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Friedensdemo in Stuttgart

"Klare Botschaft: Stoppt den Krieg!"

Friedensdemo in Stuttgart: "Klare Botschaft: Stoppt den Krieg!"
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 Fotos: Joachim E. Röttgers 

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Datum:

In Hamburg, Leipzig, Berlin, Frankfurt und Stuttgart sind am vergangenen Wochenende rund 125.000 DemonstrantInnen auf die Straßen gegangen. Für einen Stopp des russischen Krieges, für Frieden in der Ukraine. Allein in Stuttgart im Oberen Schlossgarten sollen es 35.000 gewesen sein. Eine Fotostrecke.

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Es war eine bundesweite Kraftanstrengung, die sich gelohnt hat: Unter dem Motto "Stoppt den Krieg! Frieden und Solidarität für die Menschen in der Ukraine!" riefen etwa 40 Organisationen, darunter der DGB, Fridays for Future, der BUND und FriedensaktivistInnen zu Großdemos in mehreren deutschen Städten auf. "Deshalb stehen wir hier", sagte auf der Stuttgarter Bühne Moderator Stefan Tiyavorabun vom SWR und von Verdi. "Um ein Zeichen zu setzen und eine klare Botschaft: Stoppt diesen Krieg!"

Die Stuttgarterin Julia Melnyk sprach ebenfalls auf der Bühne, sie arbeitet als Fotografin und Krankenpflegerin in Stuttgart und erzählte, wie ihre Heimatstadt in der Ukraine, in der ihre Familie lebt, mittlerweile von russischen Soldaten okkupiert worden sei. "Die lassen niemanden raus. Jeder der versucht, raus aus der Stadt zu fahren, wird erschossen."

Viel Zuspruch erfuhr auch Katja Ekaterina Zakharova, Ehrenamtlerin beim Forum für Wissenschaft, Bildung und Kultur in Stuttgart und mit russischen Wurzeln. Ihr brach fast die Stimme bei ihrer Rede. Sie sei wütend auf ihr Land, sehr traurig und sie schäme sich. "Es gibt keine Entschuldigung für das Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte sie. Die Begleiter des Krieges seien Hass, Mobbing, Ausgrenzung und Nationalismus. "Nur das solidarische Miteinander kann uns helfen, die bösen und dunklen Tage zu überstehen."

Am Boden auf einem großen Banner malten Kinder eine Friedenstaube in blauen und gelben Farben aus.

"Seit dem 24. Februar erleben wir einem Albtraum – für die allermeisten von uns ist es ein medialer Alptraum", sagte Kai Burmeister vom DGB. "Für Kinder, Frauen und Männer in der Ukraine ist dieser Alptraum Wirklichkeit." Dann rief er: "Dieser Albtraum muss beendet werden! Präsident Putin, stoppen Sie diesen Krieg! Stoppen Sie die Panzer! Stoppen Sie die Propagandamaschinerie! Großmachtdenken mag Sie antreiben. Das ist das Denken von Gestern! Das ist das Denken, das unseren Kontinent schon mehrfach ins Unglück gestürzt hat!" Tausende Menschen mit Friedensfahnen und Peace-Zeichen applaudierten bei diesen Worten.

Auch der Friedensaktivist und Waffengegner Jürgen Grässlin hatte das Wort: "Während wir hier in Stuttgart und bundesweit für Frieden, Abrüstung und für eine nachhaltige Umweltpolitik demonstrieren, werden in der Ukraine Abertausende Menschen verstümmelt, verkrüppelt, traumatisiert und getötet", sagt er. Dann rief er zum friedlichen Widerstand auf. Wie wäre es, fragte er "wenn Zehntausende weiß gekleideter Frauen und Männer in der Ukraine mit weißen Friedensfahnen die Zufahrtswege in die Städte durch ihre Sitzblockaden versperren würden? Ich bin mir sicher: Russische Panzerfahrer würden diesen gewaltfreien Widerstand nicht niederwalzen oder zusammenschießen." Ein ukrainischer Demonstrant war sich da nicht so sicher und stürmte wütend die Bühne, um seine Fahne zu schwenken.

Wie soll, wollten aufgebrachte DemonstrantInnen vor der Bühne wissen, gegen eine so brutale Aggression friedlicher Widerstand helfen? Besonders aus einer Gruppe UkrainerInnen heraus wurden Plakate in die Höhe gehoben, die eine Flugverbotszone über der Ukraine forderten. Eine Gruppe Demonstrantinnen hatte ein Schild gemalt mit einem großen Regenschirm, darunter eine Gruppe Kinder.

Beeindruckend allemal die Schweigeminute Zehntausender am Eckensee und vor der Oper. Und zum Schluss der Chor aus tausenden Stimmen, der mit "Imagine" von John Lennon den wohl bekanntesten Friedenssong der Welt intonierte. Hoffen wir, dass es was hilft.


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4 Kommentare verfügbar

  • Roland Schäfer
    am 20.03.2022
    Antworten
    Von den drei Kommentatoren lese ich jetzt aber auch keine Idee, wie wir, tausende Kilometer entfernt etwas tun können. Wie stoppt man blutrünstige, machtbesessne Egomanen die sich nicht an Regeln, Vereinbarungen und Gesetze halten wollen?
    Im Großen wie im Kleinen.
    Aus meiner Sicht ist das nicht…
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