KONTEXT Extra:
Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


Bahnchef Grube mag Stuttgart 21 nicht mehr

Da rennt der Mann jahrelang rum und erzählt, wie großartig der Tiefbahnhof ist - und jetzt? Jetzt sagt Rüdiger Grube laut "Spiegel": "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht". Nun wird schon spekuliert, ob es vielleicht ein Doppelgänger war, der diesen Satz beim Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen gesprochen hat, oder hier ein Fall von Persönlichkeitsspaltung vorliegt? Aber nein, es war der leibhaftige Grube.

Auf die Reaktionen all seiner Freunde darf man gespannt sein. Vorneweg auf jene seiner Chefin Angela Merkel, die mit S 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verband. Oder auf die von Teufel, Oettinger, Mappus, Gönner usw., die stets vor dem Abseits warnten, sollte der unterirdische Bahnhof nicht kommen. Nur der amtierende Ministerpräsident Kretschmann kann heimlich sagen, dass er auch schon immer dagegen war. (25.11.2016)


S 21: Kein neuer Deal mit der Bahn

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart zeigen der Deutschen Bahn die kalte Schulter und wollen die sogenannte Verjährungshemmungsvereinbarung nicht unterzeichnen. Damit versuchte die Bahn eine frühzeitige Entscheidung darüber zu vermeiden, ob sie eine Beteiligung von Stadt, Land und Region an den Mehrkosten des Milliardenprojekts einklagt. Alle Partner sollten einer Verlängerung der Verjährung für mögliche Ansprüche der Bahn auf zusätzliche Gelder für Stuttgart 21 zustimmen. Für die Stadt Stuttgart schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Verlängerung abzulehnen. Endgültig entschieden wird am 8. Dezember.

"Die Vertragspartner sind der Auffassung, dass die DB Bauherrin ist und dass die Vertragspartner begrenzte und vor allem freiwillige Zuwendungen gewähren", erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den mit der Stadt abgestimmten Standpunkt. Man werde sich "grundsätzlich auch gemeinsam gegen die Bahn verteidigen". Das Land sei mit der Stadt und der Region der Ansicht, "dass es ein falsches Signal wäre, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil die Vertragspartner die Ansprüche der DB für unbegründet halten".

Hermann erwartet jetzt eine vergleichsweise schnell eingereichte Klage, aber "viel länger hätte die DB ohnehin nicht gewartet". Denn bis zu einem letztinstanzlichen Urteil würden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, nach der Prognose des Minister werden aber "in ungefähr drei Jahren die vertraglichen Finanzierungsbeiträge der Vertragspartner erschöpft sein". Im Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 ist der Kostenrahmen inklusive Risikopuffer auf 4,526 Milliarden Euro begrenzt. Bei weiteren Kostensteigerungen sind, unter Nutzung der Sprechklauseln, Gespräche vorgesehen. Im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat den Finanzierungsrahmen auf 6,526 Milliarden Euro erhöht und zugleich die Projektpartner aufgefordert, über weitere Beiträge zu verhandeln. Das lehnen diese allerdings strikt ab. (24.11.2016)


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 Sogar teamfähig: Clemens Bratzler, der künftige starke Mann beim SWR. Foto: SWR/Alexander Kluge

Sogar teamfähig: Clemens Bratzler, der künftige starke Mann beim SWR. Foto: SWR/Alexander Kluge

Ausgabe 164
Medien

Bratzler soll's bringen

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 21.05.2014
Der Südwestrundfunk (SWR) bekommt eine neue Fernseh-Chefredaktion. Erster Anführer wird der Mainzer Fritz Frey, zweiter der Stuttgarter Aufsteiger Clemens Bratzler. Er soll der starke TV-Mann in der schwäbischen Landeshauptstadt werden, gefördert von der grün-roten Regierung.

Wenn über einen gut geredet wird, was selten genug ist im SWR, dann über Clemens Bratzler. Frisch, forsch, Vollprofi. Der gebürtige Wiesbadener, Jahrgang 1972, Leiter der Wirtschaftsredaktion, wird hoch gelobt ob seiner Talente als Moderator, als Journalist und Führungsfigur. Für einen Hierarchen im Sender besitze er die ungewöhnliche Eigenschaft der Teamfähigkeit, sagen sogar Kollegen. Und er soll, erzählen sie weiter, bisweilen andere Meinungen haben als so manch gut eingerichteter Abteilungsleiter, der auch weiblich sein kann und Grün-Rot immer noch für einen Betriebsunfall hält. Nach der Kür von Christoph Hauser zum Fernsehdirektor (2012) wird Bratzler die zweite Spitzenpersonalie sein, die nicht ins schwarze Schema passt.

Die Chefredaktion in einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt ist wichtig. Sie ist für sämtliche Nachrichten zuständig, die heute rund um die Uhr gesendet werden. Im Südwesten sind das unter anderem "Baden-Württemberg aktuell", die "Landesschau", "Zur Sache Baden-Württemberg", eben alles, was über die "Fallers" hinaus informiert. Das ist nicht die Stärke des SWR, da braucht es Innovation, weshalb zum Beispiel um 19.30 Uhr eine halbe Stunde lang eine Art "Tagesthemen light" präsentiert werden soll. Ab November. Dafür wird schon kräftig geübt, mit mächtig Bammel, weil das eigentlich kaum einer kann. 

Einer wie Bratzler könnte das können. Andererseits muss er auch noch ein Auge auf das Nationale und Internationale werfen. Auf "Brennpunkte", wenn's brennt, auf Features und Dokumentationen für die ARD, auf die Auslandsredaktion und ihre Korrespondenten in Kairo, Genf und Rio, und, ganz wichtig, auf die Kommentare in den ARD-"Tagesthemen". Aus Stuttgart hat das bisher Michael Zeiß gemacht, der noch amtierende, der SPD zugerechnete Chefredakteur. Im Herbst wird der unauffällig gebliebene Zeiß in Rente gehen.

Der Mann mit der Weste – schwarz oder rot?

Nun darf man annehmen, dass es dem ehrgeizigen Bratzler lieber gewesen wäre, gleich richtiger Chef zu werden, aber dagegen spricht die Eigenheit der zweitgrößten ARD-Anstalt. In einem Funkhaus, das aus zwei Ländern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, sendet und sich entsprechend zwei Chefredakteure leistet, muss fein säuberlich darauf geachtet werden, dass die politisch-personelle Balance stimmt. Und da gibt es eben einen Chefredakteur in Mainz, der die älteren Rechte hat und dazu noch für geeignet gehalten wird, den Job in Stuttgart gleich mitmachen zu können. Er heißt Fritz Frey, ist 55 Jahre alt und dem Publikum als Moderator des Politmagazins "Report Mainz" vertraut. Sein Markenzeichen ist die Weste.

Fritz Frey, "Journalist mit Weitblick". Foto: SWR/Alexander Kluge
Fritz Frey, "Journalist mit Weitblick". Foto: SWR/Alexander Kluge

Frey entstammt dem ZDF, wo er Peter Voß und Bernhard Nellessen als "Vertreter eines engagierten TV-Journalismus" kennenlernte, folgerichtig mit ihnen zum Südwestfunk (SWF) zog und später zum SWR. Es war die Zeit der schwarzen Regentschaft nach der Fusion 1998, angeführt von Intendant Voß und seinem Ziehsohn Nellessen, dem Fernsehdirektor, dessen Stil und Seilschaften im Sender gefürchtet waren. Nellessen musste 2013 weichen, auch wegen anhaltender Erfolglosigkeit (Quotentief), verabschiedet mit einem goldenen Handschlag, der dem 55-Jährigen ein gesichertes Auskommen bis zur Rente ermöglicht. Aber er konnte seinem Vertrauten Frey noch die Tür nach Mainz öffnen. Zum Amt des Chefredakteurs, das der "Journalist mit Weitblick" (SWR) seit 2003 bekleidet.

Also nochmals ein Schwarzer? Das ist so eindeutig nicht, weil Frey auch mit der Kurt-Beck-SPD gut konnte, weiterhin mit den Genossen prima verdrahtet ist und sein "Report Mainz" nicht als konservatives Magazin gilt, wie etwa der Münchner "Report". Außerdem hält man es in diesen Kreisen heutzutage, so heißt es, mit der Äquidistanz, also mit gleichem Abstand zu allen. Immerhin: Die Enthüllungsgeschichte über die Leiharbeit bei Daimler lief unter der Ägide von Frey. Will sagen: Der Mann ist Journalist.

Intendant Boudgoust muss seinen Chefredakteur wieder ausladen

Die Frage ist eine andere. Nicht links oder rechts, sondern: kann der das? In Mainz sagen sie Ja. Keiner habe ihn je schreien hören, berichten Mitarbeiter, cholerisch sei er auch nicht, dafür unerschrocken und hoch interessiert. Frey selbst ließ schon vor sechs Jahren wissen, auch an freien Tagen sprängen ihn "10 000 Fragen" an. In Stuttgart meinen viele Nein. Zum Beispiel jene, die unter ihm arbeiten sollen. Als Fernsehdirektor Hauser seinen Frey im März vorstellen wollte, protestierte die Hauptabteilung Information so laut, dass SWR-Intendant Peter Boudgoust den Chefredakteur wieder ausladen musste. Ein einmaliger Vorgang. Die Stuttgarter Nachrichtenversender halten Frey für autoritär, diskussionsresistent, einen Nellessen-Nachfolger und einen Mainzer "Standort-Extremisten". Eine kleine Anekdote gefällig? Bittet ein Abteilungsleiter Frey darum, ihn zu fragen, bevor ihm eine Entscheidung präsentiert wird, blafft Frey zurück: Wenn ein Sumpf ausgetrocknet werden muss, fragt man nicht die Frösche.

So etwas hätte Vorsteher Zeiß nicht zu denken gewagt. Er war keiner, der seine Leute antanzen ließ und zur Minna machte, aber auch keiner, der dem SWR ein Gesicht gegeben hätte. Das kann der Mann mit der Weste besser. Aber das Wunder der Allgegenwart wird auch er nicht vollbringen. Chefredakteur in Stuttgart, Mainz und Baden-Baden, das schafft selbst der mächtig Umtriebige nicht, zumal er sein Politmagazin weiter moderieren will, den Fernsehdirektor vertreten muss und die Bahn noch immer kein Hochgeschwindigkeitsnetz zwischen den Standorten hat. Er selbst sagt dazu aktuell nichts. Die Anfrage von Kontext erreiche ihn zu früh, schreibt Frey, weil die "finale Befassung" durch die Gremien noch ausstehe. Danach gerne.

Chefredakteur Michael Zeiß geht im Herbst in Rente. Foto: SWR/Alexander Kluge/Katharina Flammfur AD: Michael Zeiß. Foto: SWR/Alexander Kluge/Katharina Flamm
Chefredakteur Michael Zeiß geht im Herbst in Rente. Foto: SWR/Alexander Kluge/Katharina Flamm

Das ist formal richtig, weil der SWR-Verwaltungsrat noch zustimmen muss. Er tagt am kommenden Freitag, berät die neue Konstruktion und beschließt sie im Juni. Real ist die Geschichte längst geklärt, nachdem sich Intendant Boudgoust auf Frey festgelegt hat, unter anderem aus Spargründen. Ein Chefredakteur ist billiger als zwei, und, so betont SWR-Sprecher Wolfgang Utz, sogar besser. Mit einer Stimme zu sprechen habe mehr Gewicht in der ARD, sagt er, besser jedenfalls, als immer das "doppelte Lottchen" zu spielen. Das hat im Ersten zu allerlei Irritationen geführt und mit dafür gesorgt, dass der SWR dort keine Geige spielt.

Die Politik hat wieder eifrig am Rad gedreht

Aber wie das so ist bei öffentlich-rechtlichen Anstalten, will natürlich auch die Politik ein Wörtchen mitreden. Dazu ist sie im Verwaltungsrat des Südwestrundfunks zahlreich vertreten, viel zu zahlreich, wenn man nur das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ZDF-Staatsvertrag zugrunde legt. Ein Drittel, so die roten Roben, darf höchstens von der Politik gestellt werden. Beim SWR sieht's so aus: Drei kommen aus den Landesregierungen (Silke Krebs/Grüne, Peter Friedrich/SPD, Jochen Hartloff/SPD), vier aus den Landtagen (Wolfgang Drexler/SPD, Günther-Martin Pauli/CDU, Charlotte Schneidewind-Hartnagel/Grüne, Daniel Köbler/Grüne), einer aus dem Gemeindetag (Roger Kehle/CDU-nahe), eine Landrätin (Theresia Riedmaier/SPD) – macht zusammen neun. Von insgesamt 15. 

In diesem Klub wird über die Spitzenjobs entschieden, bisher streng nach der politischen Farbenlehre. Das ging dann meistens so, dass die Regierung den Anstaltsvorsitzenden stellte und die Opposition froh sein musste, einen Unterchef zu kriegen. Qualifikation nebensächlich. Im Falle Frey war es nicht so schwierig, nachdem ihm journalistisch nicht am Zeug zu flicken ist und er sich, wie im Verwaltungsrat beobachtet wird, "als Linker" verkaufe. Auch der Verweis auf seine Referententätigkeit beim früheren ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser, einem SPD-Nahesteher, fehle nicht. Und die Seilschaft Nellessen? "Schlachten der Vergangenheit", erinnert sich SWR-Sprecher Utz.

Also alles paletti. Mit dem Stellvertreter Bratzler konnten sich die Grünen anfreunden, weil er, ihrer Einschätzung zufolge, mit ihrem Gedankengut nicht fremdelt und schon so manchen schwarz-roten Fürsten abgebürstet hat. Zum Zweiten halten sie ihn für fähig, dem Mainzer Frey zu zeigen, wo Barthel den naturreinen Most holt. Dann wäre Bratzler, wie eigentlich gewünscht, ein richtiger Chefredakteur. Und alle wären glücklich. Außer Frey.


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Kommentare

Hardy Prothmann, 15.09.2014 16:30

Jörg Krauß, 05.06.2014 17:19
Möchte ausdrücklich Herrn Frank zustimmen für seine Ausführungen. Ja, Mensch muss sich solche "Wahlsendungen" nicht anschauen. Dumm nur, das ich keine Wahl habe und den Bild- und Tonbrei auch noch mitfinanziere. Interessant wäre doch, alle 5 Jahre, zur "aktuellen" Sendung auf einem anderen "Dritten" die Sendung von vor 5 Jahren zeitgleich oder auch im Anschluss zu senden. Dann könnte Mensch rein vom Worthülsenakrobatenbusiness doch schon hören und sehen, ob es ausser bei den Prozentzahlen der "Parteien" noch tendenziell Unterschiede in der Aussage und von den Inhalten her (hihi) der sprachgewaltigen (Chef)-Redakteure wie Moderatoren gibt.

Ulrich Frank, 27.05.2014 15:58
@Michael Zeiß, 25.05.2014 15:58
Was zu dieser swr-"Wahlsendung" (25.05, ab 20.15h) - die ich miterleben durfte - zu sagen wäre: sie war auf "fette" Weise unergiebig und erschöpfte sich im Üblichen - mit weiterem Abwärtstrend. Ein Professor wurde hergeholt, der eigentlich gar nichts relevantes beizutragen wußte - wenn ich mich an US-amerikanische Sendungen an Wahlabenden erinnere dann hatte dort ein bloßer Moderator schon mehr Analysefähigkeit. Aber den Professor brauchte mal halt weil so etwas dazugehört. Die Leere der Ideen und der Zeit wird gefüllt. - Dann das weitere Füllmaterial, die völlig überflüssigen Quizfragen mit einem animierten Herrn Oettinger. Sollte wohl lustig sein - war es aber nicht. Zu gewinnen waren halt Eintrittskarten zu einer swr-Veranstaltung - nicht Einsicht. Nur überflüssig bzw. nervig. Ansonsten Standardfragen und das Übliche Hin- und Hergeschiebe von Mikrophonen und Wiedergabe von Eindrücken und Stimmungen - alles sehr oberflächlich. Da vom Inhalt der Sendung wenig Attraktion und Interesse ausging hing der Blick leider (!) (!) zu oft an der Mitmoderatorin in deren Haargestaltung - und Lächeln - Erkenntnisse des Betonherstellers Godel eingeflossen zu sein scheinen. - Wenn das - und die wieder einmal zu spürende Kurzatmigkeit - "professionell" sein soll dann verzichte ich darauf - oder weiß nicht mehr was professionell sein soll.

Beim Sender, Herr Chefredakteur Zeiß, scheint man das schon gar nicht mehr zu bemerken, oder gar nicht bemerken zu müssen! Daß sich die Sendungen von der generellen öffentlich-rechtlichen Wahlberichterstattung nur im Grad unterscheiden - auch dort /breitester/ Raum für die sattsam bekannten Standardreden und -floskeln und -interpretationen von Politikern nach der Verkündigung von Ergebnissen - ist kaum ein Trost.

Da wird der Abhalfterung des Wählers durch die Berichterstattung auch hierzuländle nur noch die Krone aufgesetzt.

H.-J. Schmölling, 26.05.2014 18:44
Da schaue ich mir lieber jede Woche in Bayern3 "quer" mit Christoph Süß an, als den beliebigen Bratzler.
Von dem Wochenmagazin könnte sich der SWR nicht nur eine Scheibe, sondern mindestens 4 Scheiben abschneiden.

Gguentue, 25.05.2014 17:16
"Bratzler soll's bringen" -
Frage: Hat er es denn bislang gebracht ?
Meine Antwort: Nein,
Seine sog. politische Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" schaue ich mir inzwischen nicht mehr an, da unergiebig:

Mein Eindruck ist, dass man in der Redaktion für die meist
aufwändige Dekoration des Studios mehr Zeit ver(sch)wendet als für kritische Recherche.

In der Landesschau wird meist schon "Werbung" für Bratzler-Sendung gemacht, die Beiträge sind aber meist nur oberflächliche Filmchen ohne später tiefergehende Diskussion.

Das Gespräch per Skype ist Plauderei,
richtig kritisch nachfragen tut Bratzler nur, wenn es sich
um unliebsame Minderheit oder bereits "Gefallene" handelt,
mit den Mächtigen legt er sich nicht an .....

Und dieser Mann soll's bringen ??
"Frisch, forsch, Vollprofi" ?
Herr Freudenreich, dieser Meinung bin ich nicht.

Michael Zeiß, 25.05.2014 15:58
Wir sind gerade bei den letzten Vorbereitungen zu unserer großen Wahlsendung. Nix "... gut eingerichteter Abteilungsleiter" und so weiter -hier in der Chefredaktion Stuttgart arbeiten alle ziemlich fett, professionell, unabhängig, und nach ausschließlich journalistischen Kriterien. Wir können Aktuelles! Mal reinschauen, nachher, ab 17.45 Uhr, "Die Wahl bei uns", im SWR-Fernsehen. Michael Zeiß, Chefredakteur.

Oli, 24.05.2014 10:56
@Ulrich Frank
Vielen Dank für Ihren sachverständigen Kommentar.

IX, 24.05.2014 10:55
Tja Didi,dann"lachen"sie mal weiter.Aber nicht ,daß sie sich mal dran verschlucken.

Ulrich Frank, 23.05.2014 17:43
Wie es die abschließenden Absätze des Artikels vorwegnehmen wird sich durch die anstehende Personal-"Reform" des Senders so viel nicht ändern. Wenn überhaupt etwas. Die organisierte, etablierte Wirtschaftsinteressen bevorzugende Politik, letztere darüber hinaus resistent gegen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, führt weiterhin die Fäden, und es kommt immer noch aufs "Nahestehen" zwischen Redakteur und Partei an - darauf, daß Bratzler mit dem Gedankengut der Grünen "nicht fremdelt" (worum soll es sich hier genau handeln: Öko-Ausrichtung, politische Elemente?), etc.

Daß sich also etwas ändert am politischen Hofe von Prinz Boudgoust (mit den hinter ihm stehenden Interessen) ist doch sehr fraglich, auch wenn man von politischen Konstellationen absieht und sich mit Personalien beschäftigt. Ob es dem neuen Chefredakteur gelingen wird das Ruder herumzureißen und von der Kurzatmigkeit der bisherigen Berichterstattung Abschied zu nehmen - in der man sich "lästiger" kontroverser Themen" wie Stuttgart 21 so entledigte wie einer Verstopfung - die hat man gelegentlich aber man versucht sie loszuwerden ohne viel darüber zu reden (und das tun jetzt ja auch die "Grünen") und wünscht sich dabei daß das Thema für unabsehbare Zeit erledigt sei.

Bratzler dürfte leider /zu sehr/ der versierte Profi - eben der "Vollprofi" - sein, für welchen Information eben nur ein Geschäft ist. In diesem Geschäft - am hiesigen Hof - ist er schon lange, und er versteht es, mit ernsthaftem Gesichtsausdruck und leicht melancholischem Blick, Dinge dar- und vorzustellen. Alleine, hinter dem gekonnten, zunächst die Oberfläche bedienenden Moderieren verdrängt das geschäftsmäßig-Routinierte ein tieferes Interesse. Daß es dieses Interesse bei einigen Dingen geben sollte dürfte eigentlich nicht von der Hand zu weisen sein - wie z.B. beim Thema welches viele Bürger nicht nur der Stadt Stuttgart umtreibt obwohl die herrschenden Parteien einschließlich der Grünen es in einem wesentlich OBSZÖNEN, d.h. wichtige Dinge (auch TTIP) kaschierenden WAHLKAMPF strategisch zur Seite gedrängt haben.

Daß es diese wichtigen Themen verdienen u.a. nicht nur kurz, oder in einem "Brennpunkt" dagestellt zu werden - und damit hat das Interesse des Bürgers befriedigt und abgehakt zu sein - sondern sogar mit follow-ups dargestellt werden /müßten/ könnte sogar als vernünftige Forderung erscheinen - eine derartige Behandlung erscheint aber unter Bratzler nicht vorstellbar.

Zumal beim besagten unterdrückten Thema der Landeshauptstadt massivste Interessen auf brutalstmögliche Weise sämtliche Apparate des öffentlichen Interesses (Eba, Gerichte, andere Behörden, Funk, Medien...) verbiegen. Hierzu hatte der künftige Chefredakteur, man sehe sich das in der swr-Mediathek verfügbare Journalistenpanel "Stuttgart 21 und die Medien" vom 30.11.2011 an, vor allem auch eine Portion blasierten ennui vorrätig.

Insofern dürfte bis auf weiteres gelten: Nichts Neues zu erwarten im Süden

Es wäre im übrigen sehr wünschenswert wenn uns die Redakteure der kontextwochenzeitung über die Fortschritte des Abbaus von Vertretern der Politik im swr-Sender - nach Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts - auf dem laufenden halten würde. Denn hier scheint das leider offensichtlich auch straflose Ignorieren auch noch schwächlicher Vorgaben (33% Politikquote) Methode zu haben, vor allem wenn es keine öffentliche Aufmerksamkeit gibt.

Zum Zusammenhang von Journalismus, dort eingebetteten organisierten Wirtschaftsinteressen und massivem Druck (und einer Unterlassungsklage der ZEIT gegen das ZDF) siehe auch den aktuellen telepolis-Artikel: "Leitartikler und Machteliten" (http://www.heise.de/tp/artikel/41/41841/1.html)

Hartmut Hendrich, 22.05.2014 11:10
Didi wer? – Ach, einfach ignorieren
Nachdem es Netztrollen wie „Hans König“, „Peter Leidinger“, „Hannes“ und einigen anderen mehr oder weniger gelungen ist, die Foren in der StZ zur Nonsensveranstaltung umzubiegen, versuchen sie Gleiches auch hier. Der größte Fehler ist es sicher, auf deren, oft an den Haaren herbeigezogenen, „Argumente“ überhaupt einzugehen. Unter diesen Trollen fiel ein gewisser „Didi“ durch besonders sinnfreien, dümmlichen und durch keinerlei Sach- und Fachwissen getrübten Humor auf. Um die, im Allgemeinen, recht anspruchsvolle Diskussionskultur nicht auf deren Niveau ziehen zu lassen, empfiehlt es sich, die Beiträge solcher Spaßvögel bestenfalls kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen, sie ansonsten aber zu ignorieren.
Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scheuffele, 21.05.2014 10:55
was k.... mich solch unsachliche an dem Thema vorbeigehende Kommentare, wie der von Didi an!
Zum glück gibt es noch guten Journalismus wie in der Kontext und es gibt auch gute Journalisten beim SWR und da gehören auf jeden Fall Fritz Frey und Clemens Bratzler, aber auch Wilm Hüffer, Michael Matting oder Harald Kirchner, um nur einige stellvertretend zu nennen dazu.

Kontext:Redaktion, 21.05.2014 09:50
Ach ja, Didi?
Schon mal den Unterschied gelernt zwischen "laut verkünden" und eine berechtigte Frage stellen? Deren Beantwortung für Polizei und Staatsanwaltschaft Stuttgart hochnotpeinlich war!
Die Geschichte hieß "Mappus im Park?"
Fragezeichen!
Die Auflösung ist dann hier nachzulesen:
http://www.kontextwochenzeitung.de/macht-markt/107/mappus-die-dritte-231.html

Didi, 21.05.2014 01:24
"lach". Das K21-Kampfblättlein schwadroniert über guten Journalismus? Ist ja mittlerweile an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Und wann - man gestatte mir die Rückfrage - war Mappus im Park? Wurde doch hier auch laut verkündet. Irgendwie ist das alles so unendlich arm!

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