Aus dem Heimatministerium geleakter Entwurf einer neuen Deutschlandflagge. Wirklich.

Ausgabe 366
Debatte

Seehofer wird's richten

Von Rupert Koppold
Datum: 04.04.2018
Das neue Heimatministerium ist extrem breit aufgestellt. Das zeigen schon die ersten Bilder aus Horst Seehofers neuem Reich in Berlin. Eine ebenso extreme Betrachtung über Männer, Plateausohlen und Hostien mit Geschmack.

Halleluja! Ein Gesetz gegen das Weißwurstfälschen! Ja, da hat es unser Seehofer aber mal krachen lassen. Diese üble und von dahergelaufenen Ausländern praktizierte Praxis, die wo keinen Respekt vor gar nix und nicht mal vor einer Weißwurscht haben, die wird in Zukunft sauber abgestraft. Pro Paar zwei Stockhiebe, und zwar ausgeführt in Altötting, wo ein bayerischer Brauch nämlich noch ein bayerischer Brauch ist.

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Das Heimatministerium hat jetzt herausgefunden, dass der große Markus Söder gar nicht so groß ist. Nämlich gar nicht, wie er behauptet, so groß wie der Seehofer, sondern einen Zentimeter drunter. Jawohl, das lässt sich beweisen! Und überhaupt steckt der Söder in dreizehn Zentimeter hohen Plateausohlen, was ein echter bayerischer Ministerpräsident wie Horst Seehofer nicht nötig gehabt hätte beziehungsweise sogar überhaupt nicht hat.

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Fürs Weltkulturerbe hat Seehofer jetzt das uralte und jedenfalls schon unter Franz-Josef Strauß gepflegte Ministrantenschinden vorgeschlagen. "I bin sehr zuversichtlich, dass dieser schöne Brauch unter globalen Kulturschutz gestellt wird, sonst werd' I' nämlich andere Saiten aufzieh'n!", sagte der Minister verschmitzt und schloss seine Rede mit diesem Schnorchel-Lachen ab, das nur er so virtuos beherrscht.

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Der Fortschritt macht auch vor dem Heimatministerium nicht Halt! Es soll jetzt nämlich der Geschmack der Hostien verbessert werden, so der Minister, der es freilich weit von sich weist, dass das wegen seines persönlichen Erlebnisses mit einem kulinarisch nicht mehr einwandfreien und dadurch eventuell um seine volle Segenswirkung gebrachten Exemplar geschehe. Es werde, so Seehofer, derzeit mit verschiedensten Geschmacksrichtungen experimentiert. Bei den Weibern über sechzig käme ein Gugelhupfgeschmack am besten an, die Burschen dagegen gingen geschmacklich eher in Richtung Schweinebraten.

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Eine üble und von Ausländern erfundene Verleumdung sei es, dass in seinem Ministerium Lederhosenzwang herrsche, sagte der Minister anlässlich einer zünftigen Maßkrugprämierung. Natürlich, ja, es werde von ihm schon gern gesehen, wenn seine Burschen ihre Dienste in der Krachledernen verrichteten, so steckte es ein gut gelaunter Seehofer dem "Altöttinger Trachten-Boten". Aber hinausgeschmissen, weil ohne so ein Hose gewordenes Stück Bayern, habe er kaum jemanden. Von einem Lederhosenzwang könne also kaum oder vielleicht sogar gar nicht die Rede sein.

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Seine Heimatstadt Ingolstadt sei im "kulturellen Sinn" um einiges größer als Berlin, sagte der Minister, es gebe dort vor allem auch mehr Heimat. "Deshalb nennt man's ja auch meine Heimatstadt", so der wieder mal verschmitzt schnorchelnde Seehofer, der jetzt die Umplatzierung des Heimatministeriums nach Ingolstadt veranlassen will. Dort allerdings ließe sich ein Lederhosenzwang dann wohl nicht mehr vermeiden.

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Zum Beweis, dass es im Heimatministerium bisher gar keinen Lederhosenzwang überhaupt nicht gibt, hat der Minister seine Burschen schnell in Anzüge gesteckt und dann sehr breit aufgestellt. Dass auf dem Foto keine Weiber zu sehen seien, wie es die von immer mehr Ausländern unterwanderten Medien kritisieren, das sei natürlich ein Schmarr'n, so der Seehofer. Hinter ihm nämlich, aber halt ein bisschen verdeckt ("So um die hundert Prozent") stehe die Resi schon bereit für Bestellungen: "Hallo, Resi, no' a Maß, aber fix!", so schmunzelt nach dem Fotoschießen der Minister, während seine Burschen schon wieder in ihre Lederhosen hupfen.


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3 Kommentare verfügbar

  • Johannes Bucka
    am 30.04.2018
    Das Symbol des Kreuzes ist ein Symbol des Todes, der Folter und der Vernichtung. Kein Mensch sollte gezwungen werden, sich diesem Symbol auszusetzen. Ich wurde als Kind ohne zu Fragen unter diesem Symbol getauft. Es gehört nicht zu meinem Wunschsymbol. Ein Symbol der Freiheit, der Auferstehung und des Lebens und des Friedens und der Liebe wäre mir lieber. Wer definiert denn unsere Kultur. Doch nicht das Kreuz.
    Der Stern der Juden auch der Halbmond der Muslime ist vielsagender. Unter dem Kreuz wurden Kiege geführt, Kreuzzüge mit dem Ziel ganze Kulturen zu vernichten. Das ist weiß Gott kein vorbildliches Symbol. Unter den anderen Symbolen wurden freilich auch Kriege geführt. Daher sollte der Staat hier sich lieber neutral verhalten und die Glaubenssymbole den Religionen und den Kirchen überlassen. Ich bin bereit mich für die Konvention der Menschenrechte ins Zeug zu legen. Die sind überkonfessioneller Konsens oder sollte es zumindest werden. Sich dafür zu verkämpfen kann sich lohnen.

    Behörden sind für alle Menschen einer Bevölkerung da. Da gehören keine Symbole einer einzigen Religionsgemeinschaft hin. Dafür ist keinerlei Spielraum. Die Zeit, in der der Staat oder andere Obrigkeiten seinen Bürgern vorschreiben darf, welche Bilder und Symbole er aufzuhängen hat oder ertragen soll, ist hoffentlich endgültig vorbei. Ich kann mich noch erinnern, wie Erwachsene mir vorschreiben wollten, welche Länge mein Haar haben darf, welche Schuhe o.k. sind, dass Mädchen gefälligst nur mit Rock das Haus verlassen dürfen usw. Da muss man nicht drüber diskutieren. Wer dahin zurück will, der sollte mit starkem Widerstand rechnen müssen.

    Kreuze gehören in die Kirche von mir aus. Religiöse Symbole gehören auch nicht in die Schule oder in die Uni. Die sind genauso zur Neutralität verpflichtet.
    Ob das Kreuz das richtige Symbol für die Christenheit ist, kann man diskutieren. Da kann man durchaus unterschiedliche Positonen vertreten. Aber das soll bitte eine innerkirchliche Diskussion bleiben und darf nicht in die Amtsstuben getragen werden.

    In der Bibel ist das Kreuz nicht vorgesehen. Es war ein Betriebsunfall. Jesus wollte nicht von seinen Gegnern gekreuzigt werden. Wenn die Römer ihn nicht ermordet hätten, wäre er nicht am Kreuz gestorben. Die Botschaft weist über das Kreuz hinaus. Die Kirche aber bleibt beim Kreuz stehen. Das offene Grab ist das entscheidende Symbol. Die Himmelfahrt. Das Wasser und die Taufe, die Fische als Ursprung des Lebens. Es gibt hunderte von Symbolen, die eine größere Bedeutung haben für das Christentum als das unchristliche von den Römern stammende Mordinstrument des Kreuzes.

    Vielleicht sollten die Christen nach 2000 Jahren mal grundsätzlich über ein neues Logo nachdenken anstatt weiter auf das Kreuz, ein Werkzeug der Hinrichtung und Unterwerfung zu setzen. Die Franzosen haben nach der Revolution ja auch nicht das Schafott als Symbol des Aufbruchs gewählt sondern Marianne mit der Freiheitsfahne.
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 06.04.2018
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es freut mich außerordentlich, dass im neuen Innen- und Heimatministerium ganz offensichtlich wieder Redlichkeit herrscht! Wichtige und traditionelle Bräuche werden wieder hochgeschätzt, und christliche Wertvorstellungen halten wieder Einzug. Die offenbar wieder einigermaßen redliche CSU erweist sich damit als möglicher Koalitionspartner, sollte die absolute Mehrheit der Partei bibeltreuer Christen nach der nächsten Bundestagswahl (von der ich aufgrund der Verredlichungsbemühungen von mir und einigen Mitstreitern fest rechne) wider Erwarten doch knapp verfehlt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • Peter Meisel
    am 04.04.2018
    Halleluja! Das ist die passende Einführung: Halleluja! !
    Seehofer bekommt von mir Heimatkunde:
    Der Christlich Soziale Heimat Minister aus dem katholischen Bayern erinnert mich an die deutsche Geschichte und die Ausrottung der Staufer Dynastie. Die Klugheit hatte ihnen beim Kreuzzug statt Gemetzel, Jerusalem als Geschenk gebracht. Eine Anerkennung für die Falken Jagt.
    Das Wappen der Staufer, von Kaiser Barbarossa und Friedrich II, König von Sizilien, Kaiser des Römisch Deutschen Reiches, König von Jerusalem, zeigt 3 schwarze Löwen auf gelben Grund. Dieses Wappen trägt heute in BW jedes KFZ auf dem Nummernschild und jeder Polizist am Ärmel.
    Weil Friedrich II 1232 eine Glaubensfreiheit (heute Artikel 4 GG) den Christen, Juden und Muslimen garantiert hatte, wurde die Familie der Staufer von Papst Clemens' IV. ausgerottet. Der 16 jährige Konrad von Hohenstaufen, geboren am 25. März 1252 auf Burg Wolfstein bei Landshut, wurde 1267 vom Papst exkommuniziert und am 29. Oktober 1268 in Neapel enthauptet. Jetzt verstehe ich mehr von unserer bayerischen Heimat!

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