KONTEXT Extra:
NSU-Prozesskosten bei etwa 50 Millionen Euro

Nach 313 Verhandlungstagen äußert sich Beate Zschäpe erstmals selbst im NSU-Prozess und gibt sich als geläutert - neue Erkenntnisse über die Morde liefert ihre Aussage allerdings nicht. Immerhin weiß die Presse nun, wie ihre Stimme klingt. Die Süddeutsche Zeitung findet: "klar, tief, weich, mit leichtem thüringischen Einschlag".

Wann der Marathonprozess (verhandelt wird seit Mai 2013) zu einem Ende kommen wird, scheint aktuell völlig unklar. Sicher ist hingegen: Mit jedem weiteren Verhandlungstag steigen die Kosten für das Verfahren. Und bald könnten diese über 50 Millionen Euro liegen. Im September 2013 sagte Karl Huber, damaliger Präsident des Oberlandesgerichts München, gegenüber dem Münchner Merkur, er schätze die Kosten des Verfahrens auf 150 000 Euro pro Verhandlungstag. Dies sei eine gewaltige Summe, "vor allem, wenn man bedenke, dass die Opfer oder Hinterbliebenen keinen einzigen Euro bekommen haben".

Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts bestätigt gegenüber Kontext, dass sich an der Kostenschätzung "im Wesentlichen nichts geändert" habe. Somit liegen die geschätzten Kosten aktuell bei etwa knapp 47 Millionen Euro. Die Sprecherin betont allerdings, dass es bislang noch keine genaue Kalkulation gibt - diese erstelle man erst nach Abschluss des Verfahrens. Dann wird die Rechnung an den Bund gestellt. (29.9.2016)


Blitzschnell gegen die AfD

Grüne, CDU, SPD und FDP wollen mit einer blitzschnell auf den Weg gebrachten Gesetzesänderung das Ansinnen der beiden AfD-Gruppierungen unterlaufen, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum  Linksextremismus in Baden-Württemberg durchzusetzen. Am kommenden Mittwoch wird der Landtag in erster und zweiter Lesung endgültig eine Änderung des Untersuchungsausschussgesetzes beschließen. Danach können weiterhin zwei Fraktionen das Minderheitenrecht zur Kontrolle von abgeschlossenem Regierungshandeln wahrnehmen, allerdings nur, wenn ihre Mitglieder nicht ein- und derselben Partei angehören. Nach der vorliegenden Tagesordnung wird die gespaltene AfD ihren Antrag unter Punkt zwei einbringen. Es folgt aber keine Abstimmung, sondern eine Überweisung an den Ständigen Ausschuss. Endgültig wird sich der Landtag am 12. Oktober mit dem Begehr befassen, mit dem unter anderem unterstellt wird, dass Linksextreme im Südwesten öffentliche Gelder bekommen. Dann ist allerdings das Gesetz geändert, und die Möglichkeit zur Antragstellung entfallen. Auch die Rechtsexperten der anderen vier Fraktionen schließen nicht aus, dass die AfD deshalb vor den Verfassungsgerichtshof zieht.


Übers Ohr gehauen

Martin Schreier war jahrelang freier Journalist und Fotograf für den Reutlinger General Anzeiger (GEA) und bekam nicht einmal den ihm zustehenden Mindestlohn. Dann hat er sich einen Anwalt genommen und sich die Kohle erstritten – Kontext hat berichtet. Am  Mittwoch, 21.9.,  um 19:30 Uhr,  berichtet der resolute Journalist zusammen mit dem ehemaligen Gewerkschaftssekretär Gerhard Manthey zum Thema „Wie Zeitungsverleger freie Journalisten übers Ohr hauen“ im Stuttgarter Clara-Zetkin-Haus. Sie werden ihre Erfahrungen teilen und erklären, wie sich Betroffene wehren können. Neben der skandalösen Tatsache, dass viele Zeitungsverlage Mindesthonorarvorgaben missachten, wehren sich nämlich viel zu wenig JournalistInnen gegen diese Zustände. (20.09.2016)


Das Schicksal der Jesidinnen in der Geißstraße

Die Stuttgarter Stiftung Geißstraße lädt für den morgigen Dienstag (20.9., 19 Uhr) zu einer Veranstaltung über "Das Schicksal der Jesidinnen". Zu Gast ist Michael Blume, der im Auftrag der Landesregierung weibliche und stark traumatisierte Opfer des IS medizinisch und psychologisch betreut hat. Im vergangenen Jahr waren 1000 Jesidinnen nach Baden-Württemberg gekommen. Blume war als Religionswissenschaftler und Referatsleiter im Staatsministerium mit der Leitung des Projekts betraut. "Eigentlich ist Michael Blume ein Beamter. Dass er in den Irak geflogen ist, um die Frauen dort rauszuholen, ist einfach eine anrührende Geschichte", erzählt Geschäftsführer Michael Kienzle. Nach dem Vortrag gibt es außerdem noch den SWR-Beitrag "Samias Rettung - Neue Heimat" zu sehen - ein Film über eine junge Jesidin in einem Flüchtlingslager im Nordirak. (19.9.2016)


Demo wie zu besten Zeiten

Stuttgart lebt – wie einst zu den Hochzeiten von S 21. Wie der BUND meldet, waren 40 000 Demonstranten auf den Beinen, um gegen TTIP und CETA zu protestieren. 320 000 seien es insgesamt in sieben deutschen Städten gewesen. Viele Junge dabei, viele Organisatoren, die aufgerufen haben, von Attac über den BUND, Gewerkschaften, Menschenrechtler, Friedensfreunde, Wohlfahrtsverbände bis zu Kirchen. Sogar fünf SPD-Fähnchen waren zu sehen. Und: Die Demo hat endlich mal wieder Laune gemacht. Auch dank Körpa Klauz ("Widerstand muss Spaß machen"), der auf der Bühne den Einheizer gab.

Artikel zu TTIP und CETA in der aktuellen Kontext:

Bundesweite Demos

Die Fronten bröckeln

Stolperstein CETA

Mehr dazu in der kommenden Kontext-Ausgabe.


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Rebell, Aufklärer und Master of suspense: Wolfgang Schorlau am Neckarufer in Heilbronn. Fotos: Joachim E. Röttgers

Rebell, Aufklärer und Master of suspense: Wolfgang Schorlau am Neckarufer in Heilbronn. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 240
Kultur

Dengler im Haifischbecken

Von Susanne Stiefel
Datum: 04.11.2015
Wolfgang Schorlau hat seinen achten Politthriller abgeschlossen. Seinen Ermittler schickt er mitten rein ins Feuer des NSU-Komplexes. Es geht um Rechtsradikalismus, internationale Geheimdienste und die Frage: Wer erschoss Michèle Kiesewetter? Kontext war mit Schorlau am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese.

Auf dem Frühstücksbrot liegen Apfelschnitze, die Kaffeetasse ist groß und voll, das Handy liegt griffbereit daneben. Es könnte ja noch eine Info kommen, eine heiße womöglich. Wolfgang Schorlau sitzt am Küchentisch in der Wohnung seiner Freundin, die nicht nur Rektorin der Kunstakademie ist, sondern als Journalistin auch gestrenge Erstleserin seiner Romane. Manchmal gibt er ihre Stuttgarter Altbauwohnung als seine eigene aus, "weil die schöner ist als meine", bekennt er. Ein jungenhaftes Grinsen wischt für einen kurzen Moment die Müdigkeit aus seinem Gesicht. Eine kleine Dosis Fiktion erleichtert den Alltag.

Der 64-Jährige hat eine harte Zeit hinter sich. In seinem neuesten Politthriller hat der Kriminalschriftsteller seinen Privatermittler Dengler in ein Haifischbecken geworfen, in dem die Haie ziemlich real und noch sehr lebendig sind. Er lässt den Stuttgarter Ex-BKA-ler zum "Nationalsozialistischen Untergrund", kurz NSU, ermitteln, während in München noch der Prozess gegen Beate Zschäpe läuft und in hessischen, nordrhein-westfälischen und baden-württembergischen Untersuchungsausschüssen versucht wird, die Wahrheit zum NSU-Komplex zu ermitteln. Am 12. November wird "Die schützende Hand" erscheinen.

Doch für Schorlau ist der Fall damit nicht abgeschlossen. "Wir gehen alle davon aus, dass wir in einem liberalen Land leben", sagt er: "Und dann wurde mir klar, dass wir wahrscheinlich in einem Land Leben, das in weiten Bereichen von den Amerikanern kontrolliert wird." Das steckt ein kritischer Zeitgenosse ebenso wenig weg wie die Erkenntnis, die er durch das Aktenstudium gewonnen hat: Dass die Ermittler den Bundestagsausschuss gnadenlos und schlecht angelogen haben. Dass der Verfassungsschutz mauert. Dass die Polizei schlampig ermittelt hat. Das riecht nach Vertuschung. Wer die Akten kennt, weiß, wo die Unwahrheit gesagt wurde. Dengler weist das akribisch nach.

Immer wieder schwappte die Realität auf Schorlaus Schreibtisch

In den vergangenen anderthalb Jahren, in denen Schorlau an seinem achten Politkrimi saß, sind immer wieder Zeugen gestorben, ganz plötzlich. V-Mann Corelli im Zeugenschutzprogramm an einer nicht erkannten Diabetes. Der rechte Aussteiger Florian Heilig in seinem ausgebrannten Auto. Dessen Ex-Freundin an einer Lungenembolie. Einen nicht abgeschlossenen Kriminalfall so tief nachzuermitteln, das hat noch kein Krimiautor gemacht. Immer wieder schwappte die Realität in die Fiktion und auf seinen Schreibtisch. Sie machte aus dem Schriftsteller einen Sachverständigen, der Anfang des Jahres vom NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart gehört wurde - und dessen Vertrauen in den Rechtsstaat gelitten hat. "Zerfleddert" nennt Schorlau diesen Zustand. Es war seine bisher anstrengendste und verstörendste Recherche.

Tatort Theresienwiese: Was wird noch alles ans Licht kommen?
Tatort Theresienwiese: Was wird noch ans Licht kommen?

Ein letzter Schluck Kaffee, eine längere Suche nach seinem Schal, bis er unter den vielen bunten der Freundin seinen dunklen herausgefischt hat, und die Aufforderung: "Fahren wir zur Theresienwiese." Tatortbegehung mit einem Schriftsteller, der die Wahrheit sucht. Das Handy steckt er ein. Man weiß ja nie.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wolfgang Schorlau gesellschaftliche Missstände zum Thema seiner Krimis macht. Er hat seinen Dengler durch die tier- und menschenfeindlichen Ställe der Fleischindustrie gejagt, er ließ ihn die bitteren Pillen der Pharmaindustrie schlucken oder die kriminellen Geschäfte mit Trinkwasser enthüllen. Sein Ermittler ist so politisch wie sein Autor, der immer genau weiß, worüber er schreibt. Es steckt viel Finden in Schorlaus Erfinden. Er ist ein Rechercheur, der nicht nur Spaß an der Jagd nach neuen Erkenntnissen hat, sondern sich auch hartnäckig in sein Sujet verbeißt.

Erstmals hatte er in dem langjährigen "Monitor"-Mitarbeiter Ekki Sieker einen investigativen Journalisten an seiner Seite. Der hat die Ermittlungsakten und Protokolle herbeigeschafft, durch die sich Schorlau gefressen hat. "Wie Ekki das gemacht hat, weiß ich nicht", sagt er am Heilbronner Neckar und guckt unschuldig durch seine zweigeteilte Brille, oben Weitsicht, unten Nahschärfe. Der Verlag hat alles rechtlich geprüft, die Fotos vom Inneren des Wohnmobils in Eisenach-Stregda, in dem Böhnhardt und Mundlos erschossen aufgefunden wurden, die Ermittlungsprotokolle. Das Handy schweigt beharrlich in der Jackentasche. 

Von keinem Geheimdienst der Welt lässt er sich die Lebenslust stehlen

Herbstliche Nebel steigen vom Neckar hoch auf die Theresienwiese, legen einen grauen Schleier über das verzweifelte Bunt der Bäume. An dem Transformatorenhäuschen nahe dem Ufer stand das Polizeiauto, hier wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen. Inzwischen ziert ein lachendes Graffiti die Wand. Schorlau schlägt den Kragen hoch. Dort oben an der Böschung fuhr ein Zeuge auf dem Rad vorbei, weiter unten am Ufer wurde einer gesehen, der sich das Blut abwusch. Der Stuttgarter NSU-Ausschuss hat sich im Sommer vor Ort ein Bild gemacht. Viel schlauer ist er nicht geworden. Ein Ermittler hat Schorlau gesagt: "Ein Zufall ist ok. Zwei machen misstrauisch. Und bei drei Zufällen stimmt was nicht." Im Fall Kiesewetter gibt es mehr als drei Zufälle. Und bei Wolfgang Schorlau machte sich Erkenntnisfurcht breit: Was kommt da noch alles?

Schorlau am Tatort.
Schorlau am Tatort.

Nun ist dieser Mann keiner, der sich so schnell ängstigt. Mit Morddrohungen hat er nur nach seinem ersten Dengler zu tun. "Du denkst, dass dir der Grimme-Preis angeboten wird, und dann das", sagt er mit einem Augenzwinkern. Nein, sein Telefon knackst heute nicht mehr als sonst, er sieht nicht hinter jedem Baum einen Schlapphut und Paranoia ist auch nicht sein Ding. "Ich bin ja nicht größenwahnsinnig", sagt er: "An dem Thema sind drei Dutzend brillante Journallisten dran, da werden die sich doch nicht ausgerechnet vor einem Kriminalschriftsteller fürchten. Aber vielleicht sollte ich mal im Rauchmelder nachschauen?" Den Humor und die Lebenslust will er sich von keinem Geheimdienst der Welt stehlen lassen.

Da greift er lieber zur Gegenwehr. Bevor Recherchen zur Depression führen, geht er mit netten Menschen - ganz wie sein private eye - gut essen und trinken in der Weinstube Vetter, wo er gern gesehener Stammgast ist. Bevor ihm am häuslichen Schreibtisch die Decke auf den Kopf fällt oder er mehr Joghurts aus dem Kühlschrank holt, als Wörter in den Computer hackt, flüchtet er in die bibliophile Disziplin der Landesbibliothek. Aber selbstverständlich kennt er auch die dortige Cafeteria ganz gut. "Einmal hieß ein Drink sogar Schorlanowska", erzählt er, "eine teuflische Mischung." Das Rezept verrät er nicht, es ist davon auszugehen, dass Alkohol mit im Spiel ist.

Seinen letzten Dengler-Satz ("Sie geben nicht auf, sie machen immer weiter") hat er erst vor Kurzem im Urlaub in den Bergen geschrieben, da sollte sein Manuskript schon längst beim Verlag sein. Doch wie immer hat Schorlau großzügig um den Abgabetermin herumgeschrieben, ein kreativer Schluri, der sich zu helfen weiß, voller Vertrauen in sich und seine Freunde, dass alles schon irgendwie klappt.

Tiefere Erkenntnis schließt tiefen Staat nicht aus 

Hat es auch immer. Etwa, als er mit Ende 40 den sicheren Job als IT-Manager hinschmiss, um sich ganz auf's Schreiben zu konzentrieren. Die Mutter war entsetzt, die Freunde hielten ihn für verrückt, aber sie haben ihn unterstützt. Es hat schon in Freiburg alles irgendwie geklappt, als Schorlau mit elf Jahren ins Waisenhaus kam und seine selbstgeschriebenen Groschenromanen für ein paar Pfennige an Mitschüler verkaufte. Es hat auch irgendwie geklappt, als er in den 70er-Jahren beim "Kommunistischen Bund Westdeutschland" die Welt verändern wollte, aber vor allem an der sexuellen Revolution interessiert war. So hat er sich charmant und kunstvoll durchs Leben geschlängelt, das Herz immer auf dem rechten linken Fleck.

Scharfen Blick auf die Unschärfen der Wirklichkeit.
Scharfen Blick auf die Unschärfen der Wirklichkeit.

Den Rebellen hat die Herausforderung gereizt. Der ehemalige KBW-Aktivist erkannte früh, dass einiges nicht stimmte in diesem Land. Als Lehrling demonstrierte er in Freiburg gegen die Erhöhung der Fahrpreise und verkaufte vor den Werktoren die "Kommunistische Volkszeitung". Und für seinen NSU-Krimi wollte er mehr herauszukriegen als all die vielen NSU-Ausschüsse. Ein ambitioniertes Projekt. Aber so ist das nun mal bei ihm. So sucht und findet er seine Plots - sie müssen ihn packen. Er hat lange geschwankt zwischen dem NSU und dem Tod von Bin Laden.

Dabei mutet er sich einiges zu. Aber auch seinen LeserInnen. Seitenlange Aktenzitate etwa. Fotos vom ausgebrannten Wohnmobil in Stregda. Fußnoten zur Erklärung. Und nicht zuletzt die Geschichte hinter der Geschichte. Die zweite Geschichte. Die tiefere Erkenntnis, die auch einen tiefen Staat nicht ausschließt. "Er sehnte sich nach seinem früheren unschuldigen Glauben an die Demokratie zurück", schreibt Schorlau einem thüringischen Ermittler zu. Nun haben in Berlin alle Fraktionen einen zweiten NSU-Untersuchungsausschuss beantragt, auch in Baden-Württemberg wird es weitergehen. Der Schriftsteller mit dem scharfen Blick auf die Wirklichkeit freut sich.

Das Handy klingelt erst auf der Rückfahrt nach Stuttgart. Das Gespräch dauert lange, erst leise, dann lauter tönt es vom Rücksitz: "Alle Waffen waren durchgeladen... ok. Ja. Hab' lange mit meinem Verfassungsschutzinformanten gesprochen... Ja. Hm. ... Der hat denen nicht erzählt, dass er beim Ku Klux Klan ist. ... Nein... Ich bin sicher, dass die Amis ihn umgedreht haben, aber das ist Spekulation ... Fokussieren. Gut. Ja." Es war nicht der Verlag. Es war der Regisseur Lars Kraume, der schon den ersten Dengler-Krimi verfilmt hat. Keine Spur mehr von Müdigkeit bei Wolfgang Schorlau. "Das wird der dritte Fernseh-Dengler", sagt er. Hat doch mal wieder geklappt.

In der nächsten Kontext veröffentlichen wir einen Vorabdruck aus Wolfgang Schorlaus "Die schützende Hand".

 

Info:

Der Schriftsteller und Kontext-Redakteurin Susanne Stiefel.
Der Schriftsteller und Kontext-Redakteurin Susanne Stiefel.

Am 12. November kommt "Die schützende Hand" in den Buchhandel. Vormittags von 10 bis 12 Uhr ist Wolfgang Schorlau Gast bei SWR-Leute, abends um 20 Uhr stellt er sein Buch im Stuttgarter Hospitalhof vor.

Am 15. November liest und diskutiert er ab 11 Uhr mit Gregor Gysi im Deutschen Theater in Berlin.

Weitere Lesungen gibt es am 16. November 2015 in Eberswalde, am 18. November 2015 in Herrenberg und am 19. November in Tübingen.


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Kommentare

Barolo, 10.11.2015 11:10
Hallo Gela, ich glaube wir sind gar nicht so weit auseinander. Ich habe nur langsam eine Allergie, wenn ich im Zusammenhang mit dem Polizistenmord, den Dönermorden und dem NSU von Fehlern, Versagen, Problemen etc lese.
Die Menge an Weglassen, Nichtermitteln, Aktenmanipulation, Aktenverschwinden, Erfinden von Nebelkerzen (nicht nur die Wattestäbchennummer) ist dermassen gigantisch gross und startet schon mit dem Tattag, daß hier das Wort "Fehler" gestrichen werden muss und durch das Wort "Vertuschungsversuche" ersetzt werden muss. Oder wie oben im Artikel steht ""Ein Zufall ist ok. Zwei machen misstrauisch. Und bei drei Zufällen stimmt was nicht."

Da alle beteiligten Behörden (Polizei, LfV, BfV, LKA, BKA, GBA etc) hierarchisch aufgebaut sind, muss auch nachvollziehbar sein, wer wem einen bestimmten Befehl bzw eine Anordnung gegeben hat. An dieser Stelle wird aber nie nachgebohrt, weder beim PUA noch in München. In Thüringen sieht es nur minimal besser aus. (Russlungenlüge auffgedeckt)

Und sollte ein Ausschussmitglied wirklich nicht wissen, welche Fragen denn zielführend sind, dann könnte es sich sehr leicht durch Lesen Anregungen holen.
Ich war schon mal versucht eine Liste zu schreiben:
Die wichtigen Fragen, welche am nächsten Sitzungstag garantiert NICHT gestellt werden.

Mein Fazit:
Das o.g. Verhalten ist ein starkes Indiz, daß es kein echtes Interesse gibt eine wirkliche Aufklärung zu betreiben.
Alle Beteiligten, inklusive der Nebenklägeranwälte und den MSM unterwerfen sich, aus unterschiedlichen Gründen, der Staatsräson die es nicht ertragen könnte, daß bestimmte Menschen sofort ihren Posten verlören.
Es sind leider nur wenige mutige Einzelkämpfer wie Schorlau, welche den Mut haben den Kant rauszulassen.
Und weil Sapere aude immer etwas verkürzt ist hier der ganze Teil:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündgkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Sapere Aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.
Es ist so bequem unmündig zu seyn.
Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurtheilt. u.s.w, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.

Gela, 09.11.2015 19:31
@ Barolo: ich spreche ja nicht nur von" bösen Fehlern" und stelle nicht nur die Frage nach"Schlamperei" bei den Verfassungsschützern, sondern auch weitere Fragen: nach Rechtsblindheit und aktiver Unterstützung des NSU. Aber Sie haben recht: Sie stellen auch berechtigte Fragen , ich hätte Sie nicht in meine (ansonsten berechtigte Kritik an vielen Kommentatoren zu Kontext-Beiträgen) einbeziehen sollen!

Peter Schey, 09.11.2015 15:29
Kleine Pointe am Rande:

Soeben melden Nachrichtenagenturen, daß Beate Zschäpe am Mittwoch umfassend aussagen will...

Barolo, 09.11.2015 14:19
@Gela,
es ist wirklich interessant wenn man auf die Sprache schaut. Sie sprechen von "bösen Fehlern" und "Schlamperei".
Ich stelle nur Fragen die jeder stellen kann und zeige auf eigentlich unmögliche Widersprüche. Und auf Mitarbeiter von Behörden, welche diese Widersprüche produzieren.
Ein Beispiel: Können Sie den einfachen Widerspruch klären, wie die Uwes sich erschiessen konnten ohne Fingerabdrücke an den Waffen zu hinterlassen? Und warum trotz der zentralen Russlungenlüge von Ziercke und Range eben kein Russ bei beiden Uwes in der Lunge war?
Allein mit dem Wissen um diese zwei Tatsachen ist es eigentlich unmöglich auf einen Uwe Selbstmord zu schliessen.
Und wenn Sie diese in den Ermittlungsakten festgehaltenen Widersprüche als Paranoia bezeichnen, dann leben Sie vielleicht gerne ohne Erkenntnis und lassen sich vielleicht auch gerne auf den Arm nehmen.
Da bin ich anders gestrickt.
Auch wenn ich nicht alles weiss, so muss ich nicht bei jedem per MSM verbreiteten Mist meinen Verstand auf Urlaub schicken.

P.S.: Also böse Fehler sind vermutlich schon gemacht worden, aber eben nicht beim aufdecken sondern eher beim vertuschen ;-)

Peter Schey, 09.11.2015 08:27
Vollkommen überrascht - da auf den 12. November als Erstverkaufstag fixiert - sah ich das Buch bereits am Samstag in der Auslage einer Buchhandlung. Tja ...

Will mich vielleicht jemand fragen, was ich den Rest des Wochenendes trieb ? Oder woher mein zufriedenes Lächeln kommt ?

Liane, 08.11.2015 23:47
in einer zeit wo ein linkes denken, ein linkes visionieren dringend erforderlich ist, scheint eine bewusste lust am mobbing link gegen link tagesspiel zu sein......
dazu gehört mittlerweile die #wer nicht meiner meinung ist sympatisiert mit den rechten# und wichtig ist dabei der spruch #uns geht 'doch gut'#
dabei wird fast immer die historie,also die seit ca 30 jahre andauernde entdemokratisierung, vergessen, die vielfalt der desaströsen vorkommnisse und die zustaende all jener 'institutionen', die ein garant fuer die #beste der demokratien der welt# bilden sollen.
ein #alles ist gut, geht shoppen# klingt durch die zeilen

kritiker werden gnadenlos verleumdet und gemobbt, so dass die hauptverantwortungstragenden sich still und leise aus dem fokus ziehen können.... (so werden buerger gegen buerger gehetzt, und die taeter sind in schutzzonen)
SO wird der rechten, den menschenfeindlichen rattenfaenger zugetrieben....

guantanamo ohne reaktion der besten demokratie der welt
NSA....juckt uns nicht
finanzbeamte oder kritische richter in die psychiatrie.....egal
weltweite zockermentalitaet.... super...keine haftung
massiver diepstahl, ups privatisierung von volkseigentum zu gunsten Einger.... machtwirtschaft
drohnenkriege ohne jede reaktion der weltweiten richterschaft......
deutschland ist einreiseland der mafia.....aber hier sind die alle brav....
gesundheitssysteme sind zum klassensystem verkommen
bildungssysteme auch,

meine liste ist lang, die da die waagschale gen scheindemokratie, gen fassadendemokratie senken laesst....
80 %der bevölkerung vertrauen den systemen nicht mehr..... eine firma wuerde da pleite machen und massiv gegenlenken..... unsere wohlstandsverwoehnten staatssysteme brauchen sich nicht aendern......im gegenteil...sie versorgen sich immer mehr mit wohlstansverwoehnenden mitteln...

Gela, 05.11.2015 22:53
Es ist wohl keine Frage, dass im Verfassungsschutz böse Fehler gemacht worden sind und dass da noch viel geklärt werden muß: was war Schlamperei, was war Prestigedenken, was war Rechtsblindheit, was war aktive Unterstützung des NSU?
Aber offenbar ist eine weitere Aufklärung gar nicht nötig, denn Leute wie @Blender und @Barolo u.a. wissen ja sowieso schon, daß der Verfassungsschutz eine kriminelle Vereinigung ist, der mordet und lügt. Sie wissen, dass natürlich alle etablierten Parteien ( außer den Linken) und die Regierungen in Bund und Land auch kriminell sind.
Das nenne ich Paranoia. So schön einfach gedacht, alles passt. Genau so unerschütterlich glauben die Rechten von Pegida etc. an ihre Feindbilder, nur sind es eben andere, gefährlichere.

Warum ärgert mich das so? Weil mein Herz auch links schlägt und ich nicht möchte, dass man die Linken nicht mehr ernst nehmen kann. Weil ich der Meinung bin, dass wir in einem der besten Staaten der Welt leben, in dem es viel Freiheit, viel Toleranz und ziemlich viel Gerechtigkeit gibt. Leider gibt es auch eine Menge Missstände und Ungerechtigkeiten, die sowohl im System als auch im Egoismus der Menschen begründet sind - aber es ist eben kritischen Journalisten wie von Kontext ( aber auch von bürgerlichen Blättern) doch möglich , diese aufzudecken, jedoch nur durch sorgfältige Recherchen und nicht durch Verbreiten von Vorurteilen und pauschalem Schlechtreden von allen Institutionen..

Barolo, 04.11.2015 17:31
Hallo Blender, macht Sie nicht stutzig, daß in den einschlägigen Kreisen der NSU so gut wie unbekannt war?
Was an sich schon seltsam ist wenn man keinerlei Bekennerschreiben a la RAF verschickt. Weder bei den Kurden, den Türken, dem Griechen oder der Polizistin.
Allerdings fragte ich mich bei Schorlaus Aussage "An dem Thema sind drei Dutzend brillante Journallisten dran," wo denn diese 36 Journalisten sind.
Und was die genau machen.
Den Finger in die Wunde legen?
Etwa den Mord an den Uwes einen Doppel-Mord nennen?
Die Russlungenlüge dokumentieren?
Ist doch beides leicht zu beweisen.
Wo sind die 36 Journalisten und ein paar Zeitungen, die dieses für die breite Masse rausblasen?
Denn danach wird es doch erst richtig spannend.
Denn wenn einmal klar ist, daß man 10 Morde bei den Uwes entsorgen will, dann fragt sich doch sicherlich jeder brilliante Journalist: Was treibt denn einige unserer Verfassungsschützer/LKA/BKA zu einer solchen Verzweiflungstat? Das macht man ja nicht ohne Not und die war anscheinend sehr groß. Stand etwa die Aufklärung des Polizistenmordes bevor? Und wäre dies ein Disaster für manche Leute gewesen?
Also Herr Schorlau, es gibt schon einige wenige Journalisten, welche sich mit dem NSU-Märchen beschäftigen. Die allermeisten werfen allerdings mehr Nebelkerzen (Desinformtion) als Licht ins Dunkel zu bringen.
Und wer kürzlich die ARD angeschaut hat................da wird ja nachweisbar gelogen, daß sich die Balken biegen. Da kann also keiner von den 36 genannten Journalisten sitzen.

P.S.: Herr Schorlau, ich kauf auf jeden Fall ein Exemplar von Ihnen!

Blender, 04.11.2015 15:07
@"Ein Zufall ist ok. Zwei machen misstrauisch. Und bei drei Zufällen stimmt was nicht."
Meines Erachtens konnte der NSU von einschlägigen Kreisen nicht übersehen worden sein. Es gibt nur einen Schluss den man ziehen kann: der Verfassungsschutz ist eine kriminelle Vereinigung die ihre Verbrechen außerhalb staatlicher Kontrolle aber staatlich geschützt verübt. Auch aus dem ersten NPD Verbotsverfahren wurden die falschen Schlüssen gezogen, indem gesagt wurde, die NPD kann nicht verboten werden solange sie von Verfassungsschutz V-Menschen unterwandert ist. Die Richtige Schlussfolgerung wäre gewesen die NPD und den Verfassungsschutz gleichzeitig zu verbieten, weil beide offensichtlich rechtsstaatfeindliche Ziele verfolgen.

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Ich kann dem Kommentator E-F Harmsen nur zustimmen. Als Tochter eines ehemaligen KZ-Häftlings habe ich deshalb die große Sorge, dass sich die gleiche Situation anbahnt wie 1933 - die Bilder gleichen sich zu sehr!

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