KONTEXT Extra:
Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


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Ausgabe 249
Editorial

Kontext ist kein Kotzkübel

Von unserer Redaktion
Datum: 06.01.2016

Wir hätten da eine Idee für 2016: anständig streiten. Offenbar sind die Zeiten so, dass manch einem, tatsächlich sind es meist Männer, das Bösartige die Zeilen direkt in den Computer diktiert. Die Menschheit muss dann "von Parasiten befreit" werden, Kontext-AutorInnen müssen "entlinkifiziert" werden oder sich als "Abschaum" beschimpfen lassen. So nicht.

Nun sind wir einiges gewohnt und auch bereit, den Meinungskorridor, wie das heute heißt, so breit wie möglich zu halten. In diesem Sinne haben wir einiges geschluckt, manchen Kommentar freigeschaltet, der bei genauerem Hinsehen besser gelöscht worden wäre, aber immer im Bemühen, eine offene Diskussion zu ermöglichen. Eine Debatte, die mit Argumenten geführt wird. So wie es sich für eine demokratische Öffentlichkeit gehört.

Daran sind offensichtlich nicht alle interessiert. Zu viele Trolle sind inzwischen unterwegs, die nichts anderes im Sinn haben, als Diskussionen bewusst entgleisen zu lassen, die vom eigentlichen Thema ablenken wollen, gerne mit dem Totalitarismus-Hammer (links gleich rechts) draufschlagen oder den "Gutmensch" als Deppen der Nation diffamieren. Das hat Methode und den Zweck, Debatten zu vergiften, mit dem eigenen Wortmüll zu dominieren und damit andere zu unterdrücken beziehungsweise vom Schreiben abzuhalten.

Dagegen müssen wir uns wehren. Kontext ist kein Kotzkübel, keine Bühne für Beleidigungen, Diskriminierungen, Rassismus und rechtsradikale Ausfälle. Kontext ist aber auch keine therapeutische Veranstaltung, die Hass und Hetze auf der Couch behandelt. Hier hilft nur eines: raus damit. Schluss mit den Kommentaren, die keinen Anstand haben. Dem Vorwurf der Zensur setzen wir uns dabei gerne aus, wenn wir damit einen Beitrag zur Mitmenschlichkeit leisten.

Das ist auch ein Appell an andere Foristen. Bei aller Lust am Streit wünschen wir uns eine Auseinandersetzung mit Inhalten, sprich den toleranten Blick, der andere Meinungen respektiert und ihnen argumentativ begegnet. Ohne die VerfasserInnen persönlich anzugreifen, ohne die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben, in einer Tonlage, die einen zivilisierten Umgang miteinander gewährleistet – wie das unter Kontext-LeserInnen und den meisten KommentatorInnen üblich ist.

Wie das im Einzelnen aussehen soll, kleiden wir demnächst in Regeln. Sie sollen, im Kontext-Sense, eine Handreichung sein für alle, die Freude haben an einer lebhaften Debatte. Und sie im Gift der Trolle nicht verlieren wollen.


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Kommentare

Karl-Ludwig Wapler, 11.01.2016 15:56
Sehr geehrte Kontext-Redaktion,
seit mehr als einem Jahr lese ich die "taz am wochenende" und damit auch Ihr Blatt. Ich lese es als alter Badener mit großem Interesse, und ich freue mich jedes Mal über Ihre Berichterstattung über das, was im Ländle so passiert. Ich bin auch nicht immer in allen Punkten Ihrer Meinung, denke auch, dass Sie manchmal mit Ihrer süffisanten Art gegenüber Kretschmann nicht ganz ausgewogen sind, doch insgesamt kann ich Ihre journalistische Art nur anerkennen.
Deswegen ist es mir vollkommen unverständlich, wie es zu den beschriebenen Anwürfen und Beleidigungen kommen kann. Das kann doch nicht die Art eines Kontext- oder taz-Lesers sein. Ich wünsche Ihnen nur, dass Sie sich durch solche Meinungen nicht aus dem Konzept bringen lassen und weiterhin so gut und interessant berichten.
Mit freundlichem Gruß
Karl-Ludwig Wapler

Richard Schönfeld, 09.01.2016 09:36
Offenbar gibt es zwischen Redaktion und Leserschaft begrenzte Wünsche nach gedanklichem Austausch, sonst gäbe es kein solches Forum. Diese Grenzen sind natürlich von beiden Seiten unterschiedlich gesetzt. Die Beiträge sind meistens Meinungen, seltener direkte Quellen. Letztere sind sicher für beide Seiten interessanter und daher wertvoller als Meinungen. Allein diese Beiträge rechtfertigen schon dieses Forum. Die Trolle sind ja als typische Serientäter schnell erkennbar, das kann man einfach kommentarlos übergehen, dann stören sie auch nicht, so wie beim schönen Bild mit der Eiche und dem Borstenvieh, das halt tut, was es tun muss, wenn's wieder juckt, ohne größeren Schaden anzurichten. Einer Redaktion kann man diese Eigenschaft einer stummen Eiche wirklich nicht zumuten, eine technische Kontingentierung kann wohl leicht umgangen werden, also bleibt halt nur: An die Eiche denken und weiterlesen, keinesfalls antworten.

Gela, 08.01.2016 18:48
Den Vorschlag, dass die Redakteure sich auch häufiger in die Diskussion einmischen und Falschaussagen richtig stellen, finde ich gut. Zu den Regeln sollte neben einer gewissen Höflichkeit und Sachlichkeit auch gehören, dass die Texte lesbar sind; indem ganze und logische Sätze formuliert werden und nicht lauter Leerzeilen, Ausrufungszeichen, Gedankenstriche und Satzfetzen den Beitrag unverstehbar machen.
Ich hatte schon oft keine Lust mehr, die unerfreulichen und unergiebigen Diskussionen zu verfolgen!

Thomas, 08.01.2016 17:22
Ich sehe das ähnlich wie Bernd Oehler.
Regeln einführen oder gar die Kommentare komplett streichen ist wirklich der falsche Ansatz.
Sehr unkreativ.

Wieso kann man nicht neue Ideen erarbeiten oder neue Wege gehen..?
z.B.
- Eine Frage für die Diskussion vorgeben... es muss ja nicht mal "moderiert" werden wobei das sicherlich mit wenig Auwand machtbar wäre. Dann würde die Diskussion nicht von Anfang an schon entgleiten und man könnte alle auf die Fragestellung zurückholen.

- Pro- und Contra-Diskussion. Zu eine gestellten Frage kann jeder sich einordnen (Pro oder Contra), Stellung beziehen

- Von Anfang an nur max. 10 Kommentare zulassen, so entstehen keine endlose Diskussionen

- Nicht zu allen Artikeln die Kommentarfunktion freischalten sondern dann nur für bestimmte Artikel aber die dann auch moderieren und begleiten. Vielleicht parallel dazu in den sozialen Medien ggf. diese zusammenführen.

Es gibt bestimmt noch mehr Ideen wenn man erstmal drüber nachdenkt...

Peter S., 08.01.2016 17:07
@Dr. Dierk+Helmken.
Ich stimme Ihnen zu bis zum Killerwort "Verschwörungstheorien".
Damit lässt sich jede Meinung, die vom Mainstream abweicht, eliminieren.
Und wir sind uns doch nicht erst seit den WMD-Lüge der US Regierung (Colin Powell musste dafür herhalten) darüber einig, daß es Verschwörungen gibt.
Sehr große sogar.
In diesem Falle waren es hunderttausende Tote und Gefolterte die auf Grund dieser Verschwörung dran glauben mussten. Und einen IS haben wir damit auch noch bekommen.
Jeder der damals die Wahrheit sagte, wurde als Verschwörungstheoretiker beschimpft. (Schröder und das ganze "Alte Europa")
Es gibt sicherlich ein Haufen Blödsinn der verzapft wird. An Sammtischen genauso wie in Foren.

Aber wollen wir deswegen alle Snowdens in die Tonne treten?
Jede kritische Meinung als VT brandmarken?

Auch wenn sich der normale Bürger schwer tut, staatlich gestütztes Unrecht zu beweisen, zusammen mit einem investigativen Journalismus und kritischen (nicht permanent spinnerten) Bürgern erreichen wir vielleicht etwas Positives.
Vielleicht ist es auch die letzte Chance.

Bernd Oehler, 08.01.2016 12:51
Soso. Regeln. Die gibt es bekanntlich bei gedruckten Zeitungen (Achtung Digitalnerds: Totholz- und Analog-Alarm) längst: anonymes Geschreibsel kommt in den Papierkorb und dummes Geblöke wird nicht veröffentlicht (na gut: die Messlatte dafür variiert von Zeitung zu Zeitung).
Ich habe das vor geraumer Zeit hier schon mal vorgeschlagen: wie wäre es mit einer Leserbriefredaktion? Ich bekam eine naiv-rotzige Antwort, dafür habe man nun wirklich keine personellen Ressourcen. Die Praktikanten- Antwort verschwand wenig später spurlos im digitalen Nirwana, ein Schelm, wer Arges dabei denkt, gell ...
Dabei ist doch völlig klar, dass auch das Freischalten von Kommentaren personelle Ressourcen beansprucht - vermutlich unendlich mehr als bei Zuschriften auf Papier.
Was aber nützt das ganze Kommentieren? In aller Regel gleitet es in Auseinandersetzungen ab, die an das Werfen mit Förmchen im Sandkasten erinnern. Auf 95 Prozent der Beiträge ließe sich wohl ohne Erkennisverlust verzichten.

Ein Letztes: als das berühmte Web 2.0 bei den Online-Zeitungen auftauchte, war viel die Rede vom Dialog zwischen Zeitungsmachern und -lesern. Ah ja. Und wie oft beteiligen sich nun Zeitungsmacher an der Online-Debatte? Das ist unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, mit den gelegentlichen löblichen Ausnahmen Johanna Henkel-Waidhofer und Thomas Rothschild. Davon mehr und alle Anderen mit Klarnamen und ausgesucht - dann könnte was dabei rauskommen.

observer, 08.01.2016 11:54
Verbindliche Regeln sind nachvollziehbar und löblich. Sie sollten allerdings keinen Interpretationsspielraum lassen, keine Gummiformulierungen verwenden (die berüchtigte "Hetze" z.B.), sondern einfach anwendbar sein.

In fast allen moderierten Foren wird leider nach weltanschaulichen Kriterien gesiebt, nach meiner Wahrnehmung sind gemäßigt Konservative noch die liberalsten.

Warten wir die neue Praxis mal ab.

ophir, 08.01.2016 08:19
Einverstanden, liebe KONTEXT-Redaktion!

Aber, mögen sich "Fern-der-Heimat", "by-the-way" und Konsorten in Zukunft auch daran halten!?

Ulrich Scheuffele, 07.01.2016 21:13
stimme voll und ganz zu, auch kritische Journalisten müssen geschützt werden. Dies gilt jedoch auch für Foristen . Was mir ein Dorn im Auge ist, dass nicht generell mit Klarnamen gezeichnet werden muss. Ich wurde auch schon von einem Foristen in der Kontext angegriffen und beleidigt. Diese Person konnte sich wunderschön unter seinem Pseudonym verstecken.

Dr. Dierk+Helmken, 07.01.2016 16:26
Eure Entscheidung ist richtig und war überfällig.
Maßstab sollte das höfliche und respektvolle Verhalten unter Diskutanten sein, die sich persönlich gegenüberstehen.
Benutzt einer der Diskutanten Verbalinjurien oder versteigt sich in Verschwörungstheorien, dann reagieren wir doch auch dadurch, dass wir ihn nicht mehr zur Kenntnis nehmen, weil er den Diskurscodex verletzt hat. Warum sollte es in Internetforen anders sein.

Rainer Stieber, 07.01.2016 14:52
Menschen, die meiner Meinung sind, lesen besagte "Kotzkübel-Kommentare" nicht gern.
Nur, Sie stellen real existierendes Gedankengut in diesem unserem Lande dar.
Löschen hilt da wenig. Das unterstützt Subkulturen oder neudeutsch Parallelgesellschaften. Nur, in diesen Einfluss zu nehmen im Sinne positiver Veränderung ist seh viel schwieriger und oft vergebens.

Will man diese Situation verändern, ist einer der Wege die konstruktive Auseinandersetzung. Das bedeutet wiederlegen mit Fakten, entlarven der Lügen, der Desinformation.

Dieser Aufwand ist allerdings ein Vielfaches größer, als das Drücken der Löschtaste. Der Aufwand könnte allerdings um ein Vielfaches reizvoller sein.

Blender, 07.01.2016 11:16
Mich Ärgern vor allem Kommentare die einzig und allein darauf abzielen einen anderen Kommentator zu diffamieren bzw. niederzuschreiben. Ich bin mir sicher, dass ich schon den ein oder anderen Kommentar geschrieben habe zu dem ich heute so nicht mehr stehe, aber dies sollte man auf der Argumentationsebene zum Thema abarbeiten, und nicht in persönlichen Beleidigungen. Manche Kommentare überspringe ich dann auch schnell weil sie bekannt für Unsachlichkeit sind, aber als Betroffener bleibt doch immer ein ungutes Gefühl zurück. Auch mit den Beiträgen von Kontext bin ich nicht immer einverstanden (Bsp.: Probefahrt in Luxuskarosse), aber trotz allem: Kontext, macht weiter so!

F. Fischer, 06.01.2016 23:48
Sie werden scheitern. Auch die StZ und die StN "versuchen" das ab und zu. Aber nicht wirklich und konsequent. Auch dort werden massenhaft justitiable Kommentare stehengelassen. Beschwerden nützen nichts, weil die Mitarbeiter offensichtlich juristisch völlig ungebildet sind oder die Verlegerschaft eben geil auf "Echoes" dieser Art sind. Motto: Hauptsache viele Kommentare. Dann ist man wer im Mediendschungel. Ich habe es aufgegeben, mich da zu beschweren. Und auch hier ist es bedauerlicherweise so, daß Beschwerden nicht immer korrekt behandelt werden. Ich für meinen Teil habe keine Lust mehr, mich mit Trollpack wie Klartext, der jetzt anders firmiert, und Konsorten abzugeben.

Also: Viel Vergnügen noch mit der "Diskussion". Die Folgen werden alle tragen müssen.

gesders, 06.01.2016 19:44
Endlich! danke!

seit jahren versuche ich aehnliches / sinnverwandtes bei ka-news zu initiieren. ich les da nicht mehr - schliesslich verkehre ich auch nicht in kneipen, in denen sich nazis treffen. wenn jetzt inserenten / politiker / behoerden da auch noch etwas waehlerischer wuerden...

Stephan, 06.01.2016 18:38
Die einzig wahre und richtige Entscheidung und eine überfällige
dazu. Es ist zu hoffen, dass Ihrem Beispiel auch noch andere folgen werden!

adabei, 06.01.2016 14:54
Ihrem Beitrag und auch der Analyse von Stefan Karl kann man nur zustimmen. Beunruhigend ist nicht primär, dass der überwiegend braune Unflat inzwischen in zahlreichen Foren – wenn auch anonym – an die Öffentlichkeit dringt, es ist eher die Tatsache dass es ihn gibt und er schon immer da war. Insofern ist es vielleicht sogar gut, dass man ihn als Quantität inzwischen wahrnehmen kann und muss.
Was mir dabei immer klarer wird: Große Teile unseres „Volkskörpers“ stehen nach wie vor knietief im braunen Sumpf und man beginnt zu verstehen, wie das mit dem tausendjährigen Reich einst funktioniert haben muss.

Zaininger, 06.01.2016 14:34
".... in einer Tonlage, die einen zivilisierten Umgang miteinander gewährleistet ..."
Zensur wäre es, wissentlich Fakten zu unterschlagen. Dummheit, Pöbeleien und Rechthaberei eine Plattform zu verweigern ist genau der Anspruch, den ich an ein Medium in demokratischem Umfeld habe.
Viel Erfolg in diesem Sinne auch 2016!

Peter S., 06.01.2016 10:58
Sehr verehrte Redaktion,
stimme Ihnen bzgl des Artikels zu und bin gespannt wie Sie den Spagat angehen.
Darüber wird dann sicher auch kommentiert aber das ist auch gut so.
Auf ein tolles 2016 mit Euch und den Kommentatoren freue ich mich.

Stefan KARL, 06.01.2016 10:23
Es gibt aktuell so etwas wie einen Overkill des Outens anstandfreier Dumpfheiten. Das ist zwar Besorgnis erregend, aber diese Besorgnis hatte ich schon immer, denn es wird hierbei nur offen gelegt, was ja nicht aus dem Nichts kommt, sondern schon immer vorhanden war als logik- und realitätsfreie Agenda der emotional wie mental Verwahrlosten. Da jedoch diese Tabubrüche überwiegend strafrechtlich leider irrevelant sind oder nicht strikt verfolgt werden, öffnet sich diese Pandora-Büchse immer weiter. Diese Anstandslosigkeit verstößt gegen alle Regeln des vernünftigen Kommunizierns. Aber zur 'Vernunft' kann ich niemanden zwingen, wenn so viele (Männer?) mental aus dem Rudel laufen. Es gibt hierbei keinen Dialog, da das Monologbedürfnis übermächtig bleibt.

Ihnen wird wohl nicht anderes übrig bleiben, als im Dauerlauf den Widerspruches unentwegt und unverdrossen verlauten zu lassen. Ändern wird das die Tabubrecher nicht, doch der Widerspruch ist schlicht vorhanden als Gegengewicht.

Bleiben Sie dran und behindern Sie - auch mit technischen Mitteln - das Monolog-Gesindel. - Vielleich machen Sie einen Aufruf zur Finanzierung eines solchen Widerstandes? Denn das kostet halt. Gell?

Mit den besten Grüßen für einen Widerstand
Stefan Karl

Peter Schey, 06.01.2016 10:11
Immer mehr Online-Zeitungen schließen ihre Diskussionsforen.

Die Folgen lassen sich wunderbar an einer ZEITung beobachten, die bisher Online-Kommentare weiterhin zuläßt: Bei Meldungen, die es in irgendeiner Art zulassen, sich rechts bis rechtsextremistisch zu positionieren, quellen die Foren binnen kürzester Zeit über von bloßem Gequake anonymer Teilnehmer (Trolle ?), das teils wegen Polemik gelöscht werden muß, teils aber auch einfach eine vermeintliche "Meinungshoheit des Volkswillens" suggeriert. Auch dies ist ein nicht zu unterschätzender Nährboden für "rechte Gewalt", denn man wähnt sich ja einig mit der Mehrheit.

Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der schon einmal gehört hat, daß... "Man hat ja nichts gegen Ausländer, darf das auch nicht mehr sagen, bekommt das in der linksgrünversifften, gleichgeschalteten Lügenpresse auch nicht gemeldet, aber..."

Diskussionskultur, Respekt vor dem Gegenüber, das Sich-Einlassen auf Argumente sehen anders aus !

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