KONTEXT Extra:
NSU-Prozesskosten bei etwa 50 Millionen Euro

Nach 313 Verhandlungstagen äußert sich Beate Zschäpe erstmals selbst im NSU-Prozess und gibt sich als geläutert - neue Erkenntnisse über die Morde liefert ihre Aussage allerdings nicht. Immerhin weiß die Presse nun, wie ihre Stimme klingt. Die Süddeutsche Zeitung findet: "klar, tief, weich, mit leichtem thüringischen Einschlag".

Wann der Marathonprozess (verhandelt wird seit Mai 2013) zu einem Ende kommen wird, scheint aktuell völlig unklar. Sicher ist hingegen: Mit jedem weiteren Verhandlungstag steigen die Kosten für das Verfahren. Und bald könnten diese über 50 Millionen Euro liegen. Im September 2013 sagte Karl Huber, damaliger Präsident des Oberlandesgerichts München, gegenüber dem Münchner Merkur, er schätze die Kosten des Verfahrens auf 150 000 Euro pro Verhandlungstag. Dies sei eine gewaltige Summe, "vor allem, wenn man bedenke, dass die Opfer oder Hinterbliebenen keinen einzigen Euro bekommen haben".

Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts bestätigt gegenüber Kontext, dass sich an der Kostenschätzung "im Wesentlichen nichts geändert" habe. Somit liegen die geschätzten Kosten aktuell bei etwa knapp 47 Millionen Euro. Die Sprecherin betont allerdings, dass es bislang noch keine genaue Kalkulation gibt - diese erstelle man erst nach Abschluss des Verfahrens. Dann wird die Rechnung an den Bund gestellt. (29.9.2016)


Blitzschnell gegen die AfD

Grüne, CDU, SPD und FDP wollen mit einer blitzschnell auf den Weg gebrachten Gesetzesänderung das Ansinnen der beiden AfD-Gruppierungen unterlaufen, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum  Linksextremismus in Baden-Württemberg durchzusetzen. Am kommenden Mittwoch wird der Landtag in erster und zweiter Lesung endgültig eine Änderung des Untersuchungsausschussgesetzes beschließen. Danach können weiterhin zwei Fraktionen das Minderheitenrecht zur Kontrolle von abgeschlossenem Regierungshandeln wahrnehmen, allerdings nur, wenn ihre Mitglieder nicht ein- und derselben Partei angehören. Nach der vorliegenden Tagesordnung wird die gespaltene AfD ihren Antrag unter Punkt zwei einbringen. Es folgt aber keine Abstimmung, sondern eine Überweisung an den Ständigen Ausschuss. Endgültig wird sich der Landtag am 12. Oktober mit dem Begehr befassen, mit dem unter anderem unterstellt wird, dass Linksextreme im Südwesten öffentliche Gelder bekommen. Dann ist allerdings das Gesetz geändert, und die Möglichkeit zur Antragstellung entfallen. Auch die Rechtsexperten der anderen vier Fraktionen schließen nicht aus, dass die AfD deshalb vor den Verfassungsgerichtshof zieht.


Übers Ohr gehauen

Martin Schreier war jahrelang freier Journalist und Fotograf für den Reutlinger General Anzeiger (GEA) und bekam nicht einmal den ihm zustehenden Mindestlohn. Dann hat er sich einen Anwalt genommen und sich die Kohle erstritten – Kontext hat berichtet. Am  Mittwoch, 21.9.,  um 19:30 Uhr,  berichtet der resolute Journalist zusammen mit dem ehemaligen Gewerkschaftssekretär Gerhard Manthey zum Thema „Wie Zeitungsverleger freie Journalisten übers Ohr hauen“ im Stuttgarter Clara-Zetkin-Haus. Sie werden ihre Erfahrungen teilen und erklären, wie sich Betroffene wehren können. Neben der skandalösen Tatsache, dass viele Zeitungsverlage Mindesthonorarvorgaben missachten, wehren sich nämlich viel zu wenig JournalistInnen gegen diese Zustände. (20.09.2016)


Das Schicksal der Jesidinnen in der Geißstraße

Die Stuttgarter Stiftung Geißstraße lädt für den morgigen Dienstag (20.9., 19 Uhr) zu einer Veranstaltung über "Das Schicksal der Jesidinnen". Zu Gast ist Michael Blume, der im Auftrag der Landesregierung weibliche und stark traumatisierte Opfer des IS medizinisch und psychologisch betreut hat. Im vergangenen Jahr waren 1000 Jesidinnen nach Baden-Württemberg gekommen. Blume war als Religionswissenschaftler und Referatsleiter im Staatsministerium mit der Leitung des Projekts betraut. "Eigentlich ist Michael Blume ein Beamter. Dass er in den Irak geflogen ist, um die Frauen dort rauszuholen, ist einfach eine anrührende Geschichte", erzählt Geschäftsführer Michael Kienzle. Nach dem Vortrag gibt es außerdem noch den SWR-Beitrag "Samias Rettung - Neue Heimat" zu sehen - ein Film über eine junge Jesidin in einem Flüchtlingslager im Nordirak. (19.9.2016)


Demo wie zu besten Zeiten

Stuttgart lebt – wie einst zu den Hochzeiten von S 21. Wie der BUND meldet, waren 40 000 Demonstranten auf den Beinen, um gegen TTIP und CETA zu protestieren. 320 000 seien es insgesamt in sieben deutschen Städten gewesen. Viele Junge dabei, viele Organisatoren, die aufgerufen haben, von Attac über den BUND, Gewerkschaften, Menschenrechtler, Friedensfreunde, Wohlfahrtsverbände bis zu Kirchen. Sogar fünf SPD-Fähnchen waren zu sehen. Und: Die Demo hat endlich mal wieder Laune gemacht. Auch dank Körpa Klauz ("Widerstand muss Spaß machen"), der auf der Bühne den Einheizer gab.

Artikel zu TTIP und CETA in der aktuellen Kontext:

Bundesweite Demos

Die Fronten bröckeln

Stolperstein CETA

Mehr dazu in der kommenden Kontext-Ausgabe.


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Ausgabe 151
Wirtschaft

Den Dreck nach Trichtingen

Von Marius Münstermann
Datum: 19.02.2014
Der Gesteinsaushub, der beim Tunnelbau für Stuttgart 21 anfällt, muss andernorts abgeladen werden – etwa in Gipsbrüchen bei Trichtingen und Böhringen, 80 Kilometer von Stuttgart entfernt. Dort leiden die Menschen bereits jetzt unter Schmutz und Lärm der Lkw-Kolonnen. Dabei fängt das große Graben gerade erst an.

Man kann ihnen folgen. Beinahe im Minutentakt rollen die mit Erde, Geröll und Gestein beladenen Lkw von der Abfahrt 33 bei Oberndorf am Neckar von der A 81 auf die Landstraße. Ihr Ziel: zwei Gipsbrüche bei Trichtingen und Böhringen im Landkreis Rottweil. Die Gruben, die dort über die Jahre von Baggern in die Landschaft gefressen wurden, sollen nach und nach mit dem Aushub von Großbaustellen verfüllt werden. Rekultivierung nennt sich das, die Betreiberfirmen sind gesetzlich dazu verpflichtet. Für Anwohner bedeuten die Lkw, die den Aushub anliefern, aber vor allem Lärm und Schmutz.

Dieser Gipsbruch bei Trichtingen wird mit Stuttgarter Aushub aufgefüllt. Foto: Marius Münstermann
Dieser Gipsbruch bei Trichtingen wird mit Stuttgarter Aushub aufgefüllt. Foto: Marius Münstermann

Knapp 900 Menschen leben in Trichtingen. Unter dem Dach einer Fachwerkscheune kleben verwaiste Schwalbennester, in den Gärten sprießen Schneeglöckchen. Im letzten Haus am Ortsausgang Richtung Böhringen wohnt Sabine Schneider mit ihrer Familie. Sie kann die dörfliche Idylle nicht mehr genießen, seit vor ihrer Haustür täglich Dutzende LKW die nahegelegenen Gipsgruben ansteuern. Im Haus von Familie Schneider wackeln ständig die Scheiben. "Seit hier derart viele Lkw vorbeidonnern, werde ich manchmal ganz zittrig", sagt Sabine Schneider. "Zittrig vor Wut über den Lärm, den Schmutz und die Rücksichtslosigkeit uns gegenüber." Wenn sie sich mittags für eine halbe Stunde hinlegt, finde sie nur noch mit Ohropax zur Ruhe, erzählt die 42-Jährige. Die Terrasse sei bei dem Lärm gar nicht mehr benutzbar. Sabine Schneider sorgt sich auch um ihre drei Kinder, wenn diese vor die Haustür gehen.

Lkw-Verkehr gab es wegen des Gipswerks schon immer in Trichtingen. Doch neuerdings fahren die Lkw teils in Kolonnen von mehr als vier Fahrzeugen, direkt vor der Haustür von Familie Schneider. Seit November geht das nun schon so, montags bis samstags, von morgens bis abends. Sabine Schneider hat Strichlisten geführt – Rekord: 30 Lkw in 17 Minuten.

Straßenblockaden sind schon angekündigt

Das ehemalige Gipswerk und die zugehörige Grube, wo die Lkw den Aushub abliefern, hat die Firma Bantle gepachtet. Deren Prokurist Joachim Haaga rechnet vor, dass im Durchschnitt 700 Tonnen Aushub pro Tag verfüllt würden – verteilt auf etwa 25 Lkw. "Zu Spitzenzeiten waren es aber auch schon 80 Lkw-Ladungen täglich", so Haaga. Das meiste davon stammt momentan vom Bau der Rettungszufahrt beim Stuttgarter Hauptbahnhof, der sogenannten Wagenburg. Der Gipskeuper, der dort abgetragen wird und nach Ansicht von S-21-Gegnern ein Sicherheitsrisiko beim Bau darstellt, ähnelt der Bodenbeschaffenheit um Trichtingen.

Wenn die Lkw die Grube verlassen, verschmutzen sie mit ihren lehmigen Reifen die Straße. In der Gemeinde Epfendorf, zu der Trichtingen gehört, wird bereits gescherzt, dass man die Trichtinger auf dem Supermarktparkplatz an den dreckigen Autos erkenne. Im Rathaus von Epfendorf verfolgt Bürgermeister Peter Boch (CDU) mit Sorge die Beschwerden aus seiner Gemeinde. Empörte Anwohner hätten bereits Straßenblockaden angekündigt, erzählt Boch. Eine Mitarbeiterin im Bürgerbüro meint: "Wenn wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden, braucht sich niemand wundern, wenn die Leute hier auch zu Wutbürgern werden."

Das Haus von Sabine Schneider: 30 Lkw in 17 Minuten. Foto: Sabine Schneider
Das Haus von Sabine Schneider: 30 Lkw in 17 Minuten. Foto: Sabine Schneider

Bürgermeister Boch versichert, von den Transporten ebenso überrascht zu sein: "Auf mich ist niemand zugekommen." Zuständig sei der Kreis Rottweil. Er wisse nicht, wann die Entscheidung in Rottweil gefallen ist, sagt Boch. Die Beschwerden aus seiner Gemeinde versteht er: "Man hätte sicher vieles an Unmut und Ärger vermeiden können, wenn von vornherein offen kommuniziert worden wäre." Boch ist überzeugt, dass die Leute gar nicht damit rechneten, 80 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt vom Bauprojekt S 21 betroffen zu sein. Tatsächlich befürworteten bei der Volksabstimmung fast 70 Prozent der Wähler in seiner Gemeinde das Bahnprojekt. 

Bürgermeister Boch sagt: "Der Zug fährt hier am Bahnhof durch, der hält bei uns nicht mal auf dem Weg nach Stuttgart. Das Projekt hätte trotzdem richtigerweise Baden-Württemberg 21 heißen müssen."

Am Montag traf der Bürgermeister mit den Unternehmern, dem Landratsamt und weiteren kommunalen Entscheidungsträgern zum Gespräch am runden Tisch zusammen. Seine Forderung im Namen der Gemeinde war eindeutig: "Unser Ziel ist es, keinen Schwertransportverkehr in unserer Gemeinde mehr zu haben." Dazu erhoffen sich Boch und die Betroffenen eine zweite Autobahnabfahrt, von der aus die Lkw direkt zu der Gipsgrube fahren könnten. Diesem Vorschlag schloss sich auch die Transportfirma Bantle an. Darüber müsste jedoch zunächst die Autobahnmeisterei des Regierungspräsidiums in Freiburg entscheiden.

Schmierige Lachen ziehen sich über die Straßen

Boch ist sich sicher: "Unser Ziel werden wir nur durch öffentlichen Druck erreichen." Den scheinen die Beteiligten bereits jetzt zu spüren. Seit die  Lokalpresse einen empörter Leserbrief von Sabine Schneider abgedruckt hat, zeigen sich die Transportfirmen um Schadensbegrenzung bemüht.

Als erste Reaktion auf die Beschwerden hat die Transportfirma seit einigen Tagen Kehrmaschinen angemietet, die den Asphalt säubern sollen. Bei Regen entsteht dabei allerdings ein neues Problem: Statt Erdklumpen wird die Straße von einem schlammigen Schmierfilm überzogen. Sabine Schneider erzählt außerdem, dass eine der Kehrmaschinen ihr Abwasser mutwillig auf der Straße abgelassen habe. Die Verantwortlichen betonen, dass an der Ausfahrt der Grube neuerdings eine Reifenwaschanlage installiert sei, die die Laster vor Verlassen des Geländes passieren müssen.

Da hilft auch die große Kehrwoche nicht mehr: Schlamm auf den Straßen von Trichtingen. Foto: Marius Münstermann
Da hilft auch die große Kehrwoche nicht mehr: Schlamm auf den Straßen von Trichtingen. Foto: Marius Münstermann

Bei der Konkurrenz in Böhringen fehlt eine solche Waschanlage nach wie vor. Hier wird ein zweiter Gipsbruch mit Erdaushub verfüllt, in diesem Fall von der Firma Gförer. In den beiden Gipsgruben bei Trichtingen und Böhringen können jeweils rund eine halbe Million Tonnen Material verfüllt werden. Vor ähnlichen Dimensionen steht etwa auch die Ortschaft Michelbach bei Schwäbisch Hall, wo ebenfalls ein alter Steinbruch mit Aushub aus Tunneln von Stuttgart 21 verfüllt werden könnte.

In Böhringen stammte bislang der Großteil des abgeladenen Aushubs von kleineren Bauprojekten in der Region. Die Transportfirma Gförer steht jedoch in Vertragsverhandlungen mit S21-Auftragnehmern. Bei einem Zuschlag würde Gförer ebenfalls noch im Laufe dieses Jahres Aushub aus dem mehr als neun Kilometer langen Fildertunnel in die Provinz befördern. Ob der Tonstein, der beim ersten Bohren des Fildertunnels bislang vorgefunden wurde, in der Trichtinger Gipsgrube verfüllt werden darf, ist noch nicht geklärt. Sollte es dazu kommen, stehen Trichtingen und Böhringen unruhige Zeiten bevor:Für den Rohbau des zweiröhrigen Fildertunnels sind rund vier Jahre veranschlagt, es sollen rund 2,8 Millionen Kubikmeter Abraum anfallen. Insgesamt werden für S 21 knapp 69 Kilometer Tunnel gegraben. Sabine Schneider wurde bereits unter der Hand mitgeteilt, sie müsse sich für die nächsten vier bis fünf Jahre auf den Lkw-Verkehr einstellen.

Als Reaktion auf die Beschwerden der Bevölkerung haben die Firmen den Lkw-Verkehr in den vergangenen Tagen gedrosselt. Gförer etwa lagert den Aushub momentan am Stammsitz in Emfpingen zwischen. "Das ist die Ruhe vor dem Sturm", sagt Sabine Schneider. "Aber ich traue der Ruhe nicht."


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Kommentare

Z.D., 17.09.2014 16:35
Verschmutzte Strassen, anzeigen!!!
Das ist ein schwerer Eingriff in den Straßenverkehr!!!

tillupp, 17.09.2014 11:09
Von 14165 Wahlberechtigten in Mössingen haben nur 2662 gegen S21 gestimmt. Also nicht die offiziellen 47,8% Ablehnung sondern nur knappe 19% der Wahlberechtigten Quelle: http://www.statistik-bw.de/SRDB/Tabelle.asp?H=4&U=05&T=02051010&E=GE&K=416&R=GE416025
Die 2662 Ja-Stimmer (nein zu S21) und Ihre Kinder tun mir leid, alle anderen sei jeder Lärm und Dreck der Welt gegönnt als Strafe für Dummheit und Desinteresse an der Volksabstimmung

Dori DK, 23.02.2014 22:55
Häme will ich keine anstimmen und nicht in den Kretschechor "Isch doch VolxAbgeschtimmt" einfallen. 70% haben in dem kleinen Ort für den Unsinn gestimmt und 100% löffeln nun die Suppe aus. Gegen ein wenig Schadenfreude, gegenüber der 70%, kann ich mich trotzdem nicht ganz wehren.

"Infooffensive", "Aussteiga" und viele andere Gruppen des Protestes gegen S21 haben im Vorfeld alles finanzielle und organisatorisch mögliche getan was man mit ein paar tausend Euro möglich war um gegen über einen Millionen-Etat und der auf dem Land gut vernetzten CDU entgegen zu treten.

Auch ich, damals in Köln wohnhaft, bin angereist um aktiv mitzuwirken. Mit "Aussteiga" bin ich einen ganzen Samstag im Ländle von 'Nest' zu 'Nest' gefahren um die Einwohner aufzuklären und Flyer zu verteilen oder in Briefkästen zu schmeißen.
Mit der "Infooffensive" habe ich an einem Anderen Wochenende in kleinen Orten ebenfalls die Briefkästen befüllt und Plakate aufgehängt. Die Reaktionen waren äußerst unterschiedlich, viele interessierte es gar nicht, CDU-Lokalfunktionäre haben unser Treiben argwöhnisch begutachtet, einmal wurde ich sogar beim Plakate aufhängen angegangen, ein anderes mal wurde die Polizei gerufen. Das Plakatverhältnis lag etwa bei 10:1.
In Stuttgart habe ich bis kurz vor der Abstimmung für Stimmen geworben.
Was ich komplett vermisst habe war die aktive Unterstützung der Regierenden Partei mit der Sonnenblume, hier kam nichts, was mich damals sehr verwundert hat.

Direkte Demokratie kann nur mit gleichen Mitteln funktionieren, was bei der Volksver..... nicht der Fall war.

Ich hoffe jedoch, dass die Quittung die für S21 verantwortlichen Parteien bekommen, also besonders die Schwarzen und die Gelben. Aber auch die Rote-Partei unterstützt aktiv das Treiben rund um das Goldene Kalb S21. Die nächste Wahl steht vor der Tür und mit einem ordentlichen Dämpfer für genau die Projekt befürwortenden Parteien. Diese sollten das gerade in den von S21 betroffenen Orten spüren.
Ob man die Blumen-Regierungspartei wählen kann muss jeder selber prüfen, denn die danach verbleibende Auswahl ist gering bis nicht vorhanden. Nicht zu wählen ist allerdings ganz doof, denn dann bekommt man genau das, was man nicht will.

Selberdenken, 23.02.2014 10:44
Zitat aus dem obigen Artikel:
"Die Gruben, die dort über die Jahre von Baggern in die Landschaft gefressen wurden, sollen nach und nach mit dem Aushub von Großbaustellen verfüllt werden. Rekultivierung nennt sich das, die Betreiberfirmen sind gesetzlich dazu verpflichtet."

Ohne S21 käme der "Dreck" eben von anderen Baustellen, da die Gruben wohl aufgrund von gesetzlichen Regelungen wieder aufgefüllt werden müssen.

Wenn man die Leute dort von dem LKW-Verkehr befreien wollte, müsste man doch die gesetzliche Pflicht zur Verfüllung in ein Verbot der Verfüllung abändern.

Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Rumpel, 23.02.2014 09:37
wer den schaden hat spottet jeder beschreibung und das ist gut so. diese 70% dumm-cdu hörigen sollen nun auch ihre fehlentscheidung mitgeniessen dürfen. ich habe da kein mitleid. wer die christfaschisten wählt ist selber schuld.

Gast, 23.02.2014 09:36
Unverständlich, warum die Verantwortlichen nicht in der Lage sind mit einfachen Mitteln die Belastung der Anwohner zu senken. Tempolimit für die Lkw, Zeitfenster für die Anlieferung (inkl. Mittagspause), Reifenwaschanlage und Kehrmaschine sind kein grosser Aufwand, aber selbst das wenige ist zuviel verlangt. Für die Deutsche Bahn ist es nur eine weitere Blamage, wenn sie nicht mal ihren eigenen Aushub auf die Schiene bekommt – flexibel geht anders.

Rudi RW, 21.02.2014 11:39
Meine Zeilen mögen zwar wie Schadenfreude, Häme und Spott für die Betroffenen klingen, aber ganz so gutgläubig geht es eben nicht. Wie ich ausgeführt hatte wurde in der Tagespresse, wenn auch in geringem Umfange, über die Ablagerung in den Steinbrüchen der Region berichtet. Hier wurde dann insbesondere das riesige Abbaugebiet der Firma Knauf in Laufen bei Rottweil in Verbindung mit dem Transport über die Schiene genannt.
In der Region wurde sehr heftig über S21 diskutiert, insbesondere wegen dem damit in Verbindung stehenden Ausbau und der Trassenführung der Gäubahn. Wobei die schwarzen Vertreter der Region Kauder, Teufel und Wolf natürlich intensiv die Werbetrommel vor der Abstimmung für S21 rührten. Dies sollte den einzelnen Stimmberechtigten allerdings nicht davon abhalten sich selbst Gedanken zu machen.
Und nicht auf solche Sprüche hereinzufallen, das Projekt ist Fortschritt und wenn das Geld nicht bei uns in Baden-Württemberg verbaut wird dann passiert das irgendwo anders und wir bezahlen über den Länderfinanzausgleich. In Stuttgart lautete der Leitspruch „oben bleiben“ und für die Betroffenen jetzt eben „aufwachen“. Übrigens Herr Wolf (ehemaliger Landrat von Tuttlingen) ist ja zwischenzeitlich auch aufgewacht als er bemerkt hat, dass S21 auch die Mittel für den Gäubahn-Ausbau schmälert.
Jetzt warte ich nur noch auf die Aussage der Herren bei der nächsten Wahl, das haben wir so nicht gewollt, dann glaube ich das auch noch.

robbyy, 21.02.2014 08:06
Es kann passieren was will,..... man kann angelogen werden, so viel man will... man wird weiterhin kräftig schwarz wählen, weil das so wohl in den Genen liegt.....

Und alle diejenigen fallen immer noch auf den schwarzen Populismus rein.... .... oder nein, sie wissen es und wählen sie trotzdem.....

Sandra, 20.02.2014 22:21
Die Menschen waren nur einseitig über Stuttgart 21 informiert. Die Gegner des Projekts haben vor der Volksabstimmung versucht, die Bevölkerung auch in abgelegenen Gebieten Baden-Württembergs zu informieren, aber ihnen standen nicht alle Informationswege offen. Und das hatte nicht nur finanzielle Gründe.

Jetzt wo die Lastwagenkarawanen durch den Ort fahren, wird nach einer neuen Autobahnausfahrt geschrien. Das ist verständlich. Es ist bekannt, dass der Abraum von Stuttgart 21-Baustellen kommt, aber trotzdem hört man auch jetzt kein kritisches Wort zu Stuttgart 21. Warum nicht?

duck soup, 20.02.2014 21:59
Drei Dinge braucht der Mensch:
1) Schadenfreude
2) Schwäbischer Pietismus
3) Divide et impera
Dann sind diejenigen froh, welche ungestört die Herrschaft ausüben können.
Die Leute hier auf dem Land hatten sich vermutlich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen ausgemalt, was da auf sie zukommen würde. Jetzt zu sagen: "Ätsch, da habt ihr den Salat, nun löffelt mal die Volksabstimmungssuppe hübsch selber aus!", ist billig.
Wichtig ist es, sich jetzt zu vernetzen. Vor allem die zornigen Schwaben auf dem Land können ungeahnte Ausdauer und Kraft entwickeln.
Oben bleiben!

stammheim.zwo, 20.02.2014 20:46
@dichtbert
Sie haben vollkommen Recht, ergreifen wir die Chance und nutzen die Gunst der Stunde und gehen auf die Geschädigten zu!
Das sind Leute, die jetzt aus Schaden klug werden können - bessere Mitstreiter, vor allem unverbraucht, selbst betroffen und grund-sauer deshalb , können wir zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht mehr gewinnen!!

dichtbert, 20.02.2014 18:16
Häme, ist zwar ein stückweit verständlich (aus der geschundenen Stuttgarter Perspektive 15 Jahre + X Bau, Lärm, Dreck Hölle mit ungewissem Ausgang) allerdings in diesem Fall nicht angebracht. Klug wäre es die Betroffenen an die Hand zu nehmen & ihnen beim Vernetzen zu helfen, damit sie sich gegen diesen Betrug wehren können. Das wäre nebenbei auch ein Zeichen von Größe und Reife. Häme hilft niemanden, ausser den kriminellen Projektbetreibern. Das ist meine bescheidene Meinung als Stuttgarter zu diesem Thema.

dreidreizehn, 20.02.2014 16:55
Schön ist auch, wie Sie auf die "bösen" 70 Prozent einhacken und ihnen den Dreck gönnen. Nur machen Sie es dadurch auch nicht besser. Es gibt dann immer noch 30 Prozent, die dagegen waren und die jetzt den gleichen Dreck vor der Tür haben. Aber das scheint irgendwie niemanden zu interessieren. Es ist jedoch auch völlig obsolet sich Gedanken zu machen, was hätte sein können. Der Dreck ist da, das ungeliebte Projekt ist da und die ganzen Kosten werden erst noch kommen. Genug Probleme also, die angegangen werden müssen, gemeinsam. Die wirklichen Übeltäter lachen sich doch scheckig, wenn die Ihre Kommentare lesen: Schön ein Wahnsinns-Projekt durchdrücken, durch Misinformation breite Zustimmung generieren, die eigenen Taschen und die Taschen der engeren "Freunde" füllen, auf Jahre hinaus Aufträge und Arbeit erzeugen und am Ende noch viel mehr (Steuer-)Geld verpulvern als vorher angekündigt. Wirklich, ein Meisterstück, denn die "Bösen" sind die 70 Prozent Wahlvolk, die sich für S21 haben begeistern lassen. Und keinen interessiert es, auch wenn ich von den Machern einer "Infooffensive" mehr erwartet hätte. Merken Sie nicht, dass Sie genau das tun, was Ihre "Gegner" in Politik, Wirtschaft und bei der Bahn gut gebrauchen können? Sie reiben sich in endlosen kleinen Scharmützeln auf, die Ihnen keinen Meter Boden einbringen (ist zwar sehr militaristisch geworden der Satz, aber das bringt es doch ganz gut auf den Punkt).

dreidreizehn, 20.02.2014 15:58
Ich komme aus NRW und wir haben hier sicherlich auch so unsere sinnfreien Bauprojekte. Es ist in der Tat erstaunlich, mit wie viel Häme hier über die Betroffenen geschrieben wird. Ja, es hat 70% Zustimmung gegeben. Ja, es gab eine Befragung der Bevölkerung – auch derer, die nicht direkt von S21 betroffen waren.
Aber ich glaube nicht, dass vor der Abstimmung irgendjemand den Leuten in Trichtingen gesagt hat: "Hey, stimmt mal alle für S21, dann fahren jeden Tag 80 Lastwagen mit Aushub durch euer Dörflein." Ich vermute also einfach mal, dass ein Gutteil derer, die zugestimmt haben nur unzureichend informiert waren. Und da kann man den Menschen kaum einen Vorwurf draus machen, sie können nur die Informationen nutzen, die ihnen zugänglich sind (und man kann kaum erwarten, dass wirklich jeder ins Internet geht und stundenlang auf Seiten surft, denen er oder sie nicht traut, zumal das Internet auf dem Land ja eh fern jeglicher Menschenwürde zu sein scheint).
Mit tun die Leute in erster Linie leid, mir tun auch die Kinder leid, die vormals "auf dem Land" ja eine ruhige und recht sichere Umgebung hatten und die jetzt auf einmal "ihre" Straße nur eingeschränkt nutzen können.
Ich bin in einer großen Stadt aufgewachsen und habe vom ersten Tag an gelernt, auf den Verkehr zu achten. Aber was ist mit Drittklässlern, die das nicht gewohnt sind? Was für ein Risiko entsteht dabei auch noch?
Das ganze S21-Pojekt ist würdelos und unsinnig und ein Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Interessen Einzelner schwerer wiegen als alle Bürger, die Umwelt, Kinder und Sinn und Verstand im Allgemeinen.

Rudi RW, 19.02.2014 22:24
Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Im Grunde genommen tun mir die Anwohner in den so geplagten Gemeinden nicht mal leid. Denn bei der Abstimmung haben sie als sogenannte tiefschwarze Wähler voll umfänglich für S21 gestimmt. Fern ab jeglicher Bahnlinie und daher quasi unbeteiligt. Nun müssen sie sich eben an die "schwarzen Befürworter" des Kreises wenden denen sie gutgläubig ohne weitere Gedanken zu verschwenden gefolgt sind. Eigentlich sollte ja sehr viel von diesem Dreck mit der Bahn nach Laufen bei Rottweil transportiert werden. Aber da fehlt wohlweislich immer noch das Gleisstück zum ordentlich entladen. Wäre allerdings auch für die Bahn eine riesige logistische Aufgabe den Zugverkehr auf der Gäubahn zu organisieren. ist doch so viel einfacher, Bahn beauftragt ein Logistig Unternehmen das seinerseits wieder viele Subunternehmer einsetzt die dann den Dreck von der Baustelle direkt zum Ablagerungsplatz fahren. Das bisschen Umwelt spielt bei staatlichen Beschlüssen ja eh keine Rolle wie die Energieewende bereits zeigt.
Um die Umwelt kümmern wir uns dann wenn Otto-Normalverbraucher neue Auflagen bezüglich seiner Heizung und Hausisolierung gemacht werden.

Gaigeler, 19.02.2014 15:39
Und wenn der Schwabe selber baut, kann er den Aushub bis in die Walachei fahren lassen, weil die heimischen Deponien mit dem Dreck aus Stuttgart gefüllt sind. So haben wir alle die nächsten Jahrzehnte was davon :/ Not....

Martin Schmidt, 19.02.2014 15:37
Die Kommentare sind ziemlich befremdlich.
Es geht mMn. im Artikel als auch beim Bau von S21 doch um das gleiche Problem, die Bevölkerung vor Ort ist schlicht egal. Denn dass ständige Anfahrten der LKW zu Störungen führen ist nicht überraschend, d.h. die beteiligten Unternehmen wussten davon, haben jedoch entschieden, dass die Benfindlichkeiten der Anwohner weniger wichtig sind als ihre eigenen.

Erschütternd ist insbesondere die Häme. Ist es denn wirklich eine Genugtuung für die verlorene Volksabstimmung und die gefühlte Ohnmacht ein völlig sinnloses Projekt nicht stoppen zu können, dass jetzt andere leiden? Ist das Solidarität oder Mitgefühl? Was soll das ständige Spalten in "wir" (die Guten, die ungerecht Behandelten) und "die Anderen" (denen wir alles erdenklich Schlechte wünschen (nun gut, dass vielleicht doch nicht))?
"Wir sind das Volk!", daran sollten wir denken, bevor wir wieder verbal (oder körperlich) auf unsere Mitmenschen einprügeln.

Tillupp, 19.02.2014 12:00
Mitleid und Verständnis habe ich mit den 30% die damals mit NEIN gestimmt haben. Dem Bürgermeister würde ich empfehlen die Ortsdurchfahrt-Straßen aus Lärmschutzgründen von 12:00 bis 15:00 für LKW zu sperren.

Sandra, 19.02.2014 11:48
Der Abraum von Stuttgart 21 kommt in Gipsbrüche in Trichtingen und Böhringen. Möglicherweise hätte das verhindert werden können, wenn die Volksabstimmung anders ausgefallen wäre.
Die Anwohner beschweren sich jetzt über den Dreck und den Lärm der Lastwagen und fordern eine zusätzliche Autobahnausfahrt. Der Dreck auf den Staßen kommt nicht aus Stuttgart, er kommt aus den eigenen Gipsbrüchen! Dagegen würden Reifenwaschanlagen in den Gipsbrüchen ausreichen!
Stimmen gegen Stuttgart 21 habe ich aus diesen Orten noch nicht gehört. Warum auch? Den Aushub der Tunnelbaustellen zu Stuttgart 21 kann man zur Rekultivierung der Gipsbrüche verwenden und verdient noch gut daran.

Madeleine, 19.02.2014 11:28
Mein Mitleid mit 70 %-Befürwortern des "bestgeplanten Betrugsprojekts" hält sich seeehr stark in Grenzen! Die Kritiker wurden überall beschimpft auf's Übelste ................. jetzt haben sie "buchstäblich" den Dreck!

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Ausgabe 287 / Riskant, aber richtig / Rolf Steiner, 28.09.2016 16:10
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