KONTEXT Extra:
Stuttgart 21: Steter Tropfen

Das Kanzleramt entschwärzt weitere Teile eines brisanten Stuttgart-21-Vermerks. Wie Eisenhart von Loeper am Donnerstag nach dem Erörterungstermin zur Aktenvorlage vor dem Berliner Verwaltungsgericht mitteilte, werden damit rund 80 Prozent jenes Papiers mit Datum 5. Februar 2013 öffentlich, in dem es um das Okay des DB-Aufsichtsrats für das Milliardenprojekt trotz der Kostensteigerungen und vor allem der Tatsache geht, dass nicht geklärt war und ist, wer die Mehrkosten trägt. Von Loeper hofft jetzt nachvollziehen zu können, wie und was in den entscheidenden Wochen 2013 intern diskutiert wurde. Im Raum steht seit dem umstrittenen Votum der Vorwurf, dass das Kanzleramt Einfluss auf die Aufsichtsräte genommen hat. Schon im Sommer 2014 hatte von Loeper die Herausgabe wichtiger Dokumente durchsetzen können, die seither auf der Internetseite www.strafvereitelung.de eingesehen werden können. Die neuen Passagen sollen dem Aktionsbündnis noch diese Woche zugestellt werden.


VfB gewinnt die Süperlig

Der VfB ist nun doch noch Meister geworden! Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga am Samstag hat er schon am Tag darauf die türkische Süperlig gewonnen. Wenigstens ein bisschen. Sagen wir mal, unter Einberechnung des Schön-war-die-Zeit-Vergangenheitsbonus', zu zwei Elfteln. Die beiden Besiktas-Istanbul-Spieler Mario Gomez und Andreas Beck haben nämlich ihre VfB-Meisterschaftserfahrung aus dem Jahr 2007 in den türkischen Club eingebracht. Nach dem 3:1-Sieg gegen Osmanlispor kann Besiktas am letzten Spieltag nicht mehr eingeholt werden. Gefeiert wurde das auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz, schließlich hat der Verein viele Fans. Die sind übrigens Weltrekordhalter: in einem Spiel gegen Tottenham im Jahr 2006 (nach anderen Angaben 2007 gegen Liverpool) haben sie sich mit 132 Dezibel den Höchstwert für Fußballstadien zusammengejubelt. Die Besiktas-Fangruppe Carsi (offiziell aufgelöst, aber weiter virulent und freundschaftlich mit Sankt Pauli verbunden) umrundet das A im Namen zum Zeichen für Anarchie, versteht sich auch als soziale Bewegung und war etwa bei den Taksim-Platz-Protesten gegen Erdogan aktiv. Was jetzt eventuell weniger an den VfB und seine Fans erinnert. Aaaaaber: Trainiert wurde Besiktas auch einige Jahre von Christoph Daum, der den VfB 1992 zum Meister machte. Und drei Jahre später hat Daum mit Besiktas die Süperlig gewonnen! Wenn man also auch noch den Daum-Faktor einrechnet, dann ist der VfB an diesem Sonntag sogar mit mehr als Zwei-Elfteln türkischer Meister geworden. (17.5.2016)


Stuttgarter Friedenspreis 2016 an Jürgen Grässlin

Die Verleihung des diesjährigen Anstifter-Preises an Jürgen Grässlin ist ein Signal. Denn dem Rüstungsgegner droht eine Haftstrafe. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat wenige Monate nach seinem Enthüllungsbuch "Netzwerk des Todes" über die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden Vorermittlungen eingeleitet: Gegen ihn und seine Mitautoren Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg - wegen des Verdachts verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.

Dabei hatte Mitautor und Regisseur Daniel Harrich der Staatsanwaltschaft zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt, auf deren Basis die staatsanwaltschaftliche Klageschrift gegen Heckler & Koch verfasst werden konnte. Vor rund einem Monat hat Daniel Harrich noch den Grimme-Preis dafür entgegengenommen. Nicht nur im Fall Böhmermann - auch sonst sehen sich deutsche Medienmacher und kritische Autoren immer wieder mit Strafermittlungen konfrontiert. Jetzt erst recht - Kontext gratuliert zum Friedenspreis.

In diesem Jahr wird er zum 14. Mal verliehen, 25 Vorschläge gingen bei den Anstiftern ein. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Auf weiteren Plätzen folgen der Zeitzeuge Theodor Bergmann, Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana. (16.Mai 2016)


Bündnis gegen rechts

Winfried Kretschmann engagiert sich im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf: Er ist einem breit verankerten Komitee gegen rechts und zur Unterstützung von Alexander van der Bellen beigetreten. Der frühere Bundesvorsitzende der österreichischen Grünen, der als parteiunabhängiger Kandidat antritt, kam bei der Volkswahl Mitte April im ersten Wahlgang auf 21,3 Prozent der Stimmen. Norbert Hofer, der Kandidat der rechtspopulistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), liegt mit 35 Prozent weit vorn. Zusammengefunden haben sich vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang am 22. Mai viele Promis aus dem deutschsprachigen Raum, die sich für van der Bellen stark machen. Darunter Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Everest-Bezwinger Reinhold Messner oder Liedermacher Konstantin Wecker und hunderte Schauspieler, Künstler, Journalisten, Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler oder Diplomaten aus dem linken, aber auch aus dem bürgerlichen Lager. Nach Pfingsten, am Dienstagabend,  wird Kretschmann nach Wien reisen, um im Wahlkampf des Universitätsprofessors aufzutreten. Er habe van der Bellen "als engagierten, fairen und vertrauenswürdigen Menschen kennen und schätzen gelernt, der für Demokratie, Menschenrechte, ökologische Nachhaltigkeit, gegenseitigen Respekt und Chancengleichheit" eintrete. Unter weiter: "Gerade in diesen bewegten Zeiten ist eine besonnene, weltoffene und weitsichtige Person in einem solchen Amt besonders wichtig." Hofer ist programmatisch einer der führenden Köpfe der FPÖ und damit der europäischen Rechten. Seine schlagende Verbindung Marko Germania hält wenig vom selbständigen Staat Österreich, sondern bekennt sich zu einem "deutschen Vaterland", "unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen". Er wäre in Mitteleuropa der erste Rechtspopulist im höchsten Amt eines Staates. (15.5.2016)


Kretschmann gewählt – CDU wieder staatstragend

Mit 82 von 142 Stimmen – bei einer Krankmeldung – ist Winfried Kretschmann zum zehnten Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg gewählt worden. Seine neue grün-schwarze Koalition wäre rein rechnerisch auf 88 Stimmen gekommen. Für einen Moment war es auch mucksmäuschenstill im Plenarsaal, bevor sich die Abgeordneten zum Applaus erhoben. Wie schon am Vortag nach der Wahl von Muhterem Aras zur Landtagspräsidentin verweigerten die Abgeordneten der AfD diese Ehrbezeugung. Zuvor hatte Kretschmann die CDU-Fraktion besucht, mit der sich Parteichef Thomas Strobl erst am Morgen ausgesöhnt hatte. Eine Probeabstimmung am Dienstag war schiefgegangen. Einzelne CDU-Abgeordnete blieben auch am Donnerstag bei ihrer ablehnenden Haltung. Es wurde dementsprechend gemutmaßt, dass die fehlenden sechs Stimmen aus der Union kommen. Sichtlich gerührt nahm Aras ihrem Parteifreund den Amtseid ab. Danach gab’s einen weißen Blumenstrauß für den grünen Regierungschef. (12.5.2016)


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Fotos: Martin Storz

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Ausgabe 156
Politik

"Es geht nicht um Sexualpraktiken"

Von Susanne Stiefel und Johanna Henkel-Waidhofer (Interview)
Datum: 26.03.2014
Sie fürchten Pornographie für Vierjährige und machen dem Kultusminister die Hölle heiß: die Gegner der Bildungspläne, in denen die Akzeptanz sexueller Vielfalt zum Unterrichtsthema werden soll. Was ist eigentlich los im Lande? Das fragt sich auch Andreas Stoch.

Herr Stoch, wie erklären Sie sich diese verklemmte, verkniffene Diskussion, die eine Pornographisierung der Gesellschaft fürchtet?

Es gibt offensichtlich Menschen, die ein Interesse daran haben, Konflikte zu schüren, weil sie ein grundsätzliches Problem mit gesellschaftlichen Veränderungen haben. Die Online-Petition gegen den Bildungsplan arbeitet mit Unterstellungen und wirft der Regierung vor, sie wolle die Schüler umerziehen und würde in unzulässiger Weise auf das Familienbild einer Gesellschaft einzuwirken. Ich erinnere mich an Schilder, die bei Demonstrationen hochgehalten wurden: Keine Pornographie für Vierjährige. Es tut mir sehr leid, aber das ist so absurd, dass man schon fast darüber lachen kann.

Es gab verbale Amokläufe, Mailschreiber, die Sie steinigen wollten. Wie wird im Hause Stoch über den Aufreger sexuelle Vielfalt diskutiert? Schließlich ist Ihre Frau als Sonderschullehrerin auch vom Fach.

Natürlich werde ich immer wieder darauf angesprochen, auch wenn meine Frau dabei ist. Aber ich möchte diese unerfreulichen Dinge möglichst von meiner Familie fernhalten. Sie soll von meiner Amtsführung im Guten und Schlechten so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

"Ich finde es anmaßend, wenn sich Menschen ein Urteil darüber erlauben, was Gott segnen würde und was nicht."
"Ich finde es anmaßend, wenn sich Menschen ein Urteil darüber erlauben, was Gott segnen würde und was nicht."

Politikerkinder wie etwa Walter Kohl erzählen, wie sie geschnitten und beleidigt wurden in der Schule. Ihre vier Kinder gehen auf die Waldorfschule. Werden die als Pornokids gehänselt?

So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Das waren ja Auswüchse. Meine Kinder waren schon an der Schule, bevor ich Minister wurde. Und in Heidenheim werde ich als Mensch und nicht als Minister wahrgenommen. Nein, für meine Kinder ist es kein Problem.

Dann fragen wir den Vater. Haben Ihre Kinder mal von schwulen Lehrern oder Jugendlichen erzählt, von Menschen, bei denen es nicht so läuft wie bei Ihnen zu Hause?

Zu unserem Bekanntenkreis gehören auch Menschen, die nicht heterosexuell sind, und das kriegen die Kinder ganz selbstverständlich mit. Meine zwei Älteren sind 13 und 15 Jahre alt, da kommen Fragen, wenn sie anstehen. Aber ich finde es schwierig, wenn Eltern Diskussionen zu gesellschaftlichen Fragen anzetteln, die die Kinder gar nicht wollen. Meine Kinder kriegen ihre Informationen auf vielfältige Weise und schaffen sich ein Gesellschaftsbild, wie es ihrem Umfeld entspricht.

Sie würden ja ein Bild der Schule Ihrer Kinder kriegen, wenn Sie mal fragen würden: Kursiert bei euch im Schulhof auch schon der Spruch "Hitzlsperger ist jetzt frei für dich"?

Wenn es diese Themen gäbe, würden sie das sagen. Wir haben das mal in einen Gespräch im familiären Kreis thematisiert, da kam nichts aus dem privaten Erfahrungsfeld.

Das scheint ja eine richtig heile Welt zu sein in Ostwürttemberg. Was meinen denn die nicht heterosexuellen Paare in Ihrem Bekanntenkreis zu dieser "überspannten Debatte"?

Im privaten Umfeld wurde eher darüber diskutiert, wie das Thema instrumentalisiert wird. Und wie versucht wird, mit religiös anmutenden Argumenten schroffe Werturteile zu fällen. Ein Vertreter der Evangelischen Allianz sagte kürzlich in einer gemeinsamen Fernsehdiskussion: Der Mensch kann nicht segnen, was Gott nicht gesegnet hat. Das finde ich anmaßend, wenn sich Menschen ein Urteil darüber erlauben, was Gott segnen würde und was nicht. Und wenn der Herr Stängle ....

"Wir zahlen an dieser Stelle den Preis für Transparenz."
"Wir zahlen an dieser Stelle den Preis für Transparenz."

... der Initiator der Online-Petition ...

... sagt, Jesus hat sich nicht positiv über Homosexuelle geäußert und deshalb habe er Homosexualität abgelehnt, dann muss ich sagen: Das ist mir alles zu holzschnittartig.

Da laufen Sie doch vor der Realität davon. Weder im Vatikan noch in der evangelischen Kirche findet ein offener, liberaler Umgang mit Lesben und Schwulen statt.

Ich laufe vor gar nichts davon, vor allem nicht vor einer Gesellschaft, von der ich immer noch glaube, dass ein vorurteilsfreier, offener Umgang der Menschen miteinander wichtig für die politische Kultur ist. Ich maße mir auch nicht an, der Kirche Ratschläge zu geben, wie sie mit bestimmten Themen umzugehen hat. Ich mache aber deutlich, dass wir an unseren Schulen ein Klima schaffen müssen, in dem etwa Homosexualität, die offensichtlich immer noch nicht als normal betrachtet wird, endlich als Lebenswirklichkeit anerkannt wird. Wir wollen keine Veränderung der Sexualmoral herbeiführen, wie von denjenigenen immer behauptet wird, die sexuelle Vielfalt als Ausübung von Sexualpraktiken verstehen. Das ist Quatsch. Uns geht es um die vielfältigen Lebensformen in der Gesellschaft, nicht um Sexmoral.

Sie nennen es Quatsch. Befallen Sie denn manchmal Zweifel, ob wir in einer aufgeklärten Gesellschaft leben?

Ich will meine Meinung über einzelne Menschen nicht auf die gesamte Gesellschaft übertragen. Dass da eine Breitenwirkung erzielt wurde, bedarf einer Analyse. Aber ich habe mitgekriegt, wie diese 192 000 Unterschriften oder besser gesagt Klicks zustande gekommen sind. Ich kenne kirchliche Vereinigungen, die für die Petition geworben haben mit dem Hinweis, hier könne man sich aktiv für den Wert von Ehe und Familie einsetzen.

Auch der rechtspopulistische Blog Politically Incorrect (PI) gehörte zu den Petitionswerbern.

Auf dieser Homepage versammelt sich eine unselige Melange aus Ressentiments und chauvinistischen Gedanken. Daraus lässt sich schließen, dass da einige aus dem nicht eben aufgeklärten und liberalen Milieu dieser Gesellschaft unterwegs sind und politisch eigenartige Gedanken verfolgen.

Hat Sie das wirklich überrascht? Wo waren denn Ihre Warnleuchten, als Sie den Bildungsplan formuliert haben? Ihr politisches Gespür, dass in diesem Begriff Verhetzungspotenzial liegt?

Es ging hier erst einmal um ein Arbeitspapier. Wir sind zwar sicherlich nicht schuldlos, was die Frage angeht, ob hier nicht ein Missverständnis begünstigt wurde. Die Warnleuchten, und das weiß man im Nachhinein immer besser, haben nicht hell genug geleuchtet, als es um die Häufigkeit des Begriffs sexuelle Vielfalt ging. Aber ist es auch unbedingt notwendig, bei einem Schritt eines internen Arbeitsprozesses Warnlampen leuchten zu lassen? Letztlich zahlen wir an dieser Stelle den Preis für Transparenz, dafür, dass wir einen Beirat hatten und mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, übrigens auch den Oppositionsparteien, diskutiert haben.

Was heißt interner Arbeitsprozess – in Wirklichkeit ist es doch so, dass das Papier auf den Tisch kam, ausdifferenziert bis hin zu einzelnen Fächern. Und es gab Leute, wie die GEW-Vorsitzende Doro Moritz, die gewarnt haben vor dem Verhetzungspotenzial.

Die "Warnhinweise" kamen alle mehrere Woche später, als die Online-Petition schon am Start war. In der Beiratssitzung im November vergangenen Jahres wurde über die Systematik der Leitprinzipien diskutiert, nicht über den Aspekt sexuelle Vielfalt, auch nicht von den Kirchen, auch nicht von den Oppositionsparteien. Die GEW vor allem wollte das Thema als eigenes Leitprinzip verankern. Wenn sie jetzt gute Ratschläge erteilt, dann nervt das doch etwas.

Noch so eine überspannte Debatte, die derzeit von Baden-Württemberg aus geführt wird, angestoßen von der Stuttgarter Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff: Onanie gehört verboten, künstliche Befruchtung erzeugt Halbwesen. Fragen Sie sich manchmal: Was ist eigentlich los in diesem Land?

Natürlich frage ich mich, was die Ursache ist für ein solches gesellschaftliches Klima. Doch die Tatsache, dass hier in Stuttgart mal 600 Leute demonstriert haben, ist für mich noch kein Beleg dafür, dass Baden-Württemberg kein weltoffenes Land wäre. Und wenn eine Schriftstellerin eine Äußerung tätigt, die aus meiner Sicht unsinnig ist, dann reicht das für mich auch nicht, um einen gesellschaftlichen Rollback zu beklagen. Diese Stammtischdebatten hatten wir schon immer. So läuft es immer, wenn für komplexe Vorgänge einfache Erklärungsmuster gesucht werden. Außerdem ist die Aussage von Frau Lewitscharoff nicht eben ein Ausbund an intellektueller Feinsinnigkeit.

"Ich werde nicht zurückrudern."
"Ich werde nicht zurückrudern."

Jedenfalls schaut man auf Baden-Württemberg, und das Land wird mal wieder als spießig und konservativ wahrgenommen. Schluss mit Aufbruch und Labor, alles beim Alten?

Gut, womöglich hat das Land in der Außenwahrnehmung durch diese Debatten einen kleinen Rückschlag erlitten, weil sie bundesweit als Rollback wahrgenommen werden. Damit muss man leben. Ich kenne aber viele Menschen hier im Land, die den Regierungswechsel 2011 als Aufbruch verstanden haben, weil sie merkten, es geht mit den Schwarzen nicht mehr vorwärts. Veränderungen rufen immer auch Ängste hervor bei Menschen, die sich bequem im Gewohnten eingerichtet haben. Und gerade im Bildungsbereich sind Veränderungen dringend nötig. Im Vorschulbereich hat die CDU-Landesregierung dafür gesorgt, dass wir bundesweit am Ende des Ausbaus der Kinderbetreuung waren, bei Ganztagsschulen ebenso. Heute wollen 70 Prozent der Eltern eine Ganztagsschule im Sinne einer besseren Vereinbarung von Familie und Beruf.

Wie wollen Sie politisch mit diesen Ängsten umgehen?

Indem ich Fakten nenne. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Schüler um zehn Prozent zurückgegangen, in den nächsten Jahren werden es nochmal 20 Prozent sein. Wenn wir die Strukturen sich selbst überlassen würden, hätten wir ein massenhaftes Schulsterben, gerade auch im ländlichen Raum. In der Ländervergleichsstudie 2013 ist Baden-Württemberg in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften auf Platz neun gerutscht. Da hat sich die frühere Regierung zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht. Und wenn ein Sechstel der Kinder eines Jahrgangs entweder keinen Schulabschluss oder keine Berufsausbildung hat, dann hat dieses Schulsystem für zu viele keine guten Voraussetzungen geschaffen. Es kann nicht so bleiben, wie es ist, und zwar nicht aus ideologischen, sondern allein aus faktischen Gründen.

Was passiert, wenn die Eltern feststellen, dass in den Bildungsplänen in einer Klasse die unterschiedlichen Niveaus festgeschrieben werden? Dass also ihre supergescheiten Kinder mit den weniger gescheiten zusammen lernen sollen?

Das ist in der Gemeinschaftsschule und etwa in Schulen, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden, gelebte Praxis, das weiß jeder. Wir müssen, egal ob in der Gemeinschafts- oder Realschule oder im Gymnasium, in allen Schularten mit den Kindern pädagogisch sinnvoll umgehen, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

Die Akzeptanz der sexuellen Vielfalt ist für Sie auch eine absolute Selbstverständlichkeit. Trotzdem haben Sie Probleme gekriegt mit bestimmten Kreisen. Und die werden Sie jetzt mit den Eltern bekommen.

Das ist den Eltern schon vorher bekannt gewesen und entspricht dem heutigen Stand der Pädagogik.

"Herr Stoch, wie erklären Sie sich diese verklemmte, verkniffene Diskussion?" Kontext-Redakteurinnen Susanne Stiefel (links) und Johanna Henkel-Waidhofer im Gespräch mit Andreas Stoch.
"Herr Stoch, wie erklären Sie sich diese verklemmte, verkniffene Diskussion?" Kontext-Redakteurinnen Susanne Stiefel (links) und Johanna Henkel-Waidhofer im Gespräch mit Andreas Stoch.

Sie sind ein Optimist.

Nein, Realist.

Nun will der Realist den Bildungsplan so überarbeiten, dass er möglichst breit akzeptiert wird. Einknicken wollen Sie aber auch nicht. Wie kriegen Sie das hin?

Ich werde nicht zurückrudern. Ich habe zu meinen Mitarbeitern, nachdem die Petition herauskam, gesagt: Wir müssen deutlich machen, wie hier mit Unterstellungen gearbeitet wird. Es geht nicht um die Frage von Sexualpraktiken, sondern um Toleranz und Akzeptanz. Wir hatten nie vor, die Familie in Frage zu stellen.

Schaffen Sie das in dem eng gestrickten Zeitplan, oder werden Sie die Bildungspläne auf Herbst 2016 schieben?

Das Landesinstitut arbeitet ebenso unter Hochdruck wie das Kultusministerium. Jeder neue Bildungsplan lebt davon, dass er erfolgreich umgesetzt wird. Wenn ich in der Systematik der Leitprinzipien jetzt noch etwas ändere, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das gesamte Verfahren verzögert. Dann müssen wir diskutieren, ob sich die hohe Qualität, die wir liefern wollen, in dem Zeitrahmen 2015/16 noch halten lässt. Das überprüfen wir derzeit. Deshalb ist für mich die Erprobungsphase so wichtig, weil die Rückmeldungen aus den Schulen wichtige Hinweise darauf geben, ob noch deutlich verändert werden muss.

Das heißt, Sie sagen im Chor mit Ministerpräsident Kretschmann: Kann sein, dass die Zeit zu knapp wird?

Ich sage, wir schulden unseren Schulen einen guten Bildungsplan. Da geht Qualität vor Zeit.


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Kommentare

Josef, 02.04.2014 10:09
@ er:

Ich bin in dieser Hinsicht Ihrer Meinung, dass man die Menschen lieben soll, aber man muss auch klar differenzieren, was Sünde ist. Denn die Bibel äußert sich dazu klar und deutlich. Und für mich ist Homosexualität Sünde, weil die ganze Bibel für mich Gottes Wort ist. Aber das heißt nicht, dass ich für solche Menschen nicht bete oder das ich sie verabscheue.

Soweit ich weiß, ist Jesus zu jenen sogenannten "Abschaum" hingegangen, damit sie gerettet werden, damit sie nicht in Ihren Sünden bleiben, sondern ihn als Ihren Gott anerkennen. Einige haben Ihn auch aufgenommen, die Meisten aber nicht. Ich will, dass auch Homosexuelle und allgemein jeder, der nicht die Vergebung seiner Sünden hat, Vergebung durch Jesus bekommt.

Ein ehemaliger Muslim, der den Herrn Jesus gefunden hat und ihn als persönlichen Heiland angenommen hat und der sich oft in Gefahr begibt, weil er viel unter Muslime missioniert, hat gelernt die Muslime zu lieben, weil er will, dass sie gerettet werden.

So konnte ich auch lernen, auch andere zu lieben, auch wenn Sie mir schlechtes wollen, aber man muss eine klare Einstellung haben was Sünde ist.

Ich bin nicht besser als Andere, sondern einfach einer den Gottes Gnade (in Jesus) fand.

Josef, 31.03.2014 10:06
Korrektur meiner letzten Nachricht:

@ Verwunderter

Bitte entschuldigen Sie den Rechtschreibfehler bzgl. Ihres Namen, den Sie hier verwenden.

Josef, 30.03.2014 14:49
@ Verwunderer: Bitte lassen Ihre Vermutungen und Aggressionen. Warten Sie bis Krakebusch antwortet.

Ich war geschockt, weil ich dachte - weil er sich sehr zurückhaltend zu dem Link geäußert hat - dass er den Inhalt nicht schlimm findet. Bevor er sich erschreckend äußert, soll er darüber nachdenken. Lassen Sie ihn bitte antworten!

er, 29.03.2014 21:01
Darf ich mich vorstellen: Fundamentalistischer Christ, Schöpfungsglaube, pipapo.
Meine Kollegin, eine meiner engsten Mitarbeiter: militant lesbisch. Für sie und für mich kein Problem.
Und ich verdrehe die Augen, wenn "Sexuelle Vielfalt" in der Grundschule im Bildungsplan stehen wird.
Kann mein Sohn, 8, verstehen, wenn ich ihm das erkläre? Ja so langsam. Versteht er wirklich, wenn ich ihm die verschiedenen Ausrichtungen aufzähle, warum Menschen so oder so sind? Nicht wirklich. Er wird in den nächsten Jahren mit seiner eigenen Sexualität konfrontiert werden und damit voll und ganz beschäftigt sein.
Ihm von den vielen Möglichkeiten jetzt schon zu erzählen ist - wenn ich mir Aufnahmefähigkeit , Entwicklung (körperlich, charakterlich und geistig) und Interessen von Kindern anschaue, erzieherischer Blödsinn. Was soll ein Kind damit anfangen, das nicht einmal im Ansatz ein eigenes Sexualleben entwickelt hat??

Was aber dringend notwendig ist: Toleranz im Lehrplan. Geschichten, die Ausgrenzung thematisieren. Nicht mit für Kinder vollkommen unverständlichen und exotischen Minderheiten, sondern mit Geschichten, die sie aus IHREM Leben kennen. In der Welt der Kinder - Grundschule - spielt Sexualität (noch) keine Rolle.
Akzeptanz und Toleranz gehören auf den Lehrplan von Klasse 1 an. Sexualität nicht. So erzogene und gebildete Kinder werden später nicht mit der Meute zusammen auf Aussenseitern rumhacken. Und zwar egal ob es Homosexuelle, Araber, Juden, Türken, oder sonstige Minderheiten sind.
Rumhacken ist aber des Deutschen und des Schwabens Lieblingsbeschäftigung. Wunderbar zu sehen auch in dieser Kommentarspalte. Eine Schule, die Kinder zu anderen, großzügigeren Menschen erzieht, wäre wirklich ein Segen.

Und als Christ noch ein letztes: Jesus als Religionsstifter hat sich mit allen an einen Tisch gesetzt. Da kann man Homosexuelle ruhig mit einschliessen. Kein Mensch ist "schmutzig" oder minderwertig. Er fands trotzdem nicht toll, wie Zöllner die Leute ausgenommen haben.
Und auch Kirchen dürfen - müssen - darüber nachdenken, ob sie bestimmte Verhaltensweisen oder Lebensformen gut finden (segnen) sollen. Und da werden sie Grenzen ziehen, obwohl sie die betreffenden Menschen als solche annehmen.

Wer mit dieser Dialektik Probleme hat: wenn meine Kinder Scheiben einschmeissen, haben sie mit mir ein Problem. Ich werde sie aber weiter uneingeschränkt als meine Kinder akzeptieren. Sogar lieben.
Und genauso hab ich auch meine lesbische Kollegin gern. Und sie versteht meine - differenzierte - Haltung sehr gut.

Ich hoffe, daß eine solche differenzierte und begründete Meinung hier akzeptiert und toleriert werden kann.

verwunderter, 29.03.2014 18:08
"Da ich selbst Kinder habe, finde ich den gesamten Inhalt des Links einfach nur ekelhaft und pädophil."

'Da ich selbst Kinder habe' klingt toll, ist aber kein Argument: Mehr als 90% der Missbrauchsfälle finden im sozialen Nahbereich der Familie statt. Sie wurden aber gefragt, was explizit (!) Ihnen missfällt: Offensichtlich nichts. Vermutlich haben Sie das Dokument gar nicht gelesen. Stattdessen kommt die ganz große Keule: "pädophil". Wenn etwas reichen soll, das Gegenüber zu vernichten, dann rückt man ihn in die Pädophilenecke. Und damit es auch funktioniert, bleiben Sie gleich auf der persönlichen Ebene:

"Wollen Sie etwa behaupten, das der Inhalt nicht schlimm ist? Wenn ja, dann sollten Sie Ihre Moral dringend überdenken."

Das ist wirklich "ekelhaft": Auf der Basis einer unterstellenden Frage, deren Beantwortung Sie nicht einmal zum Schein (!) abwarten, eine verächtlich machende Handlungsempfehlung. Genau _das_ sind die Methoden, mit denen die religiöse Rechte arbeitet. Mundtot machen mit allen Mitteln, dabei die eigene Opferrolle inszenierend. Sie haben es allerdings vergessen, das 'Mimimi - wir sollten Respekt vor anderen Meinungen haben'. Oder erschien Ihnen das vor dem Hintergrund Ihres Ausfalls dann doch selbst zu bigott?

filder, 29.03.2014 12:36
@Telly: "Die ständige Relativierung und Propagierung marxistischer Gesellschaftsexperimente durch Sozialingenieure ist „ekelhaft“. In einem solchen Land möchte ich (!) nicht leben."

Lieber in einem Land, in dem eine "ekelhafte" Relativierung und Propagierung faschistischer Gesellschaftsexperimente betrieben wird? Die kommen in Ihren Ausführungen nämlich nicht vor - wieso nur?

"Und im übrigen: Es wäre bei einigen Kommentatoren angebracht, dass sie mehr Respekt vor der Meinung anderer zeigten und alberne, verächtlich machende Bemerkungen unterließen."

Dann unterlassen Sie selbst doch einfach Bemerkungen, die erkennbar das Ziel haben, andere verächtlich zu machen:

- „Es gibt keine Unterschiede zwischen Mann und Frau.“

- „Gewalt ‚von Rechts‘ ist böse, Gewalt von links ist keine Gewalt, sondern dient einer höheren Moral.“

Das sind nämlich keine Zitate, wie Sie durch die Anführungszeichen Glauben machen wollen, sondern bösartige Unterstellungen.

Josef, 29.03.2014 10:22
@ Krakebusch:

Der christliche Gott ist für mich der einzig wahre Gott, es gibt für mich keine anderen Götter. Länder, die jede Gottesexistenz leugnen sind Diktaturen (siehe Nordkorea, China etc.). Bibeltreue Christen dürfen ihren Glauben nicht ausleben. Sie werden unterdrückt, verfolgt und ermordet. Das ist der Kommunismus. Man sagt zwar, dass jeder seine Meinung haben darf, aber das ist eine Lüge. Denn letztendlich zählt dann die Meinung, die mit Macht durchgesetzt werden kann. So ist es im Kommunismus. Die Macht wird zur Unterdrückung/Diktatur missbraucht, weil man niemanden mehr moralisch verpflichtet ist, außer sich selbst. Ich fürchte Sie verwechseln den Islam mit dem biblischen Christentum.

Nennen Sie doch die Bibelverse, die die Befürworter des Bildungsplans zitieren. Das Problem ist, dass Bibelverse sehr oft aus dem Zusammenhang entrissen werden. Und wenn man sich ständig dem Zeitgeist anpasst, dann wird man alles gut finden was gemacht wird und das völlig unabhängig wie schlimm es ist.

Da ich selbst Kinder habe, finde ich den gesamten Inhalt des Links einfach nur ekelhaft und pädophil. Wollen Sie etwa behaupten, das der Inhalt nicht schlimm ist? Wenn ja, dann sollten Sie Ihre Moral dringend überdenken.

Jörg Krauß, 29.03.2014 09:38
"As soon as you born they make you feel small,
by giving you no time instead of it all,
till the pain is so big you feel nothing at all !

John Lennon / working class hero.

Ist Religionsausübung per se ein Kastendenken? Und umgekehrt, wer sich davon löst, denkt und handelt der ebenfalls in Kasten? Ich denke, sowohl als auch. Wir sind auf dem Weg der Befreiung der Individuen noch nicht sehr weit gekommen und das wird dauern. Die Evolution hat ihr eigenes Zeitfenster. Und ja, ich bin für diese Bildungsreform.

Telly, 29.03.2014 00:22
@filder
„Es bräunelt“: Von der gezielten „sexuellen Verwahrlosung“ hat Lenin gesprochen. Im übrigen war auch der Nationalsozialismus ein sozialistisches Experiment. Und bitte: Darf man Begriffe nicht mehr verwenden, weil ihn Verbrecher verwendet haben?

@Krakebusch
„Zu der Götterfrage: Es ist offensichtlich, dass es in Ländern, in denen Religionen viel zu sagen haben, mit Menschenrechten Essig ist. Da gehen alle Religionen Hand in Hand. Die Unterstützerseiten der Bildungsplangegner sprechen Bände, wie ekelhaft es wäre, wenn die irgendwas zu sagen hätten. Und nein, in so einem Land möchte ich nicht leben!“
Im übrigen haben gerade die dezidiert atheistischen Diktaturen die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen: Sozialismus stalinistischen Experimentes 20 – 30 Mio., Sozialismus maoistischen Experimentes mindestens das Doppelte, Sozialismus pol-potschen Experimentes mehrere Millionen, Sozialismus mugabeschen Experimentes mit Armut und Hunger, Sozialismus kim-il-jungschen Experimentes läuft noch, … Die ständige Relativierung und Propagierung marxistischer Gesellschaftsexperimente durch Sozialingenieure ist „ekelhaft“. In einem solchen Land möchte ich (!) nicht leben. Eine Haltung „ohne Gott“ bedeutet nicht, ohne Glauben, ohne Dogmen zu leben: „Es gibt keine Unterschiede zwischen Mann und Frau.“ „Gewalt ‚von Rechts‘ ist böse, Gewalt von links ist keine Gewalt, sondern dient einer höheren Moral.“ Dann ist es auf einmal auch gerechtfertigt, z. B. beim „Marsch für das Leben“ im September christliche Lebensschützer tätlich anzugreifen und Bücherverbrennungen mit Bibeln durchzuführen, die in anderem Kontext einen moralischen Aufschrei ausgelöst hätten.
Wer selbst Kinder hat, die Handreichungen zu solchem „Bildungsplan“ kennt, weiß, dass es hier um die Indoktrination der Schwächsten geht, nicht um Aufklärung, sondern um „Verwirrung“, „Verstörung“ (siehe Handreichung „Sexualpädagogik der Vielfalt“, Juventa-Beltz-Verlag). In Berlin sollen Kinder pantomimisch Begriffe wie „Sadomaso“, „zu früh kommen“, oder „Porno“ von Kindern vor der ganzen Klasse dargestellen. Ja, das ist wahrhaft „ekelhaft“. Das braucht man, um Kindern Achtung vor anderen, d.h. hier homosexuellen Menschen beizubringen?
Und im übrigen: Es wäre bei einigen Kommentatoren angebracht, dass sie mehr Respekt vor der Meinung anderer zeigten und alberne, verächtlich machende Bemerkungen unterließen.

jan, 28.03.2014 23:58
Wo kommt dieser ganze reaktionäre Haufen denn her??? Erschreckend! Ekelerregend. Beängstigend. Wenn man denen ein paar Fackeln und Mistgabeln in die Hand drückt, wissen sie was zu tun ist. Mir fehlen echt die Worte. Wenn man in der Schule die Naziherrschaft durchnahm, kamen immer Fragen wiedas denn passieren konnte. Heute ist mir ein wesentlocher Teil der Antwort auf diese Frage klar.

Krakebusch, 28.03.2014 17:52
@josef: Sagen Sie bitte explizit, was Sie an dem Inhalt des Link stört.

Sie möchten, dass die Bibel nicht missbraucht wird. Die Bildungsplangegner zitieren sehr gerne Bibelverse. Warum dürfen Befürworter keine Bibelverse dagegenhalten, um zu zeigen, dass die Bibel selten mit diesem Jahrhundert kompatibel ist?

Zu der Götterfrage: Es ist offensichtlich, dass es in Ländern, in denen Religionen viel zu sagen haben, mit Menschenrechten Essig ist. Da gehen alle Religionen Hand in Hand. Die Unterstützerseiten der Bildungsplangegner sprechen Bände, wie ekelhaft es wäre, wenn die irgendwas zu sagen hätten. Und nein, in so einem Land möchte ich nicht leben!

Josef, 28.03.2014 16:41
@ filder:

"Das können die viel besser von unseren heterosexuellen Vorbildern lernen, vom sehr bekannten christlich-konservativen Ehebrecher Seehofer zum Beispiel. Oder was wollten Sie jetzt sagen?"

Dass Seehofer ein Ehebrecher ist, wusste ich nicht.

Sie nennen ihn ein Vorbild des Christlich-konservativen?

Seit wann ist ein Ehebrecher ein Vorbild?

Es stimmt, dass in der Bibel geschrieben steht, dass wir Vorbilder sein sollen bzw. Jesus immer ähnlicher werden sollen.

Bzgl. der Sexualpraktiken möchte ich auf den Link von "Wanderer, 27.03.2014 14:57" verweisen.

Und soweit ich weiß, soll eine Frau innerhalb der Gemeinde nicht lehren. Wir sind aber nicht in einer Gemeinde hier. Wobei ich Sie bitte die Bibel nicht zu solchen Zwecken zu missbrauchen.


Was passiert in einer Welt in der christliche Gott völlig weggedacht wird?

Frieden oder Diktatur?

filder, 28.03.2014 16:16
@Jemand: "Sie sind ja sehr aktiv in diesem Forum und nehmen fast zu jeder Meinung Stellung."

Ich weiss zwar nicht, was das soll - aber nein, das tue ich nicht. Ich habe in den letzten zwei Jahren keine 30 Beiträge verfasst (Ihre Worte: "Bitte informieren Sie sich!") - es ist aber sehr interessant, dass Sie das als "sehr aktiv" und "nehmen fast zu jeder Meinung Stellung" betrachten - kommt so auch Ihre Wahrnehmung zur "Dauerpropaganda" zu Stande?

"Dafür gibt es nunmal Kommentare um seine Meinung zu äußern.Nein ich werde nicht aufhören meine Meinung zu vertreten!"

Warum erwarten Sie es dann von anderen?

"Made my Day ;)"

Das ist keine Antwort.

"Ich wollte mit dem Anfangssatz einen Kontrast herstellen.(Zwischen Minderheiten und alle Kanäle, einige zählte ich auf) wieso diese Dauerpropaganda über alle Kanäle, wenn es sich um Minderheiten handelt?"

Wie Ihr Eingangsstatement zeigt, ist Ihre Wahrnehmung sowieso sehr gewöhnungsbedürftig. Dennoch:

Welche "Dauerpropaganda"? Meinen Sie Sportberichterstattung, Quiz-Shows, Nachrichten, die ganzen Volksmusiksendungen? Geben Sie mal bitte ein konkretes Beispiel für "Dauerpropaganda". Oder ist das einfach eine Phrase? Oder haben Sie sehr seltsame TV-Konsumgewohnheiten?

@Telly: "Dekonstruktion von Ehe und Familie, Tradition und Nation sind das meist unausgesprochene ideologische Ziel grünroter Gesellschaftveränderer. Die sexuelle Verwahrlosung war schon Programm eines Teils der Marxisten in den 1920er Jahren, um die bürgerliche Gesellschaft zu zertrümmern."

Es bräunelt wieder.

--> "Der Begriff sexuelle Verwahrlosung oder sittliche Verwahrlosung beschreibt ein von der gesellschaftlichen Norm abweichendes sexuelles Verhalten. Überwiegend wurden Mädchen und Frauen in sozialwissenschaftlichen, sozialpädagogischen und pädagogischen Zusammenhängen als sexuell verwahrlost bezeichnet, der Begriff spielte unter anderem eine wichtige Rolle bei der Inhaftierung und Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus (...)"

http://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Verwahrlosung

DaW, 28.03.2014 11:39
@ Telly:

"Die Dekonstruktion von Ehe und Familie, Tradition und Nation sind das meist unausgesprochene ideologische Ziel grünroter Gesellschaftveränderer."

Sie tun so, als hätte es vorher über Jahrtausende eine homogene nationale Gesellschaft gegeben, die erst durch grünrote Gesellschaftsveränderer verändert wurde. Wie kam eigentlich das Christentum zu - oder besser über - uns?

"Das waren die Keimzellen des Kindesmissbrauchs, was die Grünen und ihre Helfermedien heute nicht mehr wahrhaben wollen (Cohn-Bendit, Trittin, et al.) Aufarbeitung? Nicht doch, das verlangt man nur von der katholischen Kirche."

Es ist schon eine beeindruckende Leistung, sich innerhalb weniger Sätze selbst zu widersprechen. Erst behaupten Sie, Kindesmissbrauch ginge von den 68ernund den Grünen aus, dann weisen Sie auf Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hin. Ist die neuerdings von 68ern unterwandert?

"Und jetzt kommt diese Ideologie wieder in Gestalt eines sog. 'Bildungsplans', der inhaltlich nichts anderes anstrebt, als Kindern so früh wie möglich ihr natürliches Empfinden auszutreiben. "

Nun wird es richtig albern. Es geht ja gerade darum, den Kindern zu vermitteln, dass sie sich nicht für ihr natürliches Empfinden schämen müssen - und dass sie andere Menschen dafür akzeptieren sollen. Es geht NICHT darum, jemanden homosexuell zu machen. Das ist ja auch gar nicht möglich. Traurig, dass man das auch im Jahre 2014 noch jemandem erklären muss.

"Letzten Endes so soll auf einem längeren Weg die Pädophilie gesellschaftsfähig werden, wie dies Volker Beck in den 1980ern gefordert hat, im Moment aber an einem letzten gesellschaftlichen Tabu gestolpert ist."

Selbstverständlich. Außerdem möchten die linksgrünen Tugendterroristen Lager für "Andersdenkende" errichten.

"Warum werden keine Moslemverbände zum Gespräch über den Bildungsplan eingeladen, wo man sich sonst überschlägt, den Multikulturalismus als 'Bereicherung' zu preisen? Gut möglich, dass der Islam ein offener, mörderischer Feind solcher Entwicklungen wird. Dazu schweigt man lieber und hetzt gegen 'fundamentalistische Christen'. Deshalb "Macht kaputt, was euch kaputt macht!'"

Nun ja: Es sind nun mal fundamentalistische Christen, die hier das bockige Kleinkind spielen und ein Menschen- und Familienbild aus dem 15. Jahrhundert propagieren. Muslimverbände sind hier noch nicht in Erscheinung getreten...

Tillupp, 28.03.2014 09:23
@Karl Grabner, 27.03.2014 15:00
Familie ist dort, wo Kinder in Geborgenheit groß werden. Mit- oder ohne Trauschein, mit- oder ohne Vater oder Mutter, oder eben auch mal mit jeweils zwei davon; ... und nicht automatisch nur dort wo der Schäuble Ehegattensplitting erlaubt. Die CDU und ihre christlich-abendländischen Meinungsbildner konservieren hier ein Familienbild das es wahrscheinlich nie gab.

DaW, 28.03.2014 09:15
"orendel" schrieb hier:

"Nach eurer Gesinnung. Ekelhaft. Nach Jahrzehnten fängt nun das Immunsystem an zu arbeiten, welches man schon lahmgelegt dachte. Die Gesellschaft verändert sich wieder zum Guten, das mag man nicht, in der Gesinnungsstube. Langsam fängt der Orkan an zu blasen, der euch aus dem Sattel hieven wird."

Anders Breivik schrieb an Beate Zschäpe:

"Wir beide sind unter den ersten Regentropfen, die den gewaltigen, reinigenden Sturm ankündigen, der auf Europa zuzieht."

Man muss Leute wie "orendel" gar nicht in irgendeine Ecke schieben. Sie machen es von ganz allein.

Telly, 27.03.2014 22:48
Die Dekonstruktion von Ehe und Familie, Tradition und Nation sind das meist unausgesprochene ideologische Ziel grünroter Gesellschaftveränderer. Die sexuelle Verwahrlosung war schon Programm eines Teils der Marxisten in den 1920er Jahren, um die bürgerliche Gesellschaft zu zertrümmern. Die marxistische Sicht darauf wurde in der 68ger-Bewegung in ihren Kinderläden wieder aufgegriffen im Rahmen der Theoriebildung zur Sexualität, ausgehend von der Freudschen Psychoanalyse. Das waren die Keimzellen des Kindesmissbrauchs, was die Grünen und ihre Helfermedien heute nicht mehr wahrhaben wollen (Cohn-Bendit, Trittin, et al.) Aufarbeitung? Nicht doch, das verlangt man nur von der katholischen Kirche. Und jetzt kommt diese Ideologie wieder in Gestalt eines sog. "Bildungsplans", der inhaltlich nichts anderes anstrebt, als Kindern so früh wie möglich ihr natürliches Empfinden auszutreiben. Letzten Endes so soll auf einem längeren Weg die Pädophilie gesellschaftsfähig werden, wie dies Volker Beck in den 1980ern gefordert hat, im Moment aber an einem letzten gesellschaftlichen Tabu gestolpert ist.
Warum werden keine Moslemverbände zum Gespräch über den Bildungsplan eingeladen, wo man sich sonst überschlägt, den Multikulturalismus als "Bereicherung" zu preisen? Gut möglich, dass der Islam ein offener, mörderischer Feind solcher Entwicklungen wird. Dazu schweigt man lieber und hetzt gegen "fundamentalistische Christen". Deshalb "Macht kaputt, was euch kaputt macht!"

Cooper, 27.03.2014 21:53
@ Gast aus+Bayern, 26.03.2014 14:31 und @ Stuttgarter Bürger, 27.03.2014 17:12
Mein Post war semantisch gemeint, bezogen auf die Verwendung des Wörtchens „normal“ und sollte keine Abwertung von Homo-, Hetero- oder Bisexualität ausdrücken. Mir tut es leid, mich da missverständlich ausgedrückt zu haben. Ich hatte mich über Stochs Geschwurbel geärgert und spontan meine Kritik an dem zitierten Satz festgemacht.
Um es klar zu stellen: Homo- und Bisexuelle Menschen müssen, sofern sie sich überhaupt noch dort befinden, schnellstens aus der gesellschaftlichen Schmuddelecke gleichberechtigt und undiskriminiert in die Mitte der Gesellschaft kommen. Ob der neue baden-württembergische Bildungsplan dabei hilft, halte ich für fraglich.

FullScreen, 27.03.2014 21:37
Den „Ewiggestrigen“ ins Stammbuch:
Die gegenwärtige stattfindende gesellschaftliche Transformation ist alternativlos und unumkehrbar. Sie vollzieht sich in vier Schritten:
Patchworkbewusstsein => Patchworkfamilie => Patchworkgesellschaft => Patchworkstaat.
Und das Ganze organisiert in einem allumfassenden Schwarm, ausgestattet mit ungeheurer Intelligenz. Ein Narr, der glaubt, dass da die sexuelle Orientierung noch eine Rolle spielen wird.
Der Fortschritt ist unaufhaltsam! Widerstand ist zwecklos, ja kontraproduktiv!

Pühchen, 27.03.2014 19:43
Ich wünsche keinem Kind dieser Welt in der Familie aufzuwachsen, deren Bild hier in vielen befremdlichen Kommentaren hochgehalten wird. Das sind dieselben Eltern die ausflippen, wenn der Sohn sich die Haare lang wachsen lässt oder die Tochter sich ein Piercing verpasst. Geliebt werden die Kinder nur, solange sie sich gnadenlos an die Vorstellungen ihrer Eltern anpassen. Dabei haben Kinder das Recht auf die Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Dieses Recht will der Bildungsplan durch Information fördern und das passt den selbstunsicheren Eltern nicht, die im krampfhaften Festhalten an Rollenmodellen einfache Lösungen für komplexe Probleme suchen. Wäre ja auch viel zu anstrengend, die Ursache für Probleme mal bei sich selbst zu suchen.

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