KONTEXT Extra:
NSU-Prozesskosten bei etwa 50 Millionen Euro

Nach 313 Verhandlungstagen äußert sich Beate Zschäpe erstmals selbst im NSU-Prozess und gibt sich als geläutert - neue Erkenntnisse über die Morde liefert ihre Aussage allerdings nicht. Immerhin weiß die Presse nun, wie ihre Stimme klingt. Die Süddeutsche Zeitung findet: "klar, tief, weich, mit leichtem thüringischen Einschlag".

Wann der Marathonprozess (verhandelt wird seit Mai 2013) zu einem Ende kommen wird, scheint aktuell völlig unklar. Sicher ist hingegen: Mit jedem weiteren Verhandlungstag steigen die Kosten für das Verfahren. Und bald könnten diese über 50 Millionen Euro liegen. Im September 2013 sagte Karl Huber, damaliger Präsident des Oberlandesgerichts München, gegenüber dem Münchner Merkur, er schätze die Kosten des Verfahrens auf 150 000 Euro pro Verhandlungstag. Dies sei eine gewaltige Summe, "vor allem, wenn man bedenke, dass die Opfer oder Hinterbliebenen keinen einzigen Euro bekommen haben".

Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts bestätigt gegenüber Kontext, dass sich an der Kostenschätzung "im Wesentlichen nichts geändert" habe. Somit liegen die geschätzten Kosten aktuell bei etwa knapp 47 Millionen Euro. Die Sprecherin betont allerdings, dass es bislang noch keine genaue Kalkulation gibt - diese erstelle man erst nach Abschluss des Verfahrens. Dann wird die Rechnung an den Bund gestellt. (29.9.2016)


Blitzschnell gegen die AfD

Grüne, CDU, SPD und FDP wollen mit einer blitzschnell auf den Weg gebrachten Gesetzesänderung das Ansinnen der beiden AfD-Gruppierungen unterlaufen, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum  Linksextremismus in Baden-Württemberg durchzusetzen. Am kommenden Mittwoch wird der Landtag in erster und zweiter Lesung endgültig eine Änderung des Untersuchungsausschussgesetzes beschließen. Danach können weiterhin zwei Fraktionen das Minderheitenrecht zur Kontrolle von abgeschlossenem Regierungshandeln wahrnehmen, allerdings nur, wenn ihre Mitglieder nicht ein- und derselben Partei angehören. Nach der vorliegenden Tagesordnung wird die gespaltene AfD ihren Antrag unter Punkt zwei einbringen. Es folgt aber keine Abstimmung, sondern eine Überweisung an den Ständigen Ausschuss. Endgültig wird sich der Landtag am 12. Oktober mit dem Begehr befassen, mit dem unter anderem unterstellt wird, dass Linksextreme im Südwesten öffentliche Gelder bekommen. Dann ist allerdings das Gesetz geändert, und die Möglichkeit zur Antragstellung entfallen. Auch die Rechtsexperten der anderen vier Fraktionen schließen nicht aus, dass die AfD deshalb vor den Verfassungsgerichtshof zieht.


Übers Ohr gehauen

Martin Schreier war jahrelang freier Journalist und Fotograf für den Reutlinger General Anzeiger (GEA) und bekam nicht einmal den ihm zustehenden Mindestlohn. Dann hat er sich einen Anwalt genommen und sich die Kohle erstritten – Kontext hat berichtet. Am  Mittwoch, 21.9.,  um 19:30 Uhr,  berichtet der resolute Journalist zusammen mit dem ehemaligen Gewerkschaftssekretär Gerhard Manthey zum Thema „Wie Zeitungsverleger freie Journalisten übers Ohr hauen“ im Stuttgarter Clara-Zetkin-Haus. Sie werden ihre Erfahrungen teilen und erklären, wie sich Betroffene wehren können. Neben der skandalösen Tatsache, dass viele Zeitungsverlage Mindesthonorarvorgaben missachten, wehren sich nämlich viel zu wenig JournalistInnen gegen diese Zustände. (20.09.2016)


Das Schicksal der Jesidinnen in der Geißstraße

Die Stuttgarter Stiftung Geißstraße lädt für den morgigen Dienstag (20.9., 19 Uhr) zu einer Veranstaltung über "Das Schicksal der Jesidinnen". Zu Gast ist Michael Blume, der im Auftrag der Landesregierung weibliche und stark traumatisierte Opfer des IS medizinisch und psychologisch betreut hat. Im vergangenen Jahr waren 1000 Jesidinnen nach Baden-Württemberg gekommen. Blume war als Religionswissenschaftler und Referatsleiter im Staatsministerium mit der Leitung des Projekts betraut. "Eigentlich ist Michael Blume ein Beamter. Dass er in den Irak geflogen ist, um die Frauen dort rauszuholen, ist einfach eine anrührende Geschichte", erzählt Geschäftsführer Michael Kienzle. Nach dem Vortrag gibt es außerdem noch den SWR-Beitrag "Samias Rettung - Neue Heimat" zu sehen - ein Film über eine junge Jesidin in einem Flüchtlingslager im Nordirak. (19.9.2016)


Demo wie zu besten Zeiten

Stuttgart lebt – wie einst zu den Hochzeiten von S 21. Wie der BUND meldet, waren 40 000 Demonstranten auf den Beinen, um gegen TTIP und CETA zu protestieren. 320 000 seien es insgesamt in sieben deutschen Städten gewesen. Viele Junge dabei, viele Organisatoren, die aufgerufen haben, von Attac über den BUND, Gewerkschaften, Menschenrechtler, Friedensfreunde, Wohlfahrtsverbände bis zu Kirchen. Sogar fünf SPD-Fähnchen waren zu sehen. Und: Die Demo hat endlich mal wieder Laune gemacht. Auch dank Körpa Klauz ("Widerstand muss Spaß machen"), der auf der Bühne den Einheizer gab.

Artikel zu TTIP und CETA in der aktuellen Kontext:

Bundesweite Demos

Die Fronten bröckeln

Stolperstein CETA

Mehr dazu in der kommenden Kontext-Ausgabe.


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Arbeiterunterkunft in Bretten. Foto: Rokahr

Arbeiterunterkunft in Bretten. Foto: Rokahr

Ausgabe 149
Gesellschaft

"Früher hieß das Sklaverei"

Von Lisa Rokahr
Datum: 05.02.2014
Seit Jahresbeginn ist der EU-Arbeitsmarkt offen für Bulgaren und Rumänen. Für CSU-Chef Horst Seehofer Grund genug, unter dem Slogan "Wer betrügt, der fliegt" einen Feldzug gegen Armutszuwanderer zu starten. Dabei verlangen deutsche Unternehmen nach billigen Arbeitskräften, die Vermittlerfirmen busweise nach Deutschland karren. So wie im badischen Bretten, wo die Polin Gabriela unter fragwürdigen Bedingungen für einen Tierfutterhersteller arbeitet.

Ein heruntergekommenes Mehrfamilienhaus in Bretten, 20 Autominuten hinter Pforzheim. Risse in den Wänden, im Gemäuer zeichnet sich die Feuchtigkeit ab. Innen ein muffiger Geruch, vergilbte Fliesen, Frauen und Männer drängen sich in Zimmern und auf Fluren. Ein Schlafzimmer mit Stockbetten, in einem versucht ein älterer Mann zu schlafen, daneben rasiert sich ein junger, eine Frau quetscht sich an ihm vorbei auf den Flur. Nennen wir sie Gabriela. Für Gabriela endet hier die Suche nach einem Job, mit dem sie ihre Familie ernähren kann. Endstation Deutschland, Land der Wirtschaftskraft, Endstation im Elend.

Vor eineinhalb Jahren kam sie hierher, in ihrer polnischen Heimat hatte sie eine Stellenannonce entdeckt, 950 Euro Lohn im Monat versprach die Anzeige, Unterkunft in einem Hotel, Arbeit in der Produktion. Eigentlich ist Gabriela zwar Tourismusfachfrau, aber Arbeit gibt es für sie, Ende 40, schon lange nicht mehr. Und wenn, kann sie nicht davon leben, "zuletzt verdiente ich 300 Euro", erzählt sie. "Ich habe drei Kinder, die noch zur Schule gehen, wie soll das gehen?" Also nimmt sie das Angebot an, unterschreibt in Deutschland bei der Ludwigsburger Vermittlerfirma IH Direkt den Arbeitsvertrag, mit dem sie Fabrikarbeiterin des Tiernahrungsherstellers Deuerer wird. Im Vertrag steht auch, dass vom Lohn automatisch die Miete für die Unterkunft abgezogen wird. Akzeptabel, denkt Gabriela, es bleibt trotzdem noch genug Geld zum Nachhauseschicken. Sie unterschreibt.

Während der Fahrt nach Deutschland denkt sie an ihre Kinder, die sie lange nicht sehen wird, und daran, dass jetzt alles für sie besser werden wird. Der Bus ist voll mit Menschen wie Gabriela, die ihre Zukunft in Deutschland sehen, voll mit Hoffnung. Den Bustransfer nach Bretten hat die Vermittlerfirma organisiert.

Die deutsche Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Und sie läuft zum Teil durch Billigkräfte aus dem Ausland. Jene, die jenseits von Tarifverträgen, Mindestlöhnen und Arbeitsschutzvereinbarungen schuften. Es sind nicht nur anonyme Kleinstbetriebe, die Osteuropäer ihre Arbeit verrichten lassen, längst ist die Methode systematisiert: Auch große, namenhafte Konzerne nutzen die günstigen Leiharbeiter. Mit ihnen machen sie ihre Produkte bezahlbar, international konkurrenzfähig. Ein Konzept, um Produktionskosten zu sparen, ist Offshoring, die Verlagerung von Prozessen ins günstigere Ausland. Aber Auslagern ist nicht mehr nötig, wenn die Billiglöhner auch am eigenen, deutschen Produktionsstandort zu bekommen sind. Die Europäische Union macht's möglich.

Dreimal wird Gabriela abgezockt

Ab Januar 2014 ist der Arbeitsmarkt in Deutschland auch für Bulgaren und Rumänen geöffnet. Wie alle EU-Bürger genießen sie Freizügigkeit. Doch viele, die Arbeit suchen, werden ausgebeutet. An allen Ecken wird mit der wirtschaftlichen Not Geld gemacht. Mal kassiert schon die Vermittlerfirma Geld: einmal abgezockt. Dann der Lohn, der oft monatelang einbehalten wird, manchmal nie gezahlt wird: zweimal abgezockt. Dann die Wohnungen, für die Agenturen horrende Mieten verlangen: dreimal abgezockt.

Bei Gabriela ist es Letzteres. Einverstanden damit, dass sich ihre Vermittlungsagentur auch um eine Wohnung kümmert, ahnt sie nicht, was sie in Bretten, Deutschland, erwartet. Der Bus fährt sie zu einem alten Mietshaus. Der Putz verwittert, an einigen Stellen blättert er ab, an der Vorderseite hat die Feuchtigkeit im Gemäuer einen dunklen Fleck hinterlassen. Als Gabriela ins Haus geht, ihr das Zimmer gezeigt wird, in dem sie ab jetzt wohnen soll, kann sie nicht glauben, was sie sieht. Das hier ist kein Einzelapartment, sondern erinnert an ein heruntergekommenes Schullandheim. Schlafräume mit Stockbetten, keine eigene Küche, kein eigenes Bad, überall Menschen.

Wohnheim für Fremdpersonal. Foto: Rokahr
Wohnheim für Fremdpersonal. Foto: Rokahr

Da dämmert es Gabriela. Im Vertrag stand nicht, dass sie sich das Zimmer teilen muss, in dem sie wohnt. 325 Euro zahlt sie für ein heruntergekommenes Zimmer, in dem noch drei weiteren Personen schlafen, in dem nicht mehr Platz ist als für zwei Etagenbetten.

Schon in den ersten Tagen fragt sie sich, wie sie die Enge aushalten soll, den Stress, den Lärm. Da alle in unterschiedlichen Schichten arbeiten, gibt es nie Ruhe, die einen schlafen, ein anderer steht auf. Privatsphäre gibt es keine, stattdessen ständige Überwachung. "Die Firma hat unter unseren Landsmännern Spitzel", sagt Gabriela. Niemand soll vorm Haus herumlungern, es soll im Ort kein Aufsehen erregt werden. "Wer abends verbotenerweise am Fenster eine Zigarette raucht, bekommt am nächsten Tag eine Strafe von zehn Euro vom Lohn abgezogen."

Gabriela fragt bei der Vermittlerfirma, ob sie sich eine eigene Wohnung nehmen kann. Dann könnten auch ihre Kinder zu Besuch kommen. "Aber meine Chefin sagte, wenn ich die Wohnung kündige, dann kündige ich auch meinen Arbeitsvertrag." Die Firma kassiert doppelt ab: durch die Vermittlung billiger Arbeitskräfte und durch die Schrottimmobilien, die sie sich teuer bezahlen lässt.

"Hier behandelt man mich wie Dreck"

Die Ausbeutung trifft meist Menschen wie Gabriela, gering ausgebildete Zuwanderer ohne Universitätsabschluss. Diejenigen, die keine Fremdsprache beherrschen, nicht Deutsch, nicht Englisch. Viele arbeiten in Fabriken, an Fließbändern, schleppen Kisten, verarbeiten Lebensmittel, packen Kartons. Niemandem können sie die Zustände schildern oder ihrem Arbeitgeber gegenüber Forderungen formulieren.

Sie könne nur noch weinen, sagt Gabriela. Die Arbeit sei schon schwer, aber die Unterkunft sei unmenschlich. "Man hat mich nicht vor der Straße aufgelesen, ich habe in Polen nicht unter Zeitungen geschlafen, ich habe dort eine Wohnung", sagt sie. "Und hier behandelt man mich wie Dreck, wie in einem Arbeitslager." Doch eine Alternative sieht sie nicht. Weitermachen oder kündigen – und in Armut stürzen? Wer vor dieser Wahl steht, hat keine Wahl. "Bei wem soll ich mich beschweren?", fragt Gabriela. "Bei Gott?"

Die Vermittlerfirma IH Direkt behauptet, sie sei für Kritik offen. Gabriela dagegen sagt, wer kritisiert, bekomme Druck und Drohungen zu spüren. "Wir zwingen doch niemanden, in unseren Unterkünften zu wohnen", sagt Geschäftsführer Michael Schäfer. Es sei entweder gelogen oder ein Missverständnis, wenn jemand berichte, bei Kündigung des Mietvertrags werde auch der Arbeitsvertrag beendet. "Wir verdienen nicht an der Unterbringung, wir wollen doch selbst, dass die ausländischen Arbeiter hier auf Dauer sesshaft werden." Und würde er dort wohnen wollen, in den vermieteten Häusern in Bretten? "Ansichtssache", sagt Schäfer, um nach kurzer Pause zu bekennen: "Nein, ich würde dort nicht wohnen wollen."

Brettener Deuerer-Werk. Foto: Joachim E. Röttgers
Brettener Deuerer-Werk. Foto: Joachim E. Röttgers

Trotzdem suchen Ost- und Südeuropäer weiter Arbeit in Deutschland. Akquise müsse DH Direkt schon gar nicht mehr betreiben, so der Geschäftsführer. Auf seiner Homepage steht: "Wir haben unsere Ressourcen noch lange nicht ausgeschöpft." Und da kann Gabriela zumindest zustimmen, wenn sie an sich und ihre Kollegen denkt. "Immer mehr Menschen für immer weniger Geld, nur darum geht es", sagt sie. "Früher nannte man das Sklaverei."

Wenn sie heute kündige, sei morgen ein neuer Arbeiter da. Die Polen, Rumänen, Bulgaren seien zum Teil auch selbst schuld, sie berichten nicht über die Zustände in Deutschland. Niemand wolle seiner Familie Sorge bereiten oder Freunden gegenüber eingestehen, dass er in Deutschland nicht die ersehnte gute Arbeit gefunden habe, sondern in einer modernen Knechtschaft gelandet sei.

Seit einem Jahr gefangen in der Ausbeutungsmaschine

Die neue Bundesregierung hat angekündigt, Regeln zu setzen. Im Koalitionsvertrag heißt das schlicht: "Wir werden die Ausbeutung der Arbeitskraft stärker in den Fokus der Bekämpfung des Menschenhandels nehmen." Doch tatsächliche Besserung scheint unwahrscheinlich. Die CSU, immerhin Bestandteil der Regierung, heizte die Zuwanderungsdebatte kürzlich mit der Warnung "Wer betrügt, der fliegt" an. Einwanderer sollen die Leistungen nicht ausnutzen, drohen die Christsozialen, dabei droht den Einwanderern oft das Umgekehrte: von der deutschen Wirtschaft ausgenutzt zu werden. Aber was passiert mit jenen, die ausbeuten? Droht ihnen eine Strafe? Oder ist das Billiglohnprinzip in Deutschland bereits so etabliert, dass nicht einmal eine moralische Verurteilung droht?

Der Brettener Tierfutterhersteller Deuerer, bei dem Gabriela arbeitet, gibt sich unwissend von den Lebensumständen seiner Arbeiter. "Unwahrheiten" nennt der stellvertretende Geschäftsführer die Geschichte, die Gabriela erzählt. Deuerer habe sich erkundigt, ob den Leiharbeitern Tarifgehalt gezahlt werde, und das sei der Fall, damit habe man getan, was getan werden müsse. Die Unterbringung sei nicht Sache der Firma, selbst dann nicht, wenn der Mietvertrag an den Arbeitsvertrag gekoppelt sei. "Und wenn jemand 300 Euro Miete zahlt, dann ist das vielleicht sogar in Ordnung", fügt der Stellvertreter, der seinen Namen während der telefonischen Nachfrage nicht nennen will, noch hinzu. "Je nachdem, welche Leistungen die Summe beinhaltet, Strom, Heizung oder Nutzung der Waschmaschine zum Beispiel."

Eineinhalb Jahre lebt Gabriela jetzt in ihrem neuen Zuhause, das sie so nicht nennen kann. Wie man das durchhält, vermag sie nicht zu erklären. Ein Jahr ist Gabriela jetzt gefangen in der Ausbeutungsmaschinerie. Gefangen nicht, weil sie nicht gehen dürfte, aber weil sie nicht kann. Zu Hause erwarten sie die Armut und die Kinder, denen sie eine bessere Zukunft ermöglichen will.

Und selbst nach einer Siebentagewoche ist der Rest vom Traum des guten Lebens in Deutschland noch da. Irgendwann will Gabriela für eine seriöse Firma arbeiten, hart und fleißig, verspricht sie. Und eine eigene Wohnung haben, mit einem Zimmer, das sie nicht teilen muss, einem Bad, vor dem sie nicht anstehen muss, und einem Bett, in dem sie endlich einmal wieder durchschlafen kann.

Es sei schwierig, mit so vielen Leuten auf engem Raum zusammenzuleben. "Alle stehen unter Druck, niemand kann sich abreagieren, manche haben Depressionen, andere trinken." Sie selbst versucht nicht aufzufallen. "Ich will nur durchhalten, den Tag zu Ende bringen, und das jeden Tag aufs Neue."


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Kommentare

Spatarkus, 25.04.2014 04:09
Ich bin auch Leiharbeiter und über fünfzig Jahr alt habe auch weniger Geld
als meine Festangestellten Kollegen in der Firma komme auch kaum über die runden des Monats. Ich kann über den Lachhaften bis bitteren Mini Mindestlohn von 8,50€ nur Kotzen denn mein Lohn per Stunde liegt genau 43 Cent da über und muss Aufstocken seit fünf Monaten mache ich das nicht mehr nicht mehr weil ich der Sklaverei Unterstützende Unternehmung JobCenter ( In Person Weise 270000€ Jahres Einkommen ) alle sechs Monate einen Persönlichen Eiertanz hinlegen muss über das Einkommen aus der Dumping Beschäftigung und Miete.
Die Ausbeutung und Lohndrückererei klappt für die Konzern und anderen Lohndrücker Unternehmen in Deutschland Perfekt gefördert von DGB ( Sommers Scheissladen ) & SPD
Es gibt noch zu viel Zuschreiben über Deutschlands Lohndumping.

Jana, 25.02.2014 04:10
Hallo,
Ich wollte mich erst an die Frau wenden die selbst behauptet Polin zu sein. Sie sollen sich schämen sowas zu schreiben das die arme Frau selbst schuld daran ist, und wenn es ihr nicht passt dann soll sie gehen.! ? Die läute die hier kommen haben meistens keine andere Möglichkeit, wenn sie selbst aus Polen kommen müssen sie das eigentlich wissen! Was für Mensch sind sie das sie hier diese Menschen Sklaverei noch unterstützen ! Ich war selber vor paar Jahren durch diese Firma angestellt und ich weiß das diese Frau nur das sagt was stimmt. Sie selber sagten das sie für diese Firma arbeiten und so gelebt haben wieso sind sie dann ausgezogen wenns ihnen da so gut da gefallen hat? Sowas auszuhalten müsste sich man wahrscheinlich jeden Tag betrinken das wegen gehe davon aus das sie eventuell ein Alkohol Problem haben . Die läute die dort beschäftigt sind können kein Wort deutsch würden nur misshandelt und erniedrigt. Ich hoffe das sich bald dort was ändert!

F. Nelle, 11.02.2014 14:09
Eine wichtige Reportage. Deuerer ist ja schon länger berüchtigt, da braucht man nur mal "Deuerer Ausbeutung" zu googlen, dann weiß man Bescheid und dann wird niemand die Reportage für übertrieben halten. Ich habe gleich mal bei der DM-Drogeriemarktkette nachgefragt, welchen Teil ihres Tierfuttersortiments sie von dort beziehen, und dass sie mal auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten hinwirken sollen. Da gab es selbstverständlich nur eine nichtssagende Standardantwort, aber ich werde die mal weiter nerven.

FernDerHeimat, 11.02.2014 06:00
"es gibt immer zwei Seiten"

Schau an, jetzt trollst Du also auch zu diesem Thema.

es gibt immer zwei Seiten, 10.02.2014 20:15
Unglaublich was ich hier wieder lesen muss :/ Das einzige was stimmt ist das sie dank diesem Job Ihre Familie in Polen unterstützen kann und selber mit dem Rest gut um die Runden kommt. Diese Leute bekommen einen Helferjob der zum Tariflohn bezahlt wird und das obwohl sie zu beginn kaum deutsch sprechen können. Eine Unterkunft wird auch geboten !möbliert! Jeder der privat wohnt weiß wie teuer eine eigene Wohnung sein kann. Ob Möbel, Haushaltsgeräte, Kautionen oder Miete das gibt's doch nirgends umsonst! Und ganz ehrlich wer vermietet schon seine Wohnung an eine Person aus dem Ausland - kaum jemand ! Zu dieser Polin fällt mir im Moment nur ein - undankbar! Ich hoffe nur das nicht alle irgendwann ihren Job verlieren wegen solcher Aussagen.

Elke, 10.02.2014 16:50
Wer zerstört die Natur? 08.02.14

Ich bin wütend. Die Bäume im Stuttgarter Rosensteinpark dürfen ungestraft gefällt werden (weil Politiker das so wollen, weil Wirtschaftsbosse das so wollen). Niemand wird zur Rechenschaft gezogen; aber wenn Antonietta F. diese Bäume mit Kreuzen bemalt, wird sie vor den Kadi gezerrt. Ich schäme mich für unsere Polizei, für unsere Richter, für unsere Rechtsprechung. Man muß nur Macht oder viel Geld haben, dann hat man von Polizei und Richtern wenig zu befürchten. "Schlimmstenfalls" kann man sich freikaufen.

Ich finde es wunderbar, was Antonietta gemacht hat und wünsche Ihr viel Kraft und Erfolg und möchte mit Hermann Hesse schließen:

"Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld. Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe".

Jogi, 09.02.2014 08:47
@xxx
wenn Sie Polin sind bin ich der Kaiser von China - netter Versuch!

FernDerHeimat, 09.02.2014 06:41
Klar glauben wir Dir, "xxx"....

Du könntest hier zwar problemlos unter Deinem ECHTEN Namen ein Posting verfassen, weil es so oder so keiner nachprüfen kann, aber mit "xxx" ist es BESONDERS glaubwürdig, was Du da von dir gibst.

Und es gäbe da sicherlich auch genug Fälle, die aus dumpfem, vorauseilendem Gehorsam ihrem Frühkapitalisten treu bleiben wollen und das Wort reden, weil sie einfach nicht begreifen wollen, dass der sich einen DRECK um sie schert.

xxx, 08.02.2014 19:11
Frau Gabriela
Soll sie sich freuen das sie Arbeit hat . wenn es ihr so schlecht geth soll sie ja nach Hause fahren und nicht meckern . Ich bin auch Polin und Arbeite auch in der Firma IH Direkt seit 3 Jahen habe auch so gewohnt und keine Probleme gehabt , habe jetzt Eigene wohnung und wurde NICHT gekundigt .... Frau Gabriela wenn sie so klug sind und sowas uber IH Direkt verbreiten kunnen , kunnen sie ja auch ihren richtigen namen schreiben und nicht verstecken ... Haben sie kein muth ? so was kann jeder behaupten , vieleicht sind sie sie Frau die ein alkohol Problem hat ????? Jeder von uns ist zufiden nur so eine Frau der mann nichts recht machen kann , ich kann auch viel da zu sagen... aber schade um die wurte fur sollche menschen wir sie ..

Mit freundlichen grussen
>>>

Jogi, 08.02.2014 10:52
>Wer betrügt, der fliegt< - und das aus dem Munde eines (bürgerlichen) Politikers!
Demnach müssten, durch den seit Jahrzehnten von der bürgerlichen Politik mitgetragenen systematischen Betrug am öffentlichen Interesse bzw. am Gemeinwohl zugunsten von Gewinninteressen der Privatwirtschaft, die kompletten bürgerlichen (= von Lobbyisten unterwanderten) Parteien fliegen.

>Wir werden die Ausbeutung der Arbeitskraft stärker in den Fokus der Bekämpfung des Menschenhandels nehmen<
Dieser Satz der neuen (bürgerlichen) Regierung veranschaulicht m.E. gut die Manipulation der Bevölkerung zugunsten von Wirtschaftsinteressen. Insbesondere stecken in diesem heutzutage für bürgerliche Politiker/Parteien typischen Satz gleich zwei die Mehrheit der Bevölkerung bewußt irreführende Aussagen.
Hier meine beiden Behauptungen: Ich glaube weder das die aktuelle Bundesregierung diese Art von "moderner Sklaverei" als Ausbeutung ansieht, noch als Menschenhandel.
Die Begründung hierfür halte ich für relativ einfach: Sowohl die amtierende bürgerliche Bundesregierung als auch die vorangegangenen bürgerlichen Bundesregierungen haben diese "Art" der billigen Arbeitskraftbeschaffung für die Privatwirtschaft in die Wege geleitet also erst ermöglicht bzw. tragen diese "Art" der billigen Arbeitskraftbeschaffung für die Privatwirtschaft mit.
Welchen Grund also hätte die neue bürgerliche Bundesregierung hieran etwas zu ändern solange die Privatwirtschaft damit zufrieden ist sprich ihr Profitstreben befriedigt?

Zur Verdeutlichung von Manipulation im großen Stil zugunsten von Wirtschaftsinteressen kurz ein Erlebnis aus meiner persönlichen Vergangenheit.
1990 Krieg Irak/Kuweit. In dessen Zuge kochte in der Öffentlichkeit die Diskussion um deutsche Waffenexporte hoch. Ich war damals Student und gründete mit anderen Studierenden einen Arbeitskreis der sich mit deutschen Waffenexporten beschäftigte.
Eines Abends in der Tagesschau ließ die damalige Bundesregierung verkünden, dass sie jetzt "..verstärkt gegen illegale Waffentransporte vorgehen werde". Durch die Tätigkeit in dem Arbeitskreis war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits bewußt, im Gegensatz zu den vielen Millionen anderen Fernsehzuschauern, dass die illegalen deutschen Waffenexporte lediglich ca. 3 % (!!) der gesamten deutschen Waffenexporte ausmachten. Die andern 97 % gehen legal durch die bestehenden deutschen Gesetze durch.
Bei der Bevölkerung wird der Eindruck erweckt das etwas getan wird, dass es sich dabei jedoch nur um 3 % handelt wird bewußt verschwiegen. Das nenne ich bewußte Irreführung und Manipulation im großen Stil.

Seit diesem Tag habe ich kein Vertrauen mehr in eine bürgerliche Politik!

Peter, 08.02.2014 09:17
Es ist eine Schande, dass es so etwas in unserem reichen Land gibt.

FernDerHeimat, 06.02.2014 13:42
@Uli: Auf die zuständige Staatsanwaltschaft wird man (wieder) bis zum Sankt Nimmerleinstag warten.

Frühestens wenn über diese Schweinerei beim SWR berichtet wird, wird man sich - vielleicht - aufraffen. Damit auch ja genügend Zeit für die "Parteifreunde aus Industrie und Wirtschaft" bleibt um zu dementieren, Beweise zu vernichten und den Prozess mit allerlei windigen Strategien insgesamt um mind. 2 Jahre zu verschleppen.

Damit auch ja nichts an der Politik (regional wie überregional) hängen bleiben kann. In der Hinsicht konnte man sich immer auf die heimische Justiz "verlassen".

Matz, 06.02.2014 10:06
die "Melanchthon-Stadt" Stadt Bretten profitiert zweifach von dieser unglaublichen Ausbeuterei:
einmal über die Gewerbesteuer der Firma Deuerer (Geld stinkt nicht!),
sowie über die Vermietung von Wohnraum ihrer städtischen Wohnungsbau GmbH, die Wohnraum über die Arbeits-Vermittler der Firma Deuerer an die Arbeits-Sklaven vermietet.
Im Übrigen baut die Firma Deuerer in Bretten gerade ein neues Logistik-Zentrum, wofür 22ha eines ökologisch hochwertigen Waldes vernichtet wurde! Googeln nach Rüdtwald Bretten genügt...

Uli, 05.02.2014 20:29
Konnte man im Zimmer nicht fotografieren? Das Bild von innen fehlt total! Ansonsten eine sehr gute Reportage, eigentlich müsste da die Staatsanwaltschaft aktiv werden.

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Ich kann dem Kommentator E-F Harmsen nur zustimmen. Als Tochter eines ehemaligen KZ-Häftlings habe ich deshalb die große Sorge, dass sich die gleiche Situation anbahnt wie 1933 - die Bilder gleichen sich zu sehr!

Ausgabe 178 / Politsekte unbeobachtet / Ansgar, 28.09.2016 18:47
Die waren ja sogar den Nazis zu krude und darum ironischerweise auch NS-verfolgt. Nun ist Religion eine heikle Sache. Die Frage ist, welche Gefahr heute von dieser Sekte ausgeht.

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