Ausgabe 421
Kolumne

Lieber Fritz Kuhn

Von Peter Grohmann
Datum: 24.04.2019

Lieber Fritz Kuhn,

natürlich freuen sich Grüne, SPD und viele von uns, wenn der Stuttgarter Airport brummt und sich in absehbarer Zeit das Fluggastaufkommen fast verdoppelt haben wird. Wer wartet schon gern auf die Bahn und dann in einem Tunnel auf die Feuerwehr? Im Grunde unseres Herzens sind wir aber alle ein wenig Greta, freuen uns über Schulschwänzer, leicht vegane Maultaschen und Sigmar Gabriel, den künftigen Aufpasser im Aufsichtsrat von Deloitte. Deloitte ist einer der weltweit größten Wirtschaftsprüfer und Lobby-Akteure. Lieber Fritz: Hättet Ihr den mit im Boot gehabt damals, dann hätte es nie einen Klinikskandal gegeben! Gabriel kann also demnächst den Blick vom Kölner Klüngel bis nach Bukarest kreisen lassen und so etwa den Parteichef von Rumäniens Sozialdemokraten im Auge behalten. Der ist ein vorbestrafter Krimineller, und er ist's nicht allein, da gilt's aufzupassen, liebe SPD! Wir brauchen Euch als Antikorruptionspartei.

Nun sind die Schönen Stuttgarts allerdings irritiert über den schnellen Stuhl oder, wie meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen würde, den geistigen Dünnpfiff auf vielerlei Wahlplakaten. So wie seinerzeit niemand die Absicht hatte, eine Mauer zu bauen, hat auch heute niemand die Absicht, jedweder Wahlwerbung über den Weg zu trauen. Insoweit könnte einem das plakative Kuhn-Bashing zur Kommunalwahl am Allerwertesten vorbeigehen: Du sollst irgendwie korrupt sein und keine Wohnungen gebaut haben. Fritz, sei mal ganz ehrlich: Stimmt das? Vor ein paar Jahren haben ja SPD und Grüne 21 000 LBBW-Wohnungen im Land an die Augsburger Immobilienfirma Patrizia verscheuert und Belgrad bombardiert. Die CDU würde so etwas nie umsonst machen. Die Wohnungen mit "günstigen Mieten" haben jetzt gewissermaßen ein neoliberales Nachspiel: Die Mieten steigen, aber nur wegen Angebot und Nachfrage. Vielleicht fragst Du uns jetzt wie der Altlinke Jean Ziegler und viele andere: Was ist denn so schlecht am Kapitalismus? Leben wir nicht in der besten aller Welten? Jean Ziegler, Frau Glimbzsch und der Papst widersprechen: Nein.

"Wüsten und Meere sind zu Friedhöfen geworden für Männer, Frauen und Kinder, die wir nicht retten konnten oder wollten. Während Regierungen diskutieren, eingeschlossen in den Palästen der Macht, füllt sich die Sahara mit den Skeletten all jener, die Mühen, Hunger und Durst erlagen. Grausam wird auf all jenen herumgetrampelt, die fliehen", hieß es beim Kreuzweg am Karfreitag in Rom. Katholische Propaganda. 


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

3 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 24.04.2019
    Danke, dem kann ich mich nur anschließen! "Wüsten und Meere sind zu Friedhöfen geworden!" Toll, sogar der Papst hat die Greta Thunberg empfangen, weil er an diese Jugend glaubt, denn nur die Jugend erwartet Zukunft? Im Grunde unseres Herzens sind wir aber alle ein wenig Greta, freuen uns über Schulschwänzer: Denn wozu lernen, wenn wir inzwischen unsere eine Welt aus Gier (z.B. Automobil Industrie d.h. "mit Fleiß" zerstören)
    Ich bin gespannt, ob Fritz Kuhn wenigstens für Peter Lenks Laocoon, analog der Imperia zur Erinnerung an das Konstanzer Konzil, einen würdigen Platz in Stuttgart zur Erinnerung an die schwäbische Hauptstadt und der Erfindung der Kehrwoche finden wird?
    Es würde sich lohnen? Geist und Gier gab es schon früher:
    Das Jahr 1492 war entscheidend für diese strukturell konservative Stadt, eine Stadt, die für ihre Pietisten und ihre Kehrwoche bekannt ist. In jenem Jahr wurde in Stuttgart die Ordnung, Sauberkeit, das Selbstbewusstsein der Bürger und die Kehrwoche eingeführt.
    Etwas sollte doch übrig bleiben?
  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 24.04.2019
    Wie Peter Grohmann,
    Floskel oder tatsächlich „Lieber Fritz Kuhn,“ – nicht doch, denn was auch gemeint sein mag, es wird _nicht_ gerecht sein!

    Heute Morgen in den SWR4 Regionalnachrichten bereits um 06.30 Uhr diese Meldung:
    „Lärm im Straßenverkehr ist nicht nur ein Stressfaktor, er macht auch krank! Darauf will der heutige internationale Tag gegen Lärm aufmerksam machen.
    In Stuttgart hatten die Grünen bereits Anfang 2018 Gegenmaßnahmen in Stuttgart Süd gefordert.
    Kai Lenk: Ein Gutachten soll klären, ob Tempo 30 oder Tempo 40 auf verkehrsträchtigen Trassen im Stuttgarter Süden für weniger Lärm sorgen könne, sagte ein Sprecher der Stadt auf SWR-Anfrage.
    Die Frist für entsprechende Angebote sei jetzt abgelaufen.
    Der Gemeinderat wolle noch vor der Sommerpause eine Auswahl treffen, welcher Gutachter den Zuschlag bekommt. Das Verfahren sei deshalb so langwierig, weil vorangegangene Untersuchungsangebote zu teuer gewesen seien, und die Stadt um Neue gebeten habe.“

    Würde selbiger Fritz Kuhn das Anforderungsprofil des Oberbürgermeisters kennen, so würde er die grundsätzlichen Aufgabenstellungen erfüllen können – [b]kann Fritz Kuhn nicht![/b]
    Zurückblicken Fehlanzeige, um bereits bestehende Er-Kenntnisse in Anwendung zu nehmen!!!

    Ins Jahr 1957 zur Lärmbelastung der Bewohner*Innen:
    Stuttgarter Zeitung 03. Mai 1957, Seite 24
    [b]"Lärm ist ungesund"[/b] Schallschutzausstellung im Landesgewerbeamt
    Vom 02. Mai bis 19. Juni ist im Grauen Saal des Landesgewerbeamtes in Stuttgart
    die Ausstellung "Schallschutz im Hochbau" zu sehen ....

    Landeshauptstadt Stuttgart – Amt für Umweltschutz – Abteilung Stadtklimatologie
    [b]Lärmumfragen 2002-2016[/b] https://www.stadtklima-stuttgart.de/index.php?laerm_einfuehrung

    24.4.2019, 6.16 Uhr SWR» Aktuell #zuLAUT in Baden-Württemberg https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Baden-Wuerttemberg-zuLAUT-Strassenverkehrslaerm-gefaehrdet-Gesundheit-von-240,strassenverkehrslaerm-bw-zu-laut-100.html
    Straßenverkehrslärm gefährdet Gesundheit von 240.000 Menschen

    SWR-Mitmachaktion Ist es in Ihrer Straße auch zu laut? Jetzt mitmachen!
    • peter grohmann
      am 28.04.2019
      Ja, mitmachen und selbst machen, aufstehn statt sitzenbleiben

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr
unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.
JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!