KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Die Götzenburg in Jagsthausen, Wohnsitz von Roman Herzog, Bundespräsident a. D.

Die Götzenburg in Jagsthausen, Wohnsitz von Roman Herzog, Bundespräsident a. D.

Ausgabe 147
Gesellschaft

Schweigen auf der Burg

Von Ralf Garmatter (Text und Fotos)
Datum: 22.01.2014
Roman Herzog (79), ehemaliger Bundespräsident, ist es zu verdanken, dass der 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde. Zweimal hat der CDU-Politiker selbst die Gedenkrede im Deutschen Bundestag gehalten. Beide Male fand der Jurist deutliche Worte. Zu den SS-Gedenksteinen vor seiner Bürotür fehlen sie ihm.

Roman Herzog 1999: "Ich habe es schon des Öfteren gesagt und wiederhole es hier bewusst: Für mich ist jeder Versuch, die Verbrechen des Nationalsozialismus aus der geschichtlichen Erinnerung auszublenden, letztlich nur eine besondere Form intellektueller Feigheit, und Feigheit ist das Letzte, was ich von meinem Volk erleben möchte."

                                                                                   ∗

Um den Bundespräsidenten a. D. ist es in den vergangenen Jahren still geworden. Seit einiger Zeit lebt er im Schloss Jagsthausen (Landkreis Heilbronn), der Burg des legendären Götz von Berlichingen (1480 bis 1562). Laut "Bild"-Zeitung vom 5. November 2013 wohnt Roman Herzog dort mit seiner zweiten Frau, Alexandra Freifrau von Berlichingen (71), die er 2001 heiratete. Seine erste Frau Christiane war 2000 an einem Krebsleiden gestorben.

In der Götzenburg in Jagsthausen hat Herzog ein Arbeitszimmer, in Heilbronn sein offizielles Büro als ehemaliger Bundespräsident. Kaum 100 Meter von Herzogs Jagsthausener Arbeitszimmer entfernt stehen zwei große Gedenksteine für militärische Einheiten. Ende November 2013 war der eine mit einem frischen Kranz, der andere mit einem frischen Blumengesteck geschmückt. Alltag in Deutschland im November, könnte man meinen: Die Menschen gedenken ihrer toten Familienangehörigen.

SS-Gedenkstein für die 17. Panzergrenadier-Division Götz von Berlichingen.
SS-Gedenkstein für die 17. Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen".

Die Inschriften der beiden Gedenksteine verheimlichen aber mehr, als sie preisgeben. Das könnte so gewollt sein. Hinter den Inschriften "Unseren Kameraden – 17. PZ. GREN. DIV. 'GÖTZ VON BERLICHINGEN'" und "Den Gefallenen der PZ. DIV. WIKING – Errichtet von ihren Pionieren" verbergen sich zwei Divisionen der Waffen-SS, die im Zweiten Weltkrieg an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt waren. Darüber will in Jagsthausen aber keiner sprechen. Niemand will sagen, wer die Steine aufgestellt hat und wer dort alljährlich im November frischen Blumenschmuck ablegt.

Die Soldaten dieser SS-Einheiten waren im Krieg nicht zimperlich. In der Zentralen Stelle der Landesjustizanstalten zur Verfolgung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg sind "insgesamt 16 Aktenbände recherchierbar, die Ermittlungen gegen Angehörige der SS-Divisionen 'Götz von Berlichingen' und 'Wiking' zum Gegenstand haben". Im Buch "Soldaten – Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben" von Sönke Neitzel und Harald Welzer (2011 erschienen) werden die beiden SS-Divisionen "Götz von Berlichingen" und "Wiking" als äußerst brutal dargestellt.

Zwölf Mark Zuschlag für Töten am laufenden Band

Nur ein Beispiel: Oberscharführer Fritz Swoboda, Angehöriger der SS-Division "Götz von Berlichingen", erzählt in der Gefangenschaft einem deutschen Oberleutnant Details der Ermordung von Zivilisten in der Tschechoslowakei. Das Gespräch wurde abgehört. Der SS-Oberscharführer berichtete: "Da waren doch Erschießungen am laufenden Band, da gab es die zwölf Mark Zulage, 120 Kronen am Tag für die Erschießungskommandos. Da haben wir nichts anderes gemacht, also die Gruppen von zwölf Mann haben jeweils sechs Mann geführt und dann umgelegt. Da habe ich vielleicht 14 Tage nichts anderes gemacht. Und da haben wir doppelte Verpflegung gekriegt, weil das doch ungeheuer die Nerven kostet."

Und für die  Panzerdivision Wiking.
Und für die Panzerdivision "Wiking".

Angesichts der grausigen Morde ist nicht zu dulden, dass auf einem frei zugänglichen Grundstück in Jagsthausen heute noch Gedenksteine für zwei Einheiten einer "verbrecherischen Organisation" (SS) stehen können. Unmittelbar daneben befindet sich die Gedenkstätte der Gemeinde Jagsthausen für die Opfer der Nazidiktatur. Unbedarfte Betrachter der SS-Gedenksteine gewinnen den Eindruck, dass diese zur gemeindlichen Erinnerungsstätte "Ehrenmal der Gemeinde für Gefallene und Vermisste des Ersten und Zweiten Weltkrieges" und für die "Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur" gehören. Das Grundstück mit der Flurstücknummer 214/1 gehört aber zur Götzenburg der Familie "von Berlichingen". Keine 100 Meter von den SS-Steinen entfernt ist der Eingang zu den Jagsthausener Burgfestspielen, die im Sommer Tausende Besucher anlocken. Auch Theaterstücke für Kinder sind dort zu sehen.

Bundespräsident a. D. Herzog hüllt sich beim Thema Nazidivisionen in Schweigen. Fragen zu den SS-Gedenksteinen beantwortete er nicht. Auch mehrmaliges Nachhaken per Telefon, E-Mail und Fax blieb ohne Erfolg. Herzogs Büromitarbeiterin bestätigte lediglich, dass "der Bundespräsident die Unterlagen zu Hause hat und sie prüft". Auch der amtierende Schlossherr, Götz Freiherr von Berlichingen (46), ein Jurist wie sein Stiefvater Roman Herzog, beantwortet keine Fragen zu den SS-Gedenksteinen auf seinem Grundstück.

Eine verschwiegene Gemeinschaft

Jagsthausens Bürgermeister Roland Halter gibt sich betont einsilbig. Der Schultes der 1600-Einwohner-Gemeinde im idyllischen Jagsttal teilt lediglich mit, dass das Grundstück 214/1 weder der Gemeinde noch dem Land und auch nicht dem Bund gehöre. Es sei vielmehr in Privatbesitz. Zum Schluss wirkt Halter genervt: "Von meiner Seite aus ist alles dazu gesagt, und ich bitte Sie, dies endlich zu respektieren. Weitere Anfragen werde ich nicht beantworten."

Gedenkstätte der Gemeinde Jagsthausen für die Opfer der Nazidiktatur. Im Hintergrund ein SS-Gedenkstein.
Gedenkstätte der Gemeinde Jagsthausen für die Opfer der Nazidiktatur. Im Hintergrund ein SS-Gedenkstein.

Wegen des allgemeinen Schweigens in Jagsthausen bleibt offen, wer die SS-Gedenksteine aufgestellt hat und wann; warum sie unmittelbar neben der gemeindlichen Gedenkstätte für die "Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur" stehen, wer heute noch frischen Grabschmuck dort ablegt; welchen Zweck die Steine erfüllen und ob Mitglieder der Familie "von Berlichingen" den SS-Divisionen "Götz von Berlichingen" und "Wiking" angehörten. Ungewiss bleibt auch, was mit den beiden SS-Gedenksteinen passieren soll. Ein Kenner der örtlichen Verhältnisse in Jagsthausen, der nicht genannt werden will, sagt, dass Alt-Bundespräsident Herzog und die Familie "von Berlichingen" mit den SS-Gedenksteinen auf dem Grundstück der Götzenburg "nicht glücklich" sind.

Entschiedene Kritik übt der Antifaschist Siegfried Hubele an der "SS-Gedenkstätte" in Jagsthausen. Hubele ist Mitglied der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA) und ein Sprecher der KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental. Sein Kommentar: "Wenn unmittelbar neben einer Gedenkstätte für die Opfer der Gewaltherrschaft auch Gedenksteine der SS – einer verbrecherischen Organisation – platziert sind, wird schon visuell der Graben zwischen Opfer und Täter zugeschüttet." Hubele empfindet "diese Installationen als höchst geschmacklos, geschichtslos und skandalös. Wenn sie dann noch auf einem Gelände stehen, das der Familie des Ex-Bundespräsidenten gehört, dann dokumentiert das nochmals, was Herzog einst bei seiner Rede mit dem "Ruck durch Deutschland" gemeint hat – nämlich einen weiteren Ruck nach rechts."

Der Blumenschmuck an den SS-Gedenksteinen wird wohl regelmäßig gegossen: "17. G.v.B." steht auf der Gieskanne.
Der Blumenschmuck an den SS-Gedenksteinen wird wohl regelmäßig gegossen: "17. G. v. B." steht auf der Gießkanne.

Dass an SS-Gräbern und SS-Gedenksteinen auch heute noch Blumen niedergelegt werden, zeige, so Hubele, dass es offenkundig noch und wieder Kräfte gibt, die in solchen Weltanschauungskriegern Vorbilder sehen. SS und andere Kriegsverbrecher sind nach Ansicht des Schwäbisch Haller Antifaschisten "immer Bezugspunkte für die militante Rechte. Auch von so was kommt der NSU." Hubele fordert, dass der "Gleichsetzung von Opfern und Kriegsverbrechern ein Ende bereitet wird, indem die SS-Steine entfernt werden."

Dazu braucht es Mut, Geschichtsbewusstsein und Entschlossenheit. Eigentlich ein Fall für Roman Herzog. Denn Feigheit mag er nicht.


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Kommentare

Peter Schneider, 30.10.2016 02:24
Wer Geschichte nur auf 1933 - 1945 reduziert, kennt eben Geschichte nicht. Er sucht sich den Teil heraus, der ihm besonders passend erscheint. Zu mir sagte mal ein Engländer, ihr hattet euren Hitler und wir hatten unsere Verbrecher. Und dann erklärte er mir in aller Ruhe, in einer süddeutschen barocken Festungsstadt, eine Waffe, die von 1689 übrig blieb. Die einzigen Probleme, die ich in meinem Leben bisher mit Franzosen und Engländer hatte, waren, daß ich in der Schule etwas nachlässig mit deren Sprache umging. Die 70 Jahre Bereuungskultur ist eine deutsche Schieflage. Aber keineswegs sind es die Zukunftssorgen der Länder, die den Einmarsch deutscher Truppen ertragen, erleiden mußten.

Philipp Hiereth, 28.08.2014 12:40
Ich finde es beschämend, dass hier Menschen, die sich nicht im Entferntesten vorstellen können, was diese Generation in jungen Jahren mitmachen musste, pauschal über ganze Verbände urteilen.
Es geht hier nicht um die Verherrlichung der Waffen SS, es geht um stilles Andenken an Gefallene, die häufig auch nur Opfer eines Regimes waren. Dass solche Gedenkstätten ggf. von Neonazis mißbraucht werden, darf kein Grund sein, Angehörigen und Überlebenden das Gedenken an Ihre Gefallenen streitig zu machen. Natürlich gab es Kriegsverbrechen verschiedener Waffen SS Einheiten und jedes einzelne ist -wie der Name sagt- ein Verbrechen, das nicht zu rechtfertigen ist.
Dennoch sind nicht alle Angehörigen der Waffen SS oder der Wehrmacht Verbrecher.
Und Ihrem Gedenken, derer, die in einer schrecklichen Zeit unvorstellbare Opfer bringen mussten, gilt diese kleine Stätte. Was ist daran verwerflich?
Können wir nicht endlich aufhören, in allem nur schwarz-weiß zu denken? Können wir nicht einfach dankbar sein, in Frieden und in Freundschaft mit den Gegnern von einst leben zu dürfen?
Warum dürfen wir nicht um unsere Soldaten trauern, wie jedes andere Land auch?
Ich bin froh, in Frieden, Freiheit und Wohlstand aufgewachsen zu sein. Ich möchte das Opfer dieser Generation, egal, ob deutscher oder alliierter Soldat nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Arnhold W. Blumenthal, 20.03.2014 14:51
Merkwürdig... ist der Autor etwa nicht des Lesens mächtig? Die Bezeichnung der Gedächtnisstätte in Jagsthausen lautet korrekt "Gedächtnisstätte der Kriegstoten". Und dies bezieht ALLE Kriegstoten mit ein. Gefallene Soldaten ebenso wie durch alliierten Bombenterror getötete Zivilisten.
Die Bezeichnung "Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur", die wohl nur im politisch korrekten Hirn des Autors existiert, ist schon insofern falsch, da sie ganz im linkspopulistischen Sinne die deutschen Opfer außen vor läßt.
Die ehrwürdigen Ahnen derer von Berlichingen würden sich sicher im Grabe herum drehen, wenn sie wüßten, was für eine Laus sich dort in ihrem Anwesen eingenistet hat...

Rolf Steiner, 25.01.2014 14:24
"... eine besondere Form intellektueller Feigheit, und Feigheit ist das Letzte, was ich von meinem Volk erleben möchte."

Doch leider finden wir, s.g.H.Bundespräsident i.R. diese intellektuelle Feigheit bei Ihnen. Oder interessiert Sie Ihr "Geschwätz" von gestern nicht mehr?

Gibt es eine insgeheime "intellektuelle Komplizenschaft" mit diesen SS-Einheiten, dann wäre es angebracht, dass Sie sich endlich einen "Ruck" geben. Schon Christus sagte: "An ihren Taten werdet Ihr sie erkennen."

Peter, 24.01.2014 08:16
Antwort zu Gabi (23.01.2014 13:17)

Nein, ich bin nicht der Meinung, dass SS-Massenmörder das Recht haben, in Frieden zu ruhen. Wie Gabi bin aber auch ich der Meinung, dass wir in unserem Gedenken nicht nachlassen sollten, allerdings im negativen Gedenken an die SS-Täter und ihre Verbrechen - auch so geben wir den ihren Opfern den verdienten Respekt. Vielleicht einen noch größeren als durch das direkte Opfergedenken.

Gabi, 23.01.2014 13:17
Also ich bin jetzt schon etwas verwirrt.
Erstens: Mit 79 Jahren noch ein Büro? Soll jeder halten wie er will, kommt nur darauf an wer es bezahlt. Es ist schon eine Schande, dass Politiker selbst nach dem Austritt aus dem "Arbeitsleben" noch Gelder vom Arbeitgeber und dies wohl auf Lebszeit bekommen. Das sollte man dringend ändern und abschaffen. "Otto Normalverbrauer" der diese Leistungen finanziert, kommt ja auch nicht in den Genuss.

Zweitens: Es mag unglücklich und moralisch höchst fragwürdig sein, dass ein Gedenkstein der SS-Opfer neben einem Gedenkstein der SS-Täter steht, man sollte aber doch noch bedenken, es handelt sich bei beiden Toten um Menschen.
Auf jedem Friedhof findet man irgendwo Opfer und Täter und alle sind Menschen. Verbrechen kann man nicht ungeschehen machen nur weil man einen Stein entfernt unter dem man SS-Täter findet. Lassen wir doch die Menschen in Frieden ruhen und bündeln lieber die Kräfte um zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt. Damit Gedenken wir den Opfern meiner Ansicht nach am Meisten und geben Ihnen den verdienten Respekt.
Man kann an der Geschichte nichts mehr ändern, man kann nur daraus lernen und verhindern, dass sie sich wiederholt.
Und als letztes wer kann mit 100%iger Sicherheit sagen das dort nicht nur Opfer begraben sind?

Joos Wismer, 23.01.2014 12:44
Die Sache wäre doch vielleicht ganz einfach zu lösen: Man veranstaltet eine Bemalungsaktion in der Weise, dass von einem Künstler (oder mehreren) im Rahmen eines "Happenings" diese beiden Steine fantasievoll bemalt werden, (womöglich so, dass sie mit plastischem Blut übergossen scheinen, oder anders) und zwar unter Teilnahme ausgewähltes Publikums, das gleichzeitig die Aufgabe hat, das Geschehen möglichst vielfältig zu dokumentieren. Wenn dann der Hausherr erzürnt vom Schloß dahergerannt kommt, sagt das mehr als tausend Anfragen. Wenn es dann Klagen gibt wegen Schändung von Denkmälern wäre die Frage zu stellen, ob auch Schandmäler schändbar sind....

Karola S., 23.01.2014 11:46
Igendwie macht mich diese Artikel doch sprachlos. Roman Herzog ist nun in den Adel geschlüpft.
"Nomen est omen" heißt doch ein lateinisches Sprichtwort. Der Name hat Bedeutung. So nun in zweierlei Hinsicht. Roman Herzog und Herzog ist Adel. Jetzt noch mit von Berlichingen vermischt kann seine Haltung nur bedeuten, was man allgemein von Götz von Berlichingen weiß: "Leckt mich am A....".
Insofern - wird nichts Weiteres von ihm kommen.
Dass er aber immer noch, neben seiner eigentlichen Pension auch noch vom Staat - also unseren Steuergeldern - alimentiert wird mit Büro, Sekretärin, Fahrer und Dienstauto - gehörte für alle BPs und Ex-Kanzler auf den Prüfstand und sollte ausgedünnt werden.

Margot Imm, 23.01.2014 09:40
Da auch ich Feigheit auf den Tod nicht ausstehen kann und ganz zufällig der 27. Januar mein Geburtstag ist, frage ich mich ernsthaft, warum ein ehemaliger Bundespräsident im Alter von 79 Jahren auch noch nach 15 Jahren außer Dienst ein vom Steuerzahler finanziertes offizielles Büro braucht?

Wenn sich der Bundespräsident a.D. jetzt als Rentenschutzbefohlener für die Jugend ins Gespräch bringt, sollte er sich zuvorderst mit dem europaweiten Renteneintrittsalter, der absolut dreisten Rentenentwertung und der aktuellen Durchschnittsrente für Normalsterbliche oder insbesondere für Frauen beschäftigen.
Wie man längst weiß, ist Deutschland im europäischen Vergleich bereits mit dem Renteneintrittsalter 67 der Spitzenreiter und wenn aktuell der BGA-Präsident Börner wieder das Rentenalter 70 ins Spiel bringt, hat dies mal ganz abgesehen vom bestehenden Generationenvertrag absolut nichts mehr zu tun mit dem europäischen Anstandsgebot. Und auch die Überalterung in den Unternehmen oder die zunehmend aufreibendere Arbeitsplatzsuche der jungen Leute steht europaweit auf einem ganz anderen Papier!
Wie soll bitteschön die Generation Praktikum oder Ehrenamt in der längst geschlossenen Gesellschaft eine ordentliche Rentenanwartschaft erwerben?

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