KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Bunte Illustriertenwelt im Kioskregal. Foto: Joachim E. Röttgers

Bunte Illustriertenwelt im Kioskregal. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 117
Debatte

Die Krakenarme der Medienmultis

Von Ulrich Viehöver
Datum: 26.06.2013
Eine Presselandschaft ist so vielfältig und kultiviert, wie das Volk sie wünscht. Das Traumbild: Am besten sollten in jedem Ballungszentrum Deutschlands von Kiel bis Konstanz mindestens drei bis vier Zeitungen erscheinen, die publizistisch wie wirtschaftlich völlig voneinander getrennt sind. Und jede der wichtigen gesellschaftspolitischen Strömungen müsste vertreten sein. Das wahre Bild sieht anders aus.

Nur Vielfalt kann gewährleisten, dass wir uns gemäß Grundgesetz frei und ungehindert aus verschiedenen Quellen informieren können. Doch von diesem Ideal ist unsere Presselandschaft weit entfernt. Statt Pluralität herrscht öde Einfalt – gedruckt oder im Internet. Großstadtregionen mit zwei oder mehr Medienhäusern, die wirklich miteinander konkurrieren, sind selten geworden. Stattdessen hat sich bei den Mediennutzern nach dem Zweiten Weltkrieg die Meinung verfestigt, Massenmedien müssten möglichst parteipolitisch neutral ("unparteiisch"), wirtschaftlich unabhängig und damit bei allen Themen stets "objektiv" sein – welch ein weltfremder Blödsinn.

Im Mediengeschäft gibt es weder Wunder noch Heilige. Selbst eine Qualitätszeitung kann zwar Nachrichten und Themen nach bestem journalistischem Handwerk ergebnisoffen und aus diversen Perspektiven recherchieren und berichten, aber sie wird niemals auf ihr Recht verzichten können, eine eigene Meinung und Haltung einzunehmen und zu vertreten. Alles andere wäre übermenschlich. Es ist also übler Etikettenschwindel, "unparteiisch", "unabhängig" oder ähnliches sein zu wollen. Sind also die Nutzer ("User") von Massenmedien an Deutschlands trister Presselandschaft schuld, weil sie dieses Märchen glauben? Warum sind sie so uninteressiert, aus möglichst vielen (Meinungs-)Quellen schöpfen zu wollen? Sicher würde ich es mir zu leicht machen, wenn ich die Schuld an der Pressekonzentration aufs Publikum abwälzen würde. Mehr Durchblick bei den Medien wäre zwar vielen Lesern, Hörern, Zuschauern zu wünschen, aber dieser freien Sicht steht vorsätzliches Täuschen und Tarnen entgegen. Großverlage servieren nämlich ihren publizistischen Einheitsbrei in kleinen Portionen mit zahlreich Etiketten (Titeln). "More of the same", wie die Amerikaner dazu sagen.

Zehn Meinungs-Oligopolisten agieren wie Riesenkraken

Der Blick auf einen Pressekiosk täuscht Vielfalt vor, die nicht existiert. Hinter dem bunt erscheinenden Blätterwald stecken in Wahrheit vorwiegend zehn führende Medienhäuser. Sie beherrschen das Milliardengeschäft der Massenmedien – von Zeitungen über Zeitschriften bis zu Hörfunk und Fernsehen.

Bild liegt vorn, am Kiosk und in der Auflage. Foto: Röttgers
Bild liegt vorn, am Kiosk und in der Auflage. Foto: Röttgers

Die Folge dieses Meinungs-Oligopols: So ziemlich jeder Erwachsene kommt regelmäßig mit den mächtigen Meinungsmachern in Kontakt, ohne sie als Ganzes wahrzunehmen. Doch sie alle ziehen ihre Fäden still zur hohen Politik und tief in Lobbyverbände hinein. Wer kennt schon die publizistischen Riesen? Kaum ein Konzern tritt unter dem Namen seiner Besitzer auf. So stehen die fast durchweg von Familien geführten Giganten im Schatten ihrer eigenen Größe – mit Absicht. Diese Pressekonzentration im 80-Millionen-Volk ist peinlich. Und sie nimmt immer schärfere Züge an. Daher ist der Satz von Paul Sethe (1901–1967), konservativer Publizist, Journalist und umstrittener Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) aus den Sechzigerjahren, aktueller denn je: "Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten."

Publizistisch haben heute vermutlich kaum hundert Multimillionäre sowie einige Funktionäre und Spitzenpolitiker der öffentlich-rechtlichen Anstalten das Sagen. Ihr Geld und Einfluss bestimmen die Richtung. So geht der Konzentrationsprozess in der Presse munter weiter! Wie heißen diese Meinungs-Oligopolisten, was sind ihre wichtigsten Publikationen? Im ersten Teil meiner Führung gehe ich bei den großen zwei der Einflussreichen auf Entdeckungsreise: Bertelsmann und Springer. In weiteren Folgen nehme ich unter aanderem die Verlagskonzerne WAZ, Holtzbrinck, Bauer, Burda, DuMont, FAZ, Madsack und Ippen unter die Lupe sowie die nahe liegende Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), die zusammen mit der Süddeutschen und der Rheinpfalz-Gruppe weitgehend den süddeutschen Raum dominiert.

Medienmultis sind wie Riesenkraken: Überall reichen ihre langen Arme hinein, saugen und greifen ihre Näpfe gierig den Profit. Feinde halten sie im Würgegriff. Daher zählen sich Politiker lieber zu ihren Freunden, manche fressen den großen Tieren aus der Hand. So sind Bundes- wie Landespolitiker in Aufsichts- und Beiräten zu Diensten, oder sie lassen sich in Stiftungen, Projektgruppen oder Initiativen einer Lobby einbinden. Dafür genießen die Medienhäuser allerlei Privilegien: kein Mitspracherecht des Betriebsrats bei der Einstellung oder Entlassung von Redakteuren, Steuervorteile für Presseprodukte, Privatisierung und Liberalität im Niedriglohnsektor sowie grenzenlos freie Hand bei Privatsendern und deren Programmen. Nur dem ungehemmten Einfluss der Meinungs-Oligopolisten im Medienfilz der Politik sind die geltenden Mediengesetze der Privaten zu verdanken. Dieser Hohn auf eine würdige Medienkultur ohne ethischen Anker hätte nie in Kraft treten dürfen: jede Menge Unterbrecher- und Schleichwerbung (wie im US-Fernsehen), kaum journalistische Auflagen für die Inhalte, dafür seicht mit Sport und Unterhaltung und der Lizenz zum Gelddrucken.

Bertelsmann ruft nach Privatisierung

Die absolute Nummer eins an der Spitze dieser Profiteure heißt Bertelsmann SE & Co. KG a. A. Die Gütersloher stehen weltweit stets in einer Spitzengruppe etwa unter den ersten fünf. Bertelsmann betreibt fast jede Mediensparte und mehr – der Tausendfüßler der Szene: Buchverlage (Random House, darunter Goldmann), Buch- und Musik-Clubs, Printmedien, Druckereien, Kino, Film, Video (z. B.: CLT-UFA, Universum) sowie Hörfunk und Fernsehen im In- und Ausland mit der RTL-Schiene, Vox und N-TV. Doch das Imperium ragt weit über den Medienbereich hinaus. Bertelsmann steckt ebenso hinter Callcentern, besorgt Inkasso- und Adressenmanagement sowie den Warenvertrieb (Logistik) für allerlei Produkte auch außerhalb der Verlage und bietet Internet- und Online-Auftritte an. Auch sogenannte Outsourcing-Dienstleistungen mit Billigarbeitskräfte sind dabei. Hinter diesem Geschäft steckt der Ruf nach Privatisierung, an dessen Erfolg der Riese seit Jahren profitiert. Die Bereiche jenseits des klassischen Verlagswesens beschäftigen bereits die meisten Menschen der rund 100 000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern.

Wer ahnt schon bei der Lektüre des "Spiegels" oder "Manager Magazins", dass auch diese "linken" Blätter im Einflussbereich der konservativ-pietistischen Verleger aus dem westfälischen Gütersloh liegen? Der Krake hält 25,1 Prozent am "Spiegel" und "Manager Magazin" – gedruckt wie online. Diese Publikationen sind Teil des Riesengeschäfts mit Zeitschriften und Illustrierten. Die meisten bunten Blätter sind in der Hamburger Tochter Gruner + Jahr (G + J) gebündelt, dem größten Zeitschriftenverlag Europas. Mit dem Paket führt der Konzern durch Zeitschriften wie "Stern", "Brigitte", "Gala", "Capital", "GEO", "P. M.", "essen & trinken", "Eltern", "Börse Online", "Sports", "Auto Motor Sport" usw. Neugründungen sind an der Tagesordnung wie u. a. "Park Avenue", "Emotion", "Healthy Living" ... Diverse Online- und Internetaktivitäten werden kräftig ausgebaut. Ein politisch wie gesellschaftlich entscheidender Coup gelang im Geschäft mit dem Privatfunk. Bertelsmann gehören 75,1 Prozent an der RTL-Group, wodurch die Gütersloher auch in dieser Sparte das Sagen haben – national wie international. Gut ein Viertel des RTL-Ablegers kam gerade an die Börse. Nun gebietet der Riese gemeinsam mit der britischen Pearson-Gruppe sowohl über gut zwei Dutzend TV-Sender und zig Radiostationen in Europa als auch über globale Produktionsgesellschaften für Filme und Videos.

Allerdings musste das Imperium auch Federn lassen, Betriebe sowie ganze Sparten aufgeben. So verkaufte der Multi fast alle Fachverlage (Bücher, Zeitschriften, Newsletter) sowie von der "Sächsischen Zeitung" abgesehen alle Tageszeitungen ("Berliner Zeitung", "Dresdner Morgenpost" und "Chemnitzer Morgenpost"). Die mit Pearson verlegte Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" (FTD, 50-Prozent-Anteil) wurde Ende 2012 nach hohen Verlusten eingestellt. Dieser Ausstieg ist wieder ein Beleg dafür, dass die Gütersloher wie andere Giganten nicht zögern, einzelne Objekte oder Firmen (Verlage, Druckbetriebe) radikal zu schließen oder zu verscherbeln.

Wie lockt man neue Leser an? Foto. Joachim E. Röttgers
Wie lockt man neue Leser an? Foto. Joachim E. Röttgers

Geht es ums Geld, agieren die Bertelsmann-Erben im Sinne des 2009 verstorbenen Medienmoguls Reinhard Mohn. Der konservative Pietist und Gründerenkel, der den christlichen Verlag nach 1945 zum weltlichen Weltkonzern aufbaute, hegte Rendite-Erwartungen zwischen zehn und 25 Prozent des Umsatzes pro Projekt. Seine Nachfolger übernahmen diese hohe Messlatte. Allen voran "Liz" Mohn, geborene Elisabeth Beckmann. Die frühere Telefonistin achtet streng auf die familiäre Linie im Hause sowie bei der Bertelsmann-Stiftung (diese ist politisch wie medial so einflussreich, dass sie ein eigenes Kapitel wert ist). Die anspruchsvolle "Liz" ist die zweite Frau von Reinhard Mohn. Viele Jahre leistete sich der Großverleger nämlich gleichzeitig zwei Frauen und Familien. Durch diese Parallelität zieht heute die Doppel-Familie Mohn (irgendwie) die Fäden hinter dem Medienmulti.

Auch Springer drängt ins Fernsehgeschäft

Mit deutlichem Abstand auf Bertelsmann folgt die Axel Springer-Gruppe (Berlin/Hamburg). Sein Schwergewicht liegt klar bei den aktuellen Medien, den Tageszeitungen. Der Medien-Mammut ist auch ein Riese bei Anzeigenblättern – von Schleswig bis Bayern dominieren seine Blätter mit dem roten Kopf. In diesen Sparten ist Springer Deutschlands Nummer eins. Namhafte Zeitungen sind "Bild", "Sport-Bild", "Frau im Bild", "Computer-Bild" ("Bild"-Gruppe), "Welt", "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost", "B. Z." sowie Beteiligungen an nord- und ostdeutschen Zeitungen. Der gesellschaftliche und politische Einfluss der Springer-Presse spricht aufgrund der Millionenauflagen für sich. Das tägliche Gift wird bevorzugt über die leichte Kost Sport und Unterhaltung verabreicht, inszeniert auf der Bühne "Freizeitwelt". Letztere macht angeblich alle Menschen gleich. Weitere große Zweige Springers sind daher Publikumszeitschriften aus Freizeit und Hobby ("Boot", "Golf", "Tennis", "Ski", "Kino" ...) sowie TV-Blätter ("Hörzu", "Funk Uhr"). Sehr stark ist der Konzern auch bei Frauenblättern ("Bild der Frau" etc.). Hiervon besitzt der Verlag jede Menge. Weitere Stärken sind Druckereien und der Pressevertrieb (Grosso in Deutschland wie in Österreich). Hinzu kommen eigene Film- und Videobetriebe im In- und Ausland. Beteiligungen an Hörfunksendern existieren u. a. in Hamburg, Schleswig-Holstein, Stuttgart oder München. Aus Regionalzeitungen zog sich Springer teilweise zurück (verkauft an die Madsack-Gruppe, Hannover). Andererseits wird die "Bild"-Gruppe bevorzugt forciert, vor allem online. Generell gewinnen etwa Online-Zeitungen mit Nachrichtenvideos gegenüber Printmedien deutlich an Gewicht. Dagegen rutschte der Postzusteller PIN 2008 schmachvoll in die Pleite. Das "Erfolgsmodell" für Billigjobs, das von mehreren Großverlagen getragen wurde, musste zerschlagen werden.

Auch der Springer-Konzern versucht, sein Engagement bei elektronischen Medien (Sat 1-Pro 7) im In- und Ausland stark auszuweiten. Indes, der langwierige Versuch, die TV-Sender-Kette Sat 1-Pro 7 über die Tochter Ullstein (Berlin) seit Anbeginn zu erwerben, scheiterte am Kartellamt sowie an den Marktgegebenheiten. Die Fusionswächter meinten zu Recht, dass es für die freie Meinungsbildung schädlich sei, wenn ein Presseimperium neben Zeitungen und Zeitschriften auch über elektronische Medien Regie führt und in allen Sparten und auf Kanälen die Agenda beherrscht. Warum darf dann Bertelsmann im Medienmarkt nach Belieben zugreifen, wo und wie es gefällt? Das fragt sich auch Springer vehement. Die "Bild"-Macher gaben offenbar vorerst ihr Interesse an Sat 1-Pro 7 auf. Aber ihre Aktion erscheint undurchsichtig, denn Springer bleibt neim Fernsehen dicht am Ball. Gerüchte besagen, dass der "Bild"-Konzern über seine Blätter in der Türkei und Israel Einfluss auf die deutsche Sendekette nehmen könnte.

"Newsroom" – Pressekonzentration, versteckt im Konzern

Wie so oft schwappt wieder eine neue Welle über den Großen Teich herüber, getrieben von Sparkommissaren: Zeitungsgruppen schließen vollwertige Redaktionen oder magern sie kräftig ab. Der Großteil der Blätter entsteht komplett am sogenannten Newsdesk in einer Neudeutsch Newsroom genannten Zentralredaktion. Zur äußeren Tarnung einer Pressevielfalt bleiben die Zeitungstitel ("Köpfe") bestehen. Springer ist ein Pionier der versteckten Spar- und Konzentrationswelle. "Welt", "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Berliner Morgenpost" wurden 2007 in einem Newsroom zentriert. Dieses Konzentrat, das für die eigene Zeitungsgruppe redaktionell wie eine Presseagentur arbeitet, spart Hunderte von qualifizierten Arbeitsplätzen – journalistischer Qualitätsverlust ist bei dieser Zentralisierung zweitrangig.

Auch Bertelsmann folgt dem Billigkurs. Nach Springer-Vorbild wurden die Redaktionen der Wirtschaftstitel "Capital", "Impulse", "Börse Online" Ende 2008 in einem Newsroom der Zentrale konzentriert und "verschlankt". Das Ende dieser Titel? Diese Pools bedeuten eine Konzentration bei der Auswahl der Nachrichten und Themen nach innen – so verborgen, dass kein Politiker oder Kartellamt warnend den Finger gegen die Zeitungsriesen hebt. Diese heimliche Beschneidung der Informations- und Meinungsfreiheit – immerhin bezahlen die Leser für eine vollwertige Publikation und nicht für einen anonymen Newsroom – bedroht die Gesellschaft. Wer außer Springer und Bertelsmann magert seine Redaktionen ebenfalls leise ab? Denn andere große Pressehäuser sind gefolgt oder folgen. Welche Macht haben die unbekannten Meinungs-Oligopolisten? Die mediale Nestbeschmutzung geht weiter.

 

Die Reihe wird vom Autor in loser Folge fortgesetzt.


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Kommentare

Jörg Prostka, 29.06.2013 21:25
Der längliche Kommentar von Gunther Schenk ist leider sehr sinnvoll, weil in der Tat viele ökonomische und unternehmerische Details nicht korrekt sind.
Als Ergänzung hier drei Anmerkungen zur Diskussion:
1. Welche Auswirkungen haben Medienkonzentration und Medienkonvergenz auf den Berufsalltag der Journalistinnen und Journalisten? Für den Journalismus als unabdingbare Konstante der Demokratie ist das wichtiger als eine nur oberflächliche und im Detail falsche Beschreibung der Konzerne.

2. Das Privileg "kein Mitspracherecht des Betriebsrats bei der Einstellung oder Entlassung von Redakteuren" ist nach meiner Kenntnis im Betriebsverfassungsgesetz begründet. Es gilt für Arbeitgeber, die sich auf die Meinungs-, Presse-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Art.5 GG) berufen können und auf Religionsgemeinschaften. Gilt das noch für Verlage, die journalistische Inhalte bei der publizistischen Konkurrenz einkaufen?
Als Beispiel aus NRW sei die WAZ-, neuerdings Funke-Mediengruppe genannt: Nach der Schließung und Entlassung der WR-Redaktion werden die Lokalausgaben der Westfälischen Rundschau vom langjährigen lokalen Rivalen Ruhr-Nachrichten geliefert. Da ist von weltanschaulicher Tendenz nichts mehr zu sehen - da herrschen nur noch Kostendenke und Renditeerwartung!

3. Ich hoffe, dass die kontext-Redaktion sich noch zu dem Beitrag äußert, denn die Berichte über Medien in Ba-Wü in der Printausgabe (taz-Beilage) sind lesenswert. Für evtl. weitere Folgen dieser Serie über Medienkonzerne sind also mehr Genauigkeit und weniger oberflächliche Darstellung wünschenswert!

Revolte der Eisbären im Zoo, 28.06.2013 10:42
Ja, die Undurchschaubarkeit der Besitzverhältnisse wird wieder durch die Leserkommentare bestätigt. Oben fehlt noch ein Komma usw.

Und jetzt? Beißt ihr in die Gitterstäbe?

Peter Fendrich, 27.06.2013 22:57
@Benno Mehring:

Gerade wegen des zu Recht beklagten Qualitätsverlustes und der zunehmenden Alternativlosigkeit sollte man an Kontext-Autoren scheinbar überkommen hohe Ansprüche stellen können.

Selbst wenn die lange Latte an Korrekturen nicht mal annähernd berechtigt wäre, müssten die Kontext-Redakteure reagieren: Entweder um Zweifel auszuräumen oder zur Richtigstellung. Ansonsten sehe ich die Reputation gefährdet.

Benno Mehring, 27.06.2013 17:35
Warum so feige? Weil wir Journalisten es gewohnt sind (und über Generationen waren), das Geschehen vom sicheren Balkon der uns von den Alliierten geschenkten - verordneten - Pressefreiheit aus zu beurteilen. Nun, da wir im Zuge der Umbrüche der Printmedien kämpfen müssten, fehlt es uns an Strategien, vor allem aber an Mut. Zu Gunther Schenk: Warum so streng? Wäre Ulrich Viehövers Philippika besser nicht erschienen, weil der Autor einige Veränderungen nicht berücksichtigt hat? Doch wohl kaum! Zielt er deshalb mit seiner Kritik am Medien-Monopoly daneben? Dreimal nein! Können wir uns darauf einigen, dass Viehöver einen überfälligen Artikel geschrieben und Sie, werter Gunther Schenk, ein paar wichtige Ergänzungen beigesteuert haben?

Paul, 26.06.2013 12:58
aber kann mir da mal einer erklären warum die oftmals vor Arroganz nur so strotzenden Journalisten nicht auf die Barrikaden gehen?
warum wehren sich diese Menschen, die gern vom Schreibtisch "Kriege" führen, vom warmen Sessel her andere Menschen verunglimpfen (Wutbürger), mit dem erhobenen Zeigefinger die Fehler brutalsmöglich anzeigen und aufzeigen.... warum ist diese Meute so unglaublich feige?

wie ja auch die Meute der Polizisten
die Meute der Juristen
die Meute der Politiker
die Meute der Wissenschaftler

warum sind diese in römsicher Dekadenz lebenden sozialen-Hängematten-Personen so unglaublich feige? aber gnadenlos den Anderen gegenüber?

Gunther Schenk, 26.06.2013 11:23
Schade, dass auch die Kontext Wochenzeitung an der Aufgabe scheitert, das Thema Medienkonzentration in der gebotenen Sachlichkeit, mit Blick auf die Gefahren und Entwicklungen, aber ohne Schaum vor dem Mund anzunehmen. Dieser Artikel hat zwar gute Ansätze, in weiten Teilen atmet er aber noch das Verständnis der Medienlandschaft des 20. (wenn nicht 19.) Jahrhunderts (wichtig ist, was mit Druckerschwärze auf Totholz gedruckt wird), und darüber hinaus ist er leider schlecht recherchiert (wenngleich immer noch besser als die meisten anderen Veröffentlichungen der letzten Zeit zu diesem Thema). Da hilft es auch nichts, ein paar oberflächliche Aktualisierungen (wie die Verwendung des Begriffs "User") einzubauen.

Zu den gröbsten Fehlern, Veralterungen und Merkwürdigkeiten im Artikel (i.d. Reihenfolge des Vorkommens im Artikel):

<blockquote><i>Die absolute Nummer eins an der Spitze dieser Profiteure heißt Bertelsmann SE & Co. KG a. A. ... Buchverlage (Random House, darunter Goldmann), Buch- und Musik-Clubs, Printmedien, Druckereien, Kino, Film, Video (z. B.: CLT-UFA, Universum) sowie Hörfunk und Fernsehen im In- und Ausland mit der RTL-Schiene, Vox und N-TV.</i></blockquote>

<ul><li>Falls mit "Kino" die UFA-Kinos gemeint sind (was sonst keinen Sinn ergibt, da "Film" ein separater Unterpunkt ist), so gehören diese schon seit 1972 nicht mehr zum Bertelsmann-Konzern. </li>
<li>Die CLT-UFA hatte nur von 1997 (Fusion von CLT und UFA) bis 2000 (Aufgehen in der RTL-Group) eine Relevanz.</li>
<li>Vox und n-tv stehen nicht neben der "RTL-Schiene", sondern sind Teil der RTL-Group.</li></ul>

<blockquote><i>Wer ahnt schon bei der Lektüre des "Spiegels" oder "Manager Magazins", dass auch diese "linken" Blätter im Einflussbereich der konservativ-pietistischen Verleger aus dem westfälischen Gütersloh liegen? Der Krake hält 25,1 Prozent am "Spiegel" und "Manager Magazin" – gedruckt wie online.</i></blockquote>

<ul><li>Es ist mir keine Quelle bekannt, die je das "Manager-Magazin" als "linkes Blatt" bezeichnet hat - der Autor darf mich aber gerne eines besseren belehren.</li>
<li>Wenn man schon Beteiligungen die dritte Nachkommastelle genau angibt, sollte der Wert auch stimmen. Der Bertelsmann-Anteil am SPIEGEL beträgt 19,1%, am Manager-Magazin 33,0%.</li></ul>

<blockquote><i>Mit dem Paket führt der Konzern durch Zeitschriften wie "Stern", "Brigitte", "Gala", "Capital", "GEO", "P. M.", "essen & trinken", "Eltern", "Börse Online", "Sports", "Auto Motor Sport" usw. Neugründungen sind an der Tagesordnung wie u. a. "Park Avenue", "Emotion", "Healthy Living" ... </i></blockquote>

<ul><li>"Börse Online" hat der Verlag im Januar verkauft.</li>
<li>"Sports" gibt es schon seit dem alten Jahrtausend nichts mehr.</li>
<li>"Park Avenue" wurde bereits 2008 eingestellt.</li>
<li>"Emotion" wurde 2009 verkauft.</li>
<li>"Healthy Living" wurde 2010 erst verkauft, dann eingestellt.</li></ul>

<blockquote><i> Gut ein Viertel des RTL-Ablegers kam gerade an die Börse. Nun gebietet der Riese gemeinsam mit der britischen Pearson-Gruppe sowohl über gut zwei Dutzend TV-Sender und zig Radiostationen in Europa als auch über globale Produktionsgesellschaften für Filme und Videos.</i></blockquote>

<ul><li>Peason hat seine Beteiligung an RTL bereits 2001 verkauft.</li></ul>

<blockquote><i>Allerdings musste das Imperium auch Federn lassen, Betriebe sowie ganze Sparten aufgeben. So verkaufte der Multi fast alle Fachverlage (Bücher, Zeitschriften, Newsletter) sowie von der "Sächsischen Zeitung" abgesehen alle Tageszeitungen ("Berliner Zeitung", "Dresdner Morgenpost" und "Chemnitzer Morgenpost"). Die mit Pearson verlegte Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" (FTD, 50-Prozent-Anteil) wurde Ende 2012 nach hohen Verlusten eingestellt.</i></blockquote>

<ul><li>Dresner Morgenpost und Chemnitzer Morgenpost wurden nicht verkauft, sie gehören nach wie vor zum Konzern. Die Financial Times Deutschland gehörte seit 2008 zu 100% zum Verlag.</li></ul>

<blockquote><i>Viele Jahre leistete sich der Großverleger nämlich gleichzeitig zwei Frauen und Familien. Durch diese Parallelität zieht heute die Doppel-Familie Mohn (irgendwie) die Fäden hinter dem Medienmulti.</i></blockquote>

<ul><li>Die Familie zieht nicht "irgendwie die Fäden", die Struktur ist ziemlich durchschaubar: Elisabeth "Liz" Mohn ist die größte Privataktionärin der Bertelsmann S.E., und gleichzeitig ist gemäß Satzung (die sie persönlich erwähnt) die mächtigste Person in der Struktur der Bertelsmann-Stiftung.</li></ul>

<blockquote><i>Der Medien-Mammut ist auch ein Riese bei Anzeigenblättern – von Schleswig bis Bayern dominieren seine Blätter mit dem roten Kopf. </i></blockquote>

<ul><li>Offenbar versteht der Autor unter "Anzeigenblättern" etwas anderes, als üblicherweise darunter verstanden wird. Die Anzeigenblätter dieser Republik (also kostenlose Wochenblätter) werden i.d.R. von den Tageszeitungsverlagen der jeweiligen Regionen kontrolliert. Axel Springer ist nur dort im Wochenblattsektor aktiv, wo man auch Tageszeitungen verlegt - eben in Berlin und in Hamburg.</li></ul>

<blockquote><i> Namhafte Zeitungen sind "Bild", "Sport-Bild", "Frau im Bild", "Computer-Bild" ("Bild"-Gruppe), "Welt", "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost", "B. Z." sowie Beteiligungen an nord- und ostdeutschen Zeitungen. </i></blockquote>

<ul><li>Eine "Frau im Bild" gibt es nicht - vermutlich meint der Autor die "Bild der Frau".</li>
<li>Sport-Bild und Computer-Bild (sowie die "Bild der Frau") sind Zeitschriften, keine Zeitungen.</li>
<li>Die Beteiligungen an den ost- und norddeutschen Regionalzeitungen hat der Verlag in den letzten Jahren sukzessive und vollständig verkauft".</li></ul>

<blockquote><i>Weitere große Zweige Springers sind daher Publikumszeitschriften aus Freizeit und Hobby ("Boot", "Golf", "Tennis", "Ski", "Kino" ...) sowie TV-Blätter ("Hörzu", "Funk Uhr"). </i></blockquote>

<ul><li>Die Beteiligung am Jahr-Top-Special-Verlag hat Springer Anfang des letzten Jahres verkauft. Ein Kino- oder Ski-Magazin gehört aber weder zum Portfolio des JTS-Verlags noch zum übrigen Springer-Portfolio.</li></ul>

<blockquote><i>Auch der Springer-Konzern versucht, sein Engagement bei elektronischen Medien (Sat 1-Pro 7) im In- und Ausland stark auszuweiten. Indes, der langwierige Versuch, die TV-Sender-Kette Sat 1-Pro 7 über die Tochter Ullstein (Berlin) seit Anbeginn zu erwerben, scheiterte am Kartellamt sowie an den Marktgegebenheiten.</i></blockquote>

<ul><li>Seine Beteiligung an ProSiebenSat1 hat Springer schon 2007 vollständig verkauft. Welche besondere Rolle Ullstein bei der versuchten ProSiebenSat1-Übernahme (2005) gespielt haben soll, bleibt das Geheimnis des Autors.</li></ul>

<blockquote><i>Aber ihre Aktion erscheint undurchsichtig, denn Springer bleibt neim Fernsehen dicht am Ball. Gerüchte besagen, dass der "Bild"-Konzern über seine Blätter in der Türkei und Israel Einfluss auf die deutsche Sendekette nehmen könnte.</i></blockquote>

<ul><li>Axel Springer hat keine Blätter in der Türkei und Israel. (Man besitzt jedoch 20% am türkischen Radio- und Fernsehkonzern Dogan.) Aber wie soll darüber Einfluss auf ProSiebenSat1 genommen werden? Und was hat Israel damit zu tun? Wenn man dem Autor böse gesinnt wäre, könnte man ihm unterstellen, er wolle jahrzehntealte Reflexe wiederbemühen. Zumindest ist die Taktik, irgendein Gerücht in die Welt zu setzen, und sich dann damit zu verteidigen, dass man ja "Gerücht" dazugeschrieben habe, genau die BILD-Methodik, die der Autor bei BILD selbst - zurecht - kritikwürdig findet. </li></ul>

Zusammen mit dem allgemein aggressiven Tonfall ("weltfremder Blödsinn", "Krake", "Imperium"), im Artikel vergält das einem die Freunde und das Interesse an der Lektüre. Übernimmt ein Konzern eine Publikation, so ist er eine"Riesenkrake". Verkauft er eine Publikation, so "verscherbelt" er sie. Gründen er ein weiteres Medium, so "geht es ihnen nur darum, seinen Einflussbereich auszubauen". Schließen er eines, so "geht es ihm nur ums Geld".

Dabei wirft der Artikel eigentlich wichtige Punkte auf: Den großflächige Verlust der inneren Autonomie in zahlreichen Medienkonzernen in den letzten Jahren. Den Lohnverfall. Das Adressmanagement-Unwesen. Die Probleme beim Grosso. Den schleichenden Qualitätsverlust. Die Undurchsichtigkeit vieler Konzerne. Die Verknüpfungen mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren. Die unzureichenden Selbstorganisationsrechte der Mitarbeiter. Die fehlende Durchsetzung von inhaltlichen Auflagen bei der Rundfunklizenzierung.

Schade. Normalerweise macht die Kontext-Wochenzeitung das besser.

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Ausgabe 300 / Kopp auf der Resterampe / R.N., 15.01.2017 15:38
Als die Kontext-Wochenzeitung erstmals erschienen ist, habe ich mich auf eine Zeitung gefreut, die ohne offensichtlichen politischen Einfluss auskommt. Zu früh gefreut. Nach dem Lesen dieses Artikels spürt man, woher der Wind...

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Gela, 15.01.2017 13:31
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Ausgabe 302 / Kobra ins Körbchen / Jan, 15.01.2017 12:17
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