KONTEXT Extra:
Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


Bahn muss Stuttgarts Bahnhof nicht offiziell stilllegen

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat mit Urteil vom 09.08.2016 die Klage der Stuttgarter Netz AG als unzulässig abgewiesen. Mit der Klage wollte die Gesellschaft privater Eisenbahnunternehmen verhindern, dass die Deutsche Bahn nach der Fertigstellung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs Stuttgart 21 das bestehende Gleisvorfeld des oberirdischen Stuttgarter Kopfbahnhofes abbaut, bevor hierfür ein Stilllegungsverfahren nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) durchgeführt wurde. Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei dem "Umbau des Bahnknotens Stuttgart/Stuttgart 21" um ein ausschließlich planfeststellungspflichtiges Änderungsvorhaben nach dem AEG, für das ein zusätzliches Stilllegungsverfahren nicht erforderlich ist. Zugleich stellte das Gericht aber auch fest, dass der Rückbau des Gleisvorfeldes ohne vorherige Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens rechtlich unzulässig sei. Da die Stuttgarter Netz AG in diesem Planfeststellungsverfahren ihre Interessen noch geltend machen und gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen könne. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache hat das Gericht die Berufung zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim sowie die Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.


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Bioklima-Prognose für die Region Stuttgart zum Ende des Jahrhunderts. Quelle: VRS

Bioklima-Prognose für die Region Stuttgart zum Ende des Jahrhunderts. Quelle: VRS

Heutiges Bioklima in der Region Stuttgart.

Heutiges Bioklima in der Region Stuttgart.

Ausgabe 157
Gesellschaft

Städten droht der Hitzekollaps

Von Jürgen Lessat
Datum: 02.04.2014
Der alarmierende Weltklimabericht hat einmal mehr gezeigt: Es wird Zeit, jetzt Strategien gegen die Hitze von morgen zu entwickeln. Besonders in den Städten im Süden der Republik. Denn deren Bewohner werden den globalen Temperaturanstieg am stärksten zu spüren bekommen – und auch mit dem Leben bezahlen.

Zu Jahresbeginn kletterte das Thermometer auf neue Höchstwerte: Bis zu 18 Grad Celsius trieben die Menschen am 9. Januar in Straßencafés statt auf die Skipiste. Ein Wärmerekord jagt seither den nächsten. Es ist ein Vorgeschmack auf das, was den Bewohnern Mitteleuropas künftig häufiger blüht: höhere Temperaturen und sich verändernde Niederschlagsverteilungen – kurzum, ungewohnte Wetterextreme, ausgelöst durch den weltweiten Klimawandel. Was das auf lokaler Ebene bedeutet, darüber berichteten Experten jüngst auf einer Veranstaltung der Grünen in Stuttgart. Die Aussichten sind alarmierend: Hitze in der Stadt wird zur tödlichen Gefahr.

Der Wandel des Klimas lässt sich leicht an Zahlen ablesen. "Seit dem Jahr 1881 ist die globale Temperatur um 0,92 Grad Celsius gestiegen", erläutert Professor Jürgen Baumüller. Das klingt zunächst nach wenig. Aber: "Es gibt regional große Unterschiede", betont der Meteorologe, der bis 2008 leitender Stadtklimatologe in Stuttgart war. So stieg die Jahresdurchschnittstemperatur etwa in Nordamerika um bis zu vier Grad, in Europa wurde ein Anstieg um ein bis zwei Grad registriert. Für Klimaexperten ist das nicht das Ende der Fahnenstange. "Wenn wir so weitermachen, werden wir das Ziel, die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad zu begrenzen, verfehlen", sagt Baumüller.

Globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts gegenüber Durchschnittstemperatur im Zeitraum 1986 - 2005, abhängig von Klimagaskonzentration. Quelle: IPPC
Globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts gegenüber Durchschnittstemperatur im Zeitraum 1986–2005, abhängig von der Klimagaskonzentration. Quelle: IPPC

Weitermachen heißt, "Klimagase" wie Kohlendioxid wie bislang ungebremst freizusetzen – vor allem durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl in Industrie und Verkehr und zur Energiegewinnung. Gescheiterte Weltklimakonferenzen und die Absicht der Berliner Großen Koalition, den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen, lassen Schlimmes befürchten: Einige Wissenschaftler halten bereits eine globale Erwärmung um vier Grad für wahrscheinlich. Was die Folgen auch hierzulande verschärfen würde.

Für Süddeutschland lauten die Prognosen bisher, dass die Winter feuchter und die Sommer trockener werden. Das klingt nach beherrschbar. Ist es aber nur schwer, wenn überhaupt. "Ab etwa 2020 wird etwa im Großraum Stuttgart die Verdunstung die Niederschlagsmenge übersteigen", nennt Baumüller ein Beispiel. Der mittlere Neckarraum wird sich zur ariden Zone wandeln, vergleichbar den Trockengebieten im Mittelmeerraum. "Grüne Parks wird es dann im Hochsommer nur durch künstliche Bewässerung geben", verdeutlicht Baumüller. Wald und Flur werden ständig im Trocken- und Temperaturstress stehen.

"Die sommerliche Hitze wird auch den Menschen massiv zu schaffen machen", prophezeit Baumüller. Denn hohe Temperaturen befördern Krankheiten und Todesfälle. Anders als die meisten Staats- und Regierungschefs lässt das hiesige Bürgermeister nicht kalt. Der Deutsche Städtetag schlägt Alarm: Die Zunahme von Hitzetagen, Tropennächten und Hitzeperioden bedeuteten ein ernstes Gesundheitsrisiko für die Stadtbevölkerung, insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder, warnt der Verband.

Stuttgart: dicht bebaute Innenstadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart
Stuttgart: dicht bebaute Innenstadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart

Wie berechtigt die Sorgen sind, zeigte der Jahrhundertsommer 2003: "Im August 2003 starben allein in Baden-Württemberg 1400 Menschen mehr als im langjährigen Monatsmittel", erläutert Meteorologe Baumüller, wie die Sterblichkeitsrate damals stieg. Europaweit soll die Hitzewelle bis zu 70 000 Todesopfer gefordert haben. "Wir müssen damit rechnen, dass Extremtemperaturen wie im Sommer 2003 künftig häufiger auftreten", so Baumüller.

Der Mensch reagiert sensibel auf höhere Umgebungstemperaturen. Bei 22 bis 26 Grad Celsius liegt die Grenze, ab der das gesundheitliche Risiko steigt. Kühlgrenztemperatur heißt dieser Bereich, in dem die Verdunstungskälte beim Schwitzen den menschlichen Körper noch effektiv kühlt. "Bei höheren Temperaturen nimmt die körperliche Aktivität ab", erläutert Wolfgang Schlicht von der Universität Stuttgart. Die Zurückhaltung ist ein Schutzmechanismus des Organismus gegen körperliche Überlastung. Bei Hitze schaltet der Mensch auf Stand-by, um Herz und Kreislauf zu schonen.

Doch auf Dauer schadet körperliche Inaktivität, warnt der Professor am Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften. Wer rastet, rostet, das Sprichwort gewinnt in Zeiten des Klimawandels aktuelle Bedeutung. "Ältere Menschen über 65 Jahren sollten mindestens 3000 Schritte täglich machen, um körperlich fit zu bleiben", beschreibt Schlicht eine Erkenntnis der Gesundheitsforscher. Doch: "Was bei Normaltemperaturen kein Problem ist, wird bei zunehmender Hitze immer schwieriger", warnt der Experte vor hitzebedingtem Bewegungsmangel. Ein Phänomen, dessen Folgen in einer zunehmend älteren Bevölkerung, wie sie sich derzeit in Deutschland etabliert, umso stärker durchschlägt. "Der Klimawandel bedeutet einen Verlust an Lebensjahren. Mit der Hitze schnellt vor allem in der Gruppe der über 75-Jährigen die Todesrate in die Höhe", warnt Schlicht.

Mensch als Wärmequelle. Grafik: Stadtklimatologie Stuttgart
Mensch als Wärmequelle. Grafik: Stadtklimatologie Stuttgart

Was auf uns zukommt, davon hat auch die Stuttgarter Stadtklimatologie konkrete Vorstellungen. Die Mitarbeiter der renommierten Abteilung des städtischen Umweltamts haben die globalen Klimaszenarien auf die lokale Ebene der baden-württembergischen Landeshauptstadt heruntergerechnet. Das Interesse der Fachleute kommt nicht von ungefähr. Stuttgart gilt aufgrund seiner Topografie als besonders heißes Pflaster: Die Innenstadt liegt in einem relativ engen Talkessel, der sich im Sommer wegen hoher Bodenversiegelung und dichter Bebauung wie ein Backofen aufheizt.

Der Klimawandel wird die Hauptstadtschwaben deshalb besonders hart treffen, erwarten die Experten. Heute liegt die Durchschnittstemperatur in der Stuttgarter Innenstadt in den Sommermonaten noch bei 18 Grad. Künftig wird es hitziger zugehen. Bis zum Jahrhundertende wird an 36 Sommertagen die Temperatur im Talkessel auf über 30 Grad steigen. Bislang heizt die Sonne an sechs Tagen im langjährigen Mittel derart ein. Auf nächtliche Abkühlung können die Talkessel-Bewohner künftig kaum hoffen. Die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt, wird auf 40 steigen. Der Jahrhundertsommer 2003 brachte es auf 17 Tropennächte. Der Klimawandel wird auch für neue Hitzerekorde in Stuttgart sorgen: Die höchste jemals in der Landeshauptstadt gemessene Temperatur wird bis Ende des Jahrhunderts auf 42 Grad steigen. Der derzeitige Hitzerekord steht bei 38,2 Grad. "Über den Klimawandel freuen dürfen sich die Bäderbetriebe", sagt Stadtklimatologe Baumüller, "die Zahl der Badetage wird in Stuttgart von 20 auf 70 steigen."

Weil beim Klimaschutz auf internationaler Ebene kaum mit Fortschritten zu rechnen ist, wird es umso drängender, vor Ort nach Anpassungsstrategien zu suchen. "In Städten ist es um rund zehn Grad wärmer als in ländlicher Umgebung", erwähnt Alanus von Radecki, Leiter der Fraunhofer-Forschungsprojekts "Morgenstadt: City Insights". Vor allem die massive Versiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsfläche mache Städte zu schweißtreibenden Wärmeinseln. Messungen zur Strahlungsabsorption verdeutlichen den Versiegelungseffekt: Demnach liegt die Oberflächentemperatur einer Straße um bis zu 20 Grad über der einer Rasenfläche. Stuttgarts Innenstadt ist heute zu 80 Prozent versiegelt, stadtweit ist rund ein Drittel der Fläche bebaut.

Grüne "Hölle" als natürlich kühlende Klimaanlage. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart
Grüne "Hölle" als natürlich kühlende Klimaanlage. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart

"Eine Stadt wie Stuttgart ist auch im Hinblick auf lange Investitionszyklen gut beraten, sich frühzeitig mit den klimatischen Veränderungen auseinanderzusetzen", betont Peter Pätzold, Fraktionschef der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat. Schutz von Frei- und Grünflächen mit Frischluftpotenzial, Innenentwicklung statt Außenentwicklung auf der grünen Wiese sind Strategien, denen Priorität im städtebaulichen Planungsprozess einzuräumen ist, nennt Pätzold Beispiele. Doch derartige Ideen teilen nicht alle im Stadtrat. Vertreter aus CDU, FDP und Freien Wählern ignorieren bisweilen den Rat der Stadtklimatologen, Kalt- und Frischluftschneisen nicht durch Bebauung zu zerstören. Der bürgerliche Block wollte im größten Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt schmucke Eigenheime in einer der verbliebenen Grünschneisen der Stadt zulassen. Vehement kämpfte eine Bürgerinitiative gegen das Aufsiedelungsprojekt. Begraben wurden die Baupläne aber erst nach der Kommunalwahl 2009 durch eine neue ökosoziale Ratsmehrheit aus Grünen, SPD und der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke.

Grünen-Fraktionschef Pätzold vermutet, dass der Klimawandel noch immer nicht richtig in den Köpfen angekommen ist. "Ein Indiz hierfür findet sich im fahrlässigen Umgang mit Stadtbäumen, die zu oft und zu leichtfertig Bauprojekten zum Opfer fallen, ohne dass für wirklichen Ersatz gesorgt wird", sagt Pätzold. Dabei würden Bäume, Grünflächen, Parks, Versickerungsflächen, Schattenspender künftig eine noch höhere Bedeutung für die Lebensqualität einer Stadt haben.

Stuttgart gilt nicht nur politisch, sondern auch stadtgestalterisch als grüne Stadt. "Wir haben in Straßen und Grünanlagen über 100 000 Bäume stehen", beziffert Volker Schirner, Leiter des städtischen Gartenamts, den Bestand an öffentlichem Stadtgehölz. Müssten Bäume gefällt werden, sei es wegen der Verkehrssicherungspflicht oder wegen eines Bauvorhabens, achte man auf zeitnahe Ersatzpflanzungen, betont Schirner. In der Innenstadt gilt zudem eine Baumschutzsatzung, die sich auch auf Bäume auf Privatgrund erstreckt. Sie schreibt amtliche Fällgenehmigung und Ersatzpflanzung vor. Doch der Bestandserhalt werde immer schwieriger, sagt Schirner. "Gerade die Innenentwicklung, die mit baulicher Verdichtung einhergeht, erschwert es, passende Ersatzstandorte nach baubedingten Fällungen zu finden." 

Oberflächentemperatur Stadtgebiet Stuttgart zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Quelle: Stadtklimatologe Stuttgart
Oberflächentemperatur im Stadtgebiet Stuttgart zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Quelle: Stadtklimatologe Stuttgart

"Mit mehr Grün macht man nichts verkehrt", plädiert auch Stadtklimatologe Baumüller für mehr Vegetation als natürliche Klimaanlage. Stadtbäume gelte es überall dort zu pflanzen, wo sich Menschen im Freien aufhalten. "Dichte Baumkronen sorgen schließlich für kühlenden Schatten auf Plätzen und Alleen, in Parks und Grünanlagen, aber auch auf Autoparkplätzen", so Baumüller. Fassaden- und Dachbepflanzungen beeinflussten das Mikroklima ebenfalls günstig. Grüne Dächer sorgten für eine effektive Verdunstungskälte, was die gefühlte Wärme um etwa die Hälfte verringert. Daneben filtern grüne Wände und Dächer auch Feinstäube und Verkehrslärm. Gleiche Effekte lieferten begrünte Gleisbette der Stadtbahn oder "kühlende Laternenmaste", die von Kletterpflanzen umrankt sind.

Für die Abkühlung überhitzter Städte wird künftig auch mehr Wasser benötigt. Nicht nur plätschernd in Brunnen, sondern weitaus wirkungsvoller aus Wassernebelduschen versprüht. Derartige Luftkühlsysteme senken die heiße Sommerluft mittels feinen Wasserrauchs ökologisch und energiesparend um bis zu zehn Grad Celsius. "In Tierzuchtbetrieben sind derartige Nebelduschen bereits im Einsatz, künftig eben auch in Freizeitanlagen, Biergärten und Sportstätten", so Baumüller. Auch Baumaterialien und technische Ausstattung von Gebäuden und Bauwerken müssen dem Klimawandel angepasst werden. Kühleffekte lassen sich beispielsweise durch "weiße Dächer", sogenannte Cool Roofs, und helle Oberflächen, etwa auf Plätzen, erreichen. Auch die Wasserkühlung von Fassaden senkt die Oberflächentemperatur von Gebäuden. Technische Lösungen bedingen jedoch oft zusätzlichen Energieverbrauch.

Grüne Dächer kühlen die Hitze der Stadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart
Grüne Dächer kühlen die Hitze der Stadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart

Um Städte an die Hitze der Zukunft zu adaptieren, gilt es auch menschgemachte Wärmequellen auszuschalten. So heizt etwa der Autoverkehr den Stadtbewohnern zusätzlich ein, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergaben. In Stuttgart geben die Verbrennungsmotoren der Fahrzeuge rund 26 Watt Wärme pro Quadratmeter Verkehrsfläche ab. Auf das gesamte Stuttgarter Stadtgebiet bezogen emittieren Autos und Laster rund 1,8 Watt pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Stuttgarter Bevölkerung gibt 0,3 Watt Wärme pro Quadratmeter Stadtfläche ab. Auf stark befahrenen Straßenabschnitten kann die Wärmeemission des Verkehrs jedoch auf ein Vielfaches ansteigen, wie Messungen in der Londoner City zeigen. Der Spitzenwert erreicht dort 1371 Watt pro Quadratmeter. "Wer an heißen Tagen sein Auto stehen lässt, hält die Luft nicht nur rein, sondern auch kühl", verdeutlicht Professor Baumüller.

Auch wenn sich die Wissenschaftler relativ einig sind, wie sich Städte an den Klimawandel anpassen können, bleibt es zweifelhaft, ob die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden. Stuttgart beispielsweise hat im vergangenen Jahr ein "Klimawandel-Anpassungskonzept" verabschiedet. Stadtklimatologe Baumüller hat den Text des Konzepts untersucht. "Am häufigsten werden darin 'Maßnahme' und 'Umsetzung' erwähnt", so Baumüller. Gleich dahinter folgen "Risikopotenzial", "Kostenschätzung" und "Einflussmöglichkeit". "Das spricht nicht unbedingt für Nägel mit Köpfen machen", mutmaßt Baumüller. Und wie auf internationalem Parkett konkurrieren auch auf lokaler Ebene Klima-Anpassungsstrategien mit anderen Zielen. "Die Hitze ist nur eine Herausforderung, der sich Städte in der Zukunft stellen müssen", sagt Alanus von Radecki. In Städten kämen unglaublich viele Interessen und Personengruppen zusammen. "Bislang gibt es weltweit noch keine Stadt, die im Sinne des Klimaschutzes tatsächlich nachhaltig ist", so von Radecki.

Klimawandel und die Folgen im Netz

Deutsche Koordinierungsstelle des Weltklimarats IPCC

Fünfter Sachstandsbericht des IPCC, Teilbericht 2 vom 31.3.2014 (Seiten des Bundesumweltministeriums)

Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums und des Bundesforschungsministeriums zum IPPC-Teilbericht 2 vom 31.3.2014

Schwerpunktthema Klimawandel Deutscher Wetterdienst

Klimadaten (frei) des Deutschen Wetterdienstes

klima-sucht-schutz.de

CO2-Rechner des Umweltbundesamts

Stadtklimatologie-Stuttgart


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Kommentare

Klaus Neumann, 09.04.2014 00:08
S21 wird der Stadt Stuttgart Hitze- und Unwetterrekorde bescheren. Etwa 2/3 des Jahres sind Inversionswetterlagen. Der quergelegte 8 Meter hohe Bahnhofstrog und das überbaute Gleisvorfeld werden einmal eine physische Barriere gegen den auch bei sommerlichen Inversionswetterlagen nächtlich kaum wahrnehmbaren aber doch zum Luftaustausch führenden sogenannten Bergwind bilden. Die Überbauung des Gleisvorfeldes, das bis jetzt immer durch seine rasche Abkühlung des nachts zum verbesserten Heissluftabfluss aus dem Talkessel beitrug bildet dann die zweite Barriere, die die heisse Luft im Talkessel einsperren wird: eine nach heissen Tagen nachts abstrahlende Warmluftbarriere, die von dieser überbauten Fläche thermisch hochsteigen wird, bildet dann eine zur physischen eine zusätzliche unsichtbare Barriere. Bilden sich lokale Gewittertürme oder Gewitterzellen über der Stadt, dann werden diese durch die neuartige durch S21 geschaffene mikroklimatische Situation der Stadt einen gewaltigen Extra-Schub aus dem gesamten Talkessel bekommen, der wie eine grosse, heiss abstrahlende Kochplatte wirken wird. Die heutigen Unwetter sind bereits schlimm genug. Die Landeshauptstadt aber wird dann Unwetter erleben, die es so nie gegeben hätte: Gewitterzellen, die sich 12 km oder höher türmen werden dann die Regel und nicht die Ausnahme sein. Wer noch keine Hagelversicherung hat, der sollte sie spätestens mit Abschluss des Gesamtvorhabens S21 abgeschlossen haben.

Das wird natürlich gesundheitlich Auswirkungen haben. Vielleicht machen es dann die Leute ohne Klimaanlage für die Wohnung wie in Delhi gesehen: man legt sich nachts ins Auto und lässt die Klimaanlage bei eingeschaltetem Motor laufen, um wenigstens eine Mütze voll Schlaf holen zu können.

Ich kenne die Nächte mit mehr als vierzig Grad in Indien. Die Deutschen werden mehrere Nächte hintereinander mit 30°C + ohne Krankschreibung nicht überstehen, sofern man nicht in den keller ausweichen kann. Denn die Arbeitsanforderungen sind hier andere als in Indien. Alternativ geht die Arbeitsunfallstatistik entsprechend in die Höhe. Es wird da dann wohl in Stuttgart einen Mix aus beidem geben.

Limoneum, 08.04.2014 23:02
Danke Jürgen Lessat für diesen großartigen Artikel. Gebt ihn doch mal den richtigen Leuten zum Nachdenken! Von Prävention kann man bald nicht mehr sprechen. Wir sind mittendrin im Klimawandel, die Regierung hat's kapiert- zumindest der Teil der dafür zuständig wäre- und was passiert? Immer mehr Beton, mehr und größere Autos, schlechterer ÖPNV, Grünrückschnitt, Baumfällungen, Artenverdrängung, Ausnahmegenehmigungen. Warum? Beispiel Rosenstein im Winter: Dort wo dieses Jahr kein Schnee mehr lag, war die Auswirkung von Abgasen und Staub besonders sichtbar. Die abgeholzten Straßenränder dick voll Dreck der ja aus der Luft von Passanten genauso eingeatmet wird, wie er sich auf den Gräsern niederschlägt. Im Sommer wird der Schatten fehlen, ohne Bäume auch die Speicherwirkung von Wasser im Boden. Der Lärm wird von niemandem mehr absorbiert- außer den anwohnenden oder vorübergehenden Menschen selbst. Grünmangel macht krank. Mensch und Umwelt gleichermaßen!
Wer profitiert? Immobilienhändler, Wasserprivatisierer, vielleicht Klimaanlagenbauer, Pharmazeuten,...?

Fred, 08.04.2014 17:18
@ Kornelia:

Der Baummasacker findet auch in anderen Städten statt. Geradezu absurd, wenn man auch an die vorgebliche Feinstaubproblematik denkt.

Wo man hinschaut, werden die falschen absurden Entscheidungen entgegen der Interessen der Bevölkerung exekutiert.

Ich kann mir das nur noch mit dem "Krieg Reich gegen Arm" erklären (vgl. Warren Buffet) . Soviel Dummheit und Ignoranz um das in dieser Konsequenz zu durchzuziehen ist nichtmehr vorstellbar.

Sibi, 08.04.2014 08:58
@0711 meine Stadt
ich denke Sie sind ein neoliberaler/bürgerlicher Phrasendrescher (global denken und lokal handeln) der mit (m.E.spürbar gezwungenen) lieblich daherkommenden, nichtssagenden und z.T. unwahren Sätzen "operiert" um z.B. von S21 abzulenken.
Unwahr deshalb, weil es bei dem (um mit Ihren Worten zu sprechen) "positiven Projekt" K21 "lokal" jede Menge engagierte Menschen gibt die selbst Initiative ergreifen - schauen Sie mal vorbei, es lohnt sich!

0711 meine Stadt, 07.04.2014 12:23
Ich finde es schlimm zu sehen wie die Bürger der Stadt Stuttgart hier die nicht umgesetzten Maßnahmen kritisieren und die Veränderung zum schlechten wahrnehmen. Jedoch sehe ich das Problem, dass viel "gebruddelt" wird, jedoch keiner wirklich selbst Intiative ergreift. Es gibt viele Projekte, die sich um eine grünere Stadt bemühen. Wenn es über die Politik nicht klappt muss man als Bürger, der davon dirket betroffen ist, andere Wege finden die Situation zu verbessern. Wie schon das Motto der Agenda 21 war. Global denken - lokal handeln. Nur so kann man meiner Meinung nach eine nachhaltiger Stadt schaffen.

Normalbürger, 07.04.2014 01:03
@ EuroTanic. Ich habe die Wetter-Rohdaten auch schon gesehen.
Und siehe da: Die Erwärmung ist objektiv messbar - nicht nur subjektiv spürbar.

Das beste Mittel gegen die Erwärmung ist natürlich, Großbäume abzuholzen, Luftschneisen zu verbauen und und die Innenstadt noch weiter zu verdichten... um noch mehr Stress, Lärm, Feinstaub und Wärmeentwicklung zu generieren.

Wir Stuttgarter und Schwaben sind schon clever!

Rosi, 06.04.2014 11:00
Wie sagt Ulrich Frank weiter unten (2.4.14, 20:33 Uhr) so treffend, die Bäume begehen u.a. die Ordnungswidrigkeit Blätter abzuwerfen - und das kostet die öffentliche Hand ja so viel Geld. Also weg mit den Bäumen, so wie auch z.B. mit den öffentlichen Uhren, Blumenkübel, Parkbänken, Backhäuschen, Papierkörben, etc., etc.! Da gibt die öffentliche Hand lieber Milliarden Euro Steuergelder für S21 aus.
Preisfrage am Rande: was haben die paar Euro Einsparungen im Vergleich zu den Milliarden Euro Ausgaben für S21 gemeinsam? Richtig - beides dient nicht dem Allgemeinwohl.

Unsere Politiker (als Volksvertreter möchte ich diese Sorte Mensch nicht mehr bezeichnen) in Bund, Land und Kommunen kommen mir vor wie verzogene Rotzlöffel die zu faul sind für die Schule selbst zu lernen und bei einer Klassenarbeit den Unsinn des Nebensitzers abschreiben (als Beispiel eignet sich hier gut die Deutsche Bahn AG).
Genau wie bei der Bahn fahren die Politiker in allen Bereichen des öffentlichen Raums welcher dem Allgemeinwohl dient radikal und extrem auf Verschleiß (siehe öffentliche Bäder, Schulen, Kindergärten, Gemeindezentren, Jugendhäuser, etc., etc.) um später dann ein jämmerliches Klagelied anzustimmen. Jedoch keine Regel ohne Ausnahme - selbstverständlich sind z.B. das Büro des Oberbürgermeisters oder die Ausstattung von Ministerien von solchen Sparmaßnahmen auszunehmen.

Wer von jemandem Abschreibt der seinen ureigensten Auftrag aus den Augen verloren hat fährt auch seine Karre gegen die Wand. Dazu kommt - und das verschlimmert das Fehlverhalten - dass sich der "Auftrag" der öffentlichen Hand nicht mit dem Konkurrenzverhalten der freien und schon gar nicht der deregulierten Marktwirtschaft vergleichen lässt.

Ulrich Frank, 05.04.2014 19:59
@ Eurotanic&Florian Hohenwarter: Also, ihr tapferen Klimaskeptiker, für welche weder die weitgehende Einigkeit der Wissenschaftler noch das Prinzip von Ursache und Wirkung eine Rolle zu spielen scheint und die ihr gerne auch davon abseht daß es nicht nur immer mehr Menschen gibt sondern auch immer mehr Maschinen und Prozesse welche Kohlendioxid produzieren: ihr kommt mir vor wie die Samurai welche nach Pearl Harbour glaubten es geht immer so weiter mit dem Siegen. Zum Schluß hat Kamikaze auch nichts mehr geholfen. - Im Ernst, wie kann man daraus schließen daß, weil etwas bisher so war, es immer so sein wird?

EuroTanic, 04.04.2014 18:53
Ich glaube den Modellen und der Propaganda der Politiker und Mietmäuler nicht. Deshalb habe ich mir die Wetterrohdaten besorgt. Und was soll ich sagen? Die Temperaturen schwanken stark von Jahr zu Jahr. Als Trend über 150 Jahre kann keine Erwärmung festgestellt werden. Das sind die Fakten. Alles andere ist (Klima)Politik.

Florian Hohenwarter, 04.04.2014 14:46
Zum selberdenken:

Woraus besteht Luft:
78 Vol% Stickstoff
21 Vol% Sauerstoff
0,96 Vol% Edelgase
0,04 Vol% Kohlendioxid = CO2

Fakt ist: Pflanzen, Tiere und Menschen benötigen CO2 zum LEBEN und produzieren bei der Atmung selbst CO2!!!
Fakt ist auch: Das Klima hat sich schon IMMER verändert. Im Mittelalter hat man auf GRÖNLAND Getreide angebaut!!!

Leute, keiner sagt, wir sollen unsere Umwelt schädigen, aber beginnt die Sachen die euch erzählt werden zu hinterfragen und SELBST zu denken!!

Glen Fiddich, 03.04.2014 20:29
Die Bäume fällen, die Wiese betonieren und grün anstreichen! -Nach mir die Sintflut! Das sind unsere verantwortungsvollen amtierenden Politiker! Aber immer das große Maul und andere belehren wollen- was wisst ihr denn schon...

duck soup, 03.04.2014 20:07
Heute after work durch die Innenstadt auf dem Heimweg noch einkaufen gewesen. Ein schwüler, staubiger Kessel (Baustelle am Breuninger, Baustelle am Oberen Schlossgarten/Landtag) schon jetzt, Anfang April. Dazu der Sahara-Staub (der gerade sich über Deutschland nach Norden aufmacht) plus mein Heuschnupfen und der allgegenwärtige Feinstaub durch den Verkehr. Da wird einem klar, was in so zehn, zwanzig Jahren auf einen zukommt, wenn sich die Lage in Stuttgart so weiter entwickelt. Andere Städte setzen auf Urban Gardening oder hegen ihre Parks besonders sorgfältig (würden sich z. B. die New Yorker gefallen lassen, dass ihnen jemand den Central Park abholzte? Never ever.)
Toll, diese grüne Politik.

Ulrich Frank, 02.04.2014 20:33
Über die Aussagen des Herrn Leiters des Gartenamtes der Stadt Stuttgart, Volker Schirner, kann doch nur gelacht werden! Auch über die des Herrn Pätzold von den "Grünen"!

"Zeitnahe Ersatzpflanzung" - wo denn? Das ist doch satt GELOGEN!

Bereit seit über 20 Jahren wird am Neckarufer auf der Wasen- und Daimlerseite zwischen Bad Cannstatt und Untertürkheim nur noch abgeschlagen. Kein einziger Baum wurde in all den Jahren nachgepflanzt. Was einst beidseitig des Uferdammwegs eine zusammenhängende Allee war wird immer lichter. Das Ideal des Gartenamtes scheint Gebüsch und Gestrüpp zu sein. Beim Daimler-Gelände wurde die Uferbewachsung auf eine absolut dilettantische Weise kahlgehauen.

Dafür wurde letztes Jahr ein weitgehend sinnfreie durchgehende Beleuchtung nachgerüstet welche die Nacht verschmutzt und die übriggebliebene Vegetation dauerbeleuchtet.

Die hohen Bäume (Ulmen?) auf der Inselbad-Insel wurden in den letzten Jahren ebenfalls großenteils ersatzlos abgehauen. Als es Beschwerden gab wegen der Abholzungen am gegenüberliegenden Ufer (vor ca. 12 Jahren) kam der Beamten-Bescheid, man "würde nach Sponsoren suchen" - für neue Bäume. Offensichtlich hatte und hat die reiche Stadt Stuttgart nicht einmal mehr Geld für Nachpflanzungen. Lieber saugt man sich in den enorm trägen Stuttgarter Behörden eine Ausflucht aus den Fingern! Nachgepflanzt wurde selbstverständlich nicht!

Nachpflanzung von Platanen an der Augsburgerstraße (nach den Unwetter-Schäden): bisher auch Fehlanzeige!

Innerstädtisch sehe man sich zum Beispiel die Stephanstraße an. Ein mickriges Bäumchen in einer vom typischen Stuttgarter Stadtdesigner verbrochenen Straße. Unbegrenzte Unfähigkeit! Auch unter den Grünen! Danke!

Es ist die Schuld von Bäumen: sie werden zu groß und begehen die Ordnungswidrigkeit, Blätter abzuwerfen - das kostet das Gartenamt Geld.

Auch ansonsten nur Baumverluste: so z.B. in den Innenhöfen.

Unter der Ägide der "Grünen" tut sich überhaupt nichts. Herr Peter Pätzold schwätzt wieder einmal daher. Die grüne Interessenzone hört spätestens am Neckar auf der Ostseite auf. Dem "grünen" hergeholten Zeremonialmeister OB Fritz Kuhn, anscheinend bereits in einem merkwürdigen Vorruhestand, liegt die Umbenennung des Stuttgarter Flughafens mehr am Herzen als wichtigere Dinge.

Wenn, wie mir zugetragen wurde, Herr Michael Kienzle meint, die Stadt sei "ausreichend mit Bäumen möbliert (!)" (ich lasse mich über die Wendung korrigieren) dann ist das ein großer Schwindel von Seiten des Vertreters einer Partei die immer nur "Wahlkampf kann" (Kuhn) aber das, was danach kommt, nicht beherrscht. Bei praktisch jeder Maßnahme in dieser Stadt, meistens zugunsten des Autoverkehrs (so etwa beim Milaneo), müssen "Bäume weichen".

Was die Emissionsbelastung betrifft, so ist diese nicht besser geworden. Breitet man den gnädigen Mantel des Schweigens über die "Christliche Union" die stets austesten will wie man möglichst noch etwas näher an den Abgrund kommt und nicht in Betracht zieht welche ungeheuren Mengen an klimaschädigendem Kohlendioxid durch das mit fanatischer Ideologie durchgesetzte Stuttgart 21 wg. Betonproduktion und Kraftstoffverbrauch erzeugt werden), so wurde die Emissionsbelastung kaum geringer. Das Ziel der Reduktion des Feinstaubs ist nicht erreicht. Am Neckarufer auf der Höhe der Gaisburger Brücke wurde man in den letzten Monaten fast täglich mit einem Teeröl-Dunst konfrontiert so daß man gerne aufs Atmen verzichten mochte.

Auf Nachfrage beim zuständigen Amt wird erhält man von der Mitarbeiterin den Bescheid da könne man vorläufig nichts tun außer ein Formular ausfüllen!

An der Rosensteinstrasse fahren schwere LKW mit Anhänger unnötigerweise und wahrscheinlich auch unerlaubterweise durch ein Wohngebiet und verlieren stauberzeugende Erde. Wo sind da die Kontrollen der "Stadtverwaltung", des schönen Herrn Schairer mit dem die Grünen so gut können und die sonst bei S21 immer so übereifrige Polizei?

Unter dem Ehrenbürger Dr. Schuster war das auch nicht schlimmer!

Aber wenn man, wie die Grünen, lediglich "in die Verwaltung hineinhorcht" und vorwiegend im Laufstall der CDU spielt wird sich für die Bürger nichts ändern.

Kaum je irgendwo anders wird man als Bürger von Behörden und respektablen Vertretern so verschaukelt und mit AUSFLÜCHTEN und LEEREN VERSPRECHUNGEN ABGESPEIST wie in Stuttgart!

Mozart, 02.04.2014 16:59
Trotz all dieser Fakten, die alles andere als neu sind, wurde der Mittlere Schlossgarten zerstört, der Rosensteinpark angegriffen und weiter und weiter geht das Baummassaker.
Und das mit der Zustimmung der Politiker aller Farben!

CharlotteRath, 02.04.2014 14:00
Bäume in der Stadt schützen?
Das früher für jedermann geltende grundsätzliche Fällverbot zwischen Februar und Oktober wurde von der Bundesregierung im Jahr 2009 abgeschafft. Nun kann in den Parks und Gärten während des gesamten Jahres fröhlich geholzt werden - eine Baumschutzregelung für die Außenbezirke Stuttgarts ist ja angeblich "kontraproduktiv". Danke, CDU und FDP!
Bisher unversiegelte bzw. begrünte Flächen erhalten?
Derzeit werden in Stuttgart eifrig Kinderspielplätze, Bolzplätze und Wiesen mit dringend erforderlichen KITAs und Flüchtlingswohnheimen belegt - denn städtische Flächen, für die bereits Baurecht besteht, sind dafür ja viel zu "wertvoll". Danke, auch an SPD und Grüne!
Und die Wälder rund um Stuttgart?
Noch mitten im März 2014 wurden dort Bäume entnommen (egal, was das in diesem Jahr für den Bodenwasserhaushalt, für Amphibien, Vögel und Menschen bedeutet). Hauptsache, es "rentiert" sich.

Tillupp, 02.04.2014 13:02
Was in der Grafik Abb.2 fehlt sind die sinnlos offenstehenden Türen der Ladengeschäfte (Depot, Douglas, P&C, H&M, Zara, etc. ) die im Winter die warme Luft in die Atmosphäre blasen und im Sommer den Asphalt vor der Tür kühlen (gibt es in jeder Stadt in Europa). Außerdem sollte verboten sein, dass der Türspalt der Ladengeschäfte auch in geschlossenem Zustand fingerdick luftdurchlässig ist.
P.S.: Sehr geehrter Herr EU-Kommissar Öttinger, da gehört mal was europaweit gesetzlich geregelt.
P.P.S.: Bis dahin bitte ich um Unterstützung meines Boykotts aller Läden mit sommers wie winters geöffneten Türen (ich glaube bisher war ich der einzige Boykotteur)

Kornelia, 02.04.2014 10:41
und zeitgleich findet in Schuttgart der baummassaker-wettbewerb statt!!!
wer hat noch nicht wer will nochmal!!!
überall heisst es Baum ab, Baum weg. Grün im Weg!!
erst gestern bin ich schockiert und fassungslos den weg die karlhöhe (Hasenbergstiege hoch) gsetopert: alles kahl, alles schwäbisch gut, ordentliche/gesäubert/geschoren!!!
ich denk hier mittlerweile an Hitlers all-Fronten-Krieg!!
es wird nicht -wie es menschlich dinnig wäre. behutsam, nachhaltig und gesundheit-bedenkend gearbeitet, hier im Heizkessel wird allerortens "angegriffen"!!!

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Ganz großartig ! Ich werde nun vermehrt wieder Sioux-Schuhe kaufen und es allen Menschen mitteilen. Liebe Grüße aus Portugal, thomas

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Es scheint als müsse immer noch jeder Mensch in die "passende" Gesinnungsschublade gepackt werden.

Ausgabe 282 / Sioux auf dem Kriegspfad / Fritz, 24.08.2016 11:51
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