KONTEXT Extra:
Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


Bahnchef Grube mag Stuttgart 21 nicht mehr

Da rennt der Mann jahrelang rum und erzählt, wie großartig der Tiefbahnhof ist - und jetzt? Jetzt sagt Rüdiger Grube laut "Spiegel": "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht". Nun wird schon spekuliert, ob es vielleicht ein Doppelgänger war, der diesen Satz beim Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen gesprochen hat, oder hier ein Fall von Persönlichkeitsspaltung vorliegt? Aber nein, es war der leibhaftige Grube.

Auf die Reaktionen all seiner Freunde darf man gespannt sein. Vorneweg auf jene seiner Chefin Angela Merkel, die mit S 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verband. Oder auf die von Teufel, Oettinger, Mappus, Gönner usw., die stets vor dem Abseits warnten, sollte der unterirdische Bahnhof nicht kommen. Nur der amtierende Ministerpräsident Kretschmann kann heimlich sagen, dass er auch schon immer dagegen war. (25.11.2016)


S 21: Kein neuer Deal mit der Bahn

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart zeigen der Deutschen Bahn die kalte Schulter und wollen die sogenannte Verjährungshemmungsvereinbarung nicht unterzeichnen. Damit versuchte die Bahn eine frühzeitige Entscheidung darüber zu vermeiden, ob sie eine Beteiligung von Stadt, Land und Region an den Mehrkosten des Milliardenprojekts einklagt. Alle Partner sollten einer Verlängerung der Verjährung für mögliche Ansprüche der Bahn auf zusätzliche Gelder für Stuttgart 21 zustimmen. Für die Stadt Stuttgart schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Verlängerung abzulehnen. Endgültig entschieden wird am 8. Dezember.

"Die Vertragspartner sind der Auffassung, dass die DB Bauherrin ist und dass die Vertragspartner begrenzte und vor allem freiwillige Zuwendungen gewähren", erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den mit der Stadt abgestimmten Standpunkt. Man werde sich "grundsätzlich auch gemeinsam gegen die Bahn verteidigen". Das Land sei mit der Stadt und der Region der Ansicht, "dass es ein falsches Signal wäre, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil die Vertragspartner die Ansprüche der DB für unbegründet halten".

Hermann erwartet jetzt eine vergleichsweise schnell eingereichte Klage, aber "viel länger hätte die DB ohnehin nicht gewartet". Denn bis zu einem letztinstanzlichen Urteil würden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, nach der Prognose des Minister werden aber "in ungefähr drei Jahren die vertraglichen Finanzierungsbeiträge der Vertragspartner erschöpft sein". Im Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 ist der Kostenrahmen inklusive Risikopuffer auf 4,526 Milliarden Euro begrenzt. Bei weiteren Kostensteigerungen sind, unter Nutzung der Sprechklauseln, Gespräche vorgesehen. Im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat den Finanzierungsrahmen auf 6,526 Milliarden Euro erhöht und zugleich die Projektpartner aufgefordert, über weitere Beiträge zu verhandeln. Das lehnen diese allerdings strikt ab. (24.11.2016)


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Auf zur Wahl! Werbeplakat der Kampagne. Foto: www.oy-hakkini-kullan.de

Auf zur Wahl! Werbeplakat der Kampagne. Foto: www.oy-hakkini-kullan.de

Ausgabe 258
Politik

Hakkini Kullan gegen rechts

Von Elena Wolf
Datum: 09.03.2016
Die Wahlkampfmaschine in Baden-Württemberg bollert auf Hochtouren. Im politischen Sicomatic-Topf steigt der Druck. Was bislang niemand so recht mitbekommen hat: Auch türkische Verbände machen für den 13. März mobil. Ihr Motto: "Oy, Hakkini Kullan! – Nutze dein Wahlrecht!" Ihr Ziel ist es, den Rechtspopulisten von der AfD das Wasser abzugraben.

"Wo soll ich unterschreiben?", witzelt ein Geschäftsmann in feinem Zwirn, der gerade mit einer prallen Tüte voller süßer Sünden aus der türkischen Bäckerei in der Mauserstraße im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach kommt. Sein Begleiter hält ihm grinsend einen Flyer unter die Nase, als wolle er ein Autogramm von ihm. In der Bäckerei hängen die Broschüren auch in Plakatgröße. Außer den beiden Männern interessiert sich an diesem grauen Nachmittag in "Klein Istanbul" jedoch kaum jemand für die bunten Zettel, die Werbung für die Landtagswahl am kommenden Sonntag machen. "Oy Hakkini Kullan!" – auf Deutsch "Nutze dein Wahlrecht!" – steht dort in blau-roten Lettern zusammen mit dem Hinweis, dass man auch per Briefwahl wählen kann. Was hat es mit Hakkini Kullan auf sich?

Die Flyer sind Teil einer groß angelegten Kampagne, die der Verein Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg zusammen mit anderen Verbänden ins Leben gerufen hat. "Viele Türken gingen bislang nicht zur Wahl, es herrscht ein großes Desinteresse an der deutschen Politik", sagt Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Gemeinde. Das liege vor allem daran, dass es neben der Grünen Muhterem Aras nicht genügend Vorbilder in der Landespolitik gebe, erklärt Sofuoglu. In Anbetracht der wachsenden Erfolge von AfD, Pegida und anderen rechtspopulistischen Strömungen im Land sei das jedoch fataler denn je.

Plakate beim Bäcker. Foto: Martin Storz
Plakate beim Bäcker. Foto: Martin Storz

Mit "Oy Hakkini Kullan!" wollen Sofuoglu und seine MitstreiterInnen deshalb WählerInnen mit türkischem Migrationshintergrund wachrütteln. "Wenn nur die Hälfte der Menschen, die in Baden-Württemberg von ihrem Wahlrecht in der Türkei Gebrauch machen, auch hier wählen gehen, dann wäre schon viel geholfen", sagt Sofuoglu. Auf der Homepage der Kampagne kann sich jeder Interessierte über Grüne, SPD, CDU, FDP und Linke informieren.

Der rechte Wind, der seit der Flüchtlingskrise verstärkt durch Deutschland und Baden-Württemberg weht, sorgte auch im Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart für eine Initialzündung. Mitarbeiterin Özlem Şahin: "Seit die AfD so ein großes Thema wurde, sind wir in Aktion getreten, um die Kampagne zu unterstützen."

Angst vor "französischen Verhältnissen"

Dass diese Kampagne den Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) in den Landtag nicht verhindern wird, ist Sofuoglu bewusst. Doch es gehe mittlerweile um mehr. "Es gibt ein generelles Rechtsproblem in Deutschland, denn es besteht sogar die Gefahr, dass die AfD vor der SPD landet. Dann hätten wir französische Verhältnisse", befürchtet Sofuoglu. Die Kampagne solle dem Erfolg der Rechtspopulisten entgegenwirken, deren Prozente verringern. Deshalb sind die Hakkini-Kullan-AktivistInnen auf Hochzeiten, Konzerten oder Freitagsgebeten im ganzen Land unterwegs, um türkischstämmige BürgerInnen zur Wahlurne zu bewegen.

Wie viele es davon in Baden-Württemberg gibt, ist schwer zu sagen. Zwar leben laut Statistischem Landesamt über 500 000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund hier. Wie viele davon deutsche Staatsbürger sind und damit wählen gehen können, ist statistisch jedoch nicht erfasst. Viele Menschen sind oft schon in der dritten, fast vierten Generation in Deutschland, "da ist es dann irgendwann schwer zu sagen, wo der Migrationshintergrund anfängt und wo er aufhört", sagt Özlem Şahin. Schätzungen reichen von 150 000 bis 200 000 Wahlberechtigten.

"Klar erreichen wir nicht jeden. Manche gehen an unseren Ständen eben vorbei", erzählt Sofuoglu, der 1980 nach Deutschland kam und als Sozialpädagoge in Stuttgart und Kornwestheim arbeitete. Demnächst will er sich mit seinen MitstreiterInnen zusammensetzen und Bilanz ziehen. "Vielleicht machen wir ganz kurz vor der Wahl nochmal eine Telefonaktion oder gehen direkt in türkische Geschäfte." Damit am 13. März so viele wie möglich ihr Kreuzchen gegen rechts machen.

 

Kontext hat nachgefragt

Maroi Ben Ammar. Foto: Martin Storz
Maroi Ben Ammar. Foto: Martin Storz

"Klar geh' ich wählen", sagt Maroi Ben Ammar, 34, aus Stuttgart. Die Mutter dreier Kinder will vor allem verhindern, dass die AfD oder – "noch schlimmer" – die NPD  in den Landtag kommt. Für welche Partei sie stimmen wird, weiß sie aber noch nicht genau. "Ich hab' über Facebook den Wahl-o-Mat gefunden und die vielen Fragen beantwortet", sagt Ben Ammar. Am Ende hätte der Test die SPD für sie ausgespuckt. "Ob ich die jetzt aber wirklich wähle, weiß ich noch nicht", rätselt sie.

Kemal Bozkurt. Foto: Martin Storz
Kemal Bozkurt. Foto: Martin Storz

Für Kemal Bozkurt, 54, aus Kornwestheim steht völlig außer Frage, dass er nächsten Sonntag sein Kreuzchen machen wird. "Ich lebe hier, das ist meine Heimat", sagt der Mann, der, seit er 15 Jahre alt ist, in Deutschland arbeitet und vor allem an sozialen Themen interessiert ist. Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen hält er für eine Pflicht. Man dürfe nie vergessen, dass auch viele Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg zu Flüchtlingen wurden.


Hülya Ergin. Foto: Martin Storz
Hülya Ergin. Foto: Martin Storz

Hülya Ergin aus Westerstetten bei Ulm macht sich Sorgen um die Zukunft. "Ich will und kann nicht arbeiten, bis ich siebzig bin", sagt die dreifache Mutter, die seit ihrem 16. Lebensjahr als Kassiererin arbeitet. "Das macht meine Gesundheit nicht mit." Die 44-Jährige liebäugelt mit der SPD und hofft, dass die sich für eine ordentliche Rente starkmacht. Außerdem sind ihr Bildungsthemen und BAföG wichtig. "Meine Kinder wollen jetzt studieren, und ich mache mir Sorgen, dass sie kein BAföG bekommen", fürchtet Ergin.

Ibrahim Gezer. Foto: Martin Storz
Ibrahim Gezer. Foto: Martin Storz

Ibrahim Gezer aus Stuttgart wird nicht wählen gehen, weil ihm das Vertrauen in die Parteien verloren gegangen ist. "Früher hab' ich mit den Grünen sympathisiert, doch seit Claudia Roth und Cem Özdemir die PKK unterstützen, kann ich diese Partei nicht mehr wählen", kritisiert der 22-Jährige. Außerdem sollten die Politik und ihre Vertreter für das Volk einstehen und keine Eigeninteressen verfolgen. Das sei jedoch immer mehr der Fall, und deshalb wolle er erst mal keiner Partei mehr vertrauen.

Ayşe Donné. Foto: Joachim E. Röttgers
Ayşe Donné. Foto: Joachim E. Röttgers

Ayşe Donné liegt viel daran, dass die AfD nicht in den Landtag kommt. Die 43-Jährige hat zwei Jahre lang in Dresden gelebt und erlebt, wie Rassismus und Diskriminierung in den letzten Jahren zugenommen haben. Früher konnte sie das oftmals noch weglachen. Heute "hat das eine andere Qualität und ist nicht mehr witzig", sagt die Friseurmeisterin, die sich 1998 selbstständig gemacht hat. Seit der rechtspopulistische Wind verstärkt durch Deutschland wehe, könne einem als Mensch mit Migrationshintergrund schon angst und bange werden – selbst wenn man, wie sie selbst, seit 1989 in Deutschland zu Hause ist. 

 

 


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Kommentare

Georg Warning, 11.03.2016 19:31
Liebe Andrea,
wenn ich Türken und Türkinnen auf Türkisch anspreche, heißt das keineswegs, dass selbige kein Deutsch können. Aber es signalisiert den Angesprochenen, dass ich einer von ihnen bin und ihren Problemen näher stehe als jemand, der ohne türkische Eltern hier aufgewachsen ist. Es mag ja sein, dass Sie sich auch freuen, wenn Sie in einem fremden Land jemanden hören, der Deutsch spricht, selbst wenn Sie sich in der Sprache des Landes unterhalten können. Was meinen Sie?
Gruß aus Konstanz
Georg Warning

Andrea, 11.03.2016 13:00
Lieber Schwabe,

was Sie von meiner Aussage halten, ist natürlich immer ganz Ihnen überlassen.

Sachdienlich kann ich dazu nur sagen: Ich suche auf Seiten, die in einer mir unbekannten Sprache verfasst sind maximal noch nach einer Übersetzung - nicht jedoch schaue ich mir explizit Links an ob diese vielleicht auf Seiten führen könnten, die in einer mir bekannten Sprache verfasst sind.

Hand aufs Herz: Tun Sie das? Und, wenn ja, mit welchem Ziel? Sie wissen ja nicht, wie dieser Link kommentiert wurde. Die Möglichkeiten reichen ja von "das musst Du unbedingt lesen" bis "schau Dir die Idioten an".

Schönes Wochenende!

Schwabe, 11.03.2016 09:36
"..jetzt ganz ohne die Landeszentrale in irgendeiner Weise werten zu wollen - das erschloss sich mir nicht, da ich des Türkischen nicht mächtig bin."

Liebe Andrea,
ich bin des türkischen auch nicht mächtig und mir erschloss es sich dennoch. Was soll ich jetzt von Ihrer Aussage halten?
Hier der Pfad:
Dem Link ("Auf der Homepage der Kampagne") im 4. Absatz des Artikels von Elena Wolf folgen. Bis fast ganz nach unten scrollen und die Internetseite http://www.landtagswahl-bw.de/ öffnen. Bei genauerem hinsehen werden Sie bemerken das diese Seite von der Landeszentrale für politische Bildung ist.

Im übrigen spielt es aus meiner Sicht keine (große) Rolle in welcher Sprache Menschen (nicht "diese" Menschen wie Sie Andrea sich auszudrücken pflegen) angesprochen werden die beides deutsch und türkisch verstehen (wobei die Muttersprache evtl. wirkungsvoller ist).

Im übrigen teile ich die Skepsis gegenüber der Landeszentrale für politische Bildung.

Andrea, 10.03.2016 19:52
Lieber Schwabe,

jetzt ganz ohne die Landeszentrale in irgendeiner Weise werten zu wollen - das erschloss sich mir nicht, da ich des Türkischen nicht mächtig bin.

Und, nein lieber Joe, ich werde es auch nicht lernen, denn ich habe nicht vor, die Türkei zu bereisen. Was eigentlich schade, aber ein ganz anderes Thema ist.

Magda, 10.03.2016 13:59
@schwabe...muss ich doch mal drauf hinweisen...
LpB- geissler-Fricke beim Faktencheck......bei S21 waren sie so einseitig "objektiv" dass sie nicht neutral waren.......

also Vorsicht ist bei sogenannten staatl. Institutionen zwingend erforderlich!
Denn auch hier wie überall: stinkender Filzgeruch!
Muss nicht sein, aber .....

Schwabe, 10.03.2016 10:39
Ergänzend zu Joe
Im übrigen liebe Andrea verweisen die türkischen Verbände auf die Baden-Württembergische "Landeszentrale für politische Bildung" - soviel zum Thema einseitig ("Ist diesen Menschen dann bewusst, dass Informationen, die nur aus einer einzigen Quelle stammen sehr einseitig sein müssen?").
Oder wollen Sie der "Landeszentrale für politische Bildung" Einseitigkeit vorwerfen?

.

Joe, 10.03.2016 09:37
Liebe Andrea,

einfach Türkisch lernen und schon verstehen Sie, was auf der Homepage steht.

Insgesamt hat die Kampagne wohl eher das Ziel, dass bestimmte Parteien nicht gewählt werden. Und Interessengruppen sammeln sich und machen auf sich und ihre Anliegen aufmerksam in der Sprache ihrer Wahl. So einfach ist das in Demokratien.

Schwabe, 09.03.2016 11:33
Den Wahlaufruf türkischer Verbände halte ich grundsätzlich für eine gute Sache.

Rassismus spaltet - Denkanstoß
Rassismus, Rechtspopulismus und Faschismus sind nicht nur eine Bedrohung für MigrantInnen. Je erfolgreicher die rechten Kräfte sind, desto schwerer wird es, bessere Sozialleistungen, höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen etc. zu erkämpfen. Denn Rassismus soll die arbeitende Bevölkerung spalten. Nicht nur indem fremde Kulturkreise dauerhaft "zusammengebracht" werden (was allein schon zu ganz natürlichen/menschlichen Spannungen führt), sondern die Menschen darüber hinaus in Konkurrenz zu den (im Kapitalismus immer weniger werdenden, oft prekären) Arbeitsplätzen gebracht werden. Deshalb haben bürgerlich neoliberale Regierungen und Kapitalisten ein grundlegendes Interesse an rassistischer Diskriminierung und an der Existenz rechtsradikaler Kräfte. Deshalb gibt es staatlichen Rassismus in Form von Sondergesetzen für MigrantInnen und deshalb wird z.B. auch verheimlicht, welche Rolle staatliche Behörden tatsächlich bei der Mordserie des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) spielten. All das muss bei der Frage,wie der Widerstand gegen Rechts organisiert werden soll in Betracht gezogen werden.
Ebenso muss untersucht werden, was die konkreten Gründe für das Erstarken rassistischer und rechtsradikaler Kräfte sind. Ich sage, dass dieses Erstarken ein Produkt der Unfähigkeit des kapitalistischen Systems ist, soziale Sicherheit und einen zufriedenstellenden Lebensstandart für alle zu garantieren.
Angesichts von Wirtschaftskrisen, ökologischen Katastrophen und näher rückenden Kriegen nehmen Zukunftsängste zu, die sich - irrational und vor allem bei Teilen der Mittelschichten - gegen Muslime und Flüchtlinge richten. Berechtigte Sorgen vor Krisen und sozialem Abstieg und berechtigter Vertrauensverlust in die etablierten Parteien sind entscheidende Gründe für das Wachstum der Rechten, die sich dabei auf einen nationalistischen Grundkonsens stützen können, der von allen prokapitalistischen Parteien (CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP), bürgerlichen Medien und staatlichen Institutionen verbreitet wird. Deshalb können sich AfD und Co. für eine Vielzahl von WählerInnen als eine Anti-Establishment-Kraft präsentieren. Die AfD - die Alternative die keine ist!

Andrea, 09.03.2016 10:59
Einerseits verständlich - andererseits....

Die Kampagne bietet also eine türkische Plattform mit ausschließlich türkischen Informationen. Sie richtet sich so an Menschen, die hier noch nicht so weit angekommen sind, dass sie die Sprache gut genug beherrschen um sich selbst z. B. im Internet über die Parteien und deren Programme informieren zu können.

Ist diesen Menschen dann bewusst, dass Informationen, die nur aus einer einzigen Quelle stammen sehr einseitig sein müssen?

Mich erinnert das ein bisschen an die "Wahlhelfer" einer in Baden-Württemberg historisch sehr etablierten Partei, die Menschen in Altenheimen beim Wählen unterstützen - natürlich auch mit dem Ziel, dass das Kreuz an einer bestimmten Stelle gemacht wird.

Ich bin hier sehr ambivalent, das muss ich zugeben.

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