KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Ausgabe 249
Editorial

Kontext ist kein Kotzkübel

Von unserer Redaktion
Datum: 06.01.2016

Wir hätten da eine Idee für 2016: anständig streiten. Offenbar sind die Zeiten so, dass manch einem, tatsächlich sind es meist Männer, das Bösartige die Zeilen direkt in den Computer diktiert. Die Menschheit muss dann "von Parasiten befreit" werden, Kontext-AutorInnen müssen "entlinkifiziert" werden oder sich als "Abschaum" beschimpfen lassen. So nicht.

Nun sind wir einiges gewohnt und auch bereit, den Meinungskorridor, wie das heute heißt, so breit wie möglich zu halten. In diesem Sinne haben wir einiges geschluckt, manchen Kommentar freigeschaltet, der bei genauerem Hinsehen besser gelöscht worden wäre, aber immer im Bemühen, eine offene Diskussion zu ermöglichen. Eine Debatte, die mit Argumenten geführt wird. So wie es sich für eine demokratische Öffentlichkeit gehört.

Daran sind offensichtlich nicht alle interessiert. Zu viele Trolle sind inzwischen unterwegs, die nichts anderes im Sinn haben, als Diskussionen bewusst entgleisen zu lassen, die vom eigentlichen Thema ablenken wollen, gerne mit dem Totalitarismus-Hammer (links gleich rechts) draufschlagen oder den "Gutmensch" als Deppen der Nation diffamieren. Das hat Methode und den Zweck, Debatten zu vergiften, mit dem eigenen Wortmüll zu dominieren und damit andere zu unterdrücken beziehungsweise vom Schreiben abzuhalten.

Dagegen müssen wir uns wehren. Kontext ist kein Kotzkübel, keine Bühne für Beleidigungen, Diskriminierungen, Rassismus und rechtsradikale Ausfälle. Kontext ist aber auch keine therapeutische Veranstaltung, die Hass und Hetze auf der Couch behandelt. Hier hilft nur eines: raus damit. Schluss mit den Kommentaren, die keinen Anstand haben. Dem Vorwurf der Zensur setzen wir uns dabei gerne aus, wenn wir damit einen Beitrag zur Mitmenschlichkeit leisten.

Das ist auch ein Appell an andere Foristen. Bei aller Lust am Streit wünschen wir uns eine Auseinandersetzung mit Inhalten, sprich den toleranten Blick, der andere Meinungen respektiert und ihnen argumentativ begegnet. Ohne die VerfasserInnen persönlich anzugreifen, ohne die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben, in einer Tonlage, die einen zivilisierten Umgang miteinander gewährleistet – wie das unter Kontext-LeserInnen und den meisten KommentatorInnen üblich ist.

Wie das im Einzelnen aussehen soll, kleiden wir demnächst in Regeln. Sie sollen, im Kontext-Sense, eine Handreichung sein für alle, die Freude haben an einer lebhaften Debatte. Und sie im Gift der Trolle nicht verlieren wollen.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Kommentare

Karl-Ludwig Wapler, 11.01.2016 15:56
Sehr geehrte Kontext-Redaktion,
seit mehr als einem Jahr lese ich die "taz am wochenende" und damit auch Ihr Blatt. Ich lese es als alter Badener mit großem Interesse, und ich freue mich jedes Mal über Ihre Berichterstattung über das, was im Ländle so passiert. Ich bin auch nicht immer in allen Punkten Ihrer Meinung, denke auch, dass Sie manchmal mit Ihrer süffisanten Art gegenüber Kretschmann nicht ganz ausgewogen sind, doch insgesamt kann ich Ihre journalistische Art nur anerkennen.
Deswegen ist es mir vollkommen unverständlich, wie es zu den beschriebenen Anwürfen und Beleidigungen kommen kann. Das kann doch nicht die Art eines Kontext- oder taz-Lesers sein. Ich wünsche Ihnen nur, dass Sie sich durch solche Meinungen nicht aus dem Konzept bringen lassen und weiterhin so gut und interessant berichten.
Mit freundlichem Gruß
Karl-Ludwig Wapler

Richard Schönfeld, 09.01.2016 09:36
Offenbar gibt es zwischen Redaktion und Leserschaft begrenzte Wünsche nach gedanklichem Austausch, sonst gäbe es kein solches Forum. Diese Grenzen sind natürlich von beiden Seiten unterschiedlich gesetzt. Die Beiträge sind meistens Meinungen, seltener direkte Quellen. Letztere sind sicher für beide Seiten interessanter und daher wertvoller als Meinungen. Allein diese Beiträge rechtfertigen schon dieses Forum. Die Trolle sind ja als typische Serientäter schnell erkennbar, das kann man einfach kommentarlos übergehen, dann stören sie auch nicht, so wie beim schönen Bild mit der Eiche und dem Borstenvieh, das halt tut, was es tun muss, wenn's wieder juckt, ohne größeren Schaden anzurichten. Einer Redaktion kann man diese Eigenschaft einer stummen Eiche wirklich nicht zumuten, eine technische Kontingentierung kann wohl leicht umgangen werden, also bleibt halt nur: An die Eiche denken und weiterlesen, keinesfalls antworten.

Gela, 08.01.2016 18:48
Den Vorschlag, dass die Redakteure sich auch häufiger in die Diskussion einmischen und Falschaussagen richtig stellen, finde ich gut. Zu den Regeln sollte neben einer gewissen Höflichkeit und Sachlichkeit auch gehören, dass die Texte lesbar sind; indem ganze und logische Sätze formuliert werden und nicht lauter Leerzeilen, Ausrufungszeichen, Gedankenstriche und Satzfetzen den Beitrag unverstehbar machen.
Ich hatte schon oft keine Lust mehr, die unerfreulichen und unergiebigen Diskussionen zu verfolgen!

Thomas, 08.01.2016 17:22
Ich sehe das ähnlich wie Bernd Oehler.
Regeln einführen oder gar die Kommentare komplett streichen ist wirklich der falsche Ansatz.
Sehr unkreativ.

Wieso kann man nicht neue Ideen erarbeiten oder neue Wege gehen..?
z.B.
- Eine Frage für die Diskussion vorgeben... es muss ja nicht mal "moderiert" werden wobei das sicherlich mit wenig Auwand machtbar wäre. Dann würde die Diskussion nicht von Anfang an schon entgleiten und man könnte alle auf die Fragestellung zurückholen.

- Pro- und Contra-Diskussion. Zu eine gestellten Frage kann jeder sich einordnen (Pro oder Contra), Stellung beziehen

- Von Anfang an nur max. 10 Kommentare zulassen, so entstehen keine endlose Diskussionen

- Nicht zu allen Artikeln die Kommentarfunktion freischalten sondern dann nur für bestimmte Artikel aber die dann auch moderieren und begleiten. Vielleicht parallel dazu in den sozialen Medien ggf. diese zusammenführen.

Es gibt bestimmt noch mehr Ideen wenn man erstmal drüber nachdenkt...

Peter S., 08.01.2016 17:07
@Dr. Dierk+Helmken.
Ich stimme Ihnen zu bis zum Killerwort "Verschwörungstheorien".
Damit lässt sich jede Meinung, die vom Mainstream abweicht, eliminieren.
Und wir sind uns doch nicht erst seit den WMD-Lüge der US Regierung (Colin Powell musste dafür herhalten) darüber einig, daß es Verschwörungen gibt.
Sehr große sogar.
In diesem Falle waren es hunderttausende Tote und Gefolterte die auf Grund dieser Verschwörung dran glauben mussten. Und einen IS haben wir damit auch noch bekommen.
Jeder der damals die Wahrheit sagte, wurde als Verschwörungstheoretiker beschimpft. (Schröder und das ganze "Alte Europa")
Es gibt sicherlich ein Haufen Blödsinn der verzapft wird. An Sammtischen genauso wie in Foren.

Aber wollen wir deswegen alle Snowdens in die Tonne treten?
Jede kritische Meinung als VT brandmarken?

Auch wenn sich der normale Bürger schwer tut, staatlich gestütztes Unrecht zu beweisen, zusammen mit einem investigativen Journalismus und kritischen (nicht permanent spinnerten) Bürgern erreichen wir vielleicht etwas Positives.
Vielleicht ist es auch die letzte Chance.

Bernd Oehler, 08.01.2016 12:51
Soso. Regeln. Die gibt es bekanntlich bei gedruckten Zeitungen (Achtung Digitalnerds: Totholz- und Analog-Alarm) längst: anonymes Geschreibsel kommt in den Papierkorb und dummes Geblöke wird nicht veröffentlicht (na gut: die Messlatte dafür variiert von Zeitung zu Zeitung).
Ich habe das vor geraumer Zeit hier schon mal vorgeschlagen: wie wäre es mit einer Leserbriefredaktion? Ich bekam eine naiv-rotzige Antwort, dafür habe man nun wirklich keine personellen Ressourcen. Die Praktikanten- Antwort verschwand wenig später spurlos im digitalen Nirwana, ein Schelm, wer Arges dabei denkt, gell ...
Dabei ist doch völlig klar, dass auch das Freischalten von Kommentaren personelle Ressourcen beansprucht - vermutlich unendlich mehr als bei Zuschriften auf Papier.
Was aber nützt das ganze Kommentieren? In aller Regel gleitet es in Auseinandersetzungen ab, die an das Werfen mit Förmchen im Sandkasten erinnern. Auf 95 Prozent der Beiträge ließe sich wohl ohne Erkennisverlust verzichten.

Ein Letztes: als das berühmte Web 2.0 bei den Online-Zeitungen auftauchte, war viel die Rede vom Dialog zwischen Zeitungsmachern und -lesern. Ah ja. Und wie oft beteiligen sich nun Zeitungsmacher an der Online-Debatte? Das ist unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, mit den gelegentlichen löblichen Ausnahmen Johanna Henkel-Waidhofer und Thomas Rothschild. Davon mehr und alle Anderen mit Klarnamen und ausgesucht - dann könnte was dabei rauskommen.

observer, 08.01.2016 11:54
Verbindliche Regeln sind nachvollziehbar und löblich. Sie sollten allerdings keinen Interpretationsspielraum lassen, keine Gummiformulierungen verwenden (die berüchtigte "Hetze" z.B.), sondern einfach anwendbar sein.

In fast allen moderierten Foren wird leider nach weltanschaulichen Kriterien gesiebt, nach meiner Wahrnehmung sind gemäßigt Konservative noch die liberalsten.

Warten wir die neue Praxis mal ab.

ophir, 08.01.2016 08:19
Einverstanden, liebe KONTEXT-Redaktion!

Aber, mögen sich "Fern-der-Heimat", "by-the-way" und Konsorten in Zukunft auch daran halten!?

Ulrich Scheuffele, 07.01.2016 21:13
stimme voll und ganz zu, auch kritische Journalisten müssen geschützt werden. Dies gilt jedoch auch für Foristen . Was mir ein Dorn im Auge ist, dass nicht generell mit Klarnamen gezeichnet werden muss. Ich wurde auch schon von einem Foristen in der Kontext angegriffen und beleidigt. Diese Person konnte sich wunderschön unter seinem Pseudonym verstecken.

Dr. Dierk+Helmken, 07.01.2016 16:26
Eure Entscheidung ist richtig und war überfällig.
Maßstab sollte das höfliche und respektvolle Verhalten unter Diskutanten sein, die sich persönlich gegenüberstehen.
Benutzt einer der Diskutanten Verbalinjurien oder versteigt sich in Verschwörungstheorien, dann reagieren wir doch auch dadurch, dass wir ihn nicht mehr zur Kenntnis nehmen, weil er den Diskurscodex verletzt hat. Warum sollte es in Internetforen anders sein.

Rainer Stieber, 07.01.2016 14:52
Menschen, die meiner Meinung sind, lesen besagte "Kotzkübel-Kommentare" nicht gern.
Nur, Sie stellen real existierendes Gedankengut in diesem unserem Lande dar.
Löschen hilt da wenig. Das unterstützt Subkulturen oder neudeutsch Parallelgesellschaften. Nur, in diesen Einfluss zu nehmen im Sinne positiver Veränderung ist seh viel schwieriger und oft vergebens.

Will man diese Situation verändern, ist einer der Wege die konstruktive Auseinandersetzung. Das bedeutet wiederlegen mit Fakten, entlarven der Lügen, der Desinformation.

Dieser Aufwand ist allerdings ein Vielfaches größer, als das Drücken der Löschtaste. Der Aufwand könnte allerdings um ein Vielfaches reizvoller sein.

Blender, 07.01.2016 11:16
Mich Ärgern vor allem Kommentare die einzig und allein darauf abzielen einen anderen Kommentator zu diffamieren bzw. niederzuschreiben. Ich bin mir sicher, dass ich schon den ein oder anderen Kommentar geschrieben habe zu dem ich heute so nicht mehr stehe, aber dies sollte man auf der Argumentationsebene zum Thema abarbeiten, und nicht in persönlichen Beleidigungen. Manche Kommentare überspringe ich dann auch schnell weil sie bekannt für Unsachlichkeit sind, aber als Betroffener bleibt doch immer ein ungutes Gefühl zurück. Auch mit den Beiträgen von Kontext bin ich nicht immer einverstanden (Bsp.: Probefahrt in Luxuskarosse), aber trotz allem: Kontext, macht weiter so!

F. Fischer, 06.01.2016 23:48
Sie werden scheitern. Auch die StZ und die StN "versuchen" das ab und zu. Aber nicht wirklich und konsequent. Auch dort werden massenhaft justitiable Kommentare stehengelassen. Beschwerden nützen nichts, weil die Mitarbeiter offensichtlich juristisch völlig ungebildet sind oder die Verlegerschaft eben geil auf "Echoes" dieser Art sind. Motto: Hauptsache viele Kommentare. Dann ist man wer im Mediendschungel. Ich habe es aufgegeben, mich da zu beschweren. Und auch hier ist es bedauerlicherweise so, daß Beschwerden nicht immer korrekt behandelt werden. Ich für meinen Teil habe keine Lust mehr, mich mit Trollpack wie Klartext, der jetzt anders firmiert, und Konsorten abzugeben.

Also: Viel Vergnügen noch mit der "Diskussion". Die Folgen werden alle tragen müssen.

gesders, 06.01.2016 19:44
Endlich! danke!

seit jahren versuche ich aehnliches / sinnverwandtes bei ka-news zu initiieren. ich les da nicht mehr - schliesslich verkehre ich auch nicht in kneipen, in denen sich nazis treffen. wenn jetzt inserenten / politiker / behoerden da auch noch etwas waehlerischer wuerden...

Stephan, 06.01.2016 18:38
Die einzig wahre und richtige Entscheidung und eine überfällige
dazu. Es ist zu hoffen, dass Ihrem Beispiel auch noch andere folgen werden!

adabei, 06.01.2016 14:54
Ihrem Beitrag und auch der Analyse von Stefan Karl kann man nur zustimmen. Beunruhigend ist nicht primär, dass der überwiegend braune Unflat inzwischen in zahlreichen Foren – wenn auch anonym – an die Öffentlichkeit dringt, es ist eher die Tatsache dass es ihn gibt und er schon immer da war. Insofern ist es vielleicht sogar gut, dass man ihn als Quantität inzwischen wahrnehmen kann und muss.
Was mir dabei immer klarer wird: Große Teile unseres „Volkskörpers“ stehen nach wie vor knietief im braunen Sumpf und man beginnt zu verstehen, wie das mit dem tausendjährigen Reich einst funktioniert haben muss.

Zaininger, 06.01.2016 14:34
".... in einer Tonlage, die einen zivilisierten Umgang miteinander gewährleistet ..."
Zensur wäre es, wissentlich Fakten zu unterschlagen. Dummheit, Pöbeleien und Rechthaberei eine Plattform zu verweigern ist genau der Anspruch, den ich an ein Medium in demokratischem Umfeld habe.
Viel Erfolg in diesem Sinne auch 2016!

Peter S., 06.01.2016 10:58
Sehr verehrte Redaktion,
stimme Ihnen bzgl des Artikels zu und bin gespannt wie Sie den Spagat angehen.
Darüber wird dann sicher auch kommentiert aber das ist auch gut so.
Auf ein tolles 2016 mit Euch und den Kommentatoren freue ich mich.

Stefan KARL, 06.01.2016 10:23
Es gibt aktuell so etwas wie einen Overkill des Outens anstandfreier Dumpfheiten. Das ist zwar Besorgnis erregend, aber diese Besorgnis hatte ich schon immer, denn es wird hierbei nur offen gelegt, was ja nicht aus dem Nichts kommt, sondern schon immer vorhanden war als logik- und realitätsfreie Agenda der emotional wie mental Verwahrlosten. Da jedoch diese Tabubrüche überwiegend strafrechtlich leider irrevelant sind oder nicht strikt verfolgt werden, öffnet sich diese Pandora-Büchse immer weiter. Diese Anstandslosigkeit verstößt gegen alle Regeln des vernünftigen Kommunizierns. Aber zur 'Vernunft' kann ich niemanden zwingen, wenn so viele (Männer?) mental aus dem Rudel laufen. Es gibt hierbei keinen Dialog, da das Monologbedürfnis übermächtig bleibt.

Ihnen wird wohl nicht anderes übrig bleiben, als im Dauerlauf den Widerspruches unentwegt und unverdrossen verlauten zu lassen. Ändern wird das die Tabubrecher nicht, doch der Widerspruch ist schlicht vorhanden als Gegengewicht.

Bleiben Sie dran und behindern Sie - auch mit technischen Mitteln - das Monolog-Gesindel. - Vielleich machen Sie einen Aufruf zur Finanzierung eines solchen Widerstandes? Denn das kostet halt. Gell?

Mit den besten Grüßen für einen Widerstand
Stefan Karl

Peter Schey, 06.01.2016 10:11
Immer mehr Online-Zeitungen schließen ihre Diskussionsforen.

Die Folgen lassen sich wunderbar an einer ZEITung beobachten, die bisher Online-Kommentare weiterhin zuläßt: Bei Meldungen, die es in irgendeiner Art zulassen, sich rechts bis rechtsextremistisch zu positionieren, quellen die Foren binnen kürzester Zeit über von bloßem Gequake anonymer Teilnehmer (Trolle ?), das teils wegen Polemik gelöscht werden muß, teils aber auch einfach eine vermeintliche "Meinungshoheit des Volkswillens" suggeriert. Auch dies ist ein nicht zu unterschätzender Nährboden für "rechte Gewalt", denn man wähnt sich ja einig mit der Mehrheit.

Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der schon einmal gehört hat, daß... "Man hat ja nichts gegen Ausländer, darf das auch nicht mehr sagen, bekommt das in der linksgrünversifften, gleichgeschalteten Lügenpresse auch nicht gemeldet, aber..."

Diskussionskultur, Respekt vor dem Gegenüber, das Sich-Einlassen auf Argumente sehen anders aus !

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / Peter S, 28.03.2017 13:52
Stimme tauss und Kornelia zu. Man ändert an dem Leid Afrikas null wenn sich der Tourismus ändert, egal ob auf den Kanaren oder in Afrika oder der Türkei. Die meide ich allerdings bis auf weiteres auch. Wir (also BRD, Nato und...

Ausgabe 312 / Der zweite Verrat / Udo Sürer, 28.03.2017 11:38
Kappler war nicht der Eínzige. Auch Walter Reder war in Gaeta, bis 1985. Katholiken verkennen tendenziell die heilende Funktion von Gerechtigkeit und meinen, stattdessen mit "Gottes Gnade und Vergebung" alles unter den Teppich kehren zu...

Ausgabe 311 / Sehnsucht nach Franz Josef Strauß / Kornelia, 28.03.2017 11:37
http://www.deutschlandfunk.de/politisch-korrekte-sprache-die-eliten-betreiben-eine.691.de.html?dram:article_id=381780 "Jürgen Trabant: Die Sprachwaschmaschine ist ein gesellschaftliches Spiel, wenn Sie so wollen, in dem Sprache, die...

Ausgabe 312 / Reiche auf der Flucht / Peter S, 28.03.2017 11:18
Also rein geografisch ist der Wempe nach einem Umzug an die Stiftskirche aber noch näher am Primark als heute.

Ausgabe 312 / Wohnen am Anschlag / Schwabe, 28.03.2017 09:28
Jeder wohnt (irgendwie), doch das Thema scheint niemanden zu interessieren. Jedenfalls nicht so sehr das es einen Leserkommentar wert ist. Vielleicht denken sich die meisten "Scheiße, ich will auch so wohnen" oder "Mittelstand 3.500 €...

Ausgabe 312 / Kritik und Klausur / josef tura, 28.03.2017 09:22
Ein Herr Produzent, der grammatikalischen Blödsinn wie "weder...sondern..." schreibt, sollte sich nicht über das makellose Deutsch eines renommierten Kritikers mokieren. Aber natürlich sind Verleihfirmen, deren Pressefuzzies und auch...

Ausgabe 312 / Meckerärsche, die Augen rechts! / andromeda, 28.03.2017 00:22
@ Schleiermacher, exakt so ist es . Allerbesten Dank für den hervorragenden Link und Folgelinks bis zu den Beweihräucherungen von pulseofeurope im Bundestag. Die Verträge von Lissabon / Neo"liberalismus" (Neofeudalismus) /CETA /...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 27.03.2017 22:22
Na prima ... Jetzt haben wir es also wieder geschafft, von einem kleinen städtebaulichen Thema auf globale Missstände und Bankenbillionen etcpp zu kommen. Super. Nicht mal die Farbe einer einzigen Parkbank könnte man hier diskutieren...

Ausgabe 312 / Lipps Liste / Zaininger, 27.03.2017 22:14
Zu Ziegler: So, wie viele vor 1945 "dem Führer eifrig zugearbeitet" haben gab es im deutschen Beamtenapparat auch nach 1945. g Genügend Eifrige, die dem zeitgemäß aktualisierten Kampf gegen den "Bolschewismus" übereifrig zur Hand...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / andromeda, 27.03.2017 21:49
Wie Entwicklungshilfe funktioniert : Beispiel 1 ARTE-Dokumentation "Milliarden für den Stillstand" https://www.youtube.com/watch?v=3Q7piBiWENk Vorsicht , nicht den SW -Film (ist zum Ende hin einseitige Propaganda) Beispiel...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!