KONTEXT Extra:
Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


Bahn muss Stuttgarts Bahnhof nicht offiziell stilllegen

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat mit Urteil vom 09.08.2016 die Klage der Stuttgarter Netz AG als unzulässig abgewiesen. Mit der Klage wollte die Gesellschaft privater Eisenbahnunternehmen verhindern, dass die Deutsche Bahn nach der Fertigstellung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs Stuttgart 21 das bestehende Gleisvorfeld des oberirdischen Stuttgarter Kopfbahnhofes abbaut, bevor hierfür ein Stilllegungsverfahren nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) durchgeführt wurde. Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei dem "Umbau des Bahnknotens Stuttgart/Stuttgart 21" um ein ausschließlich planfeststellungspflichtiges Änderungsvorhaben nach dem AEG, für das ein zusätzliches Stilllegungsverfahren nicht erforderlich ist. Zugleich stellte das Gericht aber auch fest, dass der Rückbau des Gleisvorfeldes ohne vorherige Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens rechtlich unzulässig sei. Da die Stuttgarter Netz AG in diesem Planfeststellungsverfahren ihre Interessen noch geltend machen und gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen könne. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache hat das Gericht die Berufung zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim sowie die Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.


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Ausgabe 249
Editorial

Kontext ist kein Kotzkübel

Von unserer Redaktion
Datum: 06.01.2016

Wir hätten da eine Idee für 2016: anständig streiten. Offenbar sind die Zeiten so, dass manch einem, tatsächlich sind es meist Männer, das Bösartige die Zeilen direkt in den Computer diktiert. Die Menschheit muss dann "von Parasiten befreit" werden, Kontext-AutorInnen müssen "entlinkifiziert" werden oder sich als "Abschaum" beschimpfen lassen. So nicht.

Nun sind wir einiges gewohnt und auch bereit, den Meinungskorridor, wie das heute heißt, so breit wie möglich zu halten. In diesem Sinne haben wir einiges geschluckt, manchen Kommentar freigeschaltet, der bei genauerem Hinsehen besser gelöscht worden wäre, aber immer im Bemühen, eine offene Diskussion zu ermöglichen. Eine Debatte, die mit Argumenten geführt wird. So wie es sich für eine demokratische Öffentlichkeit gehört.

Daran sind offensichtlich nicht alle interessiert. Zu viele Trolle sind inzwischen unterwegs, die nichts anderes im Sinn haben, als Diskussionen bewusst entgleisen zu lassen, die vom eigentlichen Thema ablenken wollen, gerne mit dem Totalitarismus-Hammer (links gleich rechts) draufschlagen oder den "Gutmensch" als Deppen der Nation diffamieren. Das hat Methode und den Zweck, Debatten zu vergiften, mit dem eigenen Wortmüll zu dominieren und damit andere zu unterdrücken beziehungsweise vom Schreiben abzuhalten.

Dagegen müssen wir uns wehren. Kontext ist kein Kotzkübel, keine Bühne für Beleidigungen, Diskriminierungen, Rassismus und rechtsradikale Ausfälle. Kontext ist aber auch keine therapeutische Veranstaltung, die Hass und Hetze auf der Couch behandelt. Hier hilft nur eines: raus damit. Schluss mit den Kommentaren, die keinen Anstand haben. Dem Vorwurf der Zensur setzen wir uns dabei gerne aus, wenn wir damit einen Beitrag zur Mitmenschlichkeit leisten.

Das ist auch ein Appell an andere Foristen. Bei aller Lust am Streit wünschen wir uns eine Auseinandersetzung mit Inhalten, sprich den toleranten Blick, der andere Meinungen respektiert und ihnen argumentativ begegnet. Ohne die VerfasserInnen persönlich anzugreifen, ohne die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben, in einer Tonlage, die einen zivilisierten Umgang miteinander gewährleistet – wie das unter Kontext-LeserInnen und den meisten KommentatorInnen üblich ist.

Wie das im Einzelnen aussehen soll, kleiden wir demnächst in Regeln. Sie sollen, im Kontext-Sense, eine Handreichung sein für alle, die Freude haben an einer lebhaften Debatte. Und sie im Gift der Trolle nicht verlieren wollen.


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Kommentare

Karl-Ludwig Wapler, 11.01.2016 15:56
Sehr geehrte Kontext-Redaktion,
seit mehr als einem Jahr lese ich die "taz am wochenende" und damit auch Ihr Blatt. Ich lese es als alter Badener mit großem Interesse, und ich freue mich jedes Mal über Ihre Berichterstattung über das, was im Ländle so passiert. Ich bin auch nicht immer in allen Punkten Ihrer Meinung, denke auch, dass Sie manchmal mit Ihrer süffisanten Art gegenüber Kretschmann nicht ganz ausgewogen sind, doch insgesamt kann ich Ihre journalistische Art nur anerkennen.
Deswegen ist es mir vollkommen unverständlich, wie es zu den beschriebenen Anwürfen und Beleidigungen kommen kann. Das kann doch nicht die Art eines Kontext- oder taz-Lesers sein. Ich wünsche Ihnen nur, dass Sie sich durch solche Meinungen nicht aus dem Konzept bringen lassen und weiterhin so gut und interessant berichten.
Mit freundlichem Gruß
Karl-Ludwig Wapler

Richard Schönfeld, 09.01.2016 09:36
Offenbar gibt es zwischen Redaktion und Leserschaft begrenzte Wünsche nach gedanklichem Austausch, sonst gäbe es kein solches Forum. Diese Grenzen sind natürlich von beiden Seiten unterschiedlich gesetzt. Die Beiträge sind meistens Meinungen, seltener direkte Quellen. Letztere sind sicher für beide Seiten interessanter und daher wertvoller als Meinungen. Allein diese Beiträge rechtfertigen schon dieses Forum. Die Trolle sind ja als typische Serientäter schnell erkennbar, das kann man einfach kommentarlos übergehen, dann stören sie auch nicht, so wie beim schönen Bild mit der Eiche und dem Borstenvieh, das halt tut, was es tun muss, wenn's wieder juckt, ohne größeren Schaden anzurichten. Einer Redaktion kann man diese Eigenschaft einer stummen Eiche wirklich nicht zumuten, eine technische Kontingentierung kann wohl leicht umgangen werden, also bleibt halt nur: An die Eiche denken und weiterlesen, keinesfalls antworten.

Gela, 08.01.2016 18:48
Den Vorschlag, dass die Redakteure sich auch häufiger in die Diskussion einmischen und Falschaussagen richtig stellen, finde ich gut. Zu den Regeln sollte neben einer gewissen Höflichkeit und Sachlichkeit auch gehören, dass die Texte lesbar sind; indem ganze und logische Sätze formuliert werden und nicht lauter Leerzeilen, Ausrufungszeichen, Gedankenstriche und Satzfetzen den Beitrag unverstehbar machen.
Ich hatte schon oft keine Lust mehr, die unerfreulichen und unergiebigen Diskussionen zu verfolgen!

Thomas, 08.01.2016 17:22
Ich sehe das ähnlich wie Bernd Oehler.
Regeln einführen oder gar die Kommentare komplett streichen ist wirklich der falsche Ansatz.
Sehr unkreativ.

Wieso kann man nicht neue Ideen erarbeiten oder neue Wege gehen..?
z.B.
- Eine Frage für die Diskussion vorgeben... es muss ja nicht mal "moderiert" werden wobei das sicherlich mit wenig Auwand machtbar wäre. Dann würde die Diskussion nicht von Anfang an schon entgleiten und man könnte alle auf die Fragestellung zurückholen.

- Pro- und Contra-Diskussion. Zu eine gestellten Frage kann jeder sich einordnen (Pro oder Contra), Stellung beziehen

- Von Anfang an nur max. 10 Kommentare zulassen, so entstehen keine endlose Diskussionen

- Nicht zu allen Artikeln die Kommentarfunktion freischalten sondern dann nur für bestimmte Artikel aber die dann auch moderieren und begleiten. Vielleicht parallel dazu in den sozialen Medien ggf. diese zusammenführen.

Es gibt bestimmt noch mehr Ideen wenn man erstmal drüber nachdenkt...

Peter S., 08.01.2016 17:07
@Dr. Dierk+Helmken.
Ich stimme Ihnen zu bis zum Killerwort "Verschwörungstheorien".
Damit lässt sich jede Meinung, die vom Mainstream abweicht, eliminieren.
Und wir sind uns doch nicht erst seit den WMD-Lüge der US Regierung (Colin Powell musste dafür herhalten) darüber einig, daß es Verschwörungen gibt.
Sehr große sogar.
In diesem Falle waren es hunderttausende Tote und Gefolterte die auf Grund dieser Verschwörung dran glauben mussten. Und einen IS haben wir damit auch noch bekommen.
Jeder der damals die Wahrheit sagte, wurde als Verschwörungstheoretiker beschimpft. (Schröder und das ganze "Alte Europa")
Es gibt sicherlich ein Haufen Blödsinn der verzapft wird. An Sammtischen genauso wie in Foren.

Aber wollen wir deswegen alle Snowdens in die Tonne treten?
Jede kritische Meinung als VT brandmarken?

Auch wenn sich der normale Bürger schwer tut, staatlich gestütztes Unrecht zu beweisen, zusammen mit einem investigativen Journalismus und kritischen (nicht permanent spinnerten) Bürgern erreichen wir vielleicht etwas Positives.
Vielleicht ist es auch die letzte Chance.

Bernd Oehler, 08.01.2016 12:51
Soso. Regeln. Die gibt es bekanntlich bei gedruckten Zeitungen (Achtung Digitalnerds: Totholz- und Analog-Alarm) längst: anonymes Geschreibsel kommt in den Papierkorb und dummes Geblöke wird nicht veröffentlicht (na gut: die Messlatte dafür variiert von Zeitung zu Zeitung).
Ich habe das vor geraumer Zeit hier schon mal vorgeschlagen: wie wäre es mit einer Leserbriefredaktion? Ich bekam eine naiv-rotzige Antwort, dafür habe man nun wirklich keine personellen Ressourcen. Die Praktikanten- Antwort verschwand wenig später spurlos im digitalen Nirwana, ein Schelm, wer Arges dabei denkt, gell ...
Dabei ist doch völlig klar, dass auch das Freischalten von Kommentaren personelle Ressourcen beansprucht - vermutlich unendlich mehr als bei Zuschriften auf Papier.
Was aber nützt das ganze Kommentieren? In aller Regel gleitet es in Auseinandersetzungen ab, die an das Werfen mit Förmchen im Sandkasten erinnern. Auf 95 Prozent der Beiträge ließe sich wohl ohne Erkennisverlust verzichten.

Ein Letztes: als das berühmte Web 2.0 bei den Online-Zeitungen auftauchte, war viel die Rede vom Dialog zwischen Zeitungsmachern und -lesern. Ah ja. Und wie oft beteiligen sich nun Zeitungsmacher an der Online-Debatte? Das ist unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, mit den gelegentlichen löblichen Ausnahmen Johanna Henkel-Waidhofer und Thomas Rothschild. Davon mehr und alle Anderen mit Klarnamen und ausgesucht - dann könnte was dabei rauskommen.

observer, 08.01.2016 11:54
Verbindliche Regeln sind nachvollziehbar und löblich. Sie sollten allerdings keinen Interpretationsspielraum lassen, keine Gummiformulierungen verwenden (die berüchtigte "Hetze" z.B.), sondern einfach anwendbar sein.

In fast allen moderierten Foren wird leider nach weltanschaulichen Kriterien gesiebt, nach meiner Wahrnehmung sind gemäßigt Konservative noch die liberalsten.

Warten wir die neue Praxis mal ab.

ophir, 08.01.2016 08:19
Einverstanden, liebe KONTEXT-Redaktion!

Aber, mögen sich "Fern-der-Heimat", "by-the-way" und Konsorten in Zukunft auch daran halten!?

Ulrich Scheuffele, 07.01.2016 21:13
stimme voll und ganz zu, auch kritische Journalisten müssen geschützt werden. Dies gilt jedoch auch für Foristen . Was mir ein Dorn im Auge ist, dass nicht generell mit Klarnamen gezeichnet werden muss. Ich wurde auch schon von einem Foristen in der Kontext angegriffen und beleidigt. Diese Person konnte sich wunderschön unter seinem Pseudonym verstecken.

Dr. Dierk+Helmken, 07.01.2016 16:26
Eure Entscheidung ist richtig und war überfällig.
Maßstab sollte das höfliche und respektvolle Verhalten unter Diskutanten sein, die sich persönlich gegenüberstehen.
Benutzt einer der Diskutanten Verbalinjurien oder versteigt sich in Verschwörungstheorien, dann reagieren wir doch auch dadurch, dass wir ihn nicht mehr zur Kenntnis nehmen, weil er den Diskurscodex verletzt hat. Warum sollte es in Internetforen anders sein.

Rainer Stieber, 07.01.2016 14:52
Menschen, die meiner Meinung sind, lesen besagte "Kotzkübel-Kommentare" nicht gern.
Nur, Sie stellen real existierendes Gedankengut in diesem unserem Lande dar.
Löschen hilt da wenig. Das unterstützt Subkulturen oder neudeutsch Parallelgesellschaften. Nur, in diesen Einfluss zu nehmen im Sinne positiver Veränderung ist seh viel schwieriger und oft vergebens.

Will man diese Situation verändern, ist einer der Wege die konstruktive Auseinandersetzung. Das bedeutet wiederlegen mit Fakten, entlarven der Lügen, der Desinformation.

Dieser Aufwand ist allerdings ein Vielfaches größer, als das Drücken der Löschtaste. Der Aufwand könnte allerdings um ein Vielfaches reizvoller sein.

Blender, 07.01.2016 11:16
Mich Ärgern vor allem Kommentare die einzig und allein darauf abzielen einen anderen Kommentator zu diffamieren bzw. niederzuschreiben. Ich bin mir sicher, dass ich schon den ein oder anderen Kommentar geschrieben habe zu dem ich heute so nicht mehr stehe, aber dies sollte man auf der Argumentationsebene zum Thema abarbeiten, und nicht in persönlichen Beleidigungen. Manche Kommentare überspringe ich dann auch schnell weil sie bekannt für Unsachlichkeit sind, aber als Betroffener bleibt doch immer ein ungutes Gefühl zurück. Auch mit den Beiträgen von Kontext bin ich nicht immer einverstanden (Bsp.: Probefahrt in Luxuskarosse), aber trotz allem: Kontext, macht weiter so!

F. Fischer, 06.01.2016 23:48
Sie werden scheitern. Auch die StZ und die StN "versuchen" das ab und zu. Aber nicht wirklich und konsequent. Auch dort werden massenhaft justitiable Kommentare stehengelassen. Beschwerden nützen nichts, weil die Mitarbeiter offensichtlich juristisch völlig ungebildet sind oder die Verlegerschaft eben geil auf "Echoes" dieser Art sind. Motto: Hauptsache viele Kommentare. Dann ist man wer im Mediendschungel. Ich habe es aufgegeben, mich da zu beschweren. Und auch hier ist es bedauerlicherweise so, daß Beschwerden nicht immer korrekt behandelt werden. Ich für meinen Teil habe keine Lust mehr, mich mit Trollpack wie Klartext, der jetzt anders firmiert, und Konsorten abzugeben.

Also: Viel Vergnügen noch mit der "Diskussion". Die Folgen werden alle tragen müssen.

gesders, 06.01.2016 19:44
Endlich! danke!

seit jahren versuche ich aehnliches / sinnverwandtes bei ka-news zu initiieren. ich les da nicht mehr - schliesslich verkehre ich auch nicht in kneipen, in denen sich nazis treffen. wenn jetzt inserenten / politiker / behoerden da auch noch etwas waehlerischer wuerden...

Stephan, 06.01.2016 18:38
Die einzig wahre und richtige Entscheidung und eine überfällige
dazu. Es ist zu hoffen, dass Ihrem Beispiel auch noch andere folgen werden!

adabei, 06.01.2016 14:54
Ihrem Beitrag und auch der Analyse von Stefan Karl kann man nur zustimmen. Beunruhigend ist nicht primär, dass der überwiegend braune Unflat inzwischen in zahlreichen Foren – wenn auch anonym – an die Öffentlichkeit dringt, es ist eher die Tatsache dass es ihn gibt und er schon immer da war. Insofern ist es vielleicht sogar gut, dass man ihn als Quantität inzwischen wahrnehmen kann und muss.
Was mir dabei immer klarer wird: Große Teile unseres „Volkskörpers“ stehen nach wie vor knietief im braunen Sumpf und man beginnt zu verstehen, wie das mit dem tausendjährigen Reich einst funktioniert haben muss.

Zaininger, 06.01.2016 14:34
".... in einer Tonlage, die einen zivilisierten Umgang miteinander gewährleistet ..."
Zensur wäre es, wissentlich Fakten zu unterschlagen. Dummheit, Pöbeleien und Rechthaberei eine Plattform zu verweigern ist genau der Anspruch, den ich an ein Medium in demokratischem Umfeld habe.
Viel Erfolg in diesem Sinne auch 2016!

Peter S., 06.01.2016 10:58
Sehr verehrte Redaktion,
stimme Ihnen bzgl des Artikels zu und bin gespannt wie Sie den Spagat angehen.
Darüber wird dann sicher auch kommentiert aber das ist auch gut so.
Auf ein tolles 2016 mit Euch und den Kommentatoren freue ich mich.

Stefan KARL, 06.01.2016 10:23
Es gibt aktuell so etwas wie einen Overkill des Outens anstandfreier Dumpfheiten. Das ist zwar Besorgnis erregend, aber diese Besorgnis hatte ich schon immer, denn es wird hierbei nur offen gelegt, was ja nicht aus dem Nichts kommt, sondern schon immer vorhanden war als logik- und realitätsfreie Agenda der emotional wie mental Verwahrlosten. Da jedoch diese Tabubrüche überwiegend strafrechtlich leider irrevelant sind oder nicht strikt verfolgt werden, öffnet sich diese Pandora-Büchse immer weiter. Diese Anstandslosigkeit verstößt gegen alle Regeln des vernünftigen Kommunizierns. Aber zur 'Vernunft' kann ich niemanden zwingen, wenn so viele (Männer?) mental aus dem Rudel laufen. Es gibt hierbei keinen Dialog, da das Monologbedürfnis übermächtig bleibt.

Ihnen wird wohl nicht anderes übrig bleiben, als im Dauerlauf den Widerspruches unentwegt und unverdrossen verlauten zu lassen. Ändern wird das die Tabubrecher nicht, doch der Widerspruch ist schlicht vorhanden als Gegengewicht.

Bleiben Sie dran und behindern Sie - auch mit technischen Mitteln - das Monolog-Gesindel. - Vielleich machen Sie einen Aufruf zur Finanzierung eines solchen Widerstandes? Denn das kostet halt. Gell?

Mit den besten Grüßen für einen Widerstand
Stefan Karl

Peter Schey, 06.01.2016 10:11
Immer mehr Online-Zeitungen schließen ihre Diskussionsforen.

Die Folgen lassen sich wunderbar an einer ZEITung beobachten, die bisher Online-Kommentare weiterhin zuläßt: Bei Meldungen, die es in irgendeiner Art zulassen, sich rechts bis rechtsextremistisch zu positionieren, quellen die Foren binnen kürzester Zeit über von bloßem Gequake anonymer Teilnehmer (Trolle ?), das teils wegen Polemik gelöscht werden muß, teils aber auch einfach eine vermeintliche "Meinungshoheit des Volkswillens" suggeriert. Auch dies ist ein nicht zu unterschätzender Nährboden für "rechte Gewalt", denn man wähnt sich ja einig mit der Mehrheit.

Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der schon einmal gehört hat, daß... "Man hat ja nichts gegen Ausländer, darf das auch nicht mehr sagen, bekommt das in der linksgrünversifften, gleichgeschalteten Lügenpresse auch nicht gemeldet, aber..."

Diskussionskultur, Respekt vor dem Gegenüber, das Sich-Einlassen auf Argumente sehen anders aus !

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