KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Lug, Trug und Hayır!

Lug, Trug und Hayır!
|

Datum:

Einer der ganz großen Autohersteller hat zugegeben – nein, nicht bei uns, sondern jenseits der großen Wasser –, was fast alle längst wussten: Lug und Trug. Gelesen liest's sich denn doch saftiger: Die Diesel-Skandal-Firma hat sich in den USA in allen drei Anklagepunkten schuldig bekannt: der Verschwörung zum Betrug, der Behinderung der Justiz und dem Verkauf von Waren unter falschen Angaben.

Nun gut, das ist hierzulande weitgehend handelsüblich. Dass ein paar Verschwörer, Betrüger und Lügner, verfolgt von der Gerechtigkeit, erwischt worden sind, lässt hoffen. Und wer ist bei uns schneller: Lug und Trug oder die Gerechtigkeit? Alles Peanuts, würde da die Deutsche Bank sagen – der Steuerzahler steckt die 4,3 Milliarden Dollar doch mit links weg, samt der ganzen Gerechtigkeit.

Mensch, gelegentlich muss doch jeder mal so richtig die Sau rauslassen dürfen! Ideal ist da das Schwäbisch-Hällische Landschwein. Eben hat auf diese Weise auch Super-Martin großen politischen Landstrichen in Deutsch-Südwest zum Aufatmen verholfen. Selbst meine Omi Glimbzsch in Zittau musste fast weinen. Nichts auf der Welt ist so ungerecht verteilt wie die Gerechtigkeit und der Verstand, sagte sie, im Blick stets die Reichen und Schönen.

Hoffen und Harren ist etwas zu wenig in diesen Zeiten. Da gehen europaweit zehntausende von Menschen auf die Straße, um für ein anderes, für ihr Europa zu streiten, ein Europa, das seine verloren gegangenen Werte wiederentdeckt, das sich stark macht für Menschenrechte, das seine Brüder und Schwestern jenseits von Mauern und Stacheldraht nicht vergisst. Momentan ist das vor allem das Europa der Straße, blau getüncht und interkulturell.

Wenn der Kampf um Posten und Mandate jetzt an Fahrt aufnimmt, brauchen wir aus Brüssel und Straßburg und auf den Straßen ein unüberhörbares Hayır! – ein unmissverständliches Nein an die Adresse der Nationalisten, die mit völkischen Suppenküchen und naiven Sprüchen durch die Lande ziehen. Denen ist jede Art von Korruption, jeder Skandal willkommen, jedes Rede- und Versammlungsverbot. Das Nein, das Hayır, das Stopp! muss jeder Form von Willkür gelten – als Zeichen europäischer Vernunft gegen Inzucht und Einfalt.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts AnStifter.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


0 Kommentare verfügbar

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer Mittwoch morgens unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!