KONTEXT Extra:
Drehpunkt Welzheim macht dicht

Drei Jahre haben sie durchgehalten. Ausgerechnet zum heutigen Jubiläumstag müssen die drei Ex-Schleckerfrauen aus Welzheim verkünden: Unser Drogerieladen wird Ende Oktober dichtgemacht. "Uns schlaucht das gewaltig", sagt Martina Bareiss, "aber wir schaffen es nicht." Wieder hätten sie Geld aufnehmen müssen, ein neues Kassensystem steht an, weil der Lieferant wechselte. Die Bank winkte ab: Schließlich macht vermutlich Anfang 2019 gleich um die Ecke eine Rossmann-Drogerie auf, dagegen könnten sie nicht bestehen, sagt Martina Bareiss.

Voller Elan waren sie und zwei Verkäufer-Kolleginnen nach der Schleckerpleite in die Unabhängigkeit gestartet (Kontext berichtete), hatten, unterstützt von der Verdi-Sekretärin Christina Frank, im leerstehenden Laden eine eigene Drogerie hochgezogen. Drehpunkt hieß das Konzept, das die Nahversorgung sichern und weit mehr bieten sollte als Seife und Zahnpasta. Martina Bareiss und ihre zwei KollegInnen steckten voller Ideen: Regionale Produkte wie Honig oder Marmelade standen neben Seife und Zahnpasta. Und in ihren Räumen fanden auch die Schwabenpost und UPS einen Platz.

Damit ist nun Ende Oktober Schluss. Am 18. September, beim verkaufsoffenen Sonntag zum Welzheimer Holz- und Bauernmarkt, werden sie von 13 bis 18 Uhr öffnen. Es wird für die Welzheimer Drehpunktfrauen ein Abschied von ihren vielen treuen KundInnen und UnterstützerInnen werden. Sie freuen sich über jeden Besuch. (31.8.2016) 


Mit klassischer Musik gegen Kampfdrohnen

Mit Cello und Bratsche rücken 80 MusikerInnnen vor der US-Kommandozentrale in Stuttgart-Möhringen an. Am kommenden Montag, 29. 8., 10 Uhr, wollen sie dem "Drohnenmord den Schlussakkord" setzen. Sie sammeln sich seit 30 Jahren unter dem Namen "Lebenslaute" und finden sich überall dort ein, wo sie Menschen bedroht sehen: auf Militärübungsplätzen, Abschiebeflughäfen, vor Atomkraftwerken und Raketendepots. Ihr Konzert ist verbunden mit einer Demonstration, bei der die Organisatoren von "Ohne Rüstung Leben" 13 000 Unterschriften an einen Vertreter von Africom und Eucom übergeben wollen. Sie fordern die Schließung der Kommandozentralen. Mit der "stillschweigenden Duldung" von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) werde hier der Einsatz von tödlichen Kampfdrohnen koordiniert, schreibt das Bündnis. (26. 8.)


Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


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Bislang ist Wiiiiiiinfriiiiied Kreeeetschmaaaann der Chef im Ring. Aber auch andere machen bella figura.

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Back to the Hippie-Roots: Stricken beim Parteitag ist bei den Grünen schon seit den 1980ern en vogue.

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Da werden doch nicht die blonden Töchter besorgter Tübinger Professoren drin sein?

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Ausgabe 258
Schaubühne

Politsparring und Spaß dabei

Von Elena Wolf
Fotograf: Joachim E. Röttgers
Datum: 09.03.2016
Am Sonntagabend ist Schluss mit lustig. Um 18 Uhr ist der Drops gelutscht. Dann gibt's die ersten Hochrechnungen auf der Mattscheibe, und es zeigt sich, wer den Wahlkampf für sich entscheiden konnte. Damit sich die Stressfalten vor dem Stichtag noch mal entspannen können, hier eine kleine Auswahl der lustigsten Gesichter aus dem Landtagswahlkampf 2016. Eine Schaubühne.

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Ausgabe 282 / Utopisten-Stau in Ravensburg / Lothar Michael Muth, 31.08.2016 17:31
Möglichkeiten der Utopie heute "Man braucht nur irgendwann einmal bei sogenannten wohlgesinnten Menschen von der Möglichkeit der Abschaffung des Todes zu sprechen. Da wird man sofort der Reaktion begegnen: Ja, wenn der Tod abgeschafft...

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Grosses Kompliment für Beide, den Artikel-Verfasser Arno Luik sowie die Wochenzeitung KONTEXT, die ihn abgedruckt hat. Die Zustandsbeschreibung der EU sowie die Kritik an den namentlich genannten Politikern hätte gewiss ein Forum mit...

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Ausgabe 283 / S 21: durchgefallen, schöngerechnet / leo leowe, 31.08.2016 15:33
Ich sag nur: "Oben bleiben!" -- Das Projekt ist immer noch so wackelig wie die Betonstützen, die laut StZ-Bericht wahrlich kompliziert herzustellen sind. Hätte man sich zumindest für "Kombi plus" entschieden, dann könnte man jetzt...

Ausgabe 283 / Der Gerüchte-Killer / leo leowe, 31.08.2016 15:12
Dort draußen im so genannten "Ländlichen Raum" sind die positiven und negativen Rückmeldungen eben noch ziemlich direkt erfahrbar. Da ist kein Mailkommunikationssystem wie in den großen Verlagshäusern dazwischengeschaltet und da geht...

Ausgabe 283 / Praxisschock im Flüchtlingsheim / Andrea, 31.08.2016 14:16
Vielleicht findet die Petition so wenig Unterstützung weil sie so allumfassend ist? Ich selbst habe viel Zeit als ehrenamtliche Helferin in einer Notunterkunft (ehemalige Schule, kein Wohnheim) verbracht - und dabei festgestellt, es...

Ausgabe 279 / Die Totengräber Europas / Manfred Fröhlich, 31.08.2016 14:10
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Ausgabe 283 / Wahrheit und Schein / Insider, 31.08.2016 13:37
Jetzt fliegt Winfried Kretschmann zum Papst nach Rom und dann werden ihm bei der Audienz wohl alle bisherigen Sünden erlassen.

Ausgabe 283 / S 21: durchgefallen, schöngerechnet / Werner, 31.08.2016 13:14
Wir müssen uns leider damit abfinden, dass dies alles Realität in der Bananenrepublik Deutschland ist. Ich hoffe noch immer, dass dieses ganze Gesockse doch noch zur Rechenschaft gezogen wird. Aber S21 wird durchgezogen, koste es was es...

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