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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Hochzeitsdrilling auf dem Stuttgarter CSD 2007. Fotos: Martin Storz

Hochzeitsdrilling auf dem Stuttgarter CSD 2007. Fotos: Martin Storz

Ausgabe 224
Debatte

Kann denn Ehe Sünde sein?

Von Gastautorin Claudia Roth
Datum: 15.07.2015
Wenn demnächst die CSD-Parade (Motto: "Akzeptanz! Was sonst?") durch Stuttgart zieht, wird auch unsere Gastautorin auf einem Wagen tanzen. In ihrem Beitrag erläutert sie, warum die Debatte um die Ehe für alle völlig an der Realität vorbei geht.

Wenn es um die Ehe geht, gelte ich gemeinhin als ziemlich unverdächtig. Nie in meinem Leben hatte ich das Bedürfnis, eine Liebesbeziehung unter öffentlichem Schwur offiziell beglaubigen zu lassen, und die Heiratswut, die sich zum Teil gerade bei vielen meiner jüngeren KollegInnen Bahn bricht, war mir immer irgendwie suspekt. Werdet schon sehen, was Ihr davon habt, lautet mein üblicher Kommentar dazu. Warum ich mich am Ende dann aber doch über jede Heirat in meiner Umgebung freue, das ist das Hochzeitsfest. Eine riesige, bunte und romantische Party ist das, was mich mit dem Heiratsgedanken versöhnt.

CSD Stuttgart

Und natürlich finde ich, sollte jeder Mensch ein Recht auf Party haben. Riesig, bunt und romantisch, und wem's beliebt auch gern klein und fein. Aber dafür muss man ja nicht zwingend heiraten. Deswegen ist das Recht auf Party nicht unbedingt der Grund, warum ich nun schon seit über 25 Jahren für gleiche Rechte kämpfe und finde, dass die Ehe endlich auch Lesben und Schwulen offen stehen sollte.

Mir geht es dabei nicht ums Heiraten. Mir geht es um das Privileg für eine bestimmte Gruppe von Liebespaaren, deren Liebe bis heute von Staats wegen als höherwertig definiert wird. Und es geht mir damit letztendlich auch um das Privileg einer Gruppe von Menschen, der aufgrund ihrer sexuellen Identität ganz allein die Ehe offen steht, und deren So-Sein damit ebenfalls von Staats wegen als höherwertig definiert wird.

Warum maßt sich der Staat an, Liebesbeziehungen zu sanktionieren?

Und genau das wollte mir nie in den Kopf gehen: Weshalb sich unser Staat, der zum Beispiel in Glaubensfragen zur Neutralität verpflichtet ist, der in Artikel 1 Grundgesetz die stets gleiche Würde des Menschen festschreibt – und nicht etwa die des heterosexuellen oder männlichen Menschen, und der in Artikel 3 Grundgesetz die Gleichheit jeder menschlichen Verschiedenheit vor dem Gesetz als Grundprinzip der individuellen Rechtstellung jedes Einzelnen definiert, warum dieser Staat sich also ausgerechnet anmaßt, die persönliche Verfasstheit der Menschen zu beurteilen und Liebesbeziehungen zwischen erwachsenen Personen rechtlich zu sanktionieren. Und ich habe bis heute auch noch kein Argument gehört, das diese Einmischung des Staates in die Privatangelegenheiten der Menschen wirklich rechtfertigen würde.

Sünden am Rande des CSD.
Sünden am Rande des CSD.

Zu rechtfertigen wäre eine solche Einmischung ja etwa dann, wenn man einen Schaden für Personen oder das Gemeinwesen durch die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule befürchten müsste. Die Gegner argumentieren, wenn auch nur selten ganz offen, ja genau mit dieser Behauptung.

Doch auch mit der Ehe für alle wird es keinen Heiratszwang geben, die Ehe bleibt eine freie Entscheidung zwischen zwei erwachsenen Personen. Ein Schaden, zumindest vordergründig, ist also nicht zu befürchten - wie gesagt, die Heiratswilligen werden am Ende schon sehen, was sie davon haben.

Als Nächstes wird an dieser Stelle von den Gegnern sofort mit dem vermeintlichen Kindeswohl argumentiert. Denn schließlich gehörten in eine Ehe auch Kinder, und das dann womöglich auch in eine gleichgeschlechtliche, sollte man diese legalisieren. Doch erstens leben bereits heute Kinder völlig legal und von bundesdeutschen Gesetzen goutiert mit unterschiedlichsten Elternkonstellationen: mit alleinerziehenden Vätern und Müttern, mit unterschiedlichsten Patchwork-Eltern-Kombinationen, mit Vater und Mutter, verheiratet oder nicht, mit Großeltern und, ja, auch bereits mit Mutter und Mutter oder Vater und Vater. Längst ist es rechtlich möglich, dass eine Frau das Kind ihrer Lebenspartnerin und Männer die Kinder ihrer Lebenspartner adoptieren dürfen, oder dass lesbische und schwule Paare Kinder aufeinanderfolgend adoptieren können.

Treibende Kraft: Laura Halding-Hoppenheit
Treibende Kraft: Laura Halding-Hoppenheit

Die einzige Konstellation, die rechtlich weiter verhindert wird, ist die gleichzeitige Adoption eines Kindes durch lesbische oder schwule Paare. Welche Verbesserung im Sinne des Kindeswohls erreicht wird, wenn das Kind zunächst von der einen Mutter oder dem einen Vater und erst ein Jahr später dann von der anderen Mutter oder dem anderen Vater adoptiert wird, anstatt von beiden Müttern oder Vätern gleichzeitig, das verstehe wer will. Ich und viele andere Menschen in diesem Land verstehen diese absurde Rechtslage auf alle Fälle nicht.

Zudem fehlt bis heute jeder Beweis dafür, dass das Kindeswohl allein von der Familienstruktur abhängt. Niemand hat bis heute nachgewiesen, dass es Kindern allein dadurch besser geht und sie sich besser entwickeln, wenn sie bei Vater und Mutter aufwachsen, anstatt etwa bei den Großeltern, in einer Groß- oder Patchworkfamilie, bei alleinerziehenden oder gleichgeschlechtlichen Eltern. Vielmehr ist seit Langem klar, dass das Kindeswohl viel eher durch soziale oder emotionale Faktoren beeinflusst wird, die in jeder Familienform so oder so auftreten können. Lesben und Schwule sind für Kinder also genauso gut oder schlecht wie andere Eltern. Würde das Verfassungsgericht dieser Erkenntnis kein Vertrauen schenken, hätte es die Stiefkind- oder Sukzessiv-Adoption für gleichgeschlechtliche Paare nicht erlaubt.

Den Gegnern der Ehe für alle geht es um ein Gefühl der Überlegenheit

Bliebe als Letztes noch die Schädigung, die durch die Ehe für alle den bisher mit dem Eheprivileg ausgestatteten heterosexuellen Paaren drohen könnte, oder gar gleich dem ganzen Gemeinwohl. Auch dafür fehlt jede intelligenzgesättigte Erklärung. Bei der Forderung nach der Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule geht es nicht darum, bestehende Privilegien irgend jemandem wegzunehmen, sondern diese auch für eine andere Gruppe zugänglich zu machen. Der Ehe als solcher passiert dadurch - nichts. Und heterosexuellen Paaren, die gerne heiraten möchten, wird nichts genommen - außer ihre Exklusivität.

CSD Stuttgart

Und damit sind wir dann wohl auch beim Kern der Debatte. Es geht nicht um Argumente, es geht nicht um Recht und Gesetz. Den Gegnern der Ehe für alle geht es wohl um ein (Bauch)Gefühl - um ein Gefühl der Überlegenheit, um ein Gefühl ihrer Überlegenheit.

Sie wollen auch weiterhin diejenigen sein, die das gesellschaftliche Maß aller Dinge definieren dürfen, die festlegen, wer richtig und wer falsch lebt, wer Rechte haben soll und wer nicht. Und zwar weil das schon immer so war. Und weil es für sie doch schon immer gut so war.

Deswegen fühlen sie sich nicht wohl, wenn das, was für sie gilt, plötzlich auch für andere gelten soll, deswegen empfinden sie es als vermessen, übertrieben und unverschämt, wenn Andere gleiche Rechte, wie sie im Grundgesetz vorgesehen sind, auch für sich einfordern, und deswegen diffamieren sie jede Politik, die sich für gleiche Rechte und gegen Diskriminierung einsetzt, als eine Politik im Würgegriff der Homo-Lobby.

Gerade Baden-Württemberg scheint die Keimzelle dieser um die eigene Definitionsmacht besorgten Privilegienreiter zu sein. Glücklicherweise ist Baden-Württemberg aber auch der Hort einer streng an gleichen Rechten orientierten Politik. Mit dem vorgelegten Bildungsplan, dem Ende Juni verabschiedeten Aktionsplan gegen Diskriminierung und der Gesetzesinitiative im Bundesrat für eine Öffnung der Ehe macht Baden-Württemberg nicht etwa Politik für oder gar auf Geheiß einer Minderheit, sondern das Land macht damit Politik für das Gemeinwohl. Denn es geht dabei um die Durchsetzung von Artikel 3 Grundgesetz, um das Ernstnehmen von Artikel 1 Grundgesetz, um das Zurückdrängen von Diskriminierung und um die staatliche Neutralität in Liebesdingen. Und das stärkt am Ende alle gleichermaßen.

 

Claudia Roth, MdB, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, seit 2013 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags. Wahlkreis: Augsburg, Beruf: Dramaturgin.


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Kommentare

verheiratetemutter&hetera, 18.07.2015 16:21
Danke Frau Roth für diese wahren und wohldurchdachten Worte, deren Inhalt ich gedanklich teile. Nur weil man/frau hetero ist, muss man anderslebenden doch nicht alles missgönnen.

Den oben schreibenden Polemikern wünsche ich freundlich viel Vergnügen u. gute Nerven bei der Polygamie.

Beste Grüße

Helga, 15.07.2015 10:04
"die Ehe bleibt eine freie Entscheidung zwischen zwei erwachsenen Personen"

Bitte Frau Roth, erklären Sie mir doch, warum der Staat mir immer noch vorschreiben will, dass ich nur EINEN Ehepartner haben darf? Dafür gibt es überhaupt keine einzige Begründung.

Die neue "Definition" von Ehe stützt sich praktisch auf das Moment des " in Liebe oder ohne Liebe " füreinander Einstehens.
Je größer also die Ehe-Gruppe, umso besser. Noch nie was von Polyamoren gehört?

Ich liebe die Türkei wie Sie. Die Sonne, das Meer , das Essen , die Gastfreundschaft ,die Menschen!
Wenn man den Menschen jetzt erlaubt, offiziell eine Vielehe zu führen, dann kann ein Türke hier, ein ganzes Dorf incl. auch aller Eltern und Kinder dort, mit in die gesetzliche Krankenversicherung aufnehmen wie es ja durch ein Abkommen seit 1964 geregelt ist.

Dann hätte eine Eheschließung auch einen über Party hinausgehenden Sinn. Was meinen Sie dazu? Wir sollten aufhören , halbe Sachen zu machen. Vielleicht könnten sich dann Moslems auch etwas offener auf die sexuelle Vielfalt in der Schule einlassen und keine Unterrichtsbefreiung mehr beantragen.

Ich werde um die Vielehe kämpfen, weil die gerade für uns Älteren nur Vorteile bietet. Ich akzeptiere keine Einschränkungen, weil nur künstliche Konstrukte.

Kann ich auf Sie zählen? Zumal alles ganz logisch begründbar ist.

Fred Bangkok, 15.07.2015 09:58
Lieber Michael ,wie waers mit Schwusbisch...

aber mal im ernst,, muss man sich darueber Gedanken machen...
ich denke nicht..
denke eher darueber nach weshalb man den deutschen Staat mit saekulaer bezeichnet obwohl die Macht der christlichen Gross-Sekten wie ein Krake mit ihren Tentakeln mitmischen ,und von ALLEN Steuerzahlern gefuettert werden.

Unter saekuar verstehe ich was andres...

Michael Schneider, 15.07.2015 09:26
Warum heißt das bei Frauen: "Lesbisch" und bei Männern: "Schwul"?
Ist das im Prinzip nicht das Gleiche und sollte deswegen dieselbe Bezeichnung haben?

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Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
"Die künftige Entwicklung gestalten!" Wir sollten versuchen, die globale Entwicklung weiterhin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sich die Welt um uns herum rasch verändert und dass es dabei um so mehr auf...

Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
@tauss: Dieser gelungene Beitrag handelt nicht von Kompensation, sondern von haarsträubender Ungleichheit und niederschmetternder Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit. Er nervt daher nicht, sondern macht betroffen und fassungslos.

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

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