KONTEXT Extra:
Parkschützer helfen Wolfgang Dietrich beim VfB

Überraschende Hilfe für den früheren S 21-Sprecher Wolfgang Dietrich: Ermuntert durch das Kontext-Editorial ("Dietrich for President") finden sich im Bahnhofsgegner-Forum "Parkschützer" bereits Vorschläge für Sprechakte, die der 68-Jährige als VfB-Präsident vornehmen könnte. Besonders hübsch die Ansage, der Zweitligist plane den Kauf von Messi, Ronaldo und Ibrahimovic - "die Kosten dafür werden unseren Etat nicht belasten". Sehr schön auch der Plan, keinen Torwart einzusetzen, denn: "Ich bin sicher, wir bekommen eine Sondergenehmigung, unser Tor mit Brettern vernageln zu dürfen". Außerdem brauche der VfB keine elf Spieler - "unsere Mannschaft ist mit sechs Spielern 30 Prozent leistungsfähiger". Grundsätzlich habe der Abstieg in die 2. Liga keinerlei Auswirkungen auf das Ziel, 2017 Deutscher Meister zu werden: "Wir liegen da voll im Zeitplan". (28.7.2016)


Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


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Die Götzenburg in Jagsthausen, Wohnsitz von Roman Herzog, Bundespräsident a. D.

Die Götzenburg in Jagsthausen, Wohnsitz von Roman Herzog, Bundespräsident a. D.

Ausgabe 147
Gesellschaft

Schweigen auf der Burg

Von Ralf Garmatter (Text und Fotos)
Datum: 22.01.2014
Roman Herzog (79), ehemaliger Bundespräsident, ist es zu verdanken, dass der 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde. Zweimal hat der CDU-Politiker selbst die Gedenkrede im Deutschen Bundestag gehalten. Beide Male fand der Jurist deutliche Worte. Zu den SS-Gedenksteinen vor seiner Bürotür fehlen sie ihm.

Roman Herzog 1999: "Ich habe es schon des Öfteren gesagt und wiederhole es hier bewusst: Für mich ist jeder Versuch, die Verbrechen des Nationalsozialismus aus der geschichtlichen Erinnerung auszublenden, letztlich nur eine besondere Form intellektueller Feigheit, und Feigheit ist das Letzte, was ich von meinem Volk erleben möchte."

                                                                                   ∗

Um den Bundespräsidenten a. D. ist es in den vergangenen Jahren still geworden. Seit einiger Zeit lebt er im Schloss Jagsthausen (Landkreis Heilbronn), der Burg des legendären Götz von Berlichingen (1480 bis 1562). Laut "Bild"-Zeitung vom 5. November 2013 wohnt Roman Herzog dort mit seiner zweiten Frau, Alexandra Freifrau von Berlichingen (71), die er 2001 heiratete. Seine erste Frau Christiane war 2000 an einem Krebsleiden gestorben.

In der Götzenburg in Jagsthausen hat Herzog ein Arbeitszimmer, in Heilbronn sein offizielles Büro als ehemaliger Bundespräsident. Kaum 100 Meter von Herzogs Jagsthausener Arbeitszimmer entfernt stehen zwei große Gedenksteine für militärische Einheiten. Ende November 2013 war der eine mit einem frischen Kranz, der andere mit einem frischen Blumengesteck geschmückt. Alltag in Deutschland im November, könnte man meinen: Die Menschen gedenken ihrer toten Familienangehörigen.

SS-Gedenkstein für die 17. Panzergrenadier-Division Götz von Berlichingen.
SS-Gedenkstein für die 17. Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen".

Die Inschriften der beiden Gedenksteine verheimlichen aber mehr, als sie preisgeben. Das könnte so gewollt sein. Hinter den Inschriften "Unseren Kameraden – 17. PZ. GREN. DIV. 'GÖTZ VON BERLICHINGEN'" und "Den Gefallenen der PZ. DIV. WIKING – Errichtet von ihren Pionieren" verbergen sich zwei Divisionen der Waffen-SS, die im Zweiten Weltkrieg an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt waren. Darüber will in Jagsthausen aber keiner sprechen. Niemand will sagen, wer die Steine aufgestellt hat und wer dort alljährlich im November frischen Blumenschmuck ablegt.

Die Soldaten dieser SS-Einheiten waren im Krieg nicht zimperlich. In der Zentralen Stelle der Landesjustizanstalten zur Verfolgung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg sind "insgesamt 16 Aktenbände recherchierbar, die Ermittlungen gegen Angehörige der SS-Divisionen 'Götz von Berlichingen' und 'Wiking' zum Gegenstand haben". Im Buch "Soldaten – Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben" von Sönke Neitzel und Harald Welzer (2011 erschienen) werden die beiden SS-Divisionen "Götz von Berlichingen" und "Wiking" als äußerst brutal dargestellt.

Zwölf Mark Zuschlag für Töten am laufenden Band

Nur ein Beispiel: Oberscharführer Fritz Swoboda, Angehöriger der SS-Division "Götz von Berlichingen", erzählt in der Gefangenschaft einem deutschen Oberleutnant Details der Ermordung von Zivilisten in der Tschechoslowakei. Das Gespräch wurde abgehört. Der SS-Oberscharführer berichtete: "Da waren doch Erschießungen am laufenden Band, da gab es die zwölf Mark Zulage, 120 Kronen am Tag für die Erschießungskommandos. Da haben wir nichts anderes gemacht, also die Gruppen von zwölf Mann haben jeweils sechs Mann geführt und dann umgelegt. Da habe ich vielleicht 14 Tage nichts anderes gemacht. Und da haben wir doppelte Verpflegung gekriegt, weil das doch ungeheuer die Nerven kostet."

Und für die  Panzerdivision Wiking.
Und für die Panzerdivision "Wiking".

Angesichts der grausigen Morde ist nicht zu dulden, dass auf einem frei zugänglichen Grundstück in Jagsthausen heute noch Gedenksteine für zwei Einheiten einer "verbrecherischen Organisation" (SS) stehen können. Unmittelbar daneben befindet sich die Gedenkstätte der Gemeinde Jagsthausen für die Opfer der Nazidiktatur. Unbedarfte Betrachter der SS-Gedenksteine gewinnen den Eindruck, dass diese zur gemeindlichen Erinnerungsstätte "Ehrenmal der Gemeinde für Gefallene und Vermisste des Ersten und Zweiten Weltkrieges" und für die "Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur" gehören. Das Grundstück mit der Flurstücknummer 214/1 gehört aber zur Götzenburg der Familie "von Berlichingen". Keine 100 Meter von den SS-Steinen entfernt ist der Eingang zu den Jagsthausener Burgfestspielen, die im Sommer Tausende Besucher anlocken. Auch Theaterstücke für Kinder sind dort zu sehen.

Bundespräsident a. D. Herzog hüllt sich beim Thema Nazidivisionen in Schweigen. Fragen zu den SS-Gedenksteinen beantwortete er nicht. Auch mehrmaliges Nachhaken per Telefon, E-Mail und Fax blieb ohne Erfolg. Herzogs Büromitarbeiterin bestätigte lediglich, dass "der Bundespräsident die Unterlagen zu Hause hat und sie prüft". Auch der amtierende Schlossherr, Götz Freiherr von Berlichingen (46), ein Jurist wie sein Stiefvater Roman Herzog, beantwortet keine Fragen zu den SS-Gedenksteinen auf seinem Grundstück.

Eine verschwiegene Gemeinschaft

Jagsthausens Bürgermeister Roland Halter gibt sich betont einsilbig. Der Schultes der 1600-Einwohner-Gemeinde im idyllischen Jagsttal teilt lediglich mit, dass das Grundstück 214/1 weder der Gemeinde noch dem Land und auch nicht dem Bund gehöre. Es sei vielmehr in Privatbesitz. Zum Schluss wirkt Halter genervt: "Von meiner Seite aus ist alles dazu gesagt, und ich bitte Sie, dies endlich zu respektieren. Weitere Anfragen werde ich nicht beantworten."

Gedenkstätte der Gemeinde Jagsthausen für die Opfer der Nazidiktatur. Im Hintergrund ein SS-Gedenkstein.
Gedenkstätte der Gemeinde Jagsthausen für die Opfer der Nazidiktatur. Im Hintergrund ein SS-Gedenkstein.

Wegen des allgemeinen Schweigens in Jagsthausen bleibt offen, wer die SS-Gedenksteine aufgestellt hat und wann; warum sie unmittelbar neben der gemeindlichen Gedenkstätte für die "Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur" stehen, wer heute noch frischen Grabschmuck dort ablegt; welchen Zweck die Steine erfüllen und ob Mitglieder der Familie "von Berlichingen" den SS-Divisionen "Götz von Berlichingen" und "Wiking" angehörten. Ungewiss bleibt auch, was mit den beiden SS-Gedenksteinen passieren soll. Ein Kenner der örtlichen Verhältnisse in Jagsthausen, der nicht genannt werden will, sagt, dass Alt-Bundespräsident Herzog und die Familie "von Berlichingen" mit den SS-Gedenksteinen auf dem Grundstück der Götzenburg "nicht glücklich" sind.

Entschiedene Kritik übt der Antifaschist Siegfried Hubele an der "SS-Gedenkstätte" in Jagsthausen. Hubele ist Mitglied der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA) und ein Sprecher der KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental. Sein Kommentar: "Wenn unmittelbar neben einer Gedenkstätte für die Opfer der Gewaltherrschaft auch Gedenksteine der SS – einer verbrecherischen Organisation – platziert sind, wird schon visuell der Graben zwischen Opfer und Täter zugeschüttet." Hubele empfindet "diese Installationen als höchst geschmacklos, geschichtslos und skandalös. Wenn sie dann noch auf einem Gelände stehen, das der Familie des Ex-Bundespräsidenten gehört, dann dokumentiert das nochmals, was Herzog einst bei seiner Rede mit dem "Ruck durch Deutschland" gemeint hat – nämlich einen weiteren Ruck nach rechts."

Der Blumenschmuck an den SS-Gedenksteinen wird wohl regelmäßig gegossen: "17. G.v.B." steht auf der Gieskanne.
Der Blumenschmuck an den SS-Gedenksteinen wird wohl regelmäßig gegossen: "17. G. v. B." steht auf der Gießkanne.

Dass an SS-Gräbern und SS-Gedenksteinen auch heute noch Blumen niedergelegt werden, zeige, so Hubele, dass es offenkundig noch und wieder Kräfte gibt, die in solchen Weltanschauungskriegern Vorbilder sehen. SS und andere Kriegsverbrecher sind nach Ansicht des Schwäbisch Haller Antifaschisten "immer Bezugspunkte für die militante Rechte. Auch von so was kommt der NSU." Hubele fordert, dass der "Gleichsetzung von Opfern und Kriegsverbrechern ein Ende bereitet wird, indem die SS-Steine entfernt werden."

Dazu braucht es Mut, Geschichtsbewusstsein und Entschlossenheit. Eigentlich ein Fall für Roman Herzog. Denn Feigheit mag er nicht.


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Kommentare

Philipp Hiereth, 28.08.2014 12:40
Ich finde es beschämend, dass hier Menschen, die sich nicht im Entferntesten vorstellen können, was diese Generation in jungen Jahren mitmachen musste, pauschal über ganze Verbände urteilen.
Es geht hier nicht um die Verherrlichung der Waffen SS, es geht um stilles Andenken an Gefallene, die häufig auch nur Opfer eines Regimes waren. Dass solche Gedenkstätten ggf. von Neonazis mißbraucht werden, darf kein Grund sein, Angehörigen und Überlebenden das Gedenken an Ihre Gefallenen streitig zu machen. Natürlich gab es Kriegsverbrechen verschiedener Waffen SS Einheiten und jedes einzelne ist -wie der Name sagt- ein Verbrechen, das nicht zu rechtfertigen ist.
Dennoch sind nicht alle Angehörigen der Waffen SS oder der Wehrmacht Verbrecher.
Und Ihrem Gedenken, derer, die in einer schrecklichen Zeit unvorstellbare Opfer bringen mussten, gilt diese kleine Stätte. Was ist daran verwerflich?
Können wir nicht endlich aufhören, in allem nur schwarz-weiß zu denken? Können wir nicht einfach dankbar sein, in Frieden und in Freundschaft mit den Gegnern von einst leben zu dürfen?
Warum dürfen wir nicht um unsere Soldaten trauern, wie jedes andere Land auch?
Ich bin froh, in Frieden, Freiheit und Wohlstand aufgewachsen zu sein. Ich möchte das Opfer dieser Generation, egal, ob deutscher oder alliierter Soldat nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Arnhold W. Blumenthal, 20.03.2014 14:51
Merkwürdig... ist der Autor etwa nicht des Lesens mächtig? Die Bezeichnung der Gedächtnisstätte in Jagsthausen lautet korrekt "Gedächtnisstätte der Kriegstoten". Und dies bezieht ALLE Kriegstoten mit ein. Gefallene Soldaten ebenso wie durch alliierten Bombenterror getötete Zivilisten.
Die Bezeichnung "Opfer der Gewaltherrschaft während der Nazi-Diktatur", die wohl nur im politisch korrekten Hirn des Autors existiert, ist schon insofern falsch, da sie ganz im linkspopulistischen Sinne die deutschen Opfer außen vor läßt.
Die ehrwürdigen Ahnen derer von Berlichingen würden sich sicher im Grabe herum drehen, wenn sie wüßten, was für eine Laus sich dort in ihrem Anwesen eingenistet hat...

Rolf Steiner, 25.01.2014 14:24
"... eine besondere Form intellektueller Feigheit, und Feigheit ist das Letzte, was ich von meinem Volk erleben möchte."

Doch leider finden wir, s.g.H.Bundespräsident i.R. diese intellektuelle Feigheit bei Ihnen. Oder interessiert Sie Ihr "Geschwätz" von gestern nicht mehr?

Gibt es eine insgeheime "intellektuelle Komplizenschaft" mit diesen SS-Einheiten, dann wäre es angebracht, dass Sie sich endlich einen "Ruck" geben. Schon Christus sagte: "An ihren Taten werdet Ihr sie erkennen."

Peter, 24.01.2014 08:16
Antwort zu Gabi (23.01.2014 13:17)

Nein, ich bin nicht der Meinung, dass SS-Massenmörder das Recht haben, in Frieden zu ruhen. Wie Gabi bin aber auch ich der Meinung, dass wir in unserem Gedenken nicht nachlassen sollten, allerdings im negativen Gedenken an die SS-Täter und ihre Verbrechen - auch so geben wir den ihren Opfern den verdienten Respekt. Vielleicht einen noch größeren als durch das direkte Opfergedenken.

Gabi, 23.01.2014 13:17
Also ich bin jetzt schon etwas verwirrt.
Erstens: Mit 79 Jahren noch ein Büro? Soll jeder halten wie er will, kommt nur darauf an wer es bezahlt. Es ist schon eine Schande, dass Politiker selbst nach dem Austritt aus dem "Arbeitsleben" noch Gelder vom Arbeitgeber und dies wohl auf Lebszeit bekommen. Das sollte man dringend ändern und abschaffen. "Otto Normalverbrauer" der diese Leistungen finanziert, kommt ja auch nicht in den Genuss.

Zweitens: Es mag unglücklich und moralisch höchst fragwürdig sein, dass ein Gedenkstein der SS-Opfer neben einem Gedenkstein der SS-Täter steht, man sollte aber doch noch bedenken, es handelt sich bei beiden Toten um Menschen.
Auf jedem Friedhof findet man irgendwo Opfer und Täter und alle sind Menschen. Verbrechen kann man nicht ungeschehen machen nur weil man einen Stein entfernt unter dem man SS-Täter findet. Lassen wir doch die Menschen in Frieden ruhen und bündeln lieber die Kräfte um zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt. Damit Gedenken wir den Opfern meiner Ansicht nach am Meisten und geben Ihnen den verdienten Respekt.
Man kann an der Geschichte nichts mehr ändern, man kann nur daraus lernen und verhindern, dass sie sich wiederholt.
Und als letztes wer kann mit 100%iger Sicherheit sagen das dort nicht nur Opfer begraben sind?

Joos Wismer, 23.01.2014 12:44
Die Sache wäre doch vielleicht ganz einfach zu lösen: Man veranstaltet eine Bemalungsaktion in der Weise, dass von einem Künstler (oder mehreren) im Rahmen eines "Happenings" diese beiden Steine fantasievoll bemalt werden, (womöglich so, dass sie mit plastischem Blut übergossen scheinen, oder anders) und zwar unter Teilnahme ausgewähltes Publikums, das gleichzeitig die Aufgabe hat, das Geschehen möglichst vielfältig zu dokumentieren. Wenn dann der Hausherr erzürnt vom Schloß dahergerannt kommt, sagt das mehr als tausend Anfragen. Wenn es dann Klagen gibt wegen Schändung von Denkmälern wäre die Frage zu stellen, ob auch Schandmäler schändbar sind....

Karola S., 23.01.2014 11:46
Igendwie macht mich diese Artikel doch sprachlos. Roman Herzog ist nun in den Adel geschlüpft.
"Nomen est omen" heißt doch ein lateinisches Sprichtwort. Der Name hat Bedeutung. So nun in zweierlei Hinsicht. Roman Herzog und Herzog ist Adel. Jetzt noch mit von Berlichingen vermischt kann seine Haltung nur bedeuten, was man allgemein von Götz von Berlichingen weiß: "Leckt mich am A....".
Insofern - wird nichts Weiteres von ihm kommen.
Dass er aber immer noch, neben seiner eigentlichen Pension auch noch vom Staat - also unseren Steuergeldern - alimentiert wird mit Büro, Sekretärin, Fahrer und Dienstauto - gehörte für alle BPs und Ex-Kanzler auf den Prüfstand und sollte ausgedünnt werden.

Margot Imm, 23.01.2014 09:40
Da auch ich Feigheit auf den Tod nicht ausstehen kann und ganz zufällig der 27. Januar mein Geburtstag ist, frage ich mich ernsthaft, warum ein ehemaliger Bundespräsident im Alter von 79 Jahren auch noch nach 15 Jahren außer Dienst ein vom Steuerzahler finanziertes offizielles Büro braucht?

Wenn sich der Bundespräsident a.D. jetzt als Rentenschutzbefohlener für die Jugend ins Gespräch bringt, sollte er sich zuvorderst mit dem europaweiten Renteneintrittsalter, der absolut dreisten Rentenentwertung und der aktuellen Durchschnittsrente für Normalsterbliche oder insbesondere für Frauen beschäftigen.
Wie man längst weiß, ist Deutschland im europäischen Vergleich bereits mit dem Renteneintrittsalter 67 der Spitzenreiter und wenn aktuell der BGA-Präsident Börner wieder das Rentenalter 70 ins Spiel bringt, hat dies mal ganz abgesehen vom bestehenden Generationenvertrag absolut nichts mehr zu tun mit dem europäischen Anstandsgebot. Und auch die Überalterung in den Unternehmen oder die zunehmend aufreibendere Arbeitsplatzsuche der jungen Leute steht europaweit auf einem ganz anderen Papier!
Wie soll bitteschön die Generation Praktikum oder Ehrenamt in der längst geschlossenen Gesellschaft eine ordentliche Rentenanwartschaft erwerben?

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