KONTEXT Extra:
NSU-Prozesskosten bei etwa 50 Millionen Euro

Nach 313 Verhandlungstagen äußert sich Beate Zschäpe erstmals selbst im NSU-Prozess und gibt sich als geläutert - neue Erkenntnisse über die Morde liefert ihre Aussage allerdings nicht. Immerhin weiß die Presse nun, wie ihre Stimme klingt. Die Süddeutsche Zeitung findet: "klar, tief, weich, mit leichtem thüringischen Einschlag".

Wann der Marathonprozess (verhandelt wird seit Mai 2013) zu einem Ende kommen wird, scheint aktuell völlig unklar. Sicher ist hingegen: Mit jedem weiteren Verhandlungstag steigen die Kosten für das Verfahren. Und bald könnten diese über 50 Millionen Euro liegen. Im September 2013 sagte Karl Huber, damaliger Präsident des Oberlandesgerichts München, gegenüber dem Münchner Merkur, er schätze die Kosten des Verfahrens auf 150 000 Euro pro Verhandlungstag. Dies sei eine gewaltige Summe, "vor allem, wenn man bedenke, dass die Opfer oder Hinterbliebenen keinen einzigen Euro bekommen haben".

Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts bestätigt gegenüber Kontext, dass sich an der Kostenschätzung "im Wesentlichen nichts geändert" habe. Somit liegen die geschätzten Kosten aktuell bei etwa knapp 47 Millionen Euro. Die Sprecherin betont allerdings, dass es bislang noch keine genaue Kalkulation gibt - diese erstelle man erst nach Abschluss des Verfahrens. Dann wird die Rechnung an den Bund gestellt. (29.9.2016)


Blitzschnell gegen die AfD

Grüne, CDU, SPD und FDP wollen mit einer blitzschnell auf den Weg gebrachten Gesetzesänderung das Ansinnen der beiden AfD-Gruppierungen unterlaufen, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum  Linksextremismus in Baden-Württemberg durchzusetzen. Am kommenden Mittwoch wird der Landtag in erster und zweiter Lesung endgültig eine Änderung des Untersuchungsausschussgesetzes beschließen. Danach können weiterhin zwei Fraktionen das Minderheitenrecht zur Kontrolle von abgeschlossenem Regierungshandeln wahrnehmen, allerdings nur, wenn ihre Mitglieder nicht ein- und derselben Partei angehören. Nach der vorliegenden Tagesordnung wird die gespaltene AfD ihren Antrag unter Punkt zwei einbringen. Es folgt aber keine Abstimmung, sondern eine Überweisung an den Ständigen Ausschuss. Endgültig wird sich der Landtag am 12. Oktober mit dem Begehr befassen, mit dem unter anderem unterstellt wird, dass Linksextreme im Südwesten öffentliche Gelder bekommen. Dann ist allerdings das Gesetz geändert, und die Möglichkeit zur Antragstellung entfallen. Auch die Rechtsexperten der anderen vier Fraktionen schließen nicht aus, dass die AfD deshalb vor den Verfassungsgerichtshof zieht.


Übers Ohr gehauen

Martin Schreier war jahrelang freier Journalist und Fotograf für den Reutlinger General Anzeiger (GEA) und bekam nicht einmal den ihm zustehenden Mindestlohn. Dann hat er sich einen Anwalt genommen und sich die Kohle erstritten – Kontext hat berichtet. Am  Mittwoch, 21.9.,  um 19:30 Uhr,  berichtet der resolute Journalist zusammen mit dem ehemaligen Gewerkschaftssekretär Gerhard Manthey zum Thema „Wie Zeitungsverleger freie Journalisten übers Ohr hauen“ im Stuttgarter Clara-Zetkin-Haus. Sie werden ihre Erfahrungen teilen und erklären, wie sich Betroffene wehren können. Neben der skandalösen Tatsache, dass viele Zeitungsverlage Mindesthonorarvorgaben missachten, wehren sich nämlich viel zu wenig JournalistInnen gegen diese Zustände. (20.09.2016)


Das Schicksal der Jesidinnen in der Geißstraße

Die Stuttgarter Stiftung Geißstraße lädt für den morgigen Dienstag (20.9., 19 Uhr) zu einer Veranstaltung über "Das Schicksal der Jesidinnen". Zu Gast ist Michael Blume, der im Auftrag der Landesregierung weibliche und stark traumatisierte Opfer des IS medizinisch und psychologisch betreut hat. Im vergangenen Jahr waren 1000 Jesidinnen nach Baden-Württemberg gekommen. Blume war als Religionswissenschaftler und Referatsleiter im Staatsministerium mit der Leitung des Projekts betraut. "Eigentlich ist Michael Blume ein Beamter. Dass er in den Irak geflogen ist, um die Frauen dort rauszuholen, ist einfach eine anrührende Geschichte", erzählt Geschäftsführer Michael Kienzle. Nach dem Vortrag gibt es außerdem noch den SWR-Beitrag "Samias Rettung - Neue Heimat" zu sehen - ein Film über eine junge Jesidin in einem Flüchtlingslager im Nordirak. (19.9.2016)


Demo wie zu besten Zeiten

Stuttgart lebt – wie einst zu den Hochzeiten von S 21. Wie der BUND meldet, waren 40 000 Demonstranten auf den Beinen, um gegen TTIP und CETA zu protestieren. 320 000 seien es insgesamt in sieben deutschen Städten gewesen. Viele Junge dabei, viele Organisatoren, die aufgerufen haben, von Attac über den BUND, Gewerkschaften, Menschenrechtler, Friedensfreunde, Wohlfahrtsverbände bis zu Kirchen. Sogar fünf SPD-Fähnchen waren zu sehen. Und: Die Demo hat endlich mal wieder Laune gemacht. Auch dank Körpa Klauz ("Widerstand muss Spaß machen"), der auf der Bühne den Einheizer gab.

Artikel zu TTIP und CETA in der aktuellen Kontext:

Bundesweite Demos

Die Fronten bröckeln

Stolperstein CETA

Mehr dazu in der kommenden Kontext-Ausgabe.


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Ausgabe 168
Gesellschaft

Kinderhölle Korntal

Von Susanne Stiefel
Datum: 18.06.2014
Er verlor seine Familie, seinen Beruf und die Kraft, weiterzuleben. Sein Leben lang hat Detlev Zander unter den Folgen der Misshandlungen gelitten, die ihm als Heimkind der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal angetan wurden. Nun hat er den Mut, zu reden. Er will, dass die Verantwortlichen, die sich gerne fromm geben, zur Rechenschaft gezogen werden.

Dieser Mann hat sich einen Panzer angelegt, um zu überleben. Ein beherrschtes Gesicht, in dem die schwarze Brille dominiert, schmale Lippen und ruhige Hände, die über den Aufruhr und die Zerrissenheit in seinem Inneren hinwegtäuschen sollen. Jahrzehntelang hat Detlev Zander die Demütigungen und den Missbrauch aus seiner Zeit als Heimkind verkapselt in seinem Inneren wie einen giftigen Fremdkörper, hat die Schläge erfolgreich verdrängt, die Lieblosigkeit und die Respektlosigkeit, unter der er im Hoffmannhaus der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal bei Stuttgart leiden musste. Seine Überlebensstrategie funktionierte bis vor fünf Jahren, dann brach die Kapsel auf, die Erinnerungen überschwemmten ihn klirrend klar und kalt, und Detlev Zander brach zusammen. Er konnte nicht mehr schlafen, er wurde krank, er verlor seinen Job als Krankenpfleger, der Suizidversuch schlug fehl, und das traumatisierte Heimkind wusste: "Entweder offen kämpfen oder abtreten." Der 53-Jährige hat sich fürs Kämpfen entschieden und einen Anwalt genommen. Jetzt fordert er 1,3 Millionen Euro Schadenersatz für erlittenes Leid.

Ex-Zivi Uli Scheuffele vor dem Hoffmannhaus in Korntal heute. Foto: Benny Ulmer
Ex-Zivi Uli Scheuffele vor dem Hoffmannhaus in Korntal heute. Foto: Benny Ulmer

Uli Scheuffele hat sich geschworen, nie mehr einen Fuß nach Korntal zu setzen. Anfang der 70er-Jahre hat Scheuffele Korntal geradezu erwählt. Genau dort, in der Evangelischen Brüdergemeinde, wollte der junge Mann, der aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigerte, seinen Zivildienst ableisten. Doch was er erlebte, hat ihn vom Glauben abfallen lassen. Er wurde vom damaligen Heimleiter Werner Bizer aufgefordert, "die Kinder doch mal ordentlich zu prügeln, die Erzieher dürften das ja nicht". Scheuffele berichtet von der lieblosen Behandlung der Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen, von Tellern voll verschimmelter Wurst, davon, dass die Zivis als Vaterlandsverräter verachtet wurden und "Erzieher nach dem Gesangbuch und nicht nach ihrer pädagogischen Eignung ausgesucht wurden".

Der 62-Jährige ist ein beständiger Mann, seit 36 Jahren arbeitet er im Vertrieb von SWF in Bietigheim, seit 25 Jahren ist er verheiratet, und was er sich vornimmt, pflegt er einzuhalten. Dass er nun an diesem sonnigen Sonntag dennoch, zum ersten Mal nach 40 Jahren, das Hoffmannhaus in Korntal besucht, liegt an Detlev Zander. Uli Scheuffele kennt ihn aus seiner Zivildienstzeit als "schüchternen, zurückhaltenden Jungen", den er wegen seiner Brille scherzhaft "den Professor" nannte. "Es ist erschreckend, was ihm und vielen anderen Kindern damals dort angetan wurde", sagt Scheuffele und zeigt auf den Fahrradkeller. Dort soll der Hausmeister Detlev Zander jahrelang missbraucht haben. Der Ex-Zivi will das Ex-Heimkind unterstützen.

Die Zivis (Scheuffele mit Hut) bei der Arbeit in Korntal. Foto: privat
Die Zivis (Scheuffele mit Hut) bei der Arbeit in Korntal. Foto: privat

Die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist seit 30. April 2014 mit der Androhung der Schadenersatzklage konfrontiert. 14 Jahre lang hat Detlev Zander im Hoffmannhaus gelebt, er klagt an, dass er mehrfach missbraucht und körperlich und seelisch schwer misshandelt wurde. "Wir sagen nicht, dass es den Missbrauch nicht gegeben haben könnte", sagt der Sprecher der Brüdergemeinde, Manuel Liesenfeld, gegenüber Kontext. Dennoch hat die pietistische Brüdergemeinde beantragt, Zanders Antrag auf Prozesskostenhilfe zurückzuweisen, weil seine Aussagen nicht glaubwürdig seien. Kürzlich hat Liesenfeld Detlev Zander den Handschlag verweigert. "Er fordert eine hohe Summe von uns und will mir die Hand geben", sagt Liesenfeld, "was erwartet dieser Mann denn?"

Respekt und Anerkennung wurden dem Heimkind ein Leben lang verweigert

Detlev Zander erwartet nicht, dass ihm sein Leben zurückgegeben wird. Dazu ist er zu klug. Zander will Gerechtigkeit. Und er weiß, dass er die nur erreichen kann, wenn er sein Schweigen bricht. Und so sitzt er im Büro eines Ingenieurs im niederbayerischen Plattling, der dem Freund diesen Raum für das Gespräch zur Verfügung gestellt hat, weil Zander seine Wohnung als sicheren Ort des Rückzugs hütet wie ein Ei, dessen Schale leicht zerbrechen kann. Vor sich einen dicken Ordner mit Schriftverkehr, Broschüren und seinen Erinnerungen, die er seit seinem Zusammenbruch sammelt und festhält. Das Grauen hat er zwischen zwei graue Aktendeckel gepresst, in denen er immer wieder blättert, um seine Erzählungen zu untermauern. Nun, da er sich entschlossen hat zu reden, kann er nicht mehr aufhören damit. Dieser Mann erwartet nur, was ihm ein Leben lang verweigert wurde: Respekt und Anerkennung. Eine Entschuldigung der Verantwortlichen. Die unabhängige Aufarbeitung der Geschichte des Heims, damit kein Kind mehr leiden muss wie er. Und eine Entschädigung. In dieser Reihenfolge. "Es geht mir nicht um Geld", sagt der Mann, der schon im Juni 2013 das Gespräch mit den Brüdern gesucht hat.

Detlev Zander heute vor seinem Aktenordner voller schlechter Erinnerungen. Foto: Susanne Stiefel
Detlev Zander heute vor seinem Aktenordner voller schlechter Erinnerungen. Foto: Susanne Stiefel

Die zehnköpfige Kindergruppe, zu der der junge Detlev im Hoffmannheim gehörte, trug den schönen Namen Rotkehlchen. Wenn der Junge, weil er schlecht sah, stürzte, hat ihn seine Gruppenleiterin, die die Kinder Tante Gerda nannten, ausgelacht und geschlagen. Weihnachtsgeschenke gab es nur am Heiligen Abend, die Kinder durften sie auspacken und ansehen, danach wurden sie weggeschlossen. Schwester Gerda, die aus der damaligen DDR kam, hat sie, so vermutet Detlev Zander, an Freunde im Osten geschickt. Wenn er einnässte, wurde er geschlagen und am Penis  gezogen. Wenn das Essen nicht schmeckte, kam extra viel auf den Teller, und die Kinder wurden gezwungen, alles aufzuessen. Wenn Rotkehlchen Detlev erbrach, musste er das Erbrochene essen. Und zur Strafe wurde er stundenlang in einen dunklen Raum in den Wäschekorb eingesperrt.

Die Aufschriebe Detlev Zanders lesen sich wie ein grausamer Horrorroman, seine Erzählungen wie aus dem Haneke-Film "Das weiße Band". Und wenn er davon erzählt, kann auch sein undurchdringlicher Panzer nicht über die innere Verzweiflung hinwegtäuschen. Vom Hausmeister wurde er im Fahrradkeller über Jahre fast täglich sexuell missbraucht. "Keiner der Brüder und Schwestern der Evangelischen Brüdergemeinde kann sich vorstellen, was wir alle im Namen Jesus erleben mussten", sagt Zander. Seine Ausführungen hat er eidesstattlich versichert. Der damals verantwortliche Heimleiter ist tot. Der Hausmeister hat in den 80er-Jahren Selbstmord begangen. Doch Tante Gerda lebt noch. Sie ist 84 Jahre alt. 

Er rang um Normalität wie ein Ertrinkender

Detlev Zander hat verzweifelt versucht, fern von Korntal Fuß zu fassen. Er holte das Abitur nach. Er wurde Krankenpfleger, weil er dachte, "Ärzte und Schwestern tun dir nicht weh", und merkte schnell, dass er die körperliche Nähe zu den Patienten nicht ertrug, also spezialisierte sich Pfleger Zander auf den OP und den Gipsraum, und er war gut darin. Er arbeitete im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus, in der Filderklinik. Er heiratete, weil das normal war und das ehemalige Heimkind um jedes Stück Normalität rang wie ein Ertrinkender. Er hatte es geschafft, so meinte er damals. Zur Hochzeit lud er Tante Gerda ein, sie war sein Mutterersatz, auch wenn sie grausam war, um deren Anerkennung und Respekt er Zeit seines Lebens gerungen hat wie jedes misshandelte Kind. Heute wird ihm genau dies zum Vorwurf gemacht.

Die Kindergruppe Rotkehlchen vor dem Hoffmannhaus (1968, auf dem Roller: Zander)). Foto: privat
Die Kindergruppe Rotkehlchen vor dem Hoffmannhaus (1968, auf dem Roller: Zander). Foto: privat

Doch die Ehe mit den zwei Kindern zerbrach nach acht Jahren, weil Detlev Zander die Nähe zu seiner Familie nicht aushielt und nicht darüber reden konnte, was er so weit verdrängt hatte. Weil er zerstören musste, was ihm guttat. Weil er Freundlichkeit und Normalität nicht gewohnt war. Heute wohnt er alleine hier in Plattling, einsam fühlt er sich oft, verlassen, seit August 2013 ist er arbeitsunfähig. "Wollen wir mal eine Zigarette rauchen", fragt er unvermittelt, "ich brauche eine Pause."

Draußen vor der Tür zieht er gierig an seiner Zigarette, taucht auf aus der Vergangenheit, bemerkt die Hitze, die ihm den Schweiß auf die Stirn treibt, erzählt von den schwäbischen Brezeln, die er vermisst. Und die Zigarettenkippe packt er wieder ein. "Zucht und Ordnung", sagt Detlev Zander, "das haben wir schließlich im Heim gelernt." Und lacht tatsächlich. Das Lachen, und mag der Humor noch so schwarz sein, will er sich zurückerobern. Er braucht es, um die Auseinandersetzung mit der Brüdergemeinde Korntal durchzustehen.

Zander hat sich eine größere Sensibilität der Brüdergemeinde erhofft

Dort hat sich Detlev Zander im Juni 2013 zum ersten Mal gemeldet und seine Leidensgeschichte erzählt. Zuversichtlich war er zunächst, weil ihm der derzeitige Pfarrer sichtlich geschockt zugehört hat. Vertrauensvoll war er, weil er den Geschäftsführer "als Korntaler Buben" kennt, der Veit und der Detlev duzen sich. Doch schon das erste offizielle Gespräch war ein Schock: Das Treffen fand in den ehemaligen Gruppenräumen der Rotkehlchengruppe statt. Und auch wenn diese inzwischen zu Büroräumen umgewandelt sind, traf das den traumatisierten Mann ins Mark. Seine Akten fand er auf dem Speicher des Hoffmannhauses, achtlos auf den Boden geworfen, in dem Zimmer, in dem früher der Schuhappell exerziert wurde. Die Hoffnung auf einen respektvollen und sensiblen Umgang verflog vollends, als er über den großen Verteiler einen Bettelbrief von Manuel Liesenfeld erhielt, in dem der um Spenden für ein Sofa für die Jugendhilfe warb. "Ein ruhiger Platz für die aufgeschreckte Seele" lautete die Überschrift. Es war ein weiterer Knacks für die aufgeschreckte Seele Zanders. "Ich wurde immer wieder vertröstet und hingehalten", sagt Zander. Er übergab seinen Fall an den Rechtsanwalt Christian Sailer, der schon österreichische Heimkinder vertreten hat.

Die Rotkehlchen mit ihrer Gruppenleiterin. Mit Brille: Zander und sein Bruder. Foto: privat
Die Rotkehlchen mit ihrer Gruppenleiterin. Mit Brille: Zander und sein Bruder. Foto: privat

Inzwischen haben sich die Anwälte von zwei weiteren Heimkindern gemeldet, die ebenfalls Schadenersatz fordern. Bei der Brüdergemeinde soll seit Mai 2013 eine Kommission für Aufklärung sorgen. "Warum ist dort kein ehemaliges Heimkind dabei?", fragt Zander. Seit einem Jahr drängt er auf eine unabhängige, wissenschaftliche Aufarbeitung der Heimgeschichte. Getan hat sich nichts. Pressesprecher Liesenfeld sagt heute: "Im Herbst kann ich mehr dazu sagen."

Uli Scheuffele hat mit Detlev Zander Kontakt aufgenommen. Der Ex-Zivi und das ehemalige Heimkind telefonieren fast täglich. Scheuffele ist einer der wenigen, die das Hoffmannhaus und seine Lehrer, Erzieher und Bewohner noch kennen. Er weiß, wovon Zander spricht, wenn er die Grausamkeit anklagt, mit der Tante Gerda die Kinder brach. Damals in den 70er-Jahren hat Uli Scheuffele an das Bundesamt für Zivildienst in Bonn geschrieben und sich über die Behandlung von Kindern und Zivis beschwert. Der Brief kam zurück mit der Bemerkung, dass man nur mit Unterschrift der Korntaler Heimleitung tätig werde. Kürzlich hat Scheuffele einen Brief an den evangelischen Landesbischof Frank Otfried July geschrieben, von seinen Erfahrungen als Zivi berichtet und den Bischof aufgefordert, den Korntaler Brüdern auf die Finger zu sehen. Er hat bisher keine Antwort erhalten.

"Es kann doch nicht sein, dass man den Detlev so alleine lässt", sagt Scheuffele. Und so hat er seinen Schwur gebrochen und ist nach 40 Jahren wieder nach Korntal gekommen. Es ist ruhig an diesem Sonntag, zwei Kinder radeln schweigend um den großen Spielplatz. Scheuffele zeigt den Fahrradkeller, die Gruppenräume der Rotkehlchen, hier wohnte der Hausmeister, dort war der Essensraum. Vieles hat sich verändert, vieles ist gleich geblieben. "Es ist gespenstisch hier", sagt der ruhige Mann. Er will, dass die evangelische Kirche und die einweisenden Jugendämter auch heute genau hinsehen, was in Korntal passiert. 

Detlev Zander will, dass so etwas nie mehr passiert. Keiner soll mehr gezwungen sein, sich einen Panzer anlegen zu müssen, kein Kind soll mehr mit einer solchen Hypothek ins Leben starten. Am kommenden Freitag wird sein Anwalt zum Antrag der Brüdergemeinde Stellung nehmen. Dann wird das Landgericht Stuttgart entscheiden, ob Zanders Antrag auf Prozesskostenhilfe gewährt wird. Einen persönlichen Erfolg kann er schon heute verbuchen: Seine Tochter hat ihm kürzlich geschrieben, dass sie ihn nun besser versteht, seit sie seine Heimgeschichte kennt.

***

Dossier zu Korntal

Beim Kirchentag in Stuttgart werden die Missbrauchsvorwürfe gegen die Korntaler Evangelische Brüdergemeinde ein Thema sein. Und zwar Samstag, 6. Juni, 11 Uhr in der Schwabenlandhalle Fellbach.

Das ist nicht zuletzt der umfangreichen und beharrlichen Berichterstattung von Susanne Stiefel in Kontext zu verdanken. Aus diesem Anlass haben wir ein Dossier unserer Artikel zusammengestellt. So kann die Entwicklung auf einen Blick nachvollzogen werden.

 

Kirche und Korntal: nichts zu sagen (Ausgabe 170)

Das Schicksal der ehemaligen Heimkinder im Korntaler Hoffmannhaus berührt die Menschen. Viele sind empört über den schleppenden Umgang der Korntaler Pietisten mit dem dunklen Kapitel ihrer Geschichte.

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Licht ins Korntal-Dunkel (Ausgabe 172)

Das jahrelange Martyrium des ehemaligen Heimkindes Detlev Zander hat engagierte Bürger in Korntal aufgeschreckt. Nun haben sie die Opferhilfe Korntal gegründet, weil die dortige Evangelische Brüdergemeinde bisher wenig zur Aufarbeitung ihrer Heimvergangenheit beiträgt.

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Die Brüder sprechen - schriftlich (Ausgabe 174)

Die ehemaligen Heimkinder der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal sprechen von einem Skandal, die Beschuldigten schweigen. Kontext hat seit Wochen versucht, die Brüder zu einem Interview zu bewegen. Jetzt reden sie - schriftlich.

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Korntal: die Lehrerin und der Fahrradkeller (Ausgabe 176)

Sie war eine gute Lehrerin. Das sagen nicht nur die traumatisierten Heimkinder von Korntal. Heide Scherer hat sie unterrichtet. Sie stellt sich ihrer Verantwortung. Das erwartet sie auch von der Evangelischen Brüdergemeinde.

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Korntal-Leugner (Ausgabe 183)

Der Fall Korntal ist jetzt beim Deutschen Evangelischen Kirchentag angekommen. Christine Bergmann, die ehemalige Bundesfamilienministerin und Mitglied des Präsidiums, sieht die württembergische Landeskirche im Zugzwang.

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Zurück auf null in Korntal (Ausgabe 191)

Die Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe im Korntaler Hoffmann- und Flattichhaus fängt wieder bei null an. Grund ist die Absage eines Professors, der als neutraler Gutachter eingesetzt werden sollte. Jetzt machen engagierte Bürger Druck.

Beitrag lesen

 

Das Heilige und der Teufel (Ausgabe 192)

Zum ersten Mal äußert sich ein Kirchenmann zum Konflikt um die missbrauchten Korntaler Heimkinder. Der pensionierten Prälat Martin Klumpp fordert eine schnelle Aufarbeitung. "Mit Verschweigen, Vertagen und Vertuschen wird die Sache immer schlimmer", sagt er.

Beitrag lesen

 

Korntal beim Kirchentag (Ausgabe 194)

Martin Klumpp war der erste Kirchenmann, der sich öffentlich zu Korntal geäußert hat. Jetzt hat auch das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags beschlossen, das Thema Missbrauch beim Kirchentag 2015 in Stuttgart auf die Tagesordnung zu nehmen.

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Ein Herz für die Heimopfer (Ausgabe 195)

Lange hat Bischof Otfried July geschwiegen. Kein Wort zum Leiden der ehemaligen Korntaler Heimkinder und den Missbrauchsvorwürfen gegen die Evangelische Brüdergemeinde. Jetzt spricht er in Kontext.

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Streit um Täter (Ausgabe 204)

Hinter den Kulissen schwelt ein neuer Konflikt in Korntal. Es geht um die Täterseite der Opferhilfe Korntal, die seit Herbst im Netz steht. Sie störe die Aufarbeitung des Missbrauchs in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde, heißt es.

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Neun Quadratmeter Harmonie (Ausgabe 217)

Mit einem Messestand wollen die ehemaligen Korntaler Heimkinder auf erlittenen Missbrauch aufmerksam machen. Nun stellt dort auch die Evangelische Brüdergemeinde ihr Banner auf. Das gefällt nicht allen

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Kommentare

Michael Krüger, 17.02.2016 10:51
Hallo Zusammen,
ich bin zufällig auf den Fall "Detlev Zander" gestoßen und möchte nun meine Bewertung zum Kinderheim dazu abgeben.
Ich war von 1972-76 in Korntal und kann nur "Gutes" berichten.
Zum Thema Gewalt im Heim kann ich nur von meinen Erfahrungen berichten, dass es dies in meiner Zeit nie gegeben hat und mir auch nicht bekannt ist, dass dies auf anderen Gruppen der Fall war.
Ich durfte eine schöne und gut behütete Zeit durchleben und bei mir entsteht der Eindruck, nach all den Berichten, dass dort die Hölle herrschte.
DIESEM EINDRUCK MÖCHTE ICH AUSDRÜCKLICH WIEDERSPRECHEN !!
Ich war zu dieser Zeit bestimmt auch "nicht immer pflegeleicht", möchte aber betonen, dass sich Erzieher, Lehrer sowie Zivildienstleistende, immer um das Wohl der Kinder gekümmert haben.
Ich hatte auch ein gutes Verhältnis zum Jugendamt Pforzheim und fühlte mich vom Jugendamt gut betreut.
Ich habe diesen Menschen viel zu verdanken und möchte dies hiermit zum Ausdruck bringen. Vielleicht gab es im Hintergrund bestimmte Ereignisse, aber in meiner Zeit bestand durchaus die Möglichkeit mit Verantwortlichen darüber zu sprechen.
Mein Spruch damals lautete immer:
Lieber ein gutes Heim, als ein schlechtes Elternhaus.
Ich möchte mit meiner Bewertung die Aussagen von D.Zander nicht in Frage stellen, aber hiermit klarstellen, dass es auch andere Erfahrungen dazu gibt.

Helga Meier, 18.02.2015 22:03
ich kenne eine Erzieherin 80 Jahre alt.Diese Person hat Schadenfreude ohne Ende über das abgelehnte Klageverfahren von Detlef Zander.
Sie amüsiert sich und fängt an über mich zu lachen,weil ich ihr mein Trauma erzählte im Vertrauen.vor einiger Zeit.
Sie ist sehr christlich und geht 2 mal die Woche in die Kirche.
So denken die Verantwortlichen.
Ich könnte kotzen.Ich wünsche Detlef Zander viel Erfolg und genügend Spenden und finanzielle Hilfen für sein Weiteres Vorgehen.

Helga Meier, 09.10.2014 17:29
Diese Aussagen des Betroffenen und der Betroffenen kann ich bestätigen.
Ich war 1959/60 in genau diesem Kinderheim.
Diese Lieblosigkeit und Demütigungen von Essensentzug und mangelnde Hygiene ! Schläge waren an der Tagesordnung.
Ich stand mit Angst auf und ging mit Angst in Bett.Dazwischen gabs Schläge.
Ich hatte bis zum 20. Lebensjahr nicht gesprochen wegen stottern.Manchmal würde ich gefragt ob ich stumm sei.
Mein Selbstwertgefühl war null
Der Kläger hat großen Mut und seine Forderung ist gerecht.

Meg, 15.09.2014 17:04
Ich verstehe das Zitat des Mattäus-Evangeliums von Almuth Wessel nicht so recht - warum sind Schafsböcke denn so verdammenswert? Die haben doch keinem was getan und ohne sie gäbe es auch keine kleinen süßen Schäfchen mehr.

Angelika Janke, 01.09.2014 17:03
Ich habe deinen Beitrag im Fernseh gesehen. Ich kann es nicht glauben was dir passiert ist,da Ich selber in diesem Kinderheim gewessen bin,bis im Jahr 1968.
Ware in der Gruppe neben an bei Tante Ingrid Neher.
Kann mich aber gut an Tante Gerda errinnern,Sie war wohl sehr streng.Mein Name war Gela.
Lebe schon zeit 1986 in Italien.
War im Jahr 2012 in Deutschland un habe das Kinderheim besucht,hat sich ja ganz gross verändert ,aber ich habe eine schöne Heimerrinerung gehabt.
Wünsch dir trotzem eine gute Zeit.

Blaumeise 1972, 25.08.2014 18:19
Korntal und Wilhelmsdorf ( Baden Württemberg ) gehören zur gleichen Einrichtung der Diakonie und Brüdergemeinde.


Vertuscht wurde auch von der Heimleitung im Kinderheim Hoffmannhaus in Wilhelmsdorf, daß der damalige Hausmeister auch pädophile Neigungen hatte bis hin zum aktiven sexuellen Vollzug.

Ich spreche hier zu diesem Thema, aus eigener Erfahrung!

Die Zeit ist gekommen, um Vertuschtes aufzudecken!

Klarheit und Wahrheit!!!!!

Stuttgarterin, 14.08.2014 12:47
Diesen Vorgang sollte man auf dem ach so wichtigen Kirchentag 2015 in Stuttgart publik machen, ein größeres Forum wird es in absehbarer Zeit dafür kaum geben.
Und wie?
http://www.kirchentag-wuerttemberg.de/aktuelles/detailansicht-news/?tx_ttnews[tt_news]=53957&tx_ttnews[year]=2014&tx_ttnews[month]=04&tx_ttnews[day]=24&cHash=28ab747a4871db4a1fd6a8a48af9e5bb
Hier kann man sich anmelden, z. B. für den "Markt der Möglichkeiten".
Wenn diese Kirche für sich in Anspruch nimmt, eine solche zu sein, dann kann sie dieses Thema nicht totschweigen!
Ansonsten: Wie wäre es mit einem Schreiben an diese Vertreterinnen?
http://www.sueddeutsche.de/politik/ratsvorsitzende-der-ekd-margot-kaessmann-die-paepstin-1.135547
Aufstieg und Fall ist zwar schon eine Weile her, aber man sollte sich Verbündete suchen, die eventuell Wege mitgehen, obwohl Kirchenvertreter nicht gerade für Mut und Offenheit bekannt sind!
"In Ulm öffnet sich die evangelische Kirche der Welt mit ihren Fragen und Brüchen, Suchbewegungen und Sehnsüchten. Natürlich gibt es genug Katholiken, die das tun. Aber eine Spitze mit Margot Käßmann, mit ihrem Vize Nikolaus Schneider, der erzählen kann, wie es ist, wenn eine Tochter stirbt, und der Synodenpräsidentin Kathrin Göring-Eckardt, die irgendwie Familie und Spitzenjob auf die Reihe kriegt - die gibt es in der katholischen Kirche nicht. Niemals zuvor zeigten sich die Unterschiede der Kirchen so sehr in den Biographien der Handelnden. "

Ansonsten sollte eine große Protestwelle durch den Kirchentag, ein Demonstrationszug, etc. Das kann man ja auch organisieren und ankündigen, wenn es den Kirchenvertretern egal zu sein scheint, was in ihren Einrichtungen vor sich ging... oder muss man davon ausgehen: Auch noch vor sich geht?

Dass July sich nicht äußert, war anders kaum zu erwarten. Ich kann mich nicht erinnnern, dass er sich je zu einem Thema geäußert hat, dass für die evangelische Kirche negativ besetzt ist.
Die evangelische Kirche gibt sich zuweilen recht überheblich gegenüber der katholischen. Da fragt man sich, woher sie dieses Selbstbewusstsein nimmt??

Insgesamt ist es wohl besser, nichts zu erwarten sondern zu VERLANGEN. Dass sind einfach nur Menschen, die andere Menschen menschenunwürdig behandelt, ja gefoltert haben.
Da ist es mir völlig wurscht, ob das im Namen der Kirche oder des Staates passiert. Es ist ein Verbrechen.
Anscheinend ist es so, dass die Verantwortlichen nicht mehr zu belangen sind, umso mehr ist diese INSTITUTION KIRCHE gefordert, sich öffentlich zu entschuldigen, diese Menschenrechtsverletzungen umfassend aufzuarbeiten, öffentlich zu machen und die Opfer selbstverständlich zu entschädigen.
Das wird sie ohne massiven juristischen Druck jedoch niemals tun.

Almuth Wessel, 08.08.2014 00:30
Man sollte diesem bigotten Verein die Bibel rechts und links um die Ohren schlagen. Ich verweise auf das Matthäus-Evangelium, 31 ff:

"31Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
32und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
33und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
34Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!
35Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
36Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.
37Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
38Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?
39Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

41Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
42Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
43Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.
44Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?
45Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
46Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. "

- "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern - das habt ihr mir getan..." Wie weit entfernt haben sich doch gewisse kirchliche Einrichtungen vom Geist Jesu Christi...

Helmut Jacob, 21.07.2014 17:28
Detlef Zander ist absolut glaubwürdig! Seine Schilderung decken sich bis in Details mit den Schilderungen behinderter Heimkinder der damaligen Orthopädischen Anstalten (heute: Evangelische Stiftung) Volmarstein. Die Verbrechen an diesen Heimkindern in Volmarstein sind sowohl in dem Buch "Gewalt in der Körperbehindertenhilfe - Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967" der Historiker Dr. Ulrike Winkler und Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl, als auch auf der Homepage der Opfergruppe dokumentiert. Sie ist sehr leicht nach Eingabe der Begriffe Freie Arbeitsgruppe JHH zu finden. Selbst das Abstreiten, die Verharmlosungs- und Vertuschungsversuche sind identisch. Auch die Einrede der Verjährung wird in solchen Fällen immer wieder gern missbraucht. Wenn möglich, kann Herr Zander mit mir E-Mail-Kontakt aufnehmen. Ich würde ihm anbieten, dem zuständigen Gericht eine Stellungnahme zu seinem Fall und seiner Glaubwürdigkeit zuzusenden.

Ulrich Scheuffele, 03.07.2014 16:44
@Josef, und wie ist es, wenn die Kinder im Geiste einer Sekte erzogen werden?
Wenn die Kinder psychisch mit einem strafenden Gott manipuliert werden?
Wenn die Kinder einem kreationistischen Irrglauben annehmen sollen?
Dann lieber eine religionslose staatliche Einrichtung, auch wenn da auch nicht alles Gold ist was glänzt.
Ich bin auch in die Geschichte involviert und der KONTEXT hier Einseitigkeit vorzuwerfen ist ungerecht. Was kann KONTEXT dafür, wenn die Verantwortlichen in Korntal, wenn es darum geht aufzuarbeiten ihren Arsch nicht hochbekommen und die einzige Strategie darin besteht zu vertuschen?
Einseitigkeit muss ich den Verantwortlichen in der Brüdergemeinde vorwerfen, denn sie sehen nur sich und suchen nach einem Weg ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen.
Das Wohl der Kinder war in der Vergangenheit kein Thema und Heute auch nicht.

Josef, 30.06.2014 12:59
@ Jon:

Kinder wollen geliebt werden. Ist Ihnen das bewusst? Kinder brauchen in erster Linie Bindung und nicht Bildung. Kein Staat kann ein Kind erziehen. So leicht fallen die Eltern nämlich nicht aus, es sei denn, den Eltern schmerzt es nicht, die Kinder in die Kitas zu schicken.

Bitte lassen Sie Ihren Hass. Denn wenn man juristisch tätig ist, dann lernt man beide Seiten kennen. Selbstverständlich gilt es - sofern es noch möglich ist - die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Aber alle in einem Topf zu werfen ist falsch und zeugt von Einseitigkeit. Es ist sehr gut möglich, dass "Kontext" die Dinge einseitig darstellt. Das ist heutzutage oft so.

Liebe Redaktion,

etwas mehr Neutralität wäre aufschlussreicher, auch für Sie.

Jon, 27.06.2014 16:05
Kirchen haben in der Erziehung nichts zu suchen und Pietisten schon gleich dreimal nicht. Bis heute gibt es ausser unerträglichem Gesülze kaum irgendwas substantielles um diese Zustände in den Kirchen und ihren Institutionen zu ändern. Erziehung und Bildung ist , sofern die Eltern ausfallen eine staatliche Aufgabe, die unter strengster Kontrolle zum Wohl der Kinder zu erfolgen hat und nicht irgendwelchen bigotten Pfaffen oder christlichen Fanatikern, wie den Pietisten überlassen werden darf. Genaugenommen gehörte eine solche pietistische Gemeinde als kriminelle Sekte verboten und das Mindeste wäre, dass ihnen grundsätzlich jeglicher Umgang mit Kindern verboten wird. Ich wünsche den Betroffenen Erfolg bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.

Ulrich Scheuffele, 26.06.2014 10:01
@kritisch, ich verstehe ihre Aussage nicht. Gerade, dass es heute den Kindern besser geht und sie nicht das erleben müssen, was Detlev Zander erlebt hat, ist eines seiner Anliegen. Dies hat er auch gestern bei einem SWR-Interviewe so gesagt.

kritisch, 24.06.2014 14:18
@ Betroffener, ich verstehe ihre Wut und es ist nicht an mir zu sagen was ihnen geschehen ist.
Aber die Aussage, dass es heute den Kindern nicht besser gehen darf, weil es ihnen nicht gut ging ist sehr mutig. Ist das Ziel nicht, dass es den heutigen besser gehen sollte wie denen davor?
Das ist doch der Grund warum Kinder nicht mehr in die Minen geschickt werden oder verkauft weil die Familie zuwenig Geld hat. Das es Gesetze dagegen gibt das Kinder geschlagen werden und dass KInder selbst sich an die nötigen Stellen wenden können.
Ich verstehe nicht wie sie mit ihrem Hintergrund fähig sind zu sagen, dass sie bereit sind auf dem Rücken der heutigen Kinder die Kämpfe ihrer Kindheit zu führen, wenn sie doch sagen dass sie am System etwas ändern möchten.

Betroffener, 24.06.2014 09:05
@ Alexa....ich denkejeder Fall ist ein anderer, da sollte man genauer hinschauen! Dennoch finde ich es sehr mutig, auach von dir, dass du dein SCHWEIGEN gebrochen hast! DANKE

Betroffener, 24.06.2014 09:03
Dieses Leid,welches viele Kinder in der Brüdergemeinde Korntal erleben mussten, bedarf wohl keiner Beschreibung mehr! Was mich heute so traurig macht, sit dass dies alles IM NAMEN DES HERRN geschah!

Heimkinder, die nun den Mut haben zu reden, und auch an die Öffentlichkeit gehen sind für mich sehr starke Persönlichkeiten!
Die es nochmal auf sich nehmen allles erneut durch leben zu müssen! Dies kostet sehr viel Kraft!

Jetzt die Einrichtung in Schutz zu nehmen, mit der Begründung, sollten Entschädigungszahlungen durch die Brüdergemeinde Korntal erfolgen würde es den Kindern, die heute im Heim leben an etwas fehlen , halte ich für nicht akzeptabel! Denn wer hat sich in der damaligen Zeit um uns gekümmert!

Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Ute Lehmann, 23.06.2014 22:45
Die Kirchen müssen raus aus dem Kinderhandel, und diese Christen müssen Busse tun, die Opfer um Vergebung bitten und auch Schmerzensgeld oder Renten zahlen. (Meine 7 Kinder wurden vom Katholischen St.Josefshaus Groß-Zimmern vom 30.08.2000 an weggenommen, das achte Kind am seit dem 25.09.2007. Seit dem 02.07.2013 spätestens sind fast alle wieder wieder frei--außer dem Jüngsten. Die Kinder wollten die ganzen Jahre über nach Hause, wir wollten die Kinder nie hergeben. Es ist eine staatliche Entführung. Das Vertrauen in Kirchen ist bei uns auch null. Die Kirchen haben sich durch den mehrfachen Kinderraub schwer an uns versündigt. Ich wäre beinahe vom Glauben abgefallen durch die Brutalität der Kirchen. Und es ist denen ja auch egal, wie es den Kinder geht, wie es den Eltern geht. Sie verdienen viel viel Geld an unseren Kindern--und die Eltern kriegen die Rechnung "Wirtschaftliche Familienhilfe" , zu dem ganzen Leid. Das ist doch pervers!

Logisch, 23.06.2014 21:00
Je weniger Geld übrigbleibt, destoweniger Personal destoweniger Kinder werden gequālt. Also da, da wo des Personal sonst Kinder quālt. Man muss es halt richtig machen, Liebe usw. Big JC sagte doch, wie es geht. Gut: es ist schwierig. Sonst kōnnte es ja Jede/r.

Alexa, 23.06.2014 20:50
An Herrn Zander,
Ich möchte ihnen nicht zu nahe treten.
Auch ich bin ein Heimkind. 1960-1978
Ich wurde von März 2006-2012 anwaltlich von Herren Christian Sailer gegen das Bistum Würzburg vertreten.
Ich habe das Verfahren VERLOREN.
Der verliert, muss zahlen. Das sind knappe 20.000€

Herr Zander, ich wünsche ihnen viel viel Glück!

kritisch, 23.06.2014 17:56
ich sagte WENN, ich sagte nicht dass es geschehen ist. einer der sich selbst als "selbstbetroffen" bezeichnet sagte es. ich war nicht dabei, darüber kann ich nichts sagen. Ich weiß nur, dass es Kürzungen im Heim gibt, deswegen auch die Zusammenlegung.
Mich würde nun der Fall von 2011 interessieren, in welchem Kontext geschah dieser?

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