KONTEXT Extra:
NSU: Unterstützerumfeld nicht ausermittelt

Die NSU-Expertin im Landeskriminalamt Sabine Rieger hat dem zweiten parlamentarischen Untersuchungsausschuss empfohlen, weitere Zeugen zu den Verbindungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach Baden-Württemberg zu vernehmen. Denn: Sie hält nicht für plausibel, dass die Kontakte 2001 tatsächlich abrupt abrissen – bis dahin sind rund 30 Besuche des Trios belegt – und dementsprechend die Arbeit nicht für "hundertprozentig abgeschlossen". Sie könne sich nicht vorstellen, dass es über 2001 hinaus "keinen gab, der zumindest Ansprechpartner war", sagte die Kriminalhauptkommissarin in der siebten Sitzung am Freitag im Landtag. Rieger nannte dem Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) verschiedene Namen von Zeugen, die möglicherweise ihrerseits Kontakt zu Kontaktpersonen gehabt haben könnten. Ein starkes Indiz dafür, dass der NSU immer weiter Verbindungen nach Baden-Württemberg pflegte, ist der Stadtplan von Ludwigsburg, der nach dem Auffliegen im November 2011 im Brandschutt von Zwickau gefunden wurde. Der stammt auf dem Jahr 2009.

Bekannt wurde inzwischen auch, dass die drei Rechtsterroristen vor ihrem Abtauchen 1998 von Thüringer Behörden abgehört wurden. Nach Angaben Drexlers ist allerdings ungeklärt, ob die entsprechenden Protokolle noch vorhanden sind. Der Ausschuss will dem nachgehen, weil darin ebenfalls Kontakte, etwa nach Ludwigsburg oder nach Heilbronn, belegt sein könnten. (24.2.2017)

Weitere Ausschuss-Termine: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni, 17. Juli 2017. 


Abschiebung nach Afghanistan: Strobls "katastrophale Pannen"

Immerhin eines ist geklärt: was CDU-Innenminister Thomas Strobl unter dem "konsequenten Vollzug von Recht und Gesetz" versteht. Nach einer Einzelfallprüfung durch sein Haus sollten am Mittwochabend ein psychisch kranker Mann, der per Gerichtsbeschluss schon einmal von der baden-württembergischen Abschiebe-Liste geholt wurde, und ein afghanisch-türkischer Familienvater aus München nach Kabul reisen müssen. Abermals griffen Gerichte ein. Der grüne Koalitionspartner tobt, von "katastrophalen Pannen" ist die Rede und davon, dass der CDU-Landeschef alle Absprachen gebrochen hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann knöpfte sich den Stellvertreter vor. Und die baden-württembergischen Jusos sprechen von einem "Spiel mit dem Leben der Betroffenen". Dass wieder Gerichte "eingreifen müssen, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzten, zeigt, wie leichtfertig mit dem Schicksal einzelner Menschen umgegangen wird". Die Landesregierung habe den Spielraum, "das zu stoppen, und muss diesen endlich nutzen".

Bisher wollte sich Kretschmann dem vorübergehenden Abschiebestopp nach Afghanistan, den andere grün-mitregierte Länder bereits umsetzen, allerdings nicht anschließen. Der Druck auf ihn steigt aber weiter, nachdem am Mittwoch auch ein Mann abgeschoben wurde, der seit Jahren einen Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hatte. Außerdem ist Strobl weiter uneinsichtig und will die Aufregung beim Koalitionspartner, bei den Jusos, den Flüchtlingsorganisationen und vielen Unterstützern vor Ort nicht verstehen. Stattdessen sieht er in einer Aussetzung von Abschiebungen eine "Aushöhlung des Rechtsstaats". Er könne nicht nachvollziehen, sagt der Merkel-Vize, dass es Länder gibt, die sich "systematisch weigern", geltendes Recht zu vollziehen: "Das sind Schläge gegen den Föderalismus."

Mehr zum Thema: "Späte Einsicht", "Kritik ist Lüge", "Der Hardliner", "Geisterfahrer unterwegs" https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/300/der-hardliner-4100.html


Alles von vorne

Nicht alle bekommen eine zweite Chance, baden-württembergische Landtagsabgeordnete nehmen sie sich: Mit einem sogenannten Aufhebungsgesetz beginnen die Reparaturarbeiten nach dem bisher größten Aufreger der Legislaturperiode, der im Hau-Ruck-Verfahren beschlossenen knappen Verdoppelung der Pauschalen für Aufwand und Wahlkreis, sowie der Rückkehr zur staatlichen Altersversorgung. Die Grünen wollten alle Vorhaben gemeinsam auf den Prüfstand stellen, CDU und SPD setzten sich durch mit einer Expertenkommission, die allein die Rentenreform prüfen wird.

Zuerst allerdings muss Mitte März das entsprechende Gesetz endgültig aufgehoben werden. Danach werden die Experten, einschließlich jener vom Rechnungshof, benannt. Irgendwann im Herbst soll dann mit jener Transparenz, an der es im ersten Durchlauf bitter mangelte, über die Veränderungen, mit denen eine Anhebung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung einhergeht, diskutiert werden. Eile haben die Abgeordneten keine, denn niemand will sich ausgerechnet in den Wochen vor der Bundestagswahl abermals Vorwürfen aussetzen, sich eine Luxuspension auf Staatskosten zu genehmigen. (22.2.2017)

Mehr zum Thema: "Raffkes mit Mandat"


Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


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Ausgabe 132
Gesellschaft

Gepflegter Rassismus

Von Nathalie Beier
Datum: 09.10.2013
Immer mehr Betreuer von pflegebedürftigen Menschen in Deutschland kommen aus dem Ausland. Rassistische Beleidigungen in Heimen sind an der Tagesordnung. Fremdenfeindlichkeit auf Pflegestationen – ein Tabuthema.

Die Puppen haben hübsche Kleidchen an, tragen blonde und braune Ringellocken. Unter den Klapplidern glitzern blaue Augen. Rosa Kaiser liebt ihre Puppen, sie dürfen bei ihr im Bett schlafen. Die Nächte im Seniorenheim sind manchmal einsam. Als es an die Tür klopft, ruft sie: "Herein!" Vor ihr steht Alima Kiwanika in weißem Kittel, weißer Hose und weißen Schuhen. "Nein, nein, nein!" Rosa Kaiser sitzt aufrecht im Bett. "Von einer Schwarzen lasse ich mir nicht den Rücken waschen! Fass mich nicht an!" Alima Kiwanika macht einen Schritt zurück, geht hinaus und schließt für einen Moment die Augen.

Ein paar Wochen später sitzt die 38-Jährige auf einer Bank am Stuttgarter Schlossplatz und spricht noch einmal über die Begegnung mit Rosa Kaiser. Die echten Namen der beiden Frauen bleiben geheim. Nur unter dieser Voraussetzung will Alima ihre Erfahrungen öffentlich machen. Es könnte dem Ruf des Heims schaden, wenn bekannt würde, dass dort Ewiggestrige ihren Lebensabend verbringen und dabei die eigenen Pfleger anpöbeln. "Ich liebe meine Hautfarbe!", ruft Alima Kiwanika und reißt dabei kurz ihre Hände in die Höhe. "Und ich liebe alte Menschen", die Finger ihrer rechten Hand umfassen fest ihr linkes Handgelenk. Schmerz. Wut. Enttäuschung.

Fremdenfeindlichkeit ist alltäglich

Rassistische Angriffe von Senioren auf ausländische Pflegekräfte sind in deutschen Altersheimen kein unbekanntes Phänomen. Es spricht nur niemand darüber. Der Beruf des Alten- oder Krankenpflegers ist nicht leicht, das ist bekannt. Warum sollte man Bewerber aus dem Ausland also auch noch abschrecken, indem man sie darauf hinweist, dass Fremdenfeindlichkeit in deutschen Seniorenheimen oft dazugehört? Doch mit dieser Taktik schadet sich die Pflegebranche nur selbst. Denn das Personal auf kritische Situationen vorzubereiten würde es einfacher machen, mit diesen umzugehen. Bereits jetzt stellen Migranten ein Drittel aller Pflegekräfte in Deutschland. Und Deutschland wird immer älter. 20,6 Prozent der Bevölkerung sind 65 Jahre alt oder älter. Der steigende Bedarf an Fachpersonal kann mit deutschen Pflegern nicht mehr gedeckt werden. Auf 100 offene Stellen kommen gerade einmal 37 Bewerber, so die Bundesagentur für Arbeit. Bis 2030 müssten jedes Jahr 20 000 neue Pflegekräfte aus dem Ausland "importiert" werden.

Alima Kiwanika kneift die hellbraunen Augen zusammen, legt die Stirn in Falten und starrt ihrem Gegenüber grimmig ins Gesicht. "So!" Auf diese Art habe Rosa Kaiser sie auch schon vor dem Vorfall angesehen, wenn sie ihr auf dem Flur begegnete. "Eine sehr böse Frau!" Die Pflegerin schüttelt langsam den Kopf, ihre schwarzen Locken rollen über ihre Schultern. In ihrer Heimat, der Elfenbeinküste, freuten sich die alten Menschen, wenn sie sich um sie kümmerte, erzählt sie. Hier in Deutschland wirkt die Sozialisierung aus dem Zweiten Weltkrieg bei vielen bis ins Altersheim.

Gezielt rassistische Beleidigungen

In der offiziellen Version vieler Pflegeheime bilden deutsche, türkische, somalische, kroatische, chilenische, spanische oder japanische Mitarbeiter ein buntes und vor allem gewünschtes Mosaik. Doch das Multikulti-Seniorenheim ohne Rassismus "gibt es einfach nicht", stellt Michael Matzberger fest. Der Pflegepädagoge aus München war selbst jahrelang Pfleger und kennt die Schattenseiten des Berufs. "Mindestens einmal im Monat wurde jeder Kollege beleidigt oder diskriminiert. Teilweise in extremem Ausmaß." Das sei nichts Außergewöhnliches."Pollacken-Schwein", "Türken-Sau", "Russen-Schlampe", gängiges Vokabular. Den "Negern" verboten viele Senioren, ihre Möbel anzufassen. Denn "die machen mit ihren schwarzen Fingern die Schranktür dreckig". Das hat Alima Kiwanika noch niemand vorgeworfen. Aber "mir wurde schon einmal direkt ins Gesicht gespuckt", sagt sie.

Rassismus wird von Heimleitungen allzu oft bagatellisiert. Verwiesen wird auf geistige Verwirrung oder Demenz. Es sei ja nicht so gemeint, sagen sich Pfleger dann oft. Das ist leichter, als in dem normalerweise netten alten Herrn den rassistischen Rentner zu erkennen. Schließlich handelt es sich um alte, schwache Menschen, die ein langes Leben hinter sich haben. Im Pflegeheim sollen sie Ruhe und Geborgenheit erleben. Aber Rassismus kennt keine Altersgrenze. Die Demütigung, die die Senioren durch rassistische Beschimpfungen bei ihren Opfern erreichen, gibt wohl Genugtuung und hilft offenbar, die starke Abhängigkeit von den Pflegern, das Gefühl des Ausgeliefertseins und vor allem die Angst vor der Zukunft auszublenden. Schon öfter hat Alima Kiwanika von anderen ausländischen Pflegern gehört, dass ihnen Ähnliches passiert sei. "Denen hat niemand geholfen, weil sie nicht darüber gesprochen haben." Kopfschütteln. "Aber mich kriegt niemand klein!"

Schweigen nährt Rassismus

Viele Pfleger hoffen, dass das Problem irgendwann von allein verschwindet. Doch Rassismus löst sich nicht einfach auf, wenn die Person altert, die ihn in sich trägt. Natürlich kann man argumentieren, dass sich ein Mensch, der schon sein Leben lang einen Hass auf Fremde hat, nicht mehr ändern wird. Aber dadurch wird der Nährboden für Rassismus nur noch mehr gehegt und gepflegt. Fasst ein betroffener Pfleger doch den Mut und spricht den Vorfall an, kommen Vorhaltungen und Schuldzuweisungen gerade von dort, wo er auf Zuspruch und Hilfe gehofft hatte: Kollegen und Heimleitung beschwichtigen eher, statt sich hinter ihre Kollegen zu stellen.

Vor einer Anzeige wegen Beleidigung schrecken viele Betroffene zurück. Der Skrupel und die Angst, nicht ernst genommen zu werden, überwiegen. Juristische Beratung bekommen Betroffene bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin. Doch "im Pflegebereich ist es extrem schwierig, Hilfe zu vermitteln", weiß Sebastian Bickerich von der Beratungsstelle aus Erfahrung. "Ein absolutes Tabuthema in einem sehr sensiblen Arbeitsumfeld. Die Fälle, in denen sich jemand bei uns meldet, können wir an einer Hand abzählen."

Die Pflicht, den eigenen Mitarbeiter zu schützen, liege aber eindeutig beim Arbeitgeber. Doch die Heimleitung unternimmt häufig einfach nichts. Jeder rassistische Angriff gilt laut Sozialgesetzbuch VII als "Arbeitsunfall". Eine unversehrte Psyche ist geschütztes Rechtsgut. Dieses Gut büßen viele Pfleger durch Angstzustände, Depressionen, Schlafstörungen und ein geschundenes Selbstwertgefühl ein.

Kulturelle Kompetenzen lernen

An der Berufsfachschule Paulo Freire in Berlin werden Migranten zu Sozialassistenten im Pflegeberuf ausgebildet. Im Unterricht lernen die Schüler "kulturelle Kompetenzen". Die verschiedenen Esskulturen, Traditionen oder Riten zu respektieren ist wichtig, um Missverständnisse zu verhindern. Die Kommunikation zwischen Betreuer und Betreutem ist besonders wichtig. Daher müssen die angehenden Pflegekräfte gut Deutsch sprechen können.

Jeder der Schüler hat schon einmal Diskriminierung erlebt. "Es saßen schon oft erschrockene Schüler vor mir, die von Senioren aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe beleidigt wurden." Schulleiter Marco Hahn setzt daher auf offene Gespräche. Einmal in der Woche findet im Unterricht eine sogenannte "Praxisreflexion" statt. "Die Motivation der Schüler ist zu Beginn der Pflege fast grenzenlos", sagt Hahn. "Wenn ihnen dann aber Misstrauen und Feindseligkeit begegnen, ist das wie ein Schlag ins Gesicht." Wenn es im Heim zu unschönen Szenen zwischen Pfleger und Bewohner kommt, muss "die Situation durch Konfrontation sofort geklärt werden". Das hält Hahn für die einzig sinnvolle Methode. Lässt sich der in die Jahre gekommene Rassist dennoch nicht davon überzeugen, mit einem ausländischen Pfleger zusammenzuarbeiten, wird er von einer anderen Fachkraft betreut. Das ist keine Lösung, aber mehr als verbale Überzeugungsarbeit geht nicht.

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werden immer mehr Pfleger aus dem Ausland nach Deutschland ziehen. Rassismus ist nicht nur ein Problem der Nachkriegsgeneration. Deswegen muss man darüber sprechen.


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Kommentare

Detlef, 02.02.2014 09:58
Puh - wie viel Rassismus hier aus den Kommentaren spritzt.
Von Marga Meller die ihr Recht auf Unwohlsein zum Recht auf Rassismus hoch stilisiert (würde sie auch einer korpulenten deutschen Pflegeperson sagen : Von so einer fetten Schlampe lasse ich mich nicht anfassen?).
Katharina denkt wenn man nicht mit Ausländern als Dienstleistern konfrontiert ist dann ist das kein Rassismus - gefehlt Katharina. Das ist dann nur Rassismus unter der Decke des Schweigens.
Der konservative+S21-Gegner hat das Thema verfehlt. Ich sehe den Artikel als Beispiel für Rassismus und nicht als Beispiel für fehlendes Einfühlungsvermögen in die Pflegedienstleistung.
Und auch Jochen sieht nicht, selbst wenn die Äußerungen nur hilflose Wut wären, das es immer noch Rassismus ist. Denn die gleichen Wutausbrüche treffen halt nicht den "netten" blonden Pfleger (es sei denn es stellt sich heraus er ist schwul).
Wuschel ich kann Dir zu zustimmen. Ich gehe aus davon aus, dass ein deutlicher Teil der noch nicht so alten genauso denken aber (noch) schweigen können.

Marga Meller, 09.01.2014 18:20
Liebe Leute, schon vergessen? Ich zahle Beiträge zur Pflegeversicherung (zwangsweise), muss meine Rente für einen Pflegeplatz zumindest teilweise ausgeben und bin also direkter und indirekter (Vor-)Finanzierer einer Dienstleistung an mir selbst. Ich bin also Kunde in der Pflegeeinrichtung. Im Laden kann ich mir für mein Geld aussuchen, wer mich bedient, eine Zeitung lese ich nicht, wenn mir die Autoren zu links oder zu rechts oder zu unsachlich berichten.Und hier im Heim muss ich mir alles gefallen lassen? Bloß, weil ich körperlich wehrlos bin, muss ich mich von Leuten befummeln lassen, die mir nicht sympatisch sind? Ich darf nicht mitreden, ob mich eine lesbische oder gelbe, schwarze, vorlaute, hinterhältige oder nette, deutsch sprechende oder sanfte Pflegekraft berührt? Habe ich nicht das Recht auf Sympatie, Antipatie, Vorurteile, Wohlbefinden und Geborgenheit? Bin ich ein Stück Dreck, weil ich keine Schwarze, Kraushaarige mag - wenn ich 40 Ehejahre lang Blonde mit langen Haaren besser fand? Bin ich also Rassistin, weil ich das ausspreche? Weil ich einfach möchte, dass ich Hilflose nicht nur ausgenommen werde, sondern Wünsche haben darf? Muss ich jetzt in jedem Urlaub nach Schwarz-Afrika, obwohl mir Schweden besser gefällt? Dann sind wir wieder soweit: Verteilen Sie Davidssterne an die, die diese aufgezwungene Multikultischeiße ablehnen. Leute zu wählen, weil sie öffentlich damit werben, schwul zu sein und nur weil sie ausländische Wurzeln haben, kommt für mich nicht in Frage. Lieber bin ich rechtsextreme, homophobe Rassistin - und verachte die Leute, die mir dieses Etikett verpassen, bloß weil ich mir diesen Ich-liebe-jeden-Ausländer-Blödsinn nicht aufdrücken lassen möchte. Manche mag ich manche nicht, wie Deutsche auch. Die Schreiber solcher Artikelmag ich nicht. Sie hetzen, polarisieren, verblenden die Leser, sind die wahren Rassisten, denn sie schreiben grundsätzlich und prinzipiell gegen Deutsche. Sie hassen sich selbst, ihre Eltern, ihre Lehrer, ihre Mitmenschen, ihre heterosexuellen Bekannten - eigentlich jeden. Wie rückgratlos.

Montecore, 06.01.2014 02:25
Man soll die Älteren achten, aber man ist nicht ihr Sklave.

montecore, 11.12.2013 01:05
Das geht zu weit! Lasst euch das nicht gefallen! Wer sich von bestimmten Leuten nicht waschen lassen will, muss eben in der Sch*** liegen.

Katharina, 29.10.2013 00:30
Man sollte den Job des Altenpflegers in Deutschland einfach besser bezahlen und mehr wertschätzen! Dann würden sich auch ausreichend deutsche Kräfte finden, die diesen Beruf ausüben, man bräuchte keine Leute mehr aus dem Ausland anzuwerben und das Problem des Rassimus hätte sich somit in den Altenheimen auch erledigt. Allen wäre geholfen.

Wuschel, 17.10.2013 16:49
Die Tatterkreise sind halt auch verbal inkontinent und können ihren Hass nicht so gut zurückhalten wie die Rassisten, die noch einen beträchtlichen Anteil ihres Lebens vor sich haben.

Florian Hinterhuber, 10.10.2013 16:56
Auch mich wundert manches in der deutschen Pflegebranche,ob es sich nun um Krankenhäuser oder Alten- und Pflegeheime handelt.Da gibt es sehr viele Widersprüchlichkeiten.Manchmal erlebt man auf Krankenstationen,wie Patienten (und natürlich auch -innen) schei*freundlich zu den Pflegenden sind,weil sie sie in dieser Ausnahmesituation brauchen.Kaum draußen,kommt dann das Herrische im Schwaben wieder zum Vorschein und man mag "die Ausländer" auf der Straße oder im Laden gar nicht mehr gerne sehen,geschweige denn näher mit ihnen zu tun zu haben.Und klar:Wenn jemand sein ganzes Leben Fremde gehasst hat (nicht nur Ausländer übrigens.Ich weiß aus Erzählungen,dass nach dem WK II auch Flüchtlinge und Vertriebene äußerst unwillkommen waren!),wird er sich als alter Mensch nur noch schwer umstellen.Dann kommt bei manchem die Haltung zum Vorschein :Ich als Alter kann sagen was ich will,mag es noch so frech und beleidigend sein.
Unabhängig von der Thematik "Ausländer in der Pflege" muss man auch auf einen anderen Aspekt aufmerksam machen:Die Bezahlung.Ist es nicht kurios,um nicht zu sagen:irre,dass sehr viele deutsche Pflegekräfte für gutes Geld in der Schweiz arbeiten (wo sie oft ähnlich mies behandelt werden wie Ausländer in deutschen Pflegeheimen),Deutschland wiederum dann anschließend wegen Arbeitskräftemangels Pflegende aus dem Ausland anwerben muss?Warum werden hier die Marktmechanismen außer Kraft gesetzt und Pflegende nicht besser bezahlt?Sie müssten dann nicht in die Schweiz abwandern und man müsste nicht Menschen aus der ganzen Welt hierher holen.Man darf davon ausgehen,dass diese Menschen,wenn es irgendwie ginge,auch lieber zuhause arbeiten würden als wegen eines Arbeitsplatzes ihr Land verlassen zu müssen.

Der konservative+S21-Gegner, 10.10.2013 13:29
Ergänzender Gedanke zum Kommentar von kynik
Und genau deshalb war es ein großer Fehler, bei der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht auf eine allgemeine Dienstpflicht sozialer Art zum Wohle unserer Gemeinschaft zu verzichten. Selbst einmal in die Scheiße gelangt zu haben verändert Menschen in erstaunlicher Weise.
Abseiler-Jobs im Büro, mal bei Seite gelassen.

Jochen, 10.10.2013 13:26
Warum spricht hier eigentlich niemand vom Geld oder von Globalisierung?
Sprich von schwerer Arbeit wie Kontext es (zurecht) nennt, die in Deutschland (systematisch) nicht mehr angemessen (adäquat) entlohnt wird! Oder von Verantwortlichen (sog. Führungskräften, Arbeitgebern bzw. ganzen Branchen) denen es doch heutzutage i.d.R. herzlich egal ist welchen "Qualen" die (unteren) abhängig Beschäftigten ausgesetzt sind! Hauptsache billig! Ganz nach dem Motto "Du kannst gerne gehen, es gibt genug andere die den Job machen"!
Zu den Statistiken und den markigen Sprüchen die die sog. "Bundesagentur für Arbeit" regelmäßig raushaut erübrigt sich aus meiner Sicht jeglicher Kommentar. Nur soviel: Für jedes Problem (oder besser Sachverhalt) gibt es immer auch Lösungen die nicht ausschließlich dem finanziellen Diktat unterliegen! Z.B. Lösungen die evtl. (anfangs) mehr "kosten" aber dem der Sie bezahhlt (nämlich dem Steuerzahler) auch wieder in anderer Weise zu Gute kommen. Dazu bräuchte es aber Entscheidungsverantwortliche die diesen Blickwinkel einnehmen.
Falls es so ist das bei Rosa Kaiser die "Sozialisierung" nachwirkt (was ich zu Ihren Gunsten mal unterstelle), wer bereitet dann sie auf die "kritische Situation" einer evtl. farbigen Pflegekraft vor?
Bekommen wir heute nicht auch eine Art von "Sozialisierung", bei der anstatt der "Rassenlehre" die "Finanzlehre" steht?
Der Aussage meiner Vorrednerin Frau Strube "Ich bezahle, Du Sklave" könnte auch eine ohnmächtige Verbitterung darüber zugrunde liegen, dass ein Heimaufenthalt die Insassen und evtl. Angehörige in den finanziellen Ruin treibt.

kynik, 10.10.2013 12:44
zu diesen ungeheuerlichen vorgängen fällt mir nur ein, wenn auch im anderen kontext verfasster, text von hermann gremliza ein.

„Für Sarrazin wie seine Parteigänger aus allen Parteien sind Leistungsträger nicht Krankenpfleger und Kindergärtnerinnen, sondern Leute mit einem Jahresgehalt von hundert- bis fünfhunderttausend Euro netto, in sozial wertvollen Berufen wie dem des Investmentbankers und seines Insolvenzverwalters. Der bürgerliche Zwangscharakter nämlich verachtet noch als Greis, wundgelegen in seiner Scheiße, den Pfleger, der es zu nichts Besserem gebracht hat als zu seinem Wohltäter.“ (aus Gremlizas Kolumne in KONKRET 11/2009)

Marianne Strube, 09.10.2013 22:13
Leider kann ich nur bestätigen,dass Bewohner so ablehnend reagieren.
Ich sehe aber wirklich keine andere Möglichkeit,als die Pflegenden mit möglichst dickem Fell auszustatten. Weil den Kunden des Altenheimes steht fast alles zu,und keiner wird sie mehr erziehen. Spruch einer Bewohnerin: Ich bezahle,Du Sklave. Da war Bewohnerin Nichtdeutsche.
Aber solche Äusserungen sind das was unseren Beruf so schwer macht.

Kornelia, 09.10.2013 15:26
tja daran merkt man dass wir die unsäglichen 12 Jahre immer noch nicht verarbeitet haben, und wie viele Fehler gemacht wurden als man die Einwanderungspolitik verschlief, und die Multi-Kulti-Zeit als einfach gegeben hinstellte (und wie hier einfach sagt hier sind 175 Nationen also)
Es sind alte Ressentiments, altes Denken und die noch überall zu beobachtenden Trennungen von verschiedenen Kulturen

Und dazu: niemals hätte ich als S21 Gegnerin gedacht mit alten Nazi-Sprüchen bedacht zu werden (einmal sogar in Anwesenheit einer Stgt. Journalistin)
die Widerständler könnten wahrscheinlich damit ein Büchlein füllen was ihnen als Nazi-hetz entgegen gespült wurde

Was soll also in Heimen passieren, bei Dementen, wenn einige schon nüchtern und im Alltag so herumfetzen?
dazu siehe auch
http://www.boell.de/de/demokratie/demokratie-entsolidarisierung-heitmeyer-deutsche-zustaende-8883.html


Solche Artikel sind wichtig, danke dafür!

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