KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Am 21. Januar zogen rund 500 Menschen, darunter viele Russlanddeutsche, vom Ellwanger Marktplatz zur LEA. Mit bemerkenswerten Parolen. Foto: Alex Rimkus

Am 21. Januar zogen rund 500 Menschen, darunter viele Russlanddeutsche, vom Ellwanger Marktplatz zur LEA. Mit bemerkenswerten Parolen. Foto: Alex Rimkus

Ausgabe 253
Medien

Vereint im Propagandakrieg

Von Peter Freytag
Datum: 03.02.2016
Die Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen durch Flüchtlinge war frei erfunden. Dennoch macht der Fall Lisa nachdenklich. Denn er zeigt, wie russische Propaganda und deutsche Rechte gemeinsam Hass und Hysterie schüren.

Am 21. Januar dieses Jahres veröffentlichte ein hoher britischer Richter sein Untersuchungsergebnis zum Giftmord an Alexander Litwinenko. Demnach soll Russlands Präsident Wladimir Putin die Ermordung des Kreml-Kritikers vor zehn Jahren wahrscheinlich selbst gebilligt haben. Und dann das: Wenige Tage später, am 26. Januar, präsentierte Moskaus Außenminister den Kreml als Hüter des Rechtsstaats. "Es muss dafür gesorgt werden, dass Wahrheit und Gerechtigkeit siegen", sagte Sergei Lawrow und warf der deutschen Polizei Vertuschung im Fall Lisa vor, der angeblich von Asylbewerbern entführten und vergewaltigten 13-jährigen Russlanddeutschen. Er hoffe, dass Migrationsprobleme nicht zum Versuch führten, die Wirklichkeit aus innenpolitischen Gründen zu übermalen, so Putins Vertrauter, und er forderte lückenlose Aufklärung.

Damit war die deutsche Flüchtlingskrise zur Staatsaffäre gemacht. Auf dem Rücken eines jungen Mädchens und auf Kosten der Wahrheit, wie sich spätestens nach Lösung des Falls zeigte. Denn schon zuvor hatten russische Staatsmedien den Fall Lisa befeuert. Und sich dabei unverhohlen der Propagandawerkzeuge der Falsch- und Fehlinformation bedient. Mit dem offensichtlichen Ziel, Ängste und Aggressionen zu schüren in einer Bevölkerungsgruppe, die in der Flüchtlingsdebatte bislang noch nicht in Erscheinung getreten war: bei den 4,5 Millionen Spätaussiedlern, die seit 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten nach Deutschland übergesiedelt sind.

In einer crossnationalen Propaganda heizten russische Staatsmedien im Zusammenspiel mit hiesigen rechten Hetzern die Hysterie an. So zeigte am 16. Januar der populärste Moskauer Staatssender, Perwy Kanal, der Erste Kanal, eine "Lisa-Reportage". Im Beitrag beschreibt eine Tante von Lisa detailliert Täter und Tathergang, ein Onkel beklagt die Untätigkeit der Polizei. Der Reporter berichtet von einer Berliner Protestdemo, auf der ein russisch sprechender Demonstrant zur Gewalt aufruft, weil "Frauen und Kinder vergewaltigt werden".

Russlanddeutsche Kronzeugin entpuppt sich als bezahlte Schauspielerin

"Kein Mensch hat erwartet, dass solche Taten in einem zuvor sicheren Land wie Deutschland möglich sind", sagt der Reporter im Off, während ein unscharfes Youtube-Video junge deutsche Migranten zeigt, die sich Übergriffen auf Frauen rühmen. Dazwischen werden Polizisten eingeblendet, die vor einer Asylunterkunft stehen. Die Aufnahmen stammen freilich aus Schweden, wie sich an der Uniform der Beamten erkennen lässt.

Auch an der Authentizität des Youtube-Videos bestehen Zweifel. Zumal es aus einer deutschen Facebook-Quelle stammt, die nicht nur den Namen des Internet-Kollektivs Anonymus missbraucht, sondern sich auch durch Hetz-Postings mit rechtsextremen und prorussischen Inhalten auszeichnet. Die "falsche" Anomymus-Gruppe war es auch, die die russische Lisa-Reportage einen Tag nach Ausstrahlung auf Facebook hochlud, freilich in einer deutsch untertitelten Version: "Berlin: 13-Jährige 30 Stunden vergewaltigt."

"Wer erfahren möchte, welche Kapitalverbrechen der von Angela Merkel herangeschleppte, testosterongesteuerte und hochkriminelle Migranten-Mob mittlerweile in Deutschland verübt, erfährt dies unter anderem im GEZ-freien russischen Fernsehen", wird der Beitrag beworben. Mit Erfolg: Das Video verbreitete sich viral, bis zur Aufklärung des Falls Lisa am 29. Januar wurde die Reportage über 1,7 Millionen Mal aufgerufen, 33 000 Mal geteilt und mehr als 16 000 Mal gelikt.

Tauschgeschäfte dieser Art waren im Fall Lisa üblich. So bettete auch das Nachrichtenportal Sputnik ein Anonymus-Video in seine deutsche Seiten ein. Unter der Überschrift "Berlin: Minderjährige vergewaltigt, Polizei tatenlos" standen auch hier deutsche Behörden tagelang unter Anklage. "Sputnik berichtet über das, worüber andere schweigen", behauptet das Portal, das 2014 vom staatlichen russischen Medienunternehmen Rossija Sewodnja gegründet wurde. Nach wochenlangen Kampagnen gegen die deutsche Flüchtlingspolitik hat der Slogan inzwischen seine eigene Bedeutung.

Dabei ist das, was Perwy-Kanal und Sputnik über Deutschland, Flüchtlinge und den Fall Lisa verbreiten, noch harmlos. Aggressiver und zugleich subtiler agiert der TV-Kanal Swesda, zu Deutsch: der Stern. Am 14. Januar strahlte der vom russischen Verteidigungsministerium betriebene Sender "Paradoxie der Toleranz" aus. Die halbstündige "Spezial-Reportage" skizziert die Apokalypse Europas durch Flüchtlingsströme.

Sogenannte Experten aus der rechtsnationalen Szene

Als Kronzeugin präsentierte Swesda eine "Viktorija Schmid", die mit zittriger Stimme über die Verbrechen von Migranten in Deutschland erzählt. Der Zuschauer erfährt, dass sie und ihr Mann nach Russland zurückzukehren wollen, weil das Leben hier zu gefährlich werde. Unterlegt werden Schmids Aussagen mit angstmachenden Szenen von gewalttätigen Demos in unbekannten Städten, Bombenexplosionen in Kriegsgebieten, endlosen Flüchtlingstrecks, den Kölner Silvesterereignissen sowie den Anschlägen von Paris. Dazwischen sind Kanzlerin Angela Merkel, NRW-Innenminister Ralf Jäger und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zu sehen. Allerdings, ohne zu Wort zu kommen: Die Spezialreporter versäumten es, die "Schuldigen" am Chaos zu interviewen. Stattdessen dürfen russische Journalisten und Politologen ausführlich den Untergang des Abendlands prophezeien.

Das russische Investigativportal "The Insider" schaute sich die Swesda-Spezial-Reportage genauer an – und fand heraus, dass die verängstigte "Viktorija Schmid" in Wirklichkeit Natalja heißt, unbescholten in Hannover lebt und ihren Lebensunterhalt mit derartiger Schauspielerei für russische TV-Sender bestreitet. Nach Recherchen des Portals verdingen sich hierzulande weitere russischstämmige Personen mit der Produktion von Schauermärchen über Deutschland, jeweils im Auftrag staatlicher Moskauer Sender.

Kritische Beobachter betonen, dass sich die russischen Staatsmedien gern auch westliche "Experten" einkaufen. "Um ihre propagandistischen Thesen zu legitimieren", wie der russische Blogger Alexej Kowaljow recherchierte. "Dabei spielt die deutsche rechtsnationale Szene keine unbedeutende Rolle", schreibt Kowaljow und nennt als Beispiel Manuel Ochsenreiter, der regelmäßig auf "Russia Today" und anderen TV-Kanälen "als Journalist herumgeistert". Ochsenreiter war bis 2011 Chefredakteur der "Deutschen Militärzeitschrift", heute ist er in gleicher Funktion für das "Deutsche Nachrichtenmagazin Zuerst!" tätig, das "Themen aus dem rechtsextremen Spektrum in scheinbar seriöser Aufmachung" verbreitet. In "Zuerst!" und im eigenen Blog bietet Ochsenreiter im Gegenzug russischen Nationalisten wie Alexander Dugin, Verfechter eines großrussischen Reiches, ein Forum.

Ulrich Wickert sieht deutsche Presse von außen diskreditiert

Die Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf die deutschsprachigen Ableger russischer Medien. Im Nachrichtenportal Sputnik schreiben regelmäßig deutsche Kommentatoren, die ihre rechtslastige Thesen und Verschwörungstheorien auch auf hiesigen Portalen wie "Kopp online" verbreiten. Ein Lieblingsthema der Gastautoren derzeit: die angebliche Gleichschaltung hiesiger Medien. "Die deutsche Presse wird gezielt diskreditiert, das kommt nicht nur aus unserer Gesellschaft, sondern auch von außen", sagt Mr. Tagesthemen Ulrich Wickert in einem aktuellen "Meedia"-Interview. Der russische Staat mache Propaganda gegen deutsche Journalisten, um deren Vertrauen zu erschüttern. "Ich persönlich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst den Begriff 'Lügenpresse' in Deutschland verbreitet hat", so Wickert.

"Lügenpresse" wurde zuerst von Pegida skandiert, dann von den AfD-Anhängern. Indizien für diese spezielle deutsch-russische Kooperation finden sich auch beim Fall Lisa. Als Seitenbetreiber des "falschen" Anonymus-Accounts, der die deutsch-untertitelte "Lisa-Reportage" von Kanal Eins als Erstes veröffentlichte, haben Blogger den Organisator der Erfurter Mahnwache für den Frieden, Mario Rönsch, enttarnt. Während einer Mahnwache im April 2014 rief Rönsch dazu auf, die "Medien an den öffentlichen Pranger zu stellen". Anonymous Deutschland hatte sich da bereits von der gefakten Facebook-Seite distanziert.

Die Mahnwache wurde später zur Pegida-Demo, auf der etwa Jürgen Elsässer, Verleger des rechtspopulistischen Magazins Compact, auftrat. Heute organisiert die thüringische AfD die Kundgebungen, ihr Vorsitzender Björn Höcke nutzt sie regelmäßig als Agitationsbühne. Rönsch war bei einer Erfurter AfD-Demo im Oktober vergangenen Jahres zugegen: Er bedrängte die Reporterin Dunja Hajali, die für das ZDF berichtete. Anschließend verunglimpfte er via Anonymus-Account Hajali als "staatliches Mietmaul".

Inzwischen zeigt sich auch, dass es keine Berührungsängste mehr zwischen Rechtspopulisten und Russlandstämmigen gibt. In Rheinland-Pfalz gründete sich jüngst das "Netzwerk Aussiedler und Russlanddeutsche in der Partei Alternative für Deutschland (AfD)". Initiator Aleksandr Lejbo aus Koblenz fordert unter anderem eine "angemessene Behandlung Russlands als Partner auf Augenhöhe und eine Beendigung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland".

Moskaus Propagandafeldzug verfehlte seine Wirkung im Fall Lisa nicht. Unzählige Facebook-Posts forderten Russlanddeutsche auf, auf die Straße zu gehen. Wer nicht mitdemonstriere, mache sich an der Schändung von Lisa und anderen Kindern mitschuldig, hieß es. Bundesweit folgten am vierten Januarwochenende über 10 000 Menschen den Aufrufen. Die meisten am weitesten entfernt vom angeblichen Tatort: in Baden-Württemberg. Landesweit kamen knapp 3500 Menschen zusammen. Die größte "Russen-Demo" bundesweit erlebte Villingen-Schwenningen mit 1300 Teilnehmern.

Russlanddeutsche Teenager 1997 in Lahr. OB Müller erinnert an die damalige Situation. Foto: Joachim E. Röttgers
Russlanddeutsche Teenager 1997 in Lahr. OB Müller erinnert an die damalige Situation. Foto: Joachim E. Röttgers

Die Demonstranten zeigten Plakate, auf denen "Frieden für unsere Kinder" und "Merkel tritt zurück" stand. Nicht überall verliefen die Kundgebungen friedlich. Im badischen Lahr zeigte sich, wie aufgeheizt die Stimmung war. In der 43 000 Einwohner zählenden Stadt mahnte Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller die Demonstranten persönlich zur Mäßigung. Per Megafon verlangte er Offenheit gegenüber den 1000 Flüchtlingen, die Lahr zugewiesen sind – indem er daran erinnerte, dass es auch gegenüber der Aufnahme von 9000 Aussiedlern aus der einstigen Sowjetunion Bedenken gegeben hatte. Ein Vergleich, der wütende Reaktionen auslöste. Polizisten mussten einschreiten. "Ja, es war schwierig, es hat Jahre an Arbeit gebraucht, damit die Menschen diese Situation akzeptierten. Aber wir haben es geschafft und ich halte es für richtig – letztlich haben wir alle gewonnen", betonte das Stadtoberhaupt.

Die Wendung im Fall Lisa, das Mädchen hatte die Vergewaltigung erfunden, vermeldete das russische Nachrichtenportal Sputnik zeitnah. Unter dem Titel: "Polizei: 'Keine Sexualstraftat' im 'Fall Lisa' – Anwalt: keine voreiligen Schlüsse". Russlands Außenminister Lawrow sah sich zu einem Telefonat mit seinem deutschen Amtskollegen genötigt.

 

Info:

Das bekannteste Portal, um Hetze zu verifizieren, ist derzeit www.mimikama.at.

Oft werden auch Bilder verfälscht oder im falschen Zusammenhang verbreitet. Das lässt sich per Rückverfolgung überprüfen mit www.tineye.com.

Youtube-Videos lassen sich checken auf www.amnestyusa.org/citizenevidence.


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Kommentare

andromeda, 10.01.2017 22:52
Buchtipps für invinoveritas und Schwabe :

Hrsg. Marko Tal : "Umgangssprachlich Krieg"
Ahmed Rashid : "Decent into Chaos" (beide zu Afghanistan)
Charlotte Wiedemann."Mali oder das Ringen um Würde:Meine Reisen in einem verwundeten Land" , bzw. auf ihrer Homepage Mali / Mali II (zu Mali-Einsatz) zu Auslandseinsätzen

Nicolas Werth : "Insel der Kannibalen"
Ante Ciligan : " Im Land der verwirrenden Lüge"
Warlam Schalamow . "Kolyma-durch den Schnee" , sowie "Kolyma- Linkes Ufer" zur UDSSR

Bernd Greiner : "Krieg ohne Fronten"
John Perkins : "Economic Hit Man"
dazugehörend die 2 s.o.Titel zu Afghanistan
Hermann G. Abmayer: "Stuttgarter NS-Täter" - warum sind die alle so prima weggekommen , Alliierte ?) alle zu USA

Sven Lindquist : "Durch das Herz der Finsternis
- Ein Afrika-Reisender auf den Spuren des europäischen Völkermords"
Linda Melvern: "Ruanda" zu "Auslandeinsätzen"/USA-EU ? und ein Bild der dahinter stehenden Ideologie

RithyPan :"Auslöschung"
In LMD gab es mal einen interressanten Artikel über die Unterstützung der Pol Pot Guerilla ,- gegen die vietnamesischen Invasoren/Kommunisten -, die den Eigen-Völkermord übrigens beendet haben (!) durch USA,GB,F;D
zu Auslandeinsätzen

Ilan Pappe (isr. Historiker ): "Die ethnische Säuberung Palästinas" (mit hervorragenden Quellenangaben , wie freigegebene Dokumente aus Armee-Archiven , er ist einer der "neuen" israelischen Historiker(Moshe Zuckermann , Moshe Zimmermann , Shlomo Sand (!)u.a. , für die der Titel keinen akademischen Diskurs ,- aufgrund der Quellenlage -, mehr benötigt ; recherchieren Sie selbst : Graf Folke Bernadotte ;

Shir Hever : "Die politische Ökonomie der israelischen Besatzung"
zu "Außenpolitik" und "Auslandseinsätzen
zur Entstehung Israels und seiner "Erhaltung"

usw.usw. ich habe keine Präferenz für irgenwelche Imperialismen oder Ideologien , leider wird man überall fündig bzgl.Widersprüchen von Propaganda und Realitäten .

Zuletzt wegen obigem Artikel "Propagandakrieg" noch 2 Perlen zum Ansehen , statt Lesen !

youtube : "Propaganda" von Slavko Martinov (NZ)
"Warum Schweigen die Lämmer ?" Vortrag von Prof. Reiner Mausfeld /Uni Kiel ,

Charlotte Wiedemann ."Vom Versuch nicht weiß zu schreiben"
Udo Ulfkotte : "Gekaufte Journalisten"
ob "linksliberal" oder "konservativ" - sie zeichnen ein sehr ähnliches Bild

Schwabe, 10.02.2016 08:37
@Invinoveritas
Sarkasmus und ein Witz. Gar nicht so einfach das mit der Sachlichkeit. Bleiben Sie dran.

invinoveritas, 09.02.2016 15:55
Es ist natürlich widerwärtig von Kontext, derart einseitig zu berichten, den Friedensfreund Putin zu verteufeln und darüber den m.E. bürgerlich-neoliberalen Krieg in Mali zu unterschlagen, von dem nur Blinde und Taube nicht wissen, dass er keinem anderen Zweck dient als wirtschaftlichen Interessen von NATOUSAEU, die ja bekanntlich auch das ganze Unheil in Syrien vom Zaun gebrochen haben, das Putin gerade wieder mühsam in Ordnung bringen muss. .

So ganz allgemein erinnert das an einen Witz aus dem Kalten Krieg: Eine amerikanische Delegation besichtigt den Hauptbahnhof in Moskau, der Fremdenführer rühmt die hohe Frequenz: Innerhalb 30 Minuten fährt auf Gleis 1 ein Zug nach Berlin ab, auf Gleis 8 einer nach Leningrad, auf Gleis 12 kommt einer aus Prag an usw. Nach einer halben Stunde meldet sich einer der Gäste aus Amerika: "Wir sind jetzt schon so lange hier, aber ein Zug war nirgends zu sehen." Im Hirn des Fremdenführers arbeitet es erkennbar fieberhaft, dann der rettende Einfall: "Und ihr behandelt die Neger schlecht."

Schwabe, 09.02.2016 08:52
Erfolgreiche Propaganda gegenüber der eigenen Bevölkerung ist es auch, wenn diese über die wahren Hintergründe eines Bundeswehreinsatzes nicht informiert ist und wird.
Wie bereits erwähnt, geht es in Mali m.E. nicht um Frieden für die einheimische Bevölkerung, sondern um die Kontrolle von Rohstoffen. Darüber hinaus ist Mali auch ein Training für die eigenen Streitkräfte unter realen Bedingungen.
Gegenüber der deutschen Öffentlichkeit wird von Terrorbekämpfung und von einer Stabilisierung des Landes gesprochen.
Vom Standpunkt aus, dass auch zum kontrollieren und zum profitieren von den (fremden) Rohstoffe eine gewisse Stabilität hergestellt werden muss und widerspenstige Kräfte ("Terroristen") beiseitigt werden müssen, sind die der deutschen Öffentlichkeit untergeschobenen Gründe von Stabilisierung des Landes noch nicht einmal gelogen. Aber halt auch nur ne Halbwahrheit - und das sind ja bekanntlich die schlimmsten Lügen. Jedenfalls erfüllen diese Halbwahrheiten bzw. das nicht vollständige aufklären ihren Zweck in der deutschen Öffentlichkeit.

Ob die Mission in Mali für Bundeswehr und (Groß)Kapital wirklich erfolgreich sein wird ist offen. MINUSMA gilt als derzeit gefährlichste UN-Mission. 56 Teilnehmer starben bereits. Generäle und Wehrbeauftragte attestieren Mali eine mindesten genau so große Gefahr wie Afgahnistan. Hinzu kommt das MINUSMA bei der Bevölkerung im Land kritisch gesehen wird. So schreibt Heise Online: "So stand bei Friedensdemonstrationen im Sommer in Mali auf Transparenten zu lesen: "Nieder mit Frankreich, nieder mit MINUSMA". Kehren deutsche Soldaten in Särgen aus Afrika heim, könnte es auch an der Heimatfront weiter bröckeln und weitere Einsätze der Bundeswehr erschweren.
Die Linke lehnt als einzige Kraft im Parlament den Einsatz in Mali ab - aus gutem Grund!

Schwabe, 08.02.2016 10:38
"Propaganda" bedeutet die Verbreitung ideologischer Ideen und Meinungen, um die Bevölkerung in einer bestimmten Weise zu beeinflussen.

"Vereint im Propagandakrieg" - so der Titel des obigen Artikels. Gemeint ist Russland und die "deutsche Rechte". Etwas einseitig wie ich finde. Meines Erachtens fehlt in dieser Aufzählung noch die sogenannte "deutsche (politische) Mitte" (CDU/CSU, SPD, FDP gemeinsam mit den deutschen Leitmedien). Beispiel gefällig?

Der (kaum thematisierte) Krieg in Mali - es geht nicht um Frieden sondern um Rohstoffe:
Die Terroranschläge in Paris wurden zur Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Mali missbraucht (Aufstockung um 650 Soldaten). Behauptet wird über den Einsatz in Mali, dass es vor allem um Unterstützung der - dort schon länger stationierten - französischen Einheiten beim Kampf gegen Terroristen in der Region gehe. Gerade nach den Terroranschlägen in Paris sei das nötig. Man wolle die Dschihadisten im Norden bekämpfen und das Land stabilisieren (da ist er wieder der "humanitäre Einsatz"). Doch das ist nur vorgeschoben. Seit 2013 ist die UN-Mission MINUSMA mit mehr als 10.000 Soldaten und Polizisten im Land. Genützt hat das gegen den Terror (wie immer) nichts. Deutlicher Beweis war die Geiselnahme von 170 Menschen durch Dschihadisten in einem Nobelhotel in der malischen Hauptstadt eine Woche nach den Attentaten in Paris im Dezember. Mehr als 20 Menschen starben dabei.
Militärisch kann der rechte politische Islam nicht besiegt werden, denn er speist sich aus sozialen Ungleichheiten, Armut und neokolonialer Ausbeutung (siehe auch die Täter in Paris). Doch um das Verhindern sozialer Ungleichheiten, Armut und neokolonialer Ausbeutung geht es den Militärs bzw. der Politik der Mitte nicht - denn Unruhen sind die Folge militärischen Eingreifens.
Seltene Erden, noch nicht erkundete Öl- und Gasvorkommen - seit Jahren sehen wir auf dem afrikanischen Kontinent einen Wettstreit um die Ausbeutungsrechte von Rohstoffen, da wollen die in Deutschland herrschenden Politiker nicht hinterher hinken (da fühl ich mich an Zeiten vor dem 1. Weltkrieg erinnert).
Mali ist für das deutsche (Groß)Kapital eine Chance, auf dem afrikanischen Kontinent Fuß zu fassen. Das Land ist drittgrößter Goldproduzent in Afrika, hat aber auch andere wichtige Rohstoffe. Für Frankreich als Atommacht ist vor allem das Uran interessant, 5.000 Tonnen lagern vermutlich in dem afrikanischen Land. Aber auch Phosphate, Zink und vermutete Ölreserven liegen in Mali noch brach. All diese Bodenschätze sind auch für deutsche Kapitalisten wichtig und der tiefere Grund für diesen Bundeswehreinsatz.

Für fremde Rohstoffe souveräner Staaten geht die deutsche "Politik der Mitte" über Leichen und verhindert Frieden (weltweit). Und das alles im Namen der Terrorismusbekämpfung, zum Wohle und zur Stabilisierung des Landes Mali bzw. anderer Länder die kontrolliert bzw. ausgebeutet werden sollen.

FernDerHeimat, 08.02.2016 06:49
Ach, der Kontext-"Spezi" invinoveritas darf jetzt auch bei euch mal (wieder) kritisiert werden?

maguscarolus, 07.02.2016 18:38
@Schwabe, 07.02.2016 09:48

Es ist aussichtslos, bei solchen Leuten mit rationaler Argumentation oder durch den Verweis auf Tatsachen Gehör zu finden. Auch Ironie wird nicht verstanden. Die Überzeugungsstarrheit derartiger Personen ist entweder eine Folge der seit Jahrzehnten stattfindenden Propaganda zu Gunsten der "Alternativlosigkeiten" also einer Art Gehirnwäsche, oder sie hat biografische Wurzeln, denn es gibt ja nicht wenige (wirkliche oder eingebildete) Profiteure der bestehenden kapitalistischen oder kolonialen Verhältnisse, und das reicht von "harmlosen Mitläufern" bis zu Überzeugungstätern, die ihre marktradikalen Dogmen für reine Vernunft oder zumindest für Pragmatismus halten und sich darauf Einiges zu Gute tun.

maguscarolus, 07.02.2016 10:03
@invinoveritas, 05.02.2016 16:52

Da Sie es doch offenbar wissen: Spannen Sie mich nicht länger auf die Folter, sondern lassen Sie mich das Licht Ihrer Erkenntnisse sehen!

Wer sind auf dieser Welt die vertrauenswürdigen guten Imperialisten und wer sind die verabscheuungswürdigen Bösen?

Ein klares Feindbild – und der Tag hat Struktur! (V.Pispers)

Schwabe, 07.02.2016 09:48
@Invinoveritas
Ihre Antwort als Anwalt und Verteidiger des Bestehenden (Wachstum, Investorenschutz, Privatisierung, Profitmaximierung, etc.) war vorhersehbar.
Das ich aus Ihrer bürgerlich-neoliberalen Sicht die Splitter-/Balken Ermahnung selbst "furchtbar nötig" habe erklärt sich von selbst - und das sicherlich nicht nur mir. Aus menschlich-sozialer Sicht verhält es sich genau umgekehrt.
Und Ihr m.E. jämmerlicher Versuch meine berechtigte Kritik am Kapitalismus in die Steinzeit zu verweisen und damit in gewisser Weise zu rechtfertigen, macht die Situation für vom Westen bedrohte Bevölkerungen fremder Länder (Krieg), und für die Flüchtlinge und Frauen hier in Deutschland nicht besser. Aber das wissen Sie ja selbst.

Auch wenn Sie dabei hier im Forum unter die Räder kommen sollten: Versuchen Sie doch einfach einmal - so wie ich auch - Ihren persönlichen Standpunkt (mit sachlichen Beispielen) zu verdeutlichen, anstatt ständig andere Kommentatoren hier persönlich anzugreifen und zu denunzieren.
Es ist ein schwieriger aber ein ehrlicher Weg - er wird Sie persönlich voranbringen.

Immanuel, 07.02.2016 05:00
@ caesar von+struwe, 03.02.2016 03:47

Es bleibt aber die Frage, warumm Russland nicht gegen die beiden unmittelbaren Täter ermittelt, obwohl ihre Täterschaft eindeutig belegt ist!
Da diese Täter unangetastet bleiben, ist nicht zu erwarten, dass Russland erntshaft die wahren Täter verfolgen wird. Auf eine Übersendung von Akten kommt es dann nicht mehr an.

invinoveritas, 06.02.2016 16:57
@schwabe

kapitalismuskritik von der allerdürftigsten sorte: blind, besessen, alles übersehend oder leugnend, was nicht ins schema passt.

und ein törichter versuch, krieg, rassismus und frauenunterdrückung als spezifische übel des kapitalismus auszugeben. schon ein flüchtiger blick auf die menschheitsgeschichte lehrt, dass diese erscheinungen sehr viel früher auftraten als der erst einige jahrhunderte alte kapitalismus. der hat eine andere, seriösere kritik verdient als solche simpel-tiraden aus dem geiste eines noch dazu unverdauten vulgärstmarxismus.

unfreiwillig lustig wird es, wenn ein unermüdlich dieselbe gebetsmühle drehender zeitgenosse uns großväterlich eine splitter/balken-ermahnung nahebringen will, ohne zu bemerken, wie furchtbar nötig er selbst sie hat.

Schwabe, 06.02.2016 13:47
"Denn er zeigt, wie russische Propaganda und deutsche Rechte gemeinsam Hass und Hysterie schüren."
Und was ist mit den Lügen bzw. mit der Propaganda des Westens zum Krieg im Irak (Massenvernichtungswaffen, Atombombe), zum Krieg in Jugoslawien (humanitärer Einsatz), Regime Change in der Ukraine, etc. mit insgesamt hunderttausenden von Toten?

Es sind gerade verurteilende Denkstrukturen, die dazu führen, dass Menschen in ihren alten Verhaltensmustern gefangen bleiben (sollen). " Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken im eigenen Auge aber nimmst du nicht wahr?".

In Deutschland schüren Politiker und Medien bewusst die Angst der Bevölkerung - die Angst vor angeblich "zu vielen" und "kriminellen" MigrantInnen. Pegida, AfD und Neonazis nutzen dies und radikalisieren sich weiter nach rechts. Im Kapitalismus gibt es Rassismus, um die einfachen Leute zu spalten.

Krieg, Rassismus, Sexismus und Frauendiskriminierung gehört zum Kapitalismus - es gibt ihn nicht ohne sie.
Krieg, Rassismus, Sexismus und Frauendiskriminierung haben folgendes gemeinsam: Sie sind menschenverachtend, sie sollen die Solidarität untergraben und sie sollen spalten.
Krieg, Rassismus, Sexismus und Frauendiskriminierung dient dem Kapitalismus. Durch sie wird der gemeinsame Kampf gegen die Herrschaft einer reichen und mächtigen Minderheit verhindert bzw. behindert.
Krieg, Rassismus, Sexismus und Frauendiskriminierung sind Instrumentarien des Kapitalismus.

invinoveritas, 05.02.2016 16:52
@maguscarolus

aha. es gibt also gute verbrechen. vielleicht wäre es keine zeitverschwendung, sich doch mal von grund auf neu zu sortieren, ehe man sich derart verläuft.

Zaininger, 04.02.2016 00:18
Sie waren genügsam, fleißig und leidensfähig - sonst hätte Katharina die Große sie nicht angeworben.
Sie waren alt-deutsch - sonst hätte der allseits misstrauische Stalin sie nicht nach Kasachstan verschleppt, als Deutschland Russland überfiel.
Sie hatten einen in jeder Hinsicht missratenen "Sozialismus" überlebt und träumten von einer besseren Welt - sonst hätten sie sich nach 200 Jahren nicht auf den Weg "heim ins Reich" gemacht.
Aber warum lassen sie sich verdammt noch mal von der Propaganda einer Putin-gesteuerten Lügenpresse instrumentalisieren statt Empathie für Menschen zu empfinden, die ähnliche (und manchmal schlimmere) Erfahrungen gemacht haben, wie sie selbst?

maguscarolus, 03.02.2016 22:25
@invinoveritas

Alle Imperien – ALLE! – wurden und werden mit Raub, Völkermord und Versklavung begründet und erhalten.

Die Unterscheidung, welche der im Laufe der imperialen Weltgeschichte begangenen Verbrechen gut und welche böse waren überlasse ich jetzt gerne Ihnen.

Blender, 03.02.2016 16:54
Es ist schon erstaunlich, dass Russland-"Deutsche" mit gebrochenem deutsch darüber beschweren, dass sie vor Heimatvertriebenen nicht sicher seien, während der Russische Außenminister sich für die selbe Bevölkerungsgruppe stark macht mit dem Argument, diese hätten ja einen russischen Pass. Es ist schon erstaunlich dass offensichtlich Menschen die mit offenen Armen aufgenommen wurde nationalistischer sind als Menschen die schon immer hier leben.

invinoveritas, 03.02.2016 16:42
@ maguscarolus

"Reale Politik ist weder gut noch böse"? Und es geht allein um "Interessen"? Woher haben Sie denn einen solchen haarsträubenden Unfug?
Die Eroberungskriege des deutschen Faschismus, Napoleons Feldzug bis vor die Tore Moskaus, die alte Unterwerfungs- und Ausrottungspolitik auf dem Balkan, die Exzesse der Kolonialmächte in Afrika und Asien - sie alle waren doch wohl reale Politik, und die, die sie betrieben, meinten damit ihre jeweiligen Interessen wahrzunehmen. Aber "böse" soll das alles nicht gewesen sein?
Merken Sie nicht, was das für ein Zynismus ist, dem Sie da den Mantel scheinbar wertfreier Geschichtsbetrachtung überwerfen?
Gerade der Versuch, sie von moralischen Kategorien zu trennen, begründet ganz maßgeblich das Elend der Politik.

maguscarolus, 03.02.2016 15:42
@invinoveritas, 03.02.2016 12:58

mehr vino als veritas, will mir scheinen.

Reale Politik ist weder gut noch böse und es geht nicht um wahr oder falsch, sondern es geht einzig und allein um Interessen, und wie man sie durchsetzt. Und dafür müssen geschichtliche Deutungen und gesellschaftliche Identifikationen in den Hirnen verankert werden – ob Ihnen das passt oder nicht und ob man es Narrativ nennt oder nicht – es geschieht in Russland genauso wie bei uns oder in den USA. Denn die kleinen Leute haben i.d.R. noch (immer) soviel Naivität und Anstand, dass sie nur gegen etwas "erwiesenermaßen Böses" in den Krieg ziehen mögen. Und es sind genau diese Popanze des Bösen, die gerade wieder überall aufgeblasen werden, um den Frust der Leute zu kanalisieren.

Wenn Sie in dieser Sicht auf die Dinge "Parteilichkeit" wittern, dann weiß ich mehr als genug über Ihre Art von "Unparteilichkeit".

invinoveritas, 03.02.2016 12:58
@maguscarolus

Wer heutzutage auf sich hält, versucht mit dem Modebegriff "Narrativ" Eindruck zu schinden. Leider wird das Gesagte dadurch in der Regel nicht gehaltvoller. So wie auch Ihr Beitrag, dessen einziger Zweck im Abwiegeln und Nebelkerzenschmeißen besteht.

Angenommen, im Bericht eines britischen Untersuchungsrichtern stünde, "wahrscheinlich" habe Obama die Ermordung von Snowden gutgeheißen - hätten wir dann auch so einen scheinbar abgeklärt-ausgewogenen (bei näherem Hinsehen von Parteilichkeit strotzenden) Beitrag von Ihnen gelesen? Gewiss nicht.

(Und übrigens: Die heutige prekäre Lage in Osteuropa und speziell in der Ukraine ist tatsächlich ganz überwiegend durch Russland und insbesondere Putin verursacht. Das lehren die Fakten; die allerdings müsste man zur Kenntnis nehmen.)

@caesar von struwe

Der deutsche Adel ist offenbar auch nicht mehr das, was er mal war. Früher wäre er bestimmt nobel genug gewesen, dem toten Widerpart wenigstens die Ehre der Richtigschreibung seines Namens zu erweisen. Sie hingegen sind acht- und respektlos genug, Litwinenko gleich vier Mal Litiwenko zu nennen.

Überhaupt sollte man es besser zu kaschieren versuchen, wenn einem die ganze Richtung (hier: dieses bemerkenswerten kontext-Artikels) nicht passt: Ihr Schlusssatz ist arg plump.

maguscarolus, 03.02.2016 09:51
Kampagnen wie die russische um diese Vergewaltigungsgeschichte/legende dienen der Festigung eines bestimmten Narrativs in einer Zielgruppe - hier der deutschen Bevölkerung. Die dahintersteckenden Interessen kann man verstehen ohne sie gutheißen zu müssen. Im vorliegenden Fall sollte man nie vergessen, von welcher Seite seit mehr als 20 Jahren die Aggression ausgeht und wer - mehr oder weniger - bedrängt wird. Irgendwelche alten Geheimdienstgeschichten auszugraben um Putin zu verteufeln sollte mangels Klarheit besser unterbleiben, wobei auch das stets "segensreiche" Wirken der Geheimdienste auf der "Seite des Guten" im Blick bleiben sollte!
Das eigentliche "Problem" aus transatlantischer Sicht ist die mangelnde Aggressivität der Deutschen gegenüber Russland. Diese Lage versuchen die unterschiedlichen Interessengruppen in ihrem Sinne zu manipulieren, und die Flüchtlingssituation ist dabei ein Nervenknoten.
Die deutschen Medien täten gut daran, hierbei deeskalierend zu berichten und die bestehenden Interessenkonflikte für ihre Leser zu verdeutlichen, statt jede Gelegenheit zu nutzen, um auf Russland und seinen Putin einzudreschen, so als sei die derzeitige prekäre Lage durch eine russische Expansion nach Westen verursacht.

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