KONTEXT Extra:
Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


Bahnchef Grube mag Stuttgart 21 nicht mehr

Da rennt der Mann jahrelang rum und erzählt, wie großartig der Tiefbahnhof ist - und jetzt? Jetzt sagt Rüdiger Grube laut "Spiegel": "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht". Nun wird schon spekuliert, ob es vielleicht ein Doppelgänger war, der diesen Satz beim Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen gesprochen hat, oder hier ein Fall von Persönlichkeitsspaltung vorliegt? Aber nein, es war der leibhaftige Grube.

Auf die Reaktionen all seiner Freunde darf man gespannt sein. Vorneweg auf jene seiner Chefin Angela Merkel, die mit S 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verband. Oder auf die von Teufel, Oettinger, Mappus, Gönner usw., die stets vor dem Abseits warnten, sollte der unterirdische Bahnhof nicht kommen. Nur der amtierende Ministerpräsident Kretschmann kann heimlich sagen, dass er auch schon immer dagegen war. (25.11.2016)


S 21: Kein neuer Deal mit der Bahn

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart zeigen der Deutschen Bahn die kalte Schulter und wollen die sogenannte Verjährungshemmungsvereinbarung nicht unterzeichnen. Damit versuchte die Bahn eine frühzeitige Entscheidung darüber zu vermeiden, ob sie eine Beteiligung von Stadt, Land und Region an den Mehrkosten des Milliardenprojekts einklagt. Alle Partner sollten einer Verlängerung der Verjährung für mögliche Ansprüche der Bahn auf zusätzliche Gelder für Stuttgart 21 zustimmen. Für die Stadt Stuttgart schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Verlängerung abzulehnen. Endgültig entschieden wird am 8. Dezember.

"Die Vertragspartner sind der Auffassung, dass die DB Bauherrin ist und dass die Vertragspartner begrenzte und vor allem freiwillige Zuwendungen gewähren", erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den mit der Stadt abgestimmten Standpunkt. Man werde sich "grundsätzlich auch gemeinsam gegen die Bahn verteidigen". Das Land sei mit der Stadt und der Region der Ansicht, "dass es ein falsches Signal wäre, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil die Vertragspartner die Ansprüche der DB für unbegründet halten".

Hermann erwartet jetzt eine vergleichsweise schnell eingereichte Klage, aber "viel länger hätte die DB ohnehin nicht gewartet". Denn bis zu einem letztinstanzlichen Urteil würden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, nach der Prognose des Minister werden aber "in ungefähr drei Jahren die vertraglichen Finanzierungsbeiträge der Vertragspartner erschöpft sein". Im Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 ist der Kostenrahmen inklusive Risikopuffer auf 4,526 Milliarden Euro begrenzt. Bei weiteren Kostensteigerungen sind, unter Nutzung der Sprechklauseln, Gespräche vorgesehen. Im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat den Finanzierungsrahmen auf 6,526 Milliarden Euro erhöht und zugleich die Projektpartner aufgefordert, über weitere Beiträge zu verhandeln. Das lehnen diese allerdings strikt ab. (24.11.2016)


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Edzard Reuter im Dezember 2012 in der Kontext-Redaktion. Fotos: Joachim E. Röttgers

Edzard Reuter im Dezember 2012 in der Kontext-Redaktion. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 238
Medien

Stuttgart 21: Wer's glaubt, wird selig

Von Edzard Reuter
Datum: 21.10.2015
Stuttgart 21 ist für Edzard Reuter ein Musterbeispiel dafür, wie man die Lebensfähigkeit der Demokratie aufs Spiel setzen kann. Das Bahnprojekt beruhe auf schlankweg erlogenen Behauptungen, schreibt er in seinem neuen Buch "Eingemischt!". Kontext veröffentlicht vorab das Kapitel über Stuttgart 21.

Ich saß noch beim Frühstück, als an einem Sonntagmorgen das Telefon läutete. In der Leitung war ein hörbar erregter deutscher Großmanager. Ohne lange Vorrede überfiel er mich mit der Warnung, ich solle "nicht weiter gegen Stuttgart 21 zündeln". Wenige Wochen zuvor hatte ich ihm in der Tat geraten, sich nicht allzu vertrauensvoll auf seinen politischen Hauptaktionär zu verlassen, weil dieser das Schiff ohne Zögern verlassen und den Kapitän dafür verantwortlich machen werde, sollte sich herausstellen, dass es leckschlagen könnte. Das ist nun schon lange her. Seitdem hat sich die Lage grundlegend verändert, nicht nur durch eine Volksabstimmung, sondern auch dadurch, dass sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn unter dem offensichtlichen Einfluss ihres Großaktionärs dazu verleiten ließ, Kosten in einer Höhe mit zu verantworten, die ihm vorher als unwirtschaftlich und damit als für das Unternehmen untragbar vorgetragen worden waren.

Schlichter Heiner Geißler.
Schlichter Heiner Geißler.

In der Tat war ich lange genug davon überzeugt, dass die demokratische – genauso wie die wirtschaftliche – Vernunft obsiegen werde. Dabei ging es mir nicht zuletzt um die Kostenangaben der Bahn. Gewiss waren seit der ersten Bekanntgabe des Projekts bereits Jahre verstrichen, sodass niemand mehr ernsthaft davon ausgehen konnte, dass das ursprüngliche genannte Investitionsbudget ausreichen würde. Doch (unter Leitung des früheren Bundesministers Heiner Geißler) hatte inzwischen ein förmliches Schlichtungsverfahren zur Bereinigung der aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Bund, dem Land und der Stadt stattgefunden, in dessen Verlauf angeblich aktuelle Kosten vorgegaukelt worden waren – von denen jeder auch nur einigermaßen erfahrene Beobachter wissen konnte (und musste!), dass es sich um Fantasiezahlen handelte. 

Geschwiegen – auch wegen der SPD

Und nicht nur das: dass die zusätzlichen Risiken bei der Umsetzung der vorgelegten Planung in die Realität unübersehbar sind. Da war es wahrlich nicht zwingend, dem lauthals eine weitere Stimme – meine eigene – hinzuzufügen. Daher mein damaliges Schweigen – das zudem darin begründet lag, dass ich der offiziellen Meinung der Partei, der ich seit bald 70 Jahren angehöre und der die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik so viel verdanken, nicht unfair in die Parade fahren wollte.

Der Begriff "Skandal" ist inzwischen in der öffentlichen Diskussion weitgehend abgenutzt. Die gängigen Medien gefallen sich jederzeit darin, schon den kleinsten Fehler oder irgendein beliebiges Versehen als Skandal zu bezeichnen, vor allem dann, wenn man diesen an einer bekannten Persönlichkeit oder Institution festmachen kann. Für das, was sich die Deutsche Bahn und mit ihr die Bundesregierung in Stuttgart geleistet hat und weiter leistet, müsste also erst noch eine angemessene Bezeichnung in die deutsche Sprache eingeführt werden.

Nicht nur sollen nahezu sieben Milliarden Euro für die Verlegung des vorhandenen oberirdischen Bahnhofs unter die Erde vorrangig mit dem Zweck verbuttert werden, dass eine internationale Bahnstrecke direkt an den Flughafen angebunden wird (der auch bisher schon nach einem bequemen Umstieg auf dem Hauptbahnhof durch eine hochmoderne Nahverkehrsbahn schnell genug zu erreichen ist). Weitere mindestens 1,5 Milliarden Euro soll die Aufrüstung der Fernverbindung nach Ulm kosten, die schließlich (hoffentlich!) eine zeitliche Verkürzung von wenigen Minuten bewirken wird. Zum Schluss, das bleibt wohl zu befürchten, könnten es summa summarum mehr als zehn Milliarden Euro werden, die die Bahn zulasten der Steuerzahler verschwendet.

Ein neues Stadtviertel – wer's glaubt, wird selig

Die Stadt Stuttgart hingegen darf sich dafür in der (trügerischen!) Hoffnung sonnen, dass auf dem frei werdenden Bahngelände ein neues Stadtviertel entstehen wird, das sich eines Tages durch seinen urbanen, also menschen- und nicht investorengerechten Zuschnitt auszeichnen soll. "Wer's glaubt, wird selig", haben wir einstmals als Kinder gesungen. So wird es auch diese Mal sein. Offenen Auges wird hier ein gewaltiger Betrag an Steuermitteln für kaum nennenswerte, überwiegend nur bahntechnische Zwecke, sprich: nutzlos, versenkt.

S 21 soll viel Platz für ein neues Viertel schaffen.
S 21 soll viel Platz für ein neues Viertel schaffen.

Das Geld könnten wir an anderer Stelle unseres Gemeinwesens wahrlich dringend gebrauchen: im Bildungswesen oder für die Verkehrsinfrastruktur, für die gezielte Förderung von Innovationen oder für den Umbau der Energieversorgung – ganz zu schweigen davon, dass beispielsweise bei dem dramatischen Ringen um die weitere Zugehörigkeit Griechenlands zur Eurozone und damit im Kern sogar um die Zukunft der Europäischen Union deutlich geringere Kreditbeträge gelegentlich eine zumindest mitentscheidende Rolle gespielt haben sollen. Weit schlimmer noch, die überwiegende Mehrzahl aller derjenigen, die politische Verantwortung tragen, wusste – und weiß – das ganz genau. Doch anstatt offen einzuräumen, dass man sich geirrt hat, hat man, koste was es wolle, lieber den Weg gewählt, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

Inzwischen sind schon so viele bauliche Fakten geschaffen, dass niemand mehr ernsthaft an einen Abbruch des Vorhabens denken kann. Und in der Tat gibt es ja genügend Beispiele dafür, wie schnell Gras über einen Skandal wachsen kann, bevor sich eines fernen Tages herausstellt, welche Fehlentscheidungen früher einmal getroffen worden sind und wer sie zu verantworten hatte. Haftbar dafür kann dann in der Regel niemand mehr gemacht werden – weder moralisch noch gar rechtlich ...

Dahinter aber verbirgt sich eben weit mehr als ein weiterer Beitrag zu der ohnehin unübersehbaren Zahl von Kommentaren zu einem Bahnhofsprojekt von letzten Endes gewiss nur eher provinzieller Bedeutung (und insofern eher vergleichbar mit der Hamburger Elbphilharmonie als mit dem Hauptstadtflughafen BER, einem Projekt, dem ja doch wohl ein gewisser nationaler Rang nicht abzusprechen ist). Denn was wird wohl geschehen, wenn der weitere Fortschritt des Projektes die Beteiligten – allen voran die Leitung der Bahn – zum Offenbarungseid zwingen sollte, indem sie zugeben müssten, dass (direkt oder indirekt) noch einmal zusätzliche Steuermittel in Millionen- oder gar Milliardenhöhe anfallen werden?

Mir jedenfalls raubt das alles den Schlaf

Als Begründung wird dann herhalten, dass der Schaden nicht vorhersehbar gewesen und eine Umkehr ohnehin nicht mehr möglich gewesen sei. Wohlgemerkt: Trotz noch so großer Sorgfalt bei der Planung ist es tatsächlich unvermeidlich, dass unvorhersehbare Umstände eintreten, die ein derartig großes Projekt zum Schluss verteuern. So konnte und kann man zum Beispiel in letzter Zeit fast den Eindruck haben, dass es hierzulande fast nach Art einer Mafia eine mächtige Interessengruppe gibt, die allerorten massive Verstöße gegen die gesetzlichen Brandschutzauflagen entdeckt und dadurch kostenreiche zusätzliche Aufwendungen auslöst. Doch mit solchen Kostenüberschreitungen muss eben von vornherein gerechnet werden. Deswegen geht es hier nicht um spezifische Planungsfehler, die allein der Bahn zuzurechnen wären – sondern einzig und allein darum, ob die Beteiligten wenigstens irgendwann einmal fähig sein werden, die Folgen solcher Versäumnisse für die Glaubwürdigkeit des politischen Führungspersonals und die Gefahren zu erkennen, die sich daraus für die Lebensfähigkeit unseres demokratisch organisierten Staatswesens ergeben.

Mir jedenfalls raubt das alles den Schlaf, nicht nur als Mitglied der SPD, sondern als Bürger unserer Republik. Der Bevölkerung – und damit den Wählerinnen und Wählern – ist von Anfang an nicht die Wahrheit gesagt worden. Zu Anfang hatte Stuttgart 21 ja viele von uns überzeugt – mich selbst eingeschlossen. Nach dem Scheitern des unseligen Experiments mit der Magnetschwebebahn galt das Vorhaben als strahlender Beleg für die deutsche Fähigkeit zur Modernisierung. Später meinte sogar die um solche Sprüche nie verlegene Bundeskanzlerin, dass das internationale Standing der Bundesrepublik unmittelbar mit der zügigen Realisierung des Projekts verknüpft sei.

Keine Glaubwürdigkeit ohne den Mut zur Wahrheit

Genau wie die nach der Neuwahl der grün-roten Landesregierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann durchgeführte Volksentscheidung, deren Ergebnis schließlich den Startschuss zur Realisierung des Vorhabens auslöste, beruhte das alles jedoch auf schlankweg erlogenen Behauptungen: Alle Eingeweihten wussten, dass die Kostenvorgaben zum Schluss weit übertroffen werden müssten – und doch hatte niemand den Mut, offen die Wahrheit einzugestehen. Darum – und nur darum – geht es mir hier. Das Misstrauen gegenüber allen denjenigen, die öffentliche Verantwortung tragen, greift täglich stärker um sich. Glaubwürdigkeit bildet jedoch das unverzichtbare Lebenselixier jeder demokratischen Gesellschaftsordnung.

Dabei weiß ich natürlich, dass keine öffentliche Institution – seien es große Wirtschaftsunternehmen, die Kirchen, die Gewerkschaften oder wer auch immer – noch irgendeine Regierung oder Partei jemals ganz daran vorbeikommen kann, bei ihren Äußerungen auf taktische Abwägungen Rücksicht zu nehmen, wenn es darum geht, der Wahrheit die Ehre zu geben. Doch wer sich darauf verlässt, dass die Menschen ohnehin zu dumm sind, um zu erkennen, wann ihnen die Wahrheit gesagt und wann sie beschwindelt werden, der irrt sich. Auf die Dauer gibt es keine Glaubwürdigkeit ohne den Mut zur Wahrheit – auch dann, wenn sie unangenehm ist und womöglich bei der nächsten Wahl Stimmen kosten könnte.

Und genau in diesem Sinne ist und bleibt das Projekt Stuttgart 21 eben ein Musterbeispiel dafür, wie man öffentliche Glaubwürdigkeit verspielen und damit die Lebensfähigkeit der demokratischen Grundordnung weiter aufs Spiel setzen kann.

 

Das Buch "Eingemischt! Zwischenrufe eines älteren Herrn" erscheint am 26. Oktober im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer.

Am Mittwoch, den 18. November, 19.30 Uhr, spricht Edzard Reuter mit Boris Palmer und Wieland Backes übers "Einmischen und Unbequemsein und Standhalten" im Stuttgarter Haus der Wirtschaft.


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Kommentare

planb, 27.10.2015 15:09
@ Fred - so ein Quatsch!
Reuter hat nie und nimmer 20 Millarden versenkt. So teuer wird der S21-Scheiss inklusive Neubaustrecke kosten.
Höchstwahrscheinlich hat er nicht mal 1 Millarde versenkt.
Das hat nur Grube bei Daimler geschafft (wir erinnern uns: Daimler-Crysler).
Haha selten so gelacht!

Jochen Siegel, 27.10.2015 15:05
So sehr zu begrüßen ist, dass Edzard Reuter nun auch in einem Buch seine kritische Haltung zu Stuttgart 21 öffentlich macht, so sehr zeigt diese längst überfällige sehr deutliche Analyse auch ganz grundlegende Probleme in dem allgemeinen politischen Handeln auf, nicht zuletzt in Edzard Reuters eigenem Verhalten. Es klingt nach Ausrede, wenn Reuter sagt, dass aufgrund der für jederman ersichtlichen Fehlplanung nicht zwingend war, eine weitere Stimme - seine eigene - hinzuzufügen. Gerade seine, nach Möglichkeit im Zusammenschluss mit anderen gewichtigen
Stimmen, man denke an Eppler, Spöri Conradi und manch anderes prominentes SPD - Mitglied, hätte SPD- intern und damit ganz entscheidend die unreflektierte, Lobbygesteuerte (?) Pro- Stimmung in der SPD beeinflussen können. Was ist das für eine falsch verstandene Solidarität, wenn man das, was man, wie er richtig sagt, mit "Skandal" in seiner ungeheuerlichen Dimension nur unzureichend beschreiben kann, ohne "Aufstand" hinnimmt. Hat er seiner Partei mit dieser Zurückhaltung gedient, seiner Partei, die gerade aufgrund dieser Politik seit Jahren immer nur auf dem absteigenden Ast ist?
Diese Solidarität, man muss in diesem Zusammenhang den Fraktionszwang bei der Abstimmung im Stuttgarter Gemeinderat nennen, oder noch negativer die rein partei- und machtpolitischen statt sachbezogenen Vorgaben von "oben", sind als Ursache zu nennen, wenn ein Projekt wie Stuttgart 21 so wider alle Vernunft und wider besseres Wissen seinen
verheerenden Lauf nehmen kann. Ohne diesen Fraktionszwang - zu viele in der SPD lehnen das Projekt ab - gäbe es Stuttgart 21 heute nicht. Da wird Solidarität zur Untugend.
Man hätte sich gewünscht, dass Edzard Reuter seine Unabhängigkeit, sein kritisches Bewußtsein, seine Prominenz mit mehr Nachdruck und vor allem sehr viel früher genutzt hätte.

Jochen Siegel
73765 Neuhausen

Fred Heine, 25.10.2015 20:44
"Rudolf Reibeisen, 25.10.2015 11:46
Klar - die schnelle Taktik der Proler: Ezard Reuter angreifen und als Person madig machen. Inhaltlich haben Proler nix zu bieten."

Ob "Proler" inhaltlich was zu bieten haben, hängt leider auch vom Autismus der S21-Gegner ab. In keiner Diskussion zu einem anderen Thema ist es mir so deutlich geworden, dass Menschen in einer Diskussion ihre Gegenseite komplett gedanklich ausschalten können. Viele S21-Gegner sind gar nicht mehr in der Lage, sich in ihr Gegenüber und seine Gedankenwelt hineinzuversetzen. Argumente gegen ihre eigene Position wollen und können sie gar nicht mehr wahrhaben. Weil viele Gegner Inhalte gar nicht mehr sehen wollen, sind sie der Ansicht, es gäbe sie nicht.
Nun, mir ist das mittlerweile auch wurscht. Wozu soll ich mich mit Autisten streiten ...

invinoveritas, 25.10.2015 16:12
@ by-the-way


setzen, sechs.

am 21.10 um kurz vor mitternacht schrieben Sie: "Ein Paradebeispiel dafür ist der (noch) amtierende Ministerpräsident Kretschmann, der die irrsinnige Ansicht hat, 'in der Demokratie zähle nur MEHRHEIT, NICHT Wahrheit'."

davon abgesehen ist Ihr politiker-bashing a) in dieser pauschalität unberechtigt und b) in diesen ewigen wiederholungen furchtbar öde. könnten Sie denn diese zerkratzte platte nicht mal wegräumen, in unser aller interesse?

Rudolf Reibeisen, 25.10.2015 11:46
Klar - die schnelle Taktik der Proler: Ezard Reuter angreifen und als Person madig machen.

Inhaltlich haben Proler nix zu bieten. Hatten sie auch noch nie. Leider sitzen solche unanständigen Lügner aber oft auf den "Pöstchen". Viele fallen halt einfach auf Blender und Lügner herein. Das ist einer der Gründe für diese Misere.

M. Stocker, 24.10.2015 23:34
@Fred Heine:

Herr Grube wird ihn locker übertreffen. Wenn er es nicht schon geschafft hat. Er wird Herrn Schrempp UND Herrn Reuter zusammen übertreffen. Im Milliardenversenken, nicht nur mit S21. Er hat das schließlich bei Daimler gelernt.

Fred Heine, 24.10.2015 17:26
Edzard Reuter hat in seinem Leben als Unternehmensführer alleine mehr Geld versenkt, als S21 je kosten wird.

Gottfried Ohnmacht-Neugebauer, 24.10.2015 13:01
Wenn Edzard Reuter schreibt:
"Inzwischen sind schon so viele bauliche Fakten geschaffen, dass niemand mehr ernsthaft an einen Abbruch des Vorhabens denken kann."
Dann versucht er mit einem Federstrich alle Argumente vom Tisch zu wischen.

Doch, mit jedem Tag, an dem das widersinnige Projekt Stuttgart 21 weitergeht, wird weiterer Schaden angerichtet. Die einzige vernünftige Lösung ist es, dieses Projekt umgehend zu stoppen. Je länger der Projektabbruch hinausgezögert wird, desto schlechter ist es für die Menschen, für die Natur und auch für die Wirtschaft.

http://www.parkschuetzer.de/statements/186247

Müller, 23.10.2015 07:21
@invinoveritas.
Zu1)
Man kann natürlich keine Behauptungen widerlegen, deren Bauabschnitte in der Zukunft liegen. Aber jeder Tag Baufortschritt schickt eine Gegnerbeauptung ins Reich von 1001 Nacht.
Das Technikgebäude ist gebaut ohne die Statik des HBF zu gefährden, der unbaubare Düker ist halt ein Abwasserkanal der keinem Techniker ein Schweißtröofle auf die Stirn treibt und wird einfach gebaut. Der Tiefbahnhof ist im Bau. Es hat sich tatsächlich ein Unternehmen gefunden. Es wurdem in diesem Jahr fast 10km Tunnelvortrieb in der Stadt gemacht. Teilweise wenige Meter unter Gebäuden hindurch. Max Setzungen im mm Bereich. Und seit der letzten Woche wissen wir Dank Kontext: dass es hellen Beton gibt....
Und über die Kleinigkeiten wie den märchenhaften Teilnehmerzahlen oder der Tatsache, dass die Gegner eben nicht die Mehrheit stellten oder stellen muss man ja zum Glück auch nicht mehr diskutieren, oder?
Jeden Tag entsteht ein Wenig Realität und es platzt eine Prophezeiung. Und da wir alle unser Städtle lieben, sind wir doch auch froh, dass es so ist, oder?
Ich bin so gestrickt, dass ich mich über einen reibungslosen Bauablauf bei K21 freuen würde. Wenn dieses riesige Solardach so trivial wäre wie ein Abwasserkanal. Aber das Volk hat anders entscheiden.
Zu den Kosten 2)
Wir leben in einer Zeit in der das Geld virtuell ausgegeben wird. Hunderte Mrd für Banken, Griechenland etcpp. Den Schwaben freut es einfach wenn man was bleibendes fürs Held bekommt. Bei S21: 4 neue Bahnhöfe, Parkerweiterung und neue Stadtteile in bester Lage und einen komplett modernisierten Bahnknoten.
6,5 oder wegen mir 10 mrd... Es bleibt ein Schnäple. Die Oper (nur Sanierung) kostet 600 mio und K21 war ohne Kostensteigerungen mit mnd 2,5 mrd veranschlagt.
Zu3)
Sie haben in diesem Punkt Recht. Habe mich halt vom Forumsniveau runterziehen lassen.
PS: Ihr Kommentar zu Kretschmann's Wahrheits-Aussage trifft den Nagel auf den Kopf.

by-the-way, 22.10.2015 20:46
@ invino:

Zitat:
"das fängt schon an mit einer manipulation: kretschmann hat nie gesagt, wahrheit "zähle" nichts in der demokratie. sondern: in der demokratie werde über die mehrheit e n t s c h i e d e n, nicht über die wahrheit. das ist etwas sehr anderes."

Ich habe nie behauptet, Kretschmann habe gesagt, die Wahrheit zähle nichts in der Demokratie.

Wobei "es fängt schon an mit einer Manipulation" völlig zutrifft:
Herr Kretschmann hat VOR der Volksabstimmung die Wahrheit manipuliert - beispielsweise durch Nichtstun, den Lügnern die Oberhand zu lassen. Er hat sich auch mit einer eigenen, unmißverständlichen, Positionierung NACH der Landtagswahl seltsam zurückgehalten.

Und nicht zu vergessen:

es war Herr Kretschmann, der Herrn Geissler für die sogenannte "Schlichtung" Tür und Tor geöffnet hat.
Ich unterstelle, daß er mit voller Berechnung, das "trojanisches Pferd" in die Stadt gebracht hat.

Und noch weniger zu vergessen:

auch Herr Kretschmann war am 30.09.2010 im Park, es gibt Aufnahmen, die ihn telefonierend zeigen.

Was ich bis heute vermisse, sind Zeugenaussagen von Herrn Kretschmann bei den Gerichtsprozessen, die im Zusammenhang mit dem 30.09. gelaufen sind.
Er hat auch keine Strafanzeige gestellt, obwohl er persönlich die Geschehnisse vor Ort gesehen hat... -Fehlanzeige!

Auch wer durch reine Untätigkeit der Wahrheit nicht dient und diese dadurch in Lügengespinsten ersticken lässt, macht sich, als Politiker, SCHULDIG bei der Beschädigung und Abbau eines demokratischen Systems.

Durch den, folgerichtigen, Vertrauensverlust in "parlamentarische Volksvertretungs"strukturen wurde hier, zudem, ein immenser, nachhaltiger Schaden, angerichtet.

Die blanke Verachtung haben sich diese Spezies von Volks"vertretern" , durch ihr unredliches Handeln mehr als verdient!
Allein diese aufgeführten Fakten sollten ausreichen, um zu verstehen, das der Satz:

"Mehrheit - nicht Wahrheit!"

unmißverständlich genau so zu interpretieren ist.

Einem Politiker ist es schließlich gleichgültig, ob die Mehrheit nur durch LÜGEN erlangt werden konnte.

Da heiligt der Zweck die Mittel !!!

invinoveritas, 22.10.2015 15:19
herr reuter war nie in der cdu und politiker auch nicht. sondern immer nur einfaches spd-mitglied. und seine bausünden sind auch nicht so recht überliefert. wie fern der heimat ist der herr fernderheimat?

und wie so viele vermeintlich kritische zeitgenossen will wiederum by-the-way einfach nicht kapieren, was kretschmann gemeint hat. oder richtiger: er will ihn missverstehen.
das fängt schon an mit einer manipulation: kretschmann hat nie gesagt, wahrheit "zähle" nichts in der demokratie. sondern: in der demokratie werde über die mehrheit e n t s c h i e d e n, nicht über die wahrheit. das ist etwas sehr anderes.
denn gemeint waren damit natürlich nicht die politische debatte, der politische alltag, sondern wahlen und volksentscheide wie jener zu s21.

das aber ist keine unanständige haltung, sondern eine pragmatisch-sozialverträgliche. sie will verhindern, dass wahlverlierer in der überzeugung, dass die wahrheit nicht gegen die lüge unterliegen darf, wahlergebnisse nicht akzeptieren und so lange auf wahlen bestehen, bis ihre wahrheit den ihr zustehenden sieg errungen hat. danach beharrt die neue minderheit auf ihrer wahrheit. so etwas hält aber kein gemeinwesen aus.

diese nachvollziehbare position hat kretschmann nach dem volksentscheid leider umgedeutet zu einem persilschein fürs nichtstun bei s21. um ärger zu vermeiden und stimmen zu gewinnen in der sogenannten bürgerlichen mitte, hat er jeglichen widerstand gegen das irrsinnsprojekt aufgegeben zugunsten einer unkritischen begleitung.
dazu hätte ihn der oben beschriebene grundsatz aber mitnichten verpflichtet.

Oberham, 22.10.2015 10:59
schrieb´s wie viele Andere in 2013https://oberham.wordpress.com/2013/03/05/das-s21-x-dekaden-happening/

.... im Grunde ist unser Gemeinwesen nach wie vor ein schlichte Spielwiese für Menschenschinder - S21 ist nur eine Episode von unzähligen, wenn auch eine besonders dreiste.

Tja, warum laufen die Schäfchen immer ihren Leithammeln hinterher?

Michael Weber, 22.10.2015 10:14
"Auf die Dauer gibt es keine Glaubwürdigkeit ohne den Mut zur Wahrheit – auch dann, wenn sie unangenehm ist und womöglich bei der nächsten Wahl Stimmen kosten könnte." Das ist ein Mythos, den auch Edzard Reuter füttert.

Ich glaube nicht, daß unseren Politikern der "Mut" fehlt, das Scheitern der S21-Pläne einzugestehen. Sie spielen nur die ihnen zugewiesene Rolle im großen Monopoly "Wer hat das Sagen in unserer Stadt?", nämlich im Täuschen und Vertuschen der wahren Hintergründe für derartige Projekte. Die eigentlichen Strippenzieher sitzen eher im Verborgenen und sorgen dafür, daß in unserer "wirtschaftskonformen Demokratie" die Gewinne aus derartigen Projekten in den aus ihrer Sicht richtigen Taschen landen.

FernDerHeimat, 22.10.2015 07:39
Herrn Reuter halte ich als "ehemaligen" CDU-Politiker für genauso "vertrauenswürdig" wie Heiner Geißler. Die Bausünden seiner Ära stehen immer noch "beeindruckend" im Raum.

Karsten vom Bruch, 22.10.2015 07:37
Sehr geehrter Herr Reuter. Ich begrüße es sehr, dass Sie in Ihrem Buch Ihre persönliche Haltung zu S21 dokumentieren.
In einem entscheidenden Punkt muss ich Ihnen aber leider widersprechen.
Wenn Sie schreiben:

"Geschwiegen – auch wegen der SPD

Und nicht nur das: dass die zusätzlichen Risiken bei der Umsetzung der vorgelegten Planung in die Realität unübersehbar sind. Da war es wahrlich nicht zwingend, dem lauthals eine weitere Stimme – meine eigene – hinzuzufügen. Daher mein damaliges Schweigen – das zudem darin begründet lag, dass ich der offiziellen Meinung der Partei, der ich seit bald 70 Jahren angehöre und der die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik so viel verdanken, nicht unfair in die Parade fahren wollte."

Ich weiß, dass es unangenehm gewesen wäre, der eigenen Partei in die Parade zu fahren. Aber es wäre sehr wohl zwingend gewesen, Ihre Stimme zu erheben - gerade weil dieses Lügengebäude für Insider so eindeutig erkennbar war, für die Öffentlichkeit aber erfolgreich vernebelt wurde. Es wäre höchste Zeit gewesen, sich als Whistleblower zu Wort zu melden. Sie hätten damit noch nicht einmal Ihre Existenz gefährdet, wie es viele andere Kritiker getan haben. Ich empfehle Ihnen die Lektüre dieses Flyers: http://whistleblower-net.de/pdf/Basisinfo_Whistleblowing.pdf

Darin steht unter anderem:
"Sind Whistleblower illoyal?
Nein! Ganz im Gegenteil. Ihre Loyalität besteht aber zu Werten und nicht zu den illoyal und illegitim Handelnden."

Diese Chance haben Sie leider zum richtigen Zeitpunkt verpasst. Ich persönlich finde, dass das Äußern von Kritik unter Freunden auch eine Form der Wertschätzung ist - gerade weil sie für den Kritisierenden so unangenehm ist, für den Kritisierten aber eine Chance darstellt.

Heute dürfte auch Ihnen klar sein, dass Sie mit Ihrem Schweigen Ihrer Partei - die in dieser Frage übrigens ziemlich gespalten war - und auch der gesamten Demokratie einen Bärendienst erwiesen haben. Das ist nun leider nicht mehr zu ändern. Deshalb würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie sich auch in Zukunft als Politikinsider lauthals zu Wort melden würden und wenigstens dem interessierten Teil unserer Bevölkerung die Fehler und Schwachpunkte unseres demokratischen Systems aufzeigen und erklären würden. Zumindest dafür ist es nicht zu spät. Und wenn Sie sich der oben genannten Definition von Loyalität anschließen könnten, dürfte es Ihnen auch bedeutend leichter fallen. Sie machen sich damit sicher nicht nur Freunde - aber genau so sicher nicht nur Feinde. Vielleicht bemerken Sie auch einfach nur, wie gut es sich anfühlt zur eigenen Position in einer Sache zu stehen und mit Gleichgesinnten das Gefühl zu haben, auf der richtigen Seite zu stehen.

by-the-way, 21.10.2015 23:54
@ invino 21.10. 16.20

... UNGLAUBLICH, sind Sie das wirklich, der hier diesen Kommentar geschrieben hat?!!

Meine 100 %-ige Zustimmung!
Gnadenlos gut!
WEITER SO!

by-the-way, 21.10.2015 23:47
Die "Kernaussage" des Artikels, ich zitiere:

"Alle Eingeweihten wussten, dass die Kostenvorgaben zum Schluss weit übertroffen werden müssten – und doch hatte niemand den Mut, offen die Wahrheit einzugestehen. Darum – und nur darum – geht es mir hier. Das Misstrauen gegenüber allen denjenigen, die öffentliche Verantwortung tragen, greift täglich stärker um sich. Glaubwürdigkeit bildet jedoch das unverzichtbare Lebenselixier jeder demokratischen Gesellschaftsordnung."

Misstrauen.... - und das vollkommen ZU RECHT!

NICHTS gewinnt man schwerer zurück, als verlorenes Vertrauen!

Ein Paradebeispiel dafür ist der (noch) amtierende Ministerpräsident Kretschmann, der die irrsinnige Ansicht hat,
"in der Demokratie zähle nur MEHRHEIT, NICHT Wahrheit!"

Mit dieser Äußerung, die man ihm beständig um die Ohren hauen muss, da grottenfalsch, hat Herr Kretschmann PERSÖNLICH einen gravierenden Beitrag zur Zerstörung der demokratischen Werteordnung geleistet.

Seinen Satz sollte man ihm später auf den Grabstein meißeln!

invinoveritas, 21.10.2015 16:20
@ müller

1. Wie viele von den von Ihnen so genannten "Gegner-Märchen" noch eintreten, wissen Sie doch gar nicht. Oder können Sie hellsehen?
2. Es geht nicht darum, dass die Kosten kontrovers diskutiert wurden, sondern dass von Bauherrenseite mit Kosten operiert wurde, die sie vorsätzlich und wider besseres eigenes Wissen zu niedrig angesetzt hatte. Die Bürger, die zu einem Volksentscheid gerufen werden, müssen aber darauf vertrauen können, dass sie von einem Staatsunternehmen nicht angelogen werden.
3. Ihr Hinweis auf das Geld, das Reuter mit seinem Buch verdient, ist kein Argument, sondern eine ziemlich bescheuerte Lümmelei.
4. Dasselbe gilt für das Bahnprojekt S 21.

gudrun rapp winkler, 21.10.2015 13:47
es ist schade, dass menschen, erst wenn sie nicht mehr in amt und würden sind, den mund aufmachen. so wie collin powel, lwesly clark, die gatekeepers aus israel, einige bundesweh generäle a.d .usw. usf.
vielleicht liegt es auch daran, dass sich so wenig ändert.
schade!

adabei, 21.10.2015 11:37
Genau solche Gähn-Müllers, die noch immer glauben und nicht wissen wollen, sind die, die uns in eine Post-Demokratie führen.

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