KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Bioklima-Prognose für die Region Stuttgart zum Ende des Jahrhunderts. Quelle: VRS

Bioklima-Prognose für die Region Stuttgart zum Ende des Jahrhunderts. Quelle: VRS

Heutiges Bioklima in der Region Stuttgart.

Heutiges Bioklima in der Region Stuttgart.

Ausgabe 157
Gesellschaft

Städten droht der Hitzekollaps

Von Jürgen Lessat
Datum: 02.04.2014
Der alarmierende Weltklimabericht hat einmal mehr gezeigt: Es wird Zeit, jetzt Strategien gegen die Hitze von morgen zu entwickeln. Besonders in den Städten im Süden der Republik. Denn deren Bewohner werden den globalen Temperaturanstieg am stärksten zu spüren bekommen – und auch mit dem Leben bezahlen.

Zu Jahresbeginn kletterte das Thermometer auf neue Höchstwerte: Bis zu 18 Grad Celsius trieben die Menschen am 9. Januar in Straßencafés statt auf die Skipiste. Ein Wärmerekord jagt seither den nächsten. Es ist ein Vorgeschmack auf das, was den Bewohnern Mitteleuropas künftig häufiger blüht: höhere Temperaturen und sich verändernde Niederschlagsverteilungen – kurzum, ungewohnte Wetterextreme, ausgelöst durch den weltweiten Klimawandel. Was das auf lokaler Ebene bedeutet, darüber berichteten Experten jüngst auf einer Veranstaltung der Grünen in Stuttgart. Die Aussichten sind alarmierend: Hitze in der Stadt wird zur tödlichen Gefahr.

Der Wandel des Klimas lässt sich leicht an Zahlen ablesen. "Seit dem Jahr 1881 ist die globale Temperatur um 0,92 Grad Celsius gestiegen", erläutert Professor Jürgen Baumüller. Das klingt zunächst nach wenig. Aber: "Es gibt regional große Unterschiede", betont der Meteorologe, der bis 2008 leitender Stadtklimatologe in Stuttgart war. So stieg die Jahresdurchschnittstemperatur etwa in Nordamerika um bis zu vier Grad, in Europa wurde ein Anstieg um ein bis zwei Grad registriert. Für Klimaexperten ist das nicht das Ende der Fahnenstange. "Wenn wir so weitermachen, werden wir das Ziel, die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad zu begrenzen, verfehlen", sagt Baumüller.

Globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts gegenüber Durchschnittstemperatur im Zeitraum 1986 - 2005, abhängig von Klimagaskonzentration. Quelle: IPPC
Globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts gegenüber Durchschnittstemperatur im Zeitraum 1986–2005, abhängig von der Klimagaskonzentration. Quelle: IPPC

Weitermachen heißt, "Klimagase" wie Kohlendioxid wie bislang ungebremst freizusetzen – vor allem durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl in Industrie und Verkehr und zur Energiegewinnung. Gescheiterte Weltklimakonferenzen und die Absicht der Berliner Großen Koalition, den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen, lassen Schlimmes befürchten: Einige Wissenschaftler halten bereits eine globale Erwärmung um vier Grad für wahrscheinlich. Was die Folgen auch hierzulande verschärfen würde.

Für Süddeutschland lauten die Prognosen bisher, dass die Winter feuchter und die Sommer trockener werden. Das klingt nach beherrschbar. Ist es aber nur schwer, wenn überhaupt. "Ab etwa 2020 wird etwa im Großraum Stuttgart die Verdunstung die Niederschlagsmenge übersteigen", nennt Baumüller ein Beispiel. Der mittlere Neckarraum wird sich zur ariden Zone wandeln, vergleichbar den Trockengebieten im Mittelmeerraum. "Grüne Parks wird es dann im Hochsommer nur durch künstliche Bewässerung geben", verdeutlicht Baumüller. Wald und Flur werden ständig im Trocken- und Temperaturstress stehen.

"Die sommerliche Hitze wird auch den Menschen massiv zu schaffen machen", prophezeit Baumüller. Denn hohe Temperaturen befördern Krankheiten und Todesfälle. Anders als die meisten Staats- und Regierungschefs lässt das hiesige Bürgermeister nicht kalt. Der Deutsche Städtetag schlägt Alarm: Die Zunahme von Hitzetagen, Tropennächten und Hitzeperioden bedeuteten ein ernstes Gesundheitsrisiko für die Stadtbevölkerung, insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder, warnt der Verband.

Stuttgart: dicht bebaute Innenstadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart
Stuttgart: dicht bebaute Innenstadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart

Wie berechtigt die Sorgen sind, zeigte der Jahrhundertsommer 2003: "Im August 2003 starben allein in Baden-Württemberg 1400 Menschen mehr als im langjährigen Monatsmittel", erläutert Meteorologe Baumüller, wie die Sterblichkeitsrate damals stieg. Europaweit soll die Hitzewelle bis zu 70 000 Todesopfer gefordert haben. "Wir müssen damit rechnen, dass Extremtemperaturen wie im Sommer 2003 künftig häufiger auftreten", so Baumüller.

Der Mensch reagiert sensibel auf höhere Umgebungstemperaturen. Bei 22 bis 26 Grad Celsius liegt die Grenze, ab der das gesundheitliche Risiko steigt. Kühlgrenztemperatur heißt dieser Bereich, in dem die Verdunstungskälte beim Schwitzen den menschlichen Körper noch effektiv kühlt. "Bei höheren Temperaturen nimmt die körperliche Aktivität ab", erläutert Wolfgang Schlicht von der Universität Stuttgart. Die Zurückhaltung ist ein Schutzmechanismus des Organismus gegen körperliche Überlastung. Bei Hitze schaltet der Mensch auf Stand-by, um Herz und Kreislauf zu schonen.

Doch auf Dauer schadet körperliche Inaktivität, warnt der Professor am Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften. Wer rastet, rostet, das Sprichwort gewinnt in Zeiten des Klimawandels aktuelle Bedeutung. "Ältere Menschen über 65 Jahren sollten mindestens 3000 Schritte täglich machen, um körperlich fit zu bleiben", beschreibt Schlicht eine Erkenntnis der Gesundheitsforscher. Doch: "Was bei Normaltemperaturen kein Problem ist, wird bei zunehmender Hitze immer schwieriger", warnt der Experte vor hitzebedingtem Bewegungsmangel. Ein Phänomen, dessen Folgen in einer zunehmend älteren Bevölkerung, wie sie sich derzeit in Deutschland etabliert, umso stärker durchschlägt. "Der Klimawandel bedeutet einen Verlust an Lebensjahren. Mit der Hitze schnellt vor allem in der Gruppe der über 75-Jährigen die Todesrate in die Höhe", warnt Schlicht.

Mensch als Wärmequelle. Grafik: Stadtklimatologie Stuttgart
Mensch als Wärmequelle. Grafik: Stadtklimatologie Stuttgart

Was auf uns zukommt, davon hat auch die Stuttgarter Stadtklimatologie konkrete Vorstellungen. Die Mitarbeiter der renommierten Abteilung des städtischen Umweltamts haben die globalen Klimaszenarien auf die lokale Ebene der baden-württembergischen Landeshauptstadt heruntergerechnet. Das Interesse der Fachleute kommt nicht von ungefähr. Stuttgart gilt aufgrund seiner Topografie als besonders heißes Pflaster: Die Innenstadt liegt in einem relativ engen Talkessel, der sich im Sommer wegen hoher Bodenversiegelung und dichter Bebauung wie ein Backofen aufheizt.

Der Klimawandel wird die Hauptstadtschwaben deshalb besonders hart treffen, erwarten die Experten. Heute liegt die Durchschnittstemperatur in der Stuttgarter Innenstadt in den Sommermonaten noch bei 18 Grad. Künftig wird es hitziger zugehen. Bis zum Jahrhundertende wird an 36 Sommertagen die Temperatur im Talkessel auf über 30 Grad steigen. Bislang heizt die Sonne an sechs Tagen im langjährigen Mittel derart ein. Auf nächtliche Abkühlung können die Talkessel-Bewohner künftig kaum hoffen. Die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt, wird auf 40 steigen. Der Jahrhundertsommer 2003 brachte es auf 17 Tropennächte. Der Klimawandel wird auch für neue Hitzerekorde in Stuttgart sorgen: Die höchste jemals in der Landeshauptstadt gemessene Temperatur wird bis Ende des Jahrhunderts auf 42 Grad steigen. Der derzeitige Hitzerekord steht bei 38,2 Grad. "Über den Klimawandel freuen dürfen sich die Bäderbetriebe", sagt Stadtklimatologe Baumüller, "die Zahl der Badetage wird in Stuttgart von 20 auf 70 steigen."

Weil beim Klimaschutz auf internationaler Ebene kaum mit Fortschritten zu rechnen ist, wird es umso drängender, vor Ort nach Anpassungsstrategien zu suchen. "In Städten ist es um rund zehn Grad wärmer als in ländlicher Umgebung", erwähnt Alanus von Radecki, Leiter der Fraunhofer-Forschungsprojekts "Morgenstadt: City Insights". Vor allem die massive Versiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsfläche mache Städte zu schweißtreibenden Wärmeinseln. Messungen zur Strahlungsabsorption verdeutlichen den Versiegelungseffekt: Demnach liegt die Oberflächentemperatur einer Straße um bis zu 20 Grad über der einer Rasenfläche. Stuttgarts Innenstadt ist heute zu 80 Prozent versiegelt, stadtweit ist rund ein Drittel der Fläche bebaut.

Grüne "Hölle" als natürlich kühlende Klimaanlage. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart
Grüne "Hölle" als natürlich kühlende Klimaanlage. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart

"Eine Stadt wie Stuttgart ist auch im Hinblick auf lange Investitionszyklen gut beraten, sich frühzeitig mit den klimatischen Veränderungen auseinanderzusetzen", betont Peter Pätzold, Fraktionschef der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat. Schutz von Frei- und Grünflächen mit Frischluftpotenzial, Innenentwicklung statt Außenentwicklung auf der grünen Wiese sind Strategien, denen Priorität im städtebaulichen Planungsprozess einzuräumen ist, nennt Pätzold Beispiele. Doch derartige Ideen teilen nicht alle im Stadtrat. Vertreter aus CDU, FDP und Freien Wählern ignorieren bisweilen den Rat der Stadtklimatologen, Kalt- und Frischluftschneisen nicht durch Bebauung zu zerstören. Der bürgerliche Block wollte im größten Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt schmucke Eigenheime in einer der verbliebenen Grünschneisen der Stadt zulassen. Vehement kämpfte eine Bürgerinitiative gegen das Aufsiedelungsprojekt. Begraben wurden die Baupläne aber erst nach der Kommunalwahl 2009 durch eine neue ökosoziale Ratsmehrheit aus Grünen, SPD und der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke.

Grünen-Fraktionschef Pätzold vermutet, dass der Klimawandel noch immer nicht richtig in den Köpfen angekommen ist. "Ein Indiz hierfür findet sich im fahrlässigen Umgang mit Stadtbäumen, die zu oft und zu leichtfertig Bauprojekten zum Opfer fallen, ohne dass für wirklichen Ersatz gesorgt wird", sagt Pätzold. Dabei würden Bäume, Grünflächen, Parks, Versickerungsflächen, Schattenspender künftig eine noch höhere Bedeutung für die Lebensqualität einer Stadt haben.

Stuttgart gilt nicht nur politisch, sondern auch stadtgestalterisch als grüne Stadt. "Wir haben in Straßen und Grünanlagen über 100 000 Bäume stehen", beziffert Volker Schirner, Leiter des städtischen Gartenamts, den Bestand an öffentlichem Stadtgehölz. Müssten Bäume gefällt werden, sei es wegen der Verkehrssicherungspflicht oder wegen eines Bauvorhabens, achte man auf zeitnahe Ersatzpflanzungen, betont Schirner. In der Innenstadt gilt zudem eine Baumschutzsatzung, die sich auch auf Bäume auf Privatgrund erstreckt. Sie schreibt amtliche Fällgenehmigung und Ersatzpflanzung vor. Doch der Bestandserhalt werde immer schwieriger, sagt Schirner. "Gerade die Innenentwicklung, die mit baulicher Verdichtung einhergeht, erschwert es, passende Ersatzstandorte nach baubedingten Fällungen zu finden." 

Oberflächentemperatur Stadtgebiet Stuttgart zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Quelle: Stadtklimatologe Stuttgart
Oberflächentemperatur im Stadtgebiet Stuttgart zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Quelle: Stadtklimatologe Stuttgart

"Mit mehr Grün macht man nichts verkehrt", plädiert auch Stadtklimatologe Baumüller für mehr Vegetation als natürliche Klimaanlage. Stadtbäume gelte es überall dort zu pflanzen, wo sich Menschen im Freien aufhalten. "Dichte Baumkronen sorgen schließlich für kühlenden Schatten auf Plätzen und Alleen, in Parks und Grünanlagen, aber auch auf Autoparkplätzen", so Baumüller. Fassaden- und Dachbepflanzungen beeinflussten das Mikroklima ebenfalls günstig. Grüne Dächer sorgten für eine effektive Verdunstungskälte, was die gefühlte Wärme um etwa die Hälfte verringert. Daneben filtern grüne Wände und Dächer auch Feinstäube und Verkehrslärm. Gleiche Effekte lieferten begrünte Gleisbette der Stadtbahn oder "kühlende Laternenmaste", die von Kletterpflanzen umrankt sind.

Für die Abkühlung überhitzter Städte wird künftig auch mehr Wasser benötigt. Nicht nur plätschernd in Brunnen, sondern weitaus wirkungsvoller aus Wassernebelduschen versprüht. Derartige Luftkühlsysteme senken die heiße Sommerluft mittels feinen Wasserrauchs ökologisch und energiesparend um bis zu zehn Grad Celsius. "In Tierzuchtbetrieben sind derartige Nebelduschen bereits im Einsatz, künftig eben auch in Freizeitanlagen, Biergärten und Sportstätten", so Baumüller. Auch Baumaterialien und technische Ausstattung von Gebäuden und Bauwerken müssen dem Klimawandel angepasst werden. Kühleffekte lassen sich beispielsweise durch "weiße Dächer", sogenannte Cool Roofs, und helle Oberflächen, etwa auf Plätzen, erreichen. Auch die Wasserkühlung von Fassaden senkt die Oberflächentemperatur von Gebäuden. Technische Lösungen bedingen jedoch oft zusätzlichen Energieverbrauch.

Grüne Dächer kühlen die Hitze der Stadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart
Grüne Dächer kühlen die Hitze der Stadt. Foto: Stadtklimatologie Stuttgart

Um Städte an die Hitze der Zukunft zu adaptieren, gilt es auch menschgemachte Wärmequellen auszuschalten. So heizt etwa der Autoverkehr den Stadtbewohnern zusätzlich ein, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergaben. In Stuttgart geben die Verbrennungsmotoren der Fahrzeuge rund 26 Watt Wärme pro Quadratmeter Verkehrsfläche ab. Auf das gesamte Stuttgarter Stadtgebiet bezogen emittieren Autos und Laster rund 1,8 Watt pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Stuttgarter Bevölkerung gibt 0,3 Watt Wärme pro Quadratmeter Stadtfläche ab. Auf stark befahrenen Straßenabschnitten kann die Wärmeemission des Verkehrs jedoch auf ein Vielfaches ansteigen, wie Messungen in der Londoner City zeigen. Der Spitzenwert erreicht dort 1371 Watt pro Quadratmeter. "Wer an heißen Tagen sein Auto stehen lässt, hält die Luft nicht nur rein, sondern auch kühl", verdeutlicht Professor Baumüller.

Auch wenn sich die Wissenschaftler relativ einig sind, wie sich Städte an den Klimawandel anpassen können, bleibt es zweifelhaft, ob die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden. Stuttgart beispielsweise hat im vergangenen Jahr ein "Klimawandel-Anpassungskonzept" verabschiedet. Stadtklimatologe Baumüller hat den Text des Konzepts untersucht. "Am häufigsten werden darin 'Maßnahme' und 'Umsetzung' erwähnt", so Baumüller. Gleich dahinter folgen "Risikopotenzial", "Kostenschätzung" und "Einflussmöglichkeit". "Das spricht nicht unbedingt für Nägel mit Köpfen machen", mutmaßt Baumüller. Und wie auf internationalem Parkett konkurrieren auch auf lokaler Ebene Klima-Anpassungsstrategien mit anderen Zielen. "Die Hitze ist nur eine Herausforderung, der sich Städte in der Zukunft stellen müssen", sagt Alanus von Radecki. In Städten kämen unglaublich viele Interessen und Personengruppen zusammen. "Bislang gibt es weltweit noch keine Stadt, die im Sinne des Klimaschutzes tatsächlich nachhaltig ist", so von Radecki.

Klimawandel und die Folgen im Netz

Deutsche Koordinierungsstelle des Weltklimarats IPCC

Fünfter Sachstandsbericht des IPCC, Teilbericht 2 vom 31.3.2014 (Seiten des Bundesumweltministeriums)

Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums und des Bundesforschungsministeriums zum IPPC-Teilbericht 2 vom 31.3.2014

Schwerpunktthema Klimawandel Deutscher Wetterdienst

Klimadaten (frei) des Deutschen Wetterdienstes

klima-sucht-schutz.de

CO2-Rechner des Umweltbundesamts

Stadtklimatologie-Stuttgart


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Kommentare

Klaus Neumann, 09.04.2014 00:08
S21 wird der Stadt Stuttgart Hitze- und Unwetterrekorde bescheren. Etwa 2/3 des Jahres sind Inversionswetterlagen. Der quergelegte 8 Meter hohe Bahnhofstrog und das überbaute Gleisvorfeld werden einmal eine physische Barriere gegen den auch bei sommerlichen Inversionswetterlagen nächtlich kaum wahrnehmbaren aber doch zum Luftaustausch führenden sogenannten Bergwind bilden. Die Überbauung des Gleisvorfeldes, das bis jetzt immer durch seine rasche Abkühlung des nachts zum verbesserten Heissluftabfluss aus dem Talkessel beitrug bildet dann die zweite Barriere, die die heisse Luft im Talkessel einsperren wird: eine nach heissen Tagen nachts abstrahlende Warmluftbarriere, die von dieser überbauten Fläche thermisch hochsteigen wird, bildet dann eine zur physischen eine zusätzliche unsichtbare Barriere. Bilden sich lokale Gewittertürme oder Gewitterzellen über der Stadt, dann werden diese durch die neuartige durch S21 geschaffene mikroklimatische Situation der Stadt einen gewaltigen Extra-Schub aus dem gesamten Talkessel bekommen, der wie eine grosse, heiss abstrahlende Kochplatte wirken wird. Die heutigen Unwetter sind bereits schlimm genug. Die Landeshauptstadt aber wird dann Unwetter erleben, die es so nie gegeben hätte: Gewitterzellen, die sich 12 km oder höher türmen werden dann die Regel und nicht die Ausnahme sein. Wer noch keine Hagelversicherung hat, der sollte sie spätestens mit Abschluss des Gesamtvorhabens S21 abgeschlossen haben.

Das wird natürlich gesundheitlich Auswirkungen haben. Vielleicht machen es dann die Leute ohne Klimaanlage für die Wohnung wie in Delhi gesehen: man legt sich nachts ins Auto und lässt die Klimaanlage bei eingeschaltetem Motor laufen, um wenigstens eine Mütze voll Schlaf holen zu können.

Ich kenne die Nächte mit mehr als vierzig Grad in Indien. Die Deutschen werden mehrere Nächte hintereinander mit 30°C + ohne Krankschreibung nicht überstehen, sofern man nicht in den keller ausweichen kann. Denn die Arbeitsanforderungen sind hier andere als in Indien. Alternativ geht die Arbeitsunfallstatistik entsprechend in die Höhe. Es wird da dann wohl in Stuttgart einen Mix aus beidem geben.

Limoneum, 08.04.2014 23:02
Danke Jürgen Lessat für diesen großartigen Artikel. Gebt ihn doch mal den richtigen Leuten zum Nachdenken! Von Prävention kann man bald nicht mehr sprechen. Wir sind mittendrin im Klimawandel, die Regierung hat's kapiert- zumindest der Teil der dafür zuständig wäre- und was passiert? Immer mehr Beton, mehr und größere Autos, schlechterer ÖPNV, Grünrückschnitt, Baumfällungen, Artenverdrängung, Ausnahmegenehmigungen. Warum? Beispiel Rosenstein im Winter: Dort wo dieses Jahr kein Schnee mehr lag, war die Auswirkung von Abgasen und Staub besonders sichtbar. Die abgeholzten Straßenränder dick voll Dreck der ja aus der Luft von Passanten genauso eingeatmet wird, wie er sich auf den Gräsern niederschlägt. Im Sommer wird der Schatten fehlen, ohne Bäume auch die Speicherwirkung von Wasser im Boden. Der Lärm wird von niemandem mehr absorbiert- außer den anwohnenden oder vorübergehenden Menschen selbst. Grünmangel macht krank. Mensch und Umwelt gleichermaßen!
Wer profitiert? Immobilienhändler, Wasserprivatisierer, vielleicht Klimaanlagenbauer, Pharmazeuten,...?

Fred, 08.04.2014 17:18
@ Kornelia:

Der Baummasacker findet auch in anderen Städten statt. Geradezu absurd, wenn man auch an die vorgebliche Feinstaubproblematik denkt.

Wo man hinschaut, werden die falschen absurden Entscheidungen entgegen der Interessen der Bevölkerung exekutiert.

Ich kann mir das nur noch mit dem "Krieg Reich gegen Arm" erklären (vgl. Warren Buffet) . Soviel Dummheit und Ignoranz um das in dieser Konsequenz zu durchzuziehen ist nichtmehr vorstellbar.

Sibi, 08.04.2014 08:58
@0711 meine Stadt
ich denke Sie sind ein neoliberaler/bürgerlicher Phrasendrescher (global denken und lokal handeln) der mit (m.E.spürbar gezwungenen) lieblich daherkommenden, nichtssagenden und z.T. unwahren Sätzen "operiert" um z.B. von S21 abzulenken.
Unwahr deshalb, weil es bei dem (um mit Ihren Worten zu sprechen) "positiven Projekt" K21 "lokal" jede Menge engagierte Menschen gibt die selbst Initiative ergreifen - schauen Sie mal vorbei, es lohnt sich!

0711 meine Stadt, 07.04.2014 12:23
Ich finde es schlimm zu sehen wie die Bürger der Stadt Stuttgart hier die nicht umgesetzten Maßnahmen kritisieren und die Veränderung zum schlechten wahrnehmen. Jedoch sehe ich das Problem, dass viel "gebruddelt" wird, jedoch keiner wirklich selbst Intiative ergreift. Es gibt viele Projekte, die sich um eine grünere Stadt bemühen. Wenn es über die Politik nicht klappt muss man als Bürger, der davon dirket betroffen ist, andere Wege finden die Situation zu verbessern. Wie schon das Motto der Agenda 21 war. Global denken - lokal handeln. Nur so kann man meiner Meinung nach eine nachhaltiger Stadt schaffen.

Normalbürger, 07.04.2014 01:03
@ EuroTanic. Ich habe die Wetter-Rohdaten auch schon gesehen.
Und siehe da: Die Erwärmung ist objektiv messbar - nicht nur subjektiv spürbar.

Das beste Mittel gegen die Erwärmung ist natürlich, Großbäume abzuholzen, Luftschneisen zu verbauen und und die Innenstadt noch weiter zu verdichten... um noch mehr Stress, Lärm, Feinstaub und Wärmeentwicklung zu generieren.

Wir Stuttgarter und Schwaben sind schon clever!

Rosi, 06.04.2014 11:00
Wie sagt Ulrich Frank weiter unten (2.4.14, 20:33 Uhr) so treffend, die Bäume begehen u.a. die Ordnungswidrigkeit Blätter abzuwerfen - und das kostet die öffentliche Hand ja so viel Geld. Also weg mit den Bäumen, so wie auch z.B. mit den öffentlichen Uhren, Blumenkübel, Parkbänken, Backhäuschen, Papierkörben, etc., etc.! Da gibt die öffentliche Hand lieber Milliarden Euro Steuergelder für S21 aus.
Preisfrage am Rande: was haben die paar Euro Einsparungen im Vergleich zu den Milliarden Euro Ausgaben für S21 gemeinsam? Richtig - beides dient nicht dem Allgemeinwohl.

Unsere Politiker (als Volksvertreter möchte ich diese Sorte Mensch nicht mehr bezeichnen) in Bund, Land und Kommunen kommen mir vor wie verzogene Rotzlöffel die zu faul sind für die Schule selbst zu lernen und bei einer Klassenarbeit den Unsinn des Nebensitzers abschreiben (als Beispiel eignet sich hier gut die Deutsche Bahn AG).
Genau wie bei der Bahn fahren die Politiker in allen Bereichen des öffentlichen Raums welcher dem Allgemeinwohl dient radikal und extrem auf Verschleiß (siehe öffentliche Bäder, Schulen, Kindergärten, Gemeindezentren, Jugendhäuser, etc., etc.) um später dann ein jämmerliches Klagelied anzustimmen. Jedoch keine Regel ohne Ausnahme - selbstverständlich sind z.B. das Büro des Oberbürgermeisters oder die Ausstattung von Ministerien von solchen Sparmaßnahmen auszunehmen.

Wer von jemandem Abschreibt der seinen ureigensten Auftrag aus den Augen verloren hat fährt auch seine Karre gegen die Wand. Dazu kommt - und das verschlimmert das Fehlverhalten - dass sich der "Auftrag" der öffentlichen Hand nicht mit dem Konkurrenzverhalten der freien und schon gar nicht der deregulierten Marktwirtschaft vergleichen lässt.

Ulrich Frank, 05.04.2014 19:59
@ Eurotanic&Florian Hohenwarter: Also, ihr tapferen Klimaskeptiker, für welche weder die weitgehende Einigkeit der Wissenschaftler noch das Prinzip von Ursache und Wirkung eine Rolle zu spielen scheint und die ihr gerne auch davon abseht daß es nicht nur immer mehr Menschen gibt sondern auch immer mehr Maschinen und Prozesse welche Kohlendioxid produzieren: ihr kommt mir vor wie die Samurai welche nach Pearl Harbour glaubten es geht immer so weiter mit dem Siegen. Zum Schluß hat Kamikaze auch nichts mehr geholfen. - Im Ernst, wie kann man daraus schließen daß, weil etwas bisher so war, es immer so sein wird?

EuroTanic, 04.04.2014 18:53
Ich glaube den Modellen und der Propaganda der Politiker und Mietmäuler nicht. Deshalb habe ich mir die Wetterrohdaten besorgt. Und was soll ich sagen? Die Temperaturen schwanken stark von Jahr zu Jahr. Als Trend über 150 Jahre kann keine Erwärmung festgestellt werden. Das sind die Fakten. Alles andere ist (Klima)Politik.

Florian Hohenwarter, 04.04.2014 14:46
Zum selberdenken:

Woraus besteht Luft:
78 Vol% Stickstoff
21 Vol% Sauerstoff
0,96 Vol% Edelgase
0,04 Vol% Kohlendioxid = CO2

Fakt ist: Pflanzen, Tiere und Menschen benötigen CO2 zum LEBEN und produzieren bei der Atmung selbst CO2!!!
Fakt ist auch: Das Klima hat sich schon IMMER verändert. Im Mittelalter hat man auf GRÖNLAND Getreide angebaut!!!

Leute, keiner sagt, wir sollen unsere Umwelt schädigen, aber beginnt die Sachen die euch erzählt werden zu hinterfragen und SELBST zu denken!!

Glen Fiddich, 03.04.2014 20:29
Die Bäume fällen, die Wiese betonieren und grün anstreichen! -Nach mir die Sintflut! Das sind unsere verantwortungsvollen amtierenden Politiker! Aber immer das große Maul und andere belehren wollen- was wisst ihr denn schon...

duck soup, 03.04.2014 20:07
Heute after work durch die Innenstadt auf dem Heimweg noch einkaufen gewesen. Ein schwüler, staubiger Kessel (Baustelle am Breuninger, Baustelle am Oberen Schlossgarten/Landtag) schon jetzt, Anfang April. Dazu der Sahara-Staub (der gerade sich über Deutschland nach Norden aufmacht) plus mein Heuschnupfen und der allgegenwärtige Feinstaub durch den Verkehr. Da wird einem klar, was in so zehn, zwanzig Jahren auf einen zukommt, wenn sich die Lage in Stuttgart so weiter entwickelt. Andere Städte setzen auf Urban Gardening oder hegen ihre Parks besonders sorgfältig (würden sich z. B. die New Yorker gefallen lassen, dass ihnen jemand den Central Park abholzte? Never ever.)
Toll, diese grüne Politik.

Ulrich Frank, 02.04.2014 20:33
Über die Aussagen des Herrn Leiters des Gartenamtes der Stadt Stuttgart, Volker Schirner, kann doch nur gelacht werden! Auch über die des Herrn Pätzold von den "Grünen"!

"Zeitnahe Ersatzpflanzung" - wo denn? Das ist doch satt GELOGEN!

Bereit seit über 20 Jahren wird am Neckarufer auf der Wasen- und Daimlerseite zwischen Bad Cannstatt und Untertürkheim nur noch abgeschlagen. Kein einziger Baum wurde in all den Jahren nachgepflanzt. Was einst beidseitig des Uferdammwegs eine zusammenhängende Allee war wird immer lichter. Das Ideal des Gartenamtes scheint Gebüsch und Gestrüpp zu sein. Beim Daimler-Gelände wurde die Uferbewachsung auf eine absolut dilettantische Weise kahlgehauen.

Dafür wurde letztes Jahr ein weitgehend sinnfreie durchgehende Beleuchtung nachgerüstet welche die Nacht verschmutzt und die übriggebliebene Vegetation dauerbeleuchtet.

Die hohen Bäume (Ulmen?) auf der Inselbad-Insel wurden in den letzten Jahren ebenfalls großenteils ersatzlos abgehauen. Als es Beschwerden gab wegen der Abholzungen am gegenüberliegenden Ufer (vor ca. 12 Jahren) kam der Beamten-Bescheid, man "würde nach Sponsoren suchen" - für neue Bäume. Offensichtlich hatte und hat die reiche Stadt Stuttgart nicht einmal mehr Geld für Nachpflanzungen. Lieber saugt man sich in den enorm trägen Stuttgarter Behörden eine Ausflucht aus den Fingern! Nachgepflanzt wurde selbstverständlich nicht!

Nachpflanzung von Platanen an der Augsburgerstraße (nach den Unwetter-Schäden): bisher auch Fehlanzeige!

Innerstädtisch sehe man sich zum Beispiel die Stephanstraße an. Ein mickriges Bäumchen in einer vom typischen Stuttgarter Stadtdesigner verbrochenen Straße. Unbegrenzte Unfähigkeit! Auch unter den Grünen! Danke!

Es ist die Schuld von Bäumen: sie werden zu groß und begehen die Ordnungswidrigkeit, Blätter abzuwerfen - das kostet das Gartenamt Geld.

Auch ansonsten nur Baumverluste: so z.B. in den Innenhöfen.

Unter der Ägide der "Grünen" tut sich überhaupt nichts. Herr Peter Pätzold schwätzt wieder einmal daher. Die grüne Interessenzone hört spätestens am Neckar auf der Ostseite auf. Dem "grünen" hergeholten Zeremonialmeister OB Fritz Kuhn, anscheinend bereits in einem merkwürdigen Vorruhestand, liegt die Umbenennung des Stuttgarter Flughafens mehr am Herzen als wichtigere Dinge.

Wenn, wie mir zugetragen wurde, Herr Michael Kienzle meint, die Stadt sei "ausreichend mit Bäumen möbliert (!)" (ich lasse mich über die Wendung korrigieren) dann ist das ein großer Schwindel von Seiten des Vertreters einer Partei die immer nur "Wahlkampf kann" (Kuhn) aber das, was danach kommt, nicht beherrscht. Bei praktisch jeder Maßnahme in dieser Stadt, meistens zugunsten des Autoverkehrs (so etwa beim Milaneo), müssen "Bäume weichen".

Was die Emissionsbelastung betrifft, so ist diese nicht besser geworden. Breitet man den gnädigen Mantel des Schweigens über die "Christliche Union" die stets austesten will wie man möglichst noch etwas näher an den Abgrund kommt und nicht in Betracht zieht welche ungeheuren Mengen an klimaschädigendem Kohlendioxid durch das mit fanatischer Ideologie durchgesetzte Stuttgart 21 wg. Betonproduktion und Kraftstoffverbrauch erzeugt werden), so wurde die Emissionsbelastung kaum geringer. Das Ziel der Reduktion des Feinstaubs ist nicht erreicht. Am Neckarufer auf der Höhe der Gaisburger Brücke wurde man in den letzten Monaten fast täglich mit einem Teeröl-Dunst konfrontiert so daß man gerne aufs Atmen verzichten mochte.

Auf Nachfrage beim zuständigen Amt wird erhält man von der Mitarbeiterin den Bescheid da könne man vorläufig nichts tun außer ein Formular ausfüllen!

An der Rosensteinstrasse fahren schwere LKW mit Anhänger unnötigerweise und wahrscheinlich auch unerlaubterweise durch ein Wohngebiet und verlieren stauberzeugende Erde. Wo sind da die Kontrollen der "Stadtverwaltung", des schönen Herrn Schairer mit dem die Grünen so gut können und die sonst bei S21 immer so übereifrige Polizei?

Unter dem Ehrenbürger Dr. Schuster war das auch nicht schlimmer!

Aber wenn man, wie die Grünen, lediglich "in die Verwaltung hineinhorcht" und vorwiegend im Laufstall der CDU spielt wird sich für die Bürger nichts ändern.

Kaum je irgendwo anders wird man als Bürger von Behörden und respektablen Vertretern so verschaukelt und mit AUSFLÜCHTEN und LEEREN VERSPRECHUNGEN ABGESPEIST wie in Stuttgart!

Mozart, 02.04.2014 16:59
Trotz all dieser Fakten, die alles andere als neu sind, wurde der Mittlere Schlossgarten zerstört, der Rosensteinpark angegriffen und weiter und weiter geht das Baummassaker.
Und das mit der Zustimmung der Politiker aller Farben!

CharlotteRath, 02.04.2014 14:00
Bäume in der Stadt schützen?
Das früher für jedermann geltende grundsätzliche Fällverbot zwischen Februar und Oktober wurde von der Bundesregierung im Jahr 2009 abgeschafft. Nun kann in den Parks und Gärten während des gesamten Jahres fröhlich geholzt werden - eine Baumschutzregelung für die Außenbezirke Stuttgarts ist ja angeblich "kontraproduktiv". Danke, CDU und FDP!
Bisher unversiegelte bzw. begrünte Flächen erhalten?
Derzeit werden in Stuttgart eifrig Kinderspielplätze, Bolzplätze und Wiesen mit dringend erforderlichen KITAs und Flüchtlingswohnheimen belegt - denn städtische Flächen, für die bereits Baurecht besteht, sind dafür ja viel zu "wertvoll". Danke, auch an SPD und Grüne!
Und die Wälder rund um Stuttgart?
Noch mitten im März 2014 wurden dort Bäume entnommen (egal, was das in diesem Jahr für den Bodenwasserhaushalt, für Amphibien, Vögel und Menschen bedeutet). Hauptsache, es "rentiert" sich.

Tillupp, 02.04.2014 13:02
Was in der Grafik Abb.2 fehlt sind die sinnlos offenstehenden Türen der Ladengeschäfte (Depot, Douglas, P&C, H&M, Zara, etc. ) die im Winter die warme Luft in die Atmosphäre blasen und im Sommer den Asphalt vor der Tür kühlen (gibt es in jeder Stadt in Europa). Außerdem sollte verboten sein, dass der Türspalt der Ladengeschäfte auch in geschlossenem Zustand fingerdick luftdurchlässig ist.
P.S.: Sehr geehrter Herr EU-Kommissar Öttinger, da gehört mal was europaweit gesetzlich geregelt.
P.P.S.: Bis dahin bitte ich um Unterstützung meines Boykotts aller Läden mit sommers wie winters geöffneten Türen (ich glaube bisher war ich der einzige Boykotteur)

Kornelia, 02.04.2014 10:41
und zeitgleich findet in Schuttgart der baummassaker-wettbewerb statt!!!
wer hat noch nicht wer will nochmal!!!
überall heisst es Baum ab, Baum weg. Grün im Weg!!
erst gestern bin ich schockiert und fassungslos den weg die karlhöhe (Hasenbergstiege hoch) gsetopert: alles kahl, alles schwäbisch gut, ordentliche/gesäubert/geschoren!!!
ich denk hier mittlerweile an Hitlers all-Fronten-Krieg!!
es wird nicht -wie es menschlich dinnig wäre. behutsam, nachhaltig und gesundheit-bedenkend gearbeitet, hier im Heizkessel wird allerortens "angegriffen"!!!

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