KONTEXT:BILDUNG
LERNEN ALS RECHERCHE
Es war ein originelles Kompliment, eines, das die Lehrerin und den Kontext- Redakteur gleichzeitig auch innerlich schmunzeln ließ. Die Realschul-Klasse hatte in acht Schulstunden die Spielregeln der Recherche kennengelernt, auf dem Pausenhof die Infos und Szenen für eine kleine, selbst geschriebene Reportage gesammelt und schließlich ein Gedicht "recherchiert". Am Ende des Projekts war die Klassensprecherin von ihrem Platz aufgestanden, um dem Journalisten im Namen ihrer Mitschüler zu danken: "Wissen sie, wir haben nur Lehrer", hob sie an, "aber Sie sind ja ein richtiger Mensch!"
Nun könnte man trefflich diskutieren, ob Journalisten auch Menschen sind. Gesichert scheint: Medienleute verfügen über eine überschaubare Zahl an Kompetenzen. Doch eine ist von elementarer Bedeutung, nicht nur für die journalistische Arbeit, sondern auch und besonders fürs Lernen: die Fähigkeit, strukturiert zu denken und zu arbeiten. Und die kommt insbesondere in der Recherche zum Tragen: im Suchen, Sammeln, Selektieren und Gliedern von Informationen – ob für eine Reportage zu einem bestimmten Thema oder beim schulischen Lernen neuer Inhalte und Stoffe in jedem Fach.
Die Spielregeln von Recherche zu vermitteln, mit praktischer Anwendung, heißt also: Lernen lehren.
Wir setzen an Gymnasien, Real-, Haupt- und Berufsschulen "Lernen als Recherche" um. Das gemeinnützige Bildungsprojekt, das der Kontext:Verein Schulen kostenlos anbietet, stößt auf beachtliche Resonanz. Und die Zahl der journalistischen Mitstreiter wächst. Kein Wunder, welcher Medienmacher genießt nicht den Externen-Bonus und hört nicht gerne, dass er ein richtiger Mensch sei!
VERNETZTES DENKEN UND ARBEITEN
Vernetzt, also ganzheitlich denken und arbeiten ist eine Kernkompetenz im Rahmen der Hochschul-Ausbildung und zugleich eine Schlüsselqualifikation für den künftigen Beruf. Dies kann erlernt werden. Wesentliche Grundlagen dafür liegen im Recherchieren, im strukturierten Denken, sprich: in der Fähigkeit, das Allgemeine in direkten Bezug zum Konkreten und umgekehrt zu stellen – sowie im professionellen Kommunizieren, mündlich wie schriftlich.
Der Verein für ganzheitlichen Journalismus bietet Universitäten und Hochschulen die kostenlose Vermittlung dieser Grundlagen an.
Als Basiskompetenz steht das Recherchieren, insbesondere die wissenschaftliche Recherche, am Anfang der Lehrveranstaltung. Darauf aufbauend werden elementare Denkmuster vermittelt, deren bewusste Wahrnehmung strukturiertes Denken und Arbeiten fördert, zum Beispiel lineares und zyklisches Denken (Weg und Kreis) und das Allgemeine und Besondere (Deduktion/Induktion). Im Wintersemester 2011/2012 wird das Projekt am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen umgesetzt.


