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Hoch hinaus für den Frieden

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 Fotos: Joachim E. Röttgers 

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Keine Ostermärsche wegen Corona? Aufrechte FriedensaktivistInnen lassen sich doch von einem Virus nicht am Protestieren hindern. Sie sind an ihre Fenster und auf ihre Balkone marschiert. Und sogar in die Luft gegangen.

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Es hätte ein rundes Jubiläum auf der Straße werden können: 1960 fanden die ersten Ostermärsche in Deutschland statt. Die Bewegung war von Großbritannien aus auf den Kontinent geschwappt, wo 1958, organisiert von der Campaign for Nuclear Disarmement ein erster Marsch gegen nukleare Aufrüstung stattfand. Seitdem demonstrierten Kriegs- und RüstungsgegnerInnen jedes Jahr auf diese Weise. Den Höhepunkt erreichte die Bewegung in den Achtzigern – im Jahr 1983 sollen rund 700.000 Menschen an verschiedenen Aktionen im ganzen Bundesgebiet teilgenommen haben. Nach dem Ende des kalten Krieges schrumpfte die Ostermarschbewegung, die Teilnehmerzahlen sanken im Trend, trotz gelegentlicher Ausschläge nach oben, stetig. Zuletzt waren es an den verschiedenen Demonstrationsorten oft nur noch ein paar hundert Teilnehmer. Aber daran, diese Tradition enden zu lassen, dachte keiner.

Nun gibt es wegen des Kontaktverbots im Rahmen der Corona-Maßnahmen nach 60 Jahren erstmals keine Ostermärsche in Deutschland. Doch die Kriege rund um den Erdball gehen weiter, unzählige Menschen sterben dort täglich. Die deutsche Rüstungsindustrie hat zwar teilweise auf die Produktion von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln umgesattelt, der Rüstungsgigant Rheinmetall sah aber zumindest vor ein paar Wochen noch keine gravierenden Folgen durch die Coronakrise.

Gründe genug also, auch heuer auf die Straße zu gehen. Doch aufrechte FriedensaktivistInnen lassen sich auch von so etwas wie einem Virus nicht vom Protestieren aufhalten – und marschieren einfach an ihre Fenster und Balkone, um dort zu demonstrieren, Fahnen und Banner herauszuhängen. Oder gingen in die Luft mit ihren Forderungen. Das Netzwerk Friedenskooperative hatte jede Menge Ideen aufgelistet, wie der Protest auch 2020 zu Hause stattfinden kann oder virtuell – zum Beispiel auch mit einem "Textarchiv der ungehaltenen Reden". Und einer der prominentesten deutschen Rüstungsgegner, Jürgen Grässlin, steuerte eine Videobotschaft bei: "Abrüsten statt Aufrüsten, Gesundheit statt Gewalt" lautet der Titel, hier auch zum Nachlesen. Ein weiterer großer Themenkomplex, dem nach Corona mehr Präsenz in der Gesellschaft gewünscht sei.


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