KONTEXT Extra:
Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


Jörg Meuthen weiter an Björn Höckes Seite

Im vergangenen Sommer hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Bundesparteichef als "meinen verehrten Freund" begrüßt. Und Jörg Meuthen rückte sich selbst, auf dem Kyffhäuser-Treffen, zu dem ihn die Ultras geladen hatte, in die Nähe der besonders weit rechts stehenden parteiinternen Gruppierung "Der Flügel": Er wolle gar nicht als liberaler Kopf der Partei bezeichnet werden, sondern er stehe für "ein gemeinsames Wertefundament". Da hatte Höcke gerade alle anderen Parteien in Deutschland für "inhaltlich entartet" erklärt. Der Schulterschluss hält auch aktuell: Meuthen stellt sich gegen den Rausschmiss, den – wie am Montag bekannt wurde – der Bundesvorstand gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef anstrengt.

Nicht zum ersten Mal. Denn Höcke sollte 2015 schon einmal mit einem Verfahren überzogen werden. Da ging es ebenfalls um eine rassistische Rede, um Aussagen wie, man könne "nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen" und um den Vorwurf, Höcke schreibe unter Pseudonym für NPD-Publikationen. Meuthen äußerte sich reichlich schwammig, nahm für sich in Anspruch "als erster aus dem Bundesvorstand scharf reagiert zu haben". Zugleich erklärte er allerdings, dass Höckes "Äußerungen ohne weiteres als rassistisch interpretiert werden können – wobei man darüber diskutieren kann, ob sie es tatsächlich sind". Hans-Olaf Henkel, damals noch AfD-Mitglied, konterte unmissverständlich: "Herr Meuthen ist für mich ein klassischer Schattenboxer." Nach außen tue er immer wieder so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Flügel stellen, nach innen agiere er völlig anders. (13.2.2017)


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Live aus dem Weißen Haus: Trump-Berater Sebastian Gorka mit Innenminister Thomas Strobl (links) und StN-Chefredakteur Christoph Reisinger. Fotos: Joachim E. Röttgers

Live aus dem Weißen Haus: Trump-Berater Sebastian Gorka mit Innenminister Thomas Strobl (links) und StN-Chefredakteur Christoph Reisinger. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 307
Medien

Kritik ist Lüge

Von Minh Schredle
Datum: 15.02.2017
Sebastian Gorka, Trump-Berater und ehemaliger Autor der rechtsradikalen "Breitbart News", darf bei einer Veranstaltung mit Innenminister Thomas Strobl unkommentiert Propaganda verbreiten. Der Knaller: Die Bühne dafür bieten die "Stuttgarter Nachrichten" – und vermarkten das als Erfolg.

So stolz wird man ja wohl noch sein dürfen: Es war das "erste Gespräch eines Vertreters der Trump-Administration mit einem deutschen Medium", heißt es in der jüngsten Freitagsausgabe (10.2.2017) der "Stuttgarter Nachrichten" (StN), prominent platziert auf der Titelseite. Am vergangenen Donnerstag hat die Zeitung Sebastian Gorka ein Podium geboten, beim traditionsreichen "Treffpunkt Foyer" im Mozartsaal der Liederhalle. Gorka ist allerdings nicht persönlich zugegen, sondern nur per Liveübertragung auf eine Leinwand projiziert. Etwas kleinlaut kommentieren die Veranstalter, Herr Gorka sei nunmal sehr beschäftigt und habe seinen Aufenthalt in Deutschland kurzfristig absagen müssen.

Gorka ist nämlich gerade erst vor gut drei Wochen ins Weiße Haus berufen worden, dort berät er Präsident Trump und sein Kabinett in Sachen Terrorismus und asymmetrische Kriegsführung. StN-Chefredakteur Christoph Reisinger stellt ihn am vergangenen Donnerstag seinen gut 600 Gästen auch als genau solchen vor: als feste Größe auf diesen Forschungsgebieten.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Stuttgarter Blatt aus dem Pressehaus Gorkas "Expertise" bemüht. Immer wieder hievt StN-Rechtsaußen-Autor Franz Feyder (Kontext berichtete mehrfach) den Amerikaner ins Stuttgarter Blatt. Im September 2016 beispielsweise führte Feyder ein Interview mit ihm. Erste Frage: "Herr Gorka, wovor haben Sie mehr Angst: vor Ihrer Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton oder vor dem Islamischen Staat?" Antwort: "Ganz ehrlich? Hillary Clinton beunruhigt mich deutlich mehr." Oder: "Ein Land, das seine Verpflichtungen gegenüber der Nato nicht erfüllt, ist Deutschland. Was erwarten Sie von Deutschland, um im Kampf gegen den Terror erfolgreich sein zu können?" Gorkas Antwort: "Dass es darauf verzichtet, immer politisch korrekt agieren zu wollen. Vor allem dann nicht, wenn Härte notwendig ist."

Terrorexperte mit Fake News-Qualitäten

Neben dem Terrorismus hat Sebastian Gorka noch weitere – nennen wir sie: Spezialgebiete. Unter anderem publizierte er regelmäßig auf dem rechtsradikalen "Breitbart News Network". Bereits im Vorfeld der Veranstaltung wurde von verschiedenen Medien kritisiert, dass die StN dieses Detail in ihren Ankündigungsartikeln unerwähnt ließen. Auf Anfrage von "Übermedien" rechtfertigte Chefredakteur Reisinger das damit, dass Gorka im gleichen Zeitraum auch für andere – seriöse – Medien wie "CNN", die "BBC", "Al Jazeera", die "Washington Post", "Bloomberg" und "Reuters" Beiträge verfasst habe. Mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass Gorka nur bei "Breitbart" drei Jahre lang festangestellter Redakteur war, bevor er zum Trump-Berater wurde.

Draußen demonstrierten am Donnerstag gut 80 Menschen – mit klaren Botschaften.
Draußen demonstrierten am Donnerstag gut 80 Menschen gegen den Gorka-Auftritt – mit klaren Botschaften.

Immerhin kann sich Journalist Reisinger beim "Treffpunkt Foyer" schließlich dazu durchringen, bei Gorkas Vorstellung zu erwähnen, dass dieser "als stramm Konservativer durchaus nicht unumstritten" sei. Und in der hauseigenen Nachbesprechung der StN-Veranstaltung findet sich der Vermerk, veröffentlicht habe Gorka seine Texte "auch auf der umstrittenen, rechtspopulistischen Plattform Breitbart".

"Umstritten" und "rechtspopulistisch" ist angesichts dessen, was sich "Breitbart" seit Gründung im Jahr 2007 geleistet hat, noch eine sehr vorsichtige Formulierung, um nicht zu sagen: verharmlosend. Als Obama im Frühjahr 2013 den republikanischen Senator Chuck Hagel als Verteidigungsminister nominierte, wurde auf "Breitbart" verbreitet, dieser werde durch eine Gruppe namens "Freunde der Hamas" finanziert. Selbstverständlich existiert eine solche Gruppe nicht, wie seriöse Medien wenig später berichteten – dennoch wurde der Fake anschließend weiter verbreitet und Breitbart blieb bei der Darstellung.

Als Chef des Propagandaportals verantwortlich für die Inhalte war damals Steve Bannon, der etwa zeitgleich verkündete, es gebe "keinen Zweifel daran, dass die USA in fünf bis zehn Jahren einen Krieg mit China führen" würden, wie auch mit dem nahen Osten. Dieser Bannon sagte 2010, wie ihn das Magazin "Daily Beast" zitiert: "Ich will alles zum Einsturz bringen und das komplette heutige Establishment zerstören" – nachdem er zuvor als Banker bei Goldmann Sachs Millionen scheffelte. Heute ist er Trumps Chefstratege und das Hirn hinter vielen besonders radikalen Ideen und Konzepten des neuen Kabinetts.

Der Kölner Dom brennt, berichtet Breitbart News

Im Februar 2015 veröffentlichte Gorka einen Artikel auf Breitbart, in dem er behauptet, die Obama-Administration gleiche sich immer mehr dem totalitären "Ministry of Truth" (Ministerium für Wahrheit) aus George Orwells "1984" an, das Mithilfe von Neusprech, also gezielt irreführenden Begrifflichkeiten, Falschinformationen als Wahrheit verkaufe und die Realität in Lügen verdrehe.

Nun ist es seine Regierungs-Kollegin, die Trump-Beraterin Kellyanne Conway, die glasklare Lügen als "alternative Fakten" präsentiert und im Kanon mit Regierungssprecher Sean Spicer etwas von einem islamistischen Terroranschlag in Atlanta fabuliert, den es nie gegeben hat. Der Spruch "Ich überlebte das Massaker von Bowling Green" wurde zum viralen Hit. Auch aus Deutschland berichtet Breitbart ab und zu. So soll in der Silvesternacht 2016 ein Mob von 1000 Muslimen "allahu-akbar"-rufend den Kölner Dom in Brand gesetzt und Polizisten angezündet haben. Stimmt nicht? Egal. Auf "Breitbart" wird es trotzdem veröffentlicht.

Zurück zum Stargast der StN: Erst in der vergangene Woche hat "1984"-Fan Sebastian Gorka gegenüber dem US-TV-Sender CNN verkündet, die Trump-Administration werde Medien solange weiter als "fake news" bezeichnen, bis diese ihr "fundamentales Bedürfnis", den Präsidenten zu kritisieren, als "falsch und ungesund" erkennen. Kritik ist Lüge, bad news is fake news. Und von diesem "Experten" erhoffen sich – man lasse sich das auf der Zunge zergehen – Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl und die "Stuttgarter Nachrichten", eine der auflagenstärksten Zeitungen im Land, Tipps gegen Terrorismus.

Gorkas zentrale Botschaft in der Liederhalle: die Bedrohung lauert überall. Das sei ganz anders als im Ersten und Zweiten Weltkrieg, wo es noch klare Frontlinien gab. "Heute beginnt die Frontlinie, sobald sie morgens die Haustür verlassen." Der Westen befinde sich mitten in einem Guerillakrieg mit der globalen Dschihad-Bewegung. Zum Glück fühle sich Präsident Trump "verpflichtet, den IS komplett auszurotten." Wenn man den radikalen Islam nun aber aggressiver bekämpfe, meint Gorka, rücke man sich selbst ins Fadenkreuz. Der Einreisestopp, den Donald Trump per Dekret anordnete, sei daher eine tolle Idee als vorbeugende Maßnahme.

Gegen Gorka wirkt selbst Strobl liberal

Ob man einen solchen Bann in Deutschland nicht auch brauche, will Chefredakteur Christoph Reisinger daraufhin von Strobl wissen. Doch selbst ein stramm konservativer Hardliner wie der Innenminister wirkt gegen einen Gorka regelrecht weltoffen: "Sorry, Mister Gorka", sagt der: "Aber ein ganzes Land unter Generalverdacht zu stellen, das ist nicht in Ordnung." Gorka lächelt da nur milde von seiner Leinwand herunter.

Hat allen Grund, sich an die eigene Nase zu fassen: Christoph Reisinger.
Hat allen Grund, sich an die eigene Nase zu fassen: Christoph Reisinger, Chefredakteur.

Was Strobl allerdings in Ordnung fände, wäre eine Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung, für die er plädiert. Außerdem, findet er, sollten Behörden persönliche Kommunikationsdaten schon dann auswerten dürfen, wenn nur der Verdacht auf eine schwerwiegende Straftat vorliegt. Noch ein Strobl-Plan: die Rüstungsausgaben stark steigern, und zwar um ganze 50 Prozent, denn "wenn es irgendwo kracht, können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Amerikaner das schon richten werden." Ebenso betont er aber: Die Nato dürfe nicht angezweifelt werden. In alledem sind sie sich dann wieder einig, der Amerikaner und der Schwabe, transatlantische Zustimmung sozusagen.

Auch in den "Stuttgarter Nachrichten": In einem Video zur Veranstaltung rechtfertigt Chefredakteur Reisinger Gorkas Auftritt damit, dass man immer beide Seiten anhören und seinen Lesern einen Überblick über das Spektrum der Positionen verschaffen müsse. Denn: "Zur journalistischen Glaubwürdigkeit gehört ganz wesentlich: Wir verkürzen nicht die Wahrheit." Gorka jedenfalls haben die StN seit Herbst ein umfangreiches Interview und ein ausführliches Porträt ("Der Terror-Erklärer") gewidmet, sowie ein doppelseitiges Special zum "Treffpunkt Foyer", von dem sich eine Seite ausschließlich mit "Fakten zum Terrorismus" befasst. Nirgends jedoch werden hier die tatsächlichen Zahlen von Opfern islamistischer Anschläge in Deutschland aufgeführt (es sind 15 Tote und 77 Verletzte in den vergangenen zehn Jahren, Anm.d.Red.). Dafür versteigen sich die StN in Angstmache: Laut Umfragen seien knapp zwei Drittel der Deutschen – das entspräche etwa 54 Millionen Menschen – verängstigt, selbst zum Opfer von Terrorismus zu werden.

Diese Furcht, die kommt nicht aus dem Nichts. Ihren Nachbericht zur Veranstaltung beginnen die "Stuttgarter Nachrichten" mit: "Ansbach, Würzburg, Berlin – kein Zweifel, islamische Terroristen können heute in jeder beliebigen deutschen Stadt zuschlagen." Und Autor Franz Feyder beendet sein Porträt über Gorka mit den Sätzen: "Dem Terrorismus-Versteher sind Lobhudeleien peinlich. Verlegen säbelt er an seinem Schweinebraten herum. Dann schaut er auf: 'Und wo schlägt der IS das nächste Mal zu?'" Traurig. Aber kein Fake. 


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Kommentare

Rolf Steiner, 20.02.2017 14:42
Wie armselig dieser Gorka "diskutiert", zeigt das Interview des BBC-Journalisten Evan Devis, das seit 16.2.17 im Netz ist und auch bei Stefan Niggemeier angesehen werden kann:
https://twitter.com/niggi/status/832475880622428161

Ein passender Kommentar "Manchmal wartete man nur auf Lacher vom Publikum und den Schnitt zum Host irgendeiner Comedy-Show." Frage an die Stuttgarter Nachrichten: Was für einen "Paradiesvogel" mit "Karnevalsorden" habt Ihr da eingeladen?

Rolf Steiner, 20.02.2017 14:21
Als anständiger Demokrat sollte man sich gegen die mit Flüchtlingshetze, Fremden- und Europa-Feindlichkeit sich nicht gerade zurückhaltenden vom Kopp-.Verlag vertriebenen Publikationen deutlich positionieren. Schädliche Angriffe auf unsere Demokratie müssen auch als solche an den öffentlichen Pranger. Schäbige Produkte sind als schäbig zu bezeichnen.

Übringens: dieser Gorka stellt seinen Faschismus immer wieder öffentlich zur Schau. Die Times of Israel vom 14.2.17 zeigt ihn als Träger einer Uniform und der angeheftenten Helden-Medaille von "Vitézi Rend", einem ungarisch-nationalstischen Verband mit einst sehr engen Beziehungen zum Nazi-Reich. 1941 hatten diese Faschisten mehr als 30 000 Mitglieder. Heute: ein Fidesz-naher „Heldenorden“, der massiv gegen Europa und die westlichen Demokratien hetzt.

Die Verdienstmedaille, die Gorka auf dem Foto zur Schau stellt, ist nach Aussage von János Molnár Gazsó, Generalkapitän von Vitézi Rend, "kein Karnevalsorden". Auch Herr Strobl sollte die Demokratie-feindliche Haltung dieses Diskussionspartner Gorka einmal etwas näher unter die christdemokratische Lupe nehmen.

Frank Passau, 18.02.2017 23:35
Rolf Steiner: "....der Kopp-Verlag mit den dümmsten und vor allem die Demokratie schädigenden Publikationen erscheint."
Merkwürdiges Demokratieverständnis. Steiner würde gerne dem unmündigem Bürger vorschreiben, wo er sich informieren darf.

Rolf Steiner, 16.02.2017 11:18
Das üble, menschenverachtende Geschäft mit der Angst - leider bei einigen Printmedien und manchen FS-Medien - entwickelt sich zum täglichen Quotenbringer.

Wer solche Journalisten mit ihren Schäbigkeiten auch noch bewundert, darf sich gleich zu den Freunden des Totalitarismus zählen.

Rolf Steiner, 15.02.2017 18:11
Dazu passt, dass bei den Stuttgarter Zeitung- und Stuttgarter Nachrichten-Online-Seiten immer wieder der Kopp-Verlag mit den dümmsten und vor allem die Demokratie schädigenden Publikationen erscheint. Nicht nur hier wäre sehr angebracht: "Wie du rechtsradikalen Medien sehr bequem von zu Hause aus weh tun kannst http://bit.ly/2fUMai2 #KeinGeldFürRechts"

Karl, 15.02.2017 10:10
Die Ansichten Ihres Autors sind befremdlich: Feyder wird als STN-Rechtsaußen dargestellt. Auf der anderen Seite gehört er sicherlich - zusammen mit Sven Ullenbruch - zu den wenigen Rechercheuren, die das Thema NSU kritisch aufarbeiten. Ein Urteil, zu dem auch Tanjev Schulz und Frederik Obermaier in ihrem gerade erschienen Buch "Kapuzenmänner" kommen. Übrigens: Ein Feld, das der Kontext ja durch den Rauswurf von Thomas Moser weitestgehend aufgegeben hat.
Ihr Aufrechnen von Opferzahlen finde ich unerträglich. Ist die Gefahr, die von Rechtsradikalen und Rechtsterroristen ausgeht deshalb geringer, weil er NSU "nur" zehn Menschen ermordet hat? Ihre Berichterstattung werden die Opfer und Hinterbliebenen der Terroranschläge in Deutschland sicher mit großem Interesse zur Kenntnis nehmen.

Stefan, 15.02.2017 08:54
Wundert ja alles nicht bei einer Zeitung, die gerne auch mal die Befindlichkeiten einer braunen Partei mit dem großen A auf die Titelseite klopft ("AfD beklagt sich über zunehmende Gewalt gegen sie" oder so ähnlich, auf jeden Fall der Aufmacher der Titelseite)

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Wie armselig dieser Gorka "diskutiert", zeigt das Interview des BBC-Journalisten Evan Devis, das seit 16.2.17 im Netz ist und auch bei Stefan Niggemeier angesehen werden kann: https://twitter.com/niggi/status/832475880622428161 Ein...

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