder zu gefährlich. Einen Einblick in sein schlichtes Rollenverständnis liefert Autor Kalmuczak in einem Interview aus dem Jahr 2005. Da fragt sich der Vielschreiber, wie viele Möglichkeiten man habe, ein Mädchen zu schildern? Und liefert die Antwort gleich mit: "Sie ist entweder blond und blauäugig, dunkelhaarig mit braunen Augen, oder sie ist eine Rothaarige mit grünen Katzenaugen." Mädchen haben keinen Charakter, allenfalls Katzenaugen.

So viel zu den Protagonisten. In mittlerweile 179 Folgen – seit Kalmuczaks Tod 2007 schreibt ein Autorenteam die Geschichten – jagen diese Jungdetektive jeden, der gegen Recht und Gesetz verstößt. Nur seltsam, dass das im TKKG-Kosmos überwiegend Menschen migrantischer Herkunft oder Randgruppen sind: vom Italiener über den Obdachlosen bis hin zum Punker. Sie alle haben eines gemeinsam: Der jugendliche Gesetzeshüter-Nachwuchs sieht ihnen die Schuld schon an der Nasenspitze an. Körperliche Merkmale wie ein dunkler Teint oder Tätowierungen machen die Bösen schon von vornherein kenntlich. Spätestens da bekommt die Serie einen deutlich rassistischen und sozialdarwinistischen Schlag. Gerne werden die Übeltäter auch mit Tieren verglichen, eine schon im Nationalsozialismus sattsam erprobte Praxis. Beispiel? "Ratten aber das sind possierliche Tierchen im Vergleich zu diesem Abschaum."

Vorurteile in Häppchen für Kinder und Jugendliche  

In anderen Folgen fallen Sätze wie "Das haut den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel", wird über die "Endlösung der städtischen Taubenfrage" schwadroniert und die Welt auf eine Weise erklärt, die schlicht von vorgestern ist.

Ein klar postnazistisches Weltbild attestieren die Autoren Jean-Philip Baeck & Volker Beeck in ihrem Text "Mit Judo gegen Wodka Bruno, Miethai Zinse und Dr. Mubase. TKKG – ein postnazistischer Jugendkrimi". Autor Rolf Kalmuczak jedenfalls machte 2005 in einem Interview keinen Hehl aus seinem reaktionären Weltbild. "Heute besteht mein Publikum aus überwiegend jungen Menschen, und ich gebe mir schon große Mühe, meine Philosophie rüberzubringen. Und diese Philosophie enthält auch die Erhaltung tradierter Werte, ohne die wir in dieser Gesellschaft nicht auskommen." In den Hörspielen hört sich das dann so an: "Wenn sie nicht zahlen, werden wir die Kleine ins Ausland bringen und an Zigeuner verkaufen." Fakt ist allerdings, so der Historiker Lucius Teidelbaum, dass in der Vergangenheit vielmehr Sinti und Roma die Kinder gestohlen wurden, um sie in staatlichen Erziehungsheimen aufwachsen zu lassen. Angesichts des immer wieder auch in Europa aufflackernden Hasses auf Sinti und Roma vermittelt die Hörspielreihe Kindern nicht nur an dieser Stelle das denkbar schlechteste Weltbild. 

Nicht in allen Folgen sind rassistische oder sexistische Sprüche zu hören. Im Zweifel reicht aber einer, um das Weltbild eines kleinen Menschen zu prägen. Da greift der aufgeklärte Teil der Elternschaft lieber zu Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg oder Pippi Langstrumpf. Die vermitteln weder ein antiquiertes Rollenbild noch rassistische Stereotype. Fazit für alle Eltern, denen die Gehirnwäsche bei TKKG gegen den Strich geht: Es gibt Alternativen. 


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Kommentare

Hans Dierke, 17.02.2017 22:51
Man muss sich manchmal schon fragen, wo man eigentlich mit diesem linkspopulistischen um nicht zu sagen linksextremistischen Blödsinn in diesem Land hin will. Dürfen wir bald Alle nur noch die taz, die süddeutsche oder die Reinkarnation des neuen deutschlands lesen und im Fernsehen nur noch genehme linksextremistische Propagandavideos sehen?Geht es eigentlich noch um Rechts- Extremismus im Allgemeinen, wenn die political correctness Menschen wegen des Wortes Negerkuss als rechtsradikal hinstellen will, oder das man das Kinderlied "Fuchs du hast die Ganz gestohlen" nicht mehr singen darf, weil sich Veganer über irgendeine Textzeile aufregen? So ein Murks führt sehr schnell wieder in die dunklen Zeiten von sozialistischen Umtriebe, die leider genauso schlimm wie ihr rechtsradikalen braunes Pendant sind! Jetzt kommen die linksfaschistischen Zensoren also über TKKG. In unheimlich vielen Folgen stellen sich Täter als Deutsche heraus. Und es sind Täter aus allen Gesellschaftsschichten. Eigentlich sind es fast alle Folgen der Buchserie bis zur 27.igsten. im Verlauf der Bücher sind denn auch mal Punks, Gewalttäter von Antifa und schwarzem Block dran. Zurecht, da wir bei diesen Experten Gewalttätigkeit zur präventiven Durchsetzung politischer Ziele voraussetzen können. Es ist bekannt, dass nach Ihren Doktrin Kinder Werte nur in der Nachfolgeorganisation der FdJ lernen sollen, aber dort gibt es nichts zu lernen, was meine Kinder lernen sollten. Da sind mir viele von Wolfs Werten schon lieber. Vielleicht sollten die Linksfaschistischen Verfasser dieses Artikels lieber mal versuchen, die Bücher zu lesen anstatt Allem und Jedem in diesem Land anhand von aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen das Etikett rassistisch anzuheften. Bei mir wird es so sein, dass ich meinen Kindern nun gerade empfehlen werde, die Bücher zu lesen. Bei mir gilt. Ist ja nur von Linksfaschisten. Toleranz kann man von diesen Leuten ebenso wenig wie von den Rechtsfaschisten erwarte. Daher gilt bei dem obigen Artikel das gute alte Motto: GELESEN UND GELACHT!

Demokrator, 27.06.2016 07:08
Ist dieser Artikel ernst gemeint?

Jochen Schaudig, 26.06.2016 05:45
Mal ohne Scheiß... ich bekam die Umbenennung von Tarzan in Tim gerade noch mit, und ich konnte das nicht verstehen.

Vor nicht allzulanger Zeit packte ich die Hörspiele wieder aus (als Kind mochte ich die Bücher mehr), und ich höre heute eine andere Geschichte, in der es sehr um Geld und finanzielle Gerechtigkeit geht, mit einem fetten (damals) sozialdemokratischem Zeigefinger.

Jetzt bin ich natürlich überrascht, dass die Geschichte nun als Naziwerke gelesen wird.

Ok, es geht um Klischees, aber das passt nunmal nicht wirklich, es ist aus der Zeit gerissen.
Tarzan, sorry, ich bleibe dabei, ist kein Sturmbannführer, der wahllos Leute verprügelt. Er war mindestens für mich eine Traumfigur, ein Superheld, die Vorversion von Batman.
Karl und Klößchen waren Antihelden. Aber nie sinnlos in ihren Rollen. Karl war der Intellektuelle, Klößchen der Geerdete, der trotz Reichtum und Adipositas die Bodenhaftung behielt. Gabi hatte in jeder Beziehung die wichtigen ... Beziehungen.

Tarzans Vergangenheit war dabei nicht ungebrochen, er war im Original Halbitaliener, alleinerziehende Mutter, alles andere als eine gängige Romanfigur der Entstehungszeit. Ich hatte auch echte Probleme, als in der TV-Serie der schwarzgelockte Typ aus dem Buch zu einem arischen blonden Jungen wurde.

Gabi, ja Gabi. Die zarte Seele. Tierlieb, herzlich, verständisvoll...in das Alphatier verliebt. Ist das für Frauen sooo unrealistisch? Sie wird jedenfalls nie als dummes Betthäschen dargestellt.

Als ich als kleines unvoreingenommenes Kind TKKG hörte und wenig später las, ging es mir nicht um Unterschiede, Zuschreibungen, etc.
Ich WAR TKKG in der Gesamtheit.

Ich war der starke Tarzan, ich war der denkende Karl, ich war das dicke, unterschätzte Klößchen mit Bodenhaftung und ich war die herzliche Gabi mit dem Mitgefühl. Und zugegeben, 12 Jahre vor meinem Coming Out, auch ziemlich verknallt in Tarzan.

Es dauerte nicht lang, und ich schwenkte auf ??? um, auch nicht ohne Klischees, aber sehr viel differenzierter. Vielleicht, weil die USA schon ein Stück weiter waren in all jenen Diskussionen, die wir bei diesen Themen gerade erleben.

Ich denke schon, dass man Kinder- oder Jugendbücher immer mal neu lesen sollte. Aber man muss sie nicht in ihrer Wirkung überschätzen.

K.H, 31.01.2015 12:53
Ja,es sieht in Diesem Artikel so aus als WÄre TKKG so..
aber nur wenn man Die Hörspiele ned kennt! ich habe von Folge 1 bis 120 Alle mehr als 10 Mal Durchgehört,und mmr Hats Njed Geschadet. Sie sehen Verbrecher ned am Aussehen an,es wird oft noch Beschrieben Wie er einen bitterbösen Blick zum Opfer sucht,oder abfällige bemerkungen macht.
und das Gabi "das Maul halten soll" wurde nicht oft gesagt,und es ist auch ned Ernst zunehmen da man einen Belustigten unterton Bei Tim UND Gabi hört,eine Stichele,mach ich selber auch so.

Hotte, 21.08.2014 12:22
Lustig, dass in dem Artikel das Wort "Blockwarte" benutzt wird. Ich erkenne in Menschen wie Katharina Mayer, Lucius Teidelbaum und Anatol Stefanowitsch eher die Blockwarte unserer Gesellschaft. Für mich sind sie die Gedankenpolizei, die uns political correctness vorschreiben will und überall Rassismus und Sexismus sehen.

Ratz, 29.05.2014 04:09
Also Rolf Kalmuczak haette was zum lachen gehabt. Wurde der Artikel schon unter Margot Honecker verfasst um die Jugendbuecher des Klassenfeinds zu diskreditieren und einen Hauch Faschismus zu unterstellen? Die wurden ja als Massenware aus rein kapitalistischen Gruenden verfasst und da bedient sich der Verfasser natuerlich aller Klichees zur Gewinnsteigerung. Das Lustige ist allerdings das bei TKKG saemtliche Gruppen verdroschen werden, auf keinen Fall wird da diskriminiert. Skinhead, Punk und Postbote kriegen alle Ihr Fett ab.
Auserdem gibts mehrere Folgen wo selbst dem Forstmeister misstraut wird wegen eines Italieners mit falschen Akzent. Also so ein bisschen Zivilcourage und jugendlicher Eigensinn sind schon verdammt gefaehrlich, also da sollten wir uns schon die Hoerspielprogramme anhoeren die dort oben vom journalistischen Leitorgan vorgeschlagen werden. Obendrein auch noch dieser militante Tierschutz von Gaby, das ist mit dem sozialistischen Humanismus natuerlich nicht vereinbar.
In diesem Sinne strecke ich Faust zum Gruss zu meinen lieben Genossen und Genossinen die den wahren Sinn dieser Buecher- und Hoerspielreihe erkannt haben!

Michael, 24.03.2014 01:46
Na dann hier mal das Ganze noch für den ja angeblich so unproblematischen Herrn Benjamin B.

http://www.bpb.de/apuz/28782/politik-bei-benjamin-bluemchen-und-bibi-blocksberg?p=all

Paul, 28.02.2014 15:21
Ist das hier Satire oder ernst gemeint??

Leude, Leude, 12.02.2014 23:31
@Mensch_in: Ich bin sogar furchtbar geschockt!

KS, 02.02.2014 17:01
War erst entsetzt von diesem Artikel, da ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass da etwas dran ist. Da es aber nur um die Hörspiele geht, und auch zitiert wird (und ich gehe mal einfach davon aus, dass diese Zitate stimmen), finde ich es auch schlimm. Ich selbst habe zwar kein einziges Hörspiel gehört , aber einige der Tivola Detektivspiele durchgespielt, und diese enthalten keinerlei solcher Inhalte, sondern sind stehts um Gerechtigkeit und Correctness, da muss kein Elternteil je besorgtsein.

Mensch_in, 04.12.2012 07:06
Ich bin so wütend, ich habe sogar einen Kommentar geschrieben!

Konrath, 01.11.2012 11:32
Sehr aufschlussreicher Artikel, doch Pippi Langstrumpf taugt gerade nicht als Vorreiterin gegen ein antiquiertes Rollenbild und rassistische Stereotype. Ganz im Gegenteil.

Dazu aus einem Beitrag des Sprachwissenschaftlers A. Stefanowitsch:
Da ist zum einen der "fette weiße Kapitän eines schwedischen Fischkutters, der wegen seiner Hautfarbe und prächtigen Körperfülle von den Bewohnern einer Südseeinsel zum König gemacht wurde", dann "dass die schwarzen Inselkinder ganz selbstverständlich davon ausgehen, 'dass weiße Haut viel feiner sei als schwarze'" und schließlich noch die unsägliche Situation, "dass Pippi von einem 'eigenen Neger' träumt, der sie mit Schuhcreme poliert".

Der ganze Beitrag:
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2011-08-11/pippi-geh-von-bord

Memnarch90, 31.10.2012 02:00
Naja....

1. Es ist ja keine neue Entdeckung, dass das in den TKKG-Hörspielen vermittelte Menschenbild problematisch ist. Verantwortungsbewusste Eltern müssten nur die zugegebenermaßen gut versteckte Quelle Wikipedia aufsuchen und sich den entsprechenden Artikel durchlesen.

2. Eine Disskusion über ebenjenes reaktionäres Menschenbild kann, obwohl dessen Existenz in TKKG-Hörspielen weithin bekannt ist, durchaus interessant sein. Jedoch finde ich die Kritik an der Namensgebung der Gruppe und der Protagonisten wie sie im Artikel geübt wird ("(...)schon wegen des unaussprechlichen Namens auf dem Müllhaufen der Geschichte landen(...)" oder "(...)dem reichlich platt gewählten Namen Vierstein(...)") recht fehl am Platze. Mit solchen Argumenten könnte man jede/s Kinderbuch/Kinderhörspielreihe, auch die im Artikel erwähnten Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und Pippi Langstrumpf, runtermachen.

3. Ich selber habe sehr gute Kindheitserinnerungen an TKKG, allerdings nicht wegen den Hörspielen (höchstens mal bei Freunden mitgehört) sondern wegen den PC-Adventures. Hier durfte auch Gaby ordentlich mitmischen und die "Bösewichte" waren keine Obdachlosen oder Roma. Ich weiss nicht ob Herr Kalmuczak an den PC-Versionen mitgewirkt hat. Aber sie sind auf jeden Fall ein Beispiel dafür, dass TKKG durchaus gute Unterhaltung bieten kann ohne geschwungenem konservativen Zeigefinger.

4. Außerdem weiss doch sowieso jeder, dass die drei Fragezeichen in allen Bereichen besser als TKKG sind und desshalb auch kommerziell viel erfolgreicher waren. Diese beste aller Alternativen hätte es eigentlich verdient gehabt im Artikel aufzutauchen.

Nichtsdestotrotz ist die journalistische Arbeit der "Kontext: Wochenzeitung", vorallem im politischen Bereich meiner Heimatstadt und dem dort herrschenden ungesunden Zeitungsmonopol, ein wahrer Segen und ich bin stolz darauf sie auch mit einer kleinen Summe jeden Monat finanziell zu unterstützen.

:D

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