KONTEXT Extra:
Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


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 Sogar teamfähig: Clemens Bratzler, der künftige starke Mann beim SWR. Foto: SWR/Alexander Kluge

Sogar teamfähig: Clemens Bratzler, der künftige starke Mann beim SWR. Foto: SWR/Alexander Kluge

Ausgabe 164
Medien

Bratzler soll's bringen

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 21.05.2014
Der Südwestrundfunk (SWR) bekommt eine neue Fernseh-Chefredaktion. Erster Anführer wird der Mainzer Fritz Frey, zweiter der Stuttgarter Aufsteiger Clemens Bratzler. Er soll der starke TV-Mann in der schwäbischen Landeshauptstadt werden, gefördert von der grün-roten Regierung.

Wenn über einen gut geredet wird, was selten genug ist im SWR, dann über Clemens Bratzler. Frisch, forsch, Vollprofi. Der gebürtige Wiesbadener, Jahrgang 1972, Leiter der Wirtschaftsredaktion, wird hoch gelobt ob seiner Talente als Moderator, als Journalist und Führungsfigur. Für einen Hierarchen im Sender besitze er die ungewöhnliche Eigenschaft der Teamfähigkeit, sagen sogar Kollegen. Und er soll, erzählen sie weiter, bisweilen andere Meinungen haben als so manch gut eingerichteter Abteilungsleiter, der auch weiblich sein kann und Grün-Rot immer noch für einen Betriebsunfall hält. Nach der Kür von Christoph Hauser zum Fernsehdirektor (2012) wird Bratzler die zweite Spitzenpersonalie sein, die nicht ins schwarze Schema passt.

Die Chefredaktion in einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt ist wichtig. Sie ist für sämtliche Nachrichten zuständig, die heute rund um die Uhr gesendet werden. Im Südwesten sind das unter anderem "Baden-Württemberg aktuell", die "Landesschau", "Zur Sache Baden-Württemberg", eben alles, was über die "Fallers" hinaus informiert. Das ist nicht die Stärke des SWR, da braucht es Innovation, weshalb zum Beispiel um 19.30 Uhr eine halbe Stunde lang eine Art "Tagesthemen light" präsentiert werden soll. Ab November. Dafür wird schon kräftig geübt, mit mächtig Bammel, weil das eigentlich kaum einer kann. 

Einer wie Bratzler könnte das können. Andererseits muss er auch noch ein Auge auf das Nationale und Internationale werfen. Auf "Brennpunkte", wenn's brennt, auf Features und Dokumentationen für die ARD, auf die Auslandsredaktion und ihre Korrespondenten in Kairo, Genf und Rio, und, ganz wichtig, auf die Kommentare in den ARD-"Tagesthemen". Aus Stuttgart hat das bisher Michael Zeiß gemacht, der noch amtierende, der SPD zugerechnete Chefredakteur. Im Herbst wird der unauffällig gebliebene Zeiß in Rente gehen.

Der Mann mit der Weste – schwarz oder rot?

Nun darf man annehmen, dass es dem ehrgeizigen Bratzler lieber gewesen wäre, gleich richtiger Chef zu werden, aber dagegen spricht die Eigenheit der zweitgrößten ARD-Anstalt. In einem Funkhaus, das aus zwei Ländern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, sendet und sich entsprechend zwei Chefredakteure leistet, muss fein säuberlich darauf geachtet werden, dass die politisch-personelle Balance stimmt. Und da gibt es eben einen Chefredakteur in Mainz, der die älteren Rechte hat und dazu noch für geeignet gehalten wird, den Job in Stuttgart gleich mitmachen zu können. Er heißt Fritz Frey, ist 55 Jahre alt und dem Publikum als Moderator des Politmagazins "Report Mainz" vertraut. Sein Markenzeichen ist die Weste.

Fritz Frey, "Journalist mit Weitblick". Foto: SWR/Alexander Kluge
Fritz Frey, "Journalist mit Weitblick". Foto: SWR/Alexander Kluge

Frey entstammt dem ZDF, wo er Peter Voß und Bernhard Nellessen als "Vertreter eines engagierten TV-Journalismus" kennenlernte, folgerichtig mit ihnen zum Südwestfunk (SWF) zog und später zum SWR. Es war die Zeit der schwarzen Regentschaft nach der Fusion 1998, angeführt von Intendant Voß und seinem Ziehsohn Nellessen, dem Fernsehdirektor, dessen Stil und Seilschaften im Sender gefürchtet waren. Nellessen musste 2013 weichen, auch wegen anhaltender Erfolglosigkeit (Quotentief), verabschiedet mit einem goldenen Handschlag, der dem 55-Jährigen ein gesichertes Auskommen bis zur Rente ermöglicht. Aber er konnte seinem Vertrauten Frey noch die Tür nach Mainz öffnen. Zum Amt des Chefredakteurs, das der "Journalist mit Weitblick" (SWR) seit 2003 bekleidet.

Also nochmals ein Schwarzer? Das ist so eindeutig nicht, weil Frey auch mit der Kurt-Beck-SPD gut konnte, weiterhin mit den Genossen prima verdrahtet ist und sein "Report Mainz" nicht als konservatives Magazin gilt, wie etwa der Münchner "Report". Außerdem hält man es in diesen Kreisen heutzutage, so heißt es, mit der Äquidistanz, also mit gleichem Abstand zu allen. Immerhin: Die Enthüllungsgeschichte über die Leiharbeit bei Daimler lief unter der Ägide von Frey. Will sagen: Der Mann ist Journalist.

Intendant Boudgoust muss seinen Chefredakteur wieder ausladen

Die Frage ist eine andere. Nicht links oder rechts, sondern: kann der das? In Mainz sagen sie Ja. Keiner habe ihn je schreien hören, berichten Mitarbeiter, cholerisch sei er auch nicht, dafür unerschrocken und hoch interessiert. Frey selbst ließ schon vor sechs Jahren wissen, auch an freien Tagen sprängen ihn "10 000 Fragen" an. In Stuttgart meinen viele Nein. Zum Beispiel jene, die unter ihm arbeiten sollen. Als Fernsehdirektor Hauser seinen Frey im März vorstellen wollte, protestierte die Hauptabteilung Information so laut, dass SWR-Intendant Peter Boudgoust den Chefredakteur wieder ausladen musste. Ein einmaliger Vorgang. Die Stuttgarter Nachrichtenversender halten Frey für autoritär, diskussionsresistent, einen Nellessen-Nachfolger und einen Mainzer "Standort-Extremisten". Eine kleine Anekdote gefällig? Bittet ein Abteilungsleiter Frey darum, ihn zu fragen, bevor ihm eine Entscheidung präsentiert wird, blafft Frey zurück: Wenn ein Sumpf ausgetrocknet werden muss, fragt man nicht die Frösche.

So etwas hätte Vorsteher Zeiß nicht zu denken gewagt. Er war keiner, der seine Leute antanzen ließ und zur Minna machte, aber auch keiner, der dem SWR ein Gesicht gegeben hätte. Das kann der Mann mit der Weste besser. Aber das Wunder der Allgegenwart wird auch er nicht vollbringen. Chefredakteur in Stuttgart, Mainz und Baden-Baden, das schafft selbst der mächtig Umtriebige nicht, zumal er sein Politmagazin weiter moderieren will, den Fernsehdirektor vertreten muss und die Bahn noch immer kein Hochgeschwindigkeitsnetz zwischen den Standorten hat. Er selbst sagt dazu aktuell nichts. Die Anfrage von Kontext erreiche ihn zu früh, schreibt Frey, weil die "finale Befassung" durch die Gremien noch ausstehe. Danach gerne.

Chefredakteur Michael Zeiß geht im Herbst in Rente. Foto: SWR/Alexander Kluge/Katharina Flammfur AD: Michael Zeiß. Foto: SWR/Alexander Kluge/Katharina Flamm
Chefredakteur Michael Zeiß geht im Herbst in Rente. Foto: SWR/Alexander Kluge/Katharina Flamm

Das ist formal richtig, weil der SWR-Verwaltungsrat noch zustimmen muss. Er tagt am kommenden Freitag, berät die neue Konstruktion und beschließt sie im Juni. Real ist die Geschichte längst geklärt, nachdem sich Intendant Boudgoust auf Frey festgelegt hat, unter anderem aus Spargründen. Ein Chefredakteur ist billiger als zwei, und, so betont SWR-Sprecher Wolfgang Utz, sogar besser. Mit einer Stimme zu sprechen habe mehr Gewicht in der ARD, sagt er, besser jedenfalls, als immer das "doppelte Lottchen" zu spielen. Das hat im Ersten zu allerlei Irritationen geführt und mit dafür gesorgt, dass der SWR dort keine Geige spielt.

Die Politik hat wieder eifrig am Rad gedreht

Aber wie das so ist bei öffentlich-rechtlichen Anstalten, will natürlich auch die Politik ein Wörtchen mitreden. Dazu ist sie im Verwaltungsrat des Südwestrundfunks zahlreich vertreten, viel zu zahlreich, wenn man nur das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ZDF-Staatsvertrag zugrunde legt. Ein Drittel, so die roten Roben, darf höchstens von der Politik gestellt werden. Beim SWR sieht's so aus: Drei kommen aus den Landesregierungen (Silke Krebs/Grüne, Peter Friedrich/SPD, Jochen Hartloff/SPD), vier aus den Landtagen (Wolfgang Drexler/SPD, Günther-Martin Pauli/CDU, Charlotte Schneidewind-Hartnagel/Grüne, Daniel Köbler/Grüne), einer aus dem Gemeindetag (Roger Kehle/CDU-nahe), eine Landrätin (Theresia Riedmaier/SPD) – macht zusammen neun. Von insgesamt 15. 

In diesem Klub wird über die Spitzenjobs entschieden, bisher streng nach der politischen Farbenlehre. Das ging dann meistens so, dass die Regierung den Anstaltsvorsitzenden stellte und die Opposition froh sein musste, einen Unterchef zu kriegen. Qualifikation nebensächlich. Im Falle Frey war es nicht so schwierig, nachdem ihm journalistisch nicht am Zeug zu flicken ist und er sich, wie im Verwaltungsrat beobachtet wird, "als Linker" verkaufe. Auch der Verweis auf seine Referententätigkeit beim früheren ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser, einem SPD-Nahesteher, fehle nicht. Und die Seilschaft Nellessen? "Schlachten der Vergangenheit", erinnert sich SWR-Sprecher Utz.

Also alles paletti. Mit dem Stellvertreter Bratzler konnten sich die Grünen anfreunden, weil er, ihrer Einschätzung zufolge, mit ihrem Gedankengut nicht fremdelt und schon so manchen schwarz-roten Fürsten abgebürstet hat. Zum Zweiten halten sie ihn für fähig, dem Mainzer Frey zu zeigen, wo Barthel den naturreinen Most holt. Dann wäre Bratzler, wie eigentlich gewünscht, ein richtiger Chefredakteur. Und alle wären glücklich. Außer Frey.


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Kommentare

Hardy Prothmann, 15.09.2014 16:30

Jörg Krauß, 05.06.2014 17:19
Möchte ausdrücklich Herrn Frank zustimmen für seine Ausführungen. Ja, Mensch muss sich solche "Wahlsendungen" nicht anschauen. Dumm nur, das ich keine Wahl habe und den Bild- und Tonbrei auch noch mitfinanziere. Interessant wäre doch, alle 5 Jahre, zur "aktuellen" Sendung auf einem anderen "Dritten" die Sendung von vor 5 Jahren zeitgleich oder auch im Anschluss zu senden. Dann könnte Mensch rein vom Worthülsenakrobatenbusiness doch schon hören und sehen, ob es ausser bei den Prozentzahlen der "Parteien" noch tendenziell Unterschiede in der Aussage und von den Inhalten her (hihi) der sprachgewaltigen (Chef)-Redakteure wie Moderatoren gibt.

Ulrich Frank, 27.05.2014 15:58
@Michael Zeiß, 25.05.2014 15:58
Was zu dieser swr-"Wahlsendung" (25.05, ab 20.15h) - die ich miterleben durfte - zu sagen wäre: sie war auf "fette" Weise unergiebig und erschöpfte sich im Üblichen - mit weiterem Abwärtstrend. Ein Professor wurde hergeholt, der eigentlich gar nichts relevantes beizutragen wußte - wenn ich mich an US-amerikanische Sendungen an Wahlabenden erinnere dann hatte dort ein bloßer Moderator schon mehr Analysefähigkeit. Aber den Professor brauchte mal halt weil so etwas dazugehört. Die Leere der Ideen und der Zeit wird gefüllt. - Dann das weitere Füllmaterial, die völlig überflüssigen Quizfragen mit einem animierten Herrn Oettinger. Sollte wohl lustig sein - war es aber nicht. Zu gewinnen waren halt Eintrittskarten zu einer swr-Veranstaltung - nicht Einsicht. Nur überflüssig bzw. nervig. Ansonsten Standardfragen und das Übliche Hin- und Hergeschiebe von Mikrophonen und Wiedergabe von Eindrücken und Stimmungen - alles sehr oberflächlich. Da vom Inhalt der Sendung wenig Attraktion und Interesse ausging hing der Blick leider (!) (!) zu oft an der Mitmoderatorin in deren Haargestaltung - und Lächeln - Erkenntnisse des Betonherstellers Godel eingeflossen zu sein scheinen. - Wenn das - und die wieder einmal zu spürende Kurzatmigkeit - "professionell" sein soll dann verzichte ich darauf - oder weiß nicht mehr was professionell sein soll.

Beim Sender, Herr Chefredakteur Zeiß, scheint man das schon gar nicht mehr zu bemerken, oder gar nicht bemerken zu müssen! Daß sich die Sendungen von der generellen öffentlich-rechtlichen Wahlberichterstattung nur im Grad unterscheiden - auch dort /breitester/ Raum für die sattsam bekannten Standardreden und -floskeln und -interpretationen von Politikern nach der Verkündigung von Ergebnissen - ist kaum ein Trost.

Da wird der Abhalfterung des Wählers durch die Berichterstattung auch hierzuländle nur noch die Krone aufgesetzt.

H.-J. Schmölling, 26.05.2014 18:44
Da schaue ich mir lieber jede Woche in Bayern3 "quer" mit Christoph Süß an, als den beliebigen Bratzler.
Von dem Wochenmagazin könnte sich der SWR nicht nur eine Scheibe, sondern mindestens 4 Scheiben abschneiden.

Gguentue, 25.05.2014 17:16
"Bratzler soll's bringen" -
Frage: Hat er es denn bislang gebracht ?
Meine Antwort: Nein,
Seine sog. politische Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" schaue ich mir inzwischen nicht mehr an, da unergiebig:

Mein Eindruck ist, dass man in der Redaktion für die meist
aufwändige Dekoration des Studios mehr Zeit ver(sch)wendet als für kritische Recherche.

In der Landesschau wird meist schon "Werbung" für Bratzler-Sendung gemacht, die Beiträge sind aber meist nur oberflächliche Filmchen ohne später tiefergehende Diskussion.

Das Gespräch per Skype ist Plauderei,
richtig kritisch nachfragen tut Bratzler nur, wenn es sich
um unliebsame Minderheit oder bereits "Gefallene" handelt,
mit den Mächtigen legt er sich nicht an .....

Und dieser Mann soll's bringen ??
"Frisch, forsch, Vollprofi" ?
Herr Freudenreich, dieser Meinung bin ich nicht.

Michael Zeiß, 25.05.2014 15:58
Wir sind gerade bei den letzten Vorbereitungen zu unserer großen Wahlsendung. Nix "... gut eingerichteter Abteilungsleiter" und so weiter -hier in der Chefredaktion Stuttgart arbeiten alle ziemlich fett, professionell, unabhängig, und nach ausschließlich journalistischen Kriterien. Wir können Aktuelles! Mal reinschauen, nachher, ab 17.45 Uhr, "Die Wahl bei uns", im SWR-Fernsehen. Michael Zeiß, Chefredakteur.

Oli, 24.05.2014 10:56
@Ulrich Frank
Vielen Dank für Ihren sachverständigen Kommentar.

IX, 24.05.2014 10:55
Tja Didi,dann"lachen"sie mal weiter.Aber nicht ,daß sie sich mal dran verschlucken.

Ulrich Frank, 23.05.2014 17:43
Wie es die abschließenden Absätze des Artikels vorwegnehmen wird sich durch die anstehende Personal-"Reform" des Senders so viel nicht ändern. Wenn überhaupt etwas. Die organisierte, etablierte Wirtschaftsinteressen bevorzugende Politik, letztere darüber hinaus resistent gegen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, führt weiterhin die Fäden, und es kommt immer noch aufs "Nahestehen" zwischen Redakteur und Partei an - darauf, daß Bratzler mit dem Gedankengut der Grünen "nicht fremdelt" (worum soll es sich hier genau handeln: Öko-Ausrichtung, politische Elemente?), etc.

Daß sich also etwas ändert am politischen Hofe von Prinz Boudgoust (mit den hinter ihm stehenden Interessen) ist doch sehr fraglich, auch wenn man von politischen Konstellationen absieht und sich mit Personalien beschäftigt. Ob es dem neuen Chefredakteur gelingen wird das Ruder herumzureißen und von der Kurzatmigkeit der bisherigen Berichterstattung Abschied zu nehmen - in der man sich "lästiger" kontroverser Themen" wie Stuttgart 21 so entledigte wie einer Verstopfung - die hat man gelegentlich aber man versucht sie loszuwerden ohne viel darüber zu reden (und das tun jetzt ja auch die "Grünen") und wünscht sich dabei daß das Thema für unabsehbare Zeit erledigt sei.

Bratzler dürfte leider /zu sehr/ der versierte Profi - eben der "Vollprofi" - sein, für welchen Information eben nur ein Geschäft ist. In diesem Geschäft - am hiesigen Hof - ist er schon lange, und er versteht es, mit ernsthaftem Gesichtsausdruck und leicht melancholischem Blick, Dinge dar- und vorzustellen. Alleine, hinter dem gekonnten, zunächst die Oberfläche bedienenden Moderieren verdrängt das geschäftsmäßig-Routinierte ein tieferes Interesse. Daß es dieses Interesse bei einigen Dingen geben sollte dürfte eigentlich nicht von der Hand zu weisen sein - wie z.B. beim Thema welches viele Bürger nicht nur der Stadt Stuttgart umtreibt obwohl die herrschenden Parteien einschließlich der Grünen es in einem wesentlich OBSZÖNEN, d.h. wichtige Dinge (auch TTIP) kaschierenden WAHLKAMPF strategisch zur Seite gedrängt haben.

Daß es diese wichtigen Themen verdienen u.a. nicht nur kurz, oder in einem "Brennpunkt" dagestellt zu werden - und damit hat das Interesse des Bürgers befriedigt und abgehakt zu sein - sondern sogar mit follow-ups dargestellt werden /müßten/ könnte sogar als vernünftige Forderung erscheinen - eine derartige Behandlung erscheint aber unter Bratzler nicht vorstellbar.

Zumal beim besagten unterdrückten Thema der Landeshauptstadt massivste Interessen auf brutalstmögliche Weise sämtliche Apparate des öffentlichen Interesses (Eba, Gerichte, andere Behörden, Funk, Medien...) verbiegen. Hierzu hatte der künftige Chefredakteur, man sehe sich das in der swr-Mediathek verfügbare Journalistenpanel "Stuttgart 21 und die Medien" vom 30.11.2011 an, vor allem auch eine Portion blasierten ennui vorrätig.

Insofern dürfte bis auf weiteres gelten: Nichts Neues zu erwarten im Süden

Es wäre im übrigen sehr wünschenswert wenn uns die Redakteure der kontextwochenzeitung über die Fortschritte des Abbaus von Vertretern der Politik im swr-Sender - nach Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts - auf dem laufenden halten würde. Denn hier scheint das leider offensichtlich auch straflose Ignorieren auch noch schwächlicher Vorgaben (33% Politikquote) Methode zu haben, vor allem wenn es keine öffentliche Aufmerksamkeit gibt.

Zum Zusammenhang von Journalismus, dort eingebetteten organisierten Wirtschaftsinteressen und massivem Druck (und einer Unterlassungsklage der ZEIT gegen das ZDF) siehe auch den aktuellen telepolis-Artikel: "Leitartikler und Machteliten" (http://www.heise.de/tp/artikel/41/41841/1.html)

Hartmut Hendrich, 22.05.2014 11:10
Didi wer? – Ach, einfach ignorieren
Nachdem es Netztrollen wie „Hans König“, „Peter Leidinger“, „Hannes“ und einigen anderen mehr oder weniger gelungen ist, die Foren in der StZ zur Nonsensveranstaltung umzubiegen, versuchen sie Gleiches auch hier. Der größte Fehler ist es sicher, auf deren, oft an den Haaren herbeigezogenen, „Argumente“ überhaupt einzugehen. Unter diesen Trollen fiel ein gewisser „Didi“ durch besonders sinnfreien, dümmlichen und durch keinerlei Sach- und Fachwissen getrübten Humor auf. Um die, im Allgemeinen, recht anspruchsvolle Diskussionskultur nicht auf deren Niveau ziehen zu lassen, empfiehlt es sich, die Beiträge solcher Spaßvögel bestenfalls kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen, sie ansonsten aber zu ignorieren.
Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scheuffele, 21.05.2014 10:55
was k.... mich solch unsachliche an dem Thema vorbeigehende Kommentare, wie der von Didi an!
Zum glück gibt es noch guten Journalismus wie in der Kontext und es gibt auch gute Journalisten beim SWR und da gehören auf jeden Fall Fritz Frey und Clemens Bratzler, aber auch Wilm Hüffer, Michael Matting oder Harald Kirchner, um nur einige stellvertretend zu nennen dazu.

Kontext:Redaktion, 21.05.2014 09:50
Ach ja, Didi?
Schon mal den Unterschied gelernt zwischen "laut verkünden" und eine berechtigte Frage stellen? Deren Beantwortung für Polizei und Staatsanwaltschaft Stuttgart hochnotpeinlich war!
Die Geschichte hieß "Mappus im Park?"
Fragezeichen!
Die Auflösung ist dann hier nachzulesen:
http://www.kontextwochenzeitung.de/macht-markt/107/mappus-die-dritte-231.html

Didi, 21.05.2014 01:24
"lach". Das K21-Kampfblättlein schwadroniert über guten Journalismus? Ist ja mittlerweile an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Und wann - man gestatte mir die Rückfrage - war Mappus im Park? Wurde doch hier auch laut verkündet. Irgendwie ist das alles so unendlich arm!

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