KONTEXT Extra:
Stuttgarter Filmwinter startet mit "Mut zur Lüge"

Der Stuttgarter Filmwinter – Eröffnung am 18. Januar – steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Lüge. So ist es natürlich auch nicht der 300. Filmwinter, wie auf den quietschgelben Werbeplakaten zu lesen ist, sondern der 30. – immerhin. Bis 22. Januar sind im FITZ! in der Eberhardstrasse, im Haus der Geschichte, im Kunstbezirk, und im Theater tri-bühne experimentelle Filme und Medienkunst zu sehen und zu erleben bei diesem "bedeutendsten Festival Experimentalfilm im süddeutschen Raum ". So die Eigenwerbung und das ist natürlich keine Lüge. Wie in den vergangenen Jahren auch, sollen die anspruchsvollen und meist auch anstrengenden experimentellen Filmkunstwerke einer größeren Öffentlichkeit spielerisch näher gebracht werden. Damit der Nachwuchs an interessierten Zuschauern nicht ausbleibt, gibt es auch bei diesem Filmwinter im Zeichen der Lüge ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche mit Kurzfilmen, Workshops, Führungen. Das Programm und mehr gibt es unter www.filmwinter.de.


Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


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Verleiht Männern Testosteronschübe seit 1926: Stihl-Kettensäge. Foto: Stihl/Carsten Jeske

Verleiht Männern Testosteronschübe seit 1926: Stihl-Kettensäge. Foto: Stihl/Carsten Jeske

Ausgabe 289
Wirtschaft

Das Kettensägen-Imperium

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 12.10.2016
Wo Bäume abgeholzt werden, ist Stihl ganz vorne mit dabei. Wo der Kettensägenhersteller aus Waiblingen sonst noch überall seine Finger im Spiel hat, zeigt unser alternativer Geburtstagsgruß zum Neunzigsten des Unternehmens.

Models baden im hölzernen Zuber, posieren knapp bekleidet vor heimischer Bergkulisse oder auch in den Tropen, die Kettensäge immer in Griffweite: Auf dem Stihl-Kalender, der in dieser Form seit 1973 erscheint, ist die Männerwelt noch in Ordnung - diie Frau als Objekt, das steile Sägeblatt mit dem knatternden Zweitakter ein Hort männlicher Potenz.

Ganz unwidersprochen bleibt dies nicht. Teilnehmer des Kongresses "Weltweitwissen" im Stuttgarter Haus der Wirtschaft verfassten 2014 eine Resolution. Sie hätten "mit Erstaunen und Entsetzen die Präsentation des Foto-Kalenders 2014 der Firma Stihl (Auflage 900 000) im Foyer des Hauses der Wirtschaft Baden-Württemberg zur Kenntnis genommen" schrieben sie. "'Frauen als scheue Tiere in der beeindruckenden Natur Südafrikas' darzustellen - so der Ausstellungstext - ist nicht nur frauenverachtend und diskriminierend, sondern konterkariert die Ziele des Globalen Lernens ebenso wie die erklärten Bildungsziele der Landesregierung Baden-Württembergs."

Frauen mit Sägen: Stihl-Kalender. Screenshot
Frauen mit Sägen: Stihl-Kalender. Screenshot

1973 war das Jahr, in dem Hans Peter Stihl die Geschäftsleitung übernahm. Er hat den Motorsägenhersteller zum Global Player gemacht. Ein Familienunternehmer, wie er im Buche steht. Ein Partiarch, konservativ bis in die Knochen. Einer, der noch mit 83 mit dem Motorrad über die Autobahn braust. Der gegenüber den eigenen Mitarbeitern sozial sein und nach außen auch Wohltaten verteilen kann. Aber allen Widerspruchsgeistern gerne zeigt, wer die Hosen anhat.

Konservativ bis in die Knochen

Stihl war 13 Jahre lang Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT), der Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern (IHK), und zugleich der IHK Region Stuttgart.

Er ist dafür verantwortlich, dass sich die IHK so stark für das Projekt Stuttgart 21 eingesetzt hat und forderte noch im September 2010, wenige Tage vor dem "schwarzen Donnerstag", ein stärkeres Engagement der Wirtschaft. Der grün-roten Landesregierung drohte der passionierte Autofahrer 2012 unverhohlen mit Abwanderung, sollte sie den motorisierten Individualverkehr ausbremsen. Das Gegenteil sei der Fall, versicherte prompt der Ministerpräsident bei seinem Auftritt zum Stihl-Jubiläum im März.

Stihl ist einer der wohlhabendsten Unternehmer des Landes. Auf der Liste der Reichen in Deutschland rangiert die Familie ungefähr auf Platz 50, im Südwesten nach Würth, Bosch und neuerdings Kärcher, aber noch vor Voith, Leibinger (Trumpf) und Stoll (Festo). Rund 2,5 Milliarden Euro beträgt das Vermögen, der Jahresumsatz über 3 Milliarden.

Die erste Stihl-Säge wog 50 Kilo

Begonnen hat alles ganz klein vor 90 Jahren. In der Seyfferstraße in Stuttgart gründete Hans Peters Vater, der gebürtige Schweizer Andreas Stihl, ein Ingenieurbüro und entwickelte bald eine elektrische Kettensäge. Die erste Benzinmotorsäge, hergestellt in einer Werkstatt in Bad Cannstatt, wog 50 Kilogramm und war nur im Zweimannbetrieb zu verwenden, kam aber bei der Kundschaft gut an. Nur mit Müh und Not brachte Stihl das Unternehmen durch die Weltwirtschaftskrise. Exportaufträge aus Russland brachten nicht viel ein. Besser lief es in den USA und Kanada.

Bilderbuchpatriarch Hans Peter Stihl. Foto: Joachim E. Röttgers
Bilderbuchpatriarch Hans Peter Stihl. Foto: Joachim E. Röttgers

1938 erwarb Stihl eine Fabrikanlage in Neustadt, das heute zu Waiblingen gehört. Als das Cannstatter Werk 1944 völlig zerstört wurde, zog das Unternehmen endgültig ins Remstal. 1939 hatte Stihl 250 Mitarbeiter, bei Kriegsende waren es 500, überwiegend Frauen und mindestens 100 Zwangsarbeiter.

Die Holzwirtschaft war wichtig, da das Reich von Erdölimporten abgeschnitten war. Der Treibstoff der Holzvergaser-Fahrzeuge wuchs sozusagen am Wegrand. Stihls Zweimann-Kraftsäge 43, kurz KS 43, leistete gute Dienste.

Nach Kriegsende musste Stihl im Lager Moosburg bei Fürstenfeldbruck drei Jahre lang Motorsägen reparieren. Er war 1933 in die NSDAP eingetreten und 1934 SS-Sturmführer in Höfingen geworden. "Im Spruchkammerverfahren bezeichnet ihn der Betriebsrat 1947 als 'fanatischer, aktiver Kämpfer für die nationalsozialistische Ideologie'", schreibt Ebbe Kögel, Mitglied des Bürgerprojekts AnStifter, in einem Leserbrief an die Waiblinger Kreiszeitung, den diese bisher nicht veröffentlichen wollte.

Doch Stihl hatte auch Fürsprecher. Sie erklärten, Zwangsarbeiter hätten bei ihm mehr zu essen bekommen als anderswo. Stihl erhielt seinen Persilschein: Als Mitläufer eingestuft, wurde er gegen eine Geldbuße von 500 Mark entlassen. Viel später, 1999, hat sich Hans Peter Stihl als DIHT-Präsident vehement für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter durch die Stiftungsinitiative "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" der deutschen Wirtschaft eingesetzt. Direkte Ansprüche an sein eigenes Unternehmen lehnte er ab.

Hans Peter Stihl: Bin kein Freund der Gewerkschaften

In der Nachkriegszeit produzierte Stihl auch Traktoren, um sich über Wasser zu halten. Doch es war das Geschäft mit der Kettensäge, das um 1960 endgültig den Durchbruch brachte. Die getriebelose Einmannsäge "Contra", die nur 12 Kilogramm wog, war weltweit konkurrenzlos. Der 63-jährige Andreas Stihl drängte den 27-jährigen Sohn, ins Unternehmen einzusteigen, das er in eine Kommanditgesellschaft umwandelte, mit gleichen Anteilen für alle vier Kinder. Mit seiner Schwester Eva Mayr-Stihl musste sich Hans Peter Stihl das Büro teilen. Dabei ist es bis heute geblieben. Die Geschwister speisen in der Unternehmenskantine, stellen sich wie ihre Mitarbeiter an der Essensausgabe an.

Ein Bild von einer Säge, ein Bild von einem Mann: Thomas D. von den Fantastischen Vier. Foto: Michael Hanselmann, CC BY-SA 3.0
Ein Bild von einer Säge, ein Bild von einem Mann: Thomas D. von den Fantastischen Vier. Foto: Michael Hanselmann, CC BY-SA 3.0

Freischneider, Trennschleifer, Heckenscheren, Motorsensen: Die Produktpalette hat sich ständig erweitert, auch durch Übernahme des österreichischen Gartengeräteherstellers Viking. Im Vertrieb hat Stihl konsequent auf den Fachhandel gesetzt und sich nicht in die Fänge der Baumärkte begeben. So wurde Stihl 1971 Weltmarktführer. Seit 1973 gibt es wegen der dortigen Importzölle ein Werk in Brasilien, seit 1974 eines in den USA: um vom Wechselkurs unabhängig zu sein.

Nach den schwierigen Jahren der Weltwirtschaftskrise hat sich Stihl nie mehr von Geldgebern abhängig gemacht. Bei einer Eigenkapitalquote von heute satten 70 Prozent lässt sich gut frei schalten und walten. Als Arbeitgeberfunktionär hat Hans Peter Stihl, nach eigenen Angaben kein Freund der Gewerkschaften, Mitte der 1980er-Jahre mit der IG Metall hart um 35-Stunden-Woche und Mitbestimmung gerungen. Im eigenen Unternehmen führte er zur selben Zeit eine Gewinnbeteiligung ein. 

Auf Stihls Initiative gründete sich 1994 der Verein "Forum Region Stuttgart", um auf einen engeren Austausch der Landeshauptstadt mit den Nachbargemeinden hinzuwirken. Der Verband Region Stuttgart mit dem deutschlandweit einzigartigen, direkt gewählten Regionalparlament entstand im selben Jahr. Das Forum, das sich inzwischen wieder aufgelöst hat, vergab von 1999 bis 2014 den Hans Peter Stihl Preis, 2001 auch an Stihl selber.

Auch die Politik steht auf Stihl

Eva Mayr-Stihl wacht seit langer Zeit über die Finanzen. Zugleich leitet sie die nach ihr benannte Stiftung, die in Waiblingen und in der Region Wohltaten verteilt. Ihr ist es zu verdanken, dass Waiblingen seit 2008, sehr viel später als die meisten Nachbarkommunen Stuttgarts, eine Städtische Galerie besitzt. Jahrelang hatte sich der Gründungsdirektor Helmut Herbst vergeblich bemüht. Dann kippte die Stadt sein Konzept, vorwiegend plastische Werke auszustellen und bevorzugte stattdessen Arbeiten auf Papier, um laufende Kosten zu sparen. Herbst trat zurück, die Galerie bietet trotzdem ein anspruchsvolles Programm.

Der grüne MP überzeugt sich von den Baumfäll-Qualitäten. Foto: Stihl
Der grüne MP überzeugt sich von den Baumfäll-Qualitäten. Foto: Stihl

Obwohl Stihl 90 Prozent des Umsatzes im Exportgeschäft macht, investiert der Hersteller weiter in den Standort Waiblingen. Kein Wunder also, dass die Geschwister mit Auszeichnungen überhäuft werden. Und dass Politiker in Stadt und Land ihnen gern die Aufwartung machen: vom Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky über Winfried Kretschmann bis hinauf zu Angela Merkel - auch wenn die im März, kurz vor der Landtagswahl, dann doch nicht kam

Da ging es um die Einweihung eines neuen Entwicklungszentrums für Elektro- und Akkugeräte. 32 Millionen Euro hatte Stihl dafür investiert. Ungefähr fünf Prozent des Umsatzes steckt das Unternehmen in Forschung und Entwicklung: in den letzten zehn Jahren nach eigenen Angaben eine halbe Milliarde allein in umweltschonende Motortechnologien. Elektrische Antriebe kamen freilich eher spät, doch nun soll es vorwärts gehen. 

"Besondere ökologische Verantwortung"

"Als ein weltweit führender Hersteller von Motorsägen und Motorgeräten für die Forst- und Landwirtschaft, die Garten- und Landschaftspflege sowie die Bauwirtschaft trägt STIHL eine besondere ökologische Verantwortung": So sieht sich das Unternehmen selbst. "Ihr verdient daran, dass unser Wald zerstört wird", stand dagegen auf einem Transparent, mit dem der Malaysier Matek Geram zum selben Termin vor dem Werkstor in Waiblingen stand.

Geram protestierte gegen den Stihl-Vertriebspartner KTS, der in seiner Heimatregion Sarawak in Malaysia Wald rodet, um Palmölplantagen anzulegen. Er hätte gern eine Petition der Initiativen "Rettet den Regenwald" und Poema mit 105 000 Unterschriften übergeben, musste jedoch unverrichteter Dinge wieder abziehen. Mit ähnlichen Vorwürfen sah sich Hans Peter Stihl schon bei seinem Amtsantritt als DIHT-Präsident 1988 konfrontiert.

Doch der Patriarch gibt lieber selbst den Ton an. Wenn er etwas mitzuteilen hat, hat er kein Problem, dies in den Zeitungen unterzubringen. Kürzlich hat er noch einmal sein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen, um vor der Erbschaftssteuerreform zu warnen. Dabei haben die Stihls ihre eigene Erbschaft längst steuersparend geregelt. Das Vermögen liegt in einer Holding, an der ausschließlich die direkten Nachfahren als Gesellschafter beteiligt sind: Hans Peter Stihl, seine drei Geschwister und die sieben Erben der nächsten Generation.

Aus dem Vorstand hat sich Stihl 2002 zurückgezogen. Vorsitzender ist seit 2003 der frühere Bosch-Manager Bertram Kandziora. Über den Beirat der Holding, seit 2012 unter dem Vorsitz seines Sohnes Nikolas, behält die Familie aber weiterhin alles unter Kontrolle.


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Kommentare

Fritz, 19.10.2016 05:47
"maxwaldo"... was für ein plumper Versuch! Höchst unterhaltsam!

maxwaldo, 17.10.2016 10:44
ein unerträglich tendenziös hetzender Artikel. Ja, es gibt den schwäbischen Familienbetrieb, bei dem finanzielle Solidität einen höheren Stellenwert hat als Gewinnmaximierung. Wahrscheinlich beisst's jetzt schon bei den meisten Linksprolos aus, denen der Unterschied nicht erklärbar ist.
Ich empfehle jedem der hier Kritik an der Motorsäge übt einmal einen richtigen Baum von Hand, mit der Axt zu schlagen. Und falls er dann nicht nach einer halben Stunde hilflos dreinschauend aufgegeben hat und dringend eine Gauloises braucht, soll er bitte den nächsten ummachen und so weiter, jeden Tag, weil er damit, und nicht mit dumm daherlabern in einer Bürostube, sein Geld verdient. Man schaue sich mal um in welchen Gegenständen überall Holz verarbeitet ist. Das kann man nicht mit der Nagelschere der Natur entnehmen. Stihl Motorsägen sind erste Sahne, das weiß jeder der damit zu tun hat.

Andreas Spreer, 16.10.2016 14:58
Nur ein kaputter Laubbläser ist ein guter Laubbläser.

Blinkfeuer, 14.10.2016 10:31
Oh felix austria- na ja: aber Steiermark, da sind Laubbläser verboten. Wer hier in der Stadtverwaltung fragt, was das Hin- u nd Hergeblase denn so soll, bekommt natürlich keine Antwort. Wozu sind Verwaltungen auch sonst da, als in Sonntagsreden vom Feinstaub zu plärren und ab Montag richtig schmutzig loszulegen.
Gilt auch für Stadtverdichtung: SO dagegen, ab MO Bäume wegkloppen für 1 Familienhaus- Blödsinn.

Horst Ruch, 13.10.2016 19:16
....eben ein schwäbischer Macher in der Tradition seines Vaters.
"Besondere Ökologie" nein Danke. Es gilt Ökonomie über alles. Denn wie könnte es sonst sein, daß bei angeblichen Entwicklunskosten von einer halben Milliarde €, Geräte auf den Markt gebracht werden, die abgesehen der "Made in Germany" Qualität vor Lärm, Feinstaub und Gestank der Konkurenz in nichts nachstehen. Hauptsache: Export über alles, was gehen mich die Regenwäldern an.
Soweit ich mich erinnere, waren die lärmenden, stinkenden Volksfestgokarts in den 60 er Jahren auch ein Stihlprodukt. Damals allerdings in guter Gesellschaft zu den Zweitaktern der Nachkriegszeit, wo nur Bruchteil an "Entwicklungs"kosten zu Verfügung standen.

Fritz, 12.10.2016 14:00
Kritik an Stihl? Anderswo undenkbar. "Familienbetrieb" und "Arbeitsplätze" wird einem da um die Ohren gehauen. Als ob allein das schon ein Mantra und Allheilmittel wäre.

Ludwig Thoma, 12.10.2016 13:42
Lieber Kommentator Schwabe,
was bitteschön ist an diesem Artikel investigativ? Der Text ist eine Aneinanderreihung altbekannter Tatsachen und keine besondere Leistung.

Und dass der Autor bei der Beschäftigung mit der Person Hans Peter Stihl nicht umhin kam, das Engagement der IHK für das Projekt Stuttgart 21 zu erwähnen, war auch zu erwarten. Schließlich erhält er sein Zeilenhonorar aus der Schatulle von Kontext.

pebo, 12.10.2016 10:59
Ja, die Laubbläser müssen in den USA besonders laut sein, so dass wir, sofern TTIP kommt, noch lautere Laubbläser ertragen müssen.

denisci, 12.10.2016 10:18
Leider fehlt bei der Aufzählung der Produkte der Laubbläser, der inzwischen ganzjährig von den Hausmeisterfirmen zur Gehsteigreinigung eingesetzt wird. Selbst in Feinstaubzonen darf er unangefochten alle Arten von Staub aufwirbeln, mit ungereinigte Zweitaktabgasen die Luft verpesten und in einem mehrere hundert Meter weiten Umfeld die Menschen mit höllischem Lärm terrorisieren. Und das fast täglich!

Schwabe, 12.10.2016 07:14
Ein wie ich finde sehr guter, kritischer und informativer Artikel - investigativer Journalismus eben!

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