KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Kindsmord in Stuttgart: Gerda Metzger kurz vor der Entführung; links ihre Mutter Berta

Kindsmord in Stuttgart: Gerda Metzger kurz vor der Entführung; links ihre Mutter Berta

Ausgabe 110
Zeitgeschehen

Vertuschter Kindsmord

Von Hermann G. Abmayr
Datum: 08.05.2013
Ärzte sprachen von "Kinderfachabteilungen". In Wirklichkeit waren es getarnte Mordanstalten. Verantwortliche NS-Mediziner wie Karl Lempp und Magdalene Schütte gingen straffrei aus.

Das Schicksal der kleinen Gerda Metzger hat viele bewegt. Das knapp vierjährige Mädchen, das unter spastischen Lähmungen litt, ist Mitte 1943 der Mutter entrissen und in der "Kinderfachabteilung" des Städtischen Kinderkrankenhauses in ermordet worden. Kontext berichtete über den Stuttgarter Kindsmord.

Erst in jüngster Zeit sind die geheimen "Kinderfachabteilungen" der Nazis einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden. Noch wissen die Historiker nicht genau, wie viele es gab. Nachgewiesen sind reichsweit bisher über 30. Eine davon befand sich im Zentrum von Stuttgart in der heutigen Türlenstraße. Seit Kurzem liegt dort ein Stolperstein für Gerda Metzger.

"Arbeitsteilige Täterschaft" 

Verantwortlich für die Ermordung von Tausenden von Kindern in den letzten Jahren des "Tausendjährigen Reiches" waren viele Menschen. Die historische Kriminologie, so Thomas Stöckle, der Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, habe dafür inzwischen den Begriff "arbeitsteilige Täterschaft" entwickelt. Doch zunächst hat man in Deutschland – von Ausnahmen abgesehen – jahrzehntelang geschwiegen oder beschönigt. Auch in Baden-Württemberg oder Stuttgart, wo Ärzte wie Eugen Stähle, Otto Mauthe, Karl Lempp und Magdalene Schütte für die Verbrechen verantwortlich waren:

Eugen Stähle (Jahrgang 1890) war Obermedizinalrat und Ministerialrat im württembergischen Innenministerium und Chef der Gesundheitsabteilung.

Otto Mauthe (Jahrgang 1892) war Obermedizinalrat, Stellvertreter Stähles und "Berichterstatter für das Irrenwesen sowie Ehe- und Erbgesundheitsfragen".

Karl Lempp (Jahrgang 1881), war Leiter des Kinderkrankenhauses, das aus mehreren Standorten bestand, sowie seit 1941 kommissarischer Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts. 

Magdalene Schütte (Jahrgang 1904) war zunächst Assistenz-, dann Oberärztin im Städtischen Kinderkrankenhaus.

Seit einigen Jahren bestätigen mehrere Veröffentlichungen zur NS-"Kindereuthanasie", dass es eine getarnte Tötungseinrichtung in Stuttgart gab. Den ersten Hinweis hatte der NS-Forscher Ernst Klee gegeben, ohne aber die Details gekannt zu haben. Nur einer, der Backnanger Gymnasiallehrer Horst Königstein, bestreitet den Stuttgarter Kindsmord noch heute. Er attestiert der "Kinderfachabteilung" stattdessen eine "aufopferungsvolle Pflege".

Nach den Recherchen des Arztes und NS-Euthanasie-Forschers Karl-Horst Marquart wurde das erste Kind in der Stuttgarter "Fachabteilung" am 11. Januar 1943 umgebracht. Es war acht Tage alt und hatte mehrere Missbildungen. Da der Totenschein "keine plausible Todesursache" enthalten habe, deute alles auf einen unnatürlichen Tod hin, sagt Marquart. Er hat alle Totenscheine und das Leichenregister untersucht, die sich auf das Stuttgarter Kinderkrankenhaus beziehen, zu dem die "Kinderfachabteilung" gehörte.

Ergebnis der Untersuchung: Bei 52 Todesfällen – das älteste Kind war 12 Jahre alt – konnte Marquart in der Zeit von 1943 bis zum Kriegsende ein schweres angeborenes Leiden nachweisen. Die meisten Kinder litten an "Idiotie" – so nannte man damals schwerste geistige Behinderungen –oder Mongolismus. Aus den ärztlichen Angaben ließen sich aber keine medizinisch nachvollziehbaren Gründe für einen natürlichen Tod herleiten. So sei selbst bei Zweijährigen angegeben worden, sie litten an "Idiotie", obwohl man eine geistige Behinderung in diesem Alter noch nicht feststellen könne. Unglaubwürdig seien auch die Angaben zu Gerda Metzger aus Flacht (heute eine Teilgemeinde von Weissach im Landkreis Böblingen), die innerhalb kürzester Zeit an Diphtherie gestorben sein soll, was medizinisch nicht möglich sei. Viele Angaben, so Marquart, seien falsch beziehungsweise gefälscht, die Krankheitsdiagnosen, die Todesursachen, teilweise auch die ärztlichen Unterschriften.

"Weltanschaulich einwandfreie" Ärzte

Organisiert wurde die Ermordung behinderter Kinder in damaligen Deutschen Reich von einem "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden" in Berlin. Der Arzt und Geschäftsführer des Ausschusses, Hans Hefelmann, suchte 1942 auch für Südwestdeutschland einen Ort für eine getarnte Tötungsstätte, "da es gerade jetzt im Kriege unmöglich ist, die Kinder aus Württemberg bis zu den nächstgelegenen Stationen in Hessen und im Allgäu zu verlegen". Zudem benötigte er dafür "weltanschaulich einwandfreie" Ärzte. Zusammen mit Eugen Stähle und dessen Stellvertreter Otto Mauthe vom württembergischen Innenministerium entschied er sich für Karl Lempp.

Lempp sei "grundsätzlich einverstanden" gewesen, heißt es in einer Aktennotiz Mauthes. Er habe "aber Bedenken gegen die Einrichtung einer besonderen Abteilung und die Zuziehung von Dr. Bofinger", der offensichtlich nicht zuverlässig genug war. Diese Bedenken seien begründet, schrieb Mauthe. "Es ist sicher besser, wenn diese Kinder, je nach ihrem Alter und der Art ihres Leidens, in die für sie zuständigen einzelnen Heime verteilt werden. Zur Behandlung würde die Assistenzärztin Dr. Schütte zugezogen, die von Dr. Lempp als durchaus zuverlässig bezeichnet wird." Damit sollte der Stuttgarter Kindsmord besser vertuscht werden. 

"Eine bessere Tarnungsstrategie", urteilt der Medizinhistoriker Udo Benzendörfer, sei ihm bisher nicht bekannt. Außerdem ließ Lempp in seiner Funktion als Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts 38 Kindern in die Tötungseinrichtung der Heilanstalt Eichberg in der Nähe der Stadt ­Eltville bei Wiesbaden einweisen. In diesen Fällen konnte er offensichtlich nicht sicher sein, dass sie in Stuttgart geheim gehalten werden können. 

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Etliche Dokumente belegen die Verantwortung von Stähle, Mauthe, Lempp und Schütte. Doch angeklagt oder verurteilt wurden sie wegen der Kindsmorde nie. Eugen Stähle hätte Ende der 40er-Jahre im "Grafeneck-Prozess" in Tübingen als Hauptbeschuldigter wegen "Euthanasie"-Verbrechen angeklagt werden sollen. Dabei ging es jedoch nicht um die Tötung von Kindern in "Kinderfachabteilungen", sondern um Stähles Verantwortung für die Ermordung von über 10 000 Kranken und Behinderten im Jahr 1940 in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Doch Stähle starb noch vor der Eröffnung des Prozesses.

Otto Mauthe. Foto: Staatsarchiv Ludwigsburg
Otto Mauthe. Foto: Staatsarchiv Ludwigsburg

Otto Mauthe wurde in Tübingen 1949 wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Form der Beihilfe zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt; aus gesundheitlichen Gründen sah die Justiz von der Vollstreckung ab. Dennoch starb Mauthe erst 1974.

Und als sich die Staatsanwaltschaft Anfang der 60er-Jahre mit dem Kindsmord in der Stuttgarter Türlenstraße befasste, war Karl Lempp bereits tot. So konnte nur noch ein Ermittlungsverfahren gegen Magdalene Schütte eingeleitet werden. Sie war damals Leiterin der Kinderabteilung des Kreiskrankenhauses in Aalen in Ostwürttemberg. Doch schon ein halbes Jahr später wurde das Verfahren eingestellt, da eine Täterschaft nicht habe festgestellt werden können.

Ausstellung im Rathaus geplant

Die Stadt Stuttgart hat sich bis heute nicht mit dem Kindermord in ihrem Kinderkrankenhaus befasst. Dies soll sich ändern, dachte man beim Arbeitskreis "Euthanasie" der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen und schlug dem grünen Verwaltungs- und Krankenhaus-Bürgermeister Werner Wölfle vor, im November 2013 im Rathaus die Wanderausstellung "Im Gedenken der Kinder" zu zeigen und ein passendes Begleitprogramm auszuarbeiten. Der Arbeitskreis, dem auch ein Vertreter des Personalrats des Städtischen Klinikums angehört, hat aber bis heute ein Problem. Die Miete für die Wanderausstellung kostet 3000 Euro, und die Stadt lehnt es ab, die Finanzierung zu übernehmen. 

Zuletzt hat Werner Wölfle die Caritas darum gebeten, das Geld bei der "Aktion Mensch" zu beantragen, was jetzt geschehen soll. Die Stadt würde für die Ausstellung Flure des Rathauses zur Verfügung stellen, sagt der Bürgermeister, deren Eröffnung finanzieren sowie zwei Veranstaltungen anbieten, "eine, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, und eine, die sich um die heutigen ethischen Fragen in der Medizin kümmert".

 

Bücher zum Weiterlesen:

Weitere Informationen über Karl Lempp und Magdalene Schütte enthält das Stuttgart-Kapitel von Karl-Horst Marquart in "Kindermord und 'Kinderfachabteilungen' im Nationalsozialismus: Gedenken und Forschung", Hamburg, 2011

Weitere Informationen über Eugen Stähle, Otto Mauthe und Karl Lempp in den entsprechenden Kapiteln von "Stuttgarter NS-Täter – Vom Mitläufer bis zum Massenmörder", Stuttgart 2009. Siehe auch www.Stuttgarter-NS-Taeter.de

"Die Belasteten: Euthanasie 1939–1945. Eine Gesellschaftsgeschichte", Götz Aly, Frankfurt, 2013

"Grafeneck 1940. Wohin bringt ihr uns? NS-Euthanasie im deutschen Südwesten", Franka Rößner und Thomas Stöckle, Hg. LpB, Stuttgart 2011

 

Video zur Stolpersteinlegung und den einzelnen Redebeiträgen auf Flügel.tv


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie Ihre Meinung.

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 27.03.2017 09:08
@Kornelia: „Und gibt es eigentlich Statistiken wieviel Volkseigentum in den letzten 20Jahren von hinten durchs Auge in Privateigentum gewaschen wurde?“ Ein aktuelles Beispiel: In dieser Woche will die Große Koalition das Gesetz...

Ausgabe 312 / Lautes Schweigen / Barolo, 26.03.2017 17:19
@Schwabe, warum "Klaus-Dieter Fritsche 2013 aufgrund seiner Verdienste bei der Pannenserie im NSU-Skandal"? NSU war doch keine Pannenserie, hat doch bis heute perfekt funktioniert ;-) Das den Bürgern präsentierte Bild von massenhaften...

Ausgabe 311 / "Sie haben übrigens Verwandte in Israel" / Monika Reckert, 26.03.2017 16:14
Seit fast 10 Jahren besuche ich mit Schulklassen der Horber Berufsschule im Fach Religion die wechselnden Ausstellungen im Museum jüdischer Betsaal, die jüdischen Friedhöfe in Rexingen und Mühlen, auch Stolpersteinspaziergänge...

Ausgabe 312 / Reiche auf der Flucht / Schwabe, 26.03.2017 11:34
Mir klingt das nach "Reichtum trifft (Haupt)Steuerzahler" - und rümpft die Nase.

Ausgabe 312 / Lipps Liste / Schwabe, 26.03.2017 10:30
Ob nun ein Lothar Letsche Ziegler der sich verkämpft hat (solche Beamte gibt es auch heute noch) oder ein Hans-Ulrich Sckerl der Versprechen einfach aussitzt oder ein Winfried Kretschmann als Hansguckindieluft - alles sind...

Ausgabe 312 / Lautes Schweigen / Schwabe, 26.03.2017 10:09
NSU vs. NSA wie sich die Dinge ähneln! Zuerst sind die Verantwortlichen "entsetzt", "schockiert" gar (auch) "Opfer". Wenn die Öffentlichkeit das nicht mehr glaubt war es ne Panne die in mehreren Akten inszeniert/aufgeführt wird bis...

Ausgabe 312 / Kritik und Klausur / era, 26.03.2017 08:47
Ich finde es erstaunlich, wenn man aufgefordert wird, "den Mut zu haben" seine Meinung öffentlich zu vertreten. Herr Koppold hat nur einige Basics zu den betreffenden Akteuren in den Artikel geschrieben, die absolut notwendig sind, um ein...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Bernd Engelking, 25.03.2017 16:13
Die beste Entwicklungshilfe ist die die nicht notwendig ist. Hören wir doch erst mal auf, durch unsere Handelspolitik mit den subventionierten Billigprodukten und den EPA-Knebelabkommen die Wirtschaften dieser Länder zu...

Ausgabe 311 / Blut und Hoden / brigitte gegner, 25.03.2017 14:43
ich bin froh über diese interessante, differenzierte und überzeugende darstellung. dank an rupert koppold, dass er seinen journalistischen auftrag so ernst nimmt.

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Hertle, 25.03.2017 09:25
Der Artikel ist gut. Frage: warum kein Hinweis auf das Buch: "Das Ende der Megamaschine - Geschichte einer scheiternden Zivilisation"? Nicht alle wohn im Raum Stuttgart und können die Transformationstagung vom 24. bis 26. besuchen -...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!