Mitten in Stuttgart soll Lenks Laokoon stehen. Unser Fotograf hat das Denkmal des S-21-Protestes schon mal auf einige Plätze montiert. Zum Beispiel mitten auf die Konrad-Adenauer-Straße. Weitere mit Klick auf den Pfeil.

Mitten in Stuttgart soll Lenks Laokoon stehen. Unser Fotograf hat das Denkmal des S-21-Protestes schon mal auf einige Plätze montiert. Zum Beispiel mitten auf die Konrad-Adenauer-Straße. Weitere mit Klick auf den Pfeil.

Auch am Charlottenplatz macht die Skulptur eine gute Figur..

Auch am Charlottenplatz macht die Skulptur eine gute Figur.

Bella Figura auch vor dem Haus der Geschichte.

Bella Figura auch vor dem Haus der Geschichte.

Die Stadt wäre schön blöd, wenn sie sich der geschenkten Kunst verweigern würde, meint Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. Wir wär's also mit dem Rathausplatz?

Die Stadt wäre schön blöd, wenn sie sich der geschenkten Kunst verweigern würde, meint Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. Wir wär's also mit dem Rathausplatz?

Oder vor der Villa Reitzenstein?

Oder vor der Villa Reitzenstein?

Unterm Weinberghäusle der IHK, wo S 21 ausgeklüngelt worden sein soll?

Unterm Weinberghäusle der IHK, wo S 21 ausgeklüngelt worden sein soll?

Auch ein passendes Plätzchen: vor dem Hauptbahnhof. Dort bieten sich ...

Auch ein passendes Plätzchen: vor dem Hauptbahnhof. Dort bieten sich ...

... gleich mehrere Möglichkeiten. Hier könnte sich Bezirksvorsteherin Kienzle den Lenk gut vorstellen.

... gleich mehrere Möglichkeiten. Hier könnte sich Bezirksvorsteherin Kienzle den Lenk gut vorstellen.

Oder gleich mitten rein in die S-21-Baustelle.

Oder gleich mitten rein in die S-21-Baustelle.

Ausgabe 424
Kultur

Der beste Platz für einen Lenk

Von Susanne Stiefel
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 15.05.2019
Stuttgart ziert sich. Da bekommt die Landeshauptstadt eine Skulptur des Bildhauers Peter Lenk geschenkt – und weiß nicht, wohin damit. Kontext hilft gerne bei der Suche nach einem schönen Platz für ein imposantes S-21-Denkmal.

Bernd Spellenberg, 72, ist so etwas wie der Denkmalbeauftragte der Bahnhofsgegner geworden. Weil er Kunst liebt, den Künstler Peter Lenk schätzt und es doch nicht sein kann, dass alle klemmen, wenn es um einen Platz für dessen Skulptur geht, ist er zum Locationscout geworden. Also rein ins Rathaus. Der Tag der offenen Tür kommt ihm grade geschliffen.

Mit der Broschüre "S 21 – das Denkmal. Die nackte Wahrheit über S 21" ist er in Fritz Kuhns Amtszimmer marschiert und tatsächlich mit einer Zusage herausgekommen. Er möge sich wegen eines Termins an seine Assistentin wenden, sprach der grüne Oberbürgermeister, der auch auf die Pflege der Kultur achten muss. Immerhin: Mit der Gesprächsbereitschaft hat er seinen Baudezernenten Peter Pätzold überholt, der lieber einen Baum pflanzen will. Aufzuholen hat Kuhn freilich noch gegenüber seinem Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU), der Mut und Ehrgeiz beweist, künstlerisch verewigt zu werden: "Hoffentlich bin ich auch dabei."

Genau davor fürchten sich einige Großkopfete in der Stadt. Wessen Kopf wird den acht Meter hohen Laokoon zieren, der nackt und verzweifelt mit den ICE-Schlangen ringt? (Kontext berichtete.) Wen wird der Satiriker vom Bodensee noch aufs Korn nehmen, an den Seitenwänden des Sockels durch den Kakao ziehen oder auf den Reliefs veralbern? Das verrät der Künstler nicht. Nur so viel: "Es wird drei weitere große Reliefs mit ca. 150 Personen geben." Eine Chance nicht nur für den Ordnungsbürgermeister. Ein Baum, verrät der Künstler, sei selbstverständlich auch dargestellt. Baumschützer und Sägekettentruppe inklusive, versteht sich. Ob das den Baubürgermeister beruhigt, wird sich weisen.

"Jedes Dixi-Klo findet in der Stadt einen Platz!"

Weniger Bedenken hat die Stuttgarter Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. "Die Stadt wäre ja schön blöd, wenn sie sich verweigern würde, das ist doch ein tolles Angebot des Künstlers", betont die Grünen-Politikerin. Sie weiß, dass die in Stein gemeißelten Lenk-Fantasien frech sind, weil sie den Mächtigen gerne die Hosen ausziehen und dem Spott preisgeben. Wie etwa das Denkmal von Martin Walser in Überlingen, das den Dichter mit Schlittschuhen auf einem Esel zeigt und ihm den Weg zum Frisör vergällt hat. Kunst muss nicht allen gefallen. So oder so: "Eine S-21-Skulptur ist ein Dokument seiner Zeit, es soll und muss zu Diskussionen anregen", sagt Kienzle.

Peter Lenk eckt an, das gehört zum Programm. Der Meister der kunstvollen Provokation spaltet in glühende Verehrer und empörte Widersacher. Vor seinem Spott ist keiner sicher. Und ganz besonders trifft er die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die für das Bahnhofsprojekt verantwortlich sind. Es gibt also von Ministern über Oberbürgermeister bis hin zum Ministerpräsidenten gewisse grüne Befürchtungen. "Das ist womöglich der Grund für die Zurückhaltung", mutmaßt Veronika Kienzle.

Für die Grüne, die in der Stadt für die Mitte zuständig ist, ist eins klar: "Der Lenk gehört in die Innenstadt und muss Blickkontakt zu der Bahnhofsbaustelle haben." Und wenn es keinen Platz gibt? Da wird Kienzle energisch: "Jeder Baucontainer und jedes Dixi-Klo findet in der Stadt einen Platz!" Sie ist bereit, eine öffentliche Begehung zu organisieren. Bei jedem Hotel, bei jeder Baustelle werde das gemacht, mit Luftballons die Höhe angezeigt, das könne man auch bei der Kunst machen.

Bernd Spellenberg, der Denkmalbeauftragte der S-21-Gegner, macht auch nach dem Tag der offenen Tür unverdrossen weiter. Er sammelt Spenden, weil allein das Material des Lenkschen Kunstwerks rund 100 000 Euro kosten wird. Er sucht weiter nach einem Ort, wo der erste Lenk in Stuttgart gut zur Geltung käme. Und er beruhigt Menschen, die sich beklagen, dass sie das Geschlechtsteil des Laokoon nicht in voller Pracht sehen wollen. Da kommt nämlich ein Feigenblatt drüber.

Feigenblatt hin oder her: Kontext hilft gerne bei der Platzwahl. Unser Fotograf Joachim E. Röttgers hat das Denkmal schon mal auf verschiedene Orte montiert. Und unseren LeserInnen fallen sicher noch weitere sinnträchtige Orte ein. 

 


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9 Kommentare verfügbar

  • Bruno Neidhart
    am 18.05.2019
    Kunst, wenn es sich um so was handeln solllte, kann manchmal grausam sein. Da dürfte der kommende Tiefenbahnhof - bei grundsätzlicher Kritik! - geradezu ästhetisch beschwingt daher kommen (.....hätte mir, es sei erwähnt, einen Kombibahnhof vorstellen können!).
  • Volkherr Zwey
    am 18.05.2019
    Kunst? Das? Mein lieber Schwan. Das ist ja schlimmer als im Märchen vom Kaiser und seinen neuen Kleidern, in dem jeder den fetten Popen in seiner ganzen Nacktheit anstarrt und keiner den Mut hat, ihm zu sagen, dass der Anblick einfach nur widerlich ist (wie die ästhetische Beleidigung einer Angela M. aus der Uckermark im Badeanzug, aber das ist ein ganz anderes Thema). Gibt es keinen Autoverwerter, bei dem man das „Kunstwerk“ zwischenlagern könnte, bis in einer der von den Dieselfahrverbotsopfern überlasteten Schrottpresse mal wieder ein Plätzchen frei ist? Oder aber: Warum stellt man dem politisch verschwurbelten Gerippe von Peter Lenk nicht – unter dem Aspekt politischer Neutralität – ein Kunstwerk der S21-Befürworter gegenüber … die gibt es nämlich auch und sie sind ebenfalls ein integraler Bestandteil des demokratischen Spektrums der Bananenrepublik Deutschland.
    • PeterPan
      am 18.05.2019
      Lieber Volker 2 (so ist ihr Synonym ja wohl zu lesen):
      Ich hätte nichts gegen ein Kunstobjekt der S21-Befürworter, aber von dort kommt ja nix. Gegenüberstellung beider fände ich demokrtatisch spannend. Vielleicht nach Fertigstellung in unmittelbarer Nähe zum fertigen Werk Ingenhovens. Denn es wird auch nach der Fertigstellung weiter polarisieren.
      Dass die Stadt sich so schwer tut mit der Platzsuche kann ich mir gut vorstellen. Sie schafft es kaum sich mit der NS-Vergangenheit angemessen zu arrangieren (Hotel Silber). Engagement der Zivilgesellschaft muss das übernehmen. Sie hat kein Interesse an einem wirklich einzigartigen Modell der Stuttgarter Innenstadt um den Bahnhof mit Stand der 80er Jahre und auch dafür muss man nun nach Herrenberg fahren (Stellwerk-S) weil es Privatmenschen in die Hand genommen haben dieses einzigartige Objekt zu sichern und zu erhalten.
      Und Fr. Kienzle hat unbedingt recht, aber Standorte für Dixi-Klos zu finden liegt wohl grade noch so im Kompetenzrahmen Stuttgarter Politfiguren. Als seinerzeit der bunte Stahlschrottkoloss auf dem Schlossplatz platziert wurde bewiesen sie auch schon ihre Feinfühligkeit und Kompetenz. Auch wenn das damals andere waren. Die Bürger haben gelernt angestrengt dran vorbei zu sehen. Wie heute an der Skandal-Großbaustelle mitten in ihrer Stadt.
    • Volkherr Zwey
      am 20.05.2019
      PeterPan, ich gebe Ihnen in weiten Teilen recht, wobei sich meine Kritik in erster Linie gegen das richtet, was heutzutage als „Kunst“ bezeichnet wird und meinem Geschmacksempfinden komplett widerspricht. Stahlkolosse, Schrottschweißarbeiten (wie ich sie während meiner Lehre in den 80ern während des Schweißerkurses aus Stanzresten zusammenbördeln durfte, ohne dass jemand ungeachtet des hohen ästhetischen Wertes auf die Idee gekommen wäre, es könne sich dabei um „Kunst“ handeln), Fettberge oder brünstige Videoinstallationen mögen in den Augen der Urheber und einer kleinen verblendeten „Elite“ als Kunstwerke angesehen werden, die überwältigende Mehrheit der Menschen verbindet mit diesem Begriff bis heute eher die Namen Albrecht Dürer, Michelangelo, Leonardo da Vinci oder Peter Paul Rubens. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe, und deshalb ist es auch gut so. Ich muss nicht jedes Kackwürstchen, das ein Geisteskranker in einer Galerie absondert, als Meilenstein der menschlichen Entwicklung betrachten, wenn ich für mich entscheide, dass es eben doch nur ein Kackwürstchen ist.

      Ach so. Ich heiße, wie ich heiße. So und nicht anders.
    • Riccki
      am 21.05.2019
      @PeterPan
      Es wird sicherlich ein Platz von den Grünen für dieses "Umsonst" Monument gesichtet, gefunden und aufgebaut werden!

      Und was Gegenüberstellung betrifft:
      Es wird doch seit Jahrhunderten gegen übergestellt:
      Die Einen sparen sich die Dinge vom Mund ab
      Und
      Die Anderen kriegen "ihr Ding" von der Solidargemeinschaft gesellt.

      Da hat die sogenannte Demokratie nix dran verändert!

      PS:
      Der Pavillon der K21 Bewegung wurde wegen FloraFauna oder so Schutzgebiet nicht genehmigt.... der "Grube" durfte aber platt machen....
  • Heike Schiller
    am 17.05.2019
    Kunst in der Stadt. Kritisch, aufrüttelnd von einem angesehenen, ja bissigen Künstler von Renommee zumal soll gemahnen und erinnern an die »Jahrhundertleistung S21« samt den verantwortlichen Köpfen, die vor bald 25 Jahren diesen Humbug auf den Weg gebracht haben und all den Köpfen, die ihn manifestiert haben im Lauf der Zeit. ein diskussionswürdiges und wohlfeiles Anliegen, das der Künstler ganz uneigennützig und faktisch für umme in der Stadt sehen will. ich mag seine Arbeiten.
    irgendwo auf der internetseite des Vereins Aufbruch steht sinngemäß, wenn ich es richtig erinnere: es sei als habe die Stadt nur auf diesen Verein gewartet. so kommt mir grad die Sache mit diesem Denkmal vor: die Verfechter tun grad so, als warte die Stadt darauf und man müsse nur ordentlich spenden und einen Platz dafür finden, dann ist die Sache geritzt. ich habe auf beide nicht gewartet. gut finde ich die Debatten über all die Fragen, auf dass sie unsere gewählten und zu wählenden RepräsentantInnen in den demokratischen Entscheidungsgremien zu klugen Entscheidungen ermuntern. ob dann dieses oder vielleicht ein ganz anderes oder gar kein Denkmal zum Thema eines Tages die Stadt ziert und den nachfolgenden Generationen, Zugezogenen und Gästen das Thema im Blick hält spielt dabei keine Rolle. auf mich hat die Stadt auch nicht gewartet. ich bin ganz uneigennützig in sie hineingeboren worden, bis heute geblieben und habe meinen Platz gefunden. einen festen Platz werde ich nach meinem ableben auch hier haben. Wer Lust hat, kann darauf gern ein Denkmal errichten. Der Platz wird für 25 Jahre bezahlt sein. Ich finde, das ist doch ein Angebot.
  • Martina Auer
    am 16.05.2019
    Vielleicht gibt es noch einige Vorschläge aus der Leserschaft zu möglichen Standorten des Laokoons. Es sollte auf jeden Fall ein exponierter Standort sein, die B14 wäre da doch zu abgelegen.

    Ein Vorschlag meinerseits wäre ein Standort direkt am Eingang des - so er denn gebnaut wird - Tunnelhalts. So dass jeder Reisende daran vorbei läuft. Die Anbringung direkt auf dem Dach des Bahnhofsturms wäre ja vermutlich nicht machbar.

    Weitere Vorschläge?
  • Kurt Adelsohn
    am 16.05.2019
    Der Lakoon kommt gereade im richtigen Moment, da wäre doch endlich mal was gegen die Langeweile in der Stadt getan. Stuttgart hat die einmalige Chance sich als weltoffene und geistreiche Stadt zu präsentieren, und das sollte sie sich definitiv nicht entgehen lassen. "Lenk in Stuttgart" ... eindeutig ein grosse Bereicherung für Geist und Seele!
  • Peter Meisel
    am 15.05.2019
    Danke für diesen Hinweis, denn ich habe bereits gespendet und bin von Peter Lenk und seinen Botschaften begeistert! Er schaut hin, was jeder Souverän in einer Republik tun sollte um die gewählten Regierenden zu prüfen!
    Ich habe für den Laocoon gespendet und empfehle dies den Menschen in Baden-Württemberg ebenfalls:
    Konto des Bildhauers Peter Lenk: IBAN DE 041605 0000 3527 0018 66
    BIC WELADEPMB
    Betreff bitte angeben: "Lenk in Stuttgart"

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