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AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen

Schon wieder hat AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen ein Versprechen nicht gehalten. Aber wahrscheinlich kann er nicht mehr daran erinnern, dass er am 6. März zum ersten Mal seit dem Einzug in den Landtag zu einer regulären und nicht durch Skandale, Trennungen oder Wiedervereinigungen notwendig geworden Pressekonferenz geladen hat. Um mitzuteilen, dass seine Fraktion selbstverständlich der Ankündigung nachkommt, dem Landtag die Gelder zurückzuzahlen, die die vorübergehende Fraktionsspaltung gekostet hat. Sogar ein Datum konnten Meuthen und Fraktionsvize Rainer Podeswa nennen: den 11. März 2017, jenen Tag also an dem die Frist für die Rechnungslegung der Fraktionen ohnehin abläuft. Bis dahin sollten 257.000 Euro fließen. Insgesamt war von 425.000 Euro, einmal auch von 571.000 Euro die Rede.

Eingelöst wurde die Zusicherung nicht. Meuthen und die Seinen, die schon bei unvergleichlich geringeren Anlässen Zeter und Mordio schreien angesichts des Sittenverfalls der von ihnen sogenannten Altparteien, haben nach Auskunft der Landtagsverwaltung gar nichts zurückgezahlt. Jetzt verlangt der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Ex-Innenminister Reinhold Gall, von der Landtagsverwaltung, eine "härtere Gangart" einzuschlagen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Vor allem auf Facebook, dem wichtigsten Kommunikationsmittel der AfD, hatte sich die Fraktion immer wieder dafür gerühmt, alle Gelder zu erstatten. Tatsächlich war das peinliche Finanzgebaren schon in der Plenarsitzung vom 9. Februar Gegenstand der Debatte, als FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke daran erinnert, dass "die operettenhafte Fraktionsteilung" viel Geld gekostet habe und konkret fragte: "Haben Sie zurückgezahlt?" Laut Protokoll rief der AfD-Fraktionschef: "Ja, natürlich!". Inzwischen will Meuthen die Äußerung auf die schon geflossenen Gelder bezogen wissen, ohne konkret zu sagen, um welche Summen es sich handelt. Wahrscheinlich hat er es nicht (mehr) gewusst. (21.4.2017)

Mehr zum Thema: "Sein Name ist Hase"


Kakteen lassen IHK-Vollversammlung platzen

Johannes Schmalzl, früher Zentralstellenleiter im FDP-geführten Justizministerium, dann Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und Stuttgarter Regierungspräsident, ist am Donnerstagabend nicht wie geplant zum Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart gewählt worden. Die kammerkritische Kaktus-Initiative hat die Vollversammlung platzen lassen. Zuvor fand der vorab angekündigte Antrag der IHK-Rebellen zur Änderungen der Tagesordnung allerdings keine Mehrheit. Darin war verlangt worden, Tagesordnungspunkte, die in der vorigen Vollversammlung nicht behandelt wurden, noch vor der Wahl abzuhandeln.

Nach der Abstimmungsniederlage zog ein Großteil der Initiative aus, während einer ihrer Sprecher mit Erfolg die Feststellung der Beschlussunfähigkeit der Versammlung forderte. Damit war die Vollversammlung beendet. Jetzt soll es zu einer Sondersitzung kommen, um Schmalzl vor der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Juli zu wählen. Am Vorgehen der Kakteen gibt es Kritik – auch in den eigenen Reihen. Mehrere Mitglieder hatten die Versammlung mit ausdrücklichem Hinweis auf die demokratische Niederlage in der Abstimmung über die Tagesordnung nicht verlassen. Jetzt sollen interne Beratungen stattfinden.

Jürgen Klaffke, einer der führenden Kakteen, hatte im Vorfeld der Vollversammlung für die Verschiebung der Wahl plädiert. Sein Argument: Es könne nicht sein, "dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert". Da der Vertrag mit dem amtierenden Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. Die Kaktus-Initiative, die unter anderem für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft eintritt, hält ein Drittel der hundert Sitze. (20.4.2017)

Mehr zum Thema: "Das ganze Klavier bespielen", "Rebellen im Weinberghäusle"


Besonders viele Evet-Sager in Stuttgart

Nur in Dortmund, Essen und Düsseldorf haben mehr Deutschtürken für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt als in Stuttgart. Mit 66,22 Prozent liegt die Landeshauptstadt nach den Zahlen der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu auch über dem Deutschland-Schnitt von 63,2 Prozent. Das Ergebnis der Bundesrepublik ist international von besonderer Bedeutung, weil mit rund 1,4 Millionen Menschen nirgends mehr Auslandstürken wahlberechtigt waren. Auffallend ist das Abstimmungsverhalten in Berlin, mit 50 Prozent Nein-Sagern, in der Schweiz mit 70 Prozent und in den USA mit sogar einer 90prozentigen Ablehnung der Verfassungsreform. In den Vereinigten Staaten hat allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung einen türkischen Pass.

Dass sich aus dem Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung allein kein Zusammenhang zum Abstimmungsverhalten ablesen lässt, zeigen nicht nur Berlin und Stuttgart, sondern EU-weit auch Belgien und Österreich. In beiden Ländern gibt es mehr als 70-Prozent Evet-Sager. In Belgien haben rund zwei Prozent der Menschen türkische Wurzeln, in Österreich aber mehr als fünf Prozent. Im deutschen Zustimmungsranking deutlich hinter Stuttgart rangieren unter anderem Karlsruhe mit 61 Prozent, Hamburg mit 57 und Nürnberg mit 55 Prozent. Nach den Zahlen von Anadolu hat die Hälfte der Deutschtürken ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt.


Kakteen wollen neue IHK-Findungskommission

Die IHK-Kritiker von Kaktus fordern, die Wahl des neuen Hauptgeschäftsführers zu verschieben. "Es kann doch nicht sein, dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert", so Jürgen Klaffke von der Kaktus-Initiative. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl der Vollversammlung am 20. April als einziger Kandidat präsentiert werden soll. Die IHK-Rebellen wollen nicht nur abnicken, sondern eine wirkliche Wahl zwischen mindestens drei Kandidaten. Sie fordern daher eine gewählte Findungskommission aus aktuellen Vertretern der Vollversammlung und ein faires, transparentes Auswahlverfahren. Da der Vertrag mit dem aktuellen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. (11.4.2017)


Buchvorstellung mit Kontext-Autor: in_visible limits

Grenzen sind allgegenwärtig, ob sicht- oder unsichtbare: Menschen pflegen ihre Barrieren im Kopf, sortieren die Welt in Gut und Böse. Zuletzt haben leider auch die ganz materiellen Grenzzäune durch die sogenannte "Flüchtlingskrise" wieder eine Renaissance in Europa erlebt, von Trumps Mauer ganz zu schweigen. Das Thema reflektiert momentan der Kunstverein Kontur, in seinem Projekt "in_visible limits" zeigt er Werke von vier Schweizer und vier deutschen Kunstschaffenden, aktuell im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Aus dem Projekt heraus entstand eine Buchveröffentlichung, verschiedene Autoren sollten das Thema "Grenzen" aus ihrer Sicht beleuchten. Kontext-Mitarbeiter Dietrich Heißenbüttel ist einer von ihnen, er befasst sich mit der "Macht der Grenzen" aus historisch-politischer Sicht. Am Sonntag, den 9. April, wird das Buch um 17 Uhr im Theaterhaus in Stuttgart-Feuerbach vorgestellt, Heißenbüttel ist dabei. Der Eintritt ist frei. (08.04.2017)


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Sieht doch schick aus. Montage und Fotos: Joachim E. Röttgers

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Ausgabe 298
Politik

Gefährliches Spiel

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 14.12.2016
Um der AfD das Wasser abzugraben, lässt sich die CDU ideologisch um Jahre zurückfallen. Mit der Konsequenz, dass junge Deutschtürken und -türkinnen, die um ihre Chance auf politische Mitbestimmung gebracht werden.

"Wir sind eine offene und freiheitliche Gesellschaft und wünschen uns von den Menschen, die zu uns kommen, ein klares Bekenntnis zu unserem Land", sagt der neue Generalsekretär der Südwest-CDU Manuel Hagel – und offenbart, dass er nicht verstanden hat, worum es geht. Unter anderem blendet er den Satz komplett aus, dass auch unter EU-Bürgern und Bürgerinnen, gerade angesichts der erstarkten Rechten, durchaus Doppelstaatler sein können, die keine offene und freiheitliche Gesellschaft wollen, sondern genau das Gegenteil. Die können aber "zu uns kommen", ohne ein "klares Bekenntnis zu unserem Land". Le-Penisten, FPÖ-Fans oder Anhänger der Lega Nord sind akzeptiert. Zumindest denkt die CDU gar nicht daran, auch jene Teile des Europarechts zu problematisieren, das den Doppelpass ermöglicht.

Auf dem Parteitag in Essen lagen den fast tausend Delegierten hingegen gleich zwei Anträge vor, in deren Fokus, ohne dass das ausgeführt werden musste, die Türken und Türkinnen stehen. Einer davon kam aus der ohnehin immer weiter nach rechts driftenden Jungen Union, der andere aus dem Bezirksverband Nordwürttemberg.

Zählt Nordwürttemberg nicht zum Südwesten: Thomas Strobl.
Zählt Nordwürttemberg nicht zum Südwesten: Thomas Strobl.

Mit letzterem will CDU-Landeschef Thomas Strobl offenbar nichts zu tun haben. Journalistenfragen zum Doppelpass begegnete er mit dem abwehrenden Hinweis, die Initiative, zur alten Regelung zurück zu kehren, habe "mit Baden-Württemberg nichts zu tun". Falsch. "Die CDU Deutschlands fordert die Abwicklung der zu Anfang der Legislaturperiode beschlossenen Ausweitung der doppelten Staatsbürgerschaft", verlangten die Nordwürttemberger. Und deren Vorsitzender Steffen Bilger erläuterte, wie wichtig und richtig es sei, wenn die Partei, anders etwa als der Unionsteil der Bundesregierung oder die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ihre Position klarmache.

Sein Bundestagskollege Thomas Bareiß, Bezirksvorsitzender in Südwürttemberg-Hohenzollern, verteidigte den Essener Beschluss, der sich ausdrücklich gegen die Haltung der Parteispitze richtet, ebenfalls: "Zur Staatsbürgerschaft gehören Rechte und Pflichten." Zwei Herren zu dienen "ist immer schwierig". Auf Kontext-Nachfrage, was genau denn vor allem hinter den Pflichten stecke, verwies Bareiß' Büro auf das Grundgesetz, Artikel 33, Absatz 1: "Jeder Deutsche hat in jedem Lande die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten". Zu den Pflichten gehöre, schrieb das Büro, "selbstverständlich die Gesetze zu beachten, die Steuern- und Abgabepflichten, Schulpflicht oder die Pflicht zur Hilfe in Notsituationen beziehungsweise unser Land im Ernstfall zu verteidigen". Außer im letzten Punkt des Pflichtenkatalogs werden Deutsche und Türken in der Republik rechtlich sowieso gleich behandelt.

Rückfall in die Neunziger

Es gibt viele Zahlen zur Steuerkraft Türkischstämmiger, zum Anteil am Bruttoinlandsprodukt oder einfach nur der Wirtschaftsleistung in und für Deutschland. Die rund 500 000 Beschäftigten, die keinerlei Wahlrecht haben, wenn sie nicht zwei Pässe ihr eigen nennen oder sich einbürgern lassen, setzen danach Jahr für Jahr etwa 50 Milliarden Euro um. Die Rückkehr zur alten Regelung würde außerdem der Tatsache keinerlei Rechnung tragen, dass sich viele Deutschtürkinnen auf keinen Fall für die Staatsbürgerschaft in ihrem Geburtsland entscheiden würden, um ihr Erbrecht im Land der Eltern und Großeltern weiterhin durchzusetzen zu können.

Erwin Teufel mag Menschen, die sich zu ihren Wurzeln bekennen.
Erwin Teufel mag Menschen, die sich zu ihren Wurzeln bekennen.

Anfang der Neunziger war die Südwest-CDU schon mal deutlich weiter. Der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel wollte für Türken und Türkinnen der ersten Gastarbeitergeneration zwei Pässe zulassen, gerade mit dem Blick auf ihre Lebensleistung und den Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg. Weil "die nicht die Schlechtesten sind, die sich zu ihren Wurzeln bekennen". Heute kommentieren baden-württembergische Delegierte den Essener Beschluss schnoddrig mit dem Hinweis, man könne sich auch mit einem deutschen Pass um seine türkischen Verwandten kümmern.

Sogar vergleichsweise liberale Kräfte wie Teufel ließen sich aber instrumentalisieren vom rechten Flügel, der Kante zeigen wollte auf Kosten Schwächerer. Roland Koch startete 1999 im hessischen Landtagswahlkampf eine unappetitliche Kampagne gegen die neue rot-grüne Bundesregierung und ihre Bestrebungen, das antiquierte Staatsbürgerschaftsrecht endlich zu reformieren. Damals waren von den mehr als sieben Millionen Ausländern, die in der Republik lebten, knapp drei Millionen Türken und Türkinnen. Rot-Grün strebte eine Erhöhung der Einbürgerungsquote an, aber ebenso die doppelte Staatsbürgerschaft.

Als Meinungsumfragen auch noch auswiesen, dass die türkischstämmige Wählerschaft zu 80 Prozent SPD und Grüne bevorzugt, kochte die Stimmung erst recht hoch. Die schwarze Polarisierungsstrategie ging zur Gänze auf: Koch gewann die Landtagswahl, die SPD-Grünen-Mehrheit im Bundesrat war futsch und das neue Staatsbürgerschaftsrecht landete in der Schublade – bis die Sozialdemokraten 2013 in der Großen Koalition das Ende der Optionspflicht für den einen oder anderen Pass durchsetzten, die ab 2018 nach den Vorstellungen der Union wieder Recht und Gesetz werden soll.

Dreiste Opportunisten

Besonders dreist trieben und treiben es die Philister von der CSU. Die wollten Ende der Siebziger ihrer Fraktion im Europaparlament besonderen Glanz verleihen. Also wurde Otto Habsburg-Lothringen, dem Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl, der Doppelpass auf dem Silbertablett serviert und der - im Nachbarland abgeschaffte - Adelstitel gleich dazu. Als Otto von Habsburg saß der Neu-Bayer 20 Jahre lang im EU-Parlament. Von Rechten und Pflichten und dem schwierigen Dienen zweier Herren war damals gar keine Rede. Und von der offenen freiheitlichen Gesellschaft erst recht nicht.

In wenigen Monaten will die Union das Thema sogar in den Bundestagswahlkampf tragen. Im Wissen, wie Strobl nicht ohne einen Hauch von Zynismus formuliert, dass die Chancen den Beschluss "hinterher mit einem Koalitionspartner umsetzen sehr, sehr überschaubar sind". Im Kampf gegen die AfD sind der Südwest-CDU aber viele Mittel recht, sogar die untauglichen. Denn die Nationalisten jubilieren schon wortreich, weil die Union, so der frühere hessische CDU-Staatssekretär und heutige AfD-Vize Alexander Gauland, "unsere richtige Linie übernommen hat".


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Kommentare

Schwabe, 16.12.2016 11:32
"Ist es nicht Ekel erregend, mit welch verdummenden Sprüchen die CDU diese Menschen in innere Schwierigkeiten bringt? Wenn die Menschen mit zweitem Pass Schweizer oder US-Bürger sind, dann macht die CDU doppelte Bücklinge. Aber für die Schwarzen sind Menschen mit türkischem Hintergrund schon immer ein Dorn in den eigenen braunen Augen. Was bleibt ist dieses "hinterfotzige" Kuschen vor der AfD, das die bauernschlauen "Konservativen" direkt in die Nähe des nazionalen Sumpfes führt." - diese Meinung teile ich mit dem Vorkommentator Rolf Steiner!

@Fritz
Mission accomplished - o.k., das ist das Eine! Und ich sehe auch einen (Beweg)Grund, doch das ist kein menschlicher, sondern ein niedriger Beweggrund, nämlich Machterhalt - um jeden Preis! Und dieser Preis ist auch hier - wie so oft bei der CDU/CSU - der Preis der Menschlichkeit.

Der Vorkommentator "Zaininger" beschreibt die von Rolf Steiner angesprochenen "inneren Schwierigkeiten" in die die Politik die Menschen (aus niedrigen Beweggründen heraus) stürzt m.E. ganz gut.

Hinzu kommt diese unsägliche Abschiebepraxis, ganz nach dem Motto: "Erst die offenen Arme, dann die Abschiebung, möglicherweise in den sicheren Tod"

Diese "Unmenschlichkeit" der CDU/CSU trifft ja nicht nur ausländische Mitbürger. Die Bevölkerungsmehrheit in ganz Deutschland leidet seit Jahrzehnten unter dieser sich selbst befriedigenden, unsozialen, neoliberal bürgerlichen Politik. Ich frage mich schon seit langem: Wie kann man solche Parteien wählen?

Wer mehr über die Doppelmoral der derzeitigen Abschiebepraxis erfahren möchte:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=36288

Zaininger, 15.12.2016 23:20
Das Thema sollte man/frau doch ehrlicher führen:
wer sich nicht entscheiden kann oder will, hält sich erst mal ein Hintertürchen offen, ist unsicher über seine Zukunft
und fragt sich: bin ich hier langfristig erwünscht? Was passiert, wenn sich meine persönliche Lebensplanung ändert? Kann ich ohne Schwierigkeiten mit allen Rechten wieder zurück? Halte ich mir in Sachen Erbschaften, Grundbesitz, familiären Verpflichtungen noch eine Option offen? Will ich (z.B. durch Wahlrecht) noch Einfluss nehmen auf die Geschicke meines Heimatlandes oder mir vielleicht mit dem einen Pass gewisse Unannehmlichkeiten vom Leibe halten (Militärdienst in der Türkei und die Ablösesumme wünsche ich niemandem)?

Barolo, 15.12.2016 14:54
Die Frage die ich mir da stelle ist, warum soll ein Mensch zwei Staatsbürgerschaften haben?
Wenn mehr als eine, warum dann nicht 10?

Wenn ich in einem anderen Lande lebe und irgendwann die dortige Staatsbürgerschaft haben will, dann kann ich das bei Erfüllung der Kriterien tun.
Aber das ist dann eine Entscheidung zu einer Alternative mit allen Konsequenzen wie z.B. Militärdienst, Wahlrecht etc.

Und wenn der türkische Staat es seinen "Abtrünigen" erschweren will, dann ist es nicht unsere Sache dies mit einem zusätzlichen Pass zu erledigen.

Halte diese Mehrfach-Staatler auch für Blödsinn wenn es sich um die Version US-Deutsch handelt. Kommt ja automatisch vor, wenn deutsche Eltern in USA ein Baby bekommen.

Eine sinnvolle Regelung wäre eine Entscheidung bei Volljährigkeit.

Fritz, 15.12.2016 10:29
Mission accomplished! DieCDU hat endlich den Grund um weiter nach Rechts zu rücken.

Rolf Steiner, 14.12.2016 19:49
Ist es nicht Ekel erregend, mit welch verdummenden Sprüchen die CDU diese Menschen in innere Schwierigkeiten bringt? Wenn die Menschen mit zweitem Pass Schweizer oder US-Bürger sind, dann macht die CDU doppelte Bücklinge. Aber für die Schwarzen sind Menschen mit türkischem Hintergrund schon immer ein Dorn in den eigenen braunen Augen. Was bleibt ist dieses "hinterfotzige" Kuschen vor der AfD, das die bauernschlauen "Konservativen" direkt in die Nähe des nazionalen Sumpfes führt.

Und es ist einfach nur noch erbärmlich und für jeden Demokraten unerträglich, wenn die CDU auf die dubiosen Wählerstimmen der Ultra-Nazionalisten mit ihrem rechten Auge schielt und dabei die Demokratie auch weiterhin für einen Judas-Lohn schäbigst verraten wird. So, wie dies schon mal die Zentrums-Partei getan hat, aber sich nach der Kapitulation des Nazi-Verbrecher-Reich als "Märtyer" erklären wollte.

Rolf Schmid, 14.12.2016 14:56
Geschätzter Dr. Gscheidle,
weshalb Sie Ihre Deutsche Staatsbürgerschaft behalten wollen ist mir angesichts Ihrer Kritik an den obwaltenden Verhältnissen in der BRD unverständlich.
Ich würde meine Deutsche Staatsbürgerschaft sehr gerne gegen z.B. die Syrische oder Afghanische eintauschen, aber dass diese auch von der BRD zerstörten Länder einen alten Deutschen Mann wie mich noch nehmen, ist selbst dann zu bezweifeln, wenn es dort jemals wieder funktionierende Regierungen geben sollte!

Rolf Schmid, 14.12.2016 14:48
Wer einen stellvertretenden CDU-Parteivorsitzenden und B-W Innenminister wie den immer spitzbübisch grinsenden "Ich weiss was"- STROBEL hat, der darf sich nicht aufregen, wenn die "Christliche Volkspartei CDU" unter dem Vorsitz einer Pfarrerstochter der christlichen Nächstenliebe ebenso Adé gesagt hat wie den Menschenrechten!
Und dass ausgerechnet "mein" Geburtsland Baden-Württemberg als erstes mit der Abschiebung afghanischer Flüchtlinge, die es bis in diese BRD geschafft haben, in deren hoffnungslos zerstörtes und extrem unsicheres Heimatland beginnt, ist angesichts der zuvor Genannten "Christen" keine Aufregung mehr wert, es sei denn, man erinnert sich auch noch des pseudo-Grünen Ministerpräsidenten, zu dessen Wahl man wie ich alle Freunde und Bekannten angehalten hatte - und bei denen ich mich jetzt entschuldigen muss!
Ich schäme mich - in dieser Reihenfolge -
-dafür, sowie
- für meine landsmannschaftliche Herkunft und
- meine Deutsche Staatsbürgerschaft!

Dr. Diethelm Gscheidle, 14.12.2016 13:50
Sehr geehrte Damen und Herren,

auch in bin ein großer Freund der doppelten Staatsbürgerschaft! Unser einstmals schönes deutsches Vaterland verkommt ja derzeit leider zur Unredlichkeit und geht moralisch den Bach herunter - dies können Sie deutlich an gesetzlichen Maßnahmen wie Gesetzen zur Förderung unserer garstigen Jugend, dem Gesetz zur Abschaffung der hochlöblichen Wehrpflicht, sowie der Einführung von immer mehr diabolischen "Frauenquoten" sehen, allerdings auch am allgemeinen Werteverfall (so wird z.B. diese widernatürliche, unhygienische und extrem ekelerregende sogenannte "Sechs"-Sache da immer noch praktiziert, diabolische und gewaltverursachende Krachmusik wird konsumiert und teilweise sogar öffentlich gespielt, Jugendliche sind aufmüpfig und frech und wagen es, nach 18:00 Uhr noch auf der Straße herumzulaufen, und die gehirnbrandverursachenden Handtelefone werden nicht nur im äußersten Notfall, für den sie schließlich konzipiert wurden, genutzt, sondern für Dumpfsinn und unnütze Gespräche!).

Aus diesem Grunde würde ich gerne zusätzlich zur deutschen Staatsbürgerschaft noch die Staatsbürgerschaft eines redlichen Landes annehmen. Ausführliche Recherchen zur Redlichkeit der Länder haben mich zu dem Schluss kommen lassen, dass ausschließlich der Vatikanstaat die selbstverständlichen redlichen Mindest-Standards erfüllt. Ich werde daher demnächst beim Vatikanstaat anfragen, ob man mir - als einem absoluten Vorbild an Redlichkeit und an moralischer Integrität - nicht zusätzlich die vatikanische Staatsbürgerschaft verleihen kann, die ich auch voll stolz und absolut zurecht tragen würde! Leider würde dies dem aktuellen Doppelpass-Beschluss der nicht-mehr-ganz-redlichen, aber wenigstens noch christlichen CDU zuwiderlaufen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(Ihr Vorbild an Redlichkeit und moralischer Integrität, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

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