KONTEXT Aktuelles:
Wasserwerfer-Prozess eingestellt

Mi., 26. 11. 2014: Der Prozess gegen zwei Einsatzleiter der Polizei im Zusammenhang mit der gewaltsamen Räumung des Stuttgarter Schlossgartens für das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist nach fünf Monaten eingestellt worden. Den beiden Angeklagten war als Kommandanten über eine Wasserwerferstaffel fahrlässige Körperverletzung im Amt vorgeworfen worden. Schon seit Tagen war spekuliert worden, dass das Verfahren wegen geringer Schwere der Schuld der Angeklagten gegen eine Geldstrafe von 3000 Euro eingestellt wird. 


Tiefbahnhofgegner müssen draußen bleiben

Di.,25.11.2014: Die "Demos gegen Stuttgart 21" dürfen nicht in der Kopfbahnsteighalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs stattfinden. Die vom städtischen Ordnungsamt angeordnete Verlegung dieser Versammlungen in die Lautenschlagerstraße ist rechtmäßig. Das hat der 1. Senat des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (VGH) entschieden und damit einen gleichlautenden Beschluss des Verwaltungsgerichts Stuttgart bestätigt. Als Gründe wurden Sicherheitsbedenken und erwartbare "gravierende Störungen des Reiseverkehrs" genannt.


Stuttgarter Friedenspreis 2014 an Edward Snowden

Mo., 24.11.2014: Deutschland soll ein Whistleblower-Gesetz bekommen, das Enthüller von Unrecht und Machtmissbrauch schützt; Geheimdienste sollen demokratisch kontrolliert werden. Politische Forderungen, die vom Stuttgarter Friedenspreis 2014 ausgehen, der am Sonntag an Edward Snowden verliehen wurde. Formuliert von taz-Chefredakteurin Ines Pohl und Constanze Kurz vom Chaos-Computer-Club.
Per Liveschaltung aus Moskau rief der NSA-Enthüller dazu auf, weiter gegen Überwachung durch Geheimdienste vorzugehen: Wenn man im Kampf gegen den Terrorismus die Privatsphäre aller aufgebe, bedeute dies das Ende der Demokratie.

Die KONTEXT-Beiträge:
Friedenspreis-Laudatio von Ines Pohl: http://ow.ly/EM4H4
Interview mit Constanze Kurz: http://ow.ly/EM4VA


Gericht lässt S-21-Gegner nicht in Bahnhof

Fr., 21.11.2014: Die kommende Montagsdemo gegen Stuttgart 21 (sowie an zwei weiteren Montagen im Dezember) darf nicht in der großen Bahnsteighalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs stattfinden. Das Verwaltungsgericht bestätigte eben den ablehnenden Bescheid des städtischen Ordnungsamts. Anders als beim sogenannten "Fraport"-Urteil, das die Terminals des Frankfurter Flughafens für Protestaktionen öffnete, stuft das hiesige Verwaltungsgericht die Stuttgarter Bahnsteighalle nicht als öffentlichen Ort zum Verweilen ein. Vielmehr sei die Halle funktionsorientiert und vor allem ein Zugang zu den Bahnsteigen. Die Demo-Organisatoren versuchen nun per Eilantrag beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim sich Zutritt zur Bahnhofshalle zu verschaffen. Mit einer Entscheidung ist erst am kommenden Montag zu rechnen.


Wasserwerferprozess vor Ende

Fr., 21.11.2014: Der Wasserwerfer-Prozess vor dem Landgericht Stuttgart ist so gut wie zu Ende. Nach Informationen von Kontext:Wochenzeitung haben Staatsanwaltschaft und Verteidiger bereits einem Vorschlag der 18. Großen Strafkammer zugestimmt, das Verfahren gegen die beiden angeklagten Polizeibeamten Andreas F. und Jürgen von M-B. gegen Zahlung einer Geldauflage von jeweils 3000 Euro einzustellen. Rechtliche Grundlage dafür ist der Paragraph 153a der Strafprozessordnung, der Verfahrenseinstellungen zulässt, wenn von geringer Schuld auszugehen ist. Mehr als eine solche hat das Gericht nach 23 Verhandlungstagen seit Prozessbeginn im Juni bei den Angeklagten offenbar nicht erkennen können. Die Anklage hatte ihnen vorgeworfen, sie hätten nicht verhindert, dass bei dem Polizeieinsatz am 30. September 2010 im Stuttgarter Schlossgarten insgesamt neun Personen durch Wasserwerfer am Kopf getroffen und teils schwer verletzt worden sind. Zwar muss vor Einstellung des Verfahrens die Nebenklage noch gehört werden, jedoch handelt es sich dabei um einen formalen Akt, der nichts mehr ändern wird. Die Anwälte der Nebenkläger haben angekündigt, sich am kommenden Sonntag öffentlich äußern zu wollen - symbolträchtig am Ort des Geschehens: auf dem Feldherrn-Hügel im Mittleren Schlossgarten ab 12 Uhr. 


Gericht urteilt, wo S21-Montagsdemos stattfinden

Do., 20.11.2014: Die Montagsdemos gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 sind wieder Verhandlungssache. Die Demo-Organisatoren haben das Verwaltungsgericht angerufen, nachdem die Stadt den beantragten Versammlungsort für die 248. Auflage am kommenden Montag verweigert hat. Die S21-Gegner wollten erstmals direkt "vor Ort" offiziell demonstrieren, nämlich in der Bahnsteighalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Auch am 1. und 22. Dezember wollen sie in dem denkmalgeschützten, für den geplanten Tiefbahnhof bereits teilabgerissenen, Bonatz-Bahnhofsbau Flagge zeigen. Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

Streit gibt es auch um die 250. Montagsdemo am 10. Dezember, die nach dem Willen der Organisatoren auf der Schillerstraße vor dem Hauptbahnhof stattfinden soll. Auch dies wurde von der Stadt mit Hinweis auf den zusätzlichen Weihnachtsverkehr abgelehnt. Für die Jubiläumsauflage wurde die Lautenschlagerstraße genehmigt.  


"Der König weint" im Freien Radio Stuttgart

Di., 18.11.2014: "Der König weint" geht im Freien Radio Stuttgart (FRS) auf Sendung. Am Mittwoch (19.11.14) stellt Herausgeber Wilhelm Reschl von 17.00 bis 18.00 Uhr das Kontext:Buchprojekt vor. In Stuttgart ist FRS empfangbar auf 99,2 MHz (Antenne) und 102,1 MHz (Kabel).
Mehr zu Buch und Bestellmöglichkeit: http://ow.ly/Es85D


Ex-V-Mann Tino Brandt angeklagt

Fr., 14.11.14: In Ausgabe 171 haben wir über den Ex-V-Mann und ehemaligen NPD-Spitzenfunktionär Tino Brandt berichtet. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelte zu diesem Zeitpunkt gegen ihn wegen des Verdachts auf Zuhälterei und sexuellen Missbrauch. Jetzt haben die Staatsanwälte den ehemaligen NPD-Funktionär angeklagt wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen, Förderung der Prostitution und Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen. Es geht um insgesamt 157 Fälle.

Mehr dazu hier: www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-11/tino-brandt-anklage-sexueller-missbrauch

Hintergründe von Nazi-Experte Anton Maegerle zu Tino Brandt: www.kontextwochenzeitung.de/politik/171/staatlich-finanzierter-neonazi-und-kinderschaender-2315.html


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Ausgabe 105
Zeitgeschehen

Stuttgarter Kindsmord

Von Hermann G. Abmayr
Datum: 03.04.2013 (Update: 15.07.2014)
Gewaltsam hat der Arzt die kleine Gerda, die an einer spastischen Lähmung litt, entführt und in die Stuttgarter "Kinderfachabteilung" gebracht, wo sie getötet wurde. Euthanasie, schöner Tod, nannten die Nazis das. Ein Tabuthema – auch in den Nachkriegsjahrzehnten.

NS-Propagana begleitete den Mord an Behinderten. Zeitschrift: Volk und Rasse, 1936

Über sechs Jahrzehnte konnte die 1916 geborene Berta Metzger mit niemandem darüber sprechen. Erst 2009, kurz vor ihrem Tod, hat sie Matthias-Herbert Enneper ihre Geschichte anvertraut. Ihr einziges Kind, das Ende November 1939 in der Gemeinde Flacht – heute ein Ortsteil von Weissach bei Stuttgart – zur Welt kam, war von Geburt an behindert. 

Berta Metzger hatte Gerda nicht in ein Heim bringen wollen, sondern sich zu Hause um ihr Kind gekümmert. "Das darf man nicht", sagten ihr die Leute damals. "Du wirst schon sehen." Das Mädchen war vermutlich beim zuständigen Gesundheitsamt in Leonberg als behindert gemeldet worden. Ärzte, Hebammen oder Gemeindekrankenschwestern waren seit 1939 überall im Deutschen Reich verpflichtet, behinderte Kinder (gegen Honorar) zu melden. Dem Tod ging viel Bürokratie voraus. 

Fabrikmäßige Ermordung

1939 hatten die Nazis erstmals in der Geschichte der Menschheit damit begonnen, die fabrikmäßige Ermordung von Menschen vorzubereiten, die zeitweise oder dauerhaft körperlich oder geistig behindert waren. In Grafeneck auf der Schwäbischen Alb begann das Morden dann – lange vor Auschwitz. 1940 wurden dort über 10 000 Menschen, die aus "Heil- und Pflegeanstalten" in grau lackierten Bussen angekarrt worden waren, ermordet. 

Für Kinder und Jugendliche mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, die zu Hause lebten, richtete der NS-Staat dann sogenannte Kinderfachabteilungen ein, in denen sie getötet wurden. Nach neuester Forschung hat es im damaligen Deutschen Reich über 30 derartige Einrichtungen gegeben. Über die genaue Zahl wird noch geforscht. Auch im Städtischen Kinderkrankenhaus in Stuttgart in der heutigen Türlenstraße 22A, die von dem Kinderarzt und Chef des städtischen Gesundheitsamtes, Karl Lempp, geleitet wurde.

Ein Arzt entführt das Mädchen

Eines Tages, so berichtet Berta Metzger Jahrzehnte später, habe sie ein Arzt besucht, der ihre Tochter untersuchen wollte. Das muss Mitte Juli 1943 gewesen sein. Als die Mutter in dem Zimmer, in dem der Mediziner zugange ist, Schreie hört und der Kleinen zu Hilfe eilen will, versperrt ihr der Fahrer des Arztes den Weg. Nach der Untersuchung findet Berta Metzger das Mädchen nackt und völlig verstört in der Ecke sitzend. Als sie wissen will, was geschehen ist, brüllt der Arzt, sie solle das Maul halten und sich von ihrer Tochter verabschieden; sie käme in eine Spezialklinik. Die beiden Männer zerren das Kind die Treppe hinunter und fahren mit ihm davon, ohne zu sagen, in welche Klinik sie die Kleine bringen würden.

Die Mutter ist verzweifelt; nicht einmal Wäsche konnte sie ihrem Kind mitgeben. Noch am gleichen Abend macht sie sich zu Fuß auf den Weg ins 30 Kilometer entfernte Stuttgart, wo sie Gerda vermutet. Sie fragt sich so lange durch, bis sie zur Kinderklinik in die Türlenstraße kommt, wo man zwar bestätigt, dass Berta hier sei, ihr aber den Zutritt verweigert. Da sie sich nicht abwimmeln lässt und ein so "großes Theater" macht, dass die Leute auf der Straße stehen bleiben, darf sie dann eintreten.

Tags darauf ist Gerda Metzger tot 

Sie findet ihr Kind völlig apathisch vor; Gerda reagiert auf keinerlei Ansprache oder Liebkosung. Sicher nicht die Folge ihrer Lähmung. Offenkundig waren ihr Schlafmittel verabreicht worden. Dann herrscht die Krankenschwester Berta Metzger an, sie solle endlich gehen, und stößt sie zur Tür hinaus. Die Mutter fragt, ob sie am nächsten Tag wieder kommen könne, um ihr Kind zu besuchen. Antwort: "Ja, wenn es dann noch lebt." Tags darauf ist Gerda Metzger tot. Gestorben sei die Spastikerin, so sagte man der Mutter, an einer ansteckenden Krankheit.

Als Matthias-Herbert Enneper diese Geschichte der Stuttgarter Stolpersteininitiative geschickt hat, konnte sie der Arzt und NS-Euthanasie-Spezialist Karl-Horst Marquart schnell verifizieren. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema und hat 2009 enthüllt, dass in der Stuttgarter "Kinderfachabteilung" bis 1945 mindestens 52 Kinder und Jugendliche ermordet worden waren. Andere sind ins hessische Eichberg geschickt worden, um dort umgebracht zu werden. Verantwortlich war Karl Lempp, Leiter des Kinderkrankenhauses und Chef des Gesundheitsamtes. 

Im Leichenregister, das Marqaurt ausgewertet hat, heißt es, Gerda Metzger sei an Diphtherie gestorben. Eine ansteckende Infektionskrankheit, die tödlich enden kann. Die Diagnose hält der Mediziner Karl-Horst Marquart für eine Fälschung, schon, weil diese Krankheit niemals innerhalb eines Tages tödlich verlaufen kann. In Klammern konnte Marquart im Register aber auch die Diagnose Little'sche Krankheit lesen, eine spastische Lähmung durch Gehirnschaden also.

Angst, über den Fall zu sprechen 

"Sie ist auf Zehenspitzen gegangen", sagt eine ältere Frau, die Berta Metzger und ihre Tochter kannten, berichtet die Leiterin des Flachter Heimatmuseums, Barbara Hornberger. Typisch für eine Spastikerin, bestätigt Karl-Horst Marquart. Sie konnte "ned recht schwätza", erinnert sich eine heute über 90 Jahre alte Cousine. "Und's hod ghoißa, se sei fortkomme", erinnert sich eine frühere Nachbarin in der Bergstraße. Als Todesursache sei Diphtherie genannt worden. Damals habe man Angst gehabt, über den Fall zu sprechen, sagen die Zeitzeuginnen.

Der Flachter Pfarrer Harald Rockel hat in seinen Unterlagen bis jetzt keinen Hinweis auf Gerda Metzger gefunden. Auch Ortsarchivar Matthias Graner sucht noch nach schriftlichen Quellen, denn bei Detailfragen gibt es noch einige Widersprüche. Wie oft Vater Emil Metzger sein Kind gesehen hat, ist bisher unbekannt. Als der Zweite Weltkrieg begann, war er 28 Jahre alt. Sein Name steht auf dem Flachter Gefallenendenkmal. 

Verantwortlich für die Tötung von Kindern: Krankenhaus-Chef Karl Lempp. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg Seine Tochter Gerda war nicht das einzige behinderte Kind in Flacht, berichtet Barbara Hornberger. Auch in der Familie des NSDAP-Ortsgruppenleiters Gotthold Roth lebte ein Kind namens Gretel, das im Sinne der NS-Ideologie ein "unnützer Esser" war. Es habe die Nazizeit genauso überlebt wie ein weiteres behindertes Kind. Vom damaligen evangelischen Ortspfarrer Otto Mörike ist bekannt, dass er ein entschiedener Gegner der Nazis war, berichtet Hornberger. Ob er sich eingemischt hat, um die beiden Kinder zu retten, ist nicht bekannt. 

Europaweit hatten die Nazis zwischen 1939 und 1945 etwa 300 000 behinderte und psychisch kranke Menschen ermordet, weil ihr Leben angeblich nicht "lebenswert" war. Nur ein Teil der Angehörigen im damaligen Deutschen Reich wehrte sich gegen deren Verschleppung, berichtet der Historiker und Journalist Götz Aly in seinem neuen Buch "Die Belasteten – 'Euthanasie' 1939 bis 1945". Doch der Druck war groß. Alle sozialen Hilfen bis zum Kindergeld für die gesunden Nachkömmlinge seien den Widerständigen entzogen worden; man habe mit Zwangssterilisierung gedroht, da es sich angeblich um "erbkranke Familien" handelte.

Kinderarzt Lempp blieb straffrei

Die meisten Täter sind nach 1945 straffrei geblieben. Welcher Arzt Gerda Metzger abgeholt hat, ist nicht eindeutig nachzuweisen. Karl-Horst Marquart vermutet, dass es der Landesjugendarzt war, der dafür bekannt war, in Württemberg herumzufahren, um Behinderte zu suchen, die dann getötet wurden. Er sei einer der wenigen in Baden-Württemberg gewesen, die sich zumindest in einem Prozess verantworten mussten, Ende der 40er-Jahre im Grafeneck-Prozess in Tübingen. Der endete für den Arzt aber mit einem Freispruch. 

Karl Lempp, der Leiter der Kinderfachabteilung in Stuttgart, der nach den Recherchen von Marquart für NS-Kinder-Euthanasie und etliche Fälle von Zwangssterilisation verantwortlich ist, musste nicht einmal vor einem Gericht erscheinen. Marquart hat die Ergebnisse seiner Forschungen über Karl Lempp 2009 erstmals in dem Buch "Stuttgarter NS-Täter" veröffentlicht. Doch Enkel Volker Lempp, ein Rechtsanwalt, bestritt die Vorwürfe und hat versucht, die Verbreitung des Buches beziehungsweise des Lempp-Kapitels zu verhindern. In letzter Minute zog er seinen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Landgericht Stuttgart dann aber Ende 2009 zurück. Das ursprünglich erwogene Hauptsacheverfahren hat er nie angestrengt.

Ein Lehrer leugnet immer noch

Berufen haben sich Volker Lempp sowie der inzwischen verstorbene Tübinger Kinder- und Jugendpsychiater Reinhart Lempp unter anderem auf den Geschichtslehrer Rolf Königstein, der bis vor wenigen Jahren am Max-Born-Gymnasium in Backnang (Region Stuttgart) Geschichte unterrichtet hat. Königstein ist bis heute der einzige Autor, der die Existenz einer Kinderfachabteilung im Städtischen Kinderkrankenhaus in Stuttgart leugnet. Ernst genommen wird er in der Fachwelt allerdings nicht.

Publiziert hatte Königstein seine Thesen in einer Unterrichtshilfe mit dem Titel "NS-Euthanasie in Baden-Württemberg – Archivpädagogische Anregungen für die gymnasiale Oberstufe", die die Landeszentrale für politische Bildung herausgebracht hatte, sowie in einem 2004 erschienen Aufsatz in der Zeitschrift der württembergischen Landesgeschichte. Sie wird mittlerweile nicht mehr verbreitet und ist aus dem Internet-Angebot der Landeszentrale entfernt worden.

In derselben Schrift habe Rolf Königstein die Rolle der Tötungseinrichtung in Brandenburg-Görden stark verharmlost, sagt der NS-Forscher Ernst Klee. Dort seien Kinder jedenfalls nicht therapiert worden, wie Königstein behauptet. Tatsächlich seien viele für Versuche missbraucht worden, ehe man sie getötet hat. Klee warf Königstein deshalb vor, eine Görden-Lüge zu verbreiten.

Götz Aly fordert Namensregister

Götz Aly hat in seinem neuen Buch gefordert, die Namen der Opfer der NS-Euthanasie in einem zentralen Register zu veröffentlichen. Jeder achte Deutsche im Alter von über 25 Jahren sei verwandt mit einem Opfer. Doch nur einer von zehn wisse dies.

Die Stolpersteininitiativen haben nicht auf Alys Aufruf gewartet. Seit Jahren verlegen sie für diese oft vergessenen Menschen Steine. Auch der Name Gerda Metzger steht inzwischen auf einer von dem Kölner Künstler Gunter Dennig gefertigten, zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatte. Der Stein mit dem Namen, dem Geburts- und dem Todestag von Gerda Metzger wird am Samstag, den 13. April, verlegt. Vor dem ehemaligen Städtischen Kinderkrankenhaus in der Türlenstraße 22A.

Die Stadt Stuttgart dagegen hat sich bis heute nicht mit dem Kindermord in ihrem Kinderkrankenhaus befasst. Obermedizinalrat Karl Lempp blieb bis zu seiner Pensionierung 1950 dessen Leiter und wurde vier Jahre später noch mit einem Professorentitel geehrt. Als er 1960 starb, ging das Amtsblatt der Stadt im Nachruf mit keinem Wort auf seine Tätigkeit während der NS-Zeit ein.

Ob eine von den Stolpersteininitiativen und dem Personalrat der städtischen Kliniken für Ende des Jahres geforderte Wanderausstellung mit dem Titel "Im Gedenken der Kinder" stattfinden kann, ist offen. Noch gibt es keine Finanzierung. Die Kosten liegen bei rund 3000 Euro. Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, hat bereits ihre Unterstützung zugesagt.

 

 

Kontext-Autor Hermann G. Abmayr befasst sich seit vielen Jahren mit NS-Tätern und -Opfern. Zuletzt hat er das Buch "Stuttgarter NS-Täter" herausgegeben, für das Karl-Horst Marquart das Kapitel über den Kinderarzt Karl Lempp verfasste.


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Ausgabe 191 / Sterne für uns Bettler / Ulrich Scheuffele, 26.11.2014 16:32
mir gehen die vielen Fernsehköche so langsam auf den Geist. Eine Ausnahme ist Vincent Klink, er ist einer der wenigen "ehrlichen Köche" bei denen es nicht um Glimbim auf dem Teller geht, sondern um eine Küche mit Qualität begonnen bei...

Ausgabe 191 / Unterkomplexe Darbietung / MCBuhl, 26.11.2014 16:32
Den Breitbandatlas hätte man eigentlich gleich verlinken können, ist ja ein offenes Angebot: http://www.zukunft-breitband.de/Breitband/DE/Breitbandatlas/Kartendownload/kartendownload_node.htmlStellt sich nur die Frage, was als...

Ausgabe 191 / Plötzlich Bürgermeister / Schwabe, 26.11.2014 16:12
Kann Liane nur zustimmen!

Ausgabe 191 / "Töten ist nicht immer leicht" / Ruth, 26.11.2014 15:58
"Töten ist nicht immer leicht" - aber einer muss es ja schließlich machen, gell Herr Heller. Und wenn man dann ab und zu noch Herr über Leben und Tod spielen darf (wenn einem grad danach ist), was will man mehr?

Ausgabe 191 / Unterkomplexe Darbietung / Wilhelm h., 26.11.2014 15:39
ich hätte einen neuen Namen für die CDU, der wirklich sagt was in ihr steckt " National Kapitalistische Union Deutschlands"

Ausgabe 191 / Mensch! Werbung inklusive / Insider, 26.11.2014 13:31
Die öffentlich-rechtlichen Sender promoten den Sänger und seine Songs hemmungs- und kostenlos. Dass dies so ist, weiß man seit Jahren, doch die zuständigen Gremien bei den Sendeanstalten , die dies unterbinden könnten, unternehmen...

Ausgabe 191 / Den Garten der Freiheit pflegen / Dominik, 26.11.2014 12:43
Snowdens Rede mit deutschen Untertiteln:http://www.die-anstifter.de/2014/11/stuttgarter-friedenspreis-2014-edward-snowden-mit-deutschen-und-englischen-untertiteln/

Ausgabe 191 / Unterkomplexe Darbietung / Insider, 26.11.2014 12:32
Dem Faktencheck halten zentrale Botschaften der beiden CDU-Größen in der Tat nicht stand. Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass die stets jubelnde Parteianhängerschaft an einem Faktencheck nicht interessiert ist.

Ausgabe 191 / Plötzlich Bürgermeister / Liane, 26.11.2014 12:01
Also Kontext, da sollte ihr mal zuhören lernen!!! sozial-psychologische Erpressung nenn ich Euren Zugang!Die Frage ist doch nicht, ob jemand, der "schafft" auch Geld verdienen sollte... die Frage ist doch was, wieso, warum, wann und...

Ausgabe 191 / Billiger Deal / Liane, 26.11.2014 11:35
@Tom sie leisten seit Jahren schiefe Arbeit! schon in den 80gern sprach Borchers von einer bewussten Klassenjustiz, die die unteren Chargen juristisch "gut im GRiff" hääten aber sobal es in den höheren Ämtern ginge absilut versagten!...

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